Ausgabe 
23.11.1901 Erstes Blatt
 
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etwa in einem einzelnen Fall nicht ausdrücklich gedacht wurde, geschah dies offenbar nur, weil der betreffende Geistliche über­haupt ein anderes, auch sonst bisweilen von ihm ge­brauchtes Gebetsformular anwandtc.

Darmstadt, 21. Nov. Wie dieN. H. V." mit» tollen, versammelte sich am Dienstag abend in dem un­versehrt gebliebenen Kneipsaal der Tu r n g e m e in de Darmstadt eine größere Anzahl Mitglieder, um Stell­ung zu den zunächst zu ergreisenden Maßnahmen zu nehmen. Insbesondere wurde beschlossen, für eine würdige Beerdigung der drei Verunglückten Sorge zu tragen. Die Mitglieder werden ersucht, den Verunglückten bei deren Beerdigung die letzte Ehre zu erweisen. Ter Wiederaufbau soll mit allen Kräften und unverzüglich in Angriff ge­nommen werden, und soll an die Mitglieder und Freunde der Gemeinde ein Aufruf zur thatkräftigen Unterstützung ergeben. Seitens der Stadtverwaltung ist bereits ein herzliches Beileidsschreiben beim Vorstand der Turn- gemoinde eingelaufen, in der derselben außer der An­teilnahme der Stadtvertretung und Bevölkerung auch die thatkräftige Unterstützung bei dem schweren Unglück aus­gesprochen wird. Die neuen Turngeräte sind fast alle ver­brannt, sie allein stellen einen Schaden von über 1000 Mark vor. Die Tische und Stühle sind zum großen Teile geborgen, doch haben sie fast sämtlich durch Brand oder die große Hitze schaden gelitten. Wie groß der Material- schaden ist, ist bis jetzt noch nicht annähernd zu ermitteln. Nach einer Mitteilung desTgl. Anz." scheine die Ver­anlassung zu dem Brand jetzt mit ziemlicher Sicherheit festgestellt zu Jein. Es soll sich nach dieser Meldung bei der Besichtigung ergeben haben, daß auf der Seite nach dem Turnhause hin eine Oeffnung nach dem Kamin zu unvermauert geblieben, und vor diese Oeffnung ein Balken verlegt worden war. Die elektrische Leitung sei abgestellt gewesen, Kurzschluß als Brand­ursache scheine somit ausgeschlossen.

Worms, 20. Nov. Am gestrigen Tage wurden im Ost- hofen-Herrnsheimer Revier der Freiherrl. v. Heyl'schen Jagd geschossen ea. 1297 Hasen, 29 Hühner und 1 Kaninchen. Der Großherzog erlegte 192 Hasen. Das Gesamtresultat der beiden Jagdtage ist: 2269 Hafen, 73 Hühner, 1 Fuchs, 2 Raubvögel und 1 Kaninchen. Gegen das Vorjahr ist dies ein bedeutender Ausfall, indem die vorjährige Gesamt- Ärecke nahezu 3500 Stück betrug.

Hanau, 21. Nov. Bei den heute beendeten Ergänzungs­wahlen zur St ad t oer o rd n et en-Versammlung siegte in der dritten Abteilung zum ersten Male die Liste der sozial­demokratischen Partei über die der vereinigten bürgerlichen Parteien. Damit treten vier Sozialdemokraten in die Stadt- verordneten-Versammlung ein.

Parlamentarisches aus Hessen.

Der Fußgendarm i. P. Do tzert in Gießen bittet um Erhöhung seiner Pension bezw. Bewilligung der Ver­stümmelungszulage. D. ist wegen Nervenschwäche und zer­rütteter Gesundheit mit 1230 Mk. in den Ruhestand versetzt worden. Er hat sich, wie er sagt, sein Leiden durch einen Fall und angestrengten Dienst zugezogen. Er wurde, schon krank, von Seibelsdorf nach Wenings versetzt, wo der Dienst

noch anstrengender als in Seibelsdorf war. Der Mannl flogt jämmerlich über seine traurige Lage. Er hat, während er selber leidend, und seine Frau krank ist, von seinem Privatvermögen zusetzen müssen, zumal ihm von Aerzten der Rat gegeben wurde, nach Gießen zu ziehen, wo Hilfe eher als in Wenings zu haben sei. ~

Eine dringliche Anfrage der Abgg. Dr. Frenay und Genossen lautet: 1. Wie weit sind die Vorarbeiten zur Ausführung der im Frühjahr laufenden Jahres durch die Ständekammer bewilligten 'N e b e n b a h n e n gediehen; find insbesondere die erforderlichen Verhandlungen mit Pri­vatunternehmern zum Abschluß gelangt? Ist die Regierung gewillt, zur Bekämpfung der täglich wachsenden Arbeits­losigkeit schleunigst alle Schritte zu thun, damit in kürzester Frist mit den Bahnbauten begonnen werden kann und bei den diesbezüglichen Arbeiten in erster Linie in Hessen ansässige Arbeiter beschäftigt werden? 2. Will die Regierung nicht dahin wirten, daß bei den großen Bahn­arbeiten im Bereiche der Eisenbahndirektion in Mainz in erster Linie einheimische Arbeiter Verwendung fin­den, und Ausländer so lange.ausgeschlossen wer­den, als der Bedarf durch inländische Arbeiter gedeckt wer­den kann?

Der Erste Ausschuß hat über die Regierungsvorlage, betreffend die Schaffung einer Weinban-Dvrnäncn- verwaltung in Mainz und den Antrag des Abg. Koch, den gleichen Gegenstand betreffend, beraten und ist zu dem Entschlüsse getommen, der Regierungsvorlage zuzu­stimmen und den Antrag Koch abzulehnen.

Den Antrag des Abg. Roack, betreffend Errichtung eines Neubaues für die L a n d e s b a u g e w e r k s ch u l e zu Tarin- stadt will der Erste Ausschuß für erledigt erklärt wissen.

Universltäts-Nachrichten.

Ter G r o ß h e r z o g hat den charakterisierten außerordent­lichen Professor Tr. Zeißig in Darmstadt zum außerordentlichen Professor für Physik an der Technischen Hochschule ernannt.

Der bekannte Leipziger Theologieprofessor Geheimrat D. Fricke, früher langjähriger erster Vorsitzender des Eentralvor- standes der eoangel.' Stiftung des Gustav Adolf-Vereins, hat fol­gendes Z u st i m in u n g s s ch r e i b e n an Theodor Mommsen zu dessen Erklärung über die Voraussetzungslosigkeit der Forschung gesandt:Verehrter Herr Kollege! Haben Sie Dank für Ihr leider zeitnothwendiges Wort in denMünch. N. Nachr.", das ich eben lese. Nur mit dem AusdruckeTas gewaltige Geistes werk des Papsttums" bin ich nicht einverstanden. Es ist die gefälschte Religion des entaeisteten Mechanismus, der zu allem mißbraucht werden kann. Wir sind auf dein Wege der Fälschung nicht blos der Wissenschaft, sondern des Eharakters der Nation."

Landwirtschaft.

Darmstadt, 20. Nov. Obermedizinalrat Dr. Lorenz in Darmstadt, der im Auftrage des Großh. Ministeriums die Versuche mit dem Bacceli'schen Verfahren zur Heilung der Maul- und Klauenseuche geleitet hat, hat, nachdem im Ganzen gegen 130 Stück Rindvieh dem Heilverfahren unterzogen worden sind, fol­gendes Urteil abgegeben:Nach den Endergebnissen dürfte ebenso wenig von einem durchschlagenden Erfolg die Rede sein, als von einem vollständigen Fehlschlägen. Vorläufig kann daraus geschlossen werden, daß die Anwendung des Verfahrens an sich ungefährlich ist, daß sie aber auch bei vorgerücktem Krankheitssiadium keine Aussicht auf Erfolg bietet. Ob der scheinbar gute Erfolg der An­wendung des Verfahrens im oder bei Eintritt der ersten Krank­heitserscheinungen, so namentlich vor Eintritt deutlicher Blasen­

bildung im Maul und an den Klauen nicht auf Zufall beruht, muß abgewärtet werden."

Birkenau, 19. Nov. In der verflossenen Woche ist auch das letzte Pferd aus dem Stalle des Oekonomen Gilmer einge­gangen. Tiefer hat nunmehr den Verlust seiner sämtlichen, teil­weise sehr wertvollen Tiere zu beklagen: 10 Acker- und Wagen­pferde, 2 Fohlen und 1 Ponny, im Ganzen also 13 Stück. Wäh­rend bei den zuerst erkrankten Tieren die Krankheit einen ziemlich raschen Tod herbelsührte, dauerte das Siechtum bei den zuletzt ge­fallenen Pferden nahezu zwei Wochen, und auffallender Weise wurden die Fohlen und ein Ponny am spätesten von der Krank­heit ergriffen und zeigten sich auch mn widerstandsfähigsten. Zwei weitere von Gilmer inzwischen angekaufte Pferde und neuerdings lviederuin erkrankt. Wenn auch diese eingchen sollten, so steht man vor einem Rätsel, da diesen doch keine braiidige Frucht, die man von ärztlicher Seite als Krankheitsursache erklärte, als Fütterung verabreicht wurde, schließlich sei noch erivähnt, daß über den Er­folg der chemischen Untersuchiuig eines kleinen Quantums Blutes -und Fleisches der gefallenen Tiere von Seiten einer erstklassigen Untersuchungsstation nichts Definitives in die Oeffentlichkeit ae» drungen ist, und man nimmt deswegen an, sie sei resultatlos verlausen.

Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.

Frankfurt a. M., 21. Nov. Tic für heute Abend cinberufem Generalversammlung des VereinsEffektensoeietät", in welcher über die ev. Liquidation der Gesellschaft verhandelt werden sollte, war nicht beschlußfähig, da von der statutarisch erforderlichen An­zahl von 200 Mitgliedern nur 166 erschienen waren. Der Vor­sitzende, Bankier Salomon Merzbach, konstatierte, daß die Versamm­lung ordnungsgemäß einberufen sei und teilte zugleich mit, daß auf den 2. Dezember eine neue Generalversammlung emberufen werde, welche ohne Rücksicht auf die Anzahl der erschienenen Mit­glieder jedenfalls beschlußfähig sein werde.

Neustrelitz, 21. Nov. Die Obligationen-Gläubiger der Meck- len b u r g - S t r e l i tz s ch e n Hypothekenbank wählten in der heutigen außerordentlichen Gcncralversammlitng die Deutsche Treu- handgesellschast und, falls diese es ablehnt, die Geh. Justizräthe von Simson und Max Wegner-Berlin zu ihren Vertreten:, zu Auf-- sichtsräten die Herren Hermann Herz, Karl Stoeter, Felix Marsop- Berlin, Eckhaus-Perleberg und Lazarus-Neustrelitz.

Müucheu, 21. Nov. Ein unter der Führung von Robert Warschauer u. Eo. stehendes Konsortium übernahm von der Stadt München eine 4proz. Anleihe im Betrage von 25 Millionen Mark. Wie dieN. N." melden, beschlossen heute Vormittag dir beiden Gemeinde-Kollegien in geheimer Sitzung die Beschaffung weiterer Anlehemittel durch Aufnahme einer Anleihe von 30 Mlll Mark.

Märkte.

W. Friedberg, 20. Nov. Ter heutige Ferkelmarkt war nicht so stark befahren, wie die vorhergehenden. Aus den nahe gelegenen preußischen Orten waren des Buß- und Bettags wegen weder Käufer noch Verkäufer erschienen. Tas Geschäft war trotz­dem ungemein lebhaft und die Preise so hoch, daß die Liebhaber von Spanferkeln, die sonst aus dem Novembernrarkt das Gros der Käufer bilden, auf den Genuß dieses delikten Bratens verzichten mußten. Selbst die kleinsten Ferkel fanden heute Abnahme, sodaß der Markt rasch geräumt war. Diese große, sonst in der jetzigen Jahreszeit nicht zu spürende Kauflust hängt mit den hohen Preisen für fette Schweine zusammen. Mancher verkauft da gerne eines seiner zum Schlachten für den eignen Haushalt beftinünten fetten Schweine und legt wieder Ferkel ein, um am Ausgang des Winters noch einmal schlachten zu können. Ganz schwache Ferkel galten per Paar immer noch über 24 Mk., bessere 30, 35 und 40 Mk. ganz gute und schöne sogar bis zu, 60 2)lf. Springer (Einlege schweine) waren sehr wenig aufgetrieben und im Handumdrehen zu hohen Preisen abgesetzt.

OrtsMeitose Giessen.

Orient!. Muiiq Mittwoch iw 27. Nov. 1901, abends 8|2 Uhr, im Lony'fchen Bierkeller.

Tagesordnung: 1. Ersatzwahl des Vorstandes und der Ersatz­männer.

2. Wahl der Rechnungsprüfungskommission.

3. Antrag der Ortskrankenkasse Darmstadt betr. Petition gegen die Getreidezölle.

Zu zahlreichem Besuch ladet ein 7540

Der Vorstand: G. Da hm er, 1. Vorsitzender.

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Wcsbeitrag M. MrittsßelNMk.

Derselbe wird von dem Vereinsdiener Adolf Schwan im Laufe dieser Woche erhoben werden. Wir machen darauf auf­merksam, daß jeder Quittung eine Beikarte (nicht übertragbar) beigefügt wird, daß aber weitere Beitarten gegen Ausstellung des mitfolgenden Bezugscheines und gegen Ent­richtung von 50 Pfg. pro Stück gefordert werden können.

Beikarten können nur für die Haus­

standsmitglieder der engeren Familie verlangt werden und sind nicht übertragbar. Mißbräuchliche Benutzung dieser Karten zieht zunächst den sofortigen Ausschluß aus dem Verein nach sich und wird gegebenen Falles gerichtlich verfolgt. Die Bezugsscheine und Eintrittsbeikarten sind beim Vereinsrechner, Herrn H. Hochreut her, Südanlage 5, sowie ^eim Vereinsdiener und an der Kasse am Eisplatz erhältlich.

Gießen, den 15. November 1901. 7572

Der Vorstand.

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