Ausgabe 
24.2.1901 Zweites Blatt
 
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solle, schwebe noch beim Bundesrat Die Kommission hat die im vorigen Jahre abgelehnte Mehrforderung von MX) Mark zur Ausbildung alt katholisch er Theo logen auch in diesem Jahre wieder gestrichen.

l weltSVetter" zur Aufführung gelangen. Direktor Helm p'klt die charaklerkomische Nolle desSiegel", eine der besten Nollen des Künstlers, in der dieser an einer Anzahl Bühnen mit g'ößt m Eifoige gastiert hat. Am nächsten DienS tag findet mm Benefiz für Fräulein Henny Woh lbr ück die Erstaufführung deS Blumenth^l'Bernstein'jchen Lustspiels Mathias Gollivger" statt.

** Nachträgliches vom Aschermittwoch berichtet man uns leider erst heute. Wie in früheren Jahren, so unternahmen auch am diesjährigen Aschermiuwoch die Studenten (S. C.) wieder einen Ausflug nach dem benachbarten Klein linden, wo sie nachmittags 3y4 Uhr eintrafen, begleitet von einem Teile der hiesigen NcgimentSkapelle. Nachdem man im Saale des Gastwirts Spuck einige fröhliche Stunden verlebt, trat man gegen 7 Uhr abends auf den mit Lampions geschmückten Schlitten und Wagen den Heimweg an, wöbe nie Musik das Lied:Muß ich denn zum Städtelein hinaus" intonierte.

-g- Für Vogelfreunde. Unter der großen Kälte der letzten Tage zeigte doch das Thermometer heute morgen 15 Grad Reaumur haben namentlich unsere Vögel zu leiden, besonders da sie bei der dichten Schneedecke auch nur spärliche Nahrung finden. Ihre Not zeigt sich deutlich daran, naß auch sonst seltene Gäste, wie Ammern, Blutfinken, Distel' finken und andere, vom Hunger getrieben, oft schon ganz matt und entkräftet, bis in die nächste Nähe der Wohnungen kommen. Wer viel ins Freie geht, konnte draußen auch schon manchen Körper erstarrt liegen finden, dessen lieber frohes Leben bei der strengen Kälte ein klägliches Ende ge nommen hatte. Kein Freund der Vögel und wer wäre das nicht? sollte darum versäumen, den gefiederten Lieb fingen ihr derzeitiges hartes Los durch Anlegen von Futter- Plätzen und einem recht reichhaltigen Tisch nicht nur Küchenabfälle, sondern wenn irgend möglich auch einige Sämereien für die Körnerfresser zu erleichtern. Ihr munterer Gesang wird ihn dann im Frühjahr doppelt erfreuen.

** Aus dem Bericht des Verbandes von R e t t u n g s h ä u s e r n. Die 5. Hauptversammlung des Ver­bandes von Rettungshäusern und verwandten Anstalten und Vereinen in dem Großherzogtum Hessen und der Pro­vinz Hessen-Nassau fand am 14. November 1899 inGießen in den schönen Räumen des neuen Gemeindehauses in der Kirch straße statt. Der Verbandstag in Gießen kann als hochwichtig und bedeutend bezeichnet werden. Außer Mit­gliedern der Landesdirektion und Stadtverwaltung, sowie Vertretern und Leitern von in Betracht kommenden An- talten und Vereinen in größerer Zahl und sonstigen Teilnehmern waren als Vertreter öffentlicher Stellen an­wesend: Prälat Dr. Habicht vom Oberkonsistorium in Darm- tadt, Reg.-Rat Dr. Wagner von der Provinzialdirektion in Gießen, Regierungsassessor v. Loesen vom Regierungs- rräsidium in Kassel, Kreisamtmann v. Krug von der Pro­vinzialdirektion in Mainz, die Beigeordneten Schliephake von Darmstadt, Dr. Kayser von Worms und Wolff von Gießen, Prof. Dr. Frank von der juristischen Fakultät der Universität Gießen. Die Versammlung wurde vom Vor- ißenden, Konsistorialrat Jäger in Bierstadt eröffnet. Er hob hervor, daß dem Verbände die gemeinsame Arbeit mit den Behörden besonders wichtig sei, indem er ihnen bei Ausrichtung ihrer Aufgabe der Volkserziehung dienen und ihnen die Gelegenheiten und Stätten und die lebendi­gen Kräfte dafür bieten wolle, wogegen er auch auf mo­ralische und materielle Unterstützung ihrerseits rechnen müsse. Beigeordneter Wolff überbrachte Grüße der Stadt Gießen und sprach die besten Wünsche aus. Aus dem Berichte des Vorsitzenden feien folgende Angaben gemacht: Von besonderer Wichtigkeit war das vergangene Vereinsjahr durch die Errichtung einer eigenen geschlossenen Anstalt. Hierzu wurde das günstig gelegene und günstig zu habende Anwesen Aumühle in Wixhausen bei Darmstadt mit großen ausgedehnten Wohn- und Oekonomiegebäuden und 20 Morgen Land für rund 53 000 Mark erworben. Am 1. April wurde die Anstalt eröffnet, und es wird in ihr zunächst nur Landwirtschaft verbunden mit Gärtnerei, Meierei und Müllerei betrieben. Im Anschluß an den Bericht machte Pfarrer Umbeck, Vorsteher des neubegründeten Frauenheims Elisabethenhof in Eckenheim bei Frankfurt, eines Seiten­stücks zu den Verbandsanstalten, Mitteilungen über die Wirksamkeit desselben, an dem auch der Verband als Gesellschafter beteiligt ist. Der Strafanstaltsgeistliche Pfr. Reuß von Preungesheim sprach überZwangserziehung mit Bezug auf das neue Bürgerliche Gesetzbuch". Der Vortrag ging dabin, daß er die Notwendigkeit der Zwangs­erziehung begründete und feststellte, daß nach den auf Grund des Bürgerlichen Gesetzbuchs schon erlassenen oder noch zu hoffenden Zwangserziehungsgesetzen eine weitere Aus­dehnung! derselben nach Personen und Zeit möglich sei und eintreten werde und daß zu wünschen sei, daß den Bemühungen von Kirche und Sck)ule um Anordnung und Ausübung der Zwangserziehung alsdann mehr als bisher entgegengekommen werden möge. Der Vortrag veranlaßte eine sehr lebhafte und wertvolle Besprechung, in der be­sonders Prof. Dr. Frank, Reg.-Rat Dr. Wagner und Pfr. Umbeck noch beachtenswerte Momente beibrachten.

k- Aus dem südwestlichen Vogelsberg, 22. Febr. Tiefer Schnee bedeckt die Fluren, an manchen Stellen liegt er 3 bis 4 Fuß hoch. Infolgedessen zieht das Wild bis in die Dörfer. Sogar die Füchse kommen nachts bis in die Dörfer, laufen von Hof zu Hof und statten den Hühner­ställen Besuche ab. Viele Arbeiter haben keine Beschäftigung. Voraussichtlich steigen die Holzpreise noch mehr.

Darmstadt, 23. Febr. Der Bautechniker Stumpsi aus Wien, der, wie wir berichtet, einen Bauunternehmer und Kaufmann in Ober-Ramstadt um etwa 1500 Mk. beschwindelte, ist lautDarmst. Ztg." gestern durch die Kriminalpolizei fest genommen worden. Gegen einen hiesigen Restau­rateur ist zurzeit ein Verfahren wegen Kuppelei, Bc trügerei, Uebcroorteilungcn der Gäste u. s. w. eingeleitet worden.

Darmstadt, 22. Febr. Die gerichtliche Voruntersuchung wegen des Offenbacher Eisenbahnunglücks ist noch immer nicht zum Abschluß gelangt. Die Entscheidung darüber, ob gegen den allein in Betracht kommenden Blockwärter Paulinus Hohmann eine Anklage erhoben wird ober nicht, hängt lediglich von dem noch ausstehenden Gutachten ab, baß

Aus Stadt und Land.

Gießen, ben 23. Februar 1901.

Die Eintrittskarten sinb beim und in bet I. Ricket'schen Univ.. Nach ben letzten Nachrichten ist es bcc ^krankte Kommandant »fnitent De Wei erscheinen wird. Sein Kommen halte er schon zugcwgt. ES wird vielleicht interessieren »u erfahren bafj De Wct mit seinem Vorgesetzten, Kommandant Jo oste' der auch erscheinen und reden wird, engUscherseitS gefangen genommen war und bann entkommen itt.

Höchst interessante Löschversuche finben am nächsten Montag, nachmutagS 4 Uhr, in OswaldSgartrn statt. Es handelt sich um die Vorführung des neuen Moment Löich apparateSExcelsior" (Patent P. C. Cans, Paris), mit dem staunenerregende Löfchresultate erzielt werben sollen.

* Ans dem Theaterburean. Am Sonntag wirb Roberich Benebix' überaus komisches dreiaktiges LustspielDer Aller

Ausland.

London, 22. Febr. (Unterhaus.) William Red­in o n t fragt an, ob der Deutsche K a i s e r der britischen Regierung Sch i e dsr i chter d ie n st e in Frage der Be­endigung des Burenkrieges angeboten habe. Cran borne verneint die Frage. Rcdmont fragt weiter: Will die Regierung erwägen, ob es rötlich ist, den Deutschen Kaiser um einen Schiedsspruch zu ersuchen? Der Sprecher ruft Redmont zur Ordnung. Die Frage Redmonts bleibt unbeanltvortet. Auf eine Anfrage teilt Hicks Beach mit, daß der bisher ausgegebene Betrag der Kriegs kosten 815 0 0 0 00 P fund Sterling betrage. Die wöchent lichen Kosten betragen etwa 1 250 000 Pfund Sterling. Brod- rick erklärt, nach einer kürzlich aufgestcllten Schätzung be­trage die Zahl der im Felde stehenden Buren etwa 2 0 0 0 0, bis zum Januar waren mehr als IG 000 Ge­fangene in den Händen der Engländer, in der letzten Zeit fei die Zahl noch erhöht.

London, 22. Febr. (Oberbaus.) Braye fragt an, ob die Regierung nicht baldigst Maßnahmen treffen wolle, durch welche der für den britischen Souverän bei der Thron bestetgung obligatorische Eid gänzlich ab geschafft wird, in welchem der Souverän die Lehren der katholischen Kirche abschwört. Salisbury erwidert: Ich fürchte, daß meine Antwort den Vorredner nicht befriedigen wirb, so sehr ich dies auch wünschte. Wir alle beklagen die Sprache, in der die Erklärung abgefaßt ist, aber man muß doch bedenken, datz der Akt seit zweihundert Jahren besteht und nicht ohne recht reifliche Erwägung abgeändert werden kann.

Paris, 22. Febr. In der Deputiertenkammer bean- r n?'1 Nationalist Gauthier de Clagny, in das Budget sechs Millionen Francs einzustellen zur Unterstützung der durch die Kälte und dem Arbeitsmangel in Mit­leidenschaft gezogenen A r b e i t er b e v ö l l er n n g. Der Antrag wird für dringlich erklärt und der Bndaetkommission überwiesen. 1

Paris, 22. Febr. Der Senat nahm die Beratilug des Gesetzentwurfes betreffend die Ausrüstung der Kriegs- h a f e n und die Feststellung der Grundlagen für die Opera- honen der Flotte wieder auf. Nachdem Treille in längerer Rede ans die Notwendigkeit der Verteidigung der Küsten von Algerien hingewiesen hatte, wird der Gesetzentwurf ein­stimmig angenommen.

o. o " st a u t i nopel, 21. Febr. In Saloniki nahm die Polizei Haussuchungen bei Bulgaren in mehreren Häusern Uiid in bulgarischen Schiilen vor. Wan konfiszierte revo In t i o tiare Schriften sowie eine Anzahl Gewehre uno R cool v e r. Die Polizei verhaftete hierauf einige bulgarische Hauptagitatoren, wie den Priester Stamatow, den Gymnasial Professor Matow, die Kommissionäre Palo- schow und Piperkow, den Inspektor der bulgarischen Schulen des Vilajets Saloniki Petrvio, den früheren Präsidenten des macedonischen Komitees in Saloniki Todoratschew, 1 Schul diener und 8 bulgarische Gyiniiasiasten. Der Sultan ent­sandte seinen Generaladjutanten Turkhan Pascha nach Salo niki. Derselbe wird in dem vom Sultan eingesetzten Kriegs­gericht, das ans dem Bali von Saloniki, den Chefs der Gen­darmerie und der Polizei sowie dem Präsidenten des Appell Hofes des genannten Vilajets zusammengesetzt ist, den Vor­sitz fuhren. Das Kriegsgericht hat die Aufgabe, den Di­rektor der bulgarischen Schule in Kalkatsch, der an der Spitze des Komplotts gestanden haben soll und von 40 Gendarmen nach Saloniki gebracht worden ist, abzu- urteilen.

H e l s i n g f o rs, 22. Febr. DieFinlandskaia Gaseta" ; Oom 21. Febr. veröffentlicht Einzelheiten über eine ganze Reihe von Demonstrationen, die am 18. Februar, am Jahres­tage der Veröffentlichung des kaiserlichen Manifestes an den f inländischen Senat in Helsingfors stattgefunden haben. Auf einer Straße wurde ein Stück schwarzer Leinwand mit den Namen derjenigen Senatoren ausgehängt, welche für die 1 Proklamierung des Manifestes gestimmt hatten. Abends ' wurden vor den nach der Straße gehenden Fenstern der ' von Finländern bewohnten Häuser schwarze Vorhänge her- 1 Uiitergelasseu und in den Zimmern das Licht ausgelöscht. : Am Denkmal des Kaisers Alexander II. wurde von einer Damendeputation ein Tran er baut) niedergelegt. Gruppen ' junger Leute zwangen russische Ladenbesitzer, das Licht in 1 ben Läben auszulöschen und drangen mit Gewalt in finische i Häuser ein, um dort das Licht auszulöschen, andere machten , eine Katzenmusik vor ben Wohnungen einiger Senatoren, denen Drohbriefe mit bei* Unterschrift desGeheimen Pa­triotischen Verbandes" gesandt wurden. Eine Adresse mit ' ben Unterschriften von 850 Damen ber Stadt Helsingfors wurde dem Vizepräsidenten des Senates überreicht, in 1 welcher gegen die Ueberfiihrung der Akten des sitinischen 1 Staatssekretariats nach Petersburg Einspruch erhoben wurde. Auf Befehl des Reichssekretärs v. Plehwe wurde dies bann unterlassen.

von einem höheren pfälzischen Eisenbahnfunktionär, der auch >rn Heidelberger Falle als Sachverständiger thätig ist, er- itattet wird, darüber, ob rnenschlisches Verschulden oder ledig­lich ein Zusammenwirken unglücklicher Zwischenfälle, für die Niemand verantwortlich zu machen wäre, oder aber die Folge mangelhafter Einrichtungen anzunehmen ist, hat sich die zu­ständige hessische Gerichtsbehörde ein endgiltigeS Urteil noch "lcht gebildet. Der preußische Eisenbahnminister v. Thielen ist bekanntlich mit seinem Urteil früher als die die Unter­suchung führende.Gerichtsbehörde fertig geworden. Man meint hier, so wird berFrkf. Ztg." geschrieben, daß Herr v. Thielen besser gethan hätte, fein Urteil aufzuheden, bis daS Ergebnis ber gerichtlichen Untersuchung vorlag.

Sch. Darmstadt, 22. Febr. Gegen ben hiesigen Restaura' teur und Hotelier H. H. sind schon feit einiger Zeit Ermitte­lungen zwecks Konzessionsentziehung, wegen Kuppelei, Ausbeutung feiner Gäste, Duldung von Hazardspiel rc. im Gange, und haben die Feststellungen bisher sehr belastendes Material zu Tage gefördert. So wurde u. A. feftgestellt, daß er einem bei ihm verkthrenden Einj.-Freiw. d. Jnf.-RegtS. Nr. 115 innerhalb eines Jahres eine Rechnung von ca. Mk. 6000 stellte!? Ein junger Mann, Sohn eines hiesigen Hofzimmermeisters, machte angeblich in einer Nacht eine Rechnung von Mk. 600, die allerdings ber Vater am andern Morgen mit ca. Mk. 300 beglich. Zeitweise hatte er zweifel­hafte Personen einlogiert, deren Treiben er unterstützte, auch wurde feftgestellt, daß oft um sehr hohe Summen bei ihm gespielt wurde, waS er ruhig duldete. ES sollen auch einige gutsituierte hiesige Geschäftsleute kompromittiert fein und es steht ein sensationeller Prozeß bevor. Der Finanz Ausschuß der ersten Kammer ist gestern zur Beratung deS Budgets zusammengetreten und tagte derselbe heute teils für sich, teils in Gemeinschaft mit dem Finanz­ausschuß ber Zweiten Kammer ben ganzen Tag bis spät abenbs, sodaß heute alle Hauptfinanzfragen erledigt werden dürften.

fc. Mainz, 22. Febr. Ein ca. 23 Jahre alter Bettler kam gestern nachmittag in einen Friseurladen Neubrunnen, straße 3, um fln betteln. Da ein junger Frifeurgehilfe allein im Laden anwesend war, glaubte der Bettler, eine Plünde­rung der Labenkaffe riskiren zu können. Als ihn ber Fri- ieurgehilfe hieran Hinbern wollte, rannte er bemfelben ein Messer in ;bie Brust und entfloh. Zum Glück war daS Messer an einer Rippe abgeprallt, sobaß nut eine Fleisch- rounbe entstaub. Immerhin war der UeberfaDene bis gegen Abend bewußlos. Et hatte vor Schreck Krämpfe bekommen, und wurde von einer zufällig ben Laden betretenden Zeitungsträgerin aufgefunden. Bon dem Thäter hat man keine Spur.

Mainz, 22. Febr. Ein Komitee von Geschäfts- und Kaufleuten hat sich hier gebildet, um einen Karnevalzug­verein zu gründen. Dieser soll die Aufgabe haben, für das nächste Jahr unter Aufbringung freiwilliger Beiträge einen glänzenden Karnevalszug zu arrangieren. Die Stadt hat die Genehmigung des Ministeriums zur Errichtung eines Lehrerinnenseminars erhalten.

Frankfurt a. M., 22. Febr. Der kürzlich verstorbene Rentner, frühere Buchhändler, Franz Jügel fetzte die Stabt Frankfurt, wie bieFrankfurter Zeitung" mitteilt, nach Abzweigung einiger Legate zur alleinigen Erbin feines auf 1% Millionen Mark geschätzten Vermögens unb ferner eines äußerst wertvollen Grundbesitzes ein. Die nach beut Willen bes Verstorbenen zu errichtenbe Stiftung wirb ber Alters- unb Krankenverforgung bienen.

fc. Homburg v. b. H., 22. Febr. Der Kaiser begibt ich morgen vormittag nach St. Goarshausen, um ben Rheineis Sprengungen beizuwohnen, bie vom 8. Pionier- Bataillon am Loreleyfelsen vorgenommen werben.

** Kleine Mitteilungen an» Hessen und den Aachdarstaale». Wie aus St. Goarshausen berichtet wirb, hat sich baS Rheineis an ber Loreley gestellt. Die EiSmaffen sind fp gewaltig, baß es, natürlich bie Fortbauer ber Kälte voraus­gesetzt, nur noch wenige Tage dauern wirb, bis ber.Rhein dort zufriert.

(Schiffsuntergänge.

Aus New-Pork wird gemeldet: Der Postdampfer Rio de Janeiro" von China und Japan kommend, a n k nahe dem goldenen Thore. Im dichten Nebel lies das Schiff auf einen Felsen und gingbinnenzwanzig Minuten unter. 234 Personen waren an Bord. Viele sind gerettet. Die Ueberlebenden be­treiben Schreckensszenen. Die Mannschaft war disziplin­los. Nur der Kapitän war bis zuletzt auf ber Kommando­brücke. Alle vier Rettungsbote wurden ausgesetzt; in­dessen ist nur eins an Land gekommen. Viele Menschen wurden von Fischern gerettet. Die Gesamtzahl der weißen Passagiere betrug 36, die ber Chinesen 58, die der Mann- chaft 140. Ter Kapitän war, als das Schiff unterging, angeblich eingeschlossen in der Kabine. (?) ©in deutscher Marine-Offizier Hecker oder Hegge wurde mittels Rettungs­gürtel gerettet, ebenso Philipp Nussenblatt. Die Zahl ber Toten wird auf 70 bis 100 geschätzt. Bei dem Untergang ist vermutlich der amerikanische Konsul W i l d m a n n und ein Sohn aus Hongkong um gekommen. Der richtige Name des geretteten deutschen Offiziers ist H e ch t. Der DampferCity o f R i o b e Janeiro" ist auf der Fahrt von Hongkong über Yokohama nach San Francisco vor dem hiesigen Hafen gestern abend gesunken. Die Zahl der Ertrunkenen ist noch nicht festgestellt. Die Angaben chwanken zwischen 100 unb 150. Ferner wird gemeldet aus Sau Francisco, 22. Febr. Der DampferCity of Rio de Janeiro" gehört berPacific Mail Steamship Compagnie" unb verließ Hongkong am 22. Januar, YoK>- hama am 2. Februar unb traf gestern abend am goldenen Thor ein. Ei' ankerte bis fünf Uhr früh wegen Nebels. Als ber Dampfer bann in ben Hasen einfuhr, stieß er auf ein Riff und sank binnen einer Viertelstunde. brach große Verwirrung aus. Während die Boote herabgelassen ^wurden, sprangen viele über Bord. Wieviel ertrunken sind, läßt sich nicht sagen, da der Zahlmeister, welcher die P a s s a g i e r l i st e in Aufbewahr-'