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5h». 118 Zweites Blatt.
151. Jahrgang.
Mittwoch 22. Mai 1901
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GietzenerAnzeiger
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NolMfche Tagesschau.
In der MittelllmdkaualFrage nimmt die „Sreuz-Ztg." nochmals das Wort. Das negative Ergebnis der Beratung des Gesetzentwurfs im preußischen Abgeordnetenhause sei um so beachtenswerter, als die Mitglieder des Hauses in der zwischen den SesfionSperioden 1899 und 1901 liegenden Zeit vollauf Gelegenheit gehabt hätten, sich der Stimmung in ihren Wahlkreisen zu vergewissern. Die im Jahre 1903 voraussichtlich unter dem Zeichen des Kanals zu vollziehenden Neuwahlen würden nur zu einer Verstärkung der Kanal gcgnerschaft führen. Weniger bedenklich steht die ,Kreu,« Ztg." der Bildung einer Aktien Gesellschaft zum Bau des Kanals gegenüber, die von der Regierung Vie Baukonzesfion erwerben und den Bau, sowie den Betrieb des Kanals für eigene Rechnung übernehmen soll. Daß ein derartiges Unter, nehmen geplant ist, darüber find der „Kreuz-Ztg.- zuver^ läsfige Mitteilungen zugegangen. Dasselbe sei als eine, für alle Teile befriedigende Lösung der Lanalfrage zu betrachten — vorausgesetzt, daß auf jeden Zuschuß aus der Staats kaffe verzichtet werde. Fraglich sei es allerdings, ob die projektierte Gesellschaft ihre Rechnung finde, umsomehr, da auch die technischen Schwierigkeiten, die beim Bau des Kanals zu überwinden sein werden, und in der Regierungsvorlage bedeutend unterschätzt worden wären, sehr groß seien. Auch die regierungsseitig veranschlagte Bausumme werde sich schwer- lich als ausreichend erweisen. Den fertiggestellten Dortmund» Emö-Kanal könnte man der zu bildenden Aktien-Gesellschaft käuflich überlasten, vielleicht zum halben Selbstkofienbetrage.
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Wie offiziös gemeldet wird, hat der Reichskanzler die zuständigen Minister Preußens, Bayerns, Sachsens, Württembergs, Badens und HeffenS zu einer Besprechung zollpo litifcher Angelegenheiten ans den 4. Juni nach Berlin eingeladen. In politischen Kreisen schließt man hieraus, daß der Zolltarifeutwurf fertiggestellt worden ist und mit den Vertretern der größeren Bundesstaaten be- sprochen werden soll, ehe er dem Bundesrate überwiesen wird.
Die Agrarier werden fernerhin keinen Grund mehr haben, den Reichskanzler der Lässigkeit in Sachen „Zolltarif" zu zeihen. Graf Bülow hat, wie die „Nordd. Allg. Ztg." soeben meldet, die zuständigen Minister Preußens, Bayerns, Sachsens, Württembergs, Badens und Hessens zu einer Besprechung zollpolitischer An« Gelegenheiten auf den 4. Juni nach Berlin einge* laden. Graf Bülow löst auf diese Weise sein Wort ein, daß er, was an ihm ist, thun wird, um eine Beschleunigung der Vorberatung des Zolltarifs herbeizuführen. Auf dieser ministriellen Zollkonferenz können und werden selbst- oerständlich nicht Erörterungen über die zahllosen Details des Tarifs stattfinden. Diese Prüfung wird Sache der zuständigen Regierungsrefforts sein. Aber es ist kein Zweifel, daß eine allgemeine Aussprache über die großen Ge sichtspunkte des Entwurfes die Situation klärt und die Verständigung über strittige Punkte erleichtert. Wohl mit Rücksicht darauf, daß am 3. Juni die Einweihung des Bis- marck-Denkmals in Berlin stattfindet, der die Minister icr Bundesstaaten beiwohnen werden, hat Graf Bülow den Termin für die Konferenz anberaumt. Er wolltefdiese Sache offenbar vor dem Beginn der ministeriellen Urlaubsreisen erledigt wiffen.
Die Lage in China.
Londoner Blutter melden aus Pettng vom 19. ds.: Graf Waldersee machte Li-Huttg-Tschang die Mitteilung von einer den regulären chinesischen Truppen'durch die Boxer in der Gegend von Tschengtingfu beigebrachten Niederlage unb drohte, eine deutsche Truppenabteilung an Ort und Stelle zu senden. — Wie verlautet, wird Gras Waldersee «ach seiner Rückkehr aus China verschiedenen europäischen dösen Besuche abstatten, und den Kaisermanövern in der Provinz Preußen beiwohnen. Doch aus der vorstehenden Londoner Meldung ist die Rückkehr Waldersee^ doch nicht so bald zu erwarten.
Die Expeditton nach! dem Süden von Tschtli i)t nun allerdings aufgegeben worden, nachdem, der „Time-?" zufolge, fr.e englischen Behörden es entschieden abgelehni haben, nt der Expedition teilzunehmen. Die von Waldersee be- haupteten Unruhen, so behauptet das genannte englische Blatt, seien nur eine Folge der deutschen Politik der Strenge und der Entwaffnung der allein Mir Erzwingung der Ruhe fähigen freundlich gesinnten Chinesen. Atan hoffe, Graf Waldersee werde schließlich ein- sehen, daß es nötig sei, den chinesischen Distrittsbehörden in erlauben, wieder die Gewalt in die Hand zu nehmen (int) die Ruhe herzustellen, wo die deutsche Politik .ein C Haos geschaffen habe!
Engländer und Buren.
Lord Kitchener meldet, daß ein Panzerzng südlich von llin rrican-Siding, wenige Meilen nördlich von Kroonstad im -Cramjefreiftaat, von den Buren zum Entgleisen ge
bracht wurde. Wajor Heath vom 5. Lancashire-Regiment wurde getötet. Ein weiteres Telegramm Lord Kitchenert aus Pretoria besagt, daß nach Meldungen verschiedener Truppenabteilungen in der letzten Woche 19 Buren getötet, 14 verwundet und 238 gefangen wurden. 71 ergaben fich freiwillig. Ferner wurde« 212 Gewehre, 105,000 Patronen, 286 Wagen und zahlreiche Pferde erbeutet.
Der aus dem Norden hierher zurückgekehrte Spezialkorrespondent des Reuier'schen Bureaus giebt von der mili tärischen Lage folgendes Bild: Durch den Vormarsch des Generals Blood im nördlichen Transvaal wurde die Mehrzahl der dortigen Buren nach Westen getrieben, doch ist stets noch eine geringe Anzahl nördlich von ZoupanSberg. Die meiften dieser versprengten Streitkräfte sammelt Delarey um sich. Zu ihm stießen auch eine Anzahl Leute aus der Nachbarschaft von Ermelo, die Bothas Kommando verließen. Delarey organisierte eine geregelte Pferdebeschaffung aus der Oranjeflußkolonie, doch sind die Tiere meist in schlechter Ver- faffung. Die Generäle Methuen und Babington setzen mit Unterstützung kleiner Jufanterie Abteilungen ihre Be roegungen fort. Zum Schutze der Bahnlinien wurde ein neues System von Blockhäusern geschaffen, wodurch über 6000 Mann für die Gefechtsoperationen frei werden. In der Oranjeflußkolonie find die englischen Truppen fortgesetzt bemüht, das Land von kämpfenden Buren zu säubern. West- lich von der Bahnlinie befinden sich einige kleinere umherziehende Abteilungen. Hingegen halten im Süden die Kommandanten Hertzog und Brand das Land um PetruSberg einstweilen besetzt. Den letzten Marsch De WetS mit einer Begleitung von 40 Mann bezeichnet der Korrespondent als eine wundervolle Leistung. Er zog von Vrede nordwärts nach Ermelo, bann über die Bahn nach Nylstroom und wandte fich von dort südwestwärts. Er rastete einige Tage bei Maribogo und ging sodann südlich nach BoShohnnd, schließlich nach PhilippoliS, wo er mit Hertzog eine Unterredung gehabt haben soll.
Von den Sitten im englischen Heere auf südafrikanischem Boden zeugt auch eine grauenhafte That, die fich in einem englischen Städtchen dieser Tage zugetragen hat. Dorthin war kürzlich aus Südafttka der Wachtmeister Butler zurückgekehrt. An Greuelthaten gewohnt, hat er jetzt in seiner Heimat vier seiner Kinder erschossen und die fünfte Tochter verwundet. Seine Frau entfloh mit dem Säugling. Butler wurde verhaftet.
In den österreichisch-ungarischen Delegationen wird man fich demnächst mit der Frage der Beendigung des südafrikanischen Krieges, natürlich wieder durchaus nutzlos beschäftigen. Der bekannte Delegierte Jro hat eine Interpellation eingebracht, in der er anfragt, ob der Minister des Auswärtigen geneigt fei, schleunigst Schritte zur Vermittelung Oesterreich- Ungarns zwischen Großbritannien und den südafrikanischen Freistaaten auf Grund der Haager Friedens-Konferenz zu unternehmen. Jro interpelliert ferner wegen des angeblichen Bruches der Neutralität der österreichisch-ungarischen Monarchie gegenüber den Buren.
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Telegramme des Gießener Anzeigers.
London, 21. Mai. Nach der amtlichen Verlustliste wurden in Balmoral (Transvaal), infolge vorzeitiger Entzündung einer Granate 2 Mann getötet und zehn verwunoet.
K a p st a d t, 20. Mai. Amtlich werden die in die Kap- kolonie eingedrungenen Burenverstärkungen auf 800 Mann geschätzt. Scheepers Kommando ist noch immer in den Bergen, in der Gegend zwischen Graffreinet und Somerset East hart bedrängt. Das Kommando soll auf 100 Mann zusammengeschmolzen sein. Drei tteine Abteilungen Ko- tonialtruppen fielen bei einem Scharmützel in einen Hinterhalt. Der Führer der neuerdings aufgetauchten Kommandos wurde verwundet und gefangen genommen. Tie Gesamtverluste der Buren im April bettagen 105 Tote, 118 Verwundete, 2193 Gefangene oder solche, die sich ergeben haben.
Pretoria, 20. Mai. General Blood besetzte Ca - r o l i n a.
Deutsches Reich.
Berlin, 20. Mai. Der Kaiser, traf heute früh in Elbing ein, begab sich alsbald nach Cadinen, wo er den Tag über verweilte, und reiste am Abend über Elbing und Marienburg nach Prökelwitz.
— Nach einer hier aus Budape st vorliegenden Nachricht wird Kaiser Wilhelm anfang August zur Jagd bei dem Erzherzog Friedrich auf dessen Bellyeer Besitzungen eintreffen.
— Zum Direktor der Etatsabteilung im Finanz-Ministerium ist der Wirkt. Geh. Oberfinanzrat Dr. Ger mar ernannt worden.
— In unterrichteten Kreisen nimmt man an, daß die Novelle zum Gewerbegerichtsgesetze in der vom Reichstage beschlossenen Form nicht Gesetz werden wird. Es verlautet, daß Handelsminister Möller in einer Versammlung rheinischer Industrieller gegenüber verschiedenen Personen betonte, daß er seinen Einfluß im Ministerium
gegen die Novelle wegen der Härten, welck)e die Arbeitgeber erheblich schädigen würden, geltend machen werde.
— 10 türkische Leutnants a la suite der Armee sind zu Oberleutnants befördert worden. Es giebt nur eine Stimme der Anerkennung über die musterhafte Haltung bec türkischen Offiziere in der preußischen Armee, die TürkeN, welche die Uniform der Regimenter, bei welchen sie zue Dienstleistung kommandiert sind, tragen, zeigen außerordentlich großen Eifer, und finden sich sehr schnell in die neuen Verhältnisse ein. — 24 Oberleutnants, Schüler der Kriegsakademie, werden für die Zeit tont Schlüsse der Kriegsakademie bis zum Zusammentritte der Uebungsflotte resp. für die Zeit vom Zusammentritt der Uebungsslotte bis zum Schlusse der Uebung teils auf ein Linienschiff, Küstenpanzerschiff, den verschiedenen Matrofen- Artillerie Abteilungen kommandiert; Admiral von Koester, welcher die Uebungen der Flotte leitet, wird die näheren Anordnungen treffen.
— Zu der Frage des Postreservatrechts wird uns aus München mitgeteilt, daß im Gegensätze' zu Württemberg der bayerische Landtag niemals seine Zustimmung zur Einführung der Reichsmarken in Bayern geben werde, auch wenn die Anregung vom Reiche aus gegeben würde.
— In der letzten Sitzung des Bundesrats wurden u. a. den Ausschüssen überwiesen: der vom Reichstag be schlossene Entwurf eines Gesetzes wegen Abänderung des Gesetzes vom 29. Juli 1890 über die Gewerbegerichte, der Antrag Preußens wegen des Entwurfs einer Bekanntmachung, betreffend den Aufruf und. die Einziehung der Noten der Frankfurter Bank zu Frankfurt a. M., der Antrag Hessens, betreffend die Anlegung von Mündelgeld in verbrieften Forderungen gegen eine in ländische kommunale Körperschait usw., die Vorlage, betref
fend die Vermögensbestände der großherzoglich h e | fisch e» Offizier- und Unteroffizier-Witwenkasse n
sowie die Vorlage betreffend die Unfallversicherung der See»
fischer. Die Zusttmmung wurde erteilt: dem Entwurf toe Ausführungsbesttmmuugen zu den, am 30. Dezember 1899. zwischen dem Reich und Oesterreich-Ungarn abgeschlossenen Uebereinkommen zum Schutze der Urheberrechte an Werken der Litteratur usw., der Vorlage wegen Abänderung der von dem Bundesrat am 29. November 1894 erlassenen Vorschriften über den Handel mit Giften, dem Entwurf einer Verordnung wegen Vervollständigung der Militär- Transportordnüng für Eisenbahnen vom 18. Jan. 1899 und zwei Vorlagen wegen Abänderung der Anlage
B zur Eisenbahn-Verkehr.sordnung.
— Die Veranlagung zur Einkommensteuer in Preußen für 1901 ergab 17 Millionen Mark mehr als für 1900.
— „Zur Titelfrage" veröffentlicht Professor Dr. Max Schneidewin einen längeren Aufsatz, der mit folgender Mitteilung beginnt: Sicherm Vernehmen nach hat dem preußischen Kultusministerium vor kurzem die Entscheidung über einen aus Kreisen des höhern Lehrerstandes kundgegebenen. Wunsch dieses letztem, die Titelfrage betreffend, Vorgelegen. Die Petenten hatten sich dahin geeinigt, für die angehenden jungen Lehrer des Seminar- und Probejahres den Titel „Gymnasialreferendar" und für die wissenschaftlichen Hilfslehrer bis zur festen Anstellung den Titel „Gymnasialassessor" der obersten Behörde für erwünscht zu erklären. „Herr Kandidat" für das erstere, und gar kein in der Anrede anwendbarer Titel für daL zweite Studium, was der bisherige Stand der Sackze ist, erschien der Würde und den Ansprüchen des höhern Lehrerstandes auf eine soziale Stellung und Eingliederung nicht: recht entsprechend. Die höchste Unterrichtsbehörde hat diesem. Wunsche nicht Folge gegeben, und, wie ich glaube, mit Recht". (Bei uns in Hessen ist leider der noch viel scheußlichere Titel „Lehramt'saccessist" s. Z. behördlich genehmigt: worden. Man wird den guten Geschmack des preußischen Unterrichtsministeriums nur rühmen können. D. Red.)
Lüneburg, 20. Mai. Die Landesversammlung der „Deutscbhannoverschen Partei" wurde, als ein Redner von „preußischer Kleptomanie" sprach, durch den übev-- wachenden Polizeidirektor aufgelöst. (Der Scherz ist ja allerdings polizeiwidrig, aber doch nicht schlecht. D. Red.>
Danzig, 20. Mai. Dem Geh. Zlommerzienrat Ziese (dem Schwiegersohn Schichaus. D. Red.) ist folgendes Telegramm des Kaisers, zugegange-n:
Schloß Urville, 17. Mai 1901.
Spreche Ihnen von Herzen warme Glückwünsche zn dem vorzüglich.gelungenen Bau des Kreuzers „Barbarossa" aus. Die Resultate der Fahrten haben die auf die Werft gesetzte Zuversicht völlig gerechtfertigt. Wilhelm.
Stuttgart, 20. Mai. Ter sozialdemokratische Abg. Kloß hat kürzlich im Landtage ausgeführt, daß Stuttgart als Sitz der Möbelindustrie nicht mehr die führende Rolle innehabe wie früher, vielmehr hätten Darmstadt, Mainz, Karlsruhe, Berlin größere Fortschritte gemacht. Ter Vorstand des Verbandes Württembergischer Holz-Jn- durstieller veröffentlicht nun im Verbandsorgan eine tteine Statistik, die geeignet ist, die Befürchtung zu widerlegen, daß Stuttgarts Möbelindustrie im Rückgänge begriffen sei. Es betrug die Zahl der Arbeiter in den Jahren 1898, 1899 und 1900 im ganzen 1267, 1201, 1566, die Lohnsummen Mk. 1 407 545, 1381230, 1772078. Der Rückgang im Jahre 1899 ist durch den zwölfwöchigen Ausstano zu erklären; dagegen ist die Arbeiterzahl und die Lohnsumme im ^ahre 1900 um 30 Przoenk gegen das Vorjahr gestiegen, ^n Fetner der für die Konkurrenz in Betracht kommenden sudoeutichen


