Ausgabe 
21.5.1901 Zweites Blatt
 
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Aus Cradock meldet Reuters Bureau: Das Kommando, dessen Führer Swanepoel jüngst getötet wurde, befindet sich nördlich von Pearston; dasselbe wählte einen anderen Führer. Oberst Gorringe hatte gestern ein Gefecht mit einem Kommando bei Roodeklof östlich von Stormberg. Die Buren hatten 4 Tote und Verwundete. Eine Buren­abteilung, deren Stärke verschiedentlich geschätzt wird, überschritt vor einigen Tagen den O r a n j e f l u ß und Legab sich nach Zuurberg. Führer derselben sind Lotter, Vanreenen und andere.

der Kaiser das Königs-Jnfanterie-Regiment Nr. 145 und der Statthalter Fürst zu Hohenlohe-Langenburg das 1. Han­noversche Dragoner-Regiment Nr. 9 vorbeiführte. Nach der Parade kehrte der Kaiser an der Spitze einer Kompagnie Infanterie und einer Schwadron Dragoner mit den Fahnen und Standarten nach Metz zurück und begab sich nach dem Bezirkspräsidium. In demselben wurde eine Konferenz über die geplante Erweiterung des Weichbildes der Stadt ab­gehalten, an welcher der Statthalter Fürst zu Hohenlohe- Langenburg, der kommandierende General, der Gouver­neur und der Bürgermeister teilnahmen. Um halb 2 Uhr fuhr der Kaiser in russischer Generalsuniform zum Gala­diner (siehe den Artikel an der Spitze des Blattes) nach dem allgemeinen Offizierskasino, eskortiert von einer Schwa­dron Dragoner. Um 5.15 Uhr ist Se. Majestät mit Sonderzug abgereist. In Potsdam traf er heute früh ein und begab sich heute abend nach! C a d i n e n.

Telegramm des Gießener Anzeiger-.

Loudon, 20. Mai. DieTimes" melden aus Carolina, die englischen Truppen besetzten am 17. Mai Carolina zum fünften Male. Botha ist gegenwärtig in Ermeio.

zwischen den Jungczechen und den Agrariern. Die radikalen Abgeordneten Hruby, Kubr und Rataj nahmen an dem Hand gemenge Teil. Man sagt, daß diesen Vorfällen mehrere Duelle folgen dürften.

Petersburg, 19. Mai. DerKuryer Warß." erzählt, der nach Warschau versetzte deutsche Konsul habe 12 000 Stück Cigarren durchgeschmuggelt, durch einen Bahnarbeiter sei der Schmuggel entdeckt worden. Die Steuer« behörde habe 8000 Rubel Konventionalstrafe erhoben. Die Angelegenheit bedarf dringend der Aufklärung.

Rew-Hork, 19. Mai. Ans Kopenhagen wird gemeldet, drß die Verhandlungen über den Verkauf der dänisch- westindischen Inseln an die Vereinigten Staaten ab­geschlossen sind. Der Kaufpreis betrage vier Millionen Dollars.

Volttische Tagesschau.

Der Geburtstag Kaiser Nikolaus II. gab dem Parade- ' diner in Metz seinen besonderen Charakter; der russische Bot­schafter war bekanntlich eigens dazu eingeladen worden. Kaiser Wilhelm brachte auf den Zaren einen Trink- fpruch aus, der das feste Einvernehmen Deutsch­lands und Rußlands in der chinesischen Frage betonte.

Ausgehend davon, daß eS eine alte und liebe Tradition dcs Preußischen HeereS fei, die Fisttage der russischen Monarchen mit rufetern, erinnerte der Kaiser in seiner bei diesem Diner gehaltenen Ansprache daran, daß vor bald einem Jahre unter Zustimmung aller Mächte dem Generalseldmar schall Grafen Waldersee da« Oberkommando in Petschtlt übertragen worden wäre. Wenn jetzt Hoffnung vorhanden lei, daß daS Gros der verbündeten Truppen bald in dl- Heimat werde zurückkebren können, so wäre dies nicht zum kleinsten Teil dem Ver­trauen zu verdanken, daS der Kaiser von Rußland dem Grafen Waldersee geschenkt und erhalten habe. Mit dem Wunsche, daß die in China zwischen allen zivilisierten Völkern besiegelte Waffenbrüder­schaft der großen Sache des Friedens zu Gute kommen möge, brachte der Kaiser am Schlüsse feiner Rede ein Hoch auf den Kaiser Ni­kolaus auS.

Mit Freuden werden diese Kaiserlichen Worte im ganzen deutschen Vaterlande begrüßt werden; Ire konstatieren gegen« über Jo manchen Ausstreuungen von dritter Seite, daß das Verhältnis der leitenden Stellen in Berlin und Petersburg durch die Wirren in China keine Trübung erfahren hat; sie bestätigen, daß die Rückkehr des größten Teils unserer wackeren Krieger in naher Aussicht steht; sie zeigen endlich, welchen Wert auch Kaiser Wilhelm der in den Kämpfen gegen die Chinesen erprobten Waffenbrüderschaft zwischen den Truppen aller Großmächte der eivilisierten Welt für die Befestigung des Friedens unter diesen selbst beimißt. Die chinesische KrifiS nicht nur bald und ohne ernste Kompii kationen beigelegt, sondern auch der Ausgangspunkt für eine Hera friedlicher internationaler Verständigung: daS ist das schöne Zukunftsbild, das der Kaiser in seiner Metzer Rede entworfen hat.

Die Besprechungen Bülows mit dem Kaiser in Ur- ville betrafen, wie von gut unterrichteter Seite verlautet, die Abberufung WalderseeS und die Zurückziehung deutscher Truppen aus China. Mit der Zurückziehung dürfte Ende dieses oder Anfang nächster Woche begonnen werden. Graf Waldersee wird voraussichtlich über Japan und Amerika zurückreisen.

Ausland.

Christiama, 18. Mai. Das Lagthing verwarf mit 16 gegen 13 Stimmen den Antrag betreffend die Einführung des kommunalen Stimmrechts für Frauen.

Madrid, 19. Mai. Anläßlich der Wahlen brach in Bilbao zwischen einem Sozialisten und einem Ministeriellen ein Streit aus. Der Sozialist wurde getötet. Auch in der Vorstadt Puente kam es zu Unruhen, bei-welchen eine Person ums L-eben kam.

Florenz, 18. Mai. In der heute stattgehabten Schluß­sitzung des Kongresses der italienischen Landwirte gelangte eine Tagesordnung zur Annahme, in der die Ver­treter Italiens bei den bevorstehenden Handelsvertragsoer- handlungen mit Deutschland, Oesterreich-Ungarn und der Schweiz aufgefordert werden, mindestens Beibehaltung der bisherigen Zollsätze zu fordern. Wenn das ohne Kompensation nicht zu erreichen sei, müffe besonders eine Herabsetzung der Einfuhrzölle aus industrielle Pro­dukte in Erwägung gezogen werden.

Rom, 18. Mai. Nach der am 9. Februar d. Is. vor­genommenen Volkszählung beträgt die Bevölkerung von Italien 32 449 754 Seelen, das bebrütet eine Zunahme von 4 Millionen gegenüber der Volkszählung vom Jahre 1881.

Prag, 19. Mai. Gestern kam es in einer Versammlung öer czechischen Agrarier zu ungeheuren Tumulten

Aus Stadt und Zand.

Gießen, 20. Mai 1901.

** Generalmajor von Ploetz, Kommandeur der 49. In« fanterie-Brigade (1. Großh. Hessische) weilt seit gestern abend wieder in unserer Stadt und hat im HotelGroßherzog von Hessen" Wohnung genommen. Heute morgen 7 Uhr wurde ihm vor dem Hotel von der hiesigen RegimentSkapelle ein Ständchen gebracht.

- (!) Einbruchdiebstahl. In der Nacht vom SamStag auf Sonntag wurde bei einem Wirt in Dutenhofen ein» gebrochen und diesem aus einer Tischschublade des Schlaf­zimmers ein Geldbetrag von ca. 200 Mk. entwendet.

(!) Unfug. Heute Nacht wurden an einem Hause am Asterweg die Ladenriegel wiederholt abgerissen. Der Besitzer des Hauses, der einen der Thäter ergriff, ließ ihn als­dann, nachdem dieser in glaubhafter Weise seinen Namen angab, wieder laufen. Anzeige wegen Sachbeschädigung wird erstattet.

(!) Verhaftung. Gestern Abend mußte ein hier in Arbeit stehender taubstummer Schreinergeselle, der des Guten zu viel gethan, in Polizeigewahrsam genommen werden, weil er mit Leuten Streitigkeiten anfing, fich sehr renitent zeigte und ichließlich das Messer zog.

r. Rödgen, 20. Mai. Der Verdacht gegen den Fuhr­mann Heinr. Schmidt, die Einbruchdiebstähle beim Wirt PH. Mohr VIII. und PH. Schäfer IV. ausgeführt zu haben, jat sich nicht bestätigt Schmidt wurde nach einer kurzen Intersuchungshast wieder auf freien Fuß gesetzt und das Verfahren gegen ihn eingestellt.

W. Raustadt, 19. Mai. Gestern stürzte hier ein Mann von einem Wagen voll Stroh und verletzte sich lebensgefährlich >adurch, daß er einen Halsring brach. Ein Zirkusbesitzer, »er in der verflossenen Woche hier Vorstellungen gegeben latte, verlor durch einen Unfall beinahe einen wertvollen Esel, den der Besitzer auf 1000 Mk. taxiert. Der Esel war nämlich hinten an einem Wagen angebunden. Au einer ab« chüssigeu Wegstelle blieben die Zugpferde plötzlich stehen, vodurch der Wagen rasch nach hinten rollte und dem Esel >en linken Vorderhuf abfuhr. Der telephonisch herbeigerufene Veterinärarzt glaubt nach erfolgter Operation, daß der Batient nach einigen Wochen wieder geheilt und diensttaug- ich sein wird.

W. Nidda, 19. Mai. Gestern wurde in Gießen vom Provinzialausschuß über den Rekurs der Gemeinde Staden egen die Entscheidung des KreiSauSschuffeS vom Kreis° üngen, die Einleitung der Abwässer von Bad Salzhausen n die Nidda betreffend, verhandelt. Die genannte Gemeinde atte, wie früher erwähnt, Einspruch gegen die beabsichtigte Einführung erhoben, war aber vom KreiSausschnß abschlägig ieschieden worden. Der Provinzialausschuß beschloß nach Anhörung der Gründe, die von Seiten der Gemeinde geltend gemacht wurden, ein Gutachten vom Geh. Rat Professor Dr. Gasfky in Gießen einzvholen. ES findet darnach ein neuer Termin in dieser Sache am 8. Juni statt.

Ridda, 19. Mai. Mit Freuden ist hier, so schreibt man »emTägl. Anz." der Antrag des Landtagsabgeordneten Erk auf Wiedererrichtung des Kreises Nidda begrüßt worden. Nidda war stets Sitz der Verwaltungsbehörde bis zum Jahre 1876 und würde sich auch zweifellos schon seiner leichten Erreichbarkeit halber vorzüglich zum Sitz des KreisamtS eignen. Nach der von der Regierung gegebenen Zusage soll n Oberhessen ein neuer Krei'S gebildet werden und sind hierfür Grünberg und Nidda in Aussicht genommen.

Sch. Darmstadt, 19. Mai. Die Thatsache, daß von )en bei dem Festmahl am Eröffnungstage der Künstler- Kolonie vorhandenen, von P. Brück gezeichneten prachtvoll ausgestatteten, 60 Stück Weinkarten am Abend 54 Stück verschwunden waren, bürgt gewiß für deren Reiz und Schönheit, doch hat man jetzt die Inschrift darauf angebracht:

.Gestohlen in der Künstler-Kolonie". Zur Leitung der heute abend im Spielhause arrangierten Reunion hat man Herr« Touren-Tanzlehrer Heidecker - Wiesbaden telegraphisch hier­herberufen. Heute wurden ca. 1500 Tageskarten verkauft und man darf wohl auf ebensoviel Abonnenten rechnen. Der Besuch der Häuser war außerordentlich stark, sodaß sie za manchen Tageszeiten vor weiterem Zudrang geschloffen wurden. Auch der Verkauf der Abonnementskarten nimmt täglich zu. Auf dem hiesigen Friedhof wurde heute vormittag unter außerordentlich großer Teilnahme das Denkmal für o en auch in weiteren hessischen Kreisen bekannten, vor 2 Jahren ver« ftorbenen Lehrer und Dialektdichter Karl Schaffnit in feierlicher Weise enthüllt. Die Festrede hielt Oberleutnant Gad, Vorsitzender des Journalisten« und Schriftstellervereins, dessen Mitglieder auch hauptsächlich die Initiative gaben und die Ausführung leiteten. Auf einem ca. 2 Meter hohen Obelisk aus Odenwald-Syenit befindet sich an der Frontseite das wohlgetroffene Reliefbild des unvergeßlichen Dichters.

Deutsches Keich.

^us Metz wird gemeldet: Der ftÄwUh trafen gestern an der Halte-.

E ^oujnebrwe ein und begaben sich von dort zu Pferde nach dem Ucbungsplatz Frescaty, wo die Truppen der Garnison unter dem Kommando des General-Oberstenn Grafen v. Häseler Paradeaufstellung genommen hatten. Der Kaiser trug das Bano des russischen Andreas-Ordens. Auf dem rechten Flügel der Paradeaufstellung erwarteten der russische Botschafter urtb die Mitglieder der russischen Bo^ schäft den Kaiser. Beim Eintreffen der Majestäten präsen­tierten die Truppen, während die Geschütze von der Veste Friedrich Karl einen Salut abfeuerten. Nach dem Abreiten £er Front erfolgte der Vorbeimarsch der Truppen, bei dem

Vermischtes.

* Rom, 18. Mai. Auf das Bombenattentat im erz­bischöflichen Palast zu Malta, dessen Urheber noch unent- deckt ist, ist heute eine Explosion im Karmeliter- kloster gefolgt. Die Bombe war im Korridor nieder- gelegt, und hat erhebliche Beschädigungen angerichtet.

Die Lage in China.

Jeldmarschall Graf Waldersee meldet aus Peking: Nach verschiedenen Nachrichten sind wiederholt Seeräuber südlich Shanhaikwan gelandet, und haben Erpressungen verübt. S. M. KanonenbootIltis" ist im Golf von Petschili ein- fletroffen, um Küste abzusuchen.

Aus Peking ist am Sonntag der bisherige französische Gesandte Pichon abgereist. Auf dem Bahnhofe waren zur Verabschiedung General-Feldmarschall Graf Waldersee, die fremden Generale, Offiziere und Diplomaten sowie Prinz Tsching und Li-Hung-Tschang anwesend.

Der russische Kaiser stiftete zur Erinnerung an die Kriegsthaten der russischen Truppen in China eine Me­daille. Der Kommandeur der russischen Truppen des Kwantunggebietes Vizeadmiral Mesejew ist zum General­adjutanten ernannt worden. Den KanonenbootenBobr", Korejez" undGiljak" sind für ihre ausgezeichneten Leistungen bei der Einnahme der Takuforts silberne Signal­hörner am Bande des Georasordens verliehen worden.

Im ungarischen Avgeordnetenhause beantwortete Ministerpräsident v. Szell die Interpellation betreffend die Erwerbung einer N i e d e r l a s s u n g i n T i e n t s i n. Die­selbe sei mit seinem Wissen mit) seiner Zustimmung ge­schehen. Es handle sich nicht um eine Okkupation, die einen Akt der Eroberungs- und Kolonialpolitik bedeuten würde. Nachdem die Errichtung eines Konsulats in Nordchina nötig geworden fei, habe man Tientsin gewählt und gleichzeitig, -wie dies in China Gepflogenheit sei, einen Gebiets- ftreifen in Besitz genommen, damit dort die Konsulatsgebäude errichtet werden und die österreichisch- ungarischen Staatsangehörigen sich ansiedeln können; denn eine solche Niederlassung genieße, obgleich sie der Souve­ränetat Chinas unterstehe, gewisse den Schutz ihrer Be­wohner verbürgende Jurisdiktionsrechte. Das Settlement fei 600 000 Quadratmeter groß. Oesterreich-Ungarn habe sich micht mit der Lage zufrieden geben können, daß andere. Machte bedeutende Gebiete okkupierten, während es nicht über einen Streifen Gebietes verfügte, sodaß es seine Staatsangehörige unter den Schutz fremder Mächte hätte stellen müssen.

Eine Extraausgabe des Militärwochenblattes meldet: Frhr. v. Bissing, Generalleutnant und Kommandeur der 29. Division zum kommandierenden General des 7. Armee­korps ernannt Zu Generalleutnants befördert: die Gen.- Majore v. Liebert, beauftragt mit der Führung der 6. Division unter Ernennung zu Kommandeuren der betr. Divisionen; v. Scholl, dienstthuender General a la suite unter Belassung in dem Verhältnis als Kommandeur der Leibgarde und Ernennung zum 2. dienstthuenden Gen.- Adjutanten S. M. des Kaisers und Königs; v. Winter-« felb, Gen.-Major und Kommandeur der 25. Kavallerie- Brigade (Großh. Hess.) mit der Führung der Garde-Kav.- Div. beauftragt. Zum Oberst befördert der Oberstleutnant Erbprinz von Anhalt, Hoheit, a la suite der Armee und des Anhalt. Jnf.-Regts. Nr. 93. v. Gersdorff, Oberstlt. beim Stabe des Großherzogi. Mecklenburg. Füs. Regts. Nr. 90, unter Beförderung zum Obersten, zum Kom­mandeur des 3. Großherzogl. Hess. Jns.-Regts. (Leib-Regts.) Nr. 117 ernannt. Luckw ald, Major aggreg. dem 5. Groß-- herzogl. Hess. Jnf.-Regt Nr. 168, zum Bats.-Kommandeur im Regt., Frhr. v. Budenbruck-Hettersdorf, Gen.- Major und Kommandeur der 50. Jnf.-Brig. (2. Großh. Hess.), in Genehmigung seines Abschiedsgesuchs mit Pension und dem Charakter als Gen.-Lt, v. Viebahn, Oberst, und Kommandeur des 2. Thüring. Jnf.-Regts. Nr. 32, unter Beförderung zum Sen.-Major, zum Kommandeur der 50. Jnf.-Brig. (2. Großh. Hess.) ernannt. Zum Gen.-Major be­ordert Oberst Chales de Beaulieu, Kommandeur der 25. Feldart.-Brig. (Großh. Hess.-.

Wie dieNordd. Allg. Ztg." meldet, beschloß der Bundesrat auf die Resolution des Reichstags vom 13. März 1899, worin die verbündeten Regierungen ersucht werden, angesichts der zunehmenden Verunreinigung der Flußläufe durch Einleitung von Fäkalien, Schmutz- Wassern usw. eine R e ichs ko m m i ss i o n einzusetzen, welche den Zustand der mehreren Bundesstaaten gemein- amen Wasserstraßen im allgemeinen sanitären Interesse und rücksichtlich der Fischzucht zu beaufsichtigen hätte.

Gestern trat hier hier die Generalversamm­lung des Verbandes deutscher Eisenwaren­händler unter dem Vorsitz des Fabrikanten Schm ahl- Mainz zusammen. Nach Verlesung des Jahresberichtes prach der Vereinssyndikus, Rechtsanwalt Dr. F u l d-Mainz iber die zukünftige Handelspolitik. Folgende Re- olution wurde angenommen:

Der Verband deutscher Eisenwarenhändler erklärt den Abschluß langfristiger Handelsverträge für eine Lebensfrage des deutschen Volkes. Er verwirftjede Erhöhung der landwirtschaft­lichen Zölle, durch welche einerseits die Nahrungs­mittel der breitesten Schichten der Bevölkerung verteuert würden, anderseits der Llbschluß langfristiger Handels­verträge ernsten Hindernissen begegnete. Der Verband richtet an die verbündeten Regierungen und den deut­schen Reichstag daher das Ersuchen, "die von den agrari­schen Parteien aufgestellten übertriebenen Forderungen entschieden zurückzuweisen und an der bewährten Grund­lage der bisherigen Handelspolitik festzuhalten, welche den wirtschaftlichen Aufschwung Deutschlands und die Blüte der Industrie möglich gemacht yat.

Nikolskoe bei Potsdam, 19. Mai. Heute fand die eierliche Einsegnung der sterblichen Hülle der Prin­zessin Luise von Preußen in der hiesigen Kirche in Gegenwart des Kaisers, des Prinzen Chlodwig von Hessen-Philippsthal-Barchfeld u. a. Fürstlichkeiten statt.

Stuttgart; 18. Mai. Der Landtag überwies den von der Volkspartei eingebrachten Antrag auf Einführung von Postwertzeichen, die mit den Marken der Reichs­postverwaltung übereinstimmen, einstimmig der Finanz­kommission zur näheren Prüfung. Im Laufe der Debatte teilte der Ministerpräsident Breitling mit, daß zwischen Württemberg und der Reichspostverwaltung ein Meinungs­austausch d arü der statt finde, ob unter Wahrung der Sonder­rechte Württembergs eine geeignete Abrechnungsweise mög­lich sei. Ueber das Ergebnis der Verhandlungen werde die Negierung seinerzeit den Ständen Mitteilung machen.