Ausgabe 
22.1.1901 Zweites Blatt
 
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Nr^l« Zweites Blatt

Dienstag den 22. Januar

1901

MeßenerAnzeiger

Heneral-M^eiger

Annahme von Anzeigen zu der nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Dornt 10 Uhr. Abbestellungen spätestens abends vorher.

151. Jahrgang

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Schulprahe Nr. 7.

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Fernsprecher Nr. 51.

Nachklänge vom preußischen Kronjubilänm.

Eine Kaiserrede.

Die Antwort des Kaisers auf die Ansprachen der Vertreter der Stadt Königsberg bei der zweihundertjährigen Feier des Königreichs Preußen lautete wie folgt:

Werte und geehrte Herren!

Von tiefem Danke gegen Gott tft mein Herz erfüllt, wenn Ich auf die zwei Jahrhunderte der Geschichte Meines Hauses und des Vaterlandes zurückbltcke. die heute sich vollenden.

Unter deS großen Königs Führung glorreich emporgestiegen, in schwerster Prüfung, edlem Golds gleich, geläutert und bewährt, richteten Fürst und Volk in einem Kampf; voll hingebender Vaterlandsliebe deS Staates Größe wieder auf, fügten neue Macht ihm hinzu. Nach l«iger FrtedenSarbeit ward uns durch Gottes Gnade des Deutschen Vaterlandes Einheit. Der unvergänglich lebt in den Herzen des Volkes, Kaiser Wilhelm der Große, wurde des Deutschen Reiches Begründer!

L In Leid und Freud, in Krieg und Sieg sind Preußens König und Volk zusammengewachsen, fest und unlöslich, von dem einen Ge­danken getragen, jeder an seinem Teile dem Vaterlande zu dienen. Doppelt fühlt in dieser feierlichen Stunde M in Landesväterliches Heiz das Verlangen, Meinem Volke zu danken für die durch die Jahrhunderte bewährte Treue und Hingebung, und Gott anzuflehen, daß Er auch ferner mit Seinem Segen Volk und Vaterland gellte!

Sie aber des Stammlandes des Königtums und der alten Krönungsstadt Vertreter, am heutigen Tage hier zu sehen, gereicht Mir zur besonderrn Freude. Ein Jahrhundert ist dshin gegangen, als Mein in Gott ruhender Vorgänger auf dem Thron, König Friedrich Wilhelm III., aus Anlaß der ersten Säkularfeier des Königreiche durch bie Kundgebung an die Ostpreußischen Stände vom 1. Januar 1801 die Statue König Friedrichs I.zum immerwährenden Denkmal gegenseitiger Liebe und Treue" widmete. Nicht ahnen konnte der König, als er diese Worte sprach, wie bald die Zeiten kommen sollten, diese gegenseietge Liebe und Treue erneut zu bethätigen! In jenen Jahren der herbsten Prüfung, die unserem Vaterlande beschieden, warm eS die Ostpreußtn, in deren Haus und Herzen die Königliche Familie sicher ruhte, und die Ostpreußen wiederum waren es, dte, a:s die Morgenröte einer btfferen Zeit anbrach, vorangingen in einer vaterländischen Erhebung, wie sie reiner, edler, opferbereiter die Wett nicht gesehen l Eine Geschichte wie diese ist ein Denkmal fester wie Erz, und so weiß Ich, aus wie treuem Herzrn die Wünsche kommen, dte Sie soeben Mir ausgesprochen haben. Treue um Treue! Dankbar werbe Ich allzeit im Herzen halten, was die Provinz für König und Vaterland gethan hat und gern ihr Meine Landesväterliche Huld und Fürsorge gewähren. So entbiete Ich ihr auch heute Meinen Dank und Königlichen G und ersuche Sie, geehrte Herren, dies allen bcnen kund zu thun, die Sie entsandt haben!

Die Hoftafel

zählte über 1200 Teilnehmer. Die Speisenfolge war folgende: Kraftbrühe, Steinbutten, Schmorfleisch mit Gemüse, Getrüffelter Wildauflauf, Hummer in Gallert, Ka­paunen, Früchte, Salat, Manoarinenbombe, Nachtisch. An der Tafel war immer für Gruppen von zehn Per­sonen serviert, und ein Konfektaufsatz war für dieselbe Zahl

von Gästen bestimmt. Bei der Tafel saß der Kaiser rechts von der Kaiserin, neben dem Kaiser saß die Großherzogin von Baden, dann der Herzog von Connaught, Prinzessin Friedrich Leopold, Großfürst Wladimir, Prinzessin Ernst von Sachsen Altenburg, Großherzog von Hessen, Prin­zessin Karl von Hohenzollern, Herzog von Oporto, Fürstin A. Radziwill, Prinz Johann Georg von Sachsen, Frau Mi­nister Studt, Prinz Friedrich Leopold, Frau General Bron- sart v. Schellendorff, der Prinz von Rumänien u. a.

Im Operuhause.

Wenig nach 7Va Uhr erschien Graf Eulenburg, der Oberzeremonienmeister, und Graf Hochberg in der großen Mittelloge und kündeten dadurch der Versammlung, die sich von ihren Sitzen erhob, den Eintritt des Kaiserpaares und der fürstlichen Gäste an. Der Kaiser im schwarzen, silber­betreßten und beschnürten Attila der Danziger Husaren führte die Großherzogin von Baden, der österreichische Thronfolger Ferdinand von Este in der Uniform des Kaiser Franz Regi ments unsere Kaiserin in weißer von Brillanten-Gehängen und 'Garnituren blitzenden Spitzenrobe, Großfürst Wladimir die Frau Prinzessin Heinrich, die in eine Robe von zartestem Blaugrün gekleidet war, der Herzog von Connaught in rother Husarenuniform Prinzessin Fr. Leopold. In der ersten Reihe ließen sich die genannten Herrschaften nieder. In Reihen dahinter sah man den Herzog von Aosta, den Kronprinzen, die Erbprinzessin von Meiningen, den Großherzog von Hessen, Prinz Rupprecht von Bayern, Prinz Christian von Dänemark und andre fürstliche Persönlichkeiten.

Der Ordensregen war wohl der reichlichste, der je das preußische Ordens- und Krönungsfest begleitete. Nicht weniger als 3779 Ordensauszeichnungen wurden verliehen Die größte Gruppe der Beglückten schart sich um den Roten Adlerorden 4. Klaffe. Bei diesem wurden 1383 neue Ritter ernannt. Mehr als fünf Seiten des Reichsanzeigers füllen diese Namen, unter ihnen 19 Müller. Der Rote Adlerorden 2. Klasse mit Eichenlaub wurde 103 Mal verliehen, der Rote Adlerorden 3. Klasse mit der Schleife 212 Mal, der Kronen­ordnen 2. Klasse 89 Mal, der Kronenorden 3. Klasse 223 Mal, der Kronenorden 4. Klasse 307 Mal, das Kreuz des All gemeinen Ehrenzeichens 103 Mal, das Allgemeine Ehren zeichen 1138 Mal. Die einzelnen Schattierungen und Ab­stufungen des Roten Adlerordens und des Kronenordens sind in diesen Zahlen nicht einbegriffen.

Politische Tagesschau.

Ueber den Aufwand für militärische Zwecke gibt dieAllg. Ztg." eine Ueberficht auf Grund zuverlässiger Angaben, und zwar die Summe der eigenen Ausgaben der Einzelstaaten in den Jahren 1900 bezw. 1901, für die Einzelstaaten mit zweijährigen Finanzperioden unter Zugrundelegung eines Jahres. Dabei sei bemerkt, daß für Mecklenburg Strelitz zuverlässige Angaben unbekannt sind, daß für Mecklenburg- Schwerin nur annähernde Ziffern gegeben werden, und daß für Württemberg und Baden runde Summen angegeben werden, weil die Ausgaben beider Einzelstaaten für Reichs­zwecke nach den aöerneueften Etats uns nicht Vorlagen; die Ausgaben der Einzelstaaten für Reichszwecke mußten von dem finanziellen Aufwand der Einzelstaaten selbstverständlich in Abzug gebracht werden. Die gesamten Ausgaben für das Reichsheer, die kaiserliche Marine, das Reichsmilitärgericht und die Verwaltung des Zeughauses (welche letztere auf dem preußischen Etat geführt wird) betragen 680801945 Mk.; darin sind sowohl die fortdauernden, wie die einmaligen ordentlichen und außerordentlichen Ausgaben enthalten. Mit­hin verausgabt das Reich für nichtmilitärische Zwecke bei einem Gesamtausgabenetat von 2 240 947 301 Mk, 1560145 356 Mk. Die Einzelstaaten verausgaben:

Mk. Mk.

2300646000 363858000 231397000

66000000 115000000

39046000 20595000

7464000 9478000

11797000

5587000 2992000 4773000

15437000

2296000

2609000

1545000

742000

1613000

663000

1407000

5380000

81907000

109948000

64401000

(Die Hunderter sind in dieser Tabelle sämtlich abgerundet.)

Reich und Einzelftaaten zusammen geben demnach für nichtmilitärische Zwecke 4,977,306,000 Mk. aus. Ist diese Summe schon im Vergleich mit den 680 Millionen des Militär- und Marine Etats stattlich genug, so muß man be­denken, daß damit der öffentliche Aufwand für nichtmilitärische Zwecke keineswegs erschöpft ist: kommen doch noch die Etats der Selbstverwaltungskörper, der Gemeinden in Stadt und Land, der Kreise und Provinzen rc. hinzu. Eine Statistik des Etats aller Selbstverwaltungskörper würde den enormen Aufwand für nichtmilitärische Zwecke vollends erkennen lassen. Aber auch das jetzt Bekannte genügt zur Charakteristik der

Anhalt.....

Schw.-Rudolstadt

Schw. Sondershausen Waldeck.....

Reuß ä. L. ... Reuß j. ß. ... Schaumburg-Lippe . Lippe .....

Lübeck.....

Bremen.....

Hamburg .... Elsaß-Lothringen . .

Preußen . .

Bayern . .

Sachsen . . Württemberg Baden . .

Hessen . .

M.-Schwerin S.-Weimar . Oldenburg . Braunschweig Meiningen . Altenburg .

Koburg-Gotha

Whistorischr Niederlassungen bei IlniWI im Wesserrnald und in Sutzdch.

Nach einem Vortrag des Ministerialrats a. D. Soldan imOberhessischen G e s ch i ch t s v e r e i n" zu Gießen.

Fortsetzung.

Tie Untersuchung der Plattform der als typisch be­sprochenen §ütte hat einen Grundriß dieser Anlagen ge­geben. Was für ein Bild die Hütte über der Plattform gezeigt habe, dazu braucht nach den Erfolgen der Aus­grabungen die Phantasie nicht allzu sehr in Anspruch ge­nommen werden.

Tas Gerippe des Baues bildeten mindestens acht starke, lief in den Boden eingesetzte Pfosten. Ob sie rund oder, wie bei den späteren römischen Holztürmen, vierkantig be­schlagen waren, oder ob beides der Fall war, läßt sich bis jetzt noch nicht bestimmt festsetzen. Ministerialrat Soldan sand bei einigen besonders tiefen Pfostenlöchern am unteren Teil derselben viereckigen Querschnitt, während er bei Resten des Wandbewurfs hier und da Abdrücke von starken Rundhölzern konstatierte, lieber die Konstruktion der Wände zwischen den Pfosten gab schon die Ausgrabung der zweiten mtte gewisse Anhaltspunkte. Wie die Tenne, waren auch oie Wände aus Thon und Sand hergestellt, zur Haltbarkeit auch mit Rundhölzern oder Reisig vermischt. Hierüber erhielt Ministerialrat Soldan volle Gewißheit, als er im Anfang dieses Sommers zwei Hütten fand, die abgebrannt waren; die Gluth hatte hier den Wandbewurf in eine ziegelartige Masse verwandelt. Tie davon vorgefundenen Stücke zeigten auf der einen Seite eine glattgestrichene Fläche und auf der anderen Seite die Abdrücke eines Geflechts von kleinen Rundhölzern oder Reisig. Tie Funde zeigen, Daß die Wände ebenso hergerichtet waren wie später die der römischen Holztürme und Baracken, geradeso wie die vielen Fach- .verkbauten unserer Zeit. Das Gebälk der Hütte war durch ein Holzgeflecht verbunden und darüber ein starker Thon­bewurf gelegt. Die Bedachung der Hütten war sicherlich nicht

von Ziegeln oder Schiefer hergestellt, denn Steine, seien es natürliche oder künstliche, haben hier, wie die Nach­grabungen ergeben haben, für Bauten überhaupt keine Ver­wendung gefunden. Wahrscheinlich! wurde das Dach von'Holz, Stroh oder von dem im Westerwald heimischen Ginster gebildet. Es liegen Beweise vor, daß die Bewohner dieser Ansiedelungen, um die Wände thunlichst gegen Regen zu schützen, die Dächer etwas hervorragen ließen. Der Befund spricht dafür, daß unter dem mehr als ein Meter vor­springenden Dache die Bewohner der Hütte sich oft auf­hielten. Auch für geregelten Abfluß des Regenwetters wurde gesorgt, so zieht z. B. bei einer aufgedeckten Hütte von der Ostseite bis zur Mitte der Nordseite ein etwa anderthalb Meter breites gut erhaltenes Gräbchen hin und wendet sich an der tiefsten Stelle bergabwärts. Be­merkenswert ist, daß mehrere Beobachtungen dafür sprechen, daß man das vom Dache fließende Wasser auch zum Gebrauche aufgefangen hat. So fand Ministerialrat Soldan z. B. auch an der Nordostecke des größten Baues der Niederlassung eine größere Cisterne, bei der die nach der Thalseite gelegene, aus durchlässigem Grund bestehende Wand durch eine aufgelegte Thondecke dicht gemacht ist. Hier ist auch noch das Loch zu erkennen, das das ein- fließende Wasser in den Boden gewühlt hat. Dieses Wasser kann aber nach dem ganzen Befund nur vom Dache herab­kommendes Regenwasser gewesen sein. Etwas ähnliches zeigte sich bei einer nicht weit davon entfernten gewöhnlichen Wohnstätte. Hier liegt an der Nordwestecke eine anderthalb Meter breite und ein Meter tiefe Grube, von deren Rande ein kleines Gräbchen in eine etwas tiefer gelegene zweite Grube führt, die auf der Thalseite gleichfalls mit Thon gedichtet ist. Aus dem tief unten liegenden Platzer Bach war Wasser nur mühsam zu beschaffen, deshalb sammelten die Bewohner das von dem Dache herabfließende Regen­wasser zu unmittelbarem Gebrauche in einer neben der Hütte gelegenen Grube an. War einmal diese Grube voll­gelaufen, so wurde der Ueberschuß in die etwas tiefer gelegene Zisterne geleitet.

Außer den gewöhnlichen Wohnstätten hat Ministerialrat

Soldan bis jetzt drei größere Bauten aufgefunden; ber eine derselben liegt an Der Waldecke bei Neuhäusel. Leiden sitzen einzelne größere Bäume darüber, die einer Aus­grabung hinderlich sind. Den Kern der Anlage scheint ein rechteckiger Bau von 12 Meter Länge und 7 Meter Breite zu bilden. Die Tenne ist gut erhalten. Nach Süden hin kamen in einer Baumgruppe die Reste eines Baues zum Vorschein, der den gewöhnlichen Wohnstätten ähnelt, aber etwas größer ist als sie. Bei ihr liegt eine Wassergruoe und eine zweite größere Grube, die wohl als Keller oder Vorratsraum gedient hat.

Ein zweiter größerer Bau liegt am Mestrande der Hauptgruppe, unweit der Stelle, wo die Hillscheiderchaussee die Staatsstraße schneidet. Er wurde erst kurz vor Schluß der Grabungen entdeckt, und ist noch nicht näher unter­sucht.

Der dritte größere und interessanteste Bau liegt auf dem schon früher erwähnten kleinen vorspringenden Plateau, Unstreitig die schönste Stelle der ganzen Niederlassung. Tie von Ministerialrat Soldan im Herbst vergangenen Jahres vorgenommene Ausgrabung zeigte, daß Dieser größere Bau im Innern eines größeren Baues gelegen ist. Ter hochverdiente Forscher konstatiert, daß Die Seiten von Mitte zu Mitte der Eckpfostenlöcher 17,5 Meter messen. Ein solcher für damalige Verhältnisse wahrhaft große Bau, konnte schwerlich mit einem einzigen Dach' bedeckt sein. In der Mitte lag ein ungefähr quadratischer Hof, dessen bestimmte Nordseite ungefähr 4 Meter mißt. In der Nordwestecke der Anlage liegt ein ähnlicher Hof von ungefähr 6 Meter Seitenlange. Der Boden dieser beiden Höfe besitzt keine Tenne. An den zweiten Hof schloß sich ein großer Saal an, dessen Tenne von Westen nach Osten 12 Meter, und von Norden nach Süden 16,5 Meter mißt. Er hat, wenn man das einschneidende Stück des Jnnenhofs abrechnet, eine Fläche von 110 Quadratmetern. In der Feuerstelle dieses Baues fanden sich interessante Stücke einstiger Gebrauchsgegenstände einer Handmühle Reiber und Reibstein aus Basaltlava. Dieser Bau negt an der schönsten Stelle der Niederlassung und diente sicher-