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Nr. 274
Donnerstag 21. November 1901
Zweites Blatt.
151. Jahrgang
Erscheint tagNch MU Ausnahme des
Montags.
Die Siebener Familien, blätter iverden dem Anzeiger im Wechsel mit dem »Hess. Landwirt* Und den ^Blättern für hessische Volkskunde*
Viermal wöchentlich bei- gelegt.
Redaktion, Expedition und Druckerei:
Schul st ratze 7.
Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen.
KkrnsprkchanschlußNr.51.
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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
v । KF zeigenteil: HanS Beck.
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Volttische Tagesschau.
Fortschrütliche Ideen in China?
immer wiederkehrenden Meldungen nachdrücklich und ohne Einschränkung für falsch zu erklären. Er habe dies auch dem Präsidenten mitgeteilt, der mit ganz besonderer Genug- thuung davon Kenntnis genommen habe.
Neuerdings taucht übrigens die Frage auf, ob der ,^üh ne Prinz" denn auch echt war? Der „Reichsbote"" verzeichnet, allerdings nur als Kuriosum, eine Mutmaßung, ,chie hier und dort int Kreise gerade von Männern, die in China selbst gelebt haben, und mit Land uni) Leuten vertraut sind, aufgetaucht sein soll, nämlich die fast unglaubliche Annahme, der in Europa eingeführte Prinz Tschun wäre gar nicht der echte Bruder des Kaisers Kwan g sü, sondern ein untergeschobenerDoppel- gänger gewesen. Es sind nach dieser Richtung zwei Punkte ausgefallen, erstens, daß „unfei" Prinz Tschun von dem ihn überall führenden, bezw. bevormundenden neuen chinesischen Gesandten öfters in einer Wecke behandelt worden ist, die mit den fast göttlichen Ehren, dre in China der Bruder des Kaisers als „zweiter Kaiser" — so ist sein offizieller! Titel — genießt, Kontrastierte, und sodann die Hautfarbe des Prinzen, die das gewöhnliche chinesische Bolksgelb war. Während die hohen Mandschus durch ihre Rassenvererbung, den fast stetigen Aufenthalt in geschlossenen Stuben eine viel lichtere, feinere, etwas kränkliche Färbung besitzen Köllen."
Ein so kolossaler Schwindel, der eines komischen Beigeschmacks allerdings nicht ganz entbehrt, wäre den sauberen Herrn Chinesen schon zuzutranen!
Anstand.
Wien, 19. Nov. Die Regierung hat heute im Abgeord- netenhause den Gesetzentwurf betreffend die Reform der landwirtschaftlichen Börsen vorgelegt. Derselbe erweitert den staatlichen Einfluß auf diese Börsen und enthält strenge Bestimmungen gegen die unlegitime Benutzung der Terminhandels-Formen. Das Gebiet der Effektenbörse bleibt unberührt.
Belgrad, 19. Nov. Der frühere Ministerpräsident Vladan Georgewitsch, der seit längerer Zeit in Wien weilt, richtete an die Skuptschina die Bitte, er möge wegen der bekannten Veruntreuung der Dispositionsgelder strafgerichilich zur Verantwortung gezogen werden.
Washington, 18. 9kov. Der deutsche Botschafter Dr. v. Holl eben wurde heute von einem Berichterstatter ausgesucht, dem gegenüber er unter anderem erklärte, der Kaiser habe ihn (den Botschafter) angewiesen, dem Präsidenten Roosevelt Sr. Majestät freundlichste Grüße und besten Wünsche für den Erfolg seiner Regierungs- thättgkeit zu übermitteln. Se. Majestät bewundere aufrichtig den Fortschritt Amerikas und hege die freundlichste und herzlichste Gesinnung für Amerika. Alles Gerede, daß der Kaiser die europäischen Völker zum Kampfe gegen Amerikas Handelswelt zusammenzubringen wünsche, sei natürlich unbegründet, und die Nachricht, Deutschland bemühe sich, in Südcunertta und Weftindien Kohlenstationen oder sonst einen Stützpunkt zu erwerben, sei von feindlich Gesinnten in die Welt gesetzt, die Deutschland nicht gern in zu freundschaftlichen Beziehungen zu den Vereinigten Staaten sehen möchten. Der Botschafter schloß, er sei amtlich .zu der Erklärung ermächtigt, daß Deutschland keine deratige Absicht habe; er wünsche ein für allemal diese
In allen Meldungen, die in letzter Zeit aus China kamen und Regierungshandlungen betrafen, wurde nicht ^Aendltche Kaiser, sondern die Kaiserin-Witwe als Befehl erteilende Persönlichkeit erwähnt. Auch die neueste Pekinger Depesche berichtet von einer wichtigen Ernennung durch die Katserin-Witwe. Der jetzige Gouverneur von Peking, Hu, wird Direktor der Bahnen für den Nordem Hu, so fugt die Depesche hinzu, ist Fremdcnfteund und dem Bahnbau freundlich gesinnt. Also ein besonders fortgeschrittener Chinese. Ueberhaupt scheint die Kultur des Kes^nS mit aller Macht ihren Einzug zu hallen in das Reich der Mitte. Denn der Suhneprinz T s ch u n helleren Angedenkens, bewies in einer Unterredung in der deutschen Botschaft in Peking, chaß seine Reise ihn mit fortschrittlichen Ideen erfüllt hat". Wenn solche Eindrücke nur von Dauer sind! Lr-Hun g-Tschang brachte auch von seiner Fahrt nach Europa eine Menge von Anregungen mit, was ihn Nicht hiiiderte, dabei zu bleiben, daß es in China doch am weisesten eingerichtet sei. Die Ernennungen von fremdenfreund lich-en hohen Beamten durch die Kaiserin-Witwe lassen ebenfalls nicht darauf schließen, daß diese Frau im Exil ihre Anschauungen gründlich revidiert habe. Eine solche Metamorphose ist der Kaiserin am mindesten zuzutrauen nach .den von ihr gegebenen Proben des fanatischen und ingrimmigsten Fremdenhasses. Die Tallik der Kaiserin ist offenbar daraus gerichtet, vor ihrer Rückkehr nach Peking -möglichst normale Beziehungen zu den Mächten herzustellen, um von keiner Seite Anfechtungen zu erfahren, vielmehr übereinstimmend als berechtigte Herrscherin anerkannt zu werden. Der gute Kwangsü tritt dann wieder in die bescheidene Rolle ein, die er vor der Flucht des Hofes aus Peking gespiell hat. Er ist der mit Ehren behandelle Gefangene der Kaiserin, die Marionette, die sich bewegt, wie an den Fäden gezogen wird. Warten wir ab, ob die Kaiserin noch eine sremdenfreundliche 'und Reformen geneigte Gesinnung bethättgt, nachdem sie, mit dem kräftigen Beistand Rußlands, in den anerkannten Besitz der Macht gelangt ist.
Aus Stadt und Sand.
(Der Abdruck der uMer dieser Rubrik befindlichen Original-Nachrichten rst nur unter genauer Quellenangabe: „Gictz. Auz." gestattet.) Gießen, den 20. November 1901.
** Oberhesfische Gesellschaft für Natur» u. Heilkunde. Gestern abend hielt Herr Bergrat Prof. Chelius seinen angekündigten Nottrag über: „Soole, Salz und Mutterlauge von Bad-Nauheim". Zunächst erörterte der Nottragende den Begriff der Mineralquellen und die Frage über den Ursprung der dem Waffer dieser Quellen beigemischten Stoffe, insbesondere des Kochsalzes. Kochsalzlager finden sich hauptsächlich in dem sog. Zechstein und verwandten Formationen. Das Wasser, das auf seinem Wege solche Salzlager trifft, laugt diese aus. Durch Schichtenverwerfung re. infolge plutonischer Einflüffe erklärt es sich, daß derartiges Wasser unter Umständen weit von dem Ursprungsorte des Salzes in Formationen zu Tage tritt, die kein Salze führen, wie es in Nauheim der Fall ist, wo die Quellen in Kalkstein eingebettet sind. Genauer ging der Vottragende dann auf den Prozeß der Salzgewinnung in Nauheim ein. Non dem Sprudel aus wlld das Wasser in Röhren zu den Gradierwerken geleitet. Auf dem Wege dahin scheidet sich Kalk in großen Mettgen als sog. Gttes ab, eine sehr unangenehme Beigabe, weil dadurch kostspielige Neubauten von Röhrenleitungen jedes Jahr veranlaßt werden. Auch am Quellrande" scheidet sich dieser Gttes ab und bildet so eine natürliche Quellfassung. Zwölf Gradierwerke passiert das Wasser, bevor es in die Siedebassins gelangt. Der Zweck der Gradierwerke ist, das Wasser von seinen Beimengungen von Kalk und Kohlensäure zu befreien und die Lösung konzenllietter zu machen. In den Siedebassins wird nun die Salzsoole bis zur Sättigung ein» gedampft, und dann läßt man das Kochsalz auskrystallisieren. Indem man immer weiter abdampft und auskrystallisieren läßt, erhält man schließlich eine Soole, aus der nichts mehr auskrystallisiett, die sog. Mutterlauge. Das Salz, das durch die ersten Eindampfungen gewonnen wird, giebt das Speise - salz ab. Es besteht aus fast einem Kochsalz mit nur wenig Beimengungen anderer Salze. Durch die melieren Prozesse erhält man dann das sog. Viehsalz, die Badesalze und schließlich die Mutterlauge. Die dunkle Farbe des Nauheimer Speisesalzes ist durch ganz minimale Mengen organischer Beimengungen veranlaßt, die das Wasser auf seiner Wanderung ausgenommen hat. Die Beimengung von anderen Salzen ist die Ursache, weshalb das Nauheimer Salz viel leichter löslich und wohlschmeckender ist als ganz reines Chlornatrium, z. B. Staßfurter Salz. Die sog. Badesalze und die Mutterlauge werden zu künstlichen Salzbädern verwendet. Die Salzquellen waren schon den Römern bekannt, wie aus Anlagen von Salzpfannen hervorgeht, die in Nauheim gefunden wurden. Der Vottrag wurde aufs Trefflichste durch die zahlreich herumgereichten Proben aus den Nauheimer Salinen erläutert.
** Karl Buff, der am 4. Dezember, wie wir gestern mitteilten, in Gemeinschaft mit Richard S.trauß und der Geigenkünstlerin Hedwig Strache im großen Saale des Gesellschaftsvereins ein Konzert veranstalten wird, ist vom türkischen Sultan der Medjtdiorden dritter Klasse und die Silberne Medaille für Kunst verliehen worden. 2er Groß- herzog hat dem Künstler di-e Erlaubnis zum Tragen der Orden erteilt.
** Ein kräftiger Burenjunge erblickte in der Neuen Klinik das Licht der Welt. Er ist der Sohn eines aus Johannesburg stammenden, sich gegenwärtig hier aufhaltenden Kaufmanns Namens Kumbruch.
A Watzenborn, 19. Nov. Am Sonntag ist unser uraltes Kirchlein, das im Verlauf des letzten Vierteljahres im Innern einer gründlichen Restaurierung unterzogen wurde, durch einen feierlichen Gottesdienst seiner Bestimmung wieder- zurückgegeben worden. Der Festpredigt des Ortsgeistlichen lag das Schttftwort Luk. 19, 46: „Mein Haus ist ein Bethaus" zu Grunde, worin er das Gotteshaus als eine Stätte des Friedens und des Segens pries und die zahlreich versammelte Gemeinde mahnte, dessen allezeit dankbar eingedenk zu bleiben und das in neuem, schönen Schmuck prangende Haus des Herrn lieb und wett zu halten. Erhöht wurde die Feier durch zwei in den Rahmen des Gottesdienstes eingefügte, gut eingeübte und wirkungsvoll zu Gehör gebrachte mehrstimmige Kinderchöre unter der bewährten Leitung des Lehrers Köhler. Mit Freuden tonnten wir hier wieder sehen, zu welch' vottrefflichen Leistungen man es auch mit einfachen ländlichen Stimmmitteln bringen kann, wenn es vor allem dem Dirigenten an Verständnis, Liebe und Eifer für diese schöne Sache nicht mangelt. — Die Renooierungs- arbeiten wurden unter der Leitung des Bezirksbauaufsehers Rohrer-Gießen, des hiesigen Kirchenvorstandes und seines rührigen Vorsitzenden ausgeführt. Den Löwenanteil der Arbeiten hatte Weißbindermeister Heinttch Weiß II. von hier übernommen, der die ihm gestellte Aufgabe mit seltenem Geschick und zur vollsten Zufriedenheit gelöst hat. In einfachen, milden, fein abgetönten, wirkungsvollen Farben sind Decke, Wände, Emporen und die Malereien der ersteren gehalten. Man ist allgemein der Ansicht, daß sich Meister Weiß mit der gelungenen Vollendung dieser Arbeit cm schönes
Deutsches Keich.
Berlin, 19. Nov. Der Kais er wohnte in Begleittrng des Staatssekretärs v. Tirpitz, des Chefs des Marinekabi- netts v. Senden-Bibran und des Vorstehers! der Konstruktionsabteilung des Reichsmarineamtes Kapitän Eickstedt auch der heutigen Sitzung der schiffsbautechnischen Gesellschaft in der TechnischM Hochschule Charlotten^ bürg bei und hörte die Vorträge des Professors Ernst von Halle über die volkswirtschaftliche Bedeutung des Schiffsbaues in Deutschland und den anderen Hauptländern sowie des Marineoberbaurates Tjard Schwarz über die Entwicklung des amerikanischen Schiffsbaues im letzten Jahrzehnt an. Anschließend an den zweiten Vortrag führte Werftbesitzer Meyer-Papenburg aus, Wersten sollten nicht ins Unendliche gebaut werden, die bestehenden vielmehr in Vollkommenheit ausgebaut werden. Dafür aber sei ein Teil des Jahresgewinnes für Heranziehung eines gebildeten Arbeiterstandes in der Schiffsbauindustrie zu verwenden. Sei dies erreicht, dann könne man dem ausländischen Wettbetverb, insbesondere auch dem amerikanischen Gespenst ruhig in die Augen sehen. Wir werden dann Sieger bleiben. Die Ausführungen wurden lebhaft applaudiert. Auch der Kaiser bekundete Beifall. Zum Schlüsse dantte der Vorsitzende Professor Busley den beiden Vortragenden, namentlich aber dankt er dem Staatssekretär v. Tirpitz, auf dessen Anregung die Kommission zur Untersuchung der Lage des Schiffsbaues eingesetzt worden sei. Unter den Hochrufen der Anwesenden verließ der Kaiser die Versammlung.
— Tie gestrige Rede des Kaisers in der schiffs- bautechnischen Gesellschaft erregt in der englischen Hauptstadt lebhafte Aufmertsamkeit. Sämtliche hervorragenden Blätter geben ihrer Llnerkennung und Bewunderung der vom Kaiser entwickelten Sachkenntnis Ausdruck. „Daily Tel." sagt, der ganze Charlottenburger Zwischenfall ist bemerkenswert, da er unsere Kenntnis von dem begabten und entschlossenen Manne bereichert, dessen Hände auf dem Haupt-Ventil jener mächtigen Maschine ruhen, die das Vereinigte Deutsche Reich darstellt.
— Ter „Nordd. Allg. Ztg." zufolge ist als Nachfolger des zum Botschafter in London ausersehenen bisherigen Gesandten in Hamburg Graf Wolff Metternich der bisherige Gesandte in Luxemburg v. Tschirschky und als Nachfolger des letzteren der bisherige erste Sekretär bei der Botschaft in St. Petersburg, Legationsrat Gras von Pückler bestimmt.
— Wie erzählt wird, hat bei dem gestrigen Diner bei dem Reichskanzler Grafen Bülow die Unterhaltung des Kaisers mit dem Rektor der Berliner Universität Kekule v. Stradonitz und den Professoren Harnack und Schmvller hauptsächlich die Bewegung betroffen, die in den Kreisen der Universitätshörer durch den Fall Spahn und die Protest-Kundgebung Mommsens entstanden ist.
— Wie die „B. N. N." aus parlamentarischen Kreisen vernehmen, beabsichtigt der Reichskanzler Graf Bülow die Mitglieder des Reichstages alsbald nach seinem Zusammentritt zu einem parlamentarischen Abend im Reichstagshause einzuladen.
— Das Gerücht, daß der Transvaal-Gesandte Dr. Leyds von der deutschen Regierung ausge- fordert worden sei, seinen Berliner Aufenthalt nicht länger aus zu dehnen, als unbedingt erforderlich sei, ist erfunden.
— Ter Kaiser verlieh dem Gesandten z. D. Kjrauel, dem Gesandten am griechischen Hofe Grafen P l e s s e n und dem Gesandten am portugiesischen Hofe Grafen Tatten- b a ch den Charatter als Wirkt. Geh. Rat mit dem Prädikate Exzellenz. Dem zweiten Sekretär bei der kaiserlichen W)t- schaft in London Grafen Hermann Hatzfeld wurde der Charakter als Legationsrat verliehen.
— Die „Berl. Korr." veröffentlicht einen Artikel über die sogenannte „Verschlechterung"" der Handels- bilanzDeutschlands seit den 80er Jahren, die darauf aufmerksam macht, daß bei der Verwertung der handels- statisttschen Ziffern die Verschiebungen der Handelsstatistik selbst ungenügend beachtet werden. Er weist namentlich nach, daß die sprunghafte „Verschlechterung"" von 1889 um rund 768 Millionen wesenllich nicht auf wirtschaftliche, sondern auf statistische Verschiebungen infolge des 1889 erfolgten Zollanschlusses von Hamburg, Bremen 2c. zurückzuführen sei. Die Ziffern vor 1889 sind als zu niedrig anzusehen. Die Feststellung dieses Sachverhalts sei nötig, um unrichtigen Schlüssen aus den Handelsstattstischen Zahlen bei den Zolltarif-Debatten vorzubeugen. Was man bisher als Folge der Schutzzollpolitik von 1879 andererseits als Folge, der Tarifverträge barftellt, erkläre sich beides zum guten Teile, aus der durch den Zollanschluß bewirkten Anpassung, der handelsstattsttschen Zahlen an dem natürlichen wirtschaftlichen Verhältnisse des Reichs.
Dresden, 19. Nov. Das Stadtverordneten-' Kollegium nahm heute einstimmig eine scharfe Protest- Kundgebung gegen Chamberlain an.
München, 19. Nov. Die Kammer der Abgeordneten beendete heute die Debatte über die allgemeine Finanzlage. Nachdem Prieger (fr. V.) und Diehl (liberal) gesprochen, führte Finanzminifter Frhr. v. Riedel aus, er sei Gegner einer allgemeinen diretten Reichsein- fio mm en ft euer, well er wünsche, daß die finanziellen Verhältnisse der Einzelstaaten von diesen unbeschränkt selbst bestimmt werden. Eine Reichsfinanzreform müsse den Grundsatz festlegen, daß die Mgtri kularb eiträg e niemals die Ueber- weisungen übersteigen dürfen. Beim Etat des Ministeriums des Aeußern verteidigte Staatsminister Graf v. Crailsheim die Notwendigkell der Beibehaltung der bayerischen Gesandtschaften. Abg. v. Bolllnar beantragte Ablehnung der 100000 Mark, welche der Staat für die Hofhaltung des Prinzregenten, zahlt. Dieser Anttag wird vom Finanzminister Frhrn. von Riedel energisch bekämpft und vom Hause ab gelehnt.


