Ausgabe 
19.11.1901 Erstes Blatt
 
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Da in dem Gesetze vom 15. November 1890 und in chem Nachtragsgesetze vom 28. August 1895

für die Bahn unter Ziffer 6 b 1208 000 Mk.

10 1990000 Mk.

zusammen 3198000 Mk. bereits bewilligt waren, so sind noch 199 000 Mk. erforderlich- Die Geldmittel sind im Wege des Staatskredits flüssig zu machen. Zu diesem Zwecke ist in dem Nennbeträge, der zur Beschaffung des angegebenen Bedarfs erforderlich sein wird, eine zu höchstens 4 vom Hundert verzinsliche An­leihe in geeigneten Zeitabschnitten aufzunehmen. Die Tilg­ung dieser Schuld >oll in der Art erfolgen, daß die je­weilig durch den Hauptvoranschlag der Staats-Einnahmen und Ausgaben bestimmten Mittel zum Ankauf einer ent­sprechenden Anzahl von Schuldverschreibungen verwendet werden. Dem Staate soll das Recht Vorbehalten bleiben, die ausgegebenen Schuldverschreibungen audji zur Emtösung mittelst Barzahlung des Nennbetrages zu kundigen. Den Inhabern der Schuldverschreibungen soll ein Kundigungs- recht nicht zustehen.

DieBegründung" sagt u. a- folgendes: Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß der Personenverkehr der Orte Langen, Sprendlingen und Neu-Isenburg mit «Offenbach und Frankfurt weit vollkommener durch eine elektrische Bahn mit einem viel häufigeren Be­trieb befriedigt werden wird. Die Verwirklichung einer solchen Bahn durch ein Privatunternehmen ist inzwischien -in sichere Aussicht getreten. Bon dem alten Dreieichprojekt bletttt dann als bauwürdig eine Nebenbahn von der Station Oberroden der Strecke OffenbachDieburg nach Station Sprendlingen der Main-Neckar-Bahn. Diese Nebenbahn wird den Ort Sprendlingen in erwünschter Weise mit dem Bahn- ifyofe verbinden. Da außerdem ein Anschlußgleis vom Bahn- hvf Neu-Isenburg nach deni Orte in Ausführung begriffen .ist, so wird allen Gemeinden das geboten, was sie von der 'Dreieichbahn erhofften.

Die für die letztere Linie erforderlichen Mittel in Höhe von 1367 000 Mk. bleiben um 623 000 Mk. hinter dem für die aufgegebene Bahn vorgesehenen Betrag von 1990 000 Mark zurück.

Bezüglich der Nebenbahn Grebenh ainCrain­feld Gedern wird bemerkt, daß für die Fortsetzung Der Nebenbahn LauterbachGrebenhain (Crainfeld) in süd­licher Richtung hauptsächlich 3 Linienführungen in Betrachit kommen: 1. die Linie GrebenhainBermuthshainVölz­berg Volkartshain Oberseemen südliche Kehrschleife Gedern; 2. die gleiche Linie wie zu 1 bis Oberseemen, dann church das Seementhal bis Büdingen mit Fortsetzung bis 'Lindheim und Anschluß an die geplante Nebenbahn Stock- cheimVilbel; 3. die Linie GrebenhainBermuthshain iHartmanshain Ober - Seemen nördliche Kehrschleife Gedern. Die beiden ersten Punkte werden in der Begründung der Regierung ausführlich behandelt. Es wird über ihre Vorteile und Nachteile gesprochen. Bei Beurteilung des Bahnprojektes 1 erscheint, nach! den Regierungsausführ­ungen, der Kostenaufwand von 2680000 Mk. unter Leistung eines unverzinslichen Bauzuschusses von etwa anderthalb Millionen Mark für den Bau dieser Bahn ganz unverhält­nismäßig hoch und volkswirtschaftlich um so weniger ge­rechtfertigt, als die Linie zu weit abgelegen ist von den im hohen Vogelsberg gelegenen waldreichen Distrikten des Ober­waldes mit dessen Ausläufen bei Hartmannshain und Herchenhain, wo zudem aud) Thonlager von erheblicher Mächtigkeit und Basalte vorhanden sind. Vom zweiten Pro­jekt wurde endgiltig Abstand genommen, da im Neben­bahn-Gesetze Gedern als Endpunkt der Linie ausdrücklich vorgesehen war, überdies auch bezüglich des nachzube­willigenden Betrags dasselbe Bedenken, wie bei der Linie 1, bestanden haben würde. Das dritte Projekt Grebenhain HartmannshainOber-SeemenGedern entstand zunächst aus finanziellen Erwägungen, sodann aus dem Bestreben, die Bahn so zu legen, daß sie eine erhöhte wirtschaftliche Bedeutung für den hohen Vogelsberg gewänne. Beides wird durch das vorliegende Projekt erreicht. Denn es stellt sich um 650 000 Mk. billiger als Entwurf i und erschließt gerade denjenigen Teil des Vogelsberges, der nach obigem als vorzugsweise der wirtschaftlichen Erschließung wert und bedürftig nachgewiesen ist den Walddistrikt Oberwald. Nebenbei dient die Bahn in ihrer neuen Lage den Inter­essen der Ortschaften Bermuthshain, Hartmannshaiu, Herchenhain, Sichenhausen, Kaulswß und Ober-Seemen in vollem Maße, ist and) mit einer erhöhten Jnauspruchsnahme der den Grunderwerb stellenden Gemeinden nicht verknüpft. Hinsichtlich! der größeren wirtschaftlichen Bedeutung dieser Linie gegenüber dem Projekte 1 dürften irgendwelche Zweifel kaum obwalten. Denn die Annäherung der Bahn an das hauptfächlichste Produktionsgebiet des hohen Vogels­bergs den Oberwald gewährleistet nicht nur eine, wenn auch zunächst bescheidene, Verzinsung des Baukapitals,

Konsul" innerhalb der Mauern derfreien" (!) Stadt auf­zuführen duldet, mit seiner kalten, traurigen Korrekcheit noch auf einen lustigen Spottvogel, der nicht, wie die Koulissen- handwerker Schönthan-Kadelburg, Witze reißt, sondern komische, vielleicht auch tragikomische Menschen gestaltet.

Kadelburg ist bekanntlich früher em sehr beliebter Dar­steller des Deutschen Theaters in Berlin gewesen. Er hat sich, während sein Kompagnon Schönthan den Senator ins Leben setzte, s. Z. selber mit einer schönen glatten Rolle be­schenkt, die, wie ein heimisches Leibgericht, nie mißfällt: der Zlaturbursch ohne Natur, ewig mit einem schlagkräftigen Scherze auf den Lippen und einem kleinen Fünkchen Ernst in einem Auge. Herr Gerlach hat diese neue, nicht ver­besserte, sondern sehr verwässerte Auflage von Gustav Freytags prächtigem Konrad Boltz bei uns darzustellen gehabt. Er war ja wohl mit bestem Willen bei der Sache, aber er schöpfte nicht aus dem Vollen, seiner Darstellung fehlte alle Unmittd« bcuckeit, sie blieb eindruckslos. Herr G. bot nicht einmal einen von außenher liebenswürdigen Fracktypus. Der Dr. Gehrig zeigt bei aller Nonchalance, bessere Lebensformen, mehr konventionellen Schliff, namentlich wenn er einer Dame zum zweiten Male sich gegenüber befindet. Herr G. gab einen vorlauten Patron ohne festes individuelles Gepräge, keine Gestalt, die die Handlung souverän beherrscht, mangelte es ihm doch schon an der Beherrschung des Textes. In den ersten Szenen war er, was nicht verschwiegen werden soll, nicht ohne kecken, ftisch zugreifenden, gesunden Humor. Der duldende Schwiegersohn bedarf, um eine fröhliche Wirkung M erzielen, agiler Komik. Dieser Pcmtoffelhelden-Typus kann in guter Darstellung an Beifall eine große Ernte erzielen. Herrn 3ob er brachte er nur targen Grummetgewinn. Herr 3» tst kein Bonvivant, dazu fehlt es chm an Humor, vielleicht auch <m Temperament; er ist ein auter Chargenspieler, wie

sondern auch eine angemessene Verwertung der reichen dort vorhandenen Holzbestände. Hierdurck) wird im weiteren Verlauf der Wert des Grund und Bodens, der zur Zeit überaus niedrig ist, erhöht und der notleidenden Bevölker­ung geholfen werden. Der Voranschlag für die in Aussicht genommene 21 Kilometer lange Linie einschließlich der Be­schaffung der Betriebsmittel beläuft sich auf 2030 000 Mk., so daß gegenüber den früher vorgesehenen Kosten von 1208 000 Mk. and) bei dieser billigsten Linie noch ein Mehr­betrag von 822 000 Mk. erforderlid) wird, welchem jedoch der Minderbedarf von 623 000 Mk. für die Eingangs be- sprochene Bahn von Oberroden nach Sprendlingen gegen- überfteht._______________________________________________________

Ans Stad! und Kand.

Nachrichten von allgemeinem Interesse sind uns stets willkommen und werden angemessen honoriert.

Gießen, 18. November 1901.

* * Audienzen. Der Großherzog empfing am 16.Nov. u. a. den Pfarrer Röschen von Winnerod und um 10 Vz Uhr den preußischen außerordentlichen Gesandten und bevollmäch­tigten Minister Prinzen zu Hohenlohe-O eh ringen.

* * Dienstnachricht. An Stelle des nach Stuttgart ver­setzten Oberstleutnants v. Rheinbaben ist Oberstleutnant John v. Freyend vom 1. Großh. Hess. Jnfanterie-(Leib- garde-)Regiment Nr. 115 für die Dauer seiner gegenwärtigen Dienststellung als Abgeordneter der Großh. Hessischen (25.) Division für die evangelische Landessynode bestimmt worden.

** Zur Steuerreform im Großherzogtum Hesse n. Die Regierung hat Einzel-Ermittelungen anae- stellt, um die Wirkung der Steuerreform für oie größeren Steuerzahler festzustellen. Nach derTarmft Ztg." ist das Ergebnis folgendes: Bei diesen Feststellungen ist für jeden der in Betracht kommenden Steuerpflichtigen berechnet worden, was er im laufenden Jahre thatsäch- l i d) an Staatssteuern bezahlt, und was er an solchen b ezahlen würde, wenn die alte Steuergesetzgebung in Kraft geblieben wäre, d. h. wenn an Staatssteuern neben der Einkommensteuer in ihren alten Sätzen noch Grund-, Gewerb- und Kapitalrentensteuer zur Erhebung kämen. Die Berechnungen wurden für alle Steuerpflichtigen mit einem Einkommen über 100000 Mk. angestellt und ergaben das Folgende: Von den 98 Steuerpflichtigen mit einem Einkommen von mehr als 100 000 Mk., die das Großher^vg- tum für das laufende Jahr zählt, sind 64 natürliche und 33 jur istische Personen. Eine Scheidung beider Gruppen bei Beurteilung der Wirkungen der Steuerreform ist um deswillen notwendig, weil die juristischen Personen bekanntlich mit Rücksicht auf den Vorgang Preußens auch! bei uns von der Vermögenssteuer befreit sind, und somit insoweit eine Steuererleichterung gegenüber der alten Ge­setzgebung genießen, als nicht etwa durch die Der,durfte Progression in der Einkommensteuer der Wegfall der von ihnen seither bezahlten Grund-, Gewerb- und Kapitalrenten­steuer wieder ausgeglichen wird.

Die 64 natürlichen Personen würden nach der alten Gesetzgebung zusammen zahlen 626 945 Mk. Sie zahlen thatsächlich nach der neuen Gesetzgebung 681832 Mk., also mehr 54 887 Mk., oder 8,76 pCt.

Die Verschiebung in der Belastung der einzelnen physischen Steuerpflichtigen mit Einkommen über 100 000 Mark durch die Steuerreform ist naturgemäß sehr ver­schieden; sie ist wesentlich abhängig von der Höhe des Einkommens, der Größe des Vermögens und der Höhe der von dem Vermögen abgezogenen Schulden. Haupt­sächlich dem letzteren Umstand, zum Teil aber auch der außerordentlichen Höhe der seitherigen Grund- und in einzelnen Fällen der Gewerbsteuer ist es zuzuschreiben, wenn von den 64 natürlichen Personen mit Einkommen von mehr als 100 000 Mk. 12 infolge der Steuerreform eine Ermäßigung ihrer Staats steuern erfahren haben. Diese 12 Personen würden nämlich nach der alten Gesetzgebung an Staatssteuern zu zahlen haben 187 038 Mk., sie zahlen nach der neuen Gesetzgebung thatsächlich 172 855 Mk., sie zahlen also weniger 14 183 Mk. oder 7,6 pCt.

Die übrigen 52 natürlichen Personen mit Einkommen von mehr als 100 000 Mk. sind durch die Steuerreform wesentlich höher belastet worden; sie würden nämlich nach der alten Steuergesetzgebung an Staatssteuern zu zahlen haben 439 907 Mk., während sie thatsächlich nadji der neuen Gesetzgebung zahlen 508977 Mk., sie zahlen also mehr 69 070 Mk., oder 15,7 pCt.

Die juristischen Personen zahlen keine Ver­mögenssteuer. Trotzdem sind gerade die juristischen Per­sonen mit hohem Einkommen durch die infolge der Steuerreform verschärfte Progression stärker zu den Staats­

er es bereits wiederholt bewiesen hat. Der Mittelbach wäre wohl bei Herrn Schneider besser aufgehoben gewesen. Als Stefanie war Frl. Kranbau sehr niedlich. Sie warf sich mit Backstschgrazie an den Hals ihres geliebten und noch nicht liebenden Doktors und erreichte mit ihrer hübschen Ursprüng­lichkeit und liebenswürdigen Lebendigkeit einen recht glücklichen Erfolg. Frl. Hohenfels war als Agathe anfangs denn doch allzu steif und kühl und langsam. Auch mit dem Dialekt bemühte sie sich vergeblich. Frl. H. arbeitet sichtlich zu stark mit dem Intellekt, um auf den Zuschauer zu wirken. Man merkt die Absicht und könnte wohl verstimmt werden, wenn man nicht den guten Willen zu loben hätte. Sobald Frl. H. ein wenig mehr aus sich herausgehen kann, sobald sie ihr schönes Organ zu herzlichen Tönen gebrauchen darf, desto freier wird sie, desto anspreck)ender. Es läßt sich recht gut denken, daß diese Agathe recht wirksam sein kann: wie die Marmorstatue aus ihrem steinernen Schlafe erwacht, wie sich die steife Senators- tod)ter in em entzückendes Frauchen mit leuchtenden Augen und geröteten Wangen verwandelt, wie der kalte, eisstarre Zwang und Bann t()örid)tcr Erziehung und ungesunder Ge­sellschaftsverhältnisse dahinschmilzt unter dem Zauber der süßen Glut des Leben und Liebe erwachten Weibes. Sym- pathisck) und liebenswürdig stellte Frl. Feige die ebenso kreuzbrave wie blutarme Gouvernante dar. Sie traf ganz gut den bescheidenen, edlen und stillen Ton, den diese Rolle verlangt.

Die Aufführung fand recht lebhaften Beifall. Man kam vom Sonntagsbraten und ließ sich die Spässe gefallen, die eine leichte Laune befriedigen, nicht weiter aufregen und kein Arbeiten des Mit- und Nachdenkens erfordern. Tie Regie hatte es mit dem szenischen Arrangement leicht, nahm aber die ganze Sache vielleicht zu sehr auf die leichte Achsel. An verfehltem Tempo litt manche Szene bald zu langsam,'

lasten herangezogen als dies nach der alten Gesetzgebung der Fall war. So würden nad) der letzteren von den 33 in Betracht kommenden juristischen Personen im ganzen 13 thatsächlich an Staatssteuer (Einkommen-, Grund-, Ge-- werb- und Kapitalrentensteuer) zahlen 283675 Mk., während sie nach der neuen Gesetzgebung thatsächlich zahlen (nur Einkommensteuer) 322115 Mk., sie zahlen also mehr 38 440 Mk., oder 13,5 pCt. Die übrigen 20 juristischen Personen würden nad) alter Gesetzgebung zahlen 219 057 Mk., wäh­rend sie nach der neuen Gesetzgebung thatsächlich zahlen 178 450 Mk., also weniger 40607 Mk., oder 18,5 pCt.

Insgesamt würden die 33 juristischen Personen mit mehr als 100 000 Mk. Einkommen nad) der alten Gesetz­gebung zahlen 502 732 Mk., während sie nad) der neuen Gesetzgebung zahlen 500 565 Mk., sie zahlen also weniger 2167 Mk., oder 0,43 pCt.

Alle Steuerpflichtigen (natürliche und juristi­sche Personen) mit Einkommen über 100 000 Mk. zusammen endlich würden nad) der alten Gesegtzebung an Staats­steuern zu zahlen haben 1 129 677 Mk., sie zahlen nad) der neuen Gesetzgebung thatsächlich 1 182397 Mk., sie zahlen also mehr 52 720 Mk., oder 4,66 pCt.

Berücksichtigt man, daß die Steuerreform durch die erhebliche Verschärfung der Progression in der Einkommens steuer für alle Steuerpflichtigen mit höherem Einkommen mittelbar eine Erhöhung der Gemeinde-Umlagen gebracht hat, die sich bei hohen Einkommen auf Tausende von Mark beläuft, so zeigt oas Ergebnis der Ermittelungen, daß die Steuerreform aud) für die großen S!t euerp flich- ti g eit die Wirkungen gehabt hat, die man von ihr erwartete, und daß sie insbesondere die Staats^ st euer la st der physischen Personen mit Einkommen von mehr als 100 000 Mk. sowohl der Gesamtsumme nach als auch prozentual berechnet recht erheblich ver­größert hat.

** Ausschußsitzung der Ortsgewerbe-Ver­eine des Bezirks-Verbands Gießen. Am gestri­gen Sonntag tagte in der Restauration Feidel, hier, der Ausschuß der zum Bezirksverbande Gießen gehörigen Orts- gewerbevereine. Den Vorsitz führte an Stelle des erkrankten Vorsitzenden L. Petri II.-Gießen, Kommerzienrat Heyli- genstädt - Gießen. Bor Eingang zur Tagesordnung wurde die vom Verbandsrechner Haas- Gießen aufgestellte Rech­nung pro 1900 verlesen, und vom Ausschüsse als richttg anerkannt. Den Hauptgegenstand der Tagesordnung bildete eineBesprechung von Vereins- und Sd)ulangelegenheiten". Dr. Kraus müll er--«Homberg a. O. verlas die von der Zentralstelle für Gewerbe erhobenen Anstände über Zeichn nun gen gelegentlich der diesjährigen Zeichen-Ausstellung in Lich, insoweit sid) solche auf die Schalen des Bezirks Gießen beziehen. Kommerzienrat Heyligenstädt-Gießen teilte mit, daß man mit dem Gedanken um gegangen sei, an der Gewerbeschule-Gießen einen intensiveren Fach- unterricht für Bau Handwerker einzuführen. Dieser Plan sei jedod) aus finanziellen Gründen gescheitert, aber auf freundliches Entgegenkommen der Schulbehörde; Gießens würde dieser Fachunterricht eventuell an den Fort-, bildungsschulen einHeführt werden. S d) e r s f - Lich brachte zur Sprache, es möge den Schülern beim Verlassen her Sonntagszeichenschulen hinsichtlich ihrer Leistungen ein Abgangszeugnis ausgestellt werden, das vom Vorsitzenden und dem Lehrer zu unterzeid)nen wäre, und wenn ein Schüler die Schule böswillig verlasse, so möge er nicht ohne Weiteres von einer anderen Schule auf gekommen werden. Dr. Krausmüller- Homberg stellte einen ent­sprechenden Antrag, dem der Ausschuß seine Zustimmung gab. Als Vertreter in den Ausschuß des Landesaewerbe- Vereins wurde Louis Petri II.-Gießen per Akklamation wiedergewählt. Zum Schlüsse der Sitzung brachte Dr. Krausmüller-Homberg noch die Sterbekasse zur Sprache und betonte, daß bei der demnächstigen Delegierten-Vev- fammlung seitens der Delegierten darauf hingewirkt wer-, den müsse, daß bei der ebent. Einführung der festen Bep. träge eine Erhöhung dieser gegenüber den seitherigen Leistungen und im Hinblick auf die weitere Entwickelns der Kasse nicht angebracht sei. Diese Ausführungen wurden von dem Ausschüsse als durchaus gerechtfertigt anerkannt.

* * Ein erschütternder Trauerfall. Wir meldeten dieser Tage, daß der in Büdingen aus dem Fenster gestürzte Gym­nasiast Mudra aus Wächtersbach schwer verletzt in die hiesige Klinik gebracht worden ist. Die Mutter des Ver­unglückten eilte an das Krankenlager ihres Sohnes, dessen Zustand ihr so zu Herzen ging, daß sie in der Klinik starb.

* * Stein ko h lenb ezu g s g e s eil s cha f t Gießen In der am Samstag imSchipkapaß" einberufenen Gene- ralvers ammlung erstattete der 1. Vorsitzende Dickvre den Jahresbericht und gab Aufschluß über Verwaltung, die gemachten Anschaffungen, Beschaffung der Kohlen usw. Im

bald zu hurtig, bald eine Stockung. Am gelungensten und am besten vorbereitet war die hübsch eingefäbeite Schlußszene des 2. Aktes. P. W..

Die Originalhandschrift des Goethe'schen Ergo bi bamus hat der Alte Herren-Verband der Korps­studenten angekauft und dem Frankfurter Goethe-Mu­seum als Stiftung überwiesen. Die Dichtung ist flott und in einem Zuge auf das Papier gesetzt, mit ganz geringen Korrekturen. Das herrliche Trinklied ist in Goethes 61. Lebensjahre entstanden. Seinen Ursprung hat es, wie Prof. Dr. Heuer in denAkad. Monatsh." erinnert, in dem Lieb­lingsworte Basedows, eines kräftigen Trinkers. Riemer hatte Goethe auf diesen Refrain zu einem Trinkliede aufmerffam gemacht und sich dann selbst in der Behandlung des Stoffes versucht. Goethes Lied wurde fteilich von ganz anderer Art, erfüllt von der ewigen Poesie der Jugend. Der Schöpftr der Melodie ist bekanntlich Zelter. Die von Goethe an ihn gesandte Abschrift des Originals wird noch in den Akten der Berliner Liedertafel aufbewahrt. Die letzte Strophe war, wie Reinhold Steig nachgewiesen hat, als eine Huldigung zum Geburtstage der Königin Luise gedacht. Dasgöttliche Bild­chen", das den Blicken vorleuchtet, ist das Bild dieser Königin. Die zweite, echt studentische Sttophe fehlt seltsamerweise im Leipziger Kommersbuch. Sie lautet:

Ich hatte mein freundliches Liebchen gesehen, dacht' ich mir: Ergo bibamne!

Und nabte mich traulich, da ließ sie mich stehn. Ick) half mir und dachte: Bibamas!

Und wenn sie versöhnet mich herzet und küßt, Und wenn chr das Herzen und Küssen vermißt, So bleibt nur, bis chr was Besseres wißt. Beim tröstlichen Ergo bibama»."