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151. Jahrgang. Donnerstag IS. September 1801
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■aSr Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen SZWZ
FernsprechanschlußNr.51.__________________________________________________V________' KF zeigenteil: Hans Beck.
Unsere neue Zeitnngsprefse.
Wie den meisten Lesern unseres Blattes nicht entgangen sein wird, haben wir den zu Anfang des Jahres 1900 in deu Dienst des „Gießener Anzeigers" gestellten beiden Setzmaschinen nunmehr eine Zeitungs-Rotalionsmaschiue neuester Konstruktion mit elektrischem Antrieb folgen lassen. Die stetig wachsende Auflage, sowie der Umfang unseres Blattes, namentlich der Sonntagsnummern, die im Herbst und Winter meist vier, oft aber auch fünf bis sechs Blatt stark erscheinen, erforderten zur rechtzeitigen Herstellung der Zeitung die Anschaffung einer Druckpresse, die im stände ist, große und umfangreiche Auflagen in kürzester Frist zu bewältigen. So haben wir uns denn zur Aufstellung der oben abgeblldeten König und Bauer'schcn Rotationsmaschine entschlossen, und solche mit dem Tage, an welchem das hiesige städtische Elektrizitätswerk zur Kraftabgabe bereit war, in Betrieb genommen.
Der zweite Falz erfolgt sodann durch eine Mehrmefferfalz- trommel, von welcher aus die einzelnen Zeitungen nach der Ausgangs-Sammeltrommel laufen, die sie in Paketen zu je 5 Stück sammelt und vermittels eines sogenannten Tippers auf den Auslegetisch auslegt. Durch eine an dem Auslegetisch angebrachte Signatglocke, welche bei je 50 fertigen Exemplaren anschlägt, sowie durch einen seitlich an der Maschine befindlichen Zählapparat läßt sich der Fortschritt des Druckes verfolgen. Die Papierrollenspindeln sind mit Bremsen zur Regulierung der Geschwindigkeit und mit einer Vorrichtung zur seitlichen Verstellung versehen.
Während auf der bisher benutzten Doppelschncllpreffe vom Satz gedruckt wurde, druckt die Rotationsmaschine von vier auf jedem Cylinder befestigten Stereotypieplatten, welche durch zwei Auftragwalzcn für jeden Plattencylinder eingeschwärzt werden. Die Farbentnahme erfolgt aus dem durch
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Dieselbe druckt, wie alle Zeitnngs-Rotationsmaschinen, von endlosem, in einer Rolle aufgewickeltem Papierstrang, der zunächst über eine Rolle zwischen den vorderen Druck- und Plattencylinder eingeführt wird, wo das Papier den Schöndruck erhält. Es gelangt sodann, mit der zuerst bedruckten Seite auf dem zweiten, dem Wiederdruckcylinder liegend, zwischen diesen und den zweiten Plattencylinder, und läuft von hier zwischen den Schneidwatzen durch, welche von dem bis dahin noch zusammenhängenden Papierstrange die vierseitigen Bogen abschneiden. Diese sammeln sich dann vermittelst eines auf einer Sammelwalze angeordneten Punktur- systemes zu zweien und bilden so die achtseitigen Zeitungen; doch können durch Abstellung der Sammelwalze auch vierseitige, sowie auch zweiseitige Blätter gedruckt werden.
Nach Verlassen der Sammelwalzen gelangen die Zeitungen, durch ein Bändersystem geführt, auf den Falztrichter, durch welchen sie den ersten, den sogenannten Längsfalz erhalten.
eine automatische Farbepumpe gespeisten Farbkasten vermittelst einer sogenannten Hebwalze, und zwar teilt sich die Farbe erst den sogenannten Reibwalzen mit, ehe sie zu den Auftragwalzen gelangt.
Die Geschwindigkeit, mit welcher das Papier durch die Maschine laufen kann, beträgt etwas über 10,000 Meter in der Stunde. — Die Maschine liefert demgemäß in der Stunde:
12,000 achtscitige Zeitungen, 2mal ineinander gefalzt,
24,000 vierseitige Zeitungen, 2mal gefalzt,
24,000 zweiseitige Blätter, Imal gefalzt, etwa 40,000 zweiseitige Blätter, ungefalzt.
Diejenigen unserer verehrlichen Abonnenten, welche die Rotationsmaschine im Betriebe zu sehen wünschen, sind dazu freundlichst eingeladen, doch kann die Besichtigung nur gegen vorherige Meldung in der Geschäftsstelle des Gießener Anzeigers stattfinden.
Amtlicher Teil.
Bekanntmachung.
Kctr.: Den Beginn des Unterrichts an der landw. Winterschule Alsfeld.
Aus die nachstehende Bekanntmachung weise ich die Landwirte des Bezirks mit der Empfehlung bin, diese Gelegenheit zur Ausbildung ihrer Söhne nicht zu versäumen. Der Verein giebt denjenigen, die zwei Wintcrkurse durchgemacht haben zur Anerkennung je zwei gute Bücher im Werte von mindestens 15 Mk. und leistet in geeigneten Fällen außerdem noch eine bare Beihilfe zu den Ausbildungskosten in Höhe von mindestens 25 Mk., soweit die Mittel reichen. Für diejenigen Landwirte, welche lieber in Friedberg oder Büdingen die Schule besuchen wollen, bemerke ich, daß demnächst auch bezüglich dieser noch Bekanntmachung ergehen wird.
Gießen, den 16. September 1901.
Der Direktor des landw. Vezirlsvcreins.
v. Bechtold.
Bekanntmachung.
Detr.: Wie oben.
Die landwirtschaftliche Winterschule zu Alsfeld beginnt uhren 29. Winterkursus Monüig den 4. November d. Js., vormittags 11 Uhr.
Indem wir zum Besuche der Schule cinladen, bemerken nvir, daß die Schute das Ziel verfolgt, jungen Landwirten diejenigen Fachkenntnisse, welche heute zur rationellen Be
wirtschaftung bäuerlicher Güter notwendig sind, in zwei fünfmonatlichen Winterkursen zu verntitteln. Zur Erreichung dieses Zieles lehren an der Schule drei Landwirtschaftslehrer und vier Hilfslehrer. Die Schule ist mit einer reichen Lehrmittelsammlung zweckentsprechend ausgerüstet.
Ausgenommen werden junge Leute im Alter von 14 bis 20 Jahren, welche das Unterrichtsziel der Volksschule erreicht haben; in. den oberen Kursus nur solche, welche schon den unteren Kursus mit Erfolg besucht haben, oder welche nachweisen, daß sie die Kenntnisse, welche der untere Kursus vermitteln soll, bereits besitzen. Aeltere Landwirte können als Hospitanten ausgenommen werden.
Die jungen Leute stehen während ihres Hierseins unter Aufsicht der Lehrer und müssen sich der Schulordnung unbedingt unterwerfen. Sie nehmen Wohnung in bürgerlichen Familien und können Wohnungen zu 30 bis 40 Mk. per Monat von dem Vorsteher der Schule, Herrn Oekonomierat Leithiger, nachgewiesen werden. Das Schulgeld beträgt für das Wintersemester 25 Mk.
Anmeldungen sind an den Aufsichtsrat oder an Herrn Oekonomierat Leithiger zu richten, welcher auch bereit ist, speziellere Anftagen zu beantworten.
Alsfeld, den 1. September 1901.
Der Aussichtsrat der landwirtschaftlichen Winterschule Alsfeld. ___________________ Dr. Melior.__
Bekanntmachung.
Amtstage des Großberzoglichen Kreisamts Gießen betr.
Die unterzeichnete Behörde wird
Samstag den 5. Oktober 1901, vormittags 9 Uhr,
einen AmtStag im Rathause zu Grünberg abhalten und wird den Kreiseingcseffenen aus den Amtsgerichtsbezirken Grünberg, Homberg und Laubach anheimgestellt, etwaige Anliegen in diesem Termine vorzubringen.
Gießen, den 17. September 1901.
Großherzogliches Kreis amt Gießen,
v. Bechtold.
Gießen, den 17. September 1901. Betr.: Wie vorher.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Großh. Bürgermeistereien der in den Amtsgerichtsbezirken Grünberg, Homberg und Laubach gelegenen Gemeinden des Kreises Gießen.
Vorstehende Bekanntmachung wollen Sie auf ortsübliche Weise zur öffentlichen Kenntnis bringen lassen.
v. Bechtold.
Bekanntmachung.
Betreffend: Amtstage in Hungen.
Die unterzeichnete Behörde wird
Mittwoch den 9. Oktober d. I., von vormittags 9% Uhr ab im Rathause zu Hungen einen Amtstag abhalten und roirt den Kreiseingesessenen aus den Amtsgerichtsbezirken Hungen, Lich und Nidda anheimgestellt, etwaige Anliegen in diesem Termin vorzubringen.
Gießen, den 17. September 1901. Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Bechtold.
Gießen, 17. September 1901.
Betr.: Wie oben.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Großh. Bürgermeistereien der in den Amtsgerichtsbezirken Hungen, Lich und Nidda gelegenen Gemeinden des Kreises Gießen.
Vorstehende Bekanntmachung wollen Sie in Zwischenräumen von 8 Tagen dreimal in Ihren Gemeinden auf ortsübliche Weise zur öffentlichen Kenntnis bringen lassen.
v. Bechtold.
Eine Rede des Handelsministers Möller.
Handelsminister Möller hielt dieser Tage bei einem ihm zü Ehren veranstalteten Unterhaltungsabend zu Duisburg eine bedeutungsvolle Rede, die einen Einblick giebt in das, was die Regierung mit dem Zolltarifentwurf bezweckt. Wir entnehmen daraus die markantesten Stellen:
Es ist ein ungeheurer schwerer Konflikt zwischen denjenigen Forderungen, die die Landwirtschaft aufstellt und denjenigen Forderungen die heute die große Mehrheit aller Vertretungen von Handel und Industrie ihrerseits aufstellen. Hier kann nur ein g o l d e n e r M i t t e l w e g das Richtige finden. Diesen Weg heute festTulegen, ziffernmäßig, ist nicht mögliche Daß wir Handelsverträge haben müssen, daß wir unsere Handelsverhältnisse auf eine sichere Grundlage stellen müssen, das habe ich Ihnen stets gesagt, das sage ich Ihnen heute nochmals als innerste feste Ueberzeugung, und Sie können versichert sein, daß die gesamte Regierung derselben Auffassung ist, daß wir zu Handelsverträgen kommen müssen, daß es eine Lebensfrage für uns ist, weil wir unsere anwachsende Bevölkerung nicht beschäftigen können, wenn wir nicht wieder Handelsverträge bekommen, die uns unsere Ausfuhr sickern. Es ist nicht Vertretung einseitiger Interessen von Hanoel und Industrie, sondern es ist Vertretung der Allgemeinheit, wenn wir immer wieder verlangen müssen, daß unser Verhältnis zum Auslande durch Verträge sicher gestellt werde, die, wenn sie auch nicht alles erfüllen, was man wünscht, doch erträgliche Verhältnisse schaffen, und dauernde erträgliche Verhältnisse sind besser, als ideale Verhältnisse, wenn sie nur kurze Dauer haben und in jedem Augenblick über den Hausen geworfen werden können. Dasselbe Interesse haben die Landwirte und fastinnoch höherem Maße. Der Kaufmann kann seine Geschäfte rasch umwerfen, sich auf neues richten, die Industrie schon weniger gut, die Landwirtschaft gar nicht. Sie bedarf längerer Jahre, um eine Wirtschaftsmethode zu ändern, die sie eingeführt hat, und für sie ist es von höchster Wichtigkeit, zu wissen, mit welchen Verhältnissen sie für Jahre zu rechnen hat. Wir können daher behaupten, es liegt ebenso im Interesse der Landwirtschaft, mit festen Verhältnissen rechnen zu können.
Nun wird uns immer entgegengehalten, wenn wir die Eourage haben, in einem autonomen Tarik niederzulegen, was eigentlich unsere Interessen wären, daß damit der Abschluß von Handelsverträgen unmöglich gemacht sei. Ja, )er neue Tarif soll vorläufig denjenigen Staaten, >ie Verträge schließen lyollen, zeigen, was eintritt ohne Handelsverträge, wenn keine Verträge zu 'tande kommen und die alten .Handelsverträge ablaufen. Die Kunst, neue Handelsverträge abzuschließen, besteht darin, ebenso wie im praktischen Leben der Abschluß eines jeden Geschäfts, daß man nickt in der Uebervorteilung des Gegners das höchste Verdienst suchen darf. Man hat auch den fremden Staaten gegenüber mit derselben Billigkeit zu denken, wie ein loyaler Geschäftsmann anderen Geschästs- reunden gegenüber denkt und handelt.


