Ausgabe 
23.3.1901 Erstes Blatt
 
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Deutscher Reichstag.

ihre ständige rastlose Arbeit. Mit außergewöhnlicher Geistes schärfe dringt sie dabei bis zum Aeußerften, soweit ihre eigene,

Hebung des Staatsvertrages von 1873 und die Frage der Ueberführung der Maiw-Neckar-Bahn in die Eisenbahn- qemeinschaft berührt worden, welche zu einer Auflösung des Vertrags mit der badischen RegierunZ führen muß. Definitives sei noch nicht geschaffen, und er konstatiert, daß zu all diesen Vereinbarungen und. der Auf­hebung des Staatsvertrags die Kammer ihre Zustimmung geben müsse. .

Abg. Reinhardt beantragt Besprechung, wahrend der Abg. Dr. David die Zurückstellung der Angelegenheit

Kammer schließt sich diesem Antrag an.

Tie Verhandlungen werden um 1 Uhr abgebrochen. Nächste Sitzung Freitag vormittag 9 Uhr.

fahren eingenommen hat. z

Die Abgg. Spahn (Ztr.) und B a s s e r m a n n (natl.) befürworten die Resolution.

Abg. Heine (Soz.) greift in längerer Rede den preuß. Justizminister Schönstedt an, wegen dessen neulichen Aus­führungen im preußischen Abgeordnetenhaus. (Der Redner wird-wiederholt von Zwischenrufen unterbrochen.) Er be­dauert, daß der Minister abwesend sei. Die Minister eines Bundesstaates seien Hilfskräfte, die im Reichstag zu er­scheinen hätten. (Gelächter rechts, Beifall links.) Wie könne ein gedeihliches Zusammenwirken zwischen dem Reichstag und den Regierungen stattfinden, wenn der Minister eines Bundesstaates sich drüben in den Schmollwinkel setze und nicht mehr mitspielen wolle, und aus gesicherter Stelle Kraftworte schleudere. In der Frage der Behandlung jüdi­scher Assessoren habe der Minister Schönstedt aus der Schule geplaudert, und man habe ihn genötigt, die Wahrheit zu widerrufen. Man sagte sogar, Lucanus gehe um. Der Mi­nister Schönstedt hat bezüglich meiner Person bedingt von grober Unwahrheit und frecher Lüge gesprochen. Ich hatte viel mehr Recht, wenn ich sagen wollte, wenn imr der Minister etwas in die Schuhe schiebt, was ich nie gesagt habe, und wovon er annehmen kann, daß ich es nicht gesagt habe, muß ich das eine grobe Unwahrheit und ihn einen frechen Lügner nennen. (Bewegung.) Im Fall des Land- qericbtsdirektors Schmidt sagte der Minister: Schmidt war ein Schwächling, er hätte sich nicht beeinflussen lassen sollen. Das ist so, wie wenn man einem Mädchen die Ehre nimmt und sagt: Pfui du Dirne! (Große Unruhe.) Hätte der Minister dagegen gesagt: Nie wieder soll ein Richter weg­geschafft werden wegen eines politischen Prozesses, selbst wenn Majestät dies wünschen sollte. . . (Präsident Graf Ballestrem unterbricht den Redner und ruft ihn zur

ihre Seele erweitert sich mit der Aufnahme jeder neuen dich terischcn Gestalt, zu der ihr Inneres treibt, und jedes neu

0 Ter Etat des Reichsschatzamtes ist damit erledigt. Beim Etat des Reichseisenbahnamtes kommt Abg. Stolle (Soz.) nochmals auf den sogenannten

Preußisch-Sächsischen Eisenbahnkrieg zu sprechen.

Präsident Schulz bemerkt, er habe der bei der zweiten

©gentümlidb fi- .nicht nur eine Darstellerin von schärfster Intelligenz nnd lieferte. Herr di Balthyni fand sich mit dem Sekretär m d-n Dialog Her,-»-stärke,, .sondern, in chrer Kunst auch -in -rgr-ts-nd so sich noch -ine kleine Gesell-

Wahrheit. Obendrein kam ihm sein schweres Organ hier aufs beste entgegen, seine ganze physische Veranlagung. Neben dem Individuellen gelang ihm auch ganz außerordent­lich die Darstellung des Typischen, des Klembürgerlich-Be' drückten. Schade, daß er uns sein Bestes so spät gab, er hätte sonst wohl größere Rücksicht erfahren. Jedenfalls ge­bührt ihm unser herzlicher Dank.

Wenn wir nun weiter gehen, wird die Sache schon chwieriger, das rechte Maß anzulegen. Daß des Tischler­meisters lotkranke Frau schon im ersten Akte starb, war für Frau Ernst ein Vorzug. Immerhin muß anerkannt werden, > sie sich in ihren wenigen Szenen ganz wacker hielt. Der Leonhard verlangt eine weit schärfere Charakteristik, als Herr Liebscher sie geben konnte. Den Karl gab Herr Marlitz auch ohne rechtes Verständnis. Es steckt doch viel Frisches, Gesundes in diesem stürmisch jugendlichen, leicht-

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Molthans mit Entschiedenheit zurück. Nachdem serue Position unhaltbar geworden, sei er zum Angriff aus die nationalliberale Fraktion übergegangen. Dieser Ver­such sei aber vollständig mißglückt. Tie Angelegenheit habe der Abg. Molthan zu einer Staatsaktion aufgebauscht, ohne daß er mit definitiven Vorschlägen hervorgetreten sei. Damit sei das Haus mystifiziert worden.

Berichterstatter Jöckel empfiehlt nochmals die Re­gierungsvorschläge der Annahme des Hauses.

Bei der Abstimmung wird die Regierungsvorlage im Betrage von 395 400 Mk. mit 24 gegen 18 Stimmen ge­nehmigt, und damit auch der von der Regierung vorge­schlagene Bauplatz am Gauthor in Oppenheim angenommen.

Zu Hauptabteilung 10 Ministerium der Finan­zen, Zentralbauwesen werden für Dienst- und Wohn­gebäude für Steuerkommissär und Distriktseinnehmer zu Osthofen 48000 Mark, für desgleichen in Bmgen 48 000 Mk., desgleichen für Worms als erste Baurate 1 / 600 Mark gefordert und genehmigt, für die Erwerbung des Jun kern Hofes zu Büdingen als Tienstgebaude des Steuerkommissärs werden 40 000 Mk. gefordert. er Aus­schuß beantragt, den angeforderten Betrag zu strerchen, da der bauliche Zustand und die Lage des Harstes das Projekt als durchaus unzweckmäßig erscheinen laßen.

Abg. Bähr erläutert die Einrichtung, des Gebäude» und tritt dafür ein, keine alten Gebäude für Regierungs- zwecke zu erwerben und umzubauen.

Bei der Abstimmung wird trotzdem die Regrerungs- forderuna im Betrag von 46 000 Mark gegen drei Stimmen bewilligt. Desgleichen werden für die Erwerbung des Seitz'schen Hauses zu Oppenheim zu Zwecken des Steuer­kommissariats 27 600 Mk. genehmigt. Zur Erwerbung de» alten Konviktgebäudes zu Bensheim zur Unterbringung des Hochbauamts werden von der Regierung 60 000 Mk. ge­fordert. Die Ausschußminderheit will einen Neubau für diese Zwecke errichtet haben, selbst wenn eine Mehrforderung nötig sei. Tie Majorität des Ausschusses beantragt Ge­nehmigung.

Abg. Backes spricht sich für einen Neubau aus.

Abg. Euler beantragt als erste Rate für Erwerbung eines Bauplatzes 20000 Mark zu bewilligen.

Finanzminister Gnauth stellt fest, daß durch den Er!- werb des Gebäudes die dortigen Baubeamten wahrhaft glücklich seien, in gute Bureauräume zu kommen. Ein Neu­bau würde dort 100 000 Mk. kosten, ohne daß bessere Zu­stände geschaffen würden.

Bei der Abstimmung wird die Regierungsvorlage von 60000 Mk. gegen sieben Stimmen angenommen. Bewilligt werden ferner für Territorial-Fluß- und Tammbau 25 000 Mark; für Abpflasterung der Straßenbrücke über den Rhein bei Mainz 44 50.0 Mk. Zu Hauptabteilung 2, Ausleihungen und Staatsschuld, wird nach einer Erklärung des Finanz­ministers, von einer bestimmten Summe vorerst abzu­sehen, einstimmig genehmigt. Die Hauptabteilungen 12, 13 und 14, Indisponible und reservierte Fonds, werden mit 7 175 500 Mk. ohne Debatte genehmigt. Für Erweiterungsbauten und Ausstattung der Räume der Zweiten Kammer werden 24 000 Mk. gefordert nnd ge­nehmigt. Damit ist die Beratung des Budgets be­endigt. Bezüglich einer Forderung für das Großh. Hof- theater von 120000 Mk. beschließt die Kammer, diesen Betrag zu streichen und der Regierung anheimzustellen, denselben aus dem Dispositionsfonds zu entnehmen.

Nach einer kurzen Pause wird die Verhandlung fort­gesetzt. Ter Entwurf des Finanzgesetzes für das Etatsiahr 1901/02 sowie der Antrag des Abg. Reinhardt und Genossen auf A b ä n d e r u n g d e r l an d st ä n d i s Ä e n Geschäftsordnung werden genehmigt. Nachdem das Haus eine Anzahl neuer Anträge und Vorstellungen an den Ausschuß zur Vorberatung und Berichterstattung über^ wiesen hat, erfolgt die Beantwortung der Anfrage des Abg. S ch m e e l u. Gen., die Main-Neckar-Bahn betr.

. Finanzminister Gnauth erwidert, daß bereits im Herbst vorigen Jahres Verhandlungen mit den beteiligten Regierungen über die Verhältnisse der Main-Neckar-Bahn gepflogen worden seien, deren Ergebnis er der Kammer jedoch noch nicht mitteilen könne. Dabei sei auch die Auf-

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Auf eine Anfrage des Abg. Spahn (Ztr.) erklärt Staatssekretär Nieberding, er gebe zu, daß der Zeit­punkt bald kommen werde, wo die Verordnung von 18 r9 abzuändern sei, die die Grenze zieht zwischen denjenigen, in Teutschland geltenden Bestimmungen, die vor dem Reichsgericht revisibel sind, und denen, die es nicht smd. Die vom Reichstag verlangte Zusammenstellung, inwieweit in den Einzelstaaten in bürgerlichen Rechtsstreitigkeiten nicht der ordentliche Rechtsweg geöffnet ist, sondern die Ver­waltungsgerichte zuständig sind, geht dem Abschluß ent­gegen. Wenn der Abg. Spahn sich beklagte, daß in der Kommission für den Toleranzantrag fein Kommissar des Reichsjustizamts erschienen sei, so beruhte das daraus, daß ein Antrag hierzu vom Reichskanzler nicht erteilt war.

Abg. Gröber (Ztr.) befürwortet seine Resolution be­züglich einer Statistik über die Fälle der bedingten und der unbedingten Begnadigung, und wünscht eine Beschleu­nigung der Reform des Strafrechts.

Staatssekretär Nieberding erklärt: Tie Revision des Strafgesetzbuches betrachten wir als unsere Hauptauf­gabe. Die Resolution des Abg. Gröber bitte ich abzu­lehnen. Ich nehme gegenüber dieser Resolution dieselbe Stellung ein, die der Kriegsminister gegenüber der Reso­lution betr. das Begnadigungsrecht im Militärgerichtsver-

Var dichterisch- Bild in voller Klarheit wieder. Das Menschen. Gesicht einer Max Kling-rachen büßenden M-gdal-na ist herz, das der Dichter gab, bis zum letzten zu ergründen, ist ganz Natur. Ihre Darstellung ist kein Mosaik gleißender fhrc ständige rastlos- Arbeit. Mit außergewöhnlicher Geistes Details, sondern die künstlerische B-r eiblichung der vom schärfe dringt sie dabei bis zum Aeußersten, soweit ihre eigene, Dichter geschaffenen, seelisch tu i^rer in der unendlichen Kunst aufgehende Seele reicht. Und diese stalt. Schon darum weil bte Technik durch die Empfindung ihre Seele erweitert sich mit der Aufnahme jeder neuen dich regiert wurde, tief sie den gewaltigen Eindruck hervor, de terischcn Gestalt, zu der ihr Inneres treibt, und jedes neu sich niemand im Hause zu verschließen vermochte. Der Bei- Erworbene kommt dem wohl aufgespeicherten vorhandenen fall war außerordentlich stark, und bte pratyoonen Blunwn- aeistiaen Besitz zugute, vertieft ihn, gleicht ihn aus, rundet arrangements, bte ihr auf die Bühne gereicht würben, sprachen ihn ab, mehr unv mehr, macht ihn zu immer unberührbarerer unzweibeutig bie aufrichtige Verehrung aus, bie man ihrer Kunst. So wächst sie stänbig über sich hinaus, je mehr sie großen Kunst hier entgegenbringt.

in dichterische Gebilbe hineinwächst. Auch in bie .Maria Frl. Trtesch ist von einer Strenge gegen sich selbst, bie Magdalene", bie im kleinbürgerlichen Leben Clara heißt, ist ben aufzurichten vermag, dem der Schacher der Halben das sie im Laufe zweier Jahre um ein Erhebliches hineingewachsen, bischen Leben zu verekeln droht. Wer sonst ist dieser Strenge Damals sah ich sie auch in dieser Rolle und konnte nicht tu seinem Berufe fähig, als der schaffende Äünftler! Lieber umhin, allerhand kleine Aussetzungen zu machen. DaS hat legte ich mein Haupt auf einen MüMein,. daß 'ch a g«' Amerika f'ortsehnt; er ist da«

sie jetzt alles bei Seite geschafft. Sieht man von ber will gegen kleinlich Kritik übte. Wer zur Nachfe 8 9 lA-fi-nteil ru ber herben Größe seines Vaters, von

kürlofen Befangenheit am Anfang ab, bie sich durch das tages von Frl. Tne ch in seinem ^b^tszimmer e liche fest ge a @ g f b £g verflachtes graues Abbilo Milieu ergab, so ist festzustellen, baß bie geringsten Emzel- liche Kerzen en zündet, darf dies m dem Gedanttn thun, baß dem H 1 Balthyni sand sich mit dem Sekretär heilen nicht konstruiert, sondern erlebt waren. Eigentümlich sie nicht nur eine Darstellerin von schärfster Intelligenz un s $

nur wat's, daß sie hier und da nicht rechtzeitig in den Dialog Herzensstärke, sondern in .ihrer Kunst auch em e: gtj _ s 9 ber Vorstellung fand sich noch eine kleine Gesell- eingriff, namentlich in den Szenen mit dem Vater. So kam strenger Mensch ist. Das ist viel in unseren Tagen. $ Großderzoa von SSeffen" zu Ehren bet

z. B. ihr ..Barmherziger Gott, was soll ich thun?", später Eine merkwürdig gute Leistung war bet Meister Anton «oft tat

als beS Vaters Antwort:Nichts, nichts, liebes Kind." Man des Herrn Ramseyer. Sollen wir an die , außerordentlich rührigen TheaterveteinS-Vot'

hatte das Gefühl, als sei sie nicht ganz bei ber Sache, wie Charakters des Meisters Anton glauben, bann muß biesem d°ß -S unserm außerorden roQr# cvrf

sonst. Die ganze erste Szene des zweiten Aktes litt darunter, so streng ehrenhaften als empfindlichen, jähzornigen und Herrn Prof. - " leblwfter noch das

Doch von diesen momentanen Stimmungsunterbrechungen leidenschaftlichem Mann an tiefer, inniger 2ßärnte unb echtesten Tr ch ch u ~ üon Frankfurt

darf man billig absehen. Das srüh-re Herbe ihrer Clara wird GefÜhlstöuen ein gar großes Maß eigen stm.WaS Herr R. Bedauern Üb«^daS Sche^de^

jetzt durch Rührendes, Weiblich-Hilfloses gedeckt. Um so ver- alles davon gab, war geradezu erstaunlich. Wenn Herr R. und damit auchvon 8 TriefA trotz bet

Mnblicher sinb ihre Opferfreudigkeit und helbische Willensstärke, daS auch am Mittwoch zu Anfang immer wlederkehrenbe och dw zuversichtlich H N S- F - mcrijn cr, die sie schließlich, um Anderer willen, zum Selbst-und Kindes störende HinauSschielen inSPublikum endlich sich abgewohnt hatte, ganz und gar fünhleritdien ^ufunft der üe aetrost nnb

morde treibt. Das Wunderbarste abe an ihr ist ihr Organ, wenn noch eine Probe mehr ftattgefunden hätte, dann wäre warten, trotz der

Das ist von unbeschreiblich weichem Wohllaut, eine klingende sein Meister Anton eine Leistung gewesen, wie sie sich vertrauensvoll entg g g h, Verehrer erworben hat, Seele spricht da zu uns, bie an unserem Innersten zerrt mit bester ein erste- deutsches Theater Nicht wünschen stabt, in ber sie sich 9 f M nhtnhhnrpr önfanft als chrer wehmutsvollen Thränenmelobie. Bei Frl. Tr. ist alles kann. Herr R.'s innerste Art ist wuchtige Rauhheit; nicht vergesten wirb, baß

echte Glut der Empfinbung, wenn überhaupt Empfinbung da sie kam hier in einer künstlerisch so abgeklärten Art hoch zu seiernden Gast wiedernm. ist nick's von täuschendem Brillantfeuerwerk schauspielerischer zum Ausdruck, daß man bas Gefühl hatte: dahinter steht Wenn wir auch mcht m einem Himmel mit tt) , 1 T MXdchxn nirgends ein Festklammern an Aeußerlichkeiten; das ein ganzer Kerl mit seinem besten Sein. Da war jeder Satz, sie kommt, wird sie willkommen sem.

ganze Aeußere bringt nur daS Innere zum Ausdruck. Dieses jedes Wort durchgefühlt; im stärksten Affekt war echteste

Ordnung.) Heine kommt auf die Zunahme der Maiestats- beleidigungsprozesse zu sprechen und meint, wir seien bei den Zeiten des Tiberius und Caligula angelangt.

Staatssekretär Nieberding führt aus: Die persön­lichen Angriffe gegen den Minister Schönstedt, die nicht nach meinem Geschmack sind, will ich nicht weiter erwähnen. Dieser Teil der Rede des Abg. Heine war ein Meister-- stück dessen, wie man einen Abwesenden angreifen kann. (Zuruf bei den Sozialdemokraten:Er könnte ja hier sein!") S sdastw MtzKWRZWL gewesen ist, auch ein sehr schwacher Mann." Die Behaupt­ung, daß die Vertreter der Landesregierungen im Reick)s- tag zu erscheinen hätten, ist unrichtig. Verpflichtet dazu ist nur der Reichskanzler und seine Vertreter, und wir werden immer Rechenschaft ablegen, sobald wir uns über Berlin 21 März. die vorgebrachten Sachen informiert haben, ^zu ist aber dritte (Statsberatung wird bei dem Justiz-

tumm zu machen, weil sie den Einzelfall nicht gleich über- ehen können, und dann billige Triumphe zu feiern, ^er Sache wird aber damit nicht gedient.

Abg. Haase (Soz.) führt Fälle an, wo nach seiner Meinung der Minister Schönstedt eine direkte Einwirkung auf die Richter ausgeübt habe, nämlich in dem Prozeß gegen den Verleger einer im Herbst 1897 in Ostpreußeü verbreiteten Flugschrift, durch die fich die Großgrundbefitzer beleidigt fühlten. Die Richter seien zu Polizeispitzeln der Agrarier gegen eine mißliebige Partei gemacht worden.

Staatssekretär Nieberding erklärt, die angeführten Thatsachen seien ihm nicht bekannt. Er könne sich daher nicht darüber äußern.

Abg. Beckh (fr. Vp.) begründet seme Resolution, wo nach bei Beginn der neuen Session ein Gesetzentwurf vor zulegen ist, betreffend die Entschädigung derjenigen, die mit Unrecht Untersuchungshaft erlitten haben.

Staatssekretär Nieberding bemerkt, es handle sich um ein Problem, das seit Jahrhunderten die Wissenscha^ und die Praxis in allen Kulturstaaten beschästigt und doch bisher nirgendswo geregelt worden ist. Trotz aller Syn^ pathie, die man für den Gedanken haben muß, fei das Verlangen, einen solchen Gesetzentwurf bis zur nächsten Session fertigzustellen, unerfüllbar.

Abg. Heine (Soz.) erwidert auf die Rede des Staats­sekretärs Nieberding, er habe nicht behaupten wollen, daß der Kaiser durch den Justizminister einen Druck auf die Beamten habe ausübeu wollen.

Die Resolution Beckh wird einstimmig angenommen mit einem Amendement des Abg. Spahn (Ztr.), wonach die Wortebei Beginn der Session" wegfallen. .

Die Resolution Gröber betreffend eine Statistik der Begnadigungen wird ebenfalls angenommen, womit der Justizetat erledigt ist.- , e .

Bei dem Etat des Reichsschatzamtes erklärt auf eine Anfrage des Abg. v. Kardorff (Rp.)

Staatssekretär Frhr. v. Thielmann: Der Zolltarif ist im Reichsschatzamt abgeschlossen und unterliegt gegen­wärtig der gemeinsamen Beratung derjenigen anderen Ressorts des Reiches, welche wichtige Interessen, die im Bolltarif berührt werden, zu vertreten haben rte Be­ratung dauert bereits einige Wochen. Ich habe begründete Hoffnung, daß sie im Verlauf dieses Monats abgeschlossen wird. Ob durch den Abschluß dieser Beratungen alle zweifel­haften Punkte erledigt sein werden, kann ich nicht sagen. Hieran wird sich der mehrere Wochen beanspruchende Neu­druck des außerordentlich umfangreichen Werkes schließen. Ich weiß also nicht, ob noch im Laufe des April das Werk dem Bundesrate und den verbündeten Regierungen wird vorgelegt werden können. Wie lange es der Bundes­rat beraten wird, bin ich zunächst nicht in der Lage zu