Ausgabe 
20.3.1901 Erstes Blatt
 
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Der Kommissionsantrag wird angenommen. Hierauf vertagt sich das Haus auf morgen ; auf der Tages­ordnung steht die dritte Beratung des Etats.

Schluß der Sitzung gegen 5 Uhr.

darüber, daß die Buren nicht die mindeste Hoffnung aus den schließlichen Sieg hätten. Er sei aber gesonnen, sein Bestes zu thun, um den Krieg zum kostspieligsten zu machen, den England jemals unternommen habe.

Ter Zeit vom K Zentrai-Eur 'Viieberialler meist als worden. 1' Sicilien, bi madit. Zn I 10. Februar lidit und diesem tarn herab. Ta- schrecken be untergantzs von cingstli ungewohnt sich der wieder un berichtet n nieder, de und Kleide nächsten M Staubes a 'Hegen aus iich der Ni leukmälerr "iartens o vier und e iläche. Niv Breite Sil Gramm t an jenem Menge voi

De Wet- Geschichten.

Ta De Wet wieder einmal den ihm gestellten Netzen entronnen ist, so wächst aufs neue das Interesse und die stille Vorliebe des englischen Publikums für den vielge-- wandtenkriegerischen Sportsman" wieder zusehends. Er brauchte nach Beendigung des Krieges nur mit einem Vor­trag über den Krieg lÄrgland und die Kolonien zu be­reisen, um nicht nur ein ganz achtbares Vermögen zu machen, sondern einen wahren Triumphzug zu feiern. Er

Gießen, den 20. März 1901.

** Auszeichnung. Det Großherzog hat dem Königlich sächsischen Baurat Georg Gottfried Krüger zu Meißen das Ritterkreuz erster Klaffe des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.

♦♦ Personal-Nachrichten. Der Groß Herzog hat am 16. März dem Mitgliede der Zentralstelle für die Landesstatistik, Geh. Oberschulrat Ludwig Nodnaael die Stelle des Vorsitzenden der Zentralstelle für die Landes- statisttk im Nebenamte übertragen.

CH. Prüfungs-Konzerte der Schule für Höheres Klavierspiel". Fräulein Minna Körner, die Leiterin der Schule, hatte, wie wir bereits früher mit­teilten, für die kleinen Herrschaften den Sonntagnachmittag, für die Vorgeschritteneren den Montagabend befHmmt. Beide Konzerte boten ein reiches Programm. Ter Sonntag stand betreffs der Leistungen, dem Montage keineswegs nach, denn alles Gebotene, ob leicht, ob schwer, kam sauber und abgerundet zu Gehör. Ta war keine Aufgabe, )ie nicht gleichzeitig mit den Händen und mit dem Ver­lande gelöst worden wäre, durchdacht absolvierte jeder Vortragende sein Pensum. Fräulein Körner hat uns da­durch wieder bewiesen, dnß sie zur Lehrerin berufen ist. Diese Gleichwerttgkeit in der Ausbildung ihrer Schüler zeugt von hoher Begabung und pädagogischem Verständnis.

** Der Darmstädterparlamentarische Abend" kommt nicht zur Ruhe. Wir lesen jetzt in der Wormser Ztg." folgende bemerkenswerte Erklärung:

In meiner Eigenschaft als Mitglied des Bureaus der Zweiten Kammer erkläre ich die Nachricht Ihres Tarm- städter Korrespondenten,daß das Bureau den Sozial­demokraten die Versicherung gegeben habe, falls sie dem parlamentarischen Abend anwohnen würden, keine höfischen Ovationen zuzulassen", für un­wahr. Das Weitere muß ich dem Herrn Präsidenten der Zweiten Kammer überlassen. Hochachtungsvoll

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(nach links) Bestrebungen entgegenzutreten. (Beifall rechts.)

Abg. Bebel: Beschränkung der Freizügigkeit, der Koa­litionsfreiheit, überhaupt die geistige Knechtschaft ist Ihr Ziel. Die Konservativen zu Hütern der Aufklärung zu machen, heißt den Bock zum Gärtner machen.

er sei bei der, die nach Westen zog. Das kühne Stückchen paßte auch auf seinen Generalstabschef Theron.

Als De Wet die großen Vorräte an Lebensmitteln, Kriegsmaterial und Kleidern erbeutete, die bei Vrede- < sortweg angehäuft waren, sagte er zu seinen Gefangenen: Wir haben jetzt mehr als wir selbst brauchen. Jetzt mögt ! ihr auch zugreifen und euch ausfuchen, was euch paßt". ! Und sehr bald waren auch die Buren wie Engländer bunt i durcheinander am Plündern. Zwischen einem Bur und ' einem englischen Soldaten kam es beinahe zum Kampf um einen photographischen Apparat, der sich unter den Postsendungen befand, und für einen britischen Offizier besttmmt war. Die Postsäcke wurden aufgeschlitzt und 1 meilenweit fanden sich Briefe und Zeitungen über das i Land zerstreut. Manche wurden gefunden und doch noch an ihre Adresse befördert, darunter auch einer des Bericht- würde sich allerdings dabei zur Regel machen" müssen, keine! erstatters derDaily Mail", der sorgfältig zusammen- Tischeinlaoungeri anzunehmen, sonst würde sein Magen den l g^bunden und mit dem Vermerk: ,,^m Felde gefunden . ihm zugemuteten Festmählern schwerlich Stand halten und und an den Bestimmungsort befor^rt , eine Reche von der Triumph sein Untergang werden. In derTaily Mail" Wochen verspätet ernlref. Als dre Buren abmarjchrerten, erzählt einer von den heimgekehrten Kriegsberichterstattern war es nicht leicht, Sieger und Kriegsgefangene zu unter- eine ganze Reihe von De Wet-Schnurren aus den Ereig- scheiden, denn alle waren sie m die neuen von England nisscn der letzten neun Monate, die dieKöln, Ztg," in cingetrossenen warmen KhakiwrnterNelder g-hullt, wahrend nachstehender Übersetzung wiedergiebt: Pretoria 12 000 Mann britischer Truppen froren und

Zwischen Natal Spruit und Stauderwn, westlich von das Zahneklappern erlernten weil De Wet alles was Johannesburg, fand, nach einer der neueren Buren-Ge- er von den Wintervorraten nicht brauchte verbrannt hatte, schichten. De Wet, daß seinem Wagenzug aus dem Marsch, . Hauptmann CorbalüOer den großen Transportzug -nach Norden von einer starken britischen Kolonne der Weg bei Lindley führte, den ^e Wet aushob, ehe er seine verlegt war. Er besann sich nicht lange, sondern fuhr nach Bestimmung, die Hochlandcrbrigade unter General Mac- Einbruch der Dunkelheit auf dem .Hauptwege mit seinen donald, erreichte, erzählte einiges über De Wet Person- Wagen mitten durch das britische Lager, Er wurde aller- lich. Nach des Hauptmanns Angaben zeig e sich De Wet diugs angerufen, erkundigte sich aber harmlos nach einer I menschenfreundlich und gerecht. Er hatte ferne Leute fest weiter nördlich stehenden britischen Abteilung, der er Vor-1 in der Hand. Sie achteten und fürchteten ihn. ^-re x-ffr- räte zuzuführen habe, und man ließ die Wagenkolonne ruhig I ziere hatten zusammen, wie das in der englischen Armee ziehen. Der einzige Einspruch erfolgte von einer Gruppe herkömmlich ist, einen leichten zweirädrigen Wagen sirr englischer Offiziere, die in der Nähe des Weges ihre Mahl- die Küche, der ungefähr 600 brs 700 Pfund an Vorräten und zeit hielten, und sich über den ungeheuren Staub beschwerten,! auch manche Leckerbissen enthält, die nicht auf der ge­ben Te Wets Wagenkolonne ihnen gerade beim Essen ver- wöhnlichen Rationenliste stehen. Als die Buren ihre aus nrfachte. Diese Geschichte stammt aus Burenquellen und etwa 60 bis 67 Wagen bestehende Beute musterten, streßen wird von englischer Seite in Abrede gestellt sie auch auf den Küchenwagen. Sobald aber Te Wet

Bei einer anderen Gelegenheit, als Te Wet einen feiner vernahm, daß der Inhalt Privatbefitz der Offiziere fei,

.Hauptmarsche gemacht und westlich von Pretoria die Rusten- stellte er eine Wache zu dem Wagen, und nrcksts durfte

burger Straße überschritten hatte, wurde ihm einige 25 von den Plünderern angerührt werden. Am selben Tage

Kilometer nordlrch von Warmbad der Weg verlegt. Abends hatten die englischen Offiziere beim Essen eingemachte vorher war man un britischen Lager in hellem Jubel. Man Früchte, Pickles und Gänseleberpastete, während ganz in hoffte Te Wets Vereinigung mit Botha gehindert und ihn der Nähe ein paar Buren bei einem Feuer am Boden selbst nunmehr rm Schraubstock zu haben, da man ihm den! kauerten und getrocknetes Fleisch brieten. Das war Te Abzug nach Süden abgeschnitten zu haben glaubte. Tie! Wets Hauptquartiermesse. Tie Offiziere sandten einender allgemeine Ansicht war, es bleibe ihm nichts anderes übrig,! ihrigen und ließen fragen, ob der General nicht mit ihnen als es auf ein treffen an fo nun en zu lassen oder seine! speisen wolle. Er lehnte erst ab, als aber sein Stab eben- Schar, in kleine ^.rupps aufgelöst, auseinandergehen rurd! falls eingeladen wurde, ließ er sich bereit finden. Beim entschlüpfen zu laffen. Gegen Mitternacht wurden plötzlich! Mahle war vom Krieg nrit feinem Wort die Rede. Man die britischen Truppen in aller Stille allarmiert und standen I sprach hauptsächlich von Landwirtschaft und künstlicher Be- dann bis Tagesanbruch in aufgeregter Erwartung unter den!Wässerung. Erst später kam man auch auf die Kriegs- Waffen. Aus der Richtung von Te Wets Lager her ver \ crcigniffc, und Te Wet erklärte, er sei ganz im Klaren

nahm man fortwährend Lärm und Bewegung, das Knarren von Rädern und die Rufe, mit denen die eingeborenen Fuhrknechte das Zugvieh antreiben. Man wußte nicht, was vorging, glaubte aber, die Buren seien in Verwirrung, hätten sich bei Nacht verirrt und könnten jeden Augenblick in die Vorposten hineinfahren. Die britischen Truppen waren in Linie aufmarschiert, auseinandergezogen und hielten die Ge­wehre schußbereit. Jeder erwartete einen Nachtangrifi oder war unter allen Umständen überzeugt, daß bei Tagesanbruch das Tressen beginnen müsse. Als aber die ersten Sonnen­strahlen das Gelände erleuchteten, war die Täuschung all­gemein. Man sah sich nur einigen vierzig leeren Wagen gegenüber, die von wenigem abgehetzten Zugvieh die ganze Nacht mit Lärm und Schall vor den Engländern im Kreise herum gefahren worden waren. Einige Zwanzig Eingeborene und ein halbes Dutzend Buren, die die ganze nächtliche Aufführung besorgt hatten, bildeten die ganze Ausbeute an Gefangenen. De Wet aber war wiederum entronnen. Er war mit den meisten seiner leichten Wagen den Höhen­kamm in der Flanke entlang gezogen, hatte thatsächlich die britische Linie umgangen und fast Kilometer Vorsprung auf seinem Rückwege nach dem Vaal zu gewonnen. Als die britischen Führer ermittelten, wohin er geraten war, schien sofortige Verfolgung außer Frage. Er hatte beinahe 24 Stunden Vorsprung.

Zwei Nächte später wurde ein britischer Posten an einem Bahnübergänge, etwa 18 Kilometer westlich von Johannes­burg auf der Bahnlinie Krügersdorp, durch das plötzliche Auftauchen eines Reiters in Helm und Uniform der be­rittenen Infanterie überrascht, der sich nach der Lage des Bahnhofs Florida erkundigte. Der Poften wandte sich um und deutete die Linie entlang, fand aber im nächsten Augenblick einen gespannten Revolver in unheimlicher Nachbarschaft feines Gesichts.Ganz ruhig bleiben!", befahl der Inhaber dieser Waffe, der nur äußerlich zur reitenden Infanterie gehörte.Wenn Sie sich nicht wehren, geschieht Ihnen nichts zuleide." Damit nahm er dem verblüfften Posten sein Gewehr aus der Hand und lieh einen drei­maligen leisen Pfiff ertönen, genau wie in der komischen Oper. Sofort kamen hinter einem benachbarten Schuppen einige Reiter zum Vorschein, und es dauerte nur wenige Minuten, als die Spitze einer reitenden Kolonne, mit einem langen Zuge von leichten zweirädrigen Fuhrwerken, sogenannten Capeearts, und zahlreichen Handpferden in die Erscheinung trat und die Bahnlinie überschritt. Der Posten schätzte die Reiterkolonne nicht viel unter 2000 Mann. Als der ganze Zug die Bahnlinie überschritten hatte, sagte der Burenreiter zu dem Posten ganz gemütlich:Ihre Ablösung kommt in ungefähr einer Stunde. Wenn Sie bis etwa fünf Minuten vorher Ihren Poften verlassen, sind Sie ein toter Mann, denn dort hinter dem Schuppen steht ein unfehlbarer Schütze, der Sie im Auge behält. Sie können Ihren Offizieren welden, Christian De Wet mit seiner Abteilung sei 20 Minuten vor eins hier vorübergekommen." Ter entwaffnete Mann behauptet, kurz vor der Zeit, wo die Ablösung fällig war, habe er einen Reiter von dem nahen Schuppen davonfprengsn hören, worauf er sich in das eineinhalb Kilometer (!) entfernte britische Lager begab und seine Meldung machte.

Am selben Abend verlautete, daß eine weitere kleinere Burenabteilung in der Richtung nach Norden die Bahn überschritten habe. Der Posten bei Natal Spruit war bei Tagesanbruch überrumpelt und die dortige Brücke gesprengt worden. Bei welcher Abteilung sich De Wet wirklich befand, wäre schwer zu sagen. Man dürfte wohl erwarten, daß er bei der östlichen gewesen sei, schon aus dem einfachen Grunde, weil er die Engländer glauben machen wollte,

Reinhard , . r.

G. GroßeuBnseck, 18. März. Gestern nachmittag hielt Lehrer Volk-Schadenbach auf Anregung der Kriegerkamerad, chaft Hassia in der sehr besuchten KriegervereinSversamm- ung, zu der Bezirksvorsteher Bruchhäuser nebst einigen , 'ameraden von Gießen, mehreren Kameraden aus den be­nachbarten Orten wie Beuern, Trohe u. s. w. erschienen waren, einen Vortrag überFreihettSbegeisterung von 1813." In freier und von Begeisterung getragener Rede behandelte er die folgenden Fragen seines Themas: 1. Gegen wen richtete sich diese begeisterte Erhebung? 2. Wie kam eS, daß trotz der vergeblichen Befreiungsversuche noch eine große begeisterte Erhebung zu stände kam? 3. Welchen Einfluß hatte diese begeisterte Erhebung? 4. WaS lernen wir daraus? Der Redner schloß mit einem stürmisch aufgenommenen Hoch auf Kaiser und Vaterland. Im Namen des Vereins dantte der Vorsitzende Dr. G eng nagel dem Kameraden Volk für seinen vortrefflichen Vortrag und schloß daran die Bitte, im kommenden Winter einen weiteren Vor­trag im hiesigen Vereine halten zu wollen. Hierauf hielt Lehrer Volk noch einen kleineren Vortrag über die deutsche Flotte, der gleichfalls reichen Beifall fand. Zum Schluffe prach Bezirksvorsteher Bruchhäuser über die segensreichen Einrichtungen der Kriegerkameradschaft Hassia und schloß mit einem Hurrah auf unseren LandeSfür stell.

P. Alsfeld, 19. März. Die landwirtschaft- Win ter schule beschließt heute ihr 29. Schuljahr. Auf­genommen wurden im letzten Jahre 31 Schüler, wovon 15 den oberen, und 16 den unteren Kursus besuchten. AlS eine erfreuliche Thatsache muß es bezeichnet werden, daß in diesem Semester wieder eine stärkere Beteiligung im Be­uche aus dem Kreise Lauterbach eingetreten ist. Es ift lies sicher auf das Interesse zurückzuführen, das der land­wirtschaftliche Bezirksverein Lauterbachs für die Schule att den Tag gelegt hat; er hat nämlich den Entschluß gefaßt, allen jungen Leuten aus diesem Kreise das Schulgeld bezahlen. Sieben Lehrer unterxichteten, und zwar in: Betriebslehre, Ackerbau, Physik, Zoologie, Obstbau, Tier­zucht, Buchführung, Chemie, Botanik, Rechnen, Schreiben, Geometrie, Deutsch, Zeichnen und Feldmessen. Der Vor- teher der Schule ist Oekonomierat Leithig er, der Auf­sichtsrat besteht aus den Herren: Kreisrat Dr. Melior, Vorsitzender, Bürgermeister Arnold- Msfeld, Gutsbesitzer F. S ch a d e - Altenburg, Gutspächter P f a n n st i e l - Angen­rod und Oekonomierat Leithiger.

Darmstadt, 18. März. Ter G r o ß h e r z o g und die Großherzogin werden mit Prinzessin Elisabeth am 23. März zum Besuche der verwitweten Herzogin Mana« von Sachsen-Koburg-Gotha nach Nizza abreifen. Der Großherzog beabsichtigt in den ersten Tagen des April wieder in Darmstadt zu sein. Im Gefolge wird sich, der Flügel­adjutant Rittmeister Kraemer befinden.

Darmstadt, 18. März. Die Epileptischen-Anstalt zu Nieder-Ramstadt bei Darmstadt hat innerhalb 5 Mo­naten schon 16 kranke Kinder und Jugendliche ausgenommen, gewiß ein vielversprechender Anfang. Der größere Teil her Kranken stammt aus Darmstadt und Umgebung, da sich die in der Nähe wohnenden Angehörigen am leichtesten davon überzeugen können, wie trefflich die Anstalt eingerichtet ist, und von den beiden Vorstehern, Pfarrer Weimar und Dr. Ganß, geleitet wird. Schreckt auch bis jetzt die Höhe des PfiegegeldeS noch manche Familie und Behörde ab, von der Anstalt Gebrauch zu machen, die Erkenntnis wird immer mehr durchdringen, daß es doch abgesehen von höheren Gesichtspunkten viel billiger ist, wenn ein Epileptisches durch 2- bis 5jährigen Aufenthalt in der Anstalt wahrscheinlich Befferung, vielleicht sogar Genesung findet, und dann ein brauchbares Glied der menschlichen Gesellschaft wird, als ihn zu Hause anstatt des zweijährigen Pflegegeldes, nun zeit- leben.s verpflegen, und für all den Schaden aufkommen zu müssen, den der Aermste in seinem bedauernswerten Zustand sicherlich oft genug anrichtet.

Biebrich, 18. März. Heute würben rin einem Neu­bau an der ,,Schönen Aussicht" in unmittelbarer Nähe-

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Abg. Basser mann (nl.):

Fraktton hat heute einstimmig beschlossen, dem Vorschläge der Kommission auf Uebergang zur Tagesordnung beizu- treten. Wir halten nach wie vor die Prügelsttafe für das roheste Strafmittel, und werden uns stets dagegen erklären. (Beifall links.)

- Abg. Werner (Antis.) erkennt die Berechtigung der Prügelstrafe an sich für gewisse Rohheitsverbrechen an, ist aber gegen ihre Einführung wegen der Schwierigkeit der Strafvollziehung, die selbst verrohend wirken müsse.

Abg. Gr ö b e r (Ztr.): Für ganz rohe Menschen reicht wohl auch schließlich die Prügelsttafe nicht, da müßte man noch eine Art qualifizierte Prügelsttafe, etwa nach den Erfahrungen aus Japan und China, erfinden. (Heiter­keit.) Es liegt gar kein Anlaß vor, die Wiedereinführung der Prügelsttafe zu wünschen. (Bravo! im Zentrum und links.)

Abg. Bebel (Soz.): Ich möchte konstatieren, daß der vorliegende Antrag in der Petitionskommission einstimmig angenommen worden ist (hört! hört!). Verbessern Sie die Wohnungsverhältnisse in Stadt und Land; heben Sie die Volksbildung, statt sie niederzuhalten, in der Meinung, daß der dümmste Arbeiter der beste ist! Im Meiningen- schen Landtage hat man als Folge der Erhöhung der Lebens­mittelpreise die Zunahme der Verbrechen vorausgesagt, hat man nun von Ihrer Seite dagegen empfohlen? Die Einführung der Prügelstrafe? (hört! hört! bei den Soz.) Wenn Sie der Rohheit zu Leibe gehen wollen, so gehen Sie nach China (Unruhe rechts), da ist genug zu thun! (Beifall bei den Soz.)

Abg. Dr. Oertel: Die Beseitigung der Not kann nur bis zu einem gewissen Grade Hilfe bringen; es giebt Verbrechen, die mit der Not nichts zu thun haben, sondern mit dem Ueberfluß, und für diese Leute möchte ich die Prügelsttafe noch viel mehr, ja in erhöhtem Umfange ein­treten lassen, als für die Armen. Ich bin kein Gegner der Volksbildung (Oho! bei den Soz.), wir wollen nicht blos Verstandes-, sondern auch Herzens- und Willensbildung. An der Reform des Sttafvollzugs will ich gern Mit­arbeiten ; ohne scharfe, abschreckende Mittel wird diese Reform aber keinen Erfolg haben. Humanität, angewandt gegen die Verbrecher, ist die größte Grausamkeit gegen die Gutgesinnten. (Zustimmung rechts.) .

Abg. Schrempf (kons.): Sie können es nicht vom hohen Roß der Humanität verwerfen, wenn wir für die allerbrutalsten Verbrechen die Prügelstrafe verlangen. (Beifall.)

Abg. Gröber kann die Besorgnis nicht unterdrücken,! daß man .in politisch und sozial aufgeregten Zeiten die! Prügelsttafe auch gegen die Minoritäten anwenden würde. Was Herzensbildung mit der Prügelsttafe zu thun hat, ver­mag ich nicht einzusehen. (Heiterkeit.)

Abg. v. Kardorff (Reichsp.) meint, die Wiederein­führung der Prügelstrafe fei praktisch nicht mehr möglich.

Abg. Dr. Müller-Meiningen (Fr. Vp.) erklärt sich sehr entschieden gegen Wiedereinführung der Prügelsttafe, weil sie unter allen Umständen verrohend wirke, sowohl auf den, der die Prügel empfange, wie auf den, der sie austeile, und auf den Zuschauer.

Abg. Tr. Rösicke (B. d. L.): Ter Bund der Land­wirte will die Aufklärunb, nicht die Verdummung. (Ge­lächter bei den Soz.). Wir brauchen aufgeklärte, gebildete, Bauern und Arbeiter, wir wollen ihr Herz und Gemüt bilden (große Unruhe links), um sie fähig zu machen, Ihren