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Anstand.
ßoabon, 19. April. Der ^Morning Post" wird aus Washington von gestern gemeldet: Die Regierung beschäftigt sich jetzt mit einem Plane, für die amerikanische Flo tte rund um die Erde Kohlenstationen zu schaffen. Mrt Portugal finden Verhandlungen statt, wegen des Erwerbs einer Station auf Turayao; mit Ecuador wird wegen Abtretung der Galapagos-Jnseln ver handelt. Die Regierung wünscht SouveräoitätSrechte über die betreffenden Territorien und nicht b!oS das Recht zu erwerben, Kohlenstationen auf ihnen zu errichten. DaS Staatsdepartement hat fich bereits das Recht auf Stationen bei Zokohama und in der Nähe von La Paz (Mexiko) ge fichert.
Paris, 18. April. Dem „Matiu" zufolge wird die Regierung beim Wiederzusammeutritt der Sammer einen Gesetzentwurf betreffend die Ueberführung der lieber- reste GambettaS nach dem Pantheon einbrivgen. .
Ro«, 18. April. In Gegenwart aller -in Rom an- wesenden Kardinäle und sonstigen geistlichen Würdenträger, des diplomatischen Korps, vieler Mitglieder des römischen Adels und einer großen Anzahl sonstiger Eingeladenen fand heute vormittag ein öffentliches Konsistorium statt, in dem der Papst an den neu ernannten Sardinälen die Cere- monie der Hutaufsetzung vornahm. Am Schluß der Feier- lichkett erteilte der Papst, der sehr wohl aussah, seinen Segen. Ferner nahm der Papst in dem Konfistorium (Ernennungen von Bischöfen vor, darunter auch die des Bischofs Henle von Passau.
Wien, 18. April. Der Deutsche Kronprinz empfing gestern auf der deutschen Botschaft die Vorstände sämtlicher hiesiger reichsdeutscher Vereinigungen. Er machte den Ober- Hofmeistern Fürst Liechtenstein und Fürst Montenuovo, dem Korpskommandanten Uexküll, dem Feldmarschallleutnant Holbein sein Bildnis zum Geschenk und reiste am Abend nach Berlin zurück.
Petersburg, 18. April. Der „Invalide" veröffentlicht eine neue Verordnung des KriegSratS, nach der den Offizieren die Verheiratung erst im Alter von 25 Jahren gestattet wird. Von Erlegung einer Kaution, die in Prozentpapieren oder in unbeweglichem Gut bestehen Sann, werden diejenigen Offiziere befreit, die eine Jahres- gage von 1200 Rubeln erhalten.
Aus Stadt und Land.
Sieben, 19. April 1901.
H Delegierteoverfammlung der Sterbekaffe für Mitglieder M hessischen Landesgewerbevereins. Im Anschluß an unsere gestrige kurze Notiz, wonach am nächsten Sonntag vormittag 11 Uhr die Delegiertenversammlung im Stein'schen Saalbau siattfindet, wird uns noch mitgeteilt, daß an dieser Versammlung auch die hiesigen Mitglieder der Sterbekaffe teilnehmen können. Bei dem großen Interesse, das die Verhandlungen insbesondere für die Gießener Mitglieder haben dürften, da verschiedene von Gießen gestellte Anträge zur Beratung stehen, darf wohl eine zahlreiche Beteiligung der hiesigen Mitglieder vorausgesetzt werden. Ebenso erwünscht wäre es aber auch, wenn sie sich auch recht zahlreich an dem in Aussicht genommenen Mittagessen beteiligen würden, wozu Anmeldungen bis zum Samstag abend von den KommisfionSmitgliederv, den Herren Karl Berg, Louis Petri II. und Sparkaffegehilfe Ehr. Haas entgegen genommen werden.
le. Wißmar, 19. April. Gestern abend ereignete sich hier ein schwerer Unglücksfall. Der Sohn des Gemeinde-Vorstehers Pansch, ein braver, nüchterner Mann anfangs der dreißiger Jahre, fuhr mit dem Gastwirt Lauz nach Wieseck, um Sand zu holen. Während der Heimfahrt saß Pausch auf dem beladenen Wagen. Plötzlich rutschte er aus und kam unter die Räder, die ihm über den Leib gingen. Nachdem Dr. Seip dem Verletzten einen Notverband angelegt hatte, wurde der Verunglückte in die Gießener Klinik gebracht, wo er schwer krank darnieder liegt.
Bntzbach, 18. April. In der gestrigen Gemeinderatssitzung wurde dem Gemeinderat durch Bürgermeister Küchel die von Geh.-Rat Dr. Kittler in Darmstadt gefertigte Skizze über die Erweiterung des hiesigen städtischen Elektri zitätSwerkes, wonach das neu zu erbauende Maschinen- und Kesselhaus neben dem Akkumulatorenraum zu stehen kommen soll, zur Einsicht vorgelegt. Es wurde hierauf, wie die „Butzb. Ztg." meldete, die Erweiterung des Elektrizitätswerkes und Aufstellung einer stationären Dampfmaschine beschlossen. Bezüglich der Bestimmung des Platzes, auf dem das neue Maschinen- und Kesselhaus errichtet werden soll, und der nach der Zellenstrafanstalt zu führenden Leitungen, — ob der Anschluß durch Sabel oder durch Freileitungen auSgeführt werden soll — wurde bt stimmt, Dr. Kittler zur erforderlichen Aufklärung über diese Angelegenheit hierherkommen zu laffen.
(!) Bad-Nauheim, 18. April. Unsere Gemeindevertretung hat an die Zweite Kammer eine längere Vorstellung gerichtet, ii der u. a. folgendes auSgeführt wird: Bad-Nauheim und 28 andere Gemarkungen bilden derzeit den 2. Oberhesfischen Wahlbezirk mit einer Seelenzahl von 22,334; davon entfallen , nach der Volkszählung vom 1. Dezember 1900, 4505 Seelen auf Bad-Nauheim. Wir glauben vorauSsctzen zu dürfen, daß hinsichtlich der Vertretung eines Wahlbezirks nicht die Seelenzahl, sondern da- Maß, in welchem er an een Staatseinnahmen und dem Landeswohl beteiligt ist, ent scheidend sein muß. Hinsichtlich dieser Leistungen stehen wir jetzt nicht nur der Stadt Friedberg gleich, sondern wir find, durch den Umstand, daß infolge des Beschlusses der Zweiten Kammer der Landstände in der gegenwärtigen Session 100,000 Mk. aus der Großh. Badekasse den Staatseinnahmen zufließen, hinsichtlich unseren Leistungen für das Land not। mehr in den Vordergrund getreten. Dazu kommt aber, daß in dem Verhältnis, wie die Zahl der Kurgäste (zirka 23,000 im letzten Jahr) zunimmt, und die Stadt hinsichtlich der Einrichtungen : Straßen- und Wegebau, Beleuchtung, Kanal -
ation, öffentliche Sicherheit, immer größeren Anforderungen erecht weiden muß, die Einwohner durch Lommunal-Umlauen immer wehr belastet werden und daß die hiesigen Ein wohver, wenn sie auch durch persönlichen Gewinn aus diesen Tdatsachen wieder Vorteile genießen, diese Lasten doch im Jntereffe des Landes, das an der Hebung des Bades aus idealen und materiellen Gründen aufs ernsteste beteiligt ist, tragen. — Es wird gebeten, daß Bad-Nauheim den Städten, die einen besonderen Abgeordneten wählen, zngesührt werde oder daß der Amtsgerichtsbezirk Bad-Nauheim mit einer Seelenzahl von 10,614 künftig einen Wahlbezirk allein bildet.
-o- Büdingen, 19. April. In dem hiesigen Fichtenwald „Eichelköpfchen" wurde der ledige Heinrich Wiedersum von hier an einem Baume er hängt aufgefunden. Der Tote wurde von seinen Eltern seit Samstag mittag vermißt.
fc. Durchbracht (Kr. Büdingen), 18. April. Anfangs iefer Woche zogen mehrfach heftige Gewitter über unsere (Sagend. Einem hiesigen Landwirt, der beim Holzholen im Walde von einem Gewitter überrascht wurde, wurde das Pferd durch einen Blitzstrahl getötet.
Soh. Darmstadt, 18. April. Der Beigeordnete Schließ hake soll einem hier kursierenden Gerücht zufolge demnächst wieder in den Staatsdienst übertreten. — Wie wir vernehmen, wird an Stelle des kürzlich in Berlin verstorbenen Geh. Oberbaurats Wetz, der als Vertreter des hessischen Mini- teriums im Preußischen Eisenbahnministerium fungierte, der etzige Referent und Vortragende Rat Geh. Oberbaurat Mayer in gleicher Eigenschaft nach Berlin designiert werden. M. ist ein geborener Württemberger! — Um das stetige ungesunde Ueberhandnehmen der Grund-, Boden- und Bau- pekulation einzudämmen, wurde durch den Vorsitzenden in der heutigen Stadtverordnetensitzung eine wichtige Aenderung in allernächste Aussicht gestellt. Während man seither durch Ortsbaustatut eine ganze Anzahl Bauquartiere einschränkte und die Bauthätigkeit hemmte und damit der Grund- Spekulation Thür und Thor öffnete, sodaß sich die Forderungen für anderes Banterrain inS Ungemeffene steigerten, ollen jetzt in allen Stadtteilen, wo nur irgend angängig, )ie harten Bestimmungen fallen und durch Eröffnung eine Menge neuer Bauquartiere größeres Bauterrain gleichsam auf einmal auf den Markt geworfen werden. Man hofft >admch nach und nach wieder normale Preise herzustellen. — An Minderbemittelte wurden durch die Bürgermeisterei im abgelaufenen Winter ca. 3033 Zentner gewöhnliche Kohlen und 71 Zentner BriquettS adge- geben. — Die Stadtverordnetensitzung versagte heute auf Antrag der Baupolizei-Verwaltung und der Hochbau- ommission zc. die Genehmigung zur Erbauung einer in der rirschenallee zu errichtenden Dampfbäckerei. — Die auch n anderen Städten eingeführten GaSautomaten für affige Zahler haben fich gut bewährt. Deren Zahl soll vermehrt werden.
Mainz, 18. April. Die so zahlreich notwendig werdenden Beurlaubungen der Lehrerinnen wegen Kränk- ich keit dürften den Schulleitern doch zu denken geben. So wurden dieser Tage in Mainz und allernächster Umgebung nicht weniger als fünf Lehrerinnen wegen Krankheit längere Zeit beurlaubt. Außerdem sollen in Hessen in den letzten Tagen noch eine weitere Anzahl Lehrerinnen wegen Kränklichkeit beurlaubt worden fein. — Für die elektrische Beleuchtung des StadtheaterS sind im Voranschlag 102,000 Mk. vorgesehen worden. Für daS Gutachten des Professors Geheimrats Kittler zu der Ausführung der elektrischen Beleuchtungsanlage wurde gestern im Finanzausschuß die Summe von 2000 Mk. bewilligt. — Der Finanzausschuß beschloß in seiner gestrigen Sitzung, daß für das Kreyßig- Denkmal ein Konkurrenzausschreiben mit der Aussetzung eines Preises von 500 Mk. erfolgt. Der Voranschlag für daS Denkmal soll 25,000 Mk. nicht überschreiten, 15,000 Mk. stehen für daS Denkmal zur Verfügung, sodaß die Stadt höchstens 10,000 Rtt. zuzulegen hat. Für die Aufstellung des Denkmals ist der Forsterplatz vorgesehen, doch sollen die Künstler bei Ausarbeitung ihrer Pläne nicht an diesen Platz gebunden werden.
Frankfurt a. M., 18. April. In den letzten Tagen haben unter Hinzuziehung des hiesigen RechtS-Konsulenten der Firma M. A. von Rothschild & Söhne in Paris Familien- Konserenzen stattgefunden und wurde die vollständige Liquidation des hiesigen Hauses endgiltig beschlossen.
fc. Frankfurt a. M., 18. April. Der Ehrenbürger unserer Stadt, Excellenz von Miquel ist heute von Wiesbaden kommend hier eingetroffen. Wohnung hat Herr v. M. im „Englischen Hof" genommen.
Vermischtes.
* Berlin, 18. April. Durch die heute erfolgte poli- zeiliche Vernehmung eines der bei der Explosion in der Michaelkirche verwundeten Knaben ist nahezu mit Sicherheit festgestellt worden, daß das Unglück auf eine Gasexplosion zurückzuführen ist und keine andere Ursache hat. Der Knabe gab an, er sei vom Organisten zu dem die Bälge tretenden Grenadier geschickt worden, um chm eine Bestellung auszurichten. Dabei habe er in dem Raume einen starken Gasgeruch wahrgenommen und selbst sofort den offenstehenden Gashahn geschloffen. Nachdem er den Grenadier daran aufmerksam gemacht habe, sei er selbst heruntergelaufen und habe gesehen, wie der Soldat, oben an der Treppe stehend, taumelnd ein Streichholz anzündete. In demselben Augenblic erfolgte die Explosion. Daß die Gasleitung in Gebrauch war, wird auch durch die Angabe des Kirchendieners bestätigt, der gestern noch ix der Sakristei einen Gasofen ange- zündet hat.
* lieber den Stand der Typhuskrankheit be dem 2. Bataillon des 8. bayerischen Infanterie-Regiments in Metz meldet die Korresp. Hoffmann: Die Zahl der Typhuskranken beträgt z. Z. 274, die Zahl der wegen Typhusverdacht unter Kontrolle stehenden beträgt 17. Leider find feit dem 15. d. M. wieder fünf Kranke, im ganzen also
zehn, ihrer schweren Infektion erlegen. Ohne Rücksicht c uf den Kostenpunkt wird den Erkrankten die sorgfältigste -Behandlung und Pflege zuteil, sowie alles aufgeboten, die Widerstandskraft der nicht erkrankten Soldaten und der in günstigen Unterkunftsverhältnissen befindlichen Soldaten ceS Bataillons zu erhöhen. Die angestellten Erhebungen über die Ursache der Epidemie sind noch nicht abgeschloffen, weisen edoch bis jetzt mit hoher Wahrscheinlichkeit auf daS Trink- waffer als Vermittler der Infektion hin.
* London, 18. April. Der deutsche Dampfer „Amazonas" ist mit 2 gebrochenen Schrau ben- lügeln auf den Cap-Verdi'schen Inseln eingetroffen.
• SchiffSunfälle. Aus Malta meldet Reuter vom 18. d. M.: Als das englische Kriegsschiff „Hood" )cute früh den Hafen verließ, fuhr es auf den franzöfi- chen Postdampfer „Eugene Pereise" der dort vor Anker lag, auf. Die Hood verlor zwei Boote, der Post- dampser erlitt geringe Beschädigungen.
Universltäts Nachrichten.
— Der Ausschuß der Studierenden der «roßherzogltche« Technischen Hochschule zu Darmstadt hat, wie man uu« mit- tetlr, folgendes Schreiben an die Zweite Kammer der Lavdständr teS Großherzoglums gerichtet: „Der unterzeichnete Ausschuß gtebt sich die Ehre, den aufrichtigen Gefühlen deS DankeS der Studentevickraft der GtoßherzoglichLn T chnisch-n Hochschule für das Wohlwollen AuSdiuck zu Derlei6en, welche daS Hohe HauS der Hochschule durch die Bewilligung einer namhaften Geldsumme zur Vergrößerung derselben entgegen gebracht hat. Getragen von dem warmen Interesse der Vertreter de« hessischen Volkes und einer hohrn Staatsregierung, wird unsere Hochschule den wachsenden Anforderungen auch in Zukunft gerecht werden, und ihre Jünger werden bestrebt fein, fich eines solchen Interesses würdig zu erweisen, indem sie dazu beitragen, den Namen ihrer Hochschule über die Grenzen deS HesienlandeS, über die schwarz- weiß roten GrenzpfShle hinaus auch in alle Zukunft einen schöne» Klang zu verleihen, um somit ihr Scherflein zur Blüte und Ansehen Hessens, sowie des deutschen Vaterlandes beizutragen."
— Dem Pathologen Dr. David Hansemann von der Berliner Universität ist der Adel verliehen worden.
— Der Privatdozent an der Technischen Hochschule zu Berlin, Ingenieur Heyn, ist zum etatsmüßigen Professor an dieser Anstalt, der privatdozent der theologischen Fakultät der Universität zu Marburg, jic. theol. Dr.phil. Richard Kraetzschmar, zum außerordentlichen Pro- esior in derselben Fakultät, der Regierungs- und Baurat Danckwerts in Cassel zum etaismäßigen Profeffor an der Technischen Hochschule in Hannover ernannt worden.
Kunst und Wissenschaft.
München, 18. April. Der Kölner Männergesangverein brachte heute mittag im Hofballsaal der Königlichen Residenz dem Prinzregenten eine Huldigung dar, bei der die dorttgen sämtlichen Mitglieder der königlichen FamUie und zahlreiche Angehörige der Hofgesellschaft zugegen waren. Rach einer Ansprache des Vereinsprästdenten trug der Verein niet Siebet vor, worauf fich der Prinzregent die Vorstandsmitglieder vorstellen ließ. Später fand Frühstück für die Sänger statt.
Gerichtssaal.
8ed. Darmstadt, 18. April. (Kriegsgericht.) Der Musketier Hch. Martin von der 9. Kompagnie deS Jnf.-RegtS. Nr. 117 au« Gambach bei Butzbach hat am 17. März in schwerer Trunkenbeit einen Kameraden, der ihm beim Ausziehen half, mit einem Messer elf.en Stich in den Arm beigebracht. Der Angeklagte hat außerdem den Verletzten und die ganze Kompagnie mit Todtstechen bedroht. Er erhält 30 Tage Gefängnis, auch wird das Meffer eingezogen.
Mainflingen, 16. April. Wir berichteten seinerzeit von der Auffindung der Leiche des in der weiteren Umgegend bekannten Schäfers Peter Anton aus Klein-Ostheim. Die gerichtliche Leichenschau scheint einen Mord konstatiert zu haben. Der Hinterkopf des Leichnam« zeigt ebenso wie die rechte Stirnseite mehrere klaffende Wunden. Auch soll die Schädeldecke einen doppelten Bruch aufweisen und der übrige Körper onsttge Spuren äußerer Gewalt tragen. Etwa 200 Meter von der Fundtelle der Leiche wurde die stark mit Blut befleckte Schäferschippe AntonS entdeckt. Dem Schäferhunde, der bei dem tm Waffergraben liegenden Leichnam Wache hielt, fehlte daS lederne Halsband. Der Fundort liegt unweit des „Heißerackerhofs" auf unterfränkischem Gebiet zwischen den Gemeinden Dettingen und Klein-Ofiheim. Man neigt der Ansicht zu, eine vorüberziehende Zigeunerhorde habe sich wohl aus der Heerde ein Schaf aneignen wollen, sei dabei mit d-m Hirten in Kampf geraten und habe ihn mit seiner eigenen Schippe erschlagen.
— Rechtsschutz gegen ArbeitSwucher. Durch ein Urteil des Stuttgarter Gewerbegerichts ist unlängst ein Dienstvertrag, wonach einer SZjährigen Putzmacherin bei 10'/,stündiger Arbeitszeit ein Monatslohn von 26 Mk. gewährleistet war, als wucherisch für ungllttg erklärt worden, indem eine unrechrmäßtge Ausbeutung der Unerfahrenheit angenommen und die Schadensersatzklage wegen vorzeittgen VerlaffenS der Stellung abgewiesen wurde. (Da S 138 B.G.B. der Unerfahrenheit und dem Leichtsinn auch die Ausbeutung einer Rollage gleichstellt, so kann bei konsequenter Anwendung des Wucherparagraphen auf den Arbeitsverttag eine derartige Rechtsprechung leicht zu einem zweischneidigen Schwert werden. Es ergibt sich für die jurifttsche Argumentation ohne wetteres, daß auch seitens der Arbeitsherren Lohnerhöhungen, welche z. B. zur Beilegung eines Streiks unter dem Druck der Konjunktur bewilligt wurden, nach Hebung der die Notlage begründenden Schwierigkeiten nicht nur nicht berücksichtigt zu werden brauchen, sondern daß auch unter Berufung auf die Nichtigkeit des Vertrages eine sofortige Enttaffung der Arbeiter erfolge» kann, sobald dies im Jntereffe des Unternehmer», z B. bei rückschreitender Konjunktur, liegt. Wie wünschenswert auch ein Rechtsschutz gegen die wucherische Ausbeutung erscheint, so wird jedoch bei der Dehnbarkeit der betr. Gesetzesbestimmung und der Eigentümlichkett des Arbeitsvertrags, welcher von dem einen Teil bereits hart an der Grenze einer Rollage geschloffen wird, richterlichersetts es ganz besonderen Taktes bedürfen, damit auf diesem Gebiet keine Rechtsunsicherheit eintrete und das Vertrauen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer nicht auch im Rechtsverkehr Einbuße erleide. D. Red.)
Handel «ud Uerkehr. Volkswirtschaft.
®ernfl)eitn, 19. April. Wie den ^N. H. Volksbl." mitgeteilt wird, legte die Firma Drost u. Schulz-Berlin Charlottenburg gegen de» Kauf der Rheinischen Zuckerfabrik Gernsheim Protest ein, und zwar auS verschiedenen Gründen. Unbegreiflicherweffe ging den Jntereffenten von dem Verkauf der Fabrik keinerlei Mitteilung zu, es wurde sogar in sonder, barster Weise ein absolutes Stillschweigen bewahrt, was umsomehr auffällig erscheint, da doch, wie allgemein bekannt, tausende und abertausende Landwirte an dem Verkauf interessiert waren. Wenn die Fabrik dem zur Zeit geschloffenen Zuckerkartell fern bleibt, erreicht sie einen viel höheren Wert a!S die K^ufsumme von 1*850000 Mk., ja sie ist bann vermöge chrer günstigen Lage im stände, ihre Gläubiger in kürzester Frist vollständig befriedigen zu können.
Berlin, 18. April. Die Abendblätter veröffentlichen einen Bericht des AuLschuffes der Realobligattonäre der Deutschen Grundschuldbank. Darnach kam ein Vergleich mit der Preuß. HypothekenattienbanI betr. Regreßansprüche zu stände. Nach dem Vergleich überträgt ote Hypothekenaktienbank ihre gesamte freiverfügbare Maffe der Grundschuldbank zur bestmöglichen Verwertung und Gläubigerbeftiedigung. Der Bericht empfiehlt ferner eine Sanierungsaktion durch Übertragung der ganzen Maffe der Grundschuldbank ans die neu« Berliner Baugesellschast.


