§ Butzb ach, 21, Juli. Die heute Nachmittag zum Besten des Fonds für die Renovierung unserer Stadtkirche unter Mitwirkung des Gießener Kirchenchors veran- taltete zahlreich besuchte liturgische Feier nahm einen erhebenden Verlauf. Am Schluß wurde eine Kollekte erhoben, )ie sehr ergiebig aussiel. In der vorigen Woche wurden zu demselben Zwecke von auswärtigen Bußbachern namhafte Beträge gespendet, nämlich von den Herren Weide in Chicago 500 Mk. und Bruckh 'of in St. John (Kanada) 300 Mk. — Ende dieser Woche trifft die Kapelle des Jnf.- Regts. Nr. 168 hier ein, die am nächsten Sonntag ihr erstes militärisches Konzert im „Hessischen Hof" veranstalten wird.
Bad Nauheim, 22. Juli. Unterhaltungen. Früh» onzert der Kurkapelle täglich von 7—8 Uhr vormittags am Knrbrunnen. Dienstag, 23. Juli, nachmittags von 4i/9 bis 6Vs Uhr auf der Terraffe Konzert der Kurkapelle. Nachmittags 3t/t Uhr Theatervorstellung für Kinder und Erwachsene: „Rumpelstilzchen". Abends 8 Uhr Benefizkonzert ür den die Kurkapelle seit 25 Jahren leitenden Mufidirektor ^errn C. MachtS. Mittwoch, 24. Juli, nachmittags von 4t/,—61/, und abends von 8—10 auf der Terraffe Konzert der Kurkapelle. Abends 8 Uhr Theatervorstellung unter Mitwirkung der Kurkapelle: „Die Fledermaus". Donnerstag, 25. Juli, nachmittags von 4—6i/> und abends von 8—10 Uhr auf der Terraffe Konzert der Kapelle des Infanterie-Regiments Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116
Teilnahme an dem festlichen Einzug des Kaisers in Danzig, an der großen Parade in Langfuhr und den anschließenden Kaisermanövern zwischen Tirschau und Danzig, wo am 17. oder 18. September ein großes Landungsmanöver stattfindet. Ta Danzig zum dauernden Aufenthaltsort für die Teilnehmer an der Sonderfahrt gewählt wird, so hofft man für eine gute Unterbringung Sorge treffen zu können. Hoffentlich lassen sich die Damen nicht von der Teilnahme dieser Fahrt abhalten, die für die Mitglieder des Flotten-Bereins mit Rücksicht auf die großen Manöver von Flotte und Landheer eine ganz besonders anregende zu werden verspricht. Der Preis für die Teilnahme von Berlin bis nach Berlin zurück — 10. bis 20. September — wird 250 Mark nicht übersteigen. In ihren schon bei der diesjährigen Kieler Fahrt angestellten Bemühungen, von den Hauptplätzen Süd- und Westdeutschlands Fahrpreisermäßigungen zu erhalten, werden diesmal die Geschäftsstellen des Deutschen Flottenvereins durch die Filialen von Carl Stangens Reisebureau unterstützt; vor allem aber ist recht frühzeitige Anmeldung direkt bei der Hauptgeschäftsstelle des Deutschen Flotten-Bereins, Berlin, Doro- theenstraße 21, II, erwünscht, damit die erforderlichen Schritte zur Erwirkung von Fahrpreisermäßigungen von der Zentrale eingeleitet werden können. Spätestens werden die Anmeldungen bis zum 15. August erbeten.
e* Eifenbahn-Rückfahrkarten. Die preußische Eisenbahn- oerwaltung will an den Fahrkartenschaltern Aushänge an« bringen lassen, nach denen jedermann feststellen kann, an welchem Tage die Giltigkeit der von ihm gelösten 45tägigen Rückfahrkarte abläuft. Hierin muß man ja natürlich ein Entgegenkommen dem Publikum gegenüber erkennen. Darf man sich aber nun auch den letzten Tag der Giltigkeit auf der Karte vermerken, oder muß man dies in einem Notizbuche thun? Das Einfachste wäre doch wohl, wenn den Karten die Giltigkeitsdauer aufgedruckt würde. Wir denken uns dies so, daß der Tagesstempel, mit dem jede Karte am LöfungStage versehen wird, etwa folgende Form erhält: 24 g 01, oder 1. 8. — 9. 01. Da meistens jetzt die An-
k rat en Braun und bei dieser Stichwahl werden die Frei finnigen den Ausschlag geben. DaS letztemal hat diese Partti für den LithauerjSmalakys gestimmt, man war aber auch nicht wenig überrascht, als Smalakys für alle Regierungsvorlagen eintrat. Diesmal gingen Lithauer und Konservativen gleic im ersten Wahlgang zusammen, aber die Spekulation au sofortigen Sieg war verfehlt. Sie haben zusammen nur wenige hundert Stimmen mehr aufgebracht, als 1898 die Konservativen allein; bedeutend dagegen ist der Zuwachs der sozialdemokratischen Stimmen: um mehr als 50 Prozent. Was werden die Freisinnigen in der Stichwahl thun? Für die „brodverteuernden" Konservativen stimmen? Niemals; für den Sozialdemokraten oder was auf dasselbe im Erfolg hinausläuft, sich der Wahl enthalten? Dann kann es ge schehen, daß den Wahlkreis, den bis 1891 kein geringerer als Feldmarschall Graf Moltke im deutschen Reichstag vertrat, die Soz aldemokrateu dort besitzen werden, den zweiten in Ostpreußen.
In Frankreich macht z. Z. eine lange Artikelserie des „Figaro" viel Aufsehen, die als Memoiren Felix Faures, des früheren Präsidenten der Republik, bezeichnet werden. Darin ist u. a. die Rede von einem zurzeit der Präsidentschaft FauceS drohenden Kriege mit England, auf den Frankreich nicht vorbereitet war; immerhin wurde im Ernstfälle stark mit der Neutralität Deutschlands gerechnet, weil dieses Rußland fürchte, und dann auch, weil eine Besiegung Frankreichs zur See die Engländer zu übermächtig auf dem Ozean gemacht haben würde. — St. Simonin nennt sich der Herausgeber dieser Memoiren. Er bezeichnet sich selber als vertrauten Freund des unglücklichen Faure. Seine
neuesten Artikel sind dem Schnäbele-Handel gewidmet. Von dem burschikosen Tone des „nationalen Gerbers", der seiner ganzen Gedankenrichtung entspricht, giebt gleich der Anfang eine nette Idee: „Du bist eben dem deutschen Botschafter begegnet, sagte Felix Faure zu mir." — „Wirklich? Ich habe einen Wagen hinauSfahreu sehen, aber nicht gesehen, wer darin saß." — „Es war Graf Münster. Er kommt manchmal ohne diplomatische Umstände zu mir, und ich mag seine Besuche gern. Er ist ein guter Teufel von einem Deutschen, garnicht zänkisch. Jrn Gegenteil, mit ihm kann man auskommen, denn er ist aufrichtig. Im Schnäbele- Handel hat er sich sehr gut benommen, Bismarck entgegen zu arbeiten gewagt und der Sache des Friedens einen ausgezeichneten Dienst geleistet. Uebrigens wollte der Zufall, daß ein anderer Deutscher uns in dieser Krise eine sehr nützliche Auskunft erteilte. Es war dies der Graf Henckel von Donnersmarck." Graf Henckel war an jenem Abend auf die Redaktion der „Republiqne Fran^aise" gekommen, um Joseph Reinach, der Chefret^kttur des Blattes war, die Verfichernng zu geben, daß BiSmarck, den er tags zuvor gesehen, an der Sache nicht beteiligt war, daß kein Vorbedacht existierte, und der Reichskanzler nicht an Krieg denke. Der Dienst, den Münster der Sache des Friedens im Schn.-Handel that, bestand nach St. Simonin darin, daß er in Berlin, wo er sich damals befand, dem Unwillen Bismarcks zum Trotz zwischen dem französischen Botschafter Herbette und dem alten Kaiser Wilhelm vermittelte, worauf dieser die Freilassung SchuäbeleS befahl.
Wer St. Simonin ist, darüber wird gestritten. Viele glauben, es könne nur der vertrauteste Hausfreund des Elysöe unter Felix Faure sein, ein Unterpräfekt der moralischen Ordnung, Geneste, der mit der Gräfin de Martefi Mirabeau, der als Schriftstellerin unter dem Namen Gyp bekannten phantasiereichen Dame, eng befreundet ist. Andere nennen hingegen Mermeix, der die Kuliffen des BonlangiSmus schrieb und einen Fuß im Elysoe gehabt haben soll, obwohl er schon feit Jahren dem öffentlichen Leben fernsteht.
gäbe der LösnngSzeit weggelaffen wird, so dürste in dem Stempel Raum genug für die neuen Typen vorhanden fein. Sollten diesem Vorschläge technische Bedenken entgegenstehen, o könnte der letzte Tag der Giltigkeit vielleicht auf der Rück- eite der Karte eingedruckt werden. Natürlich müßten die Vorkehrungen so getroffen werden können, daß ein Druck des Stempelapparats genügte, um beide Kennzeichnungen hervor- ubringen. Die Vorteile liegen auf der Hand. Nicht nur >er Inhaber der Karte kann sich jederzeit vergewiffern, wie ange sie gilt, sondern auch das Zugpersonal und die Bahnsteigschaffner haben leichtere Arbeit bei der Kontrolle. Letztere müffen jetzt doch wohl jeden Morgen bei Dienstantritt als Parolewort das Datum mitbekommen, bis zu welchem (rückwärts gerechnet) die von ihnen als gütig anzuerkennenden Rückfahrkarten gelöst sein müffen. Derselbe Trockenstempel könnte übrigens auch für die einfachen Fahrkarten benutzt werden. Denn entweder könnte in die Betriebsordnung ein Vermerk dahin ausgenommen werden, daß die Stempelangabe auf den Karten nur die Giltigkeitsdauer der Rückfahrkarten betreffe, oder, was noch einfacher wäre, die Giltigkeit der einfachen Karten würde auch auf 45 Tage verlängert. Schon etzt ist ja gestattet, daß man auf eine heute gelöste einfache Fahrkarte morgen reifen kann, und daß die heute auf Grund einer solchen Karte angetretene und unterbrochene Reise morgen fortgesetzt werden kann. Es bedarf doch eigentlich nur eines Schrittes, um hier Einheitlichkeit zu schaffen.
** Zeitungen sindzur unentgeltlichen Lie- erung von Belegnummern nicht verpflichtet. Eine für Inserenten wichtige Entscheidung hat jüngst das Landgericht zu Plduen gefällt. Der Auftraggeber eines Inserates hatte die Zahlung verweigert, weil ihm kein Beleg-Exemplar zugesandt worden sei. Das Landgericht als Berufs-Instanz verurteilte den Beklagten zur Zahlung mit der Begründung, es sei Sache des Inserenten, sich elbst die Ueberzeugung von der Veröffentlichung seiner Anzeige zu verschaffen, die Leishung des Verlags erschöpfe ich in der Drucklegung der betrefffenden Annonce und der Herausgabe der jeweiligen Auflage. Hiernach ist eine Zeitung zur unentgeltlichen Lieferung von Belegnummern nicht verpflichtet.
a- Heuchelheim, 22. Juli. Vom Bezirks-Lehrerturnverein veranlaßt, gab am Samstag nachmittag Lehrer Schneider mit seinen Schülern, den Knaben der Obertasse, eine Musterlektion in Stabübungen. Es wurden zwei Gruppen von Uebungen zunächst im einzelnen entwickelt, und darauf als Ganzes zusammengefaßt durchgeturnt, wobei die Schüler Lieder sangen, nach dessen Rythmus sie die Uebungen ausführten. Die Vereinigung von Gesang und Stabübungen übte eine angenehme Wirkung und machte den Schülern sichtliche Freude. — Lehrer Bach- Großen-Linden begann darauf, Stabübungen im Strahlengang zu entwickeln; auch hier folgten die Schüler mit Interesse der Entwickelung und zeigten sich den Anfor- üerungen gewachsen. — Am 14. September wird Lehrer Jung in Leihgestern mit seinen Schülern Geräteübungen entwickeln.
Aus Stadt und Kand.
(Der Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original-Nachrichten ist Bitt unter genauer Quellenangabe: „Gieß. Anz." gestattet.)
** Auszeichnung. Der Großherzog hat dem Vorsitzenden des Offenbacher Turnvereins Reallehrer Ludwig Christian Stahl zu Offenbach das Ritterkreuz 2. Klaffe des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.
** Pensionierung. In den Ruhestand wurde versetzt: der Bahnwärter in der Hessisch-Preußischen Eisenbahngemeinschaft Heinrich Spengler II. zu Nieder-Jngelheim mit Wirkung vom 1. September an und der Weichensteller in der Hessisch-Preußischen Eisenbahngemeinschaft Heinrich Göbel zu Reinheim mit Wirkung vom 1. Oktober an.
** Die Sektion Gießen des D. Oe. Alpeu-Bereins feiert ein Almfest auf dem Gleiberg am 27. d. M. Abmarsch von der Lahnbrücke 6 Uhr nachmittags ober mit der Bieberthal- bahn um 6 Uhr 15 Min. nach „Abendstern", Um 8 Uhr einfaches Abendeffen.
** Beförderung von Postkarten. Wie wir hören, werden der Post noch häufig Postkarten zur Beförderung Übergeben, auf deren Rückseite kleineBriefe aufgeklebt find. Derartige Postkarten befördert die Post nicht, auch wenn sie als Briefe frankiert find. Sie wandern sämtlich an die Brief- OeffnungSkommission zur Feststellung des Absenders. Da die meisten aber den Absender nicht erkennen laffen, so bleiben fie unanbr in glich und werden nach einiger Zeit durch Feuer vernichtet. Wir warnen daher davor, sich der noch in vielen Geschäften feilgebotenen Postkarten mit angehängtem Briefchen zu bedienen.
. 0 D. Fl.-V. Sonderfahrt des Deutschen Flvt- r e 1 ? 5 den großen Herbstmanö v ern an^T^ '5>er Zuspruch, den die vorjährige und orevjahrige Sonderfahrt nach Bremen — Helgoland — Ham- lan^' lütt, dem Präsidium des Flottenvereins nafyegriegt, im Herbst eine ähnliche Fahrt nach in deren Mittelpunkt die großen s^en werden. Unter der Voraussetzung ?^^^^eteiligung wird die Fahrt in Berlin un ü?r hpn691^16?« ini> 19‘ September in Dirschau
Sa ^"den. Vorläufig find in Aussicht genommen: Teilnahme an der großen Flottenrevue vor dem Kaiser .d^r Danziger Bucht, Besuch der Kriegsschiffe die um diese Zeitf ast ausnahmslos vor Danzig ankern Teilnahme an den Manovern der Flotte auf rinem ^aleitdnmvs^- Zoppot, Ma, Sfaäta
Weichselmunde, Königsberg, der Marienbild f -Häuschen Werst in Elbing, KaiseriZL"Lst in
aus Gießen. Bei gutem Wetter spielt die Kurkapelle nachmittags von 6—8 im Hochwald. Abends von 8—10 im Saale Tanz. Freitag, 26. Juli, nachm. von 41/2~-61/2 und abends von 8-10 auf der Terraffe Konzert der Kurkapelle. Abends 8 Uhr Theatervorstellung: „Johaunisfeuer". Samstag, 27. Juli, nachm. von 4i/2—6i/8 und abends von 8 bis 10 Uhr auf der Terraffe Konzert der Knrkapelle. Abends 8 Uhr im Saale Konzert des Steindel-QuartettS aus Stuttgart. — In der Nacht des Samstag wurde der Erker des Ührwarengeschäfts von Gg. Stamm in der Hauptstraße fast vollständig ausgeraubt. Dem ober den Gaunern gelang es, den Rollladen in die Höhe zu bringen urb bann heraus- mziehen, auf welche Weise er ben Diebstahl begehen konnte. Gestohlen sind ungefähr 50 Herren- und Damenuhren, 200 Ringe, Broschen u s. w., letztere mit ben Etuis.
Bad-Nanheim, 20. Juli. Die gestrige Beleuchtung des großen Teiches mit feinen Inseln und seiner Umgebung gestaltete sich bei günstigstem Wetter zu einem italienischen Abendfest, wie man es bisher in Nauheim noch nicht erlebt hat. Während die Kapelle des hessischen Jägerbataillons von der großen Teichinsel her ihre Weisen über die Waffer ertönen ließ, erstrahlte die imposante TeichhauS-Terraffe in ihren gesamten Konturen in den prächtigsten Farbenreflexen, während ans dem Waffer selbst Feuergarben und Raketen überall hervorstiegen.
§ Schotten, 21. Juli. Gegenwärtig ist man damit beschäftigt , die vor einiger Zeit vollendete Kreisstraße Schotten — Ruddingshain bis zur Oberwaldstraße weiterzubauen, was besonders für den Holztransport eine große Erleichterung bedeutet. Im Oberwalde hat der Unternehmer Georg Heinrich Müller zu Ruddingshain auf Anraten des Geh. RegierungSratS Schönfeld (Schotten) eine Steinklopfmaschine mit Dampfbetrieb aufgestellt, mit bet bie Steine zum Straßenbau zerkleinert werben. Viele junge Leute aus der Umgegenb haben hierbei eine einträgliche Beschäftigung gefunben.
-h- Pfordt, 20. Juli. Am Donnerstag den 18. Juli wurde hier das Schlitz erlünder Missionsfest für lutherische Mission in Verbindung mit dem Missionsfest des Dekanats Lauterbach gefeiert. Obwohl infolge der günstigen Witterung die Kornernte schon begonnen hatte, waren doch viele Missionsfreunde aus den benachbarten Gemeinden herbeigeeilt. In Pfordt selbst wurde der Tag von allen Familien ohne Ausnahme als ein Feiertag begangen. Vormittags 10 Uhr fand der erste Gottesdienst statt. In der bis auf den letzten Platz gefüllten Kirche iredigte Pfarrer Wagner aus Ettingshausen über Phil. 4, V. 4, 5. In klaren und zu Herzen gehenden Worten zeigte er, wie ein Christ Gruno hat, sich zu freuen, weil er seinen Heiland gefunden, und wie diese Freude anreg't zur thätigen Mithilfe an dem Missionswerke. Um 1 Uhr riefen die Glocken abermals zum Gotteshaus; Missionar Gehring, der 24 Jahre lang in Ostindien in segensreicher Arbeit gewirkt hat, schilderte in Anschluß an Röm. 1, V. 16 die große Verderbnis des heidnischen Götzendienstes, und wie all' das Elend der Heidenwelt nicht gehoben werden könne dadurch, daß man sie zur Humanität oder Kultur erzieht, sondern allein durch die Predigt des Evangeliums. In einer zahlreich besuchten Nachversammlung gab Missionar Gehring einen anschaulichen, überaus interessanten Bericht über Land und Leute der Tamulen, insbesondere über das Leben der dortigen Christengemeinden. Die Festkollekte, die der lutherischen Missionsanstalt in Leipzig überwiesen wurde, betrug 130.82 Mk. In der Nachver- ammlung wurden außerdem noch 27 Mk. an freiwilligen Gaben geopfert. Es war ein Fest reich an Anregungen und edler Christenfreude.
fc. Birstein, 21. Juli. Die Fürstin Friederike von Jsenburg-Birstein, geb. Prinzessin von Solms Braunfels, wurde von einem Prinzen entbunden. Es ist der langersehnte Erbprinz.
Mainz, 20. Juli. Zwischen dem Eisenbahnfiskus und der Stadt ist wegen der Eisenbahnbrücke auf der Strecke Mainz—Wiesbaden eine Einigung zu stände gekommen. Der Eisenbahnfiskus bewilligte einen Fußweg auf der Brücke,, eine Haltestelle und den gewünschten eisernen Viadukt an Stelle des ursprünglich geplanten festen Dammes.
Bingen, 21. Juli. Wie man aus zuverlässiger Quelle erfährt, hat das (Äsenbahnministerium in Berlin für die zu erbauende Elektrische Bahn Bingen —Binger- 5 rück einen Staatszuschuß von jährlich 10000 Mark als Gegenleistung für den Transport der Passagiere von dem Staatsbahnhof Bingerbrück nach dem Trajekt Bingen genehmigt. Diese Teilstrecke der Elektrischen Bahn ist dadurch gesichert. Der Trajektverkehr zwischen Bingen und Bingerbrück wird aufgehoben, sobald die Elektrische Bahn in Betrieb gesetzt wird. Die Garantieleistungen der beteiligten Gemeinden fallen mit der Gewährung des Staats^uschusses weg.
Fran kfur t, 21. Juli. An der nach dem Goethedenk- mal und Goethehaus führenden Goethestraße (Ecke der Neuen Mainzer Straße) hat sich ein Patrizier ein Haus gebaut, das er „Zum Goetheeck" nennt und dessen künsterische Ausschmückung er dem Maler Wilhelm Sus von Kronberg übertragen hat, der jetzt nach Karlsruhe berufen ist, um die von dem Großherzog von Baden ins Leben gerufene keramische Schule zu leiten. Sus hat in den Lünetten der Fenster des Hauptgeschosses des „Goetheecks" Goethe in verschiedenen Lebensepochen dargesttllt und zwar in folgender Weise: 1. Spaziergang der Familie Goethe, Vater und Mutter, sowie Wolfgang und Cornelia, 2. Einzug der Franzosen in Frankfurt, Graf Thorane und Goethe als Knabe. Das Bildnis des aufmerffam dem Königs- leutnant auf einem Spaziergang zuhörenden Knaben Goethe ist von gewinnender Anmut. Seltsam berührt dagegen Nr. 3, Goethe macht im elterlichen Hause als Student alchimistische Untersuchungen. Aehnlich wirkt die vierte Lu- nette: „Goethe als Verlobter Lili Schönemanns". Dep beschränkte Raum zu einer Lünette reicht nicht aus, um 5. „Goethe als Lriter der Liebhaberbühne in Weimari^, 6. „Goethe als Naturforscher^^, 7. „Goethe als Maler in Italien" in einer der hohen Aufgabe ganz entsprechenden Weise darzustellen. Ueberraschend gelungen ist das schwierige Bild in der achten Lünette: „Goethe als Dichter'^ Im Hintergründe sieht man Faust und Mephisto. Hier! ist die Charakteristik meisterhaft über jede Trivialität hinausgehoben. Sämtliche in echt venetianischem Glasmosaik ausgeführten Gemälde sind von leuchtenden Farben und, dem Auge trotz ziemlicher Höhe über dem Beschauer ttac erkennbar.


