hervorragende strategische Leistung des Burenbefehlshabers. Die Bothasche Armee mußte unweit Pietretief im Westen und Süden von General Lytleton mit der Vorhut unter Walter Kitchener und im Osten von General Hamilton bedroht. Nördlich bei Pietreücf standen ebenfalls britische Truppen. Im Ganzen sollen die Engländer hier 20 000 Mann zur Verfügung gehabt haben.
Londoner Blättern zufolge gestaltet sich die Rekrutierung von Irländern und Peomanries immer schwieriger. Letztere lehnen es rundweg ab, von Neuem in Dienst zu treten.
Von Lord Kitchener ist, Johannisburger Privatmeldungcn zufolge, die Erlaubnis eingegangen, die Minenschutztruppe am 1. November aufzulösen und den weißen Arbeitern den vollen Lohn — an Stelle der bisher vorgeschriebenen 5 sh. pro Tag — auszuzahlen.
In Brüssel findet am 29. Oktober ein großer Buren- abend statt. Zwei Burenführer werden Vorträge halten, worauf die Aufführung eines Theaterstückes durch vlämische Künstler folgen soll.
Aus Stadt und Sand.
Nachrichten von allgemeinem Interesse find uns stets willkommen und werden angemessen honoriert.
Gfießen, 18. Oktober 1901.
** Zur Stadtverordneten wähl. Wir machen unsere hiesigem: Leser darauf aufmerksam, daß der heutigen Nummer das Verzeichnis der Wahlberechtigten zur Stadt- verordneten-Wahl beiliegt. Diejenigen, deren Namen in der Liste nicht enthalten sind, die aber ihre Wahlberechtigung aus gesetzlichen Gründen beanspruchen zu können glauben, wollen sich bis spätestens 25. Oktober bei der Bürgermeisterei an meld en. (Siehe die betr. Bekanntmachung in der heutigen Nummer.)
** Vorträge. Der Kaufmännische Verein Gießen und der Ortsgewerbeverein eröffnen, wie alljährlich, am 22. Oktober in Steins Saalbau einen Zyklus von Vorträgen. Wie man uns mitteilt, sind folgende Vorträge vorgesehen: Dienstag den 22. Oktober: „Eine Reise zum Ober-Ammer- gauer Passion sspiel". (Otto Ewald, Königl. Schauspieler und Regisseur, Kassel.) Dienstag den 5. November: „Das moderne Rußland". (Theodor Hermann Lange, Schriftsteller, Posen.) Mittwoch den 20. November: „Rezitationen." (Otto Beck, Rezitator und Schauspiel-Regisseur des Stadttheaters Köln.) Dienstag den 10. Dezember: „Abenteuer und Beschwerden aus der Polarwelt." (Dr. Julius Ritter v. Payer). Dienstag den 21. Januar 1902: „Stil und Stilwandlungen in Kunst und Kunstgewerbe". (Professor Dr. Sauer, Gießen.) Mittwoch den 12. Februar: „ Malerische Wanderungen an den deutschen Wasserstraßen mit Berücksichtigung der Kanäle". (Jens Lützen, Dozent an der Humboldt-Akademie Berlin.) Mittwoch den 26. Februar: „Deutsche Kulturarbeit in Kleinasien." (Orientreisender Dr: Hugo Grothe, Wiesbaden.) Dienstag den 11. März: „Auswärtiger Handel und auswärtige Handelspolitik". (Dr. Kehm, Syndikus der Großh. Handelskammer Gießen.)
**ErneweitereVerbreiterungd es Seltersweg es an seiner engsten Stelle steht im nächsten Jahre zu erwarten. Wir hören, daß dem Bauunternehmer W i n n vom Ochsenmetzger Gustav Sack, Seltersweg 7, der Auftrag geworden ist, einen modernen Neubau an Stelle des alten, unschönen jetzigen Hauses zu errichten. Herr Sack hofft, bei der Stadt, die das hinter seinem Grundstück liegende Hospitalgelände abzutreten in der Lage ist, Entgegenkommen zu finden, und hat allerdings hiervon den erteilten Bauauftrag abhängig gemacht.
** lieber die Gründung von Theatervereinen, die für alle Städte mit prekären Theaterverhältnissen sich als segensreiche Einrichtung erwiesen haben, wird neuerdings aus mehreren Orten berichtet. Vielfach sind gerade an den hiesigen Verein in den letzten Jahren Anfragen aus solchen Städten gelangt, in denen man einen Theaterverein ins Leben rufen wollte, so noch im vergangenen Winter aus Greifswald. Jetzt wird mitgeteilt, daß auch in Greifswald ein Verein ganz nach dem Muster des Gießener ins Leben getreten ist, der schon über 200 Mitglieder zählt — eine respektable Zahl für die kleine -Universitätsstadt Greifswald, die in ihr dem größeren Gießen nicht nachsteht. Mit den Theatervereinen großer Städte können natürlich diejenigen von Gießen und Greifswald in der Höhe der Zuwendungen an die Theaterdirektion nicht wetteifern. In Barmen z. B., wo sich vor enigen Monaten nach der Trennung des dortigen Theaters von dem Elberfelder ein neuer von dem Elberfelder Verein ganz unabhängiger Theaterverein gebildet hat, der jetzt mehr als 800 Mitglieder zählt, sind der 'Direktion jetzt schon 8000 Mk. für Dekorationszwecke zur Verfügung gestellt worden. Der MLnimalbeitrag beträgt dort 3 Mk., in Gießen ist der Einheitsbeitrag zwar höher (5 Mk.), aber er wird auöyi, sobald ein Abonnement aus sechs Vorstellungen genommen wird, wieder zurückgezahlt. So fließen hier nur 4000 bis 5000 Mk. pro Jahr aus der Kasse des Theatervereins der Direktion zu, der eine solche sichere Einnahme von der größten Wichtigkeit ist. Wäre die Zahl der Mitglieder größer — und sie könnte nach, der Zahl und Wohlhabenheit unserer Bevölkerung sehr viel größer sein —, dann könnte bei wachsendem Zuschuß das hiesige Theater auf eine viel höhere Stufe der Vollkommenheit gehoben werden. Es giebt sehr viele Leute aus den -oberen Ständen in Gießen, die nicht in das hiesige Theater gehen, weil ihnen die Bühne und der ZuschMerraum oder die Leistungen der Mitglieder nicht genügen, die es aber auch verschmähen, an einer Förderung der Verhältnisse mitzuarbeiten, wozu ihnen durch Beitritt zum Theaterverein und Zahlung von 5 Mk. jährlich so bequeme Gelegenheit geboten ist:
** Aus dem Theater-Bureau. Da die Militärkapelle, wie sie der Theaterleitung leider erst sehr verspätet mitteilt, am kommenden Sonntag anderweitiger Engagements wegen an der Mitwirkung im Theater verhindert ist, so muß die auf dem heutigen Theaterzettel angekündigte Ausführung der Posse „das Milchmädchen von Schöneberg" verschoben werden. Statt dessen wird Hermann Hersch's beliebtes historisches Lustspiel „die Änna-Lise" oder „des alten Dessauers erste Siebe" (soeben in „Meyers Volksbüchern", zum Preise von 20 Psg., erschienen. D Red.) mit neuer Ausstattung an Kostümen aufgeführt. ^-Carl Schönfeld's Gastspiel findet in der Zeit vom 24.-27. ds. Mts. statt. Der Künstler tritt il a. als „Shylock" und als „Kean" aus.
** Zum neuesten Kammerantrag des Herrn 'Köcher-Lamgsd«rf. In unser« Nr. 242 veröffent
lichten wir wieder einmal einen an die Zweite Kammer gerichteten Antrag des Herrn Köhler, der doch ein wenig näher beleuchtet zu werden verdient. Diese Interpellation wegen Inanspruchnahme der Orts g e rich tsd i en er zur Vornahme von Zustellungen im Verfahren betr. .die Anlegung der Grundbücher muß in nicht unterrichteten Kreisen >en Eindruck erwecken, als ob die staatliche Fürsorge nur den staatlich angestellten Beamten zugewendet sei. Das ist nach den einschlägigen Vorschriften nicht der Fall. Nach Ziffer 17 des Gebührentarifs für die Großh. Ortsgerichte erhalten die Mitglieder der Ortsgerichte für ihre Mitwirkung im Verfahren betr. die Anlegung der Grundbücher, wenn diese während einer bestimmien Zeitdauer in Anspruch genommen wird, der Ortsgerichtsvorsteher 1 Mk. für jede angeiangene Stunde, jedoch für den ganzen Tag nicht mehr als b Mk., jeder mitwirkende Gerichtsmann 50 Pfg. für jede angefangene Stunde, jedoch für den ganzen Tag nicht mehr als 3 Mk. Ist die Mitwirkung auf die Erledigung einzelner Diensthandlungen beschränkt, so ist die für die betreffende Diensthandlung im Tarife bestimmte Gebühr anzusetzen. Die Ortsgerichtsdiener erhalten nach B Ziffer 3 des Tarifs 30 Psg. für jede angefangene Stunde. Nach §.193 der Dienstanweisung für die Großh. Ortsgerichte lönnen der Ortsgerichtsborsteher und die Gerichtsmänner ür die Vornahme eines auswärtigen Tienstgeschäftes neben der etwaigen Gebühr für das Geschäft Tagegelder und Reisekosten beanspruchen. Erstere sind auf 5 Mk. festgesetzt, für letztere werden die baren Auslagen vergütet. Für Zustellungen und Behändigungen an Beteiligte erhalten die Ortsgerichtsdiener 20 Pfg., welche Gebühr sovielemal erhoben werden kann, als Personen vorhanden sind, an die eine Verfügung zugestellt werden soll. Für Zustellungen im Anlegungsverfahren wird eine Vergütung nicht gewährt. In fieser Beziehung stehen die Ortsgerichtsdiener den Gerichtsdienern vollständig, gleich Vergleicht man damit die Bezüge der mit der Anlegung der Grundbücher beauftragten Gerichtsbeamten, so ist ein wesentlicher Unterschied nicht zu merken. Der Anlegungsrichter erhält an Tagegeldern 6,50 Mark und für Reisekosten einen Aversionalbetrag von 3,50 Mark. Der Anlegungsgerichtsschreiber erhält an Tagegeldern 5 Mk. und die gleiche Reisekostenvergütung. Sind die Anlegungsbeamten infolge ungünstiger Witterung oder großer Entfernung genötigt, sich eines Wagens zu bedienen, so wird dafür eine besondere Entschädigung nicht gewährt. In § 32 der Anweisung für die GroßH. Ortsgerichte die Anlegung des Grundbuchs betreffend, ist dem Anlegungs- rich-ter die Ermächtigung gegeben, die Termine am Sitze der im Anlegungsbezirke befindlichen Gemeinde abzuhalten. Es ollen auf die Mhaltung der Termine täglich etwa sieben Stunden verwendet werden. Im gleichen Paragraph ist )ie Vorschrift enthalten, daß der Ortsgerichtsvorsteher und ier Ortsgerichtsdiener an den Terminstagen zur Stelle ein sollen. Die Mitwirkung des Ortsgerichtsvorstehers wird also mit 6 Mk. täglich honoriert, die des Ortsgerichtsdieners mit etwa 2,10 Mk. Ter Ortsgerichtsvorsteher steht sonach in seinen Bezügen denjenigen des Anlegungsrichters kaum nach, bezieht aber stets mehr als der Anlegungsgerichtschreiber. Wird der Ortsgerichtsvorsteher an den Sitz des Gerichts vorgeladen, so erhält er bei einer Dauer des Dermins von mehr als 5 Stunden eine Vergütung von 11 Mk. neben dem Ersatz seiner Reiseauslagen. — Man kann verlangen, daß ein Abgeordneter sich über Angelegenheiten, die er vor der Kammer zur Sprache bringt, vor allen Dingen genau unterrichtet. Beim Abg. Köhler muß man diese genaue Kenntnis voraussetzen, denn er ist ja selbst Orts- gerich-tsvorsteher. Trotzoem spricht er nur von den sehr namhaften Zuschüssen zu den Gehalten der Gerichtsbeamten, verschweigt aber die ebenso namhaften Bezüge der Orts- gerichtsvorstther.
* * Herb st-Schliefen. 'Der Verein zur Züchtung reiner Hunderassen hält für sein am Sonntag stattfindendes Schliefen nicht weniger als 10 Füchse und 3 Dachse bereit. Unter den in Gefangenschaft gehaltenen Angehörigen des Geschlechtes derer von Reineke befinden sich mehrere ausgesucht schöne Exemplare, die am Sonntag zweifellos ihren Gegnern, den Dackeln, zu thun geben werden.
* * General von Madai, der in Gießen so beliebte frühere Kommandeur des Jnf.-Regts. Nr. 116 weilt seit vorgestern besuchsweise in unserer Stadt. Er ist, wie wir früher meldeten, um seinen Abschied eingenommen, und wird nach Bewilligung desselben feinen Wohnsitz in der anhaltischen Residenzstadt Dessau nehmen, wo er früher in Garnison war und von wo er nach Gießen versetzt wurde. (Äner der Freunde des Generals fragte diesen gestern, warum er denn seinen Wohnsitz nicht bei seinen lieben Gießenern nehme. Da erklärte, wie man uns mitteilt, Herr von Madai: „Ich werde es so einrichten, daß ich einen Teil des Jahres in Gießen wohne, wo man mir zu Liebe schon Madai-Zigarren raucht". Er habe die Sorte übrigens gar nicht so übel gefunden.
**UnsereRegimentskapelle brachte dem Hauptmann Mohr, der aus Breslau in unser Regiment versetzt worden ist und gegenwärtig im Hotel Kühne weilt, heute morgen eine Begrüßungsmusik.
* * Vogelmarkt. Der Verein der Kanarienzüchter Gießen und Umgegend hat den Plan, im kommenden Jahre eine Ausstellung zu veranstalten, jetzt fallen gelassen und beschlossen, im Dezember vor dem Weihnachtsfeste einen mit Prämiierung und Verlosung verbundenen Vogelmarkt abzuhalten. Als Preisrichter hat der Verein bereits einen als Kenner des Kanariengesanges bekannten hiesigen Herrn gewonnen.
** Ziehung der Darmstädter Pferdelotterie. Bei der am 16. d-Mts. stattgehabten Ziehung der Darmstädter Pserdelottevie fielen auf folgende Nummern die ersten zwanzig (lebende) Gewinne: Nr. 48 942 Darmstadt: Nr. 347 Geisnidda (beide Ohnacker); 9?r. 3684 Darmstadt (Friseur Kiefer); Nr. 38 461 und Nr. 49690 (beide Ohnacker); Nr. 12 431 und 13172 ^Karlsruhe (Kollekte Götz); Nr. 8192 Calbach; Nr. 3427 Lauterbach; Nr- 8400 Hungen; Nr. 42 239 Zeilhard; Nr. 49188 Darmstadt (Ohnacker); Nr. 40 532 Darmstadt (Krätzinger); Nr. 48 784 Darmstadt (Ohnacker); Nr. 36 697 Crainfeld; Nr. 6919 Worms (Kollekte Dinkelmann); Nr. 10 009 Allendorf a. d- Lumda; Nr. 2383 Darmstadt (Hofjuwelier Schmidt); Nr. 21985 Hanau; Nr. 9285 Aulaudebach.
•* Feierabend für Lehrlinge. Seit vielen Jahren besteh die Einrichtung, den jungen Leuten, die sich in der Lehre befinden, im Laufe des Winters an den Sonntagen von 6—10 Uhr abends Erholung, Anregung und Unterhaltung zu bieten in dem „Feierabend für Lehrlinge." Dieser ist eine völlige fteiwillig und zwanglose Vereinigung. Die Mitglieder können in den angegebenen Stunden kommen und gehen, wie sie wollen. Sie finden zu ihrer Unterhaltung allerhand Gesellschaftsspiele, eine reichhaltige Bibliothek, au§ der für die Woche unentgeltlich Bücher au-geliehen werden, sowie
eine große Anzahl illustritter Werke, welche zur Benutzung im Saal aufgelegt sind; Vorträge, die von Zeit zu Zeit gehalten werden, dienen zur Anregung auf verschiedenen Gebieten. Die Zusammenkünfte beginnen mit nächstem Sonntag, im unteren Saal der Gewerbeschule Asterweg (Ecke Schiller- lraße). Eltern und Lehrherren mögen die jungen Leute auf diese Einrichtung aufmerksam machen.
„i“ Abendstcrn, 16. Oft. Die Bahnstrecke Lollar—Wetzlar wurde heute einer eingehenden Revision unterzogen. Unter Führung des Regierungsrates Rütchen aus Wetzlar, er- chienen mit Extrazug vier höhere Verwaltungsbeamte. Auf ämtlichen Stationen hielt der Zug, worauf diese aufs Genaueste besichtigt wurden.
-t- Heuchelheim, 18. Oft. Bei der gestrigen Bürgermeister wähl wurde der Sohn des seitherigen Bürgermeisters, Georg Kreiling — der.erstere hatte bekanntlich eine Wiederwahl abgelehnt — mit 323 von 336 abgegebenen Stimmen gewählt. 11 Stimmen waren zersplittert und 2 ungiftig. Die große Mehrheit von Stimmen, die der Neu- gewählte erhielt, ist der beste Beweis dafür, welcher Beliebtzeit er sich bei der gesamten Einwohnerschaft Heuchelheims erfreut. Sowohl der Bürgerverein wie auch der Arbeiterbildungsverein hatten ihn als Kandidaten ausgestellt.
8. Darmstadt, 17. Oktober. Der erste Sonder-Ausschuß zur Vorberatung der Regierungsvorlagen, der Gesetzentwürfe über a. die Errichtung einer hessischen Pfandbrief - bank, b. die Landeskreditkasse, c. die öffentlichen Sp arkassen, tagte gestern und heute hier unter dem Vorsitz des Abg. Köhler (Worms). Heute nahm auch die Regierung an der Beratung teil. In Anbetracht der Wichtigkeit des Gegenstandes nahmen die Verhandlungen nur langsam Fortgang. Man scheint sich über die prinzipiellen Fragen noch noch nicht geeinigt zu haben.
b. Mainz, 17. Oft- Der Brand im Kohlenlcrgev Thomae konnte bis jetzt noch nicht ganz gelöscht werden. Die ungebrannten Kohlen, sowie solche, die nur wenig Not gelitten haben, werden vor das Lager gefahren, um )ann en bloe verkauft zu werden. Der Verkauf dieser Waare geschieht durch die Versicherungsgesellschaft und zu billigen Preisen.
W'orms, 17. Okt. Tie Stadtverordnetenversammlung bewilligte dem Oberbürgermeister vom 1. Oktober 1901 ab eine Gehaltserhöhung von 10000 Mark ausl2000 Mark. Dem Beigeordneten Dr. Kayser wurde einer Zeit bei seinem Amtsantritt ein Gehalt von 5000 bis 7000 Mark bewilligt mit jeweiliger Steigerung von 50Ö Mark nach je drei Jahren. Da er bei dieser Berechnung ms Maximalgehalt erst nach Ablauf seiner Amtsperiode erhalten würde, wurden ihm jetzt schon vom 1. April d. I. ab 6500 Mark bewilligt, sodaß er das Höchstgehalt noch während seiner Amtsperiode erhalten kann. — Tie wegen ahrlässiger Tötung (bei dem Hauseinsturz) bisher in Unter* uchungshaft gewesenen Brüder Peter und Karl Harten- bach wurden gegen entsprechende Kautionsleisfimg auf freien Fuß gesetzt.
te. Frankfurt a. M., 17. Okt. Die hiesige Eisenbahndirektion beabsichtigt,. für den Taunusverkehr als Ersatz für die zum Teil fortgefallenen Rundreisekarten Karten mit wahlfreier Rückfahrt über verschiedene Strecken einzuführen.
fc. Kassel, 17. Okt. »Im 83. Jnf.-Regiment kamen 7 Typhusfälle vor, die auf das schlechte Wetter und den Genuß schlechten Wassers während des Manövers zurück- geführt werden. Man hofft, daß keiner der 7 Fälle tätlich verlaufen wird.
** Kleine Mitteilungen aus Heffen und den Nachbarstaaten. Die Leiche des seit einiger Zeit abgängigen Theaterdirektors Julius Grosser aus Aschaffenburg wurde heute bei Kleinostheim im Main gefunden. Das Theater wird jetzt von der Gattin des Verstorbenen weitergeführt. — Kürzlich verunglückte bei einem Treibjagen auf dem Westerwald der Kaufmann Fuhr von Offenbach. Er erhielt bei der Jagd von einem anderen Schützen unglücklicherweise eine Schrotladung in den Rücken. Jetzt ist der Verunglückte im Krankenhaus zu Kam- b er g, wohin man ihn s. Z. von der Unglücksstelle aus transportiert hatte, an den Folgen der Verwundung gestorben. Trotzdem man alle ärztliche Mühe angewendet, die Schrotkörner entfernt hat und sogar die Verletzung des Rückenmarks ausgeheilt war, konnte der Bedauernswerte infolge eingetretener Komplikationen nicht mehr gerettet werden. Fuhr war 39 Jahre alt und ledig. — In Bingerbrück stürzte ein 26jähriger Mann namens Wilbert aus Argenschwang (Hunsrück) von einem Trajektschiff, als dieses an der Landungsbrücke hielt, in das reißende Wasser des Rheins und ertrank. Er hatte seine Familie, die mit dem Schiff nach Rüdesheim fuhr, auf das Schiff begleitet und fiel beim Abfchiednehmen über Bord. Von dem nahen Mäuseturm eilte fofort der Wächter mit einem Nachen zu Hilfe, doch verschwand der Mann vor seinen Augen, als er noch ungefähr 10 Mtr. von demselben entfernt war.
Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.
Dortmund, 17. Okt. Heute wurden 147 Kuxe der Gewerk» schast Grünwald versteigert. Käufer hatten sich nicht cm» gefunden; die Gewerkschaft kaufte sämmtliche Kuxe zu 30 vfg. bi§ 2,50 Mk. pr. Stück. In früheren Jahren wurden über 3000 Mk. pr. Stück gezahlt.
Berlin, 17. Okt. Die „Voss. Ztg." hört, daß dre Besprechungen in München und Nürnberg zu einer Verständigung über die Nützlichkeit einer Interessengemeinschaft zwischen Schuckert u. Co. und der Allgem. Elektrizrtats- a es e ll schäft geführt hätten. Die Interessengemeinschaft solle in einer neuen Gewinnverteilung (Poolen) gipfeln, wobei den beiden Parteien die Verwendung des ihr zugefallenen Gewinnes freibleibe, entweder zurAusschüttung vonDividenden oder zuAbschreibungen usw. Die Erörterung der Einzelheiten wurde einer Kommission übertragen. Etwa in der zweiten Hälfte dieses Monats werde eine Konferenz stattfinden zur Einigung über die Ausführung des Interessengemeinschafts-Gedankens.
Gerichtssaal.
8. Darmstadt, 17. Okt. Der Musketier Karl Eckart au3 Wies eck, in der 5. Komp, des Jnf.-Regiments Nr. 168 hat sich am 6. Okt. ohne Urlaub von seiner Truppe entfernt und sich in Wirtschaften herumgetrieben, bis er nach 2 Tagen in die Kaserne zurückgcholt wurde. Da er schon vielfach Dor,trafen hat, darunter 2 gerichtliche wegen unerlaubter Entfernung, erhalt er diesmal 2 Monate Gefängnis und wird in die zweite Klasse des .Soldatenstandes versetzt. Er erkennt die Strafe an.
^auau, 17. Okt. Die Strafkammer verurteilte den Kaufmann Heinrich Lamy, der seiner Firma innerhalb 8 Jahre 15 500 Mk. unterschlagen und den Geldschrank durch einen Nach» fchkuffel geöffnet hat, zu fünf Jahren Zuchthaus.


