UnioerslWs-Uachrichtrn.
Bonn, 16. Nov. In zwei stark besuchten Versammlungen nahm die Bonner Studentenschaft gestern abend Stellung gegen die Aeußerungen des englischen Kolonialininisters Chamberlain. Es sprachen Landtagsabg. ytuegenbcrg, die Professoren Bäuinker, Englert, Gothein und XlclL Es wurden zwei Resolutionen angenommen, die sich in scharfen Worten gegen die Verleumdungen Chamberlains aussprechem
München, 16. Noo. Die Akademie der Wissenschaften hielt heute eine Festsitzung ab. Den Hauptteil der Sitzung füllte die Festrede des Geheimrats v. Voit zum Gedächtnis des Geheimrats v. Pettenlofer aus. Außer den ordentlichen und außerordentliche Mitgliedern wurden zu korrespondierenden Mitgliedern u. cu
er ihn verfolgte, niederwarf und mit dem flachen Säbel schlug, sowie ihn später eine Treppe hiimnterwars und ihm auf den üeib trat, wegen Körperverletzung mit einer Waffe mit) wegen Körperverletzung in einer das l'cbcii gefährdenden Weise zu 18 Tagen Gefängnis verurteilt. Es wurden 18 Zeugen, die mit einer Ausnahme zu seinen Ungunften aussagten, vernommen. Seng ist inzwischen nach Lberhessen versetzt worden.
Kiel, 16. 9lov. Die am Donnerstag ausgesetzt gewesene Verhandlung gegen den Wachtmcistersmaat Grützmacher von der „Gazelle" ivurde heute fortgesetzt. Ter Angeklagte wurde wegen thätlicher Beleidigung Untergebener in drei Fällen zu 3 M o n a t Gefängnis und Degradation verurteilt.
Gucscn, 16. Nov. An dem heutigen dritten VerhandlungS- tag in Sachen des S ch u l a u f r u h r s i n W r e s ch e n kam es zur Sprache, daß die unteren Volksschichten glaubten, Jesus Christus und der Papst sprachen polnisch. Der Erzbischof hat in einem Schreiben an den Vorsitzenden zum Ausdruck gebracht, daß er gegen die Erteilung von Religionsunterricht in der deutschen Sprache selbst dann sei, wenn die polnischen Kinder die deutsche Sprache beherrschten. Landrat v. Massenbach erklärt als Zeuge, daß er die Lage am 20. Mai für sehr bedenklich gehalten habe. Eine Räumung der Straße vor dem Schulhaus sei mit Hilfe der wenigen Mannschaften unmöglich gewesen. Die Verhandluiig wurde schließlich auf Dienstag vertagt.
— Zum Duell Blaskowitz. Nach einer Meldung aus Insterburg findet bereits heute (Montag) die Verhandlung gegen den Leutnant Hildebrand, der den Leutnant Blaskowitz im Duell erschoß, vor dem Kriegsgericht statt; geladen sind 12 Zeugen.
Nürnberg, 17. Nov. Rechtsanwalt Horn, der Verteidiger des Sergeanten Hickel, erhielt wegen Veröffentlichung eines Ausrufs für die im Gumbiimer Militärprozeß Angeklagten im „Fränk Kurier" vom hiesigen Amtsgericht ein auf 6 Mk. Geldstrafe lautendes Strafmandat.
Augsburg, 16. Nov. (Prozeß Kneißl.) In der heutigen Vor- mittagssltzung werden die Zeugenvernehmungen fortgesetzt und ergeben zunächst belastende '.Momente für den Flecklbauern sJiiegcr. Bemerkenswert ist das Zeugnis des 13jährigen Bauernsohnes Schmaus aus Kühlbach, dem Kneißl auf dem Wege nach Jrchen- baunn begegnete. Der Angeklagte habe ihn gefragt, wie viele Gensdarmen in Kühbach lägen und ob dort eine Nachtwache sei; er Hobe hinzugesügt, daß der Kommandant von Kühbach bald eine Kugel bekommen werde. Kneißl stellt diese Begegnung in Abrede. Stationswachtmeister Laubmanii aus Aichbach sagt über die Verhältnisse aus, die in dem Gebiete Herrschten, m dem sich Kneißl aufhielh mid schildert den Leunwnd der beiden Angeklagten als einen sehr schlechten. Der verstorbene Gendarm Scheidler habe ihm erzählt, daß Kneißl den toten Brandmeyer noch mit dem Fuße gestoßen und dabei geflucht habe. Kriminalwachtmeister Renner aus München giebt an, Kneißl habe bei seiner Verhaftung wiederholt gesagt, der Flecklbauer sei an allem schuld. Er habe diese Anschuldigung gegen den Flecklbauern in emem Tone gemacht, der auf Reue über die begangenen Verbrechen habe schließen lassen. Zeuge Renner schildert auch, ebenso wie der nächste Zeuge, Kriminalkommissar Rosjert. die Erbitterung der Gendarmen und der Bevölkerung gegen Kneißl.
Aus dem Zeuoenoerhör der Nachmittagssitzung ist noch hervorzuheben: Die Wäscherin Lorenz, eine Verwandte Kneißl's, die bei der Ausfindigmachung desselben und seiner Festnahme der Polizei Dienste leistete, sagte aus, daß kneißl, als sie ihn auf Ver- anlassung der Münchener Polizei in Geisenhofen aufsuchte, ihr erzählt habe, wie er auf die Gendarmen in Irchenbrunn geschaffen mid den bereits verwundeten Gendarmen Scheidler auf Bitten der Bäuerin Rieger nicht ganz getötet habe. Weiter habe kneißl zur Zeugin gesagt, daß er Revolvermumtion brauche; für den Drillmg habe er nod.) genügend. Zeuge Stationskommandant Abt von Maisach giebt an, daß kneißl nach seiner Gefangennahme auf dem Transport zu ihm gesagt habe, er hätte ihn (Abt) Bon oft erschießen können, da er schon oft ihm sehr nahe gewesen er würde ihn sicher getroffen Haven. Weitere Zeugen schildern bereits bekannten Einzelheiten beim Gendarmenmord in Irchenbrunn. Richter Fertsch, der seiner Zeit die Untersuchung geführt hat, sagt aus, daß Kneißl in der Klinik, nachdem seine Vernehmungs- Fähigkeit durch die Aerzte bestätigt worden, am 6. März gestanden habe, daß Rieger ihm (KneitzO gesagt habe: „Hiasl, sei gescheit, ich habe um die Gendarmen geschickt, es kommen alle drei, wenn sie hier sind, weiß niemand etwas; Du brauchst es nicht umsonst zu thun und wenn mein halbes Haus hin ist." Kneißl habe bei seiner späteren Vernehmung am 4. April dieses Geständnis widerrusen und behauptet, er sei am 6. März zeitweise ohne Besinnung und unfähig geiucjen, Aussagen zu machen. Der als Sachverständiger geladene Assistenzarzt von der chirurchischen Klinik in München, Dr. Brauser, welcher Kneißl vom 5. März bis au seiner Entlassung aus der chirurgischen Klinik behandelt hat, giebt an, daß Kneißl niemals bewußtlos gewesen sei, außer in der Narkose bei der Operation. Bei den richterlichen Vernehmungen sei er bet vollem Bewußtsein gewesen; nur habe ihn infolge großer Schwäche öfter während der Vernehmungen der Schlaf übermannt. Ein Antrag des Verteidigers Dr. v. Pannwitz geht dahin, den Sachverständigen darüber zu vernehmen, 1) welche Operationen Kneißl durchzumachen hatte und 2) ob das Bewußtsein infolge der Operationen oder infolge der Schwäche-Anfalle zeitweise getrübt gewesen sei. Punkt 1 des Antrages wird darauf durch Gerichtsbeschluß abgelehnt, Punkt 2 als zulässig erklärt. Dr. Brauser äußerl sich nun dahin, daß es wohl möglich gewesen sei, daß Kneißl bei vollem Bewußtsein Fragen, die ihm gestellt wurden, infolge des ausgestandenen Schreckens und der Schmerzen unabsichtlich mnvahr beantwortet habe, bei Bewußtsein sei der Angeklagte jedoch immer gewesen. Die weitere Verhandlung wird auf Achntag vertagt.
Theater, Kunst und Wissenschaft.
Berlin, 16, Nov. Professor Martin Blumner, der langjährige Direktor der Sing-Akademie, ist gestorben.
Arbeiterbewegung.
Baleucienucs, 17. Nov. Im hiesigen Kohlenrevier herrscht Ruhe, doch gewinnt der Ausstand an Ausdehnung. Tie Zahl der Ausständigen beläuft sich jetzt auf 2000.
Leus, 17. Nov. Ter Deputierte Basly gab die von den Vertretern der ausländischen Bergarbeiter in der Konferenz zu Dover gefaßten Beschlüsse bekannt. Die belgischen Vertreter erklärten, das Komitee des belgischen Bergarbeiterbundes wolle sich nicht an der Bewegung der sranzösischen Bergarbeiter beteiligen. Die deutschen und österreichischen Vertreter wiesen daraufhin, der allgemeine Aus stand wäre sowohl für die deutschen und österreichischen, wie für die französischen Bergarbeiter ein großes Unglück. Die englischen Vertreter sprachen sich dahin aus, sie glaubten nicht, die Forderung genügend einschränken zu können, um die Kohleneinfuhr nach Frankreich zu verhindern.
Carmaux, 17. Nov. Die hiesigen Bergarbeiter hielten eine Versammlung ab, in der ihr Verbandsdelegierter rieth, nicht in den Aus st and zu treten, während sich die Arbeitskommission der Teputierlenkammer mit ihren Interessen beschäftige. Die Bergarbeiter beschlossen, den allgemeinen Ausstand zu vertagen, chn aber in nächster Zukunft zu beginnen, falls ihre Forderungen nicht gefriedigt würden.
gewählt: Professor Dr. v. Tigwart-Tübingen und Pros. Hermg- Leipzig, ferner der Generaldirektor der preußischen Staatsarchive Geh. Lberregierungsral Dr. Koser-Berlin und der Direktor des badischen Landesarchivs Geheimrat Dr. v. Weech-Karlsruhe.
— Tie „Münch. N. Rachr." veröffentlichen ein Zu stimm- ungs -Dants chreiden, das 84 ordentliche Professoren der Münchener Universität und der technischen Hochschule gemeinfam an Professor Theodor Mommsen anläßlich der jüngften Kundgebung ür die Freiheit der wissenschaftlichen Forschung gerichtet haben.
Wien, 16. Rov. Bei dem heutigen „Bummel" in der Universität kam es zu S ch l ä g e r c i en zwischen katholischen und deutsch-nationalen Stu den len. Tie katholischen Studenten wurden aus der Aula hinausgedrängt unb das Thor geschlossen. In demselben Augenblicke erschien der Rektor; er ersuchte die deutsch-nationalen Studenten Ruhe zu halteii und ließ das Thor öffnen, um die Chargierten der katholischen Verbindungen zu den Bummelplätzen zu führen. Kaiim waren die katholischen Studenten in der Aula angelangt, als die Prügelei von neuem begann. Tie katholischen Studenten wurden abermals Ijinausgc- brängt. Auch auf der Straße kam es nochmals zu einem Handgemenge zwischen Angehörigeit der beiden Gruppen.
— Aus Zürich vom 15. d. schreibt man: Zum Gedächtnis des verstorbenen Professors Dr. Guttav Vogt, der in aller Stille durch Feuer bestattet wurde, fanb heute in der Aula eine akademische Trauer feier statt, an der der gesamte Lehrkörper der Universität und die Studentenschait zahlreich sich beteiligte. Namens des Senates und der juristischen Fakultät sprach Professor Dr. G. H. Hitzig, namens der früheren Schuler des Verslorbeneu Universitätsproiesior F. Fleiner (Basel); ein Student der Juns- prudenz sprach für die Hörer Vogts.
Kandel und Verkehr. Volkswirtschaft.
— Wie aus dem Inseratenteil unserer heutigen Numiner ersichtlich, beruft die Pommcrsche Hypothekeu-Atticu-Bank zu Berlin eine Pfandbriefgläubiger-Versammlung. Bei der Wichtigkeit der Tagesordnung dieser Versammlung ist die Hiiüerlegung sämtlicher Pfandbriefe dringend notwendig. Gleichzeitig erfahren wir, daß feit Juni d. I. an Hypothekenzinsen 1192752,60 Mk. rückständig sind, davon entfallen auf die Zmmobilien-Verkehrsbank 615264,03 Mk., auf andere Schuldner 577 488,57 Mk. Der Pfandbriefdienst erfordert 6725740 Alk., dagegen ist mit einem Zinseneingang von 5284000 Alk. zu rechnen, sodaß an der Deckung der Pfandbriefzinsen 1441 740 Alk. fehlen würden, wobei Handlungsunkosten noch nicht berücksichtigt sind.
Märkte.
Grünberg, 16. November. Fruchtmarkt. (Durchschnittspreis pro 100 Kilo.) Weizen 16.30 bis 16.50 Alk., Korn 13.56 bis 13.60 Mk., Gerste 13.46 bis 13.50 Mk., Hafer 13.80 bis 14,00 Mk., Erbsen 16.66 bis 17.00 Mk., Linsen 28.00 Aik., Lein 00.00 Alk., Wicken 00.00 Alk., Samen 00.00 Alk., Kartoffeln 0.00 bis 0.00 Alk.
fc. Frankfurt a. M., 18. Novbr. (Orig.-Telegr. des „Gießew Anz.") Amtliche Notierungen der heutigen Fruchtmarktpreise. Welzen Alk. 16.50—00.00, Kurhessischer Mk. 00.00—00.00, La Plata Alk. 17.25—00.00, Kansas Alk. 00.00—00.00, 9ioggen (hiesiger) Alk. 13.75—00.00, Gerste (Wetterauer) Mk. 16.00-16.25, Kleie Mk. 00.00—00.00, Hafer Mk. 14.75—15.50, Mais Mk. 00.00 bis Mk. 00.00, Weizenmehl 0 Mk. 24.00—24.50, 2. Qualität Alk. 22.00 bis Mk. 22.50 , 3. Qualität Alk. 20.00—20.50, Jloggenmehl 0 Mk. 21.50—22,00,1. Qualität Mk. 20.25—20.50, Weizenkleie Mk. 8.50 bis Mk. 00.00, Roggenkleie Mk. 9.50—0.00, Maiskeime Mk. 9.50 bis Alk. 10.00, Framenpfälzer Rieb Alk. 00.00—00.00. Alles per 100 Kg. ab hier.
tc. Frankfurt a. M., 18. November. (Telegr.Orig.-Bericht des „Gieß. Anz."). Amtliche Notierungen der heutigen Viehmarkt- preise. Zum Verkaufe standen 398 Ochsen, darunter 128 aus Oesterreich, 40 Bullen, barunter-1 aus Oesterreich, 1024 Kühe, Fersen, Stiere und Rinder, 315 Kälber, 580 Schafe und Hämmel, 1228 Schweine, 1 Ziege, 0 Ziegen-, 0 Schaflämmer. Bezahlt wurde für 100 Pfund Schlachtgewicht: Ochseii 1. Qualität 68—70 Alk^. 2. Qual. 62—64 Alk., 3. Qual. 56—59 Alk.; Bullen 1. Qual. 55 bis 57 Mk., 2. Qual. 50—53 Mk.; Kühe L Qual. 59—61 Mk., 2. Qual. 56—58 Alk., 3. Qual. 42—45 Mk, 4. Qual. 32—34 Mk., 5. Qual. 30—32 Mk. Kälber: 1. Qualität78—80Pfg.,Lebendgewicht 46—48 Pf., 2. Qual. 70—72 Psg., Lebendgewicht 41—43 Pfg., 3. Qual. Schlachtgewicht 56—58 Pfg., Schafe: 1. Qual. Schlachtgewicht 58—60 Pfg., 2. Qual. 48—50 Psg., 3. Qual. 44—46 Pfg.; Schweine 1. Qual. 68 Pfg., Lebendge,vicht 54 Pfg., 2. Qual. 67 Pfg., Lebendgewicht 53 Pfg., 3. Qual. 58 bis 60 Psg., Lebendgewicht 00—00 Pfg. — Geschäft bei Hornvieh getrückt, bei Kleuwieh gut; Markt geräumt Ueberstand sehr bedeutend._________________________________________
§pielplan der vereinigten Frankfurter tztadttheater.
Opernhaus.
Dienstag den 19. November, abends 7 Uhr: ^Alessandro Stradella."
Schauspielhaus.
Dienstag den 19. November, abends 7 Uhr: „Die Grille."
Kriestuisteu.
(Anonyme Anfragen bleiben unberücksichtigt.)
H. Nach Art. 2 des hessischen Gesetzes vom 7. Juni 1879 ist das Oberlandesgericht für alle bürgerlichen Rechtsstreitigkeiten der Mitglieder des Großherzogll Hauses zuständig.
Neueste Welonngen.
Originaldrahtmcldungen des Gießener Anzeigers.
-i- Wetzlar, 18. Nov. In dieser Nacht kaut es hier auf der Straße zwischen zwei Männern zu einem Wortwechsel. Ein Dritter, zufällig mit seiner Frau Vorübergehender mahnte die beiden zur Ruhe. Als Antwort zog einer der beiden ein Dolchmesser und stieß es dem Ruhestörer in die Brust. Ohne einen Laut von sich zu geben, sank dieser, ins Herz getroffen, tot zu Boden. Der Thäter wurde heute Morgen gegen 5 Uhr verhaftet.
Wiesbaden, 18. Nov. Bei der gestrigen Dewctfeier in Schierstein kam es, wie das „D. B. H." meldet, zu einem furchtbaren Tumult. Der Festredner, der freireligiöse Prediger Welcker aus Wiesbaden, nannte den deutsch.französischen Krieg von 1870/71 einen Raubzug und die Einverleibung Nassaus in Preußen einen Diebstahl. Kaum hatte der Redner dies gesagt, so entstand ein ungeh eurer Lärm! Pfui- und Schlußrufe ertönten, die in Thätlich- keilen auszuarten drohten und erst uachließen, als ein Komitee- Mitglied die Rednertribüne betrat und entschieden gegen Weickers Ausführungen protestierte. Hierauf wurde ein Kaiserhoch aus- gebracht und die Nationalhymue gesungen, worauf die Feier ihren Fortgang nahm.
Ludwigshafen, 18. November. Der 37jährige Schlosser Aug. Noll kam gestern mit seinem Freunde Georg Wecker wegen der angeblichen Wegnahme eines 20 Mark-Stückes in Streit, in dessen Verlauf 9toll 2 Schüsse auf Wecker ab» feuerte, die diesen in die rechte Brust trafen und seinen sofortigen Tod herbeiführten. Noll wurde verhaftet.
München, 18. Nov. An dem Kellerabend, den gestern die oberbayerische Handels- und Gewerbekammer und der Münchener Handelsverein zn Ehren des Reichsbankpräfi- denten Dr. Koch veranstalteten, nahmen der Finanzminister Frhr. v. Riedel, der Zustlzm.nister v. Leonrodt, bie Professoren Brentano, v. Mayr und Lotz u. a. teil. Der Vorstand der oberbayerischen Handels- und Gewerbekammer, Kommerzienrat Wecker, legte die Verdienste der Reichsbank um Handel und
Industrie, sowie Landwirtschaft nnd landwtrtftyarmryes rrremr- wesen dar. Dr. Koch betonte in seiner Erwiderung, daß man sich heute schwer ein Bild machen könne von den mißlichen Zn- ständen, die seit 1870 aus dem Gebiete des deutschen NoteuwesenS und des deutschen Geldmarktes herrschten. Jetzt sei erwiesen, daß die Reichsbank auch in schwierigen Zeiten ein fester Rückhalt sei. (Zustimmung.) Das habe sich auch bei der Krisis diesesZahreS gezeigt. (Erneute Zustimmung.) Die Reichsbank habe wesentlich zu deren Abschwächung beigctragen. Zudem der Redner darauf hinwies, daß die durch die Krisis befürchtete Hemmung eines allzu schnellen Aufschwunges und allzu großen ErweiterungS- betricbes mit zu hohem Kredit vielleicht sogar gut fei, gab er zugleich der Hossnung Ausdruck, daß die Krisis bald überwunden sei. Bezüglich der landwirtschasllichen Wechsel gehe die Reichsbank weiter als jeder andere. Gegen den Vorwurf, daß die Reichsbank nicht genügend für die Landwirtschaft sorgte, habe er sich nicht zu verteidigen.
London, 18. Nov. Nach dem amllicheu Bericht ver» lorcn die Engländer in dem letzten Kampf bei Braakspruit 9 Tote und 10 Verwundete. 64 Mann wurden gefangen genommen, bis aus einen Leutnant aber später wieder freigelaffen.
London, 18. Noo. Die „Times" berichten über eine- Unterredung ihres Korrespondenten mit dem Sultan von Marokko vom 5. Nov.: Der Korrespondent hebt die Energie. Begabung und das einnehmende Wesen des Sultans hervor und zweifelt nicht an dessen Bestrebungen, in allen Teilen des Landes Reformen einzuführen. Er sei aber durch Persönlichkeiten seiner Umgebung daran gehindert.
Berlin, 18. Nov. Der „Kriegs-Veteranen». Verein Kaiser Wilhelm" hielt gestern eine Pro, test-Versammlung gegen Chamberlain ab. EK wurde gegen die von dem Vorstande des deutschen ftriega* bundes und des preußischen Landes-Krieger-Verbandes xxx*, öfsentlichte Erklärung, als seien die Krieger nicht dazu be-, rufen, Verwahrung einzulegen, protestiert. Gerade die Krieger gehe es an. Auch seien sie es ihven gefalleneni Kameraden schuldig, derartige Verleumdungen energisch zurückzuweisen. Ter Veteranen-Prediger Renze führte aus, er habe den Krieg von 1870/71 mitgemacht. Er könne bet zeugen, daß die Franzosen von den Deutschen in jeder Hinsicht menschlich und gerecht behandelt worden sind. Wolle man gegen die Angriffe des englischen KolonialministerK nicht Stellung nehmen, so würde das für die 'Deutschem, einer verlorenen Schlacht gleich kommen. Es gelangt« eine Protest-Resolution zur Annahme, die dem preufiischeu Miegsminister und dem Reichskanzler übermittelt werden! soll.
Berlin, 18. Nov. Die Frau des Malers Pofsin^ die sich am Samstag mit chren zwei Kindern zu vergiften; suchte, ist an den Folgen der Vergiftung gestorden.
Paris, 18. Nov. Aus London kam diese Nacht die Nachricht: In später Abendstunde sei aus Südafrika gei meldet worden, Louis Blot ha habe die englische« Truppen an der Natal-Grenze überrumpelt und, ihnen eine blutige Niederlage beigebracht. Dasi Kriegsamt erklärt, über diese Afsa.ire nicht informiert zuj sein.
Paris, 18. Nov. Das neue Typhus-Serum des Arztes Dr. Chantemesse wird seit einigen Tagen in allen Pariser Hospitälern angewandt. Die vorhandenen Mengen des Serums genügen nicht, um alle Kranken zu impfem In einem Hospital wurden von 100 Kranken, die mit dem Serum geimpft waren, 94 geheilt. Die anderen 6 waren angeblich zu spät geimpft.
Madrid, 18. November. Der Ministerrat hat eine Untersuchung angeordnet wegen einer umstürzlerischen Rede des Universitäts-Rektors von Barcelona.
Wien, 18. Nov. Wie die „Montags-Revue" wissen will, werde Kaiser Wilhelm im Frühjahr zum Besuche Kjaiser Franz Josefs hier eintreffen. — Dassewe Blatt meldet weiter, daß Kaiser Franz Josef demnächst nach, Dresden reisen wird, um dem Kvnig von Sachsen einen Besuch abzustatten.
Standerton, 18. Nov- Burentruppen um* zin g elten am 12. ds. im Süden des Klipflusses eine Abteilung Engländer, welche einen Toten und 7 Verwundete verloren. Außerdem wurden vier gefangen genommen. Die Buren er Hären, daß sich ihr Verlust auf 3 Tote und 17 Verwundete belaufe.
Peking, 18. Nov- Die Kaiserin-Witwe gab eine neue Verordnung bekannt, worin sie die Verdienste Li-Hung- Tchangs hervorhebt, und befiehlt, ihm zn Ehren ein Erinnerungsdenkmal in Gestalt eines Bogens in dem Dorfe, wo er geboren wurde, zu errichten. Durch die Verordnung wird ferner dem ällesten Sobne und dessen Nachkommen durch 25 Geschlechter hindurch der Titel Ma» quis verliehen.
N e w y o r k, 18. Nov. Die Polizei verhaftete vier Mechaniker unter dem dringenden Verdacht, die Urheber des Dynamit-Anschlages gegen den Blißzug New-» Vtork —Buffalo zu sein.
L a s P a l m a s, 18. Nov. Ein englischer Dampfer aus! Kapstadt nach London unterwegs, passierte gestern l>ÄipstadL mit 1015 Verwundeten und kranken Soldatetr der englischen Armee an Bord.
Bekanntmachung.
Der Voranschlag der Gemeinde Alleudorf cu d. Lahn für das Jahr 1902/03 liegt vom 20. d. Mts. an acht Tage lang auf hiesigem Burgermeisterei-Bureau zu jedermanns Einsicht offen.
Allendorf a. d. Lahn, den 16. November 1901.
Großherzogliche Bürgermeyterei Allendorf a. d. Lahn.
Volk. 7563
Gesellschaft sm Cld- u. Plllekkvxde Gießen
Zweiter Vortrag
Dienstag den 19. November 1901, abend 8‘/4 Uhr, in der großen Aula der Unwersüät:
Frau Leopoldine von Morawetz-Dierles (Wien)
Ueber die Insel Kreta.
Karten zu Mk. 1,50 für Nichtmitglieder, zu Mk. 0,50 für Studierende und Schiller sind in der Ricker'jchen und Krebä'schen. Buchhandlung zu haben. 7555


