Ausgabe 
19.6.1901 Zweites Blatt
 
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Laten der Prinzen Turnt, Alackan und Tungfuhfiang, doch erklärt der Priester, mau könne für diese Unthat nicht den Hof verantwortlich machen. Ter betreffende Bezirk sei das Rendezvous vieler abgesetzter Beamten. Der Peking- Han kau er Eisenbahn wurde der Auftrag erteilt, die Truppen Hnanschikais von Hockienfu und Paotingfu nach Peking zu befördern, sadaß sie daselbst rascher ankommen und die Stadt nach Abzug der fremden Truppen garnisonieren können. Tie jüngste gemeinsame Expedition französischer und chinesischer Truppen nach einem chinesischen auf­rührerischen Bezirke südlich von Paotingfu schlug fehl, zum Teil wohl infolge geheimer Vorschubleistung der Chinesen

Deutsches Keich.

Berlin, 17. Juni. Heute besichtigte der Kaiser im Milttär-Reitinstttut zu Hannover drei Offiziersabteil­ungen im Reiten. Um] 6 ein halb Uhr traf er auf der Vahren- Walder Heide ein, wo das Königs-Ulanenregiment zur Be­sichtigung bereitsfand. Zunächst fand ein Vorbeimarsch im SciMtt statt, dem ein Exerzieren folgte. Nach kurzer Kritik fand die Inspizierung um 8 einhalb Uhr in einem Vor­betmarsch in Eskadrons ihren Abschluß. Ter Kaiser setzte fw sodann an die Spitze des Regiments und führte es rn die Stadt zurück. Ter Chef des Militär-Reitinstituts Oberst v. Mitzlaff ist zum Generalmajor befördert wor­den. Nach> der Rückkehr in die Stadt nahm der Kaiser das Frühstück im Kasino des Königl. Ulanen-Regiments. Tann besuchte der Kaiser die Gräfin Waldersee und reiste dann nach Homburg, er heute abeno eintraf. Zur Be­grüßung waren auf dem Bahnhofe anwesend: der preu­ßische Gesandte Graf Wolff-Metternich, ferner der erste Bürgermeister Dr. Hachmann, Senator Dr. Burchard, sowie der Staatssekretär Dr. Hagedorn. Vom Bahnhofe aus begab sich der Monarch mit seinem Gefolge in Begleitung deK Grafen Wolff-Metternich nach der Billa des letzteren, wo das Ttner eingenommen wurde. Hier verblieb der Kaiser brs 9 Uhr abends und setzte mittels Hofzuges um 9 ein- halb Uhr die Weiterreise nach] Cuxhaven fort.

Zum Kaisermanöver wird aus Tanzig ge­schrieben: Daß das große Manöver der Herbstübungs­flotte zu dem Kaisermanöver des 17. und 1. Armeekorps rn gewisser Beziehung stehen wird, dafür sprechen mehr und mehr ine Vorbereitungen. Schion die Reise des Prinzen Hemrich auf der Weichsel im Beginn des Fttihjahres ließ darauf schließen. Am Donnerstag hat nun auch der Chef des Admiralstabes der Marine, Vizeadmiral v. Tiederichs, mit seinen beiden Stabsoffizieren von Tirschau aus eine Jnspekttonsfahrt auf der Weichsel bis Gerdin und Kl. Schlanz unternommen, wobei namentlich die Beteiligung von Torpedoböten bei einem forcierten Stromübergang der Landarmee in Frage gekommen sein soll. Tie Herren kamen nut dem Dampfer nach Danzig und begaben sich hier an Bord des AvisoGrille", welcher feit Donnerstag an der kaiserlichen Werft liegt, und voraussichtlich morgen unseren Hafen verlassen soll, um weitere Jnspektionsfahrten der für das Flottenmanöver in Betracht kommenden Kustenstrecke vorzunehmen.

Es ist ganz bestimmt, daß am 14. August eine Truppenschau auf dem Großen Sande bei Mainz statt- ftnden wird, der der britische Herrscher und Kaiser Wil­helm beiwohnen werden. König Eduard wird int August Homburg besuchen, dort auch mit dem Kaiser Zusam­mentreffen, und beide Monarchen Zverden der Kaiserin Fried­rich] in Kronberg Besuche abstatten. Heber die Dauer des jeweiligen Aufenthaltes der beiden Herrscher sind bestimmte Positionen noch nicht getroffen.

In der englischen Presse tauchen wiederholt Gerüchte auf, welche Deutschland die Absicht zuschreiben, auf den Farsaninseln Gebietsteile erwerben oder dort eine Kohlen st ation errichten zu wollen. Wie an bestunter­richteter Stelle mitgeteilt wird, find derartige Ausstreu­ungen vollkommen haltlos und entbehren jeglicher Be­gründung. Auf einer der Inseln befinden sich von der deutschen Regierung angefaufte Kohlenlager, die lediglich zu dem Zwecke errichtet sind, unseren in die ostasiatischen Gewässer entsandten Kriegsschiffen als Depot zu dienen, um ihr Feuerungsmaterial zu ergänzen.

TieNordd. Allg. Ztg." meldet: Anläßlich der Ent­hüllung des Bismarckdenkmals fand gestern bei dem Reichskanzler Grafen v. Bülow ein größeres Diner statt, zu dem namentlich die Präsidien der Parlamente und die Mitglieder des Zentralkomites für das Denkmal eingeladen waren. Fürst Herbert Bismarck, und Wirkt. Geh. Rat v. Levetzow hatten wegen Familientrauer der Ein­ladung nicht folgen können.

TieNordd. Allg. Ztg." meldet:Nachdem der erste Monat des Etatsjahres 1901 bei den preußischen S t a a t s b a h n e n schon eine Mehreinnahme gebracht hatte, hat der Mai die beträchtliche Mehreinnahme von 6 600 000 Mark gegen den gleichen Monat des Vorjahres ergeben, so daß die Mehreinnahmen für April und Mai über acht WillionenMark betragen. Das günstige Mai-Ergebnis ist allerdings zum großen Teil darauf zurückzuführen, daß das Pfingstfest in diesem Jahr auf den 26.-27. Mai fiel, im vorigen Jahre dagegen auf den 3.-4. Juni. Immerhin läßt sich aber aus dem diesjährigen Mai-Ergebnis die befestigte Grundlage der Verkehrsgestaltung deutlich' er­kennen.

Generalleutnant v. Gayl, Kommandeur der 20. Division in Hannover, wurde zum Gouverneur von Köln ernannt; Generalmajor Graf v. Moltke, Kommandeur der 11. Kavallerie-Brigade in Breslau, zum Kommandeur der 20. Tivision befördert, Oberst Graf v. d. Schulen- burg, Kommandeur der 19. Kavallerie-Brigade, zum Ge­neral-Major.

Tie Freisinnige Volkspartei hat am Mitt­woch ihren Berliner Parteitag abgehalten und sich nur mit Organisationsfragen beschäftigt. ' Aus der Tages­ordnung befand fid)i als Hauptgegenstand noch der von der Kommission ausgearbeitete Entwurf eines freisinnigen Kommunalprogramms, aber es kam hierbei nur zu einer kurzen Generaldiskussion. Tie Spezialberatung ist bis auf eine nach den Sommerferien anzuberaumende Sitzung ver­tagt worden. Tie Volkszeitung teilt den Entwurf mit und übt abfällige Kritik daran. Das Programm fordert Beseitig­ung der Klassenwahlen und Einführung des geheimen Wahl­rechtes für die Stadtverordnetenwahlen. Tie Kreuzztg. nimmt diese Forderung nicht ernst. Auf dem Gebiete des Unterrichts wird u. a. gefordertvollständige Unabhängig­keit der schule von der Kirche", doch wird hinzugefügt: unbeschadet der Ordnung des Religionsunterrichtes."

Der Reichskanzler gießt auf Grund des ß 1 der Anlage 2 der deutschen Wehrordnung bekannt, oaß bis auf weiteres bei einer Anzahl Prüfungskommissionen für Einjährig-Freiwillige die russische Sprache als Prüfuugsgegenstand an Stelle der englischen Sprache treten darf. In Preußen befinden sich diese Prüfungs­kommissionen in Königsberg, Tanzig, Marienwerder, Ber­lin, Stettin, Stralsund, Breslau, Magdeburg, Merseburg, Erfurt, Lüneburg; in den Bundesstaaten sind es die bayerische Prüfungskommission in München, die königl. sächsische in Bautzen, die württembergische Prüfungskom­mission, die großherzo glich hessische Prüfungs­kommission und die kaiserliche Prüfungskommission in Straßburg, bei denen es erlaubt ich sich in der russischen anstatt in der englischen Sprache prüfen zu lassen.

Ausland.

London, 17. Juni. Tas auswärtige Amt erhielt heute folgendes Telegramm des Generalkonsuls an der Somaliküste: Die Expedition des Obersten Swayne verließ So lala, eine Tagereise südlich von Eldat, am 2. Mai mit der Hauptmacht der Truppen, um gegen das Lager des Mullahs in Yalel zu ziehen. 300 Mann ließ er in Zariba als Wache. Seit der Zeit wurden zwei An­griffe gegen Zariba gemacht von 500 Berittenen und 1500 Fußtruppen. Beide Angriffe wurden zurückgeschlagen. Der letzte Angriff des Mullahs wurde zurückgeschlagen, nach­dem der Feind 400 bis 500 Mann verloren hatte. Auf britischer Seite sind zehn Mann getötet, neun verwundet.

Ter deutschjeKaiser teilte dem königlichen Yacht- geschwader mit, daß er auch in diesem Jahre einen Becher für das im August bei Cowes stattfindende Wettsegeln stiften werde.

Nach einer Meldung desExpreß^ aus Lissabon hat auf dem TampferKronprinz", der mit Portugie­sischen Truppen an Bord aus Lorenzo Marques in Lissabon ankam, eine blutige Rauferei zwischen Sol­daten und Passagieren stattgefunden. Tie Deutschen an Bord litten alle sehr viel; poxtugiesische Soldaten wurden aber auch verletzt.

Paris, 17. Juni. DemTemps" zufolge ergab die am 24. März d. I. stattgehabte Volkszählung, daß die Bevölkerung Frankreichs ungefähr sich auf 38 600 000 Seelen teilt. Tie Einwohnerzahl nahm in allen Departements ab, in welchen sich keine großen Städt befinden. Tie Zunahme der Bevölkerung seit 1896 beträgt ungefähr 330000 Seelen. Tiefer Zuwachs ist sehr wahrscheinlich der Fremdenein,Wanderung zu verdanken.

Verschiedenen Blättern zufolge wird die Reise der marokkanischen Gesandtschaft nach Frankreich auch] bemerkenswerte wirtschaftliche Ergebnisse haben. Die Marseiller Kaufmannschaft, heißt es, beschäftige sich mit verschiedenen Plänen, welche die Handelsbeziehungen mit Marokko fördern sollen. Es handele sich- insbesondere um mehrere große Bauunternehmungen, die von französischen Gesellschaften ausgeführt werden sollen. Es soll u. a. eine Bahn gebaut werden, welche Tanger und die ganze ma­rokkanische Küste mit Tlemoen, Bran, Algier und TuniA verbinden soll. Die marokkanische Regierung habe dem Plane bereits im Prinzip zugesttmmt.

DemMatin" wird aus Algier gemeldet, daß der französischen Behörde ein Brief in die Hände gefallen ei, welcher an die Söhne des aus dem Jahre 1870 be- ännten Jnsurgentenführers Mohrini gerichtet war und in welchem stehe, daß die Eingeborenen für den kommenden Winter einen allgemeinen Ausstand vorbereiten.

Madrid, 17. Juni. Gestern entfloh aus dem Kloster der Sklavinnen Mariae, demselben, worin Fräu­lein Ubao gewesen war, die 30 jährige Novize Julia Galvez. Sie eilte zum Richter und erklärte, sie werde gegen ihren Willen seit einem Jahr in einer Einzelzelle zurückgehalten. Ihr Bruder, der ihre Erbschaft haben wolle, habe sie den Nonnen überliefert. Gestern fanden hier antiklerikale Kundgebungen gegen die Prozession vom Herzen Jesu stätt.

Aussig, 17. Juni. Kaiser Franz Josef traf um 2 Uhr nachmittags in Aussig ein, und wurde von der Be­völkerung auf das Lebhafteste begrüßt. Auf eine Ansprache des Bürgermeisters von Aussig, der ebenso wie der Bürger­meister von Leitmeritz den deutschen Charakter der Stadt betonte, erwiderte der Monarch, er freue sich, in diese, aufblühende Grenzstädt zu kommen. Er ersehne Frieden im Lande und werde fein Augenmerk immer auf dieses Ziel richten.

Belgrad, 17. Juni. Nach, hier eingegangener amt- icher Meldung liegt die eigentliche Ursache eines Auf­ruhrs in Novibazar, an dem mehr als 1000 Albanesen beteiligt waren, in der Ernennung eines unbeliebten Kai- makams, der von den Aufrührern gezwungen wurde, nach, Sjenitza zu flüchten. In Novibazar sind die Läden seit ünf Tagen gesperrt. Die Bewegung richtet sich auch gegen )ie dortige serbische Bevölkerung.

Aus Stadt und Sand.

Der Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original-Nachrichten ist Ultr unter genauer Quellenangabe:Gietz. Änz." gestattet.)

LU. Ernennung. Ter ord. Pros, der Gesundheits­lehre an der hiesigen Hochschule Geh. Medizinalrat Dr. Georg Gaffky wurde zum außeretatsmäßigen Mitglied >es wissenschaftlichen Senats bei der Kaiser Wilhelm-Aka­demie für das militärärztliche Bildungswesen ernannt.

** Personal-Nachrichten. Der Großherzog hat den ersten Landwirtschäftslehrer Aug. Lang von Hep­penheim in gleicher Tiensteigenschast an die landwirtschaft­liche Winterschule zu Darmstadt, den ersten Landwirtschafts­lehrer Karl Spieß von Michelstadt in gleicher Diensteigen- schaft an die landwirtschaftliche Winterschule in Heppen­heim versetzt; den zweiten Landwirtschastslehrer Wilhelm Haug von Michelstadt zum ersten Landwirtschaftslehrer an der landwirtschaftlichen Winterschule dort, den zweiten Landwirtschastslehrer Friedrich Heck von Worms zum ersten Landwirtschastslehrer an der landwirtschaftlichen Winter- fchule in Alzey, die Wärter Johannes Müller und Jakob Bausch in Dieburg zu Aufsehern bei dem Arbeitshaus Dieburg ernannt; in den Ruhestand wurde versetzt der Eisenbahn-Sekretär in der Hessisch-Preußischen Eisenbahn­gemeinschaft Johannes Pfleger in Mainz.

**TagesordnungfürdieSitzungderStadt- verordneten am nächsten Donnerstag: 1. Mitteilungen. 2. Die Auslosung der zur Rückzahlung kommenden Obliga­tionen des 1890er Anlehens. 3. Die Prüfung der Rechnung

der Stadt Gießen für 1899/1900. 4. Tie Stellung der Rech­nung der Stadt Gießen für 1900/01; hier: Holzabgaben aus der Hand. 5. Baugesuch der Firma Birkenstock & Schneider für die Wilhelmstraße; hier: Dispens. 6. Desgl. des Wilhelm Nachttgall für die Weserstraße; hier: Dispens. 7. Desgl. des Karl Feußner für die Ebelstraße; hier: Dis­pens. 8. Desgl. des Vorstandes der Großßh. Eisenbahn- Betriebs-Jnspektton I für den Bahnhof Gießen; hier: Dis­pens. 9. Desgl. des C. W. Nowack für die Bahnhofstraße; hier: Dispens. 10. Desg. des Aug. Scheppelmann für den Großen Steinweg; hier: Dispens. 11. Desgl. des H. Kröck von Heuchelheim für die Rodheimerstraße; hier: Dispens. 12. Tie Grasnutzung von der Böschung an der Grünberger­straße entlang der Kaserne. 13. Verpachtung der Sand­grube am Sandberg. 14. Gesuch des Moses Keßler um Pachtung eines städtischen Grundstücks in der Lichtenau. 15. Verpachtung von Gelände des vorm. v. Rabenauschen Gutes. 16. Tie Gebühren der Feldgeschworenen. 17. Ge­such der Meßgehilfen Becker und Meißner um Gewährung einer Extravergütung. 18. Tie Gehilfen des Stadtgeo­meters. 19. Das Ausleeren der Senkgruben in den städti­schen Gebäuden; hier: Gesuch des H. Zölzer um Erhöhung der Vergütung. 20. Herstellungsarbeiten in der Aliceschule. 21. Anlage eines neuen Friedhofs am Rodberg; hier: die Bildhauerarbeitem 22. Rechnung der Firma Otto Fennel Söhne in. Kassel für Meßgeräte. 23. Den schadhaften' Zustand des Mauerwerks am Stadtbach; hier: Rechnung der Firma Birkenstock & Schneider. 24. Ausbau der Moltke- straße; hier: Reklamation des Christian Petti V. 25. Vor­anschlag über die Kosten zur Errichtung eines Laufstegs an den Gebäüdemauern im Untergraben des Elektrizitätswerks in der Neumühle. 26. Herstellung erhöhter Trottoirs in 1901/02. 27. Asphaltierung des nordwestlichen Bürgersteigs in der Stephanstraße zwischen Bismarck- und Goethesttaße. 28. Beitritt der Stadt Gießen zur wirtschaftlichen Vereinig­ung deutscher Gaswerke. 29. Festsetzung der Cokespreise. 30. Tas Halten der Faselochsen. 31. Gesuch des Karl Rühl um Erlaubnis zum Betrieb einer Kantine auf dem Bauplatz für das Siechenhaus. 32. Gesuch des Oscar Behringer um Erlaubnis zum Gastwirtschaftsbetrieb im Hause Westanlage Nr. 21. 33. Gesuch des Franz Wigandt um Erlaubnis zum Wirtschaftsbetrieb im Hause Neuenweg Nr. 31. 34. Desgl. des Louis Dreher um Erlaubnis zum Gastwirtschaftsbetrieb im Hause Bahnhostttaße Nr. 57.

** S e l b st m o r d. Bei seinem heuttgen Mo r gen spazier- gang entdeckte ein hiesiger Einwohner in der Nähe des Kirchhofes und des Wasserbassins auf dem sog. Luther­berge an einer Hecke einen Schirm, Hut und Zettel. Tie Besichtigung dieser Gegenstände hieß ihm Verdacht schöpfen, er suchte die Gegend ab, und fand bald einen leblosen Körper. Mit Hilfe eines in der Nähe arbeitenden Ge­fangenaufsehers konnte bald festgestellt werden, daß sich, hier ein Mann erschossen hat. Ten Revolver hielt der Tote noch in der Hand. Auf dem Zettel waren, durch den Regen etwas verwischt, die Worte zu lesen:Karl Lehrmund". Nach, dem Polizeibericht ist der Tote ein 60 Jahre .alter hier wohnhaft gewesener Mann. Die Ursache zu dem Selbstmord ist unbekannt.

(!) Mißhandlung. Ein Erdarbeiter an der Licher- straße geriet wegen einer geringfügigen Begebenheit der­maßen in Aufregung, daß er einem Lehrjungen ein Stück Holz ins Gesicht warf, und ihn verletzte. Anzeige gegen den Thäter ist erstattet.

(!) Unfug. Zwei hiesige Arbeiter, die gestern Vor­mittag in angetrunkenem Zustand durch allerhand Allottia in den Straßen das Publikum belästtgten, und den Er­mahnungen der Schutzleute keine Folge leisteten, wurden verhaftet.

(!) Obdachlos. Eine obdachlose Frauensperson, die sich schon einige Tage in der Stadt aufhält, mußte gestern im Polizeihaftlokal untergebracht werden.

** In der Klinik gestorben ist der kleine Sohn >es Beigeordneten Kraft von Wippenbach (b. Ortenberg). Ter unglückliche Knabe wurde vor einiger Zeit von einem Pferde ins Gesicht geschlagen, jedoch nicht ernstlich ver­letzt. Später schwoll der ganze Körper des Kindes an, es wurde in die Klinik gebracht, leider war es schon zu pät. Ter Kleine starb während der Operation.

** Der Gesangverein Heiterkeit unternahm am Sonntag, nachmittag einen Ausflug nach dem Jagdschlößchev Duten- Hofen, wo die Mitglieder des Vereins und deren Angehörige sich recht zahlreich eingefunden hatten.

** Freie Wärter stellen. Im Laufe der nächsten! Wochen werden, wie bereits durch Ausschreiben bekannt gegeben, in der Gr. Landesirrenanstalt zu Heppenheim mehrere Wärtersfellen frei und sollen durch 2130 Jahre alte, gesunde, geistig geweckte, gut beleumundete, unver­heiratete Männer alsbald wieder besetzt werden. Der bare Anfangslohn von 350 Mark steigt innerhalb der ersten zwei Tienftjahre auf 500 Mark; außerdem wird freie Statton eins<pließlich vollständiger Dienstkleidung und bei fortgesetzt guter Führung nach sechs Jahren eine Geldprämie von 1000 Mark gewährt. Etwaige Bewerber um diese Stellen aus der Madt Gießen werden gebeten, sich an den Ver­trauensmann des Hilfsvereins für die Geisteskranken, Herrn Beigeordneten Wolff dahier zu wenden.

fc. Vilbel, 17. Juni. Der hiesige sozialdemokra­tische Verein hielt gestern sein Fahuenweihsest ab. An dem Festzuge nahmen viele Vereine, im Ganzen circa 2000 Personen, teil. Laut Aufschrift eines voraufgetragenen Schildes befand sich im Zuge auch der Gemeindeausschuß mit dem Bürgermeister an der Spitze. Dr. David aus Mainz hielt die Festrede.

X Bleicheubach, 17. Juni. Vor einigen Wochen üer« endete dem hiesigen Schäfer ein wertvoller Hnnd während des Hütens in der Nähe des Waldes ganz plötzlich; einige Tage später hatte der Hund eines Steinbruchbesitzers in der­selben Gegend das gleiche Schicksal. Mau nahm an, daß für Raubzeug vergiftete Fleischstücke gelegt worden waren. Heute verendeten nun wieder zwei Schweine ganz plötzlich. Da die verendeten Tiere bedeutend anschwollen, deutet dies auf Strychninvergiftung hin. Die Sektion durch den Tierarzt wird die Todesursache nachweisen.

Aus dem KreiseAlsfeld, 17. Juni. Wenn man sich auf unseren Getreide- und Kleefeldern umschaut, mutz man zugestehen, daß man vielfach einen sehr befriedigenden Eindruck gewinnt. Der Roggen (das Kom), hat sich, so berichtet derD Tgl. Anz.", ganz bedeutend herausgemacht und besitzt eine Halmlänge von 7 bis 8 Fuß; die Aehre ist gut ausgebildet, und die Blüte fing schon, trotz des