Ausgabe 
21.9.1901 Erstes Blatt
 
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Möglich gemacht, und so waren die letzteren auch außer stände, dem Mordplane Brescis vorzubeugett. V ö l l i g un- erhört aber war das Verhalten der nordameri- kaui scheu Polizei nach der Errnordung des Königs Humbert. Während es mit den Händen zu greisen war, daß die Äubs in Paterson die Geldmittel für die Entsend­ung des Bresei g^ammelt, und die Mordthat von langer Hand vorbereitet hatten, führten die amerikanischen Po- uzeibeamten, welche die Mitschuld der Klubs feststellen sollten, diese Untersuchung mit einer fast unbegreiflichen Oberflächlichkeit, und erstatteten auf dieeidlichen" Aus­sagen mehrerer Anarchistenhäuptlinge hin einen Bericht, woncah irgend welche Anhaltspunkte für die Mit­schuld anderer an oem Verbrechen Brescis nicht hüttkn festgestellt werden können. Die Folge davon war, daß offenbar aus denselben mit so sträflicher Nachsicht behandelten Anarchistenklubs nun auch die Anstifter und Dollführer des Mordes Mac Kinleys hervorgingen.

Der Berliner Milchkrieg.

Aus Berlin, 18. September, wird uns geschrieben: DerMilchkrieg", der nunmehr über Berlin rind Um­gegend erklärt ist, hat auch außerhalb der Reichshaupt- stMt aus Beachtung Anspruch Es handelt sich da näm­lich um eine sehr interessante Probe auf die Kraft und ,die Ausdauer landwirtschaftlichen Genossenschaftswesens. DerMilchkrieg" richtet sich nicht, wenigstens nicht un­mittelbar, gegen die Bevölkerung, die dies Getränkder "frommen Denkart"' genießt, sondern gegen die Milch- Händler. Auf den ersten Blick erscheint die Streitursache nicht sehr erheblich: die Milchwirte verlangen von den Wiederverkäufern 13 einhalb Pfennig pro Liter Milch frei Berlin, während die Wiederverkäufer nur? 12 einhalb Pfennig bewilligen wollen. Bei den mehreren hunderttausend Litern Tagesbedarf gn Milch spielt aber natürlich die Differenz von einem Pfennig eine Rolle. Eine Einigung kam nicht zu stände. Milchpächter und Milchhändler verpflichteten sich bei hoher Konventionalstrafe, keinesfalls mehr als 12 ein- hcllb Pfennig zu bewilligen. Die märkischen Milchwirte thaten ' sich ihrerseits zu einer gewaltigen Milchverwert- ^ungsgenvssenschaft zusammen, um mit vereinten Kräften ^entweder die Händlerkleinzukriegen", oder selbst die Ber­gwertung der Milch durch direkten Verkauf an das Publi­kum ins Werk zu setzen. Die Parole der Milchwirte ist zu dem ersteren Zweck: Kein Tropfen Milch darf an die widerspänsftgen Händler geliefert werden; dagegen nimmt 'dieMilch-Zentrale", die eine große Molkerei gebaut hat, zur Verarbeitung der nicht frisch verwertbaren Milch, den !Milchproduzenten die Produktion bis wm 15. Oktober d. I. ab. Die Zentrale kann sowohl an die Händler (die den geforderten Preis bewilligen) wie an das Publikum ver- kaufen. Tie Reichshauptstadt wird also keineswegser­barmungslos dein Milchmangel überantwortet". Sollten nun die Händler bis zum 15. Oktober nicht Frieden schließen wollen, so hat die Milchzentrale Vorkehrungen getroffen, den Zwischenhandel auszuschalten, indem allein in Berlin Nicht weniger wie dreihunoert Läden von der Zentrale gemietet, und Milch und Milchprodukte unmittelbar an das Publikum verkauft werden.

Ohne Frage würde die letztere Maßregel einen harten Schlag für den Milchhandel bedeuten. Denn das ist nicht zu leugnen, daß gerade auf diesem wichtigen Gebiet der Lebensmittelversorgung in der Gvoßstaot vielfach arge Zustände herrschen. Eine wiederholt in allen Milchläden Berlins angestellte Probe auf die Reinheit der Milch usw. soll, wie in der gestrigen Versammlung der Milchprv- Mzenten mitgeteilt wurde, zum Teilskandalöse Ergebnisse" gehabt haben. Die Behauptung mag nicht frei von Ucber- treibung sein; aber die Einwohnerschaft Berlins und nicht minder derländlichen^ Vororte liest häufig genug von entdeckten, behördlich konstatierten Milchpantschereien, ganz abgesehen von den Erfahrungen im eigenen Haushalt. Absolut einwandsfreie Milch wird zwar von Großhändlern vertrieben, diese sind aber zugleich Milchproduzenten. Was in manchem kleinen Milchkeller als Milch und Sahne und Butter verkauft wird, spottet als kühnes Fabrikat der auf den möglichsten Nutzen Bedachten der Hygiene Hohn. In dem Augenblick, da mehrere hundert Läden garantiert einwandfteie Milche und ebensolche Milchprodukte in Berlin verkaufen, sind zahllose Heine Milchgeschäftefertig", denn das Publikum zahlt lieber eine Kleinigkeit mehr und hat dafür die Gewißheit, daß die Milch, deren Reinheit von so gewalttger Bedeutung bei der Kinderernährung ist, keiner die Gesundheit bedrohenden Verfälschung ausgesetzt wird. Die Organisation der Milchverwertungsgenossen­schaft, an deren Begründung der Oberamtmann Ring in Düppel bei Berlin großen Anteil hat, scheint eine geschickt äufgebaute und gesicherte zu sein. Und so werden vor- aussichtlich die Milchproduzenten den Sieg davontragen.

Die namentlich das Publikum angehende Frage: Ist die Forderung der Milchwirte, 13 einhalb Pfennig pro

seine Mischung von Mystik und Moral wird es gewiß nicht erbaulicher. Schon im Fundament ist es verunglückt, und die Ausführung konnte daran nichts mehr ändern. Björn- son hat sich da einen Stoff ersonnen, in dem seine Vor­züge nicht, seine Mängel doppelt zu Tage traten. Viel­leicht hat der Mißerfolg das Gute, daß er dem Dichter die wahren Gebiete seiner Kraft zeigt und ihm fortan vor einer Bethätigungüber die Kraft" bewahrt. xy.

Der Burenkrieg in Bild und Wort betitelt sich ein soeben von Schriftsteller Fritz Bley und Maler A. Hoffmann herausgegebenes Werk, das von I. F. Leh­manns Verlag in München zum Preise von einer Mark zu Gunsten der Burensammlung herausgegeben wird. Text und Bilder des kleinen Prachtwerkes ergänzen sich gegen­seitig. Von der ersten Landung der Buren an, werden die Hauptmarksteine in der Geschichte des wackeren Volkes fest- gehalten. Wir sehen den berüchtigten Galgen von Slaaters Neck, an dem die ersten Buren von Engländern gehenkt wurden, wir folgen den treckenden Buren und beteiligen uns an den Kämpfen mit den Zulus. Auch in die neuen Heimstätten folgt der Engländer. Am Berge Majuba streckt das stolze Albion die Waffen, und wenige Jahre später thut der edle Dr. ^ameson, der Veranstalter desHelden­rittes", gleichfalls die Hände zum Himmel erheben und um Gnade flehen. Die nächsten Bilder führen uns schon in den Burenkrieg. Die Ermordung der verwundeten Buren durch Lanzenreiter und die Vernichtung des Lanzenreiter­regiments durch die Buren, sowie die Schlacht am Tugela zeigen uns die kämpfenden Krieger beider Heere. Dann folgen mehr kulturgeschichtliche Bilder, die durch tteffende Unterschriften erläutert werden. Der Text schließt sich eng an bie Bilder an. Der gesamte Reinerttag des Buches ist für die Buren bestimmt. Der Preis des kleinen Pracht- werres beträgt nur eine Mark.

Liter, eine blllige? Diese Frage wird von zwei Männern, die politisch keineswegs den Agrariern zuzählen, nämlich von dem Aba. Dr. v. Siemens (freif. Ver.) und dem! gut nattonallrberalen Kgl. Baurat Boeckmann, auf Grund der Erfahrungen auf ihren eigenen Gütern, entschieden bejaht. Mit 13 einhalb Pfennig pro Liter werden nach Ansicht dieser Sachverständigen knapp die Selbstkosten der Milchwirtschaft gedeckt.

Der Landwirtschaft ist häusig der Rat gegeben worden, durch Einkaufs- und Verkaufs-Genossenschaften ihre Lage zu verbessern. In diesem Falle soll also ein Versuch großen Stils vor sich gehen, und man wird daher die Entwickelung desMilchkrieges" allenthalben mit Spann- ung verfolgen.

Kolonialpost.

Ter Gouverneur von Samoa Tr. Solf hat neuerdings eine Rundreise auf der Insel Savaii unternommen. Wie aus seinen Berichten hervorgeht, hat er bei den Samoanern überall eine ausgezeichnete Aufnahme gefunden. An zwei Stellen hat er sich, wie dasD. Kol.-Bb" mitteilt, aller­dings genötigt gesehen, strafend einzugreifen, doch ist dies aus die Eingeborenen von guter Wirkung gewesen. Für ihre Auffassung find Aeußerungen von Interesses die sich in einem Schreiben des samoanischen Dolmetschers beim Gouverne­ment in Apia finden. Sie lauten in der Uebersetzung wie folgt:

Am 11 Juli begab sich Gouverneur Tr. Solf nach Matantu auf Savaii, von wo der von der Regierung als Torfhaupt eingesetzte Tulafale (Sprecher) vertrieben worden war. Seine Gegner hatten seine Pflanzungen zer­stört und seine Schweine abgeschlachtet. Tie über die Schuldigen verhängte Strafe von über 100 Dollars war nicht entrichtet. Auch nach der Ankunft des Gouverneurs blieb die Bezahlung auf Anstiften des Dorfältesten aus. Der Gouverneur entbot nunmehr alle Schuldigen im ganzen sechs vor sich und setzte sie auf der Stelle in einem Hause des Dorfes Matantu gefangen. Jetzt legte man sich auf das Bitten. Aber der Gouverneur bestand auf seiner Entscheidung und ließ die Leute in das Ge­fängnis in Apra absühren, wo sie für ihren Ungehorsam büßen. Dann ging die Reise nach dem Faasaleaga-Bezirk, wo gleichfalls ein Häuptling festgenommen wurde. Es war der Häuptling Sua, der dem Befehl, eine Wegsperre zu beseitigen, nicht nachgekommen war. Auch er sitzt jetzt im Gefängnis zu Apia. Aber trotz dieser Sttenge sind die Samoaner zufrieden, denn gerade auf diese Art lernen sie die Bedeutung der Gesetze kennen. Man hört die Leute sagen:Erst jetzt erkennen wir die Schranken der Gesetze, und es ist mit dem leichtsinnigen Schwören und den Meineiden vorbei." Gerade darum fteut sich Samoa über das gegenwärtige Regiment. Man lasse nur den Gouverneur und den Richter ihres Amtes walten."

Dieselbe Persönlichkeit schreibt über einen anderen Vor­fall, der die Gemüter der Samoaner in Erregung versetzt hat, folgendes:

Im Juni wollte der Oberhäuptling Mataafa eine Zahl seiner Matten verteilen, die zu diesem Zweck von seiner Familie aus Anlaß der Verleihung des Ober­häuptlings-Titels (alii sili) zusammengebracht waren. Er hatte alle Bezirke zur Teilnahme an der Feier einge­laden. Der Bezirk Falealili leistete jedoch keine Folge. Tie Antwort von dort war, man sollte dergleichen alt- samoanische Unsitten aufgeben, es gäbe nur einen Herrn von Samoa, den Kaiser, und einen Gouverneur, dem alle zu gehorchen hätten. Ter Tag der Verteilung der Matten kam heran, ohne daß sich die Unzufriedenheit jener Partei gelegt hätte. Aber es kam darüber nicht, wie ehe­dem in Samoa, zum Kampfe, sondern das ganze Land blieb ruhig, und alle Teilnehmer der Feier versicherten den Gouverneur ihrer besonderen Verehrung und fügten sich dessen Wunsche, daß man sich allgemein mit der Art, wie Mataafa die Matten austeilte, zufriedengeben möchte. So ging diese Austeilung in aller Ruhe vor sich und war am 10. Juli glücklich beendet.

Politische Tagesschau.

Wie dieDeutsche Warte" aus besfinformierter Quelle erfährt, hat der Aufenthalt des Zaren und des russischen Ministers des Auswärtigen in den deutschen Gewässern mit Zustimmung der deutschen Regierung zur Einleitung einer Anleihe geführt. Es handelt sich um 80 Mill. Mark russische Eisenbahn-Obli­gationen, die von einem Konsortium übernommen wer­den, in dem deutsche Firmen die führende Rolle spielen. Tie deutsche Regierung hat dem neuen Anleihegesuch des befreundeten Nachbarreiches, in dem es sich um eine für die Verhältnisse des russischen Staates nur geringfügige Summe handelt, Folge gegeben, da die aufzubringenden Kapitalien in Rußland eine Verwendung für wirtschaftliche Zwecke finden sollen. Außerdem haben bisher die in Ruß­land angelegten deutschen Kapitalien stets hohe Zinsen ab- geworfen, ohne daß Verluste hierbei zu befürchten sind.

In den Blättern war von einer bevorstehenden neuen Konferenz behufs Beratung von Maßnahmen gegen den Anarchismus die Rede. An Die deutsche Regierung ist, wie dieNat.-Ztg." hört, von keiner Seite eine derartige Anregung gelangt.

Zur niederländischen Thronrede wird uns aus Amsterdam geschrieben:

Von den auf die auswärtige Politik bezüglichen Stellen der Thronrede, mit der die Königin Will) e Imin a die Parlamentstagung eröffnete, ist hervorzuheben die Ver- ficherung, daß die Verhältnisse in der westindischen Kolonie Curacav die Aufmerksamkeit der Regierung fortdauernd in Anspruch nehmen. Curacao, am Golf von Marakaibo, unweit der Küste von Venezuela gelegen und bedeutungsvoll als Stapelplatz für die aus Europa und den Vereinigten Staaten kommenden Schifte, ist im April d. I. Gegenstand von Verhandlungen zwischen der Haager und der Washing­toner Regierung gewesen, weich' letztere, wie es hieß, dort eine Gebietserweiterung zwecks Errichtung einer Kvhlen- ftatinu anstrebte. Diesen Verhandlungen ist anscheinend ourch den im Sommer erfolgten Kabinettswechsel in Holland ein jähes Ende bereitet worden Der Kriög zwischen Vene­zuela und Kolumbien, an dessen Ausbruch die panamerika­nische Propaganda der chauvinistischen Yankees bekanntlich^ nicht ohne Schuld ist, mag dem jetzt in Holland am Ruder befindlichen konservativ-klerikalen Ministerium die Lust vollends benommen haben, der Union auf Curacao Besitz- recht zu gewähren Und jede folgende niederländische Re­gierung wird gut thun, dieser ablehnenden Politik treu zu bleiben. Tenn wenn erst der interozeanische Kanal fertig­gestellt ist, gewinnt die Insel für den Welthandel eine außerordentliche Bedeutung.

Nach einer Mitteilung derKöln. VollSzta." hat drr Allerspräsident des Reichstages Dr. Lingens sein Mandat für Siegburg endgiltig nieder gelegt. Jnfolgedeften hat man sich schon mit der Kandidatenliste beschäftigt. In einer Versammlung, die in Siegburg stattfand, wurde von der einen Sette Der Landtagsabgeordnete Becker, von der anderen der Vorsitzende des rheinischen Bauernvereins! Graf Spee empfohlen, beides Zentrumsleute. Dieser letztere Kandidat wurde von dem Zentrums ab geordneten! de Witt u. a. damit begründet, daß es DankbarkettspflichH ei, dem Grafen Spee ein Reichstagsmandat zu verschaffen, weil er durch fein Auftreten gegen die Ausbreitung be$ Bundes der Landwirte im Rheinlande sich verdient gemacht habe. Man konnte sich aber in der Versammlung noch nicht einigen. In einer zweiten Versammlung wurde nun mitgeteilt, daß Graf Spee zu Gunsten des Herrn Becke« zurückgetreten sei. Tas ist insofern von Bedeutung, als Becker für die Kanalvorlage gestimmt hat, während Graf Spee als nicht kanalfreundlich gilt

In der Angelegenheit des nach Straßburg als Pxofes-ov der Geschichte berufenen Professors Dr. Spahn hatte M? Nation cll-Ztg." vor einigen Tagen erwähnt, ba& als Dr. Spahn sich um die Zulassung als Privatdozent bei der Berliner philosophischen Fakultät bewarb, aus der Mitte dieser an ihn die Frage gerichtet worden sei, ob nach seiner Auffassung die Unfehlbarkeit des Papstes sich, auch auf die wissenschaftliche Thätigkett beziehe, und daß er diese Frage verneint habe. Nunmehr wird derNationabi Ztg." geschrieben:

Diese Frage oder eine ähnlich? ist an Sjxchn nicht gerichtet worden, weshalb auch die ihm in den Mund gelegte Antwort oder eine ähnlich? von ihm nicht ge­geben worden ist Auch ein ähnliches Privatgesprach ist nie mit ihm geführt worden."

Die Mitteilung, wonchh sich aus Anlaß der fran^ön sisschen Manöver eine höchst ärgerliche Szene abspielte, bei der in Gegenwart Der militärischen Vertreter der fremden Mächte von französischer Sette über den Kriegs- minister GeneralAndre in ^ö^^ft ab fälliger Weise abgeurteilt wurde, hat ihre volle Bestätigung erhalten. Auf Antrag des Konseilpräsidenten und Ministers des Innern Waldeck-Rousseau unterzeichnete der Präsident bet, Republik noch vor seiner Abfahrt nach Dünkirchen ein De­kret, durch das der Maire von Rethel, Dr. Leftanc, seines Amtes enthoben wird. Ein Einschreiten war umsomehr geboten, als General Andre in der schroffsten Weise an­gegriffen worden war, so daß der anwesende Ordvnnanz- ofsizier des Kriegsministers sich genötigt sah, dem Maire von Rethel sehr entschieden entgegenzutreten. DieAgenee Havas" sieht sich denn auch, genötigt, eingehend übe« den Vorgang zu berichten. Dieser spielte sich auf dein Bankette ab, zu dem der Generalissimus General Brugere in Rethel, außer den Spitzen der Behörden, auch die fremden Offiziere eingeladen hatte, die den Manövern at* folgt waren. Nach dieser telegraphischen Meldung hatte Der Maire von Rethel sich in nnehreiwietiger Weise über den Kriegsminister General Andre geäußert, und war er von dem Hauptmann Targe, der dem Stabe des Kriegs­ministers angehört, zurechtgewiesen worden. Ein Lokalblatt/ derPetit Troyen", stellt die Dinge nach! der Aussage eines Ohrenzeugen folgendermaßen dar. Der Maire, der zwischen einem amerikanischen und einem russischen Haupt­mann, Ordonnanzoffizier des Generals Sakarow, saß, sagte laut, um ja von seiner Umgebung gehört zu werden: In Rethel hätte ich keinen Wähler auftreiben können, ver diese Kanaille (den General Andre) hätte ins Quartier nehmen wollen. Hauptmann Targe, welcher der Nachbar des russischen Offiziers war, entgegnete rasch­er mochte doch wissen, ob die Wähler, von denen der Maire so spreche, Franzosen zu heißen verdienen. Daj der Maire fortsahren wollte, den Kriegsminister abfällig zu beurteilten, schritt ihm Hauptmann Targe daS Wort mit der Bemerkung ab, er gestatte nicht, daß in seiner Gegenwart der Kriegsminister geschmäht werde. Die Nck" tionalisten machen sich über seine Empfindlichkeit lustig, während von der entgegengesetzten Sette sogleich verlangt wurde, daß der Maire von Rethel vom Amte abgeseßk werde. _______

Nach einem Telegramm derTimeS" aus Shanghai wird aus deutscher Quelle berichtet, Yuanshikai, der Gouverneur von Schantung, habe die Zurückziehung aller außerhalb der Grenzen der Kolonie Ki- autschou befindlichen deutschen Truppen verlangt.. Die Deutschen wollen Yuanshikai nicht verletzen, aber auch nicht seinem Wunsche Folge leisten. Der deutsche Gouver­neur habe sich darum nach Peking begeben, um mit dem deutschen Gesandten zu konferieren.

Tie bereits kurz erwähnte Erklärung, die die Req gier un g von Kolumbien mit Bezug auf bett (Streit mit SSenejuela am 14. September in Bogota erlassen hat, lautet folgendermaßen:

Die Regierung wird sich von dem Grundsatz, den sie immer in der auswärtigen Politik verfolgt hat, nicht abwenden, nämlich: unter keinen Umständen sich in bie inneren Angelegenheiten anderer Staaten einzumischen, und die Regierungen solcher Staaten stets zu respektieren. Die Regierung ist sicher, mit dieser Politik das nationale Ansehen Kolumbiens zu erhalten, und die öffentliche Ordnung, welche durch Treulose gestört ist die, nach­dem sie besiegt und aus den Grenzen zurückgetriebett wurden, mit fremden Aufständischen jetzt den vaterläudk scheu Boden überfallen haben. Die Kolumbianische Re-, gierung hat genügende Truppen auf dem Isthmus, um jeden Ueberfall dort zu verhindern. Falls es aber nötig ist wird die Regierung sich! auf die bestehenden Ver­träge berufen, um die Freiheit und die Regelmäßigkett des Verkehrs zu sichern.

Diese Erllärung ist in einem Tagesbefehl enthalten, den der Kriegsminister an sämtliche Regierungspräsidenten und militärische Befehlshabererlassenhat._________

Aus Stadt und Land.

(Der Mdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original-Nachrichten rst nur unter genauer Quellenangabe:Gieß. Anz." geftattet)

Gießen, 20. September 1901.

Auszeichnung. Dem Hilfsmaschinisten Wilh. Petri (ein geborener Gießener) zu Griesheim a. M., der sich am 25. April bei der Explosions-Katastrophe in hervor­ragender Weise und mit eigener Lebensgefahr an den Rettungsarbeiten beteiligte, wurde vom Kaiser das Allgem. Ehrenzeichen verliehen.

** Militärdieustnachricht. Markert, Ganuson-Verwall.* Kontrolleur in Diedenhofen wurde als Verwaltungs-Inspektor nach Offenbach versetzt.