Ausgabe 
23.11.1901 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Nr. 276

Zweites Blatt.

151. Jahrgang.

Samstag 23. November 1901

erscheint täglich mit Ausnahmr des Montags.

Die Gießener Familien» blätter werden dem An­zeiger im Wechsel mit dem »Hess. Landwirt* und denBlättern für hessische Volkskunde* viermal wöchentlich bet- gelegt.

Redaktion, Expedition und Druckerei:

Schulstratze 7.

Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen.

Kernsprechanschluß Nr.51.

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger v

Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen

Annahme von Anzeigen xu der für den folgenoen Tag erscheinenden dis vormittags 10 Uhr. Alle Anzeigen-Vermitt- lungsstellen des In- und Auslandes nehmen An» »eigen entgegen.

Zeilenpreis: lokal 12 Pf* auswärts 20 Psg.

Rotationsdruck u. Ver­lag der Brüh l'schen Unioersitäts - Druckerei (Pietsch Erben).

Verantwortlich für den allgemeinen Teil: P. Wlttko; für den An- zeigentell: Hans Beck

Politische Tagesschau.

Die Reichsregieruug und Chamberlain.

Endlich ergreift nun auch die Reichsregierung zu der thorrchten Rede Ehamberlains das Wort. Sie bedient sich dazu ihres offiziösen Organs. DieNordd. Allg. Zt g." fltebtWt)lffsche Depesche aus London über den Brief des Sekretärs Ehamberlains an Marriner wieder und schreibt dazu:

Einzelne unserer Kolleginnen haben es als einen Fehler be­zeichnet, daß dieNordd. Allg. $tg." bisher zu dieser Angelegen­heit geschwiegen hat. Mit Unrecht. Wir können wenigstens nicht sinden, daß die aus akademischen Kreisen heroorgegangenen Kund­gebungen verlebten Nationalgefühls irgend einer offiziösen oder halbamtlichen Aufklärung oder Belehrung bedurft hätten, es sei denn in dem Sinne, daß man den berechtigten Unwillen über außerparlamentarische Redewendungen eines einzelnen Ministers nicht auf die englische Regierung und das englische Volk erstrecken dürfe. Indessen hat eine ganze Reihe erster oeulscher Blätter diesen Gesichtspunkt zur Genüge hervorgehoben und lebhaft bedauert, daß die durch den Burenkrieg erzeugte antienglische Stimmung deutscher Volkskreise durch unbedachte und ver­letzende Aeußerungen Chamberlains aufs Reue gereizt worden ist. Die Wolff'sche Depesche nötigt uns mm doch, auf die Edinburger Rede des englischen Kolonialministers zurückzugreifen. Rach den Berichten der englischen Zeitungen hatte sich Chamberlain zur Rechtfertigung der engllschen Kriegführung gegen die Buren darauf berufen, daß andere europäische Nationen, darunter die deutsche, in früheren Kriege,: es schlimmer getrieben hätten, als die Engländer in Südafrika. Durch seinen Sekretär läßt Chamberlain nunmehr erklären, daß er in Edinburg nur auf die bei allen zivilisierten Nationen unter ähnlichen Umständen beobachtete Hal­tung verwiesen habe. Wir stellen fest, daß zwar die Edinburger Rede damit eine Abschwächung erfährt, der Ausdruck der Ver­wunderung aber über die Empfindlichkeit des deutschen National­gefühls ungerechtfertigt und ungehörig bleibt, denn das Miß­verständnis, von dem Chamberlein spricht, liegt auf Seiten der sT ochen lang unwidersprochen gebliebenen englifchen Berichterstattung, ober die zur Entschuldigung vorgebrachte allgemeine Wahrheit, daß in allen Kriegen Härten vorkommen, würde Niemand bei uns sich erregt haben. Dem in Volksversamnrlungen hier und da aus­gestellten Verlangerr, im Interesse des deutschen Heeres amtliche Schritte gegen außeramtliche Aeußerungen eines fremden Mi­nisters z,i unternehmen, können wir uns nicht anschließen. Das Ansehen, das die deutsche Armee sich sowohl durch ihre Manneszucht und Menschlichkeit, wie durch ihre Tapferkeit in der ganzen gesitteten Welt erworben hat, steht viel zu fest, als daß es durch falsche und unpassende Ver­gleiche berührt werden könnte.

Es hat ja recht lange gedauert, bis man sich in der Wilhelm st raße zu Berlin entschloß, dem Herrn Chamberlain einen Nasenstüber zu geben für seine bubenhaften Unge­zogenheiten. Er ist auch ziemlich zahm ausgefallen, der wohlverdiente Reichsrüffel. Aber im großen und ganzen kann man den Ausführungen derNordd. Allgemeinen" doch zustimmen.Amtliche Schritte gegen außerordentlich^ Aeußerungen eines ftemoen Ministers" halten auch wir keineswegs für angebracht, und im übrigen sagt das offi­ziöse Regierungsblatt so ziemlich dasselbe, was wir wieder­holt an dieser Stelle ausgeführt haben.

Daß die Unverfrorenheit Chamberlains auch einem Teile der Londoner Presse als Muster gilt, scheint uns be­denklich. DieTimes" erlauben sick, den Grafen Bülow darauf aufmerksam zu machen, daß die täglichen Kundgeb­ungen deutschen Hasses gegen England geeignet seien, im Britenvolk die Annahme Boden gewinnen zu lassen, daß die leidenschaftliche Feindschaft des deutschen Volkes als mächtigerer Faktor in der Gestaltung der Beziehungen bei­der Länder betrachtet werden müsse, als die werfe und freundliche Staatsttmst der deutschen Regierung. Mit an- oeren, deutlicheren Worten also: Graf Bülow soll seinen Landsleuten nahelegen, unfreundliche Aeußerungen über England zu unterlassen, weil der Herr Vetter sonst ernstlich böse werden könnte, was für die deutsche Regierung ver- drreßlich sei. TieDaily Mail" geht sogar noch weiter;, sie bezeichnet die antienglischen Kundgebungen der Deutschen als eine der gefährlichsten inneren Agitationen. Es ist ein starkes Stück, daß Londoner Blätter die deutsche Re­gierung gegen das deutsche Volkscharf zu machen" suchen. Diese englischen Unverschämtheiten wird hoffentlich Graf Bülow demnächst im Reichstage mit der Körperbewegung, abschütteln, die hier allein am Platze ist.

Der Kolonialrat

trat am Donnerstag vormittag im Reichstagsgebäude zu Berlin zu seiner Herbstsitzung zusammen. Der Vorsitzende, Direktor der Kolonialabteilung Dr. Stübel, hieß die alten und die neu einberusenen Mitglieder zu gemeinsamer Arbeit herzlich willkommen und gab der Hoffnung Ausdruck, daß diese uneigennützige und opferwillige Mitarbeit sach­kundiger Herren den Kolonien wiederum zum Segen ge­reichen möge. Der Kolonialrat sei gewissermaßen ein Ersatz für die Beiräte in den Schutzgebieten selbst, zu deren Schaffung die Voraussetzungen noch nicht vorhanden seien. Der Vorsitzende gedachte sodann in warmen Worten des im letzten Sommer verstorbenen Mitgliedes des Kolonialrats, Vizeadmiral Schering, und seiner verdienstlichen kolonialen Thatigkeit. Zu Ehren des Verstorbenen erhoben sich die Anwesenden von den Sitzen. In den ständigen Ausschuß des Kolonialrats wurden alsdann Staatssekretär a. D- v. Jacobi, Staatssekretär a. D. Herzog und Staatsminister v. Hofmann durch Akklamation einstimmig wiedergewählt.

Ueber die Arbeiten des Ausschusses des Kolonialrates zur Beratung der Sklavenfrage lag ein ausführlicher gedruckter Bericht vor. Domkapitular Hespers betonte hierzu als Referent des Ausschusses, daß der Ausschuß eine generelle gesetzliche Regelung der Sklavensrage zur Zeit für utunöglich gehaltert babe, wohl aber eine vorläufige Regelung nach den einzelnen hier in Betracht kommenden .Schutzgebieten unter Berücksichtigung ihrer besonderen A-r-

hältnisse. Die Entwürfe der betreffenden Verordnungen haben auch der Begutachtung der Gouverneure unterlegen. An der Generaldiskussion beteiligen sich Vizeadmiral Valois, Dr. Scharlach, Vohsen, Staudinger, Staatssekretär a- D. Jacobi, Domkapitular Hespers, Kommerzienrat Lucas, v. d- Heydt und der Vorsitzende, der es als Ziel der Re­gierung bezeichnete, auch in Deutschx-Ostafrika die Befrei­ung der Sklavenkinder durchzuführen, sobald die Verhältnisse es irgend gestatten. Wie sich aus der General­debatte ergab, pflichtet der Kolonialrat in seiner großen Mehrheit dem Standpunkte des Ausschusses bei, von dem aus die Freierklärung der Sklavenkinder zwar in Ostaftika mit Rücksicht auf die vorliegenden Berichte des Gouverneurs iroch nicht ausgesprochen werden solle, wohl aber ein solches Vorgehen in Togo und Kamerun, in letzterem Schutzgebiete mit einigen Modifikationen, als durchführbar angesehen werden könne. Der in der Presse aufgetauchte Gedanke der Einführung eines Arbeitszwanges durch die Re­gierung wurde dagegen als u'-durchführbar bezeichnet. In der Spczialdebatte wurden die Entwürfe von Verordnungen betr. die Haussklaverei in Deutschostafrika, Kamerun und Togo nach längerer Erörterung mit einigen Abänder­ungen in der Fassung des Ausschusses angenommen. Einer Anregung des Herzogs Johann Albrecht zu Mecklenburg folgend, sagte der Vorsitzende eine alsbaldige Veröffent­lichung des Entwurfs der Verordnung für Ostaftika zu, während die Veröffentlichung der Verordnungen für Togo und Kamerun erst in Aussicht genommen ist, nachdem be­züglich der letzteren der Gouverneur von Kamerun noch einmal gehört worden ist.

In seiner Nacbmittagssitzung beriet der Kolonialrat über den Bericht oes Ausschusses für Prüfung des Ent­wurfes einer Verordnung betr. die Regelung der Arbeiter­verhältnisse in Kamerun. Der Bericht gab Anlaß zu einer prinzipiellen Erörterung der wirtschaftlichen Lage Kameruns, wobei den hervvrgetretenen Schwierigkeiten gegenüber aus dem Kolonialrat heraus auf die schweren wirtschaftlichen Kämpfe hingewiesen wurde, die auch fremde, heute blühende Kolonien in ihren Anfangsstadien gehabt haben. Auf Grund der sachverständigen Untersuchungen der natürlichen Verhältnisse Kameruns dürfe man Vertrauen auf die Zukunft der dortigen Unternehmungen haben. Man müsse fortfahren, Kapital und Arbeitskraft daran hi wenden. Kolonialdirektor Dr- Stübel hob hervor, daß die Regierung stets bemüht gewesen sei, zwischen den Plan- tagen-Leitern und den Arbeitern Licht und Schatten gerecht zu verteilen, und daß namentlich Verfehlungen der Ar­beitgeber stets die Ahndung auf dem Fuße gefolgt sei. Die vorliegende Verordnung solle dazu dienen, in dieser Be­ziehung eine Grundlage zu schaffen und dadurch die be­stehenden Uebelstände thunlichst zu beseitigen. Nach einer eingehenden Spezialdebatte, die sich auf die Fragen der Arbeiteranwerbung, der Behandlung der Arbeiter in Krank­heitsfällen, sowie des Lvhnguthabens und sonstigen Nach­lasses verstorbener Arbeiter, insbesondere auf die Befug­nisse der Arbeitskommission erstreckte, und in die der Kolonialdirektor wiederholt eingriff, wurde der Entwurf der Verordnung mit einigen Zusätzen und Abänderungen in der Fassung des Ausschusses angenommen. Ferner hatte der Ausschuß beskimmte, die Disziplinargewalt über die Arbeiter regelnde Grundsätze in Vorschlag gebracht. Das Plenum des Kolonialrats stimmte ihnen nach längerer- Be­ratung unter Vornahme mehrfacher Abänderungen zu. ,

Ärweit der Bericht von W. T. B. Wie man sich erinnern wird, hat die deutsche Kolonialpolitik von Anfang an als ein Hauptziel dieBekämpfung der Sklaverei" hingestellt. Wesentlich durch Geltendmachen dieser Absicht wurde das zunächst widerstrebende Zentrum für die Unterstützung der Kvlonialpolitik gewonnen. Es soll nicht in Abrede gestellt werden, daß die Bekämpfung des Sklavenhandels in nach­drücklicher Weise erfolgt isü Aber die Sklaverei selbst, wenn auch ,jn der milden Form derHaussklaverei", ist in den Schutzgebieten noch nicht zur Aufhebung gelangt; man müsse, drückte sich der frühere Kolonialdirektor Dr. Kayser aus, solche Sklavereimit einem duldenden Auge anfehen". Jetzt sollen zunächst Verordnungen unter Berücksicytigung der besonderen Verhältnisse der Schutzgebiete die Haussklaverei in Deutsch-Oftasrika, Kamerun, und Togo regeln. Hervor­zuheben ist, daß die Freierklärung der Sklavenkinder in Deutsch-Ostafrika gemäß den Berichten des Gouverneurs, vorläufig noch nicht ausgesprochen werden kann, wohl aber in Togo und Kamerun. Daß diese Beschränkung einer Maß­regel, die einen behutsamen Schritt zur Beseitigung der Sklaverei darftellt, Widerspruch in der Versammlung er­fahren hat, läßt sich annehmen, denn der offiziöse Bericht verzeichnet keine einmütige Zustimmung, sondern nur eine solche der großen Mehrheit. Nach Dr. Stuebel ist es das Ziel der Regierung, auch in Deutsch^Ostafrika die Befreiung der Sklavenkinder durchzuführen, sobald die Verhältnisse es irgend gestatten. Wir hoffen, daß dies in naher Zeit der Fall ist, zumal es sich um keine besonders radikale Maß­regel handelt. Man wird an dem Inhalt der neuen Ver­ordnungen über die Haussklaverei demnächst erkennen, ob und wieweit die Haussklaverei im übrigen eine der all­mählichen Aufhebung zustrebende Reform erfahren soll.

Tabaksteuer in Sicht.

Der bayerische Finanzminister Frhr. v. Riedel hatte vor Kurzem in der bayerischen Abgeordnetenkammer die Reichsfinanzreform als eine Notwendigkeit bezeichnet, die im Interesse der Bundesstaaten, namentlich der kleineren, liegt. Gleichzeitig bekannte er sich als Gegner einer Reichs­einkommensteuer, weil er den Einzelstaaten nach wie vor die Befugnis gewahrt wissen will, ihre Steuerverhältnisse, und insbesondere die direkten Steuern, selbst zu regeln. Nach den Aeußerungen, die Frhr. v. Riedel in der Kammer that,.

schwebt ihm als Ziel vor, daß der Reichsftnanzreform die Tabaksteuer als Grundlage diene. Nach dem Bericht der Münch. Allg. Ztg." führte er aus:

Was die Reichsfinanzreform anlangt, so erachte ich vor allem für notwendig die gesetzliche Festlegung des Grundsatzes, daß die Matrikularbetträge die lleoerroeijungcn nicht übersteigen dürfen. Das liegt im Interesse des Reiches, wie der Einzelstaaten. Außer­dem bin ich absolut der Meinung, daß das Reich gewisse in­direkte Auflagen zur Gewinnung der nötigen Mittel nicht entbehren kann. In Bezug auf die Tabaksteuer hat der Aba. Ehrhardt eigentlich denZufriedenheitsapostel" gespielt (Heiterkeit), ihm zufolge wären die Tabaksbauern, die Fabrikanten und Händler vollkommen zufrieden. Aber meine Kenntnis der Sachlage läßt diese Freude nicht recht aufkommen. Die Tabaksbauerii, nicht blos in der Pfalz, sondern auch in Baden, erstreben schon seit einer Reihe von Fahren die Erhöhung der Tabakzölle, was kein Beweis für Zufriedenheit ist. Wir waren von jeher der Ansicht, daß man auf dem Wege der Tabakfabrikatsteuer sowohl dem Tabaksbauer wie der Pfeife des armen Alarmes die gebührende Rücksicht zu­wende. Ter Bauer braucht dabei die Steuer nicht direkt zu zahlen und dem Fabrikanten kann sie gestundet werden. Erzielen wir mit der Tabaksteuer ein schönes Stück Geld, jo ist die Reichsfinanzreform von selbst gegeben.

Deutsches Mich.

Berlin, 21. Nov. Anläßlich des heutigen Geburts­tages der Kaiserin Friedrich war das Mausoleum neben der Friedenskirche in Potsdam prächtig geschmückt. Um 9 Uhr vormittags erschien das Kaiserpaar und legte am Sarkophag Kaiser Friedrichs und der Grabesplatte, unter welcher die Kaiserin Friedrich ruht, kostbare Kränze nieder. Später erschienen die kaiserlichen Prinzen, Deputationen von Offizierkorps und Abordnungen von Vereinen und Wohl- thätigkeitsanstalten, deren Protektorin die Verstorbene war, um ebenfalls Kränze niederzulegen.

Zu den seinerzeit von derNordd. Allg. Ztg." be­kannt gegebenen von den preußischen Landwirtschaftskammern bezüglich der Tierbeförderung auf der Eisenbahn beim Reichseisenbahnamt eingebrachten Anträgen kann das Blatt heute Mitteilen, daß die Verhandlungen wegen Herausgabe eines Kursbuches für den Viehverkehrzum vorläufigen Abschluß gelangt sind. Das Neichs-Eisenbahnamt veran­staltet zum 1. Mai 1902 eine Probeausgabe, fällt der Versuch günstig aus, soll das Kursbuch erstmals am 1. Oktober 1902 für den öffentlichen Gebrauch herausgegeben werden.

Der Stadtverordneten - Ausschuß zur Vor» beratung der Magistratsvorlage, betreffend Umgestaltung der Straße Unter den Lindsn, nahm mit 9 gegen 2 Stimmen das vom Kaiser genehmigte Pro­jekt an.

München, 21. Nov. Die Kammer der Abgeord­neten nahm einen Antrag an, in dem die Regierung ersucht wird, den Weiterbau der Lokalbahnen thunlichst zu beschleu­nigen. Im Laufe der Beratung erklärte der Minister Graf Crailsheim bezüglich der süddeutschen Eisenbahnge­meinschaft, es seien allerdings Verhandlungen im Gange, welche eine weitere Vereinheitlichung und Verein­fachung der Tarife bezweckten, und es würden darüber in nicht allzu ferner Zeit weitere Besprechungen stattfinden. Allein eine größere Verbilligung der Personentarife sei nur in Zeiten guter Finanzen möglich. Die bayerische Regierung werde jedeVereinbarungablehnen, welche die S e l b st- ständigkeit der bayerischen Staatsbahnen irgend­wie beeinträchtige.

Ausland.

London, 21. Nov. Ein Telegramm Lord Kitcheners aus Pretoria meldet: Kommandant Buys wurde, nachdem er einen Angriff auf eine Patrouille von ungefähr hundert Eisenbahnpionieren am Vaal in der Nähe von Villiersdorp gemacht hatte, gefangen genommen. Die Verluste der Briten sind noch nicht berichtet. Die Kolonne Remington kam den Pionieren zu Hilfe.

Konstantinopel, 21. Nov. Zwischen Frank­reich und der Türkei ist ein neuer Konflikt aüs- gebrochen. Tas zweite, am Bosporus stationierte fran­zösische KriegsschiffMouette" verließ mehrere Wochen nach her Abreise des Botschafters Constans Konstantinopel, um im ägäischen Meere Hebungen abzuhalten.Mouette" sollte jetzt hierher zurückkehren und suchte deshalb wegen der Durchfahrt durch die Dardanellen den üblichen kaiserlichen Ferman nach. Statt an das Schiff eine Antwort gelangen zu lassen, sandte heute der Erste Palastsekretär im Auf­trage des Sultans eine Note an den Minister des Aeußern, in 'der demselben erklärt wird, daß für Frankreich keinerlei Grimd zur Stationierung zweier Kriegsschiffe im Bos­porus bestehe und daher der Weite Stationär nicht zu- gelassen würde. Ter Minister wird aufgefordert, sich sofort an die französische Botschaft zu wenden, damit diese das Gesuch um Erteilung eines Fermans für die Durchfahrt des Schiffes durch die Dardanellen zurückziehe.

Athen, 21. Nov. Bei der heute von den Studenten veranstalteten Protestversammlung gegen die Bibelübersetzung wurden sieben Personen getötet und etwa dreißig ver­wundet; zahlreiche Personen erlitten leichte Verletzungen, darunter der Polizeipräfekt.

Petersburg, 21. Nov. Jn^Rußland lebende orthodoxen Czechen haben an den heiligen Synod eine Bittschrift gerichtet zwecks Heiligsprechung des Märtyrers Johann Huß.