Ausgabe 
22.9.1901 Zweites Blatt
 
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sich als schuldig und baten um Gnade, der Rest wurde für schuldig befunden. Das Urteil ist noch nicht verkündet.

Zwei'Gefchü tze der je unter- der Eskorte

bereits überschritten eine Wiederwahl abgelehnt. Auf über 30 Jahre erstreckt sich seine segensreiche Wirksamkeit, die ja auch vor einigen Jahren durch eine Ordensverleihung an­erkannt wurde, in unserer Gemeinde. Konnte et auch in den letzten Jahren manchmal nicht allen Wünschen, die in- olge verschiedener Neuerungen in unserer Gemeinde es ei hier nur die eben noch im Gange befindliche Feldbereinig. ung erwähnt an ihn gestellt wurden, gerecht werden, so hat er doch gethan, was er konnte. Eine lebhafte Wahl­agitation ist im Gange. Es sind mehrere Kandidaten auf. gestellt worden.

e. Bad.Nauheim, 20. Sept. Bei der gestrigen Ge. meinderatswahl wurden Rentner Fritz, Weißbinder- meister Stamm und Spediteur Meier wiedergewählt, Oekonom Schäfer und Schreinermeister Beruh. Fisch neugewählt. Erst in später Nachtstunde wurde das Wahlresultat bekannt. Es herrschte vor und nach der Wahl eine recht lebhafte Stim­mung in Nauheim. In 14 Tagen findet die Bürgermeister- wähl statt.

Bad-Nauheim, 19. Sept. Die Zahl der Badegäste betrug bis zum 19. September 19 432. An Bädern wurden bis zu diesem Tage 282120 verabreicht.

Friedberg, 20. Sept. Am 18. Sept, fand in der Burg- kirche die feierliche Entlassung der fünf Kandidaten Bernhard, Eckel, Hoch, Siebeck und Wagner statt. Es hatten sich zahlreiche Festbesucher (meist Geistliche aus dem Fried­berger und den Nachbar-Dekanaten) eingefunden; auch von Seiten der evang. Gemeinde war die Beteiligung stark. Die Hauptrede hielt Prof. Schoeler über 1. Kor. 4,1 2. Hieran schloß sich nach dem Gesang der Seminaristen die Entlasi- ungsrede des Direkors 1). Weiffenbach über Röm. 12, 12 und die Uebergabe der Entlassungsurkunde. In seiner Rede begrüßte D. Weiffenbach auch die fünf Geistlichen, die zur Feier ihres Abgangs vor 10 Jahren erschienen waren, (Diefenbach, Freundlieb, Ritter, Schmidt, Weißgerber), mit

herzlichen Worten. Es folgte dann ein Kandidaten-Chor. Namens der scheidenden Kandidaten sprach Kand. Sieb eck auf Grund von Röm. 12, 18 erweckliche Abschiedsworte. Als Vertreter der obersten Kirchenbehörde richtete zuletzt Ober- konfistorialrat D. Walz auf Grund von A.-Gesch. 13, 62 erbauliche Worte an die abgehenden Kandidaten. An die kirchliche Feier schloß sich ein Festmahl im Hotel Trapp und eine gesellige Zusammenkunft im Restaurant Weith.

Darmstadt, 19. Sspt. Der dem Zentrum angehörige Landtagsabgeordnete v. Brentano teilte derFranks. Ztg." mit, daß er zwar mit den Beschlüssen des hessischen Bcmern- ages nicht ganz einverstanden gewesen fei, aber als Gast nicht dagegen gesprochen habe.

8. Darmstadt, 20. Sept. An der heutigen Wagen­ährt des Forstvereins für das Großherzogtum Hessen durch die Darmstädter Forsten nahmen etwa 100 Herren teil. Auch das Großh. Ministerium war vertreten. Nachmittags 5 Uhr fand auf dem Heiligkreuzberg ein gemeinschaftliches Essen statt, an dem u. a. Staatsminister Rothe, Finanz- Minister Gnauth, die Ministerialräte Braun, Breidert und Willbrand teilnahmen. Die Feier nahm einen schönen Ver­lauf. Die Verhandlungen beginnen morgen.

Mainz, 20. Sept. Der Großherzog und die Groß­herzogin sind mit der Prinzesfin Beattice von Sachssn- Koburg und Gotha, dem Großfürsten Kyrill von Rußland und dem Prinzen Arthur von Connaugt nebst Gefolge um 7 Uhr mit Sonderzug nach Alsheim gefahren und begaben ich von dort ins Manövergelände, zunächst auf die Höhen üblich von Dorn-Dürkheim.

t'o Frankfurt a. M., 20. Sept. Die amtliche Unter- üchung über die Ursache der Explosion in der Droguerie von Glocke u. Tscharnke hat ergeben, daß die Explosion durch Leuchtgas erfolgt ist, das infolge eines Defekts der Kellerleitung aussttömte. Das Gas konnte nicht abziehen, da der Keller keinerlei Oeffnung, weder nach der Straße noch nach dem Hofe hatte. Benzin und Spiritus sanden sich noch in den Gefäßen vor. Diese zeigten das Maß an, das sie vor der letzten Entnahme hatten. Ein Teil der Schuld fällt immerhin auf den Lehrling Einschütz, der entgegen seiner In­struktion das Stteichholz angesteckt hat. Der hiesige Poli­zeipräsident hatte das Auftreten der Burentruppe de Casper im Hippodrom-Variöte verboten, weil er antienglische Demon- ftraHonen befürchtete. Der Regierungspräsident in Wiesbaden hat jetzt das Verbot wieder aufgehoben.

Aus Stadt und Land.

Der Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original-Nachrichten ist ««runtergenauer Quellenangabe:,,Gieß, Anz." gestattet.)

Gießen, den 21. September 1901.

Ernennung. Ernannt wurde der Stellenanwärter Hoboist August Zis sei zu Darmstadt mit Wirkung vom 1. Oktober an zum Ministerialkanzlisten bei dem Ministerium der Finanzen.

* * Pensionierung. In den Ruhestand wurde versetzt der Lokomotivführer in der Hess.-Preußischen Eisenbahngemeinschaft Georg Frutig zu Gießen auf sein Nachsuchen unter An­erkennung seiner langjährigen treuen Dienste mit Wirkung vom 1. November ab.

" Zur Lage des Arbeiterstandes und der Industrie. Das Ministerium läßt soeben durch die Handelskammern des Landes Erhebungen über die von feiten der Kammern gemachten Wahrnehmungen über die Lage des Arbeiterstandes und der Industrie veranstalten. Insbesondere ist es der Wunsch der Regierung, die allgemeine Lage des Arbeitsmarktes, der Produktions- und Arbeitsverhältnisse und die Lebenshaltung der arbeitenden Bevölkerung kennen zu lernen.

* * Millionäre im Großherzogtum Hoffen. Die Zahl der im Großherzogtum Hessen festgestellten Millionäre beträgt gegenwärtig 205. Davon entfallen 60 auf die Stadt Darm­stadt, die hiermit alle übrigen Städte des Landes, auch Mainz, bei weitem übertrifft.

* Verhaftung. Bei einer in der vergangenen Nacht durch die Schutzmannschaft am Bahnhofe und in den Anlagen vorgenommenen Razzia nach Obdachlosen wurden mehrere fremde Frauenzimmer wegen liederlichen Umhertreibens am Bahnhof, sowie einige Betrunkene in den Anlagen verhaftet.

ft Londorf, 20. Sept. Seit einigen Tagen halten sich in dem Walde zwischen hier und Wermertshausen, im sog. Sicknes", drei Sttolche auf, die die vorübergehenden Leute anrempeln und bedrohen. Es sollen beschäftigungslose Italiener sein, die an der Bahnstrecke LondorfLollar ge­arbeitet haben. Es wäre zu wünschen, daß diesen Tauge­nichtsen seitens der Polizei das Handwerk gelegt würde.

- h- Sichenhausen, 20. Sept. Heute ereignete sich hier bei den Schachtarbeiten des Frankfurter Tiefbauamts ein Unglücksfall. Infolge des mehrtägigen Regenwetters war ein 9 Meter tiefer Schacht zum Teil zusammengerutscht. ,2)er Vorarbeiter beauftragte vier Arbeiter, das Schachtholz heraus­zuschaffen. Dabei stürzten plötzlich weitere Erd- und Stein­massen herab und begruben den verheirateten Arbeiter Heinrich Weber von hier vollständig; die übrigen drei konnten sich retten. Sofort stellten sämtliche Arbeiter Rettungsversuche an. Der Verschüttete konnte nach langer mühevoller Arbeit, wobei ihm ein Arbeiter unglücklicherweise mit der Hacke zweimal auf den Kopf schlug, befreit werden. Bewußtlos wurde Weber in feine Wohnung gebracht. Der sofort durch einen Eilboten gerufene Kreisassistenz-Arzt Dr. Langermann-Gedern leistete die erste Hilfe. Heber die Verletzungen läßt sich noch nichts Bestimmtes sagen. Anscheinend hat der Mann innere Verletzungen davongetragen, auch klagt er über heftige Schmerzen im Rücken.

X. Rudingshain (Kreis Schotten), 20. Sept. Der in diesem Frühjahre zum Bürgermeister gewählte Karl Ludwig Deubel hat nunmehr die kreisamtliche Bestätigung erhalten.

ü. Beuern, 20. Sept. Bei der Gemeinderatswah- wurden die drei ausscheidende Mitglieder Lindenstruth, Krämer und Lepper wiedergewählt. Für das verstorbene Mitglied Arnold wurde ein Baptist, Philipp Damm II., gewählt. Wie verlautet, ist gegen diese Wahl Protest eingelegt worden, weil nicht genügend Hüchstbesteuerte im Gemeinderat ver- treten waren und weil etliche Wähler noch im Rückstand mi der Gemeindesteuer waren.

y. Garbenteich, 20. Sept. Nächsten Freitag findet hier die Bürgermeisterwahl statt. Der bisherige Bürgermeister Schwarz hat aus Altersrücksichten er hat das 60. Jahr

Deutsches Deich.

Berlin, 20. Sept. Der Kaiser ist heute mittag von Danzig nach Marienburg ab gereist und dvrt um 2 Uhr eingetroffen. Gr fuhr dort, ohne den Zug an der zum Empfange auf gestellten Rampe anhalten au lassen, direkt nach dem Bahnhofe durch. Bon hier begab der Kaiser sich zu Wagen nach den neuen Festungswerken und besuchte darauf die Marienburg, wo er etwa anderthalb Stunden sich aufhielt. Kurz vor 6 Uhr reifte der Kaiser mit Sonder­zug über Elbing nach, Cadinen.

Der Kaiser ließ! dem Oberpräsidenten Goßler folgende allerhöchste Kundgebung zugehen: Ich kann es mir am heutigen Schlüsse der diesjährigen Manöver nicht Äu, erneut zum Ausdruck zu bringen, wie wohlthuend e vielen Bewerfe treuer Liebe und Anhänglichkeit be­rührten, die mir und der Kaiserin in diesen Tagen aus allen Kreisen der Bevölkerung entgegengebracht worden sind. Wie in Danzig, so wetteiferten aller Orten die Be­wohner, ihre Königstreue und patriotische Gesinnung durch jubelnde Begrüßungen und festlichen Schmuck der Häuser und Strasten kundzugeben. Bewegten Herzens spreche ich hierfür unseren herzlichsten Dank aus und beauftrage Sie, dies zur Kenntnis der Provinz zu bringen. Einem Teil der Provinz mußte durch die Manöver trotz der in diesem Jahre herrschenden landwirtschaftlichen Schwierigkeiten be­sonders hohe Einquartierungslast auferlegt werden. Mit besonderem Danke erkenne ich daher die vortreffliche, be­reitwillige Aufnahme an, welche die Truppen in allen Kreisen und Ortschaften sanden. Danzig an Bord der Hohen- zollern W. R.

Der General der Infanterie v. O b e r n i tz, General-

Adjutant und Chef des Grenadier-RegimentsKönig Fried­rich der Große"", ist in Honnef gestorben. Der König von Württemberg hat der Witwe des Generals seine Teil­nahme ausgesprochen und bestimmt, daß zu Ehren des Andenkens des ruhmreichen Führers der württembergischen Felddivision im Jahre 1870 eine Abordnung des württem­bergischen Armeekorps an der Beisetzung teilnimmt.

An der Spitze der militärischen Personal- Veränderungen, die int Anschluß an die eben be­endeten Manöver bekannt gegeben werden, steht die Er­nennung des Generalleutnants Prinzen zu Salm- Horstmar zum General der Cavallerie unter Belassung in dem Verhältnis als General a la suite des Kaisers und als Präses der General-Ordenskommission. Prinz Eduard zu Salm-Horstmar trat 1859 int März als Leutnant beim Husaren-Regiment Nr. 11 in den Dienst.

Die Liste der Ordensverleihungen, die aus Anlast der diesjährigen Herbstübungen stattsanden, wird imReichs- Anz."" veröffentlicht. Sie füllt zwei Druckseiten. U. a. haben die kommandierenden Generale des 1. und 17. Armeekorps, Graf Finck v. Finckenstein und v. Lentze, den Schwar­zen Adlerorden erhalten. Beide Kommandeure sind gelegent­lich des Gumbinner Prozesses viel genannt worden.

Zu den Miquel-Erinnerungen und Miquel- Enthüllungen trägt die LondonerFinanzchronik"" folgen- >es Stück bei:

Ein Journalist erhielt gelegentlich unter seiner ge­nauen Adresse von einem unbekannten Absender ein Aktenstück, den Entwurf des bis dahin noch verschwiegen gehaltenen Börsengesetzes. Der Empfänger hielt sich in seiner Gewessenhaftigkeit verpflichtet, mit dem Aktenstück zu dem Finanzminister zu gehen und ihn zu fragen, ob die öffentliche Wiedergabe gestattet sei. Dr. v. Miquel erörterte förmlich; er suchte sichtlich nach dem geeigneten Ausdruck und sagte nach, einigem Kampf mit sich:Ich habe Ihnen ja das Akteustüct selbst geschickt.""

Für die besten Schießergebnisfeim Jahre 1901 erhielten das Kaiserabzeichen 18 Kompagnien der Infanterie, 3 fahrende, 1 reitende und 2 Feldhaubitz-Batterien der Feldartillerie und 1 Kompagnie der Fußartillerie.

Bremerhaven, 20. Sept. Der Lloyddampf erStutt­gart" brachte das halbe erste Bataillon des ersten ost- asiatischen Regiments und die siebente Ge­birgsbatterie, zusammen 10 Offiziere und 344 Mann.

München, 20. Sept. Franz Wieland, der Führer des bayerischen Bauernbundes, ist einem unheil- iaren Leiden erlegen. Er gehörte von 1897 bis 1899 dem bayrischen Landtage an und war einer der intereffan- :eften Persönlichkeiten der Abgeordnetenkammer.

Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.

Heilbronner Gewerbebant. Gegen die Dlrektoren Fuchs und Reefer von der Heilbronner Gewerbebank ist^Anklage wegen Untreue, Unterschlagung und Verscklererunss. dA erhoben worden, gegen den Prokuristen «rüg soll bte auf

Beihilfe zur Bilanzverschleierung lauten. ,Den StönlutS chAuhalle , wird ganz unmöglich sein, und auch bte Aussichts-Msmt.g werden sich gefallen lassen müssen, baß Regreßansprüch^. gegen I erhoben werden.

Gegen Englands Helfershelfer!

Der Burengeneral Louis Botha hat mit seinem sieg­reichen Einbruch in die Natal-Kolonie den dritten Sommer- feldzug gegen die Engländer in Südafrika beginnt jetzt der Sommer glänzend eingeleitet. Die Kraft der Frei- hettskämpfer ist noch ungebrochen. Das werden voraussicht­lich nicht nur die Brtten erfahren; erachten doch die Buren dem Anschein nach die Zeit für gekommen, auch mit dem Helfershelfer der Briten in diesem Raubkriege, mit Portugal, Abrechnung zu halten. Schlotternde Furcht hat sich des Generalgouverneurs in Loureneo Marquez und der Regierung in Lissabon ob der Nachricht bemächtigt, daß die Buren immer zahlreicher an der Grenze auftauchen und die Proteste"" der portugiesischen Wachposten unbeachtet lassen. Man erwartet tagte ch einen Angriff auf Lourenzo Marquez, und der Kriegsminister in Lissabon hat auf eine dringliche Depesche des dortigen Generalgouverneurs hin die sofortige Mobilmachung und Absendung von Infanterie und Ar- titeerie nach Afrika angeordnet. Helfen wird's schwerlich denn die kampfgewohnten Buren werden im Ernstfälle mit ' den Kriegern Portugals wenig Federlesens machen, sodaß diese im Handumdrehen sich an der Küste wieder­finden dürsten. Die Buren würden in Lourenzo Marquez nm so leichteres Spiel haben, als die Bevölkerung dieser Kolonie derEngländerei"" längst überdrüssig ist. Nur die Beamten halten noch zu England, aus dem einfachen Grunde, weil sie von dessen Generalkonsul regelmäßige Gehaltszulagen"" beziehen, d. h. Bestechungsgelder dafür, daß sie in skrupellosester Weise denunzieren, mag es sich nun um angebliche Einschmuggelung von Kriegskontre- bande, umverdächtige"" Personen oder Briefschaften han­deln. Selbst Lissaboner Zeitungen klagen, daß sich unter diesem Spionagesystem unerträgliche Zustände heran­gebildet haben. In Lourenzo Marquez regiert in Wirk­lichkeit nicht der portugiesische Generalgouverneur, son­dern der englische Generalkonsul. Dieserfühlt"" sich der­art, daß er sogar Befehle über die Verwendung der portu­giesischen Kolonialtruppen erteilt. Nun, vielleicht hilft Eng­land für den Fall, daß die Portugiesen und Buren anein- anbergeraten, den ersteren auch mit einem Heerführer aus, der da weiß, wie man mit den Burenumgehen"" muß. An britischen Offizieren, die in dieser Beziehung- ob- schpn trübe Erfahrungen gesammelt haben, ist ja kein Mangel. Auf anderweite Unterstützung durch England würde Portugal aber schwerlich rechnen können. Lord Mchener, dessen Feldherrnruf so in die Brüche geht, braucht jeden Halbwegs dienstfähigen Soldaten. Und mit englischem Gold lassen sich wohl noch portugiesische Beamte bestechen, aber keine Truppen mehr heranschaffen. Einzig das Eingreifen britischer Kriegsschiffe oder Landungsdetachements käme in Betracht, wenn die Buren den Krieg bis an die Delagoibai tragen sollten. Die englischen Marinesoldaten hätten dann aber hinlänglich mit dem Schutz und der Verteidigung der englischen Untertanen und Interessen zu thun, als daß sie sich noch um diejenigen Portugals kümmern könnten. Das wäre dann der verdiente Lohn, daß Portugal sich zu Schergendiensten für England hergab, in derneutralen"' Delagoabai britisches Kriegsmaterial landen, britische Trup­pen durchs dasneutrale"" Gebiet von Lourenzo Marquez marschieren ließ, um den Buren in den Rücken zu sclllen usw. Die Weltgeschichte ist das Weltgericht. Für die weitere Gestaltung der Kriegslage wäre es natürlich höchst bedeut­ungsvoll, wenn die Buren ficty durch einen kühnen Hand­streich gegen Lourenzo Marquez den Zugang zum Meere verschafften. Und General Botha ist der Manu, diese Auf­gabe zu lösen.

Vorläufig haben die Buren einen, wenn auch kleinen, so doch schönen neuen Erfvlg zu verzeichnen. Mchener meldet aus Pretoria vom 19. d. M.: ,2* J-- *

königlichen rettenden Artillerie, welche unter einer Kompagnie berittener Infanterie von den hydrau­lischen Werken abgegangen waren, wurden bei Vlaksvntein, 15 Meilen südlich der hydraulischen Werke von einer über­legenen feindlichen Macht umzingelt und fielen in die Hände oes Feindes. Ein Leutnant wurde getötet Englische Kolonnen sind zur Verfolgung des Feindes äbge- fanot"', den sie natürlich nicht kriegen werden. Ferner liegt folgende Nachricht aus Graafreinet vor: Siebzehn mit dem Kommando Lotters gefangen genommene Auf­ständische standen heute unter der Anklage des Hoch>- verrats und Mordes vor Gericht. Vierzehn bekannten

Bund der Industriellen" bezeichnet worden. Die demnächst stattfindende Vollversammlunwg desZentralver­bandes deutscher Industrieller" wird kaum zu einem so günstigen Ergebnis gelangen. DerStein des Anstoßes" ist und bleibt der Minimalzoll für Getreide. In Handel und Industrie ist die Auffassung die bei weitem vor­her rsKnde/ daß diese Besftmmung eine Gefahr bet den Vertragsverhandlungen bilde und entfernt werden müsse. Innerhalb der Regierung macht sich eine allmähliche An- näherung an diese Auffassung bemerkbar.

Kmdwirtschast.

+ Bom nordwestliche« Vogelsberg, 19. Sept Endlich hat sich das von den Landwirten Hertz ersehnte sonnige Herbstwetter eingestellt. Allenthalben ist man denn mtt dem Grummetmachen beschäftigt. Leider hat der anhaltende Regen erheblichen Schaden angerichtet. Das auf den Wiesen ausgebreitete Futter ift vollstanüg schwarz und saft wertlos geworden. Von den Obstsorten haben besonders die Zwetschen gelitten. Der größte Teil derselben ist herabgefallen und verfault, und die noch Hangenden Fruchte sind meistens aufgeplaht und ohne Zuckergehalt. Das ©immer (ettva ein Korb voll) wird zu 50 Pfennig abgegeben; es herrschtleboch wenig Nachfrage. Vielfach hört man in diesem Herbst über Obstfrevel klagen: besonders auf Aepfel, die Heuer bekanntlich verhältnismäßig teuer sino, haben es dieObstmarder" abgesehen. So wurden dieser Tage in Grünberg mehrere Diebe überrascht, die in der Morgenfrühe einen an der Straße stehenden Apfelbaum feiner Last entledigen wollten. Leider gelang es ihnen, unerkannt das Weite zu suchen; die in der Eile zurückgelassenen Säcke und ein Korb führen vielleicht zur Ermittelung der Thäter. Ein anderer Besitzer dort machte, als er auf sein etwas abgelegenes Baumstucr kam, um Aepfel abzumachen, die ebenso überraschende, als unltev» same Wahrnehmung, daß ihm ein Unberufener diese Arbeit ao- genommen hatte. Durch diese Vorkommnisse sind die Leute ängst­lich geworden und nehmen jetzt schon die Aepfelernte vor, ohne zu bedenken, daß gerade jetzt das Obst noch wächst, und bte zu stuy gepflückten Aepfel bei weitem nicht fo haltbar find, wie bte gehona ausgereiften Früchte. Den Gemeinben wäre anzuraten, tm Heros! das Aufsichtspersonal durch Einstellung von Hilfsschutzen zu ver­mehren. Auch der an manchen Orten hiesiger legend geübte Brauch, das Gemeindeobst nicht vor dem 1. Oktober zur Versteige ung zu bringen, verdient allerwärts Nachahmung.