Ausgabe 
20.12.1901 Erstes Blatt
 
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Glaubenskampfe erzählt, den er seit sieben Iahreu kämpft. Er wartet auf das Wunder, wie die ganze Christenheit darauf wartet, die ein Pfand begehrt für die Verheißung, die sehen will, um glauben zu können. Ist es wahr, daß hier ein Mensch alle heiße Sehnsucht der Menschheit, alle ihre Glau- benskrast in sich aufgenommen hat, und mit ihr das Wunder erzwingt, dann ist auch jene goldene, süßtraurige Legende von Golgatha wahr, dann hat Jesus Christus durchbrochen den unbarmherzigen Mechanismus der Natur, dann geht das Leben ftohlockend hinaus über den Tod .... Niemand in der Versammlung wagt noch ein lautes Wort zu sagen. Aber seligste Hoffnung verklärt sie, sie sehen allenthalben Zeichen und Wunder. Sie werfen sich nieder auf die Kniee, sie heben das verzückte Antlitz gen Himmel, sie harren dem großen Wunder entgegen sie, dieAufgeklärten", Nüchternen, Trockenen 1

Und wie sonderbar, im Theatersaal lauscht man mit ihnen, hingerissen .... man erwartet kein Schauspiel mehr, nan erwartet eine Offenbarung ....

Und nun kehrt Sang aus der Kirche zurück. Sem Weib aber erhebt sich von ihrem Schmerzenslager und schreitet ihm entgegen.Du leuchtetest,--als Du kamst, ---mein

Geliebter!", flüstert sie ihr Haupt sinkt wieder herab» die Arme fallen nieder, der ganze Körper giebt nach. Sang 'steht und hält sie und legt die Hand auf ihr Herz, beugt !sich dann überaus verwundert, schaut nach oben und sagt in kindlichem Ton:Aber das war ja nicht die Absicht"? beugt das Knie und legt ihr Haupt darauf, untersucht, legt sie vorsichtig hin und erhebt sich, wieder euiporschauend Aber das war ja nicht die Absicht? Oder? Oder greift nach seinem Herzen und fällt um, wie sie, nimmer mehr aufzustehen .... Das Wunder läßt sich erzwingen,'aber es geht über unsere Kraft, und statt zu beseligen, tötet es ... .

Das ist die unerhörte Dichterkrast Björnsons, daß er iins zwingt, an die suggestiven Wunder seiner Helden zu glauben, daß er durch sein Drama, dem die dramatischen Eigenschaften eigentlich sämtlich fehlen, Wirkungen von herz­bezwingender Gewalt herbeiführt. Die beiden Akte bestehen eigentlich nur aus Erörterungen über Glaubenssachen; schwer­fällig entwickelt sich aus breiter Exposition das Körnchen Handlung, und immer neue theologische Gespräche retar­dieren sie und dennoch folgen wir mit fieberhafter Span­nung, dennoch schlägt der wunderbare Schluß wie ein Blitz­strahl in die Seelen, und dennoch erschüttern die wenigen Worte, die Sang vor seinem jähen Tode spricht, alle Funda­mente unseres Denkens. Wir sollen an einen Menschen glauben, dessen Glaube an Gott so groß ist, daß, da er die Absicht seines Gebetes falsch erfüllt sieht, da in Jifjm die Ein­sicht aufdämmert, daß allein sein felsenfester Glaube und nichts Ueberirdisches ihm eine Kraft verlieh, die über die Kraft seiner Mitmenschen hinausging, sein Leben erlischt, denn dieses 'Leben war eben der Glaube ....

Es ruht eine großartige Zartheit über diesem einsamen Werke. Es ist gewiß schon manches wirkungsvollere Werk geschrieben worden, welches aber in der ganzen neueren Litte- ratur ist feiner, ergreifender?! Diese zwei Björnson'schcn Akte sind ganz innerlich, feierlich, groß. Allein betrachtet, ohne den zweiten Tell der Dichtung, stehen sie vor uns wie die zwei wundervollen Sätze jener Schubert'schen L-rnoll-Sym- phonie, unvollendet-vollendet, ein so großes Kumtwerk, daß man nichts an feine Seite stellen möchte. Aber es giebt neben dem Dichter Björnson, der mit genialer Rücksichts­losigkeit gegen die Möglichkeiten und Gesetze der Bühne das neben IbsensBrand" reinste und weihevollste nordische Werk geschrieben hat, noch einen klugen und agitationsbedürf­tigen TheaterpraktikuS Björnson, den Björnson des zweiten , Teiles. Der Bildhauer HasselriiS, der Schöpfer des Pariser Heinedenkmals, hat ihn nicht übel charakterisiert:

Er hat immer Lust zu fabulieren, für etwas Propaganda zu machen, was ihm nahe geht, und seine Worte klingen fast immer schön. Man hort ihn ebenso gern, als er sich selbst gern hört, und er kann wirklich begeistern. Wenn er Schauspieler geblieben wäre, hätte man gewiß auch viel von seiner mimischen Kunst ge­sprochen . . . /

Doch bleiben wär beim ersten Teil. Es ist sehr selten gelungen, eine ganz dem Idealen zugewandte, in oer Welt kaum heimische Natur poetisch erträglich zu machen. Björnson hat es auf die einfachste Weise erreicht. Der Pfarrer Sang umgiebt uns schon vor seinem Auftreten dicht und dichter mit den Schatten, die er wirst: die schwer leidende Frau, die so lange vernachlässigten Kinder, das sind so beredte Zeugen seiner Schuld, daß uns dann die wunderbare Kind­lichkeit des Mannes ganz überwältigt. Ja die Kindlichkeit, sie sühnt dann in einem Augenblicke alles. Der Dichter hat mit dem feinsten Takt empfunden, daß nur in einem solchen Wesen ein solcher Gedanke ohne abstoßende Wirk­ungen oder überhaupt überzeugen kann. Und da kommt er nun herein und bringt einen ganzen Frühling mit, einen

Frühling voll Duft und Gesang, daß wir denken müssen, es sei schön, für ihn an seiner Seite zu sterben, und ganz in der Seele seines Weibes fühlen, wenn es, von ihm getötet, an ihm niedersinkt und ihn noch fterbenb mit unendlich schönen Worten grüßt. Es ist ein mörderisches Ideal welches Ideal ist es nicht, in seiner Reinheit genommen! aber wir fühlen auch, daß es eines Opfers wert ift Seit Faust, seit jenem:

Sonst stürzte sich der .Himmelsliebe Kuß Auf mich herab in ernster Sabbathstille" hat es niemals ein Dichter so ergreifend deutlich gemacht, wie viel die Menschheit ap dem Traum ihrer Kindheit ver­liert.

Das Stück i|t mit Bewußtsein a;-nchristlich, es predigt nicht den Glauben an das Wunder, sondern den Unglauben. Tie Ewzeit fällt mit dem schnöden Spiel geheimnisvoller und gefährlicher Naturkräfte über diesen Maimenschen herein, das ist sein Tod. Ter Dichter will sagen, daß man so wie Pfarrer Sang nur leben kann, wenn man keine Augen für das Wirkliche hat werden diese aufgethan, so ist es der Tod.

Tas Stück ist bewußt widerchristlich; ob es auch that- sächlich gegen das Christentum ist, hangt davon ab, ob man die obige Gleichung zugiebt, ob das Christentum notwendig ein Leben über die Natur hinaus ist. ; . .

Welch ein sinnverwirrender Poet, welch ein Geistes­beherrscher steckt in diesem nordischen Dichter, dessen kühne, Geist und Gemüt erregende Gedankensymvhonie eine unend­liche Fülle feiner und starker dramatischer Effekte sprüht, die echt dramatisch ist in jedem Wort und dabei doch allen dramatischen Regeln Hohn spricht, deren Zustands­schilderung auf körperlich-pathologischen Elementen beruht, die zu Beginn des ersten Aktes die Grenze des Erträglichen nahezu überschreitet und die doch die Kraft eines Genius zeigt, eines Genius, der ein größerer Wunderthäter ist denn Pastor Sang.

Das Trama ist zu ernst, um die Aufmerksamkeit eines großen Publikums zu fesseln. Stücke, die mit einem großen Fragezeichen schließeni Gitt! Für die wenigen aber, die erschienen waren, bedeutete das Drama wohl einen hohen geistigen Genuß; zum mindesten wird es eine starke oder wenigstens aufregende Wirkung auf die ernsteren und die litterarisch geschulten Zuhörer ausgeübt haben. Die Auf­führung verdient lebhafte Anerkennung. Der Sang war Herr Ger lach. Die Rolle ist enorm schwierig zu gestalten, wenn sie nicht monoton wirken soll. Herr G- war anfangs nach meinem Empfinden zu süßlich und zu pathetisch, im allgemeinen zu konventionell, in der Maske nicht besonders vorteilhaft. Der wunderthätige Pastor braucht milde Schwär­merei gepaart mit dem lebensvollen Feuer hellster Glaubens­begeisterung, ein aufgeregtes, märchenträumendes Kinder- Herz. Ganz gut aber gelang ihm das Gespräch mit seinem Sohne. Aus der Frau Sang mit ihrer bei scharfem Wirklich- keitssinn hingebenden Liebe, ihrer merkwürdigen seeli­schen Zartheit und ihren pathologischen Symptomen schuf Frl. Hohenfels ein Charakterbild von überzeugender Wahrheit. Die schwierige Aufgabe, den wertvollen seelischen Gehalt über die Krankenstubenatmosphäre hinaus zu retten, löste sie in fesselnder Weise. Vielleicht hätte die Nerven- leidende ein lebhafteres Spiel mit den Kissen re. aus­führen können, vielleicht sprach sie nicht sowohl krankhaft nervös, als vielmehr zu jämmerlich monoton, vielleicht gab sie der im Grunde fest auf realem Boden stehenden Frau, die sich der Intelligenz ihres Geschlechtes rühmt, einen allzu kindlichen und gedehnten Ton. Immerhin verdient betont zu werden, daß die junge begabte Künstlerin mit Heroismus sich dieser alten Mutterrolle geopfert hat und daß die Anlage richtig, die Gesamtleistung, trotz allem, ein kleines Kunstwerk war. Der Preis des Abends aber ist Herrn Schneider zuzuerkennen. Er zeigte schönste Gefühls­kraft, bald behutsamsten Takt, bald hellste Efftase, bald stand er erschüttert vor der geheimnisvollen Welt des menschlichen Geistes kurz? er beleuchtete den jungen Zweifler mit den charakteristischsten Lichtern. Die große Rede des Pastors Bratt hatte Herr Rarnseyerzu sprechen. Er that es wohl mit allzu weisem Maße, das nicht so ganz dem nach Wundem sich sehnenden Geistlichen entsprach. Doch bot auch er ein erschütterndes Seelengemälde. Noch wäre der wackere junge Pastor Kröjer des Herrn L e ß m a n n hervorzuheben. Frl. v. Hellbronn hatte als Hanna eine sehr undankbare Rotte, und Frl. Feige wußte mit den Rahel nicht viel anzufangen. Etwas mehr Anzeichen nach-- denttichen Wesens wären am Platze gewesen. Die Konferenz der Geistlichen wurde von den Herren Woisch, Hertzog, Faber, Sandor und Zoder nicht übet geführt. An­gemessen war auch in ihrer kurzen, nicht gerade geschickt angebrachten Episode die uralte Pfarrerswitwe der Frau Jenny.

Herr Gerl ach, der Spielleiter, hat dem zweiten Akte einen sehr charakteristischen szenischen Hintergrund von intimer Wirkung zu geben gewußt. P. W.

Kolonialpost.

Debet die Etpeditiou der Schutztruppe von Kamerun gegen die Bangwa berichtet der kaiserliche Gouverneur folgende

Einzelheiten: Nachdem dte beiden ExpeditionS-Kompagmen am 20. bezw. 21. Oktober d. Js. auf dem Landwege am Mungo entlang abmarschiert waren, hat sich am 24. des- elben Monats der Kommandeur der Schutztruppe, Oberst­leutnant Pavel, mit seinem Stabe Adjutant Leutnant v. Gellhorn, Stabsarzt Zupitza, Leutnant Buthut für Routen­aufnahmen zu Wasser den Mungo aufwärts begeben. Die Kompagnien setzten sich wie folgt zusammen: 1. Kam» pagnieFührer Oberleutnant v. M a d a i, Leutnant v. Klinkow- ftröm, drei weiße Unteroffiziere und 150 Mann; 2. Kom­pagnie: Führer Oberleutnant Stiebet, Leutnant Graf Still­fried, drei weiße Unteroffiziere und 150 Mann. Dazu: sieben Reittiere, ein Schnelllade-Berggeschütz, etwa 700 Träger. Um das Land nicht zu sehr zu belasten, marschierten die Kompagnien und der Stab getrennt bis Tinto, wo die Ver­einigung stattsindet. Zweck der Expedition ist die Bestrafung und Unterwerfung bet Bangwa und die Anlegung einer Station im Bangwagebiet. Darauf Vormarsch nach Banyo, wohin gleichzeitig von Poko aus Oberleutnant Nolte mit seiner Kompagnie marschiert und wo ebenfalls eine Station angelegt werden soll.

Ans Stadt und Sand.

Nachrichten von allgemeinem Interesse sind uns stets wMommen und werden angemessen honoriert.

Gießen, 19. Dezember 1901.

K. Zur Mainzer Diözesan-Konferenz, über die wir zuletzt in unserer Nr. 297 berichteten, geht uns von einem unserer Leser, der Mitglied des Tiözesan-Kirchen- Vorstandes ist, ein Schreiben zu, das einige ergänzende Be- merlungen zu unseren Berichten über die jüngsten Verhand­lungen dieser Körperschaft in Mainz enthält und das wir im folgenden wiedergeben: Tie vor etwa zwei Iahten eingesuhrte Kirchensteuer konnte damals keine definitive Re­gelung erfahren. Es hing dies mit den in der Umbildung begriffenen Staatssteuern und anderen Verhältnissen zu­sammen, deren Darlegung kein allgemeines Interesse bean­spruchen kann. Erst jüngst konnte man mit Sicherheit auf absehbare Zeit zur Bestimmung des Prozentsatzes schreiten, der von den direkten Staatssteuern für die Kirchensteuer zu erheben ist, wenn die Besoldung der kath. Geisllichkeit nicht hinter per unserer Volksschuttehrer zurückbleiben sollte, von akademisch gebildeten Lehrern und anderen BeamtenkatL- gorien gar nicht zu reden. Mit dem Beschluß des Diözesan« Mrchenvorstandes, die Kirchensteuer endglltig auf 6 Prozent festzulegen, wird die bischöfliche Behörde im wesentlichen ein­verstanden fein. Bei der großen Rücksicht, die her Bischof auf die zur Zeit abnehmende Steuerkraft nimmt, ist sogar eine Ermäßigung dieses Prozentsatzes nicht ausgeschlossen. Was nun die Ablösung der Stolgebühren anlangt, ist vor allem zu beachten, daß dieselbe als ein ins Gewicht fallendes AeqUivalent nicht in Betracht kommen kann. Diese Gebühren iinb so gering, daß sie kaum einhalb Prozent der direkten Staatssteuem au fro legen. Im Fall der Zubilligung der Ablösung würde sich die Kirchensteuer auf 6.50 Prozent der direkten Staatsfteuer erhoben haben. Uebrigens stehen der Aufhebung dieser Gebühren gewichtige Bedenken entgegen; auch> erfordert ihre Beseitigung die Zustimmung des Papstes. In allen wesentlichen Fragen stimmten die bischöfliche Be­hörde und der Tiözesan-Kirchen vor stand überein. Zweifel über die Grenzen der Kompetenz dieser Körperschaft, wie sie bei einzelnen Mitgliedern bestanden haben mögen, sind jedenfalls durch die Verhandlungen vollständig beseitigt worden.

** Uebertritt zur evangelischen Kirche. In der vergangenen Woche traten zwei in reiferen Jahren stehende Herren, nachdem sie sich längere Zeit hierzu vor­bereitet hatten, in unserer Stadtkircye vom katholischen zum evangelischen Glauben über. Einer der Uebergetretenen ist Schlesier, der andere Oesterreicher. Des letzteren Familie ist infolge derLos von Rom"-Bewegung in der Heimat evangelisch geworden. Den gleichen Glaubenswechsel voll- zogen kürzlich in der Johanneskirche eine ältere Tarne und deren Tochter.

B. Leihgestern, 17. Dez. Um die Mittagszeit er­eignete sich in unserem Orte heute ein schwerer Unglücks­fall. Ein für eine Butzbacher Firma hier arbeitender Dach- deckergehilfe stürzte von dem zweiten Stockwerk eines in der Bahnhofstraße gelegenen Neubaues in die Keller­räume. Er scheint schwere innerliche Verletzungen erlitten zu haben. Mitleidige Hände nahmen sich feiner an. Er wurde nach Gießen in die Klinik gebracht.

t Nieder-Ohmen, 18. Dez. Bei der am 18. Dez. hier erfolgten Wahl eines Kreistagsmitgliedes wurde unser neu gewählter Bürgermeister, Mühlenbesitzev H. Neeb, mit 14 von 16 Stimmen gewählt.

n. Ran stad t, 18. Dez. Gestern wurde in unserer Nähe die erste Holzversteigerung abgehalten. Für Scheit­holz wurden hohe Preise erzielt, der Raummeter wurde mit 7 bis 9 Mk. verkauft. Reisholz war verhältnismäßig billig, der Raummeter wurde für ca. 60 Pfg. zugeschlagen.

Spare wo Du kannst!

^Nachdruck verboten.)

Gut und doch billig haushalten, das ist das Ideal jeher tüchtigen Hausfrau und wo, ohne sich irgend etwas abzuziehen, gespart werden kann, da ist sie gleich zur Stelle. Sparen kann man nun sehr viel durch die Einführung der Selbstbäckerei im Haushalt, wenn auch naturgemäß nicht alles selbst gebacken werden kann.

Zunächst macht das Selbstbacken jeder Hausfrau Freude, aber vor allen Dingen weiß sie auch ganz genau, was sie genießt und welchen Wert für die Ernährung das von ihr selbst Gebackene hat. Das Backen mit Hefe nimmt viel Zeit in Anspruch, auch ist die Anwendung von Hefe für unsere Gesundheit schädlich, denn bei her durch Hefe eingeleiteten Gährung bilden sich stets organische Säuren, vornehmlich Milchsäure, welche dem Brote einen mehr oder weniger sauren Geschmack verlechen und sehr häufig im menschlichen Körper, besonders bei Personen mit schwachem Magen, Verdauungsstörungen Hervorrufen.

Es wurden nun im Laufe der Jahre eine ganze Anzahl mehr oder weniger brauchbarer Backpulver als Ersatz in den Handel eingeführt, welche jedoch alle an dem Uebel- stand litten, daß sie im Verhältnis zur Hefe zu teuer waren. Ein Päckchen Backpulver zu 10 Pfg., ausreichend für ein Pfd. Mehl, war zu kostspielig, um eine allgemeine Ver­wendung zu gestatten. Man gebrauchte eben Backpulver meist nur bei besonderen Gelegenheiten, wenn matt sich etwas AußergewöhnlichxS M Gute thuu. wollte.

Heute ist auch dieses Hindernis behoben.

Die Fabrik chem. Pharmazeut. Präparate von Arnold Kürten in Solingen bringt neuerdings unter dem Namen Ambabackpulver in Paketen zu 10 Pfg. ein Präparat in den Handel, welches nach dem Urteil von vielen hundert er­fahrenen Hausfrauen an Güte und Triebkraft alles bisher oagewesene übertrifft, dabei im Preise um mehr als die Hälfte billiger ist, da ein Päckchen ausreicht für 24 Pfd. Meyl, je nach Schwere des Teiges. Dieser billige Preis ermöglicht auch die Anwendung bei leichten Pfannen­bäckereien, der sog. Hefeküchelchen, nur muß hierbeid^ achtet werden, daß man dieselben auf der er|'ten,^nte nicht allzulange backen läßt. &ie mit Ambabackpulysr her- gestellten Backwerke werden äußerst locker und wipd dadurch die Verdaulichkeit derselben ungemein erhöht./

Vergleicht man diese vortrefflichen Eigenschaften des Ambabackpulvers mit den schädlichen Eigenschäften oer Hefe, sowie den Zeitverlust beim Backen mit der letzteren, so wird sich in Anbetracht des billigen Preises auch gegenüber den bisherigen Backpulvern keine tüchtige, rechnende Haus­frau mehr besinnen, welchem Auftreivungsmittel sie von jetzt an den Vorzug geben wird.

Ter billige Preis des Ambabackpulvers ist nur dadurch möglich, daß sich die Fabrik in der Hoffnung auf großen Absatz mit ganz geringem Nutzen begnügt.

Um sicher zu gehen, daß man nicht den doppelten Preis zahlt für womöglich weniger gute Ware, verlange- man ausdrücklichAmba" und achte auf die weltbekannte FabrikmarkeZwillinge" auf den mal-Arn ^.«backpulver- Bäckchen.

Gewiß wird manche Hausfrau Zweifel Legen und es füt unmöglich halten, daß das nicht halb fb teure Ambaback­pulver ebenso gut, ja noch betfor/ein soll, als die bis­herigen.

Um daher jederHailsfrau Gelegenheit zu geben, selbst zu prüfen und üdfauS eigener Anschauung und Ueber- zeugung em^Urteil zu bilden, erklärt sich obengenannte FabrikArsiold Kürten, Solingen, hierdurch gern bereit, jedex^Hausfrau, welche unter Bezugnahme auf diese Zeitung JkS Ende dieses Monats den Wunsch äußert, ein Paket Ambabackpulver gratis und franko zum Versuch zu über­senden. Als Ersatz für die benutzte Postkarte sendet die Fabrik eine schöne Ansichtskarte mit Deutschlands höchster Brücke bei Müngsten.

Eine Anzahl für den sparsamen Haushalt berechneter, approbierter und bewährter Rezepte werden in den Ge­schäften umsonst verabreicht, auch vom Fabrikanten gratis und franko zugesandt. Selbstverständlich kann aber Amba­backpulver auch zu allen anderen guten, von den ver­schiedensten Seiten veröffentlichten Back-Rezepten verwendet werden, nur mit dem Unterschiede, daß ein Päckchen Amba­backpulver für zwei Pfd. Mehl reicht und trocken mit dieseni gemischt wird. Man hat also bei denjenigen Rezepten, bei denen ein Psd. Mehl angegeben ist, nur nötig, ein Päckchen Ambabackpulver in zwei Hälften zu teilen, niemals aber thne man des Guten zu viel, und nehme ein ganzes Päckchen auf ein Pfd. Mehl, da man hiermit etwas ähnliches Her­vorrufen würde, wenn ein Gericht gründlich berfal^ wird. £373