Von Deutschland upb Oesterreich-Ungarn sind porf) keine Antworten eingetroffen, doch ist im Bundesratshaus bekannt, daß auch diese Staaten bereit sind, die Konferenz zu beschicken. Äe Konferenz hätte nach Ansicht des Bundesrates in Genf stattzusinden.
Petersburg, 19. Juni. Ter „Regierungsbote" macht bekannt, daß der Kaiser gestern Folgendes anbefohlen hat: 1. Von den Studenten, die von den Universitäten wegen ihrer Teilnahme an den Unruhen relegiert wurden und zur Strafe Militärdienste leisten, werden diejenigen, welche vermöge ihres Familienranges sich im Besitze von Privilegien erster Klasse befinden oder die körperliche Gebrechen haben, die sie untauglich zum Militärdienst machen, von jetzt ab vom Militärdienst befreit. 2. Alle anderen Studenten, die jetzt zur Strafe Militärdienste leisten, werden in ihre Rechte bezüglich des Militärdienstes wieder eingesetzt, gleichiviel welche Zeit für ihren Tienst im Heere -angesetzt ist 3. Unter Aufhebung des geltenden Gesetzes wird allen Studenten, die jetzt zur Strafe Militärdienste leisten, die Dienstzeit von den: ersten Tage des auf ihren Eintritt in das Heer folgenden Monats angerechnet.
Yokohama, 19. Juni. Dem Feldmarschall Grafen D. Waldersee wurde in Kobe von den dort wohnenden Ausländern eine silberne Bowle zum Geschenk gemacht. Bei seiner Abfahrt waren zahlreiche angesehene Persönlichkeiten zugegen.
•* Der preußische Eiseubahumiuister Thielen begeht heute (20. Juni) das zehnjährige Jubiläum seiner AmtSthätigkeit als Minister. Er ist bekanntlich der Nachfolger Maybachs. Thielen ist am 30. Januar 1822 zu Wefel geboren, studierte Jura in Bonn und Berlin und schlug nach Ablegung seiner juristischen Examina die RegieruugSkarriöre ein. 1864 trat er in die Etsenbahuverwaltung über und wurde drei Jahre später Mitglied der Direktion der Rheinischen Eisenbahn. Nach deren Verstaatlichung im Jahre 1880 trat Thielen als Abteilungsdirektor der linksrheinischen Eisenbahn wieder in den Staatsdienst zurück, wurde 1881 Präsident der Eisen bahndirektion Elberfeld, 1887 in Hannover, und in dieser Stellung traf ihn die Ernennung zum preußischen Minister.
Aus Stadt und Kand.
tDer Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original-Nachrichten ist rmr unter genauer Quellenangabe: „Gieß. Arrz.* gestattet.)
* • Französische Vorträge. In seinem 5. Vortrag, der Freitag stattfindet, wird Lektor Goetschy „George Sand, ea vie, ßeg oeuvres et eon influence“ besprechen.
** Der wissenschaftliche Fort b ildu n g s- kursus für Volksschullehrer neigt sich feinem Ende M. Am 29. Juni von 4 bis 7 Uhr werden die letzten Vorlesungen in der großen Aula stattfinden. Um auch den Teilnehmern, die aus der Gegend von Schotten, Nidda, Vilbel kommen, Gelegenheit zu geben an dem Schluß- Kommers teilzunehmen, sind die letzten Vorlesungen auf den 29. Juni verlegt werden. An diese schließt sich in Steins Garten der Kommers an. Ein Teil der Regimentskapelle wird konzertieren. Auch werden musikalische und deklamatorische Vorträge seitens der Lehrer zur Aufführung gelangen.
• • Ernennungen. Man meldet uns telephonisch aus Darmstadt: Der Großherzog hat den ordentlichen Professor der Philosophie Dr. Karl GrooS in Basel zum ordentlichen Professor der philosophischen Fakultät der Uni. versität Gießen mit Wirkung vom 1. Oktober ab und den FinanzaSpiranten Seibert in Hungen zum Buchhalter an der Hauptstaatskasse ernannt.
• • Anerkennung. Einem geborenen Gießener, dem Hilfsmaschinisten Wilhelm Petri in Griesheim, der sich bei der Griesheimer ExplofionS.Katastrophe zur Rettung der Verunglückten in aufopfernder Weise beteiligte, wurde jetzt durch die Direktion des Werkes „Elektron- ein Geldgeschenk zu Teil.
C. Beim Fischen in der Lahn nächst der Badeuburg rutschte ein hiesiger Geschäftsmann in den dort etwa 2 Meter tiefen Fluß. Da er sich durch eigene Kraft aus dem nassen Elemente nicht befreien konnte, sprang ihm sein in der Nähe befindlicher Sportgenosse, ein hiesiger Restaurateur G., zu Hilfe, dem eS denn auch gelang, den Verunglückten vom Ertrinken zu retten.
ko. Zur Beobachtung seines Geisteszustandes wurde der Bierbrauer Albert aus Fürth in die hiesige psychiatrische Klinik auf 6 Wochen eingeliefert. Er hatte, wie wir seinerzeit meldeten, seinen Mitgesellen König in Weisenau erschlagen. Daraus, daß ein Verwandter des Mörders im Irrsinn Selbstmord verübt hat, schließt man, daß vielleicht auch Albert geistig nicht ganz normal ist. Die Verhandlung der Mordafsaire, die vor dem Mainzer Schwurgericht stattfinden sollte, ist vertagt worden.
* * Stadttheater. Freitagabend 8 Uhr gelangt von der Wiesbadener Operetten-^sellschaft „Gasparone" zur Aufführung.
R. Das Infanterie-Regiment „Kaiser Wilhelm" unternahm am Montag nnd Tienstag in Begleitung einer Abteilung Ulanen Uebnngsmärsche in den Gemarkungen Kleinlinden, Lützellinden, Großenlinden und
Allendorf a. d. Lahn. Es fand hauptsächlich Feldwachtdienst statt.
** Das rauhe Wetter des diesjährigen Juni bildet den Gegenstand von Anfragen an die Meteorologen. Tie Ursache desselben ist keineswegs, wie wohl von manchen geglaubt wird, eine besondere Einwirkung des Mondes oder überhaupt kosmischer Einflüsse, sondern lediglich die Verteilung des atmosphärischen Luftdrucks über Mittel- und West-Europa. Solange über den britischen Inseln hoher Luftdruck herrscht, während niedriger Luftdruck über Schweden und dem Ostseegebiet auch über Mitteldeutschland verharrt, bleiben kühle und feuchte Nord- und Nordwestwinde bei uns ausschließlich vorwaltend. Diese Luftdruckverteilung ist ziemlich! die gleiche, welche die berüchtigten kalten Tage des Mai bedingt, und sie erzeugt in gleicher Weise die durchschnittlich noch stärkeren Temperaturrückgänge des Juni. Aber während int Mai bei niedrigerer Durchschnittstemperatur die Abnahme der Wärme häufig bis zum Gefrierpunkt des Wassers, alsv bis zu Frost stattfindet und dadurch den Pflanzen verderblich wird, ist dies im Juni im allgemeinen nicht der Fall, weil dann bei gleicher Wärmeabnahme der Gefrierpunkt nicht mehr erreicht wird. Infolgedessen werden die Kälterückfälle des Juni vom Publikum weniger beachtet, aber dem Meteorologen sind sie sehr wohl bekannt, und er weiß, daß sie fast in jedem Jahre mehr ober weniger ausgeprägt wiederkehren. Der Juni ist überhaupt bie richtige Sommerregenzeit für Deutschland, was das Publikum vergißt und alljährlüh über Kälte unb Regen in biesem Monate klagt, ähnlich wie int Mai, den bie Dichter zum „Wonnemonat" erhoben haben, während bie meteorologischen Aufzeichnungen wenig Grunb für eine solche Betitelung des- feiben erkennen lassen. Warmes Wetter tritt, besonders in den Sommermonaten, int westlichen Teutschlanb sofort ein, wenn hoher Luftbruck sich int ©üben unb Südosten von Mittel-Europa ausbreitet, niedriger bagegen int Norb- westen, also in ber Richtung gegen Schottland hin. Tie seit einiger Zeit herrschende Luftbruckverteilung ist gerade bie entgegengesetzte; daher wird warmes Wetter eintreten, sobald der Umschwung dieser Luftdruckverteilung beginnt.
fl. Lumda, 19. Juni. Auf dem hiesigen Bahnhöfe wurde gestern ein mächtiger Dampfkessel ausgeladen, der allgemeine Aufmerksamkeit erregte. Er ist für die in unserer Gemarkung neu errichtete Eisenwäscherei der Gewerkschaft „Elisenbnrg" bestimmt unb arbeitet mit 80 Pferdekräften. Es ist geplant, die Wäscherei durch eine Dr aht - eil bahn mit dem Bahnhofe zu verbinden.
-h- Sichenhausen, 19. Juni. In Kürz^wird hier eine Bohrmaschine unter Leitung eines Bohrmeisters über einem etwa 10 Meter tiefem Schachte in Betrieb gesetzt. Tie Bohrung soll eine Tiefe von 100 Metern erreichen. Von jedem Meter Bohrung wird eine Probe der Erd- vder Gesteinsmasse in einem Kästchen aufbewahrt und ver- chickt. Tie Bohrmaschine ist Eigentum ber Stadt Frankfurt. Sollten die Bohrungen günstige Resultate ergeben, so ist )er Bau einer Thalsperre in sichere Aussicht geteilt und man hofft, in etwa 3 bis 4 Jahren das Werk in feiner Vollendung zu sehen. In diesem Falle muß auch bie Straße He rchen Hain — Sichenhausen verlegt werden, sie soll, wie man hort, oberhalb Kaulfto's in die Kreisshraße Burkhards—Sichenhausen einmünben. Gegenwärtig nehmen auch Geometer Vermessungen zur eventuellen Legung des Leitungsftranges in den Gemarkungen Kaulshos und Gebern vor. Mehrere Herren bes Frank- urter Stadt rat es, sowie ein Vertreter bes Großh. Ministeriums werden in nächster Zeit Wieber ben Fortgang ber Arbeiten besichtigen. — Für bie Bevölkerung, bie vorzugsweise nur aus wenig bemittelten Leuten besteht, wirb ber in Frage ftehenbe Bau einer Thalsperre von großem Segen sein unb Verkehr in unser sonst so stilles Thal bringen.
A. Allertshausen, 20. Juni. Ter Bau unseres neuen Schulhauses ist soweit fortgeschritten, daß die Einweihung spätestens am 1. Oktober stattfinden dürfte. Der Neubau enthält nur einen Schulsaal. Der seitherige Schulsaal wird zur Vergrößerung der etwas' engen Lehrer- Wohnung benutzt.
8. Bad-Nauheim, 20. Juni. (Tel.-Melbg.) Der Groß- Herzog hat ben bisherigen Polizeikommiffär in Kastel, W. Schildwächter, zum Vorstand des Großh. Polizei- amtS in Bad-Nauheim, mit Wirkung vom 1. Juli ab, ernannt.
-d. WeiterShain, 19. Juni. Bei ben Bienenzüchtern wurden seither allenthalben Klagen übeer den ganz enormen Verlust an Bienenvölkern laut. Bon den bei der letzten Viehzählung mitgezählten 45 Völkern sind nur etwa 8 von der strengen Kälte des vergangenen Winters verschont geblieben. Merkwürdigerweise haben in RüddiugShausen die Bienen weit besser überwintert. — In unserer Gemarkung werden gegenwärtig an verschiedenen Stellen Bohrversuche veranstaltet, weil man hofft, Bauxit hier zu finden. Es ist dies bekanntlich ein Thonerbehydrat (mit Eisenoxyd), aus dem man Aluminium gewinnt. Von besonderen Erfolgen ist bis jetzt noch nichts bekannt.
(—d) Weitershain, 19. Juni. Heute morgen gegen 10 Uhr fand man im Walde zwischen Abenborn unb hier eine alte Frau tot an der Landstraße. Es stellte sich alsbald heraus, daß es die wöchentlich einmal von Allertshausen hierher kommende „Bulterfrau" war. Die Frau, bie 85 Jahre alt war, hatte sich trotz ihres hohen Alters nicht entschließen können, ihre Thätigkeit einzustellen. Ta sie offenbar natürlichen Todes gestorben ist, würbe bie Leiche vorläufig im hiesigen Gemeindehaus unter gebracht, in dem morgen bie gerichtliche Aufnahme ber Leiche stattfinden wird.
W. Blofeld, 19. Juni. Kürzlich entwickelte sich hier ein Gefecht zwischen Zigeunern und den hiesigen Einwohnern. Nach ihrer unausrottbaren Gewohnheit stahlen jene am Hellen Tage ans dem Felde in ungeniertester Weise. Die Einwohnerschaft verjagte die freche Gesellschaft, die sich zur Wehr setzte. Sie knallten mit Gewehren und versetzten einem jungen Burschen einen Säbelhieb. Sein Hut schützte ihn glücklicherweise vor einer schweren Verletzung. Nach dieser Heldenthat verdufteten die Zigeuner rasch.
W. Stammheim, 19. Juni. Große Aufregung herrscht eben in unserem Orte wegen der Verhaftung eines fünf- zehnjährigen Jungen, der im Verdacht steht, seine 80jährige Großmutter getötet zu haben. Mau fand diese am Sonntag abend mit einer Schnittwunde am Arm
tot im Bette. Durch den Schnitt oder Stich war die Pul-> ader verletzt, und der Tod infolge Verblutung eingetreten. Ob der Verdacht begründet ist, wird die gerichtliche Untersuchung klar stellen. (Aus dieser Darstellung wäre ebenso wie auf Mord, auf Selbstmord zu schließen. D. Red.) — Im verflossenen Jahr wurde dieselbe Familie schon einmal schwer heimgesucht. Der Sohn der Verstorbenen, der Vater des verhafteten Jungen, siel in Frankfurt an einem Neubau aus beträchtlicher Höhe herunter und starb kurze Zeit darauf.
•* Kleine Mitteilungen aus Hesse« und den Nachbarstaaten. Die Landgräfin von Hessen begiebt sich mit Hofhaltung am nächsten Donnerstag von Frankfurt nach Schloß Adolfs eck bei Fulda und wird dort bis zum Herbst Aufenthalt nehmen.
Vermischtes.
* Humor im Hörsaal. In der Vorlesung über Zurechnungsfähigkeit stellte Professor Mendel in Berlin kürzlich einen Kranken vor, der in wenigen Tagen aus der Irrenanstalt eutlaffen werden sollte, um seinen Musikantenberuf in einem bekannten Seebade wieder aufzunehmen. Auf die Frage des Dozenten, wie viel er denn bei dieser Beschäftigung verdiene, erwiderte der Patient: „Bon abends 8 bis morgens 6 Uhr ungefähr acht bis zehn Mark.- — „Das ist ja eine ganze Menge!" - „Ja, aber noch lange nicht so viel, wie Sie verdienen, Herr Professor!" — antwortete der Patient schlagfertig zum Gaudium der Hörer.
* Aachen, 19. Juni. In ber sogenannten Stern- fcergaffaite ist zu melden, daß ber Regierungsrat! Schneemann auf seinen Antrag in ein Gefängnis im Bezirk! Berlin gebracht worden ist Ter zu acht Monaten verurteilte Getreidehändler Pütz ist gegen Stellung einen Kaution von 10000 Mark aus der Haft beurlaubt worden. Ferner meldet ein hiesiges Blatt, die Aachener Studentenschaft habe beschlossen, die zuständigen Stellen zu ersuchen, den verurteilten Studenten Cremer aus der Liste ber Stu- bierenben ber hiesigen technischen Hochschule zu streichen.
* Das rätselhafte Verschwinden einer Braut. Ganz London befinbet sich augenblicklich in Aufregung über bas geheimnisvolle Verschwinden einer reizenden jungen Dame kurz vor ihrer Hochzeit. „Lebe wohl,. Mutter, nächsten Sonnabend sehe ich Dich wieder." Tas waren die letzten Worte, die die einundzwanzigjährige Lily Kate Shorn, eine hohe, graziöse Blondine, zu ihrer in dem Londoner Vororte Fulham wohnenden Mutter sagte, als sie kurz vor Pfingsten zu ihrer Tante aufs Land reifte. Tie Hochzeit mit einem Herrn Walter Cooper war auf den Pfingsh-Montag festgesetzt — doch seit ihrer Abreise hat sie niemand von ihren Freunden oder Verwandten wieder- gesehen, nur geheimnisvoll lautende Briese, angeblich, von ihrer Hand, sind, das einzige Lebenszeichen, bas bicfe von ihr erhielten. Am gedachten Tage hatte sie auf dem Londtoner Bahnhofe Clepham Junetivn ein Bittet nach Gillingham genommen, und ein Billet-Kontrolleur erinnert sich, auf der Station Sur bi ton einer auf die Beschreibung passenden jungen Dame das Bittet abgestempelt zu haben. Tie Dame saß mit drei älteren Damen in einem Koupee, ein Umstand, ber jetzt Verbacht erregt. Wenige Tage barauf erhielt die Schiwester der jungen Tarne einen überraschenden Brief. Er trug weder Adresse noch Datum, war aber in der Handschiri ft ber Vermißten geschrieben. Tarin erzählte sie, kurz hinter Surbiton habe sie ein plötzliches Unwohlsein im Zuge befallen, so baß sie ihn auf ber Station Weybridge verließ, dock), sei sie später weitergefahren, bald darauf habe sie das Bewußtsein verlassen, und alles, was danach« geschehen, fehle in ihrer Erinnerung, bis sie sich an dem Orte vorgefunben, von wo sie schreibe, nämlich einem Haus in der Londoner Vorstadt Wimbledon, wie sie vermute. Dort liege sie noch schwer krank darnieder. Tas sofort benachricMgte Kriminal-Departement von Scotland Yard hat mit Hilfe feiner hervorragendsten Detektive bisher folgende Spuren von ihr entdeckt. Ein Bahnbediensteter auf dem Bahnhof Clepham Junction sah bie junge Dame am Abenb des Tages ihrer Abreise zurückkehren \mb zeigte ihr auf ihre Frage ein nahes Hotel. In diesem Hotett blieb sie die Nacht unb! schrieb am anberen Morgen einen Brief, worauf sie fortging. Der Bahnbeamte erklärt, daß das Mädchen den Eindruck gemacht habe, als sei es von großer Seelenangst gepeinigt. Jede weitere Spur fehlt. Man fürchtet, daß Fräulein Lily von den mit ihr im Koupee befindlichen Weibern narkotisiert wurde. Der bedauernswerte Bräutigam ist natürlich über das Verschwinden feiner Geliebten in heller Verzweiflung.
* Paris, 19. Juni. Aus Belfort wirb gemetbet, baß der Elsässer Belchen gestern mit Schnee bedeckt gewesen sei. In Pontarlier an der schweizerisch-französischen Grenze herrschte gestern abenb heftiges Schneetreiben; aut!- Chambery wirb berichtet, baß bie Berge bes Departements Savoie bis tief hinunter mit Schmee bedeckt seien.
* Lemberg, 19. Juni. In einer Frauen-Abteil- ung des Krankenhauses brach heute eine Revolte aus. Frauen widersetzten sich den Anordnungen der barmherzigen Schwestern und begannen, mit verschiedenen Küchengeräten bewaffnet, auf diese loszugehen. Es entstand eine- Panik, die Schwerkranken verließen ihre Betten und wollten sich au« den Fenstern stürzen. Es dauerte eine geraume Zeit, bis die herbeigeeilte Polizei die Ruhe herstellte. SechS- revoltierende Frauen wurden verhaftet, die anderen konnten wegen ihres Schwächezustandes nicht auf die Wache gebracht werden.
* Ein Traum als Verräter. Im „Pester Lloyd- lesen wir: Vor einigen Tagen wurde bei dem Trafikanten Heinrich Prager ein Einbruchdiebstahl verübt; bei dieser Gelegenheit wurden Zigarren, Stempel- und Briefmarke« im Werte von nahezu 2000 Kronen gestohlen. Dieser Fall wird durch einen Traum des Bestohlenen intereffant. Prager hatte in der Nacht, in welcher der Diebstahl begangen wurde, einen schweren Traum. Er ächzte und warf sich im Bette unruhig hin und h-r, sodaß seine Frau erwachte und ihren Mann weckte. „Was fehlt Dir denn?- fragte besorgt bie Gattin. „Ach- — erwiderte Prager — „ich träumte, daß bei uns eingebrochen wurde. Ein wildfremder Mann sprengte die Schlösse und ging in den Laden hinein, den er bald darauf unter Mitnahme von Zigarren und Marken wieder


