Nr. 95 Erstes Blatt.
151. Jahrgang.
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Amts- und Anzeigedlatt für den Kreis Gießen
GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger v
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Abresie für Tepelche«: Anzeiger Hießen. rVfHilvrcdianfdihifi 9hr. H.
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Amtlicher Teil.
Gießen, den 19 April 1901.
Tetr.: Die Erhebung und Verrechnung der allgemeinen Kirchensteuern.
Das Großherzoqliche Kreisamt Gießen
a» die Grosth. Bürgermeistereie» des Kreises.
Wie Sie auS dem Gesetz vom 30. März 1901 (Re gierungSblatt Nr. 25), der Bekanntmachung vom 3. l. M. (in einer der nächsten Beilagen Großherzoglichen RegierüngS- blattS) ersehen, werden die allgemeinen Kirchensteuern vom 1. Lpril L I-. an nicht mehr mit den Gemeindeumlagen, sondern mit den direkten Staatssteuern au-geschlagen und erhoben. Demgemäß sind die allgemeinen Kirchensteuern von nun an nicht mehr von den Gemeinde-Einnehmern zu erheben und auch nicht mehr in der Gemeinde Rechnung zu verrechnen, und eS kommen die de-fallfigen Vorschriften unserer Amtsblätter Nr. 13 vom 14. Mai 1877, betr. die Erhebung und Verrechnung der allgemeinen evangelischen Kirchensteuer, und Nr. 12 vom 29. August 1900, betr. die Erhebung und Verrechnung der allgemeinen katholischen Kirchensteuer, in Wegfall. Bezüglich der Erhebung und Ver rechnung der lokalen Kirchensteuer« bleiben die seitherigen Bestimmungen auch fernerhin in Kraft.
Wir beauftragen Sie, die Gemeinde-Einnehmer hiernach mit Weisung zu versehen.
v. Bechtold.
Betr.: Abhaltung landwirtschaftlicher Vorträge.
Am Sonntag dem 28. dS. Mts., nachmittags 4 Uhr, wird Herr Oekouomierat Leithiger aus Alfeld in BerSrod im Saale des Wirts IohS. Hofmann III. einen Vortrag über Feldbereiuiguug halten, zu dem ich jedermann hiermit fteuudlichst einlade.
Die Herren Bürgermeister von BerSrod und der Nachbar orte wollen gefälligst für ortsübliche Bekanntmachung sorgen.
Gießen, den 22. April 1901.
Der Direktor des landwirtschaftlichen Bezirk-Vereins, v. Bechtold.
Bekanntmachung.
Der Wetterauer Geflügelznchtverein beabsichtigt mit der in der Zeit vom 14. bis 17. Juni I. I zu Bad-Nauheim stattfindenden Geflügelausstellung eine Verlosung von lebendem Geflügel und Gegenständen der Geflügelzucht zu verbinden.
Großherzogliche- Ministerium deS Innern hat die nach gesuchte Erlaubnis zur Veranstaltung dieser Verlosung unter der Bedingung erteilt, daß nicht mehr als 4000 Lose zu 50 Pfg. da- Stück, au-gegeben werden dürfen und mindestens 52 Prozent de« Bruttoerlöses aus dem Verkaufe der Lose zum Ankauf von Gewinngegenständeu zu verwenden ist.
Zugleich ist der Vertrieb der Lose in der Provinz Ober» hetzen gestattet worden.
Gießen, heu 20. April 1901.
Großherzvgliches ShxiSamt Greste«
v. Bechtold.
Zur Gießener Theaterfrage erhalten wir folgende Zuschrift:
'age ae- er die
In Nr. 87 Ihres geschützten Blattes brachten Sie einen Artikel, der sich in sehr dankenswerter Weise mit der Gießener Tbeatersrage beschäftigte. Der Artikel knüpfte an bas letzte Gastspiel von Frl. Irene Triesch und an das' nach demselben im Hotel Großherzog über einen Theaterbau Gesprochene an, und, wenn er auch dem Theaterverein volle Anerkennung seiner Leistungen zollte, so glaubte er doch konstatieren zu müssen, daß die Bestrebungen des Vereins mehr auf litterarischem, als auf rein praktischem Gebiete lägen, daß die Theater b a u frage den Theater- perein direkt nicht berühre.
Tas letzte entspricht nun freilich nicht ganz den That- fachen; denn der Theaterverein hat schon seit drei Jahren «Uh eine Verbesserung der räumlichen Verhältnisse des kheatcrs in sein Programm ausgenommen.
Im Juni 1898 veranstaltete der Verein zum Besten -eines Theater-Saalbaues zwei Tilettanten-Vorstell- ungen, die ca. 800 Mk. Reinertrag brachten. Darauf trat der «nein mit dem Besitzer desCafe LeibUnterhandlung, und dieser erklärte sich in liebenswürdigster 2Beifc bereit, die damals äußerst dürftigen Verhältnisse der Garderoben, des Bühnen- und Zuschauerraums zu verbellern, falls der Theaterverein ihm die Verzinsung des Baukapitals aus eine Reihe von Jahren garantierte. Ter Theaterverein konnte ■tur diese Bedingtg eingehen, weil er, bis dahin ohne iedes Barvermögen, nunmehr einen Garantiefonds für die richtige Bezahlung der Zinsen zu stellen vermocht ieht ist er aber glücklicherweise Nicht in die L lammen, diesen Fvnds «ngreifen zu müssen da Zinsen stets aus seinen Einnahmen bestreiten konnte. Mit
wenigen Tausend Mark wurde damals recht viel geschaffen, und jeder auslvärtige Künstler, der in der Folge hierher kam und die ftüheren mehr als bescheidenen Theaterräume kannte, war voll der Anerkennung darüber.
Che sich aber der Theaterverein in der geschilderten Weise verpflichtete, war durch Besprechungen mit dem damaligen Oberbürgermeister festgestellt worden, daß damit der Errichtung eines Saalbaues kein Hindernis erwüchse. Man war sich vollständig einig darüber, daß unmittelbar nach Erbauung des Volksbades nicht mit neuen Anforderungen an Stadt und Bürgerschaft herangetreten werden dürfe, und daß ein Saal- oder Theaterbau wohl erst bis zum Jahre 1907, aber dann auch bestimmt, fertig sein würde.
Wenn es nun in dem Artikel weiter heißt, daß während der Amtszeit des Oberbürgermeisters Gmauth für das Theater leider nicht viel geschehen sei, so möchte ick dem auf das Bestimmteste widersprechen. In Präsident Gnauth fand vielmehr das hiesige Theater seinen wärmsten Förderer, wie niemand besser als Schreiber dieses weiß, und wenn eS unter ihm auch nicht zur Ausführung eines Neubaues kam, so lag das eben an den schon berührten Verhältnissen.
In den letzten drei Jahren hat nun der Theaterverein ständig den Gedanken an einen Neubau wach gehalten; es fanden vor zwei Jahren wieder Dilettantenvorstellungen zur Vergrößerung des Baufonds statt, und auch das letzte Gastspiel von Irene Triesch diente dem gleichen Zweck. Der Ueberschuß, den dieses Gastspiel ergab, war zwar lvegen der hohen Unkosten nicht groß — nicht ganz 400 Mk. —, aber die Hauptsache bleibt ja hierbei doch, daß die Frage eines Neubaues immer im Fluß erhalten wird. Denn von den wenigen Tausend Mark, die durch solche Veranstaltungen einkommen, können wir in absehbarer Zeit kein Theater bauen. Zum mindesten wird aber doch hierdurch ein Fonds zusammengebracht, aus dem die Kosten der Vorarbeiten, der Pläne, der Agitation, bestritten werden können.
Wieviel wird nun aber ein Theaterbau kosten? Der Vorstand des Theatervereins hat auch die Kosten- und Nentabilitätsfrage seit langem besprochen und ist, bei der außerordentlich günstigen Lage des zur Verfügung stehenden Bauplatzes, zu der Ueberzeugung gelangt, daß die Rentabilität außer Zweifel steht, wenn nur der Bau so angelegt tvird, daß eine Restauration in großem Stil, mit Winter- und Sommerbetrieb, damit verbunden ist. Tie hieraus zu ziehende Pacht würde zu einem großen Teil schon die Zinsen des Baukapitals decken können. Dazu käme die Miete für Theater- und Konzertaufführungen, sowie für sonstige größere Veranstaltungen.
An Miete für den Leibschen Saal werden ja seitens der Theaterdirektion jetzt schon ca. 4000 Mk. — bis zu 3000 Mk. vergütet die Stadt — gezahlt, der Theaterverein zahlt nochmals ca. 400 Mk. für seine Vorstellungen, und der Konzertverein wird dem Klub wohl auch einige Hundert Mark für den gänzlich unzureichenden Klubsaal entrichten.
Um jedoch ein durchaus sachverständiges Urteil über die Möglichkeit eines Baues, wie er in Gießen verlangt wird, und über die Kosten eines solchen zu erhalten, hat sich der Theaterverein an diejenige Firma gewandt, welche die meisten Theaterbauten jetzt ausführt, an die K. K. Bauräte Fellner und Helmert in Wien. Es wurde Auskunft über folgende zwei Fragen verlangt:
1) Ist es möglich und ist es praktisch, einen Bau zu errichten, in dem in der Hauptsache das Theater sein Heim hat, in dem aber auch Konzerte stattfinden, und der weiterhin durch Ueberbauung oder Hebung des Sperrsitzes in einen großen, die Bühne mit umfassenden Saal verwandelt werden kann? 2) Wie hoch belaufen sich voraussichtlich die Herstellungskosten, wenn die Zahl der Plätze zu 800 angenommen wird, und dem Theater größere Restaurationsräume angegliedert werden?
Die Antwort auf die erste Frage lautete durchaus bejahend, wie dies in Anbetracht der Thatsache, daß viele, diesen verschiedenen Zwecken genügende Theater bereits bestehen, zu erwarten war. Die Antwort auf die zweite Frage bezeichnete, je nach dem geringeren und größeren Luxus in der Ausführung, 350000—450 000 Mk. als Bausumme. Vorgesehen sind dabei ca. 650 Sitzplätze — darunter 16—18 Logen, im übrigen Fauteuils — ca. 150 Stehplätze, und außerdem noch ein geschlossener Restaurationsraum für 150 Personen.
Man wird aus den obigen Ausführungen entnehmen können, daß ein solcher Theaterbau nicht übel rentieren wird; außerdem ist aber der am Schlüsse des Artikels in Nr. 87 dieses Blattes genannte Nutzen zu berücksichtigen, den die Stadt Gießen, sobald sie erst über ein gutes Theater in schönem Heim verfügt, aus dem Zuzuge steuerkräftiger Personen nach hier ziehen wird.
Auf andere in dem genannten Artikel berührte Punkte, wie Sommerbühne und Opernvorstellungen möchte ich hier nicht eingehen.
Aber lebhaft unterstützen möchte ich den Vorschlag, daß baldigst ein Komitee zusammentritt, das mit aller Energie den Neubau eines Theaters betreibt. Niemand ist darüber im Zweifel, daß, wenn man überhaupt an die Errichtung eines Theaterbaues in absehbarer Zeit denkt, er im Jubiläumsjahr der Universität ftx und fertig dastehen muß. Es wäre damit dock zugleich auch ein würdiger Ort für die dann stattsindenden Festlichkeiten geschaffen.
erun gs- g i e n vom
Ich möchte schließlich den Vorschlag machen, daß zunächst Theater- und Saalbauverein eine allgemeine Bürgernersarnrnlung einberufen, in der die Frage gründlich besprochen und event. sogleich zur Wahl eines Komitees geschritten wird. ’-e.
antrag zu dem Auslies ) en dem Reiche und Bel
Deutscher Reichstag.
Berlin, 22. April.
Der Zusatza vertrag zwisch...--------- ,
24. Dezember 1879 wird in der ersten und zweiten Beratung angenommen. Bei der Beratung des Süßstoff-Gesetze-
führt
Abg. Tp eck (Ztr.) aus, es könne nicht behauptet werden, daß sich eine Einschränkung des Zuckerkonsums gezeigt hätte als Folge der Verbreitung von Süßstoffen. Die Hoffnung sei trügend, daß die Vereinigung deutsckier Zuckeriudu- strieller die Preise herabsetzen werde. Wo Zucker einer Besteuerung unterliege, sei es nicht mehr wie recht, auch die Süßstosfprodiikte zu besteuern, doch nicht derart, daß die Industrie ruiniert werde. Das Gesetz von 1898 habe keinen Erfolg gehabt. Am besten wäre es, die Süßstoffe ganz zu verbieten, da sie keinen Nahrungswert besitzen. Redner beantragt Ueberweisung des Gesetzes an eine Kommission von 21 Mitgliedern.
Abg. Graf v. Kanitz (kons.): Die Anhydroorthosul- faminbenzoesäure (Heiterkeit), wie das Saccharin in der wissenschaftlichen Chemie heißt, soll zwar der Gesundheit nicht schaden; da es aber thatsächlich mehr den Charakter eines Medikamentes trägt und absolut keinen Nährwert hat, so sind die Vorschläge des Entwurfes jedenfalls der Prüfung wert. Der eigentliche und für mich der entscheidende Gesichtspunkt ist die Wirkung der Verbrauchszunahme der künstlichen Süßstoffe auf die Reichsfiuanzen. Tie Saccharinindustrie mache der Zuckerindustrie empfindliche .Wn- kurrenz. Der Verbrauch an Zucker werde eingeschränkt; darunter leide die Zuckerproduktion und die Finanzwirtschaft des Reiches. Dieser Gesichtspunkt allein sei für die Aararier entscheidend. Eine Erhöhung der Steuer auf über 80 Mk. halte seine Partei für wünschenswert, werde aber einem dahingehenden Antrag nicht stellen. Gegenüber der Gefahr einer Defraudation werde die Regierung eine scharfe Kontrolle an der Grenze führen müssen.
Abg. Wurm (Soz.) meint, das Saccharingesetz sei ein Antifinanzgesetz und bringe nicht Geld ein, sondern koste Geld. Weil den Herren vom Zuckerring das Saccharin unbequem sei, wolle man den Agrariern den Gefallen thu«. Saccharin fei das Gewürz der armen Leute. Der Zucker werde dem armen Mann durch den Zuckerring um 18 Pfg. pro Pfund verteuert. Gerade Saccharin sei ein Schutzmittel gegen den Zuckerwucher. Werde dieser Entwurf Gesetz, so sei ein Zuckermonopol da.
Abg. Dr. Paasche (natl.) stellt fest, daß Abg. Wurm 1898 sich ganz anders wie heute über das Saccharingesetz, geäußert habe. Saccharin sei und bleibe ein Betrugsmittel. Der billigste Nährstoff, den man habe, sei Zucker. Im großen und ganzen treffe die Regierung mit dem Entwurf das Richtige. Es könne nicht behauptet werden, daß die Steuer von 80 Mk. unerhört hoch sei. Man müsse sich fragen, ob sie nicht noch wieter erhöht werden solle.
Staatssekretär Freiherr v. Thielmann konstatiert einen Widerspruch in der Rede Wurms mit der von ihm vor drei Jahren gehaltenen. Hier wurde der Wunsch ausgesprochen, das Gesetz von vornherein auf einige Jahne zu befristen. Dem müsse er widersprechen, da es uw- praktisch sei. Eine offene Frage sei, ob das Gesetz am 1. Januar oder 1. April in Kraft treten soll. Die Koste«, für die Umwandlung der Fabriken, welche die Regierung tragen soll, seien keineswegs so groß, daß die Steuer dadurch aufgebraucht werde, doch könne man mit großer Wahrscheinlichkeit behaupten, daß im nächsten Jahre der Pre-K für Saccharin heruntergeht infolge der Zufuhr aus dem Ausland.
Abg. Eickhoff (fr. Vp.) meint, man könne hier vo« den Wünschen der Agrarier sagen: Steter Tropfen höhL den Stein. Die Haltung der Regierung in dieser Frage ser wenig befriedigend. Tas ganze Prinzip der Besteuerung ist ein ungerechtes. Der Entwurf sei für feine Partei unannehmbar.
Abg. Dr. R ö s i cke - Kaiserslautern (Bd. d. Ldw.) versteht nickt, wie die Sozialdemokraten gegen die Besteuerung dieses Äenußmittels sein können. Das Gesetz genüge nicht, denn das Saccharin werde nicht vom Markt verschwinde«. Tasselbe sollte nur für medizinische Zwecke freigegebew werden. Gegenüber der Zuckerproduktion, welche die größte landwirtschaftliche Produktion mit einem Wert von 150 MiK. Mark darstelle, sei die Saccharin-Produktion verschwindend, und die Zuckerproduktion ließ sich eine Steuer von 109 Mill. Mark auferlegen.
Abg. Schrader (fr. Vg.) hebt hervor, man wolle eiut Industrie beseitigen, gegen die man nichts weiter fagett könne, als daß sie einer anderen Konkurrenz mache.
Abg. Wurm (Soz.) konstatiert, daß zwischen der heutigen, und seiner 1898 gehaltenen Rede kein Widersprach bestes Damals handelte es sich um eine Novelle, den getoew« lichen Vertrieb des Saccharins zu beschränken;
man auch den privaten Vertrieb ein schränken. Der ©W sekretär habe seinen Standpunkt geänder t; damals er Harte er, ein Zoll sei unmöglich. Ter ?Ibg. Röftcke h«be sich heE als Vertreter der deutschen Konsumenten aufgeworfen, et


