britischen Truppen wurden nach heftigem Gefechte überwältigt und verloren ihre Geschütze. 2 Offiziere und 14 Mann find tobt, 5 Offiziere, 25 Mann verwundet, 5 Offiziere und 150 Mann wurden gefangen genommen. Major Gough und ein anderer Offizier entkamen unter dem Schutze der Nacht nach Dejagersdrift. Es heißt, die Bureu waren 1000 Mann stark unter Botha. Ich bin im Begriffe, General Littleton Verstärkungen zu schicken.
Ferner meldet Kit ch en er: wie French berichtet, überfiel der Burenführer Smuts, um die ihn einschließendcn englischen Truppenabteilungen zu durchbrechen, bei Elandsriver- poort westlich von Tarkastad eine Schwadron Lancers. 3 Offiziere, 20 Mann sind gefallen, 1 Offizier, 30 Mann ver- wunoet. Die Bureu, die in Khaki gekleidet waren, erlitten schwere Verluste.
London, 19. Sept. DaA Kriegsamt veröffentlicht die Zeugenaussagen, welche von britischen Soldaten unter Eid abgegeben wurden, über die von den Buren verübte Nieder metzelung von bei Doornriver am 27. Juli verwundeten Soldaten, und von Soldaten, die am 6. Juni bei Graspcm sich ergaben und von bei Vlakfontein am 29. Mai verwundeten Soldaten. Kitchener schrieb am 20. August dem General Prinslov, und zollte ihm für die Behandlung der Verwundeten und Gefangenen Anerkennung und fügte hinzu, diese Behandlung weiche von derjenigen ab, die den britb- . scheu Soldaten letzthin seitens der durchs den langen Krieg demoralisierten Buren zu Teil wurde. Kitchener fügte diesen 'Brief den obigen Zeugenaussagen bei.
I Durban, 18. Sept. Da man einen Einfall in Natal , erwartet, hat der Gouverneur Befehle erlassen, durch 'welche die Natal-Feld-Artillerie, die Natal-Karabiniers, die ' berittenen Natal-Shützen, die berittenen Grenz-Schützen und die berittenen Umvoti-Schützen einberufen werden. Zweitausend gefangene Buren befinden sich hier. Ein Teil davon soll nach Indien verschifft werden; über den Beshimm- ^ungsort der übrigen ist noch nichts verfügt.
I Deutsches Reich.
Berlin, 19. Sept. Der Kaiser hat gelegentlich der Flotten-Manöver dem Staatssekretär des Reichs-Marine- ,Anrts, Vize-Admiral v. TirPitz, den Stern der Komthure des Königlichen Hausordens von Hohenzollern verliehen. / — Der „Reichsanzeiger"" meldet folgende Ordensaus
zeichnungen. W erhielten den Stern zum Roten Adlerorden 'zweiter Klasse mit Eichenlaub- und Schwertern und Krone .Generaladjutant Scholl, den Roten Adlerorden zweiter ,Klasse mit Eichenlaub und Krone Generalmajor Löwen- selo, den Roten Wlevorden zweiter Klasse mit Eichenlaub ,imb Schwertern Generalmajor Dö mmin g, den Roten Adlerorden zweiter Klasse mit Eichenlaub Generalmajor Gotzler, den Kronenorden erster Klasse Generaladjutant D. Kessel, Generaladjutant Deines, den Stern zum Kronenorden zweiter Klasse Generalmajor Moltke, Gene- raladjutant und Chef des Militärkabenetts v. Hülsen- Häse l er und der Kommandeur des Kadettenkorps Gene- rcckmajvr v. Seckendorfs.
— In der beute abeno beendeten zweitägigen Konferenz im Aogeordnetenhause betreffend Abänderung einiger Bestimmungen des Börsengesetzes, ist es erfreulicherweise im Anschluß an die vom Börsenausschuß einstimmig gefaßten Beschlüsse wiederum zu übereinstimmenden Meinungsäußerungen über einzelne wichtige Punkte gekommen. Es ist davon abgesehen worden, die Ergebnis^ der Verhandlung durchs Abstimmung zu fixieren. Dagegen ist eine Kommission eingesetzt worden, die den Versuch machen soll, die Ergebnisse der Verhandlungen in einer Weise zusammenzufassen, daß darin die Grundlage für ♦ gesetzgeberische Änderungsvorschläge gefunden werden können. Tie Kommission besteht aus dem Wirkl. Geh. Ob.- Reg.-Rat a. D- Gamp, Justizrat Ri eße r, Geschäftsinhaber der Tiskonto-Gesellschaft Tr. Salomon sohn, Reichsgerichtsrat Tr. Sv ahn und Jusftzrat Dr. Staub-
— Heute mittag fano in der amerikanischen Kirchs eine Drauerfeier für McKinley shatt. Anwesend waren die zur Zeit in Berlin weilenden Minister und Botschafter, sowie das Botschaftspersonal. Der Kaiser hatte den Prinzen zu Solms-Baruth mit seiner Vertretung betraut. Außerdem war befohlen, daß heute sämtliche Schisse der Marine die Flagge halbmast führen. In Vertretung des Reichskanzlers war Geheimrat Günther erschienen. Tie Feier begann mit Chopins Trauermarsch. Nach Gebet und Gesang hielt Reverend Dickie die Gedächtnisrede und führte aus, alle Welt verabscheue das furchtbare Verbrechen, trotzdem solle man nicht dem Vergeltungsgefühl nachgeben, da dies nicht im Geiste des Ermordeten liege. Alsdann sprach er das Gefühl der tiefsten Sympathie für die Witwe und das Land aus unb feierte endlich die Staatskunst, Rechtschaffenheit und das Christentum des Toten. Tickie schloß mit einem Hinweis aus Roosevelt, von dem man oas Beste zu erwarten habe. Gesang und Segen beendigte die Feier.
Königsberg, 19. Sept. Der -Oberpräsident der Provinz Ostpreußen, Freiherr v. Richthofen, veröffentlicht nachf- stehendes, ihm zugegangenes Handschreiben Seiner Majestät des Kaisers:
„Es war mir eine wahre Herzensfteude, daß mich, die Manöver in diesem Jubeljahre des preußischen Königtums in meine getreue Provinz Ostpreußen geführt haben. Der herzliche, patriotische Empfang, der mir und der Kaiserin und Königin, meiner Gemahlin, von Seiten der Provinz wie tun meiner Haupt- und Residenzstadt Königsberg bereitet worden ist, hat uns überaus wohlthuend berührt. Ich darf darin den beredten Ausdruck jener bewährten Treue erblicken, mit der die Provinz allezeit zu meinem Hause gestanden hat, und nehme gern Veranlassung, hierfür unseren warm empfundenen Tank auszusprechen. Indem ich Sie beauftrage, dies zur Kenntnis der Provinz zu bringen, füge ich! zugleich den Ausdruck meiner lebhaften Genugthuung und dankenden Anerkennung hinzu für die vortreffliche Aufnahme, welche die Truppen trotz der gesteigerten Einquartierungslast in allen Kreisen und Ortschaften gefunden haben. Danzig, an Bord M. Y. „Hohenzollern", 19. September* 1901. Wilhelm R.
Dirschau, 19. Sept. Bei dem heutigenn Manöder beabsichtigte das blaue Korps, den Feind anzugreifen; es war verstärkt durch die 10. Infanterie-Division. Das rote Korps wollte links umfassend angreifen. Der Kampf entwickelte sich zeitig auf der ganzen Linie. Das rote Korps ?ach Süden zurückgedrängt, nachdem sein rechter Flügel durch die blaue, 41. Infanterie-Division, und durch das unterhalb ^.rrschau gelandete Landungskorps des Geschwaders unter Seiner Königlichen Hoheit dem Prinzen Heinrich geworfen war. Der Kaiser wohnte dem Manöver bei.
Elbing, 19. Sept. Die Kaiserin traf aus dem Manövergelande zwischen Preußisch-Stargard von Dirschau kommend um dreiviertel 3 Uhr hier ein und reiste sofort nach (Sabinen weiter.
Bremerhaven, 18. Sept. Der Stab der 1. Jnf.-Brigade, das 1. Bataillon des 2. Ostasiatischen Regiments, die 4. Feldartillerie - Batterie, die Munitionskolonne, die Pionierkompagnie, Sanitätskompagnie und die Feldbäckerei, im ganzen 46 Offiziere und 2050 Mann, darunter 150 Rekonvaleszenten, ind mit dem Hamburger Postdampfer „Batavia" hier ein- getroffeu.
Stuttgart, 19. Sept. In der englischen Kirche fand zum Gedächtnis Mac Kinleys ein Trauergottesdienst ’tatt. Der zahlreich! besuchten Feier wohnten Ministerpräsident Breitling und die Vertreter sämtlicher Gesandtschaften ;ei. Die Trauerpredigt hielt Pfarrer Whitefoord.
Ausland.
Belgrad, 19. Sept. Bei Jvanica drang gestern, wie amtlich! gemeldet wird, abermals eine Schar Türken in räuberischer Absicht auf serbisches Gebiet. Die serbische Grenzwache gab Feuer und zwang die Türken mit Hinterlassung von zwei Toten zur Flucht über die Grenze.
Cadix, 19. Sept. Das spanische Kriegsschiff „Numancia" ist gestern nach Tanger in See gegangen. Der Kommandant hat von den rhm übergebenen versiegelten Be- ehlen erst auf hoher See Kenntnis zu nehmen. Zwei andere Schiffe werden der „Numancia"" folgen.
Petersburg, 19. Sept. Man macht hier kein Geheimnis mehr daraus, daß die Reise des Zaren nach Frankreich mit der Aufnahme eines großen Anlehens zusammenhängt. Man hat sich in Frankreich den russischen Wünschen sehr entgegenkommend gezeigt. Tas Anlehen soll aber verschiedener Gründe wegen, nicht sofort, sondern erst nach etwa 3 Monaten realisiert werden. Dies geschieht hauptsächlich wohl deswegen, weil das im Mai abgeschlossene Eisenbahnanlehen noch nicht plaziert sein soll. Vom Betrage, den Rußland nun erhält (angeblich eine Millarde Franken), wird ein großer Teil wiederum zu Eisenbahnbauten verwandt werden. Tie Petersburg-Wjatka-Bahn, Bahnen in Polen, werden genannt. Auch auf die Mandschurische Bahn dürften ansehnliche Summen entfallen.
London, 19. Sept. Tem „Neuterschen Bureau" wird aus Curacao unter dem heutigen Tatum gemeldet: Die columbischenTruppen haben den von Echeverria geführten columbischen Aufständischen und venezolanischen Kontingenten bei Rro Hatza eine schwere Niederlage beigebracht. Echeverria ist gefangen genommen pnd wrrd vielleicht erschossen werden.
New-York, 19. Sept. Ein Telegramm aus Willemstad besagt, der holländische Kreuzer „Sam- melsdijk"" mit einer Anzahl holländischer Flüchtlinge ist eingetroffen. Er ging am Abend des 16. Sept, aus Lahachg ab. Tie Flüchtlinge bestätigen, daß in den Kämpfen am 13. und 14. Sept, in den Vorstädten von Lahacha mit den kolumbischen Liberalen und venezolanischen Truppen General Echeverria, der die venezolanischen Karronenboote an der Küste befehligte, und einige Tage vor den Kämpfen gelandet war, gefangen genommen wurde. Tavilla ist mit einen tausend Venezolanern von der Halbinsel Guajira nach Venezuela zurückgekehrt. Die Kanonenboote haben La- hacha nicht beschossen.
Lion von, 19. Sept. Nach! einer Meldung des „Expreß"" aus New-Dork soll der VätervonCzolgosz schon ein Mörder gewesen fein. Ein gewisser Heinrich! Molitor, angeblich ein natürlicher Sohn eines früheren Königs von Württemberg, der wegen Verkaufs deutscher Festuntzsplänei üach Amerika entflohen sei, fyabfe in Milch i g a n ein Bauholzgeschäft gegründet und eine Ansiedelung von Deutschen und Polen geschaffen. Molitor habe diese Ansiedelung „wie ein König regiert"". Eine Anzahl Ansiedler habe sich gegen ihn verschworen und in einem Komitee von 12 Leuten, unter denen sich auch Czolgosz' Vater befand, sei beschossen worden, Molitor zu töten. Dieser sei denn auch im Jahre 1876 erschossen worden. Fünf schuldige Personen wurden zu lebenslänglichem Gefängnis verurteilt, während Czolgosz straffrei blieb, weil er als Staatszeuge fungiert hatte.
Can ton (Ohio), 19. Sept. Frau Mac Kinley ist so krank, daß sie dem heutigen Leichenbegängnis des Präsidenten Mac Kinley nicht beiwohnen kann. Präsident Roosevelt wird heute abend nach, Washington abreisen.
N e w - Y o r k, 19. Sept. Das Vermögen MacKin - leys wird auf 70000 Doll, geschätzt, wovon zum mindesten 50 000 Doll, in Bar sich in Banken zu Washington und (Santon befinden. Dazu kommen noch 30 000 bis 50000 Toll. Lebensversicherungen. Alles erbt Frau Mac Kinley. Der verstorbene Präsident soll wiederholt Anerbietungen, sein Vermögen durch Spekulationen zu vermehren, abgelehnt haben.
Aus Stadt und Zand.
Nachrichten von allgemeinem Interesse sind uns stets willkommen und werden angemessen honoriert.
Gießen, 20. September 1901.
** Für unsere Postabonnenten. Um eine Unterbrechung in der regelmäßigen Zustellung unserer Zeitung zu vermeiden, machen wir unsere geehrten Postabonnenten daran aufmerksam, daß die Briefträger amtlich angewiesen sind, zur Erneuerung des Abonnements die Quittung über den Abonnementsbetrag (2 Mk.) für das 4. Quartal bis zum 25. September zu präsentieren, während nach dem 25. September die Erneuerung des Avonnements direkt am Schalter des Revierpostamts geschehen muß.
** Zugverspätuug. Eine unliebsame Verspätung erlitt gestern abend der 7 Uhr 26 Min. in Gießen fällige Personenzug Gelnhausen-Gießen. Infolge einer Senkung des Eisenbahndammes zwischen Lich und Garbenteich, die auf eine Erdrutschung zurückzuführen ist, mußte in der Rahe der Brücke auf dem Wege nach Kloster Arnsburg der Zug anhallen. Sämtliche Fahrgäste mußten in den etwa 4 Minuten entfern stehenden Zug umsteigen, der mit fast einstündiger Verspätung in Gießen anlangte.
** Silberhochzeit. Wie wir hören, feiert Bäckermeister Klingelhöff er morgen das Fest der silbernen Hochzeit.
*• Des bewiesenen Vertrauens unwürdig hat sich die Gouvernante einer hiesigen Herrschaft gezeigt, die während ihres kurzen Aufenthalts in der Familie dieser die mannigfachsten Dinge gestohlen hat. Sie wurde deshalb entlassen. Bei der Durchsicht ihrer Effekten fand man verschiedene kleinere gestohlene Gegenstände, dann aber auch ent
wendete Kleidungsstücke, goldene Ringe und Broschen. Die Diebin wurde verhaftet.
** Heiteres und Ernstes aus dem Manöver. Wie sehr die Milittchpferde durch das anhaltend nasse Wetter und durch die Strapazen bei den schlechten Feldwegen gelitten haben, mag daraus hervorgehen, daß ein Pferd von zwei in Birkenau einquartierten Batterien dem Wasenmeister übergeben werden mußte, während ein zweites als völlig untauglich noch Darmstadt per Bahn transportiert wurde, und verschiedene andere der Schonung bedürfen und deswegen vorläufig „außer Dienst"" gesetzt wurden. — Als am Montag früh in Birkenau die Einquar- tierung wieder abzog, mußte eine Kanone zurückgelassen' werden, da zur festgesetzten Zeit weder Geschütziühver, noch Fahrer und Zugpferde zur Stelle waren. Tie jungen Leute des verwaisten Geschützes hatten sich nämlich an einem Balle, der von dem dortigen Turnverein an dem vorhergehenden Abende arrangiert war, beteiligt und infolge der pät angetretenen Nachtruhe am andern Vtorgen verschlafen. Der Turnerball wird für die betreffenden Artilleristen wahrscheinlich einen doppelten Katzenjammer zur Folbe haben. — Als weiteres Kuriosum erzählt man sich: Ern Artillerist suchte am Morgen der Abreise sein Pferd, und als er verschiedentlich die Frage gestellt, wo die „Frieda"" ei, antwortete ein Birkenauer, dessen Tochter zufällig „Frieda"" hieß: „Frieda liegt noch! im Bett." — Von der Verpflegung der Mannschaften in den Quartieren hort man von fast allen Ortschaften des Odenwaldes nur eine Stimme des Lobes; der biedere Odenwälder läßt es sich nun einmal nicht nehmen, „feinen Mann"" ober „feine Leute"" gut zu verpflegen und es auch an dem nötigen „Naß" nicht fehlen zu lassen. Daß es auch vereinzelte Ausnahmen geben mag, thut wohl dem Ganzen keinen Abtrag.
8. Die 13. Versammlung des Forstvereius für das Groß- Herzogtum Heffeu wurde gestern Abend im „Burgbräu"" zu Darmstadt eröffnet. Es hatte sich schon eine stattliche Teilnehmerzahl eingefunden. Die Verhandlungen versprachen sehr interessant zu werden. Es sind drei Tage dafür vorgesehen. Morgen Freitag sindet große Wagenfahrt in die Oberförstereien Bessungen und Darmstadt nebst einfachem Waldfrühstück statt. Am Samstag beginnen die Verhandlungen über das Thema: Die Bewirtschaftung der Waldungen in Rücksicht auf landwirtschaftliche Schönheit, sowie Erfahrungen über das Verhalten der Eiche gegen Licht und Schatten.
** Diebstahl. Vor einigen Tagen wurden in einer Hof- raithe der Grünberg erstraße ein Hundemaulkorb und eine Kartätsche entwendet. Der Verdacht, den Diebstahl ausgeführt zu haben, lenkte sich auf einen jungen Burschen, der morgens das Haus mit Brödchen versorgt. Heute morgen wurde nun wieder eine Bürste auf die betreffende Stelle gelegt, die denn auch, als der junge Mensch die Hoftaithe verlassen hatte, verschwunden war. Man eilte ihm nach, und ein Schuhmann beförderte die Bürste aus der Tasche des Burschen zu Tage. Dieser gestand auch die Kartätsche seiner Zett mitgenommen zu haben.
□ Eckartsborn b. Ortenberg, 19. Sept. Ein hiesiger 16jähriger Junge fuhr heute Mittag, als der Zug von Gedern —Stockheim die Staatsstraße berührte, einen Wagen mit Grummet heim. Als die Kühe den hinterher kommenden Zug hörten (die Bahn geht eine lange Strecke auf der nicht breiten Chaussee), wurden sie scheu und gingen durch. Bald sauste der Wagen die Böschung hinab, wurde aber im Fallen von einem Gartenzaun gehalten, sodaß der Wagen nicht ganz umsiel. Der Bursche wurde zu Boden gedrückt und an der Schulter vom Hinterrade gefaßt. Schwer verletzt zogen ihn Leute, die vom Lokomotivführer nach der Unglücksstätte beordert wurden, unter dem Wagen hervor. Er hat den Arm, soweit man feststellen konnte, gebrochen und ist auch an der Schulter schwer verletzt. Aerztliche Hilfe wurde alsbald von dem nahen Ortenberg geholt.
8. Darmstadt, 19. Sept. Der erste Finanz-Ausschuß der Zweiten Kammer der Stände ist heute zusammengetteten und hat eine Anzahl wichtiger spruchreifer Fragen erledigt. Voraussichtlich werden in den nächsten Tagen auch die weiteren Ausschüsse Sitzungen abhalten.
§ Hochheim, 19. Sept. Für die neue Bahnlinie Mainz —Wiesbaden—Bischofsheim sind jetzt auch für die Teilskecke Kastel—Hochheim die Pläne hier angelangt und liegen bei der hiesigen Bürgermeisterei auf. Die neue Bahnlinie läuft nach den Plänen oberhalb Kostheim neben der Linie Kastel- Frankfurt fast bis zur hiesigen Station links her, überschreitet alsdann in einer Ueberführung die Linie Kastel—Frankfurt und läuft in einer kleinen Kurve auf einem hohen Damm direkt nach dem Main zu. Durch den vorgesehenen hohen Damm, der die Auffahrt auf die Brücke vermittelt, wird eine große Geländefläche der hiesigen Gemarkung von dem Main abgeschlossen, weshalb es jedenfalls an Einwänden gegen das Projekt nicht fehlen wird.
hs Mainz, 19.Sept. Bei einer Schläg erei in Heides» h eim am vergangenen Sonntag Abend wurden drei Personen schwer verletzt, darunter eine tätlich. Es fanden Verhaftungen statt.
k. Mainz, 19. Sept- Da es hier in der letzten Zeit außergewöhnlich häufig vorgekommen ist, daß Strafanzeigen von Schutzleuten nachträglich zu gerichtlichen Freisprechungen geführt haben, so ist der Schutzmannschaft mitgeteilt worden, daß die Staatsanwaltschaft in Zukunft bei Verhandlung von Einsprüchen gegen Strafbefehle, die ihre Entstehung Anzeigen von Schutzleuten verdanken, dann Antrag auf Verurteilung der Schutzleute in die dem Staate entstandenen Kosten beantragen werde, wenn die Anzeigen als ohne genügende Begründung erhoben sich Herausstellen. — Tem hochverdienten Präsidenten des Mainzer Gartenbauvereins, Herrn Racke, dem neben dem städtischen Garten- baudirektor Sck)räder das größte Verdienst um das Gelingen der gegenwärtigen Gartenbauausstellung zugeschrieben werden muh, war der Titel Kommerzienrat zugedacht, doch hat er, allen Titeln abhold, die geplante (Ehrung ab gelehnt, was zur natürlichen Folge hat, daß auch bie übrigen, die sich um die Ausstellung verdient gemacht haben, an Auszeichnungen leer ausgehen müssen. _ t ~
Mainz, 19. Sept. Eine ältere, alleinstehende Frau, die als nächsten Erbberechtigten einen Neffen besitzt, den sie aber seines Leichtsinns wegen enterben wollte, setzte ein eigenhändiges Testament auf, dem sie ine Jahreszahl 1901 hinzuzufügen vergaß. Zu Erben hatte sie darin wettläufige Verwandte eingesetzt. Das Gericht hat jetzt dieses Testament wegen des Fehlens der Jahreszahl für ungiftig erklärt, und nun erhält der Neffe doch das Erbe.


