273 Uhr statt.
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Doppeltes Briefporto nach der Schweiz.
1. April geboren ist, die ©tubenten sein Gedächtnis zur Sommersonnenwende feiern. —
5? oos aus Viernheim zum Kreisamtsgehilfen bei dem .Kreisamt Worms, Karl W i n g e f e l d aus Ulrichstein zum Kreisamtsgehilfen bei dem Kreisamt Schotten und Karl Heger aus Breungeshain zum Kreisamtsgehilsen bei dem Kreisamt Mainz —' ernannt.
haben, diese Hoffnungen nicht täuschen wird. Man kann dieses um so eher, als jetzt in den schönen Frühlingstagen, wo Berg und Thal sich mit dem frischen Maiengrün
schmücken und Äug' und Herz des Wrmderers ergötzen,
wohl mancher Tourist und Sommerfrischler seine Schritte nach dem von der Natur so reich gesegneten Ohmthal
lenken wird, um fernab vom Getriebe der Welt einige ruhige Fcrientage zu verleben. Das untere Ohmthal mit dem Städtchen Homberg als Mittelpunkt kann sich mit seinen unzähligen blühenden Obstbäumen, die den terrassenförmig abfallenden Bergabhang schmücken, jeder Sommerfrische des Odenwaldes und Taunus würdig an die Seite stellen.
Mainz, 20. Mai. In einer gestern abgehaltenen Versammlung der Gasarbeiter der Stadt Mainz kam es zu heftigen Anklagen gegen die Stadt, weil diese in kurzer Zeit 12 Arbeiter der Gaswerke entlassen habe; es wurde betont, daß die Entlassung deshalb erfolgt sei, weil die Entlassenen sich erlaubt hätten, im vorigen Jahre die Arbeit einzustellen. Die Versammlung beschloß, den Stadtverordneten eine Denkschrift %u überreichen. Weiter wurde beschlossen, zu dem im Oktober zu Frankfurt a. M. stattfindenden ersten Gasarbeiter-Kongretz drei Delegierte zu entsenden.
-k- Mainz, 19. Mai. Die im Spätsommer hier statt findende Gartenbauausstellung beschäftigt jetzt schon zahlreiche Hände. Die Anmeldungen von Ausstellungsobjekten find in solcher Zahl erfolgt, daß man jetzt schon sagen kann, daß die Ausstellung an Reichhaltigkeit und Pracht alle ihre Vorgängerinnen weit Übertreffen wird. Neben anderem sind auch zwei Wintergärten angemeldet, für Mainz neue und überaus wirkungsvolle Ausstellungsgegenstände. Für das große Jnteresie, das allenthalben der Ausstellung entgegen» gebracht wird, spricht die große Zahl der gestifteten Ehrenpreise, von denen bis jetzt 38 bereits angemeldet sind. Unter den Stiftern befinden sich neben zahlreichen Privaten, öffentliche Gärten, Verbände, Städte rc. die Großherzöge von Hessen und Baden.
•* Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Der Schachschriftsteller v. Minckwitz in Biebrich ist nach anfänglicher Besserung nun doch gestorben. Er hatte sich bekanntlich am Abend vor Himmelfahrt von der elektrischen Bahn überfahren lassen, sodaß beide Arme amputiert werden mußten. — Der langjährige Vertreter des Kreises H e r s - eld-Rotenburg im preußischen Abgeordnetenhause, Oekonom Ferdinand Seysarth, ist, 83 Jahre alt, gestorben.
Mlioersitäts Nachrichten.
— Ein Studentinnenheim soll in Berlin nach dem Muster der englischen und amerikanischen „Halls of SReftbcnce* ms Leben gerufen werden. In erster Linie wird es für die Besucherinnen der Universität berechnet sein, dann aber auch allen denjenigen Damen offen stehen, die irgend ein höheres Studium ernstlich verfolgen. Das Heim will seinen Insassinnen gegen angemeffene Entschädigung Kost und Wohnung sowie die Gelegenheit zu gemeinsamer Arbeit und gegenseitiger Förderung in den Studien, endlich auch zu geselligem Beisammensein gewähren.
Jerra, 20. Mai. Der Senior der Dozenten hiesiger Universität Geh. Justizrat Dr. Burkard Wilhelm Leist, Professor des Zivilrechts, feierte am 17. d. M. sein 60jähriges Doktorjubiläum. 1819 geboren, wurde er 1841 in Göttingen zum Dr. jnr. creirt. 1842 habilitierte er sich als Privatdozent in Göttingen und folgte 1846 einem Ruf als ordentlicher Professor nach Basel. Ein Jahr darauf vertauschte er Basel mit Rostock und folgte 1853 einem Ruf nach Jena, dem er bis heute treu geblieben ist. Seine Vorlesungen hält Leist Krankheits halber schon seit Jahren in seinem Hause.
Edinburgh, 20. Mai. Andrew Eornejie stiftete 2 Millionen Pfund Sterling zum Zwecke des freien Unterricht- für Studenten schottischer Herkunft an den Universitäten Edinburgh, Glasgow, Saint An« drews und Aberdeen.
Kitteratur, Wissenschaft und Kunst.
Am 22. Mai 1501 (einige Berichterstatter geben 22. Juli 1502 an) starb der berühmte französische Humanist Robertus Gagainus, Professor zu Paris und Minifiergeneral der Trinitarier, des Ordens, der sich die Befreiung von Christensklaven durch Loskauf zur Aufgabe setzte. Gagvin (latinisiert Gaguinus) stand in hohem Ansehen bei den ftanzösi» schm Königen Ludwig XL, Karl VIII. und besonder- bei Ludwig XU. Die letzteren beiden übertrugen ihm die Verwaltung der Königlichen Bibliothek; auch wurde er in diplomatischer Mission öfter nach Italien, England und Deutschland gesandt. Dr. Gaquotn, früher Lehrer am Gymnasium zu G i e ß e n, veröffentlicht soeben eine Denkschrift (Denkschrift zum 400. Todestage des Robertus Gaguinus. Nebst seinen Elegien zum Lobe Heidelbergs und des deutschen Geistes. Mit einem Titelbild. Heidelberg 1901, Carl Winters Universitätsbuchhandlung. Preis 1 Mk.) zum 400. Todestage desselben, den seine Hanauer Stammfamilie, die auch in nahe Verwandtschaft zu der Geibelschen Familie kam, zu den Verwandten ihrer Vorfahren zählte. Besonderes Interesse erregt die Erinnerung an Robert Gagvin, weil er Heidelberg, wo er im Februar 1492 als Gesandter des französischen Königs am Hofe Philipp des Aufrichtigen weilte, in einer 44 -eiligen Elegie verherrlichte; auch sang er das Lob des deutschen Geistes in einer 22 -eiligen Elegie. Beide Ge» dichte giebt der Verfasser im lateinischen Texte und in seiner freien Ueber- tragung ins deutsche, desgl. auch den größten Teil des Schreibens, in dem Erasmus von Rotterdam Gagvin in überschwenglicher Weise verherrlichte.
«da Christen f. Eine hochbegabte österreichische Dichterin, Ada Ehrtsten, ist in Wien, 57 Jahre alt, einem qualvollen Krebs- leiden erlegen. Aba Christen war am 6. März 1844 zu Wim als die Tochter des Kaufmanns Johann Frtoertk geboren. Sie genoß dürftigen Schulunterricht und war nacv dem Geschäftszusammenbruch ihres Vaters schon früh auf den E'wrrb angewiesen. Sie widmete sich zunächst der Bühne, heiratete als P-ootnzschauspielerin 1864 den Stuhl- rtchtrr Sigmund v Rkvpaurr zu St. Gottherd in Ungarn und kehrte »ach dem frühen Tode ihres Gallen nach Wien zurück, wo sie sich litterarisch zu beschäftigen begann. Kurze Zeit darauf erschienen ihre ^Lieder einer Verlorenen", deren rücksichtslose Offenherzigkeit und heißa Leidenschaft Aufsehen erregten. Es folgten die Gedichtsammlungen „AuS der Asche", „Schatten", „Aus der Tiefe", die starke Fortschritte »edeuteten. Dranmor und Slern waren jetzt die Vordtlder der Dichterin, die sich dramatisch („Faustina") und auf dem Gebiete de« Romans versuchte. Am stärksten vrägte sich bas eigenartige Wrsm und Talent Ada Christens in den Wiener Sittenbildern „Unsere Nachbarn" und „Jungfer Mutter" aus, in denen sie ihre Juaerdertnne« rungen mit schlichter Kunst verwertete. 1873 verheiratete sie sich mit dem Rittmeister Adalmar Breden, der ihr vor einigen Jahren im Tode vorangegangcn ist.
— Man schreibt auS BreSlau: Nachdem Dr. Ludw. Wüllner als „Tannhäuser" in unserem Stadtlheater kläglich Fiasko gemocht und als „König Lear" keinen sonderlichen Erfolg erzielen konnte, ließ man die dritte Gastrolle „Manfred" mit der Musik von Schumann ausfallen.
Kandel und UerKrhr. Volkswirtschaft.
Grünberg, 18. Mai. Fruchtmorkt. Durchschnittspreis pro 100 Kilo. Weizen 17,80-18 Mk., Korn 15,-15,60 Mk., Gerste 15-16 Mk., Hafer 14,25—15 Mk, Erbsen 18 Ak., Linsen 00,00 Mk., Samen 00,00 Mk., Wicken 20 Mk., Kartoffeln 5,00-5,80 Mk.
Aus dem Geschäftsleben.
— Wohl nur selten dürfte ein hauswirtschaftlicher Artikel sich fester in die Gunst der Hausfrauen aller Stände eingebürgert haben, als bie eit 1875 von Max Elb in Dresden fabrizierte Ch. A. Pasteur's Essig- Essenz. Die OriginalflaconS, welche diese Essenz enthalten, sind durch einen Maßstab abgeteilt, der die zur Bereitung einer Weinflasche Tafelesfig oder zuverlässigen Früchte-Einmache-Essig erforderliche Menge Essenz aufs Genaueste anzeigt. Während früher das Laufen der Dienstboten nach Essig gar nicht aufhörte, hat man jetzt in dieser Form 10 Liter Essig im Haus und bereitet sich eine Flasche bei Bedarf im Augenblick durch Verdünnen mit Wasser. Dieser selbstbereitete Essig hat den Wohlgeschmack und das Aroma guten Weinessig-, bleibt spiegelblank und wird von ärztlichen Autoritäten wegen seiner Reinheit als der gesündeste Essig empfohlen.
Gerichlssaal.
vlzey, 20. Mai. Da- hiesige Schöffengericht verurtellte in seiner jüngsten Sitzung 10 Bewohner der verschiedensten Nachbargemeinden wegen Milchfälschung zu Geldstrafen von 120, 70, 60, 50 Mk. rc. bis zu 20 Mk. herab.
♦* Eine Theologische Konferenz soll hier am 6. Juni in Steins Garten stattfinden. Sie beginnt vormittags um lOi/z Uhr, worauf das erste Referat von Prof. D. Oskar Holtzmann (Gießen) über „Die jüdische Schriftgelehrsam- feit zur Zeit Jesu" erstattet werden wird. Es folgt sodann der Vortrag von Pfarrer Lic. Sardemann (DiakoniffenhauS Wehlheiden-Kassel) über die Frage: „Welche Aufgaben erwachsen der Kirche aus der Gemeinschaftsbewegung?" mit anschließender Diskussion. Die Thesen werden in der Versammlung verteilt. DaS gemeinsame Mittagessen findet um
** Paketeinfammluug. Im Publikum ist noch immer wenig bekannt, daß die Post auf Bestellung, wie jeder Spediteur, Pakete aus den Wohnungen abholen läßt. Man braucht nur ein offenes Schreiben, eine Karte oder einen Zettel mit den Worten: „Bitte Paket abholeu bei (Name und Wohnung)" unfrankiert in den nächsten Briefkasten zu werfen oder einem Briefträger mitzugeben, und die Sendung wird bei der nächsten Bestellfahrt gegen eine geringe Gebühr vom Hause abgeholt. DaS Verfahren ist also einfach und bequem. Man kann dabei die sehr viel größere Ausgabe für einen Gepäckträger ersparen. Wir empfehlen eS deshalb besonders solchen allein stehenden Damen und Herren, Studenten ufa>„ denen ein Dienstbote nicht zur Verfügung steht.
** Leihgestern, 20. Mai. Nunmehr ist auch das Tonwerk „Hüttenberg" an das Telephonnetz mit Nr. 18 angeschlossen.
-ch. Lich, 20. Mai. Am 1. Juni werden es 25 Jahre, daß Lehrer Wagner, der aegenwärtige Vorsteher uckd Leiter der hiesigen Präparanden-Anstalt, an diesem Institute als Lehrer wirkt.
-e- Nidda, 20. Mai. Heute verunglückten bei den Ar beiten zur Legung der Wasserleitung in Bad Salzhausen 3 Arbeiter, indem sie durch einen Erdrutsch verschüttet wurden. Einer (aus Wallernhausen) ist verheiratet und Familienvater. Ec liegt im Sterben, ein anderer ist schwer, und der dritte leicht verletzt. — Seit kurzem ist ein Teil unserer Schulsäle mit neuen Subsellien mit Klappsitzen aus der Fabrik Fuhrmann und Hans aus Frankenthal versehen worden. ES sollen allmälig alle Schulsäle mit neuen Sab- sellien versehen werden. — Die Arbeiten an der Kreisstraße Nidda—Dauernheim nehmen raschen Fortgang; nach Fertigstellung werden Neubauten an der Kreisstraße auf geführt werden. Am Bahnhof wird eben eine Zentralweichen stellung eingerichtet. — Die Vorbereitungen zu dem am 15 bis 17. Juni dahier abzuhaltenden Turnfest find schon weit gediehen. Der Festplatz ist abgesteckt; mit den Schaubudenbesitzern find pekuniär günstige Verträge abgeschlossen. Die Zeichnung des Garantiefonds geht flott vorwärts; auch für Quartier für die Turner ist gesorgt. An dem Kommers am Vorabend des Festes beteiligen sich die hiesigen Gesang vereine.
W. Nidda, 19. Mai. Heute fand in Ober-Mock- stadt die Generalversammlung des dortigen Vorschuß- uud Kreditvereins statt, in der beschlossen wurde, von dem 8039 Mk. 93 Pfg. betragenden Gewinn an die Mit glieder 6 Prozent Dividende zu verteilen. Der Hauptreserve werden 3000 Mk. und der Unterreserve 1000 Mk. zuge schrieben. 48 Mk. 93 Pfg. werden für gemeinnützige Zwecke verwendet und 1600 Mk. auf Gewinn« und Verlustkonto vorgetragen. Die Mitgliederzahl betrug am Ende des Ge schäftsjahres 322. Die Kaffe hat von 1891 bis 1899 jährlich 10 Prozent Dividende verteilt. — Heute morgen von 93A bis nach 11 Uhr konnte man hier eine wunderschöne Himmelserscheinung beobachten, nämlich einen Hof um die Sonne. Der Himmel war vor der Sonne mit einer leichten Wolkendecke überzogen, die jedoch die Strahlen nicht im geringsten zurückhielt. Im Ring konnte man zeitweise die allerdings schwachen Regenbogenfarben beobachten. Auf der Innenseite des Ringes zeigte sich die rote Farbe, nach außen schloß der Kreis mit bläulich-weißer Farbe ab. — Die bösen Eisheiligen haben uns in diesem Jahr keinen Besuch abgestattet, weshalb die Bäume gut durch die Blütezeit gekommen sind. In den zwei letzten Nächten hatten wir zwar schwache Nachtfröste, doch haben diese keinen Schaden angerichtet. Nach den Blüten zu urteilen, haben wir bei Zwct scheu eine gute, bei Birnen eine geringe und bei Aepfeln höchstens eine Mittelernte zu erwarten. Von Aepfelsorten hatten Wintergoldparmänenbäume den reichsten" Blütenschmuck. Viele Sorten blühten überhaupt nicht. Merkwürdig war, daß Bäume in den Niederungen reicher blühten als solche an BergcShalden.
-i- Laubach, 20. Mai. Am Sonntag waren die Bezirks-Kriegervereine festlich hier im Schützenhause versammelt. Geheimerat Schönfeld, Kreisrat des Kreises Schotten, überreichte den von dem Kaiser gestifteten Fahnenschmuck nebst Nagel dem hiesigen Kriegerverein und brachte auf Kaiser und Großherzog ein Hoch aus, worauf der ^Vorsitzende dankte und bat, den Dank des Vereins dem Kaiser zu übermitteln. Auch Medizinalrat Vogt von Butzbach war erschienen und drückte seine Freude aus; sein Hoch galt dem hiesigen Kriegerverein. Das ^anze war eine schöne patriotische Feier. — Der hiesige hpr c e r a f hat es ab gelehnt, für die Eingabe f «k pUn9Cn Err 1 chtuna eines Kreisamts A"i 1Ö. Juni findet hier das S nf bpn d < "bliche Ausschußfest statt, wozu der Graf den Chrenpreu,, einen Hammel, gestiftet hat Auch der 9. und 11. Juni wird gefeiert. ' 1 ’
's' Homberg a. d. Ohm, 20. Mai Am 1 9fnrif ift bekanntlich der hessische Teil der „Ohmthalbahn" (die Strecke Nleder-Gemünden—Homberg—Landekreuze reiv Kirchhain) dem Verkehr übergeben worden. Der erste Aronat des Betriebes ist zu Ende gegangen, und wenn man aus dem Personen- und Güterverkehr, den diese Nebenbahn in dem kurzen Zeitraum den einzelnen Stationen gebracht hat einen Schluß ziehen darf auf die zukünftigen Monate und Jahre, so kann man wohl sagen, daß die Bahn, von der die Bewohner des unteren Ohmthales so vieles erhofft
Uermischtes.
* Grauenvoller Mord bei Bernau. Ermordet und beraubt aufgefunden wurde am Montag früh in der Nähe von Bernau bei Berlin ein Mann, dessen Persönlichkeit noch nicht festgestellt werden konnte. Bewohner von Bernau fanden eine Viertelstunde von der Stadt entfernt an der Zepernick-Ladeburger Landstraße die Leiche eines etwa 40 Jahre alten Mannes, dem der Kopf von dem nackt daliegenden Rumpfe abgeschnitten war. Ter Kopf, der tu. grauenerregender Weise zerstochen, und bis zur Unkenntlichkeit entstellt war, wurde ca. 40 Meter von dem Rumpfe entfernt im Kornfeld gefunden. Die Kleider waren dem.Ermordeten geraubt woroen. Man nimmt an, daß es such um einen Raubmord handelt. Die Leiche wurde von der schnell benachrichtigten Polizei Bernaus nach der nahegelegenen Lindemannschen Ziegelei gebracht. Die Unter» uchung ist im Gange.
* Polyphem — Gorilla. In einem kürzlich erschienenen Buche unter diesem wunderlichen Titel, als dessen Verfasser sich! ein Dr. Jung nennt, finden sich folgende, geistreiche scherzhaften Ausführungen: „Wenn durch irgend eine Erdrevolution von der heutigen Litteratur nur ein Gedicht, das Leben und Thaten Bismarcks behandelte, nur einige dlbbildungen des Altreichskanzlers in den Witzblättern auf die Nachwelt kämen, dann wäre es der letzteren eine Kleinigkeit, nach Art jener Erklärung den Nachweis zu führen, daß es sich um eine Personifikation der Sonne handeln müsse. Bismarck ist gewaltig groß (der Riese), kriegerisch gesinnt wie Siegfried (alter Korpsstudent — 22 Mensuren), er zieht nach, Westen und holt die Krone, indem er den Drachen der Uneinigkeit erlegt (da ist die alte Sage — die Sonne zieht ncuf? Westen — der Riese bekämpft den Drachen und erhält den Schatz). Böse Zungen werden allerdings den Schatz in der Dotation, die er erhalten )at, sehen. Bismarck hat schöne Augen, was bei einem Sonnengott selbstverständlich ist, er ist wie Odysseus ein vorzüglicher Schütze. Daß den Hellen Sonnengott die Schwarzen bekämpfen, liegt auf der Hand, Nach Osterwald (einem der Erklärer) sind die Hauptfeinde von Odysseus, die Freier, in Wirklichkeit die Winde. So heißt auch bei Bismarck der Führer der Schwärzen Windthorst. Dieser ist aber als Gegner des Sonnengottes furchtbar kurzsichtig. Auch in seinem Haß gegen die bösen Liberalen (liber — frei) kann man eine Anspielung auf seinen Haß gegen die Freier erblicken. ... Als Bismarck entlassen wird, d. h. die Sonne untergeht, yeht sie naturgemäß im Westen, im Sachsenwalde unter, nicht auf seinem Gute in Hinter- pymmern. Odysseus ist erbittert auf Hermes, weil er in Gestalt eines Bockes mit der Penelope den Pan erzeugt hat. So erklärt sich denn auch der Haß von Bismarck gegen Caprivi (caper — der Bock). Dagegen ist er zu Hohenlohe reundlich. Hohenlohe bedeutet, wie schon der Name sagt, die aufgehende Sonne. Diese kommt von Osten, was bei ihm dadurch angedeutet wird, daß fortwährend von seinen Gütern in Rußland gesprochen wird. — Also die Schwarzen, Liberalen, Windthorst, Caprivi, Hohenlohe — alle diese Bezeichnungen erklären sich in der ungezwungensten Weise als Beziehungen auf den Sonnengott. — Wie ist rs denn nun mit dem Namen Eugen Richter? Auch er ist deutlich gekennzeichnet, denn als Gegner von Bismarck — Siegried führte cr_ das Beiwort Eugen Richter-Hagen. Wie Hagen die Waffen wegnimmt, so tobt auch Richter-Hagen gegen die Militärvorlagen. — Wie Siegfried, so muß auch Bismarck etwas mit dem Rhein zu thun haben, und so widmet ihm denn der Kaiser als Anspielung daraus eine Flasche vom ältesten Rheinwein. — Um jeden letzten Zweifel chwinden zu lassen, daß Bismarck keine historische Per- önlichkeit, sondern nur der personifizierte Sonnengott ist, ei daran erinnert, daß er, wie Odin von zwei Wölfen, ,üon hwei Doggen begleitet wird, daß er ferner mit Vor- iiebe mit drei aufrecht stehenden Haaren (die naturgemäß ?ondeuten sollen, denn solche Haare hat ja |tcm JJcenid)) abgebildet wird und daß, obwohl er am
Foulard-Seide 95«.
bis Mk. 5.85 p. Meter für Bloufen und Roben, sowie „Henneberg- Seide In schwarz weiß und farbig von 95 Ps. bis Mk. 18,65 p. Meter. An Jedermann franko und verzollt ins HauS. Muster umgehend.
G. Henneberg, Seiden-Faörikant (U k. Hofl.) Zürich.
Darmstadt. Dem breiten Strome des sommerlichen Reiseverkehrs nach der Schweiz und den südlichen Sommerfrischen ist in diesem Jahre in Darmstadt ein mächtige- Wehr errichtet. Die Fluten der Sommerzugvögel werden sich in Hessens Hauptstadt gewaltig stauen. Das macht die „Ausstellung der Künstlerkolonie 1901". Wenn zum erstenmal in Deutschland sieben führende Geister in der modernen Kunst durch eine ehr, sehr originelle Ausstellung -eigen wollen, wie ihre so vielbesprochene Kunst, auf das Alltagsleben angewendet, ausschaut, dann werden wohl die Sommergäste des „weißen Rößl's" ihre Ankunft in Steiermark um einige Tage verschieben, um sich dies merkwürdige „Dokument deuffcher Kunst" anzusehen. Sie können es unbesorgt wagen, die Darmstädter Hoteliers werden darauf gerichtet sein. Und sie werden schließlich nicht ohne Gewinn für ihre ästhetische Anschauungsweise davongehen.


