Ausgabe 
22.5.1901 Erstes Blatt
 
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15K Jahrgang

Nr. 118 Erstes Blatt.

Mittwoch 22. Mai 1901

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ichrristrahe 7.

In der Zeit vom 28. Mai l. I». bis 10. Juni l. Js. liegen auf dem Amtszimmer Bürgermeisterei Rabertshausen folgende Akten -er Beteiligten offen:

1. das topographische Güterverzeichnis

Mittelstandes. Böttger meint, der Begriff Mittelstand habe heute etwas Kleinbürgerliches, Muffiges, Hilfloses ange­nommen, und doch umfasse er, richtig gesehen, die Kraft und Intelligenz des Volkes. Der Verfasser zählt zum Mittel- stände Die Leute, die über da- Existenzminimum hinaus ein Einkommen beziehen, wobei auch nützliche Luxusausgaben und eine bescheivene Kapitalisierung in Betracht komme» können. Die Grenze nach unten bilden 1800 Mk. Einkommen, nach oben 8000 Mk. Unter Zugrundelegung der Gewerbe- und Berufsstatistik von 1895 gelangt er zu dem Ergebnis, daß annähernd fünf Millionen Haushaltungen in Deutschland zum Mittelstand gehören hiervon fallen auf die Landwirtschaft (Bauern, landwirtschaftliche Angestellte u. s. w.) 28,3 Proz., auf die Arbeiterschaft (Werkmeister, bester gelohnte und ge­lernte Arbeiter, Vorarbeiter u. s. w.) 21,3 Prozent, auf die liberalen Berufe (Beamte, Juristen, Aerzte, Lehrer, Künstler, Journalisten) 16,4 Prozent, auf Rentner und Pensionäre 16,5 Prozent, auf Industrie und Handwerk 10,3 Prozent, auf Handel und verwandte Gewerbe (Versicherung, Verkehrs- gewerbe, Beherbergung und Erquickung) 7,2 Prozent. Nach vieser Ueberficht bildet die landwirtschaftliche Gruppe den größten Teil deS Mittelstandes. An zweiter Stelle befindet sich die deutsche Arbeiterschaft mit ihren Spitzen, den Werk­meistern, Vorarbeitern n. s. w. Als dritte Gruppe erscheinen die liberalen Berufe, Beamte und Privatbeamte, zu denen ein großer Teil der Rentner und Penfionierten gerechnet wird, und die alsdann 25 Prozent des Mittelstandes auS- macht. Eine nur kleine Gruppe bildet das Handwerk, das rund 10 Prozent des deutschen Mittelstandes in Anspruch nehmen kann. Böttger befaßt sich alsdann mit der Frage: Geht der Mittelstand zurück? Er widerlegt zahlenmäßig die auf RodbertuS zurückzuführende sozialistisch - feudale Be­hauptung, daß unser VolkSaufbau einer verzerrten Flaschen- form gleiche mit einem riesigen Bauch, nämlich den unteren Klasten, einem schmalen und immer schmäler werdenden Halse, den Mittelklassen, und mit einem immer dicker werdenden Kopfe, dem Wafferkopfe bei ReichstumS. In allen Teile« des Mittelstandes ist vielmehr eine Vermehrung der sozial- gesicherten Existenzen zu beobachten.

bereinigungsbezirks. In dem topographischen Güter. Verzeichnis ist die Wahrung der Rechtsverhältnisse zur Darstellung gebracht. (Art. 25 bei Feld bereinigungsgesetzeS);

2. das Verzeichnis berjenigen Grunbstücke, welche in­folge ber Feldbereinigung an Stelle der verpfändeten alten Grundstücke getreten find.

Einwendungen hiergegen sind bei Meldung des Aus- schlaffes innerhalb der oben angegebenen Offenlegungsfrist schriftlich oder zu Protokoll bei Großherzogl. Bürgermeisterei Rabertshausen anzubringen.

Friedberg, den 17. Mai 1901.

Der Großh. Bereinigungskommissär: Spam er, Kreisamtmann.

Die Darmstädler Künstkerkolonie.

(Originalbericht des(Sitfc. Anz/)

Nachdruck verbotm.

Politische Tagesschau.

Der Gewerbepolitiker Dr. Hugo Böttger giebt in der SchriftVom alten und neuen Mittelstand" (Karl Hey mannS Verlag, Berlin) eine zahlenmäßige Aufstellung über den Umfang und die Lebensfähigkeit des heutigen deutschen

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Bekanntmachung.

Betr.: Feldbereinigung in der Gemarkung Ringel-Hausen.

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alles schon dagewesen ist hören, sondern auf Aussprüche ehrsamer Handwerker, die es wie helle Ahnung überkommt, daß in diesen architektonischen Schöpfungen etwas zum Licht drängt, was Gemeingut werden könnte, wenn viele hilfreichen Hände sich darbieten.

Wunderbar schön, in ihrer Herstellung wohl zum Teil auch kostspielig sind diese Jnnenräume, aber doch das gerade Gegenteil von dem, was man mit den Begriffenluxuriös" undüppig'" zu verbinden pflegt. Und zum Beleg dafür möchten wir das Augenmerk auf zwei Interieurs lenken, auf die Wohnräume von Patriz Huber und Paul Bürk. Welche Vorstellungen verband man wohl ehedem mit dem Wortelegante Junggesellenwohnung". Es stieg so etwas Verlebtes, Parfümiertes aus dem Worte auf, und die fran­zösischen Romanciers von Mailpassant bis Pieyost lieferten dieser Vorstellung reiche Stützpunkte. Als Gegensatz konnte man bann, wenigstens in deutschen Landen, dieStu­dentenbude" und dieGelehrtenstube", zu deren unerläß­lichen Eigenschaften die Begriffeunordentlich" undun­aufgeräumt" gehörten und die jedenfalls die Sehnsucht Faustens:Aus, flieh hinaus ins weite Land!" vollkommen rechtfertigten. Ein drittes gabs kaum. Ein junger, unver­heirateter Mann, was brauchte der, wenn er Bierkrug, Zigarren, Kaffemaschine und Stiefelknecht besaß, auch weiter groß von stilvoller Zimmereinrichtung!

Ja, die Herren Huber und Bürk hätten zu dem ersten Möbelmagazinier kommen und ihm ein kleines Kapital auf den Kassentisch zählen können sie würden schwerlich erhalten haben, was, mit geringem Kostenaufwand, ge­sunder Sinn für das Einfache und Zweckmäßige sie aus eigener Kraft finden ließ.

Ein Strom von Nettigkeit und Behaglichkeit ergießt sich durch diese, in den Tiinensionen gar nicht groß be­messenen Wohnräume, in welchen jedoch eine geradezu meisterhafte Logik der Terrain- und Anlageausnützung waltet.

Die Frage: wie plaziert man in diesen Räumen die Möbel? kann Einem gar nicht kommen, denn Möbel und Raum sind einander zugestimmt. Und dabei hat man das Gefühl, das kann si<ch bis etwa auf einige kostbare In­tarsien, ein halbwegs gut gestellter Beamter und Kcmf- mann auch leisten, denn in der Bearbeitung und der An­ordnung der Materialien liegt ja der Hauptreiz

Und noch auf eins möchten wir mit Nachdruck Hin­

weisen: Wohl selten wird so auskömmliche Gelegenheit geboten, sich einen Ueberblick zu verschaffen über die Wirk­ungen, welche sich in der HolzVerwendung und Holz­bearbeitung erzielen lassen, wie in dieser Ausstell­ung, die nach dieser Richtung fast alle Möglichkeiten er­schließt. Neben dem polierten Kirschbaum, Mahagoni, Birn­baum, Ahorn findet sich das gebeizte, ungewichste Nuß­baumholz, das blaugrau gebeizte Eschenholz, das weH lackierte Tannenholz usw. usw., und immer ist der Stoff in Zusammenklang mit dem Zweck des Gebrauchsgegen­standes gebracht. Der Küchenschrank, das Bücherbord, der Schreibtisch, das Fensterbrett, die Wandtäfelung, sie alle werden auf ihre eigentümliche Natur hin möchte man sagen, . studiert und demgemäß behandelt.

An die Stelle des Gekünstelten tritt bagi Natürliche'. Der Kunst höchster Triumph!

Und was wird nun aus den Formen, die rein um ihrer selbst willen da sind, die ihren Zweck ganz in sich selbst tragen? DieSpiele" werden weiter gehen, ganz im Sinne des ursprünglich festgestellten Programms, und wenn jetzt eine Unterbrechung eingetreten ist, so kommt: das keineswegs auf Rechnung der Thatiache, daß ein Teil des Publikums bei der Erstaufführung der zarten lyrischen Gebilde Holzamers versagte, sondern auf rein technische Zufälligkeiten.

Aber verödet ist das Spielhaus deshalb keineswegs. Man hat für trefflichen und fesselnden Ersatz gesorgt.

Frl. Frieda Hodagg aus Frankfurt, die vorzüg- liche Pianistin aus Kvastscher Schule, die sich, durch wieder­holtes Auftreten imRich. Wagner Zweig-Verein" schon eine starke Anhängerschar erworben, wird heute auf einem nach Prof. Olbrichs Entwürfe neu konstruierten Flügel spielen und zwar u. a. KompositionenSr. Kgl. Hoheit des Großherzogs.

Der Großherzog tritt als Komponist nicht etwa erst bei dieser Gelegenheit in die Öffentlichkeit. Schon vom Erbgroßherzog Ernst Ludwig war es bekannt, daß er, ein passionierter Klavierspieler, sich mit Eifer in Jnstrumentat- kompositionen versuchte, und dem damals unter ber* Leitung von Konzertmeister W. Peter stehendeJnstru- mentalverein" gebührt dad Verdienst, diese Früchte feinen musikalischen Sinnes und reichen poetischen EmpftndenS- vor einen größeren Hörer kreis gebracht zu haben. Dr. JJL

Vorträge.

r Univereltäte-Aul» ehe Vorträge b, und zwar:

Qnd 19. JuqI, hr abends.

'Stags, erfolgf jedesmal an

rn ProfMBor Dr. Albr. ilden:

i Pompeji Ider erläutert wertem Bibliothek bestimmt

zu 4 Mk., für 2 Persona mehr Personen derselbe! sind in der Ferberscbei, Buchhandlung, Studenten- irerwalter zu haben.

oeb dem 22. Mal,

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GietzenerAnMer

** General-Anzeiger v

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

Aus Stadt und Land.

Gießen, 21. Mai 1901.

** Die öffentlicheJmpfung beginnt am morgen» den Mittwoch, 22. Mai, im Jmpfungslokale, der Gewerbe­schule, Asterweg 25, und nicht, toie gestern gemeldet, am 28. Mai.

** Personal-Nachrichten. Der Großherzog hat die Bureaugehilfen Karl Becker aus Brombera zum Kreisamtsgehilfen bei dem Kreisamt Offenbach, Joseph

Vom kranken Mann am Goldenen Horn.

Ler Generaldirektor der türkischen Posten und Tele- grapven richtete am 19. d. M. an die Direktoren der fremden Vostanstalten ein Zirkulartelegramm, worin er nfttteilt, daß infolge Auftrages bis zur Beendigung der Beratungen über die Aufhebung der fremden Postanstalten, die Postsendungen der fremden Postanstalten wie früher durch Beamte der türkischen Postverwaltung expediert wer­de». Es verlautet ferner, ber Sultan ordnete die Regelung bet Angelegenheit an, worauf der Generalsekretär des Aeußern bei den Botschaftern vorsprach, und die Nach- Uiehigkeit der Pforte auf Grundlage der Wiederherstellung deÄstatutz quo ante", sowie die Entschuldigung für den Gewaltakt am 5. Mai ankündigte. Die Botschafter berieten den Vorschlag der Pforte, der, wie es scheint, nicht allseitig beledigend befunden wurde, sowohl was die Sühne wie die Garantie für die Zukunft betrifft. Die Angelegenheit bildet noch den Gegenstand eines Meinungsaustausches zwischen den letzteren unter einander. Die Direktoren der vier beteiligten ftemden Postanstalten berieten Vorschläge zur Abänderung der zukünftigen Beförderung der Post zw-Hchen Konstantinopel und ber bulgarischen Grenze.

00 ist also der Postkonflikt noch keineswegs beendet, utjb dazu kommt noch daß jeht die mazedonische Frage »viede» einer Entscheidung zutreibt. Tie laue Haltung ber

bulgarischen Regierung gegenüber ber mazedonischen Be­wegung hat neuerdings eine Illustration erfahren, durch die Zusage der Verleihung der gesetzlichen Organisation an die mazedonischen Schutzenvereine. Letztere wollen nun am 25. Mai einen Kongreß abhalten, und über jene Zusage Beschluß fassen. Day man in Konstantinopel diesem Kon­greß mit einiger Beklemmung entgegensieht, ist selbst­verständlich, denn derselben dürfte einer Zusammenkunft aller Häupter der mazedonischen Revolutionskomites gleich­zuachten sein, und es ist Nicht unmöglich, daß Beschlüsse Beitigt werden, die eine Explosion des angehäuften ge- rlichen Stoffes im Gefolge haben. Die Hohe Pforte n also mit einer eventuell unmittelbar bevorstehenden Gefahr rechnen. Aber auch aus ihrem asiatischen Gebiete sind wieder schlimme Nachrichten eingelaufen, die davon verichten, daß die Armenier neuerdings einen Schlag gegen das türkische Joch vorbereiten. Bekanntlich entfalten die armenischen Komites fortdauernd eine lebhafte Thätig- keit, ihre Vertreter suchten auch in den europäischen Staaten für die Sache der Armenier Stimmung zu machen und, wie erinnerlich, glaubten sie auf dem Haager Friedens­kongreß einen günstigen Boden für die Geltendmachung ihrer Rechte zu finden. Aber man hat in Europa wohl lebhafte Sympathieen für das intelligente, christliche Volk, das inmitten bon Türken und Kurden feine Religion gegen moslemitische und heidnische Angriffe verteidigt, aber die Regierungen müssen immer mit ber Thatsache rechnen, daß die Armenier Unterthanen des Sultans sind, und können, wie es ja wiederholt geschehen ift, ihre Stimme erst bann ertönen lassen, wenn es sich um notorische Vergewaltig­ungen und Grausamkeiten der Türken gegen die Christen handelt. Mer die Armenier find mit diesen platonischen Unterstützungen, wie sie ihnen bisher zu teil mürben, nicht zufrieden, und das türkische Joch mag ja auch wieder unerträglich geworden sein, denn wie Konstantinopeler Meldungen besagen, bereiten die armenischen Komites jetzt einen Schlag vor, nachdem genügende Geldmittel einge- flossen sind. An den letzteren herrscht ja bekanntlich auf der Pforte steter Mangel, und deshalb mag man mit um so größerer Sorge ber Entwickelung ber Dinge in Maze­donien und Armenien entgegensehen. Verhältnismäßig lange seit der Regelung ber Kretafrage hat derkranke Mann" sich eines gewissen Wohlbefindens erfreuen dürfen, nun scheinen die alten Leiden wieder in die Erscheinung treten zu wollen. Daß Europa dem Zustande des Patien­ten am Goldenen Horn fortgesetzt liebevolle Fürsorge wid­met, braucht nicht besonders heroorgehoben zu werden.

II.

Maü schreibt unS ans Darmstadt:

Kann man, nachdem kaum acht Tage feit der Eröffnung b<r Ausstellung verflossen, schon von einer Wirkung auf vaS Publikum sprechen? In-dem vorliegenden Falle ist das möglich, weil sich hier das aerobe Gegenteil von dem «chspielt, was sonst ben Ausstellungsbildern nationalen und internationalen Charakters anzuhaften pflegt: Keine kühnen, überschwenglichen Programme, keine hochgespannten Er- wclrtungen, eher eine gewisse Aengstlichkeit, ein mehr oder mfttder ausgesprochenes Mißtrauen und vor allem auch eine [etir kühle Haltung verschiedener Blätter. Jetzt aber er­folgt ber Umschlag.

giebt eine Kritik, die nur daS resümiert, was ihr von Publikums Gnaden und Ungnaden entgegengetragen iuirb, in welcher dieses sich mit den übernommenen Redens­arten breit und behaglich wibergespiegelt sieht. Und bann giebt es eine andere, die sich nicht zum Diener des Publi- tiqnd hergiebt, sondern zur Gehilfin, zum warmen Anwalt dev Kunst macht und auf diese Weise auch nur zum wahren Vorteil des Publikums arbeitet.

Nicht wer den vorhandenen Gedankenvorrat vollends eckchSpft, sondern der, welcher ihn zu mehren sucht, sollte in her Rolle der Führer und Erklärer fungieren. Und bie Ausstellung auf ber Mathildenhöhe fängt an, sich das Pu­blikum zu erziehen, welches seinerseits der j>kritck beachtens­werte Fingerzeige geben kann, weil es nicht mehr länger hören wlll auf die Mär vomUeberflüssigen",Verrückten" anOUnmöglichen" dieser Ausstellung, und nun selbst (Se­ltenheit hat, die Augen aufzumachen und sich von allen S?lten das zu beschauen, was junge Schaffensfreudigkeit liier ins Dasein fiat treten lassen.

Wenn es noch vor kurzem scheinen konnte, als roenn die Ausstellung ihre Anziehungskraft hauptsächlich an den LMnden bewahren würde, so weiß man heute schon, daß die Heimat, die den Boden für sie hergegeben, auch ideell kun st technisch reichen Gewinn aus ihr ziehen wirb.

Vor allem müßte man auf die Bemerkungen nicht jener Leute, die alles besser wissen wollen und für bis ja