Ausgabe 
22.2.1901 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Kbruar 1901.

1 Vögel!

11 ö ft ä 111> e hält [ Nr ben Wahl, ^richterstatter- ,^Plenum in elW9oibnui\q;

das Gesetz die puin 1898 betr. ie Stellung der Ü bezüglich der Ech, die zoll, lg ber Abg. 8uu 47 des Gesetzes rungsonftalt für 11 unb Genossen, Erstellung der t zu Bensheim, erhästnisse betr.

in Tarmstadt, Aung der ange« and Anstellungs- mzer Angelklubs, Großherzogtums die Ausführung . 1'2. Antrag des er 32 des Tarifs st- W; b 01; 1. Tezember IW kassiers Rink zu> tthältnisfe betr. 11 Mainz, Tienst« Schädigung betr. urf über die Gc« gegangenen Vor« ? Messel, 2) brr kamincr Bingen, Leonhard u. Cie )

(Mfleijd).) im tiambrniu^ bauten der frei» M ^(jokwcvx x Jubilar W 1 vor 25 fahren n zu Crtenbcrg, der Feuerwehr' Minus abgeholt, n und Aidda ein it aeschnackvoltein , jst von Sin1 der Möbelfabrik T Betzberger ver> die GnM'ickeluiig f den Protettoö von Lollar, auf den ^bilut mbetowtnevi« nlt)tU yW t( mch« V.

S°d°« ^»rs niildk '

Ö*: (&**** aat7Z

mo F \W. Wji hatte i^ 1 WV?-«x iH ölbl2n (in 2^'

u,

Sei-#

sagt- 'k, "

.... hat E8

ehifl» *S

<s< e ?'

prachtvolles Bouqet überreicht. Von Hungen war eine De­putation erschienen; Telegramme und Glückwünsche waren in großer Zahl eingelausen.

-t- Rubbiagshausen 19. Febr. Am 17. Februar ver anstaltete der Kiesige Gesangverein Concordia beim Gast- wirt H. TheiS III. eine Abendunterhaltung. Stücke heiteren und komischen Inhalts wechselten mit Vorträgen von Liedern Alles fand, dank der bewährten Leitung des Dirigenten. Lehrer Schärtler, lauten Beifall Musikvorträge der Koch'ichkii Kapelle von Deckenbach und später der Tanz trugen viel zur Verschönerung des Abends bei.

-n Vom Vogelsberg, 20 Febr. Wir haben solche Un- massen von Schnee, daß die Holzhauer ihre Arbeit im Walde einstellen müssen, was seit Jahren nicht der Fall war. Jäger und Forstleute sorgen für das Wild, indem sic Heu u. dgl. hinauSfahren. Aus den Straßen bleiben die Fuhrwerke stecken und werden buchstäblich aus dem Schnee gegraben. Die Postverbindung erleidet Störung. Ununterbrochen ist man mit der Straßenräumung beschäftigt, obwohl nur 12 Pfg. für die Arbeitsstunde bezahlt werden.

Mainz 20. Febr. Unweit der Station Heidesheim enb gleiste gestern nachmittag gegen 3 Uhr ein Wagen des von Bingen kommenden Güterzuges 3080. So unbedeutend der Unfall an sich war, verursachte er doch, da der Wagen quer über beide Gleise zu stehen kam, eine ganz erhebliche Verkehrsstörung.

Frankfurt, 20. Febr. Im Hippodrom finden eben täglich hie Hebungen für das am Sonntag stattfindende Preisreiten und Springen statt. Bei einer derselben hatte Frau Ba­ronin KönigSwarter, eine in den Kreisen der Gesell schäft außerordentlich beliebte Dame, das Malheur, mit dem Pferd so unglücklich zu stürzen, daß sie schwere Verletzungen erlitt. In der Frühe dcs Aschermittwochs wurde der In­haber der bekannten MöbeltranSporifilma Delliehausen, Herr Heinrich Delliehausen, an der Katharinenpforte von fünf mas fierten Männern überfallen und durch Hieb- und Stich wunden schwer verletzt. handelt sich wahrscheinlich um einen Racheakt.

Frankfurt, 20. Febr. Eisenbahnminister v. Thielen traf heule morgen mit dem um eine Stunde verspäteten I)«Zuge von Berlin hier ein, hatte mit Direktionsmitgliedern im hiesigen Hauptbahnhofe eine Besprechung und fuhr sodann zum Boctraa bei dem Kaiser nach Homburg. Der Kaiser hatte Bericht über den zukünftigen Hamburger Bahnhof und über die geplanten Züge auf der neuen Strecke Homburg Friedberg gefordert, lieber beide Fragen hielt der Eisen 'ahnminister Bortrag. Die Erweiterung des Homburger Bahnhofes wird nötig durch die Einführung der Linie Friedberg-Friedrichsdorf und gegebenenfalls durch die Verlängerung ter Linie Homburg Usingen bis Weil­burg. Der Minister, in dessen Begleitung sich Eisenbahn rräfibent Thomö und Oberbaurat Siebert besanden, wurde zur kaiserlichen Frühstückstafel gezogen. Er dinierte am späten Nachmittag in Frankfurt beim Präsidenten Thoms und reiste am Abend nach Berlin zurück.

Frankfurt a. M., 20. Febr. Herr Georg Speyer bat der Stadtgemeinde (wie schon berichtet) e i n e M i l l i 011 zur Verfügung gestellt zur Förderung dcs wissenschaftlichen Lebens in Frankfurt. Es besteht hier in gewissen Kreisen die Hoffnung, auf dem Wege etwa unserer demnächst ent­stehenden ...Handelsakademie" zu einer Frankfurter U n i v e rsit ä t zu gelangen. Diesem Ziele ist man nun dnrch diese hochherzige Stiftung sicherlich um einen großen Schritt näher gekommen. Wieweit bei dem Stifter der (Än fluß unseres Oberbürgermeisters, zu dessen Lieblings­gedanken die Frankfurter Universität zählen soll, maß­gebend war, kann man nicht ermessen. Genug, die Stiftung ioutet so, daß von den Zinsen der Million wissenschaftliche Einrichtungen, Laboratorien usw., unterstützt werden sollen. Die Lehrstühle sollen int Rahmen der philosophischen Fakultät liegen und sind wenn thunlich, im Anschluß au unsere hier bestehenden Anstalten und wissenschaftlichen In­stitute zu begründen, bezw. zu unterhalten. Gemeint sei damit namentlich die Sozial.Handelsakademie, der Physi­kalische Verein, das Senckenbergianum, das Institut für Serumtherapie 11. a. ni. Solange nicht Lehrstühle genug gegründet sind, um die Zinsen von ca. 40 000 Mi. in An- spruch zu nehmen, sollen diese den erwähnten Anstalten selber zu gute kommen. Tas Kapital soll so angelegt wer den, daß es zugleich den Bau kleiner Wohnungen fördert. Es dürfen .Hypotheken, wenn sie erststellig find, bis zu dreiviertel des Wertes des Objektes angenommen werden und es dürfen bis zu einem Viertel des Kapitals bebaute Grundstücke, die zu vier Prozent rentieren, crivorben werden. Ohne Zweifel ist die doppelte Absicht des hochherzigen Gebers mit dieser Stiftung voll erreicht, auf die Wohnungsnot wird sie sicherlich mit einwirken hellfen und das wissen­schaftliche Leben unserer Stadt wird eine mächtige Anregung erfahren.

** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten In Ziegelhausen bei Heidelberg starb vorige Woche der Pfarrer Gustav Helm. 1861 in Bensheim geboten, ein katholischer Schriftsteller, der unter dem Namen Theodor PalatinuS zumeist kulturgeschichtliche Stoffe behandelte.

Havanna-Zigarren.

Tie Provinz Havanna ist die reichste Kubas. Sie pro dnziert Zucker und einen Tabak, der viel Anklang findet, ..Tabaco del partidv" genannt. Was aber der kubanischen Hauptstadt des Namens zur allgemeinen Berühmtheit ver Holsen, das sind ihre Tabakfabriken. Wenn das Wort Ha­vanna ausgesprochen wird, so denkt wohl jeder zuerst au .eine gute Zigarre.

Tie Gesamttabakproduktion der Insel beläuft sich auf 30 Mill. Kilo, von denen zweidrittel als Blatt exportiert werden, während der Rest an die Fabriken von Havanna gelangt. 80 000 Personen finden bei dem Tabaksbau Be­schäftigung und 20000 bei der Fabrikation von Zigarren uni) Zigaretten. Tie Anzahl derFabricas de tabacos" ist in Havanna eine sehr große und fortwährend entstehen neue, allerdings gehen aber auch andere ein. Im allgemeinen sind die Einrichtungen bei allen dieselben, da etwas mehr Komfort, dort einige spezielle Vorschriften, die Fabrika- lionsmethoden abev gleichen einander. Einzelne Etablisse­

ments stellen Zigarren und Zigaretten her. meist jedoch sind die beiden Genres vollständig getrennt.

Was die Zigarren-Anfertigung betrifft, so wird die Zahl der Ballen, die für die Fabrikation derselben notwendig ist, am Tage vorher aus den Vorratsräumen geholt und in den Hof des Etablissements gebracht. Dort wird die erste Manipulation oberMojado" vorgenommen, die darin be steht, jedeGavilla" während einiger Minuten in Wasser zu tauchen, sie zu schütteln und dann mit anderen in einen großen flachen Korb zu thun. Dieses Eintauchen bezweckt die Anfeuchtung des Blattes, damit es nicht während der späteren Bearbeitung bricht.

Nun werden dieGavillas" in einen großen Saal ge­bracht, ivo der mittlere Stengel des Blattes entfernt wird. Es ist dies eine Arbeit, welche Frauen leisten. Die feinsten der so erzielten Stengel tverdcn von den Zigarettenfabriken verwendet. Jetzt gelangt der Tabak in einen anderen Raum, wo das Ausfuchen nach Größe, Farbe und Qualität der Blätter siattsindet, worauf er denTabaqueros" übergeben wird. Diese sind zu ca. 50 in denTabaquerias" genannten Sälen beschäftigt. Sie rollen die Zigarren, kleben ein Ende derselben mit etwas Tragantgummi zusammen und schneiden das andere in der gewünschten Länge ab. Ein geschickter Tabaquero" kann viel Geld verdienen. Man bezahlt ihn per Stück und zwar 12100 Piaster per 1000 je nach Form und Große, d. h. 540 Pfennig per Zigarre. Eine Eigen tümlichkeit ist, daß in jederTabaqueria" stets ein Vorleser zu finden ist, der den Arbeitern Gedichte oder Erzählungen vorträgt. Derselbe wird von letzteren bezahlt und es ist ihr von alters her verbürgtes Recht, sich einen Vorleser halten zu dürfen. Form und Größe der Zigarre wechseln ins Unendliche, jede Fabrik hat deren besondere. Gewisse jedoch werden fast von allen hergestellt, wie die Eonchas, Regalias, Banqueros usw.

Ehe die Zigarren in die Kiste gethan werden, findet noch eine letzte Auslese statt, um eine möglichst gleichmäßige Farbe zu erzielen. Man unterscheidet fünf Nuancen: Elaro, eolorado claro, eolorado, eolorado, maduro und maduro. An Stelle des Wortesmaduro" tritt manchmaloxuro", welches dasselbe bedeutet.

Mit Ausnahme der Kisten wird in den Fabriken alles mit der .Hand gemacht. Man hat es versucht, die Eigarre mit der Maschine zu rollen, aber mit negativem Resultate, luoran allerdings wohl vor allem die Opposition der Ar­beiter die Schuld trug.

Es ist durchaus falsch, zu glauben, daß alle Havanna- Zigarren gut seien und daß man solche zu billigen Preisen haben könne. Wenn man zu Hause schon eine ganz annehm­bare zu 2025 Pfennig erhält, so glaubt man in Havanna für diesen Preis eine weit bessere kaufen zu können. Ties ist aber durchaus nicht der Fall und man muß 80 Pfennige bezahlen, um eine passable Zigarre zu bekommen. Gewiß ist eine gute Havanna, die ganz aus Blättern von Vuetta Abajo besteht, etwas vorzügliches, .aber nur die Reichsten können sich häufig einen so kostspieligen Genuß gestatten. Für den Export sind ja die Preise viel niedriger, von einer betannten Sorte lostet aber indes auch die kleinste mindestens^ 15 Pfennige und hat man sie bis zu 4 Mark und darüber. Tie ganze feine Havanna ist dies auch wert, denn sie ist einzig in ihrer Art, die billigeren aber rechtfertigen ihren Preis nicht, man erhält für diesen anderswo ein viel besseres Produkt.

Diesem Umstande ist wohl auch der Rückgang der Aus­fuhr zuzuschreiben, die in 10 Jahren von 18891898 von 250 Millionen Stück auf 92 Millionen gefallen ist. Tie vielen Ausstände unter den Arbeitern tragen auch die Schuld daran. Sie verlangen fortwährend eine höhere Bezahlung, wodurch sich die Kosten der Fabrikation sehr steigern und damit die Preise der Zigarren, was ihrem Absätze in Aus­lande natürlich Abbruch thut.

Vermischtes.

T c r S e l b st m 0 r d d e r G r e i s e wird von Friedrich T er n bürg in einem Feuilleton desBerl. Tageblatt" offen verteidigt: Hatte Pettenkofer ein Recht, seinem Leben ein Ende zu machen? Sind die Gründe zutreffend, ans denen er seinen Entschluß faßte? Ich glaube, daß, abgesehen ton denen, die aus religiösen Gründen prinzipiell den Selbstmord ablehnen, die allgemeine Stimme erklärte: Pettenkofer durfte es thun. Und die meisten werden hinzu­fügen: Er hatte recht, zu handeln, lvie er gehandelt hat. Er hat allen Ansprüchen, die das Leben an ihn stellte, überreich entsprochen, er hat sein Couvert am Tische des Lebens bezahlt. Er brauchte nicht zu warten, bis die letzten Krumen seines Tascins verzehrt waren. Er durfte auf- stehen und gehen . . . Auf der griechischen Insel EvÄ herrschte der Gebrauch, daß die Männer einer gewissen Stufe des Greisenalters, nach dem Jahrgang sich ver­sammelten. Kameraden in der Schule, auf - dem Schlacht­feld, in der Ratsversammlung, bei Spiel nnd Becher waren sie ihr Lebtag gewesen. Nun feierten sie das letzte gemein­schaftliche Fest. Am Schluß ließen sie den Todesbecher hernmgeheii ; so wanderten sie gemeinsam zum Orkus hinab. Beim Begräbnis von Pettenkofer hat der Gelehrte, der fein Amtsfolger ist, auf einen Gebrauch hingewiesen, den die Römer als aus dem tiefsten Altertum überkommen be­zeichneten, ein Gebrauch, nach dem die Männer, die sich dem Waffendienst nicht mehr gewachsen fühlten, die Erde quittierten. So sprechen menschliche Urinftinkte. Soll ein Mann ein Leben fortführen, einzig um Zeuge seines eigenen fortschreitenden Verfalles zu werden? Hätte jemand Nietzsche abhalten wollen, seinem kläglichen Ausgang zuvorzukommen? Mag man die Jugend schelten, die das Leben wegwirft, ohne es zu fernten, die einen Kummer für unendlich hält, der nach kurzer Frist nur noch wie ein verzogener Nebel er­scheint. Tiefer Antritt zum Totentanz ist eher tragikomisch. Tie hoffnungsloseste Krankheit aber ist das Alter.

* Milan als Student. Es war vor 35 Jahren im Jahre 1866. Tantals, so erzählt Emile Blavet in den Annales politiques et litteraireö, hielt alles, was mit Meißel und Palette zu thun hatte, seine Sitzungen imQuartier latiii" im Cafe de Fleurus ab. Tie Schriftsteller verkehrten hier freundschaftlichst mit den Malern und Bildhauern, man sprach von Kunst, Litteratur, Politik und namentlich von der holden Weiblichkeit. TieGefährtinnen" der Herren zeichneten sich durch die Ungeniertheit ihres Auftretens und die Keckheit ihrer Beinerkungen aus. In einem Winkel des Saales setzten sich jeden Abend zwei Männer von etwa 50 Jahren an denselben Tisch, ohne sich um das zu kümmern, was um sie vorging, leerten von 9 bis 12 Uhr Schoppen auf Schoppen, rauchten Pfeife auf Pfeife und

Kunst und lUilTrufdiiift.

Der Verein für innere Medizin batte dieser Tage aus hnlaß seines LOjöh'igen Bestebens im «eiliner Aichitekienhairse eine zablrcich besuchte Festsitzung veranstaltet. Geheimrat Prof. 0. L yden gab in großen Zügen ein Bild von der TiciligkAt der Gesellschaft, di^ sich namentlich auch durch ihre Sammelforscbungen um die Wissenschaft verdient gemacht ha', mb die immer mehr und mehr ein Lud)1 bringender Boden geworden ist für die Wissenschaft iche Entw'ck -m g der inneren Medizin Der Verein, der sttzt über 5OOMstgliedc, zähl', bat in den 20 Jahren 452 Sitzungen abaebelten und in dies", 308 Voitcöge und 36 N-ferate gehört und 576 D-monstcatiorcn ent* gegengenommen Zu Ehrenmitgliedern drS Vereins sind ernannt worden brr Minister Pro. Guido Baecelli in Rom, Prof. Nothnagel in Wien, Pros. v. Behring in Marku-g und P os. Dr. Emily Rovx in Packs und zu forrefponb-errnten Mbglicbern Pros. Erb <n H'id'' nerg, Pros. Eh sich uub Prof. We'gert in Frankfurt a M, Prn. Rades in Bukarest unb Baron Tsossuwo Hrisirvoto In Tokio.

vertieften sich in endlose Diskussionen Ihnen gegenüber1 , mit den Ellbogen auf dein Tisch, ein untersetzter, dicker, junger Mensch von 16 bis 17 Jahren, mit breiten: Schultern, der Maske eines degenerierten Eäsaren und dem Benehmen eines erprobten Bummlers und Trunkenboldes. Ter junge Mann hörte nur mit zerstreutem Ohr auf die Unterhaltung der beiden Männer, verfolgte aber desto auf merksamer die ästhetisckren Diskussionen der baretttragenden Stammgäste, namentlich aber die mörderischen Blicke, die dieDamen "ihm $invarfen. Dieses seltsame Terzett reizte meine Neugier im höchsten Grade, und da ich gern wissen nwllte, wer sie waren, so fragte ich den Künstler, der mich in den Kveis der Rue de Fleurus eingeführt hatte.Was? Die kennen Sie nicht?" sagte er zu mir.Tie Leute sind ja imQuartier" bekannt wie ein bunter Hund! Der eine, der auf der rechten Seite, mit dem langen Schnurrbart und dem Vollmondsgesicht, ist der Pater Huet, ein ganz tüchtiger Gelehrter, der Faulpelze und Dummköpfe zum Miturientenexamen vorbereitet . . . Der andere, der auf der linken Seite, ist der Vater Jsambert, der populärste unserer juristischen Repetitoren."Und der kleine, junge Mensch?"Ter kleine, junge Mensch? Das ist ganz einfach ein Prinz!"Was Sie sagen?"Ja, der Prinz Milan Obrenvwitsch, der leibliche Neffe Michaels von Serbien und dessen legitimer Erbe."Und in einer Kneipe bereitet er sich auf die Regierung vor?"Tas kommt nicht alle Tage vor, was? . . . Der kleine Prinz besucht als Externschüler die Vorlesungen des Eollege Louis-le-Graud, und seine Familie hat dem Vater Huet die Obhut über ihn anvertraut. Der gute Mann ist gleichzeitig sein Lehrer und sein Gouver­neur. Er hat seinem Mündel zwar seine Kundschaft zum Opfer gebracht, feine Gewohnheiten aber hat er ihm nicht opfern können, denn der Vater Hnet muß, wenn er nicht krank werden will, jeden Abend mit dem Vater Jsambert im Cafe de Fleurus seine Diskussion abhalten, und ehe er das Kind allein zu Hause läßt, nimmt er es lieber in die Kneipe mit . . . Was finden Sie daran so Schlimmes?" Ich? .Garnichts . . . aber sein künftiges Volk....'« Ach, du lieber Gott! in Serbien!"

Gcrichtssaal.

Wöllstadt, 19. Febr. Am 12 Juli bekam der Kanonier Wilh. Schweizer vom dritten Fußartillerieregiment aus der Oekonomiewerk- statt Streit mit einem anderen Soldaten. Der Schneider Heinrich Schwarz aus Wallau an d'r Lahn, den die Sache ursprünglich gar nichts anging, warf bet dieser Gelegenheit dem Schweizer mit solcher Wucht einen Bügelbolzen an den Kops, daß Schweizer blutüberströmt bewußtlos zusammenstürzte. Schweizer trug einen schweren Schädelbruch davon und schwebte längere Zeit in Lebensgefahr. Ec ist für alle Zeiten Militär- untauglich geworden. Schwarz wurde heute von der Strafkammer zu einem Jahr Gefängnis verurtellt Auf Verfügung des Gerichtes wurde er sofort verhaftet

Stapel, 19 Febr. Ein U n g l ü ck s f a l l auf der Jagd wurde vor der Strafkammer hier verhandelt. Bei einem Ausfluge des Fabri« kanten Hermann Faubel wurde auf der Jagd desien Kutscher und Jagd­diener Fried r. Köhler erschossen Auch die Gerichtsverhand­lung hat den rätselhaften Vorfall noch nicht genügend aufgeklärt. Der Erschoßene war ein ruhiger, zuverlässiger Mann, stand 18 Jahre im Dienst bei Faubel und hat denselben stets auf die Jagd begleitet, reinigte und zerlegte deffen Gewehre usw. Ein Selbstmord ist völlig ausgeschloffen. Der Angeklagte Faubel, ein angesehener reicher Mann, von 75 Jahren macht über den Vorfall folgende glaubwürdige Angaben: Am 24. Oktober v I. fuhr ich mit dem Porzellanmaler Jmgrund zur Jagd; ein Treiben war zu Ende, wir gingen zum Jagdwagen, um weiter zu fahren und in einem jenseits des Katzenstein gelegenen Revier die Jagd auszuüben. Jm­grund wollte unten herum gehen, um evmtl.noch einen Hasen zu schießen, ich oben hrrumfahren. Im Moment, als ich hinten einsteigen will, fragt mich Jmgrund etwas über das Jagdterrain; ich stelle das zwar geladene, aber gesicherte Gewehr (Centralfeuer mit Rückspringerschloß) hinten in den Wagen und zwar den Schaft links unter den Sitz, sodaß der Lauf über den rechten Sitz in die Höhe ragt. Wir sprechen miteinander, wenden dem Wagen den Rücken und gehen 10 bis 15 Schritt weit, als plötzlich 2 Schüsse kurz hintereinander fallen und uns aufs höchste er­schrecken. Als wir zurücklaufen, schwimmt der Kutscher in seinem Blute; er liegt entseelt in verkehrt, r Stellung über den Kutscherbock vorn über­gebeugt, das Innere des Wagens voller Blutlachen. Ein Schuß des los­gegangenen Gewehrs war in die Achselhöhle rechts, der andere in die linke Kopfseite gegangen. Faubel ist der Ansicht, daß Köhler sich nach .hinten über den Kutschsitz beugte, das Gewehr heranholen wollte, um es zu entladen, daß er am Sitz mit den Hähnen hängen blieb, dieselben erst zurück und dann wieder zuschnappten,und die Schüsse losgingen. Da der Zeuge Jmgrund nicht wußte, wo Faubel das Gewehr hingestellt, noch wo e« nach dem Losgehen gestandcn hatte, ferner die Sachverständigen eine Fahrlässigkeit darin nicht erblicken konnten, daß Faubel, wo er es nur mit dem alten erfahrenen Jagddiener zu thun halte, sein Gewehr auf einer Pirschjagd für einen Moment hinten in den Jagdwagen so stellte, wie er behauptet, daß es nicht umfallen konnte, das Gewehr auch tiiun Konstruktionsfehler hatte, so wurde der Angeklagte freigesprochrn.

Berlin, 19 Febr. Graf Puckler wurde wieder von ei, er Berliner Strafkammer freigespiochen. Das Gericht nahm an, Pückie-S objcklio aufreiz i.de Ausiühiungen fctcr. von b m nach den Bekundungen der überwachenden Polizeideamteu duichweg anständig-n Publikum symbolisch und bildlich aufgefaßt worden, und <§ sei nicht ju befürchte gewkf-n, daß einer der Zuhörer sich zu Gewallthätigkettrn vrnrelßen taffen würde. Gra' Pückler te bieSmal aurgtfotbett, die Judenfrage durch rücksichtslose Keile zu lösen. Wenn sich i < einem Theater, in e nem Konzert ootr einem öffentlichen Lokale ein Jude zerze, solle man ihr mit Knüppeln unb Säcken htnauS- hruen u. s. w.

Krakau, 19. Febr. Der hiesigeRaprod" meldet aus glaub­würdiger Quelle, daß das Kriegsgericht in Kiew 7 Studenten zum Tode verurteilt habe, weil sie den Fahneneid nicht leisten wollten, nachdem sie unter der anderen groß n Zahl von Universitätshörern wegen der Unruhen an der Hochschule zum Militärdienst verurteilt worden waren. Es verlautet, daß der Zar sie begnadigen wird, und daß sie nach Sibi­rien werden versendet werden.

wird als Nähr- u.

ÜMMsgen-, Darmleiden

Kräftigungsmittel von hervorragender besonderer Wirkung 8»»atop^n empfohlen. Von Professoren u. Aerzte» glänzend begutachtet. Erhallt m Avoth. u. Drogerien Atteste gratis u. franco. Bauer & Cie.. Berlin t>.u. iv.