Ausgabe 
19.4.1901 Zweites Blatt
 
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Nr. 91 Zweites Blatt

Freitag 19. April 1901

gez. Wilhelm. R.

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Truppenkontingent in Mannschaftswerbnngerv ijetzt stattfindenden Frühjahrs'-

151. Jahrgang

DaS besonders Auffällige, was zu ernstesten Erwägungen die Reichsregierung führen muß, um alles daran zu setzen, daß derartigen Greuelchaten nach aller Möglichkeit hinfort vorgebeugt werde, daß alles geschehe zum persönlichen Schutz unserer braven ostafiatischen Krieger, wenigstens in der pazi- fizierten Hauvtftadt des chinesischen Reiches, das ist die unheimliche Thatsache, daß es immer und wieder die Deutschen sind, gegen die sich die gräßlich n Verbrechen richten. In der Presse des Auslandes, vormhmlich in der Amerikas und Englands, finden fich immer und immer nene eschuldigungeu der Deutschen, daß sie eS in erster Linie sind, die unaus­gesetzt die Brandfackel des Haffes der Chinesen schüren durch unaufhörliche SriegSzüge, deren Notwendigkeit nicht nach weisbar sei. Wir streuben uns nach Kräften, diesen AuS streuungen des Auslandes Glauben zu schenken, aber die letzten Vorgänge erwecken doch in uns gewisse Zweifel, die wir sobald als möglich zerstreut wissen möchten.

»iesiges ßoloniatoaten- und iteffen'SkM per sofort gp Offerten eub A X 2884 an peb. b. 81. erbeten.

Für das deutsche O st a s i e n werden die fortgesetzt. Auf den

Adresse für DepeschE» »«Zeiger «ietzeiu

Fernfprechanschluß Ww.M,

An die Witwe des in Peking ermordete« HauptmannsBartschhat der Kaiser folgendes® ei- leihstelegLsamm gerichtet:

Schloß, Berlin, den 16. 2lpril 1901.

Ich spreche Ihnen anläßlich des Ablebens JhreK Gemahls Meine herzliche Teilnahme aus, indem Ich auf­richtig den Verlust eines vortrefflichen Offiziers beklage, der auch- Meinem hessischen Infanterie-Regiment mit Aus­zeichnung angehörte.

TelegraM« des Gtefteuer Anzeigers.

Pretoria, 17. April. Reuter-Meldung. Nach sorgfältig ausgestellter Schätzung betrugen die Verluste der Buren iw Monat März 200 Tote und Verwundete und 1000 Gefangene.

Erscheint täglich mit Ä**na>wc M Monta-S. Mritfrurr Familie«. Hitler »erden bau Stu

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Amtlicher Teil.

, Bekanntmachung.

Die Schützenstraße zwischen Rodheimerftraße und Glei bergerweg wird neu eingedecki und eingewalzt und deshalb die genannte Slraßenstrecke für die Zeit vom 19. bis ein­schließlich 23. l. Mtg. für den Fuhrwerksverkehr gesperrt.

Gießen, den 18. April 1901.

GroßherzogLicheS Polizeiamt Gießen.

Hechler.

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger v

Amts- und Anzeigeblatt für den »reis Gießen

Walderfees Haus in Peking abgebrannt.

Von einem neuen entsetzlichen Unglück find die Deutschen in Peking, ist daS deutsche Reich auf chinesischem Boden heimgesucht worden. Wir erhielten heute früh folgendes Telegramm, da- wir durch Extrablatt bekannt gaben:

Peking, 18. April. Der von Waldersee bewohnte Teil des Kaiserpalastes ist einschließlich des Asbesthauses völlig abgebrannt. Waldersee ist mit knapper Not durch ein Fenster des Asbesthauses gerettet worden. General v. Schwarzhoff wird vermißt und ist anscheinend beim Wiederbetreteu der Brandstätte um« gekommen, nachdem er bereits ins Freie entkommen war. Sonstige Unglücksfalle find bisher nicht bekannt. Das Feuer soll in der Wohnung des abwesenden Majors Lauenstein ausgekommen sein. Es wird Brandstiftung vermutet.

Heute mittag kam sodann folgendes Telegramm:

Pari-, 18. April. DerAgence HavaS" wird ge meldet, daß mit Ausnahme der militärischen Papiere alleS durch daS Feuer vernichtet worden ist.

Das ist das fürchterlichste Unglück, das dem deutschen Heere seit dem Tage von Malaga, dem 16. Dezember v. I., dem Tage des Unterganges des deutschen Schulschiffes Gneisenau-, zugestoßen ist. DaS ASbesthauS des Grafen Waldersee, von dem seinerzeit versichert wurde, daß eS völlig feuersicher sei, ist durch Brand vernichtet worden und der Oberkommandierende selbst hat in höchster Lebensgefahr ge­schwebt. Einer der tüchtigsten Offiziere unserer Armee, Generalmajor v. Groß gen. v. Schwarzhoff, Hal allem Anschein nach in den Flammen seinen Tod gefunden. Gr scheint, nach dem obigen, leider sehr knappen Telegramm, «och einmal in das brennende Haus, den chinesischen Kaiser Palast, eingedrungen zu sein, wahrscheinlich um noch dies oder jenes, das ihm von besonderer Wichtigkeit schien, zu retten, und eS ist ihm nicht mehr möglich gewesen, den Weg auS dem Flammenmeere wieder zu finden.

General v. Schwarzhoff war der Chef des Generalstabes des Oberbefehlshabers Grafen Waldersee. Er wurde Leut nant am 10. August 1876, Oberleutnant am 14. Januar 1879, Hauptmann am 23. Dezember 1882, Major am 13. November 1888, Oberstleutnant am 21. April 1894, Oberst am 22. März 1897 und als solcher Chef des XIII. König!. Württembergischen Armee Korps. In dem­selben Jahre wurde er Kommandeur des 5. Thür. Jnf.-Regt. Nr. 94 (Großh. von Sachsen) in Weimar. Gerade heute vor einem Jahr, am 18. April 1900, wurde er zum General-Major befördert und Brigade-Kommandeur in Altona. Ein außerordentlich tragisches Geschick, am vor abend dieses Gedenktages sein Leben lassen zu müffen. v. Sch. war bei der Haager Friedenskonferenz der einzige deutsche Militär-Bevollmächtigte und zeichnete sich damals besonders durch eine Rede, die viel bemerkt wurde, aus. von Altona aus ging er im vorigen Jahre nach Ostafien.

Man wird das Andenken dieses hervorragenden deut scheu Offiziers allezeit in hohen Ehren halten

Der in der obigen Depesche erwähnte Major Lauen- stein gehörte gleichfalls dem Großen Generalstabe an. Er wurde Leutnant der Feldartillerie am 17. Oktober 1876, Oberleutnant am 22. März 1887, Hauptmann am 14. Ok­tober 1890, Major am 1. September 1896. Anscheinend ist eS derselbe, der 1897 zur russischen Botschaft komman­diert wurde, und von dort aus zur ostasiasischen Expedition ging.

Der Ermordung des Gesandten Frhrn. v. Ketteler folgte die des Hauptmanns Bartsch, über die absolut Zuverlässiges immer noch nicht bekannt geworden ist, denn noch die letzten Meldungen wimmelten von auffallenden Wider­sprüchen und nun diese furchtbare That, fast zweifellos wiederum verübt von chinesischen Mordbrennern, deren Haß gegen die Fremden, und, wie hieraus wieder klar ersichtlich, besonders gegen die Deutschen, sie zu den schrecklichsten und infamsten Verbrechen treibt! Laut und eindringlich wird nun wohl wieder von gewisser Seite der Ruf nach erneuter Stäche für die abscheulichen Uebelthaten erschallen und schier in die Unendlichkeit ziehen fich die an grauenvollen Vorgängen so überreichen chinesischen Wirren hin.

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Volttische Tagesschau.

Das von derTägl. Rundschmr" dem Kaiser in de« Mund gelegte Wort vomKanalschlucken" hat de« Politikern der Rechten viel zu schaffen gemacht. DieKr^uz- zeitung" und dieKons. Korresp." versicherten, daß MC Kaiser eine solche Aeußernng nicht gethan habe; aber trotz

bereits Ende Dezember 1900 78 806 503 Mk. verauslagt und verrechnet waren. Daß übrigens in der deutsck)en Forderung von 240 Millionen Mark auch eine namhafte Summe ab- Geldbuße für die Ermordung des Freiherrn v. Ketteler enthalten sei, entbehrt, derK. Z." zu­folge, jeder thatsächlichen Grundlage. Eine solche Geldstrafe ist deutscherseits überhaupt nicht verlangt worden.

Tie fremden Gesandten beschlossen in ihrer Besprech­ung vom 15 .ds., dem Anträge Rockhill-Kvmura gemäß, zu dem Art. 12 der gemeinsamen dtote über die Reform, des Tsungliyamen und die Aenderung des Hokere- moniells bei den Empfängen der Gesandten, daß an Stelle des Tsungliyamen ein Ministerium des Aeußeru geschaffen werden solle, das aus einem kaiserlichen Prinzen als Präsidenten und zwei Ministern zusammengesetzt sei, die direkten Zutritt beim Kaiser hätten. Es sollten ferner zwei Vizeminister ernannt werden, von denen einer einer fremden Sprache mächtig sein müsse. Die Gesandten ber­schlossen ferner, das Archiv des Tsungliyamen den Chi­nesen wieoer auszuliefern.

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Bejugspreis DurtdüM. Mk. 2.20, monatl. 75 M». mit vrmgerlohn; durch w Bbholeftellen viortkljätz«, Wtt. 1.90, monatl. 65

©d Postbezug oiertrfHM. «k. 2.00 ohne Bestell*»

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kontrollversammlungen iverden die Gestellungspflichtigen darauf hingewiesen, daß zum demnächstigen Freiwilligen­eintritt in das China-Expeditionskorps für alle Waffen­gattungen Gelegenheit geboten sei! Bei diesen Amverb- ungen handelt es sich um den Ersatz oder die Ablösung- der gegenwärtig in China weilenden Truppen, soweit diesem im Herbst ersetzt oder abgelöst werden.

Also an ein baldiges Ende wird an maßgebender Stella noch immer nicht im entferntesten gedacht.

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Telegramm des Gießener Anzeigers.

London, 18. April. .DemStandard" wird aus! Tientsin vom 17. April aemeldet: Es bestätigt sich daß bte- Chines en einen Teil der Eisenbahn jenseits von Pao- tingfu zerstört haben. Dem Vernehmen nach fand ein- leichtes Gefecht statt. Von Tientsin wurden Verstärkungen entsandt. Nachrichten aus vertrauenswürdiger chinesischssc- Quelle zufolge entschloß sichderchinesischeGene- ral Ma die Feinseligkeiten wieder zu 6e- ginnen.______________________________________

Engländer und Buren.

Zu der angeblichen GefangennahmedeSGeneralS French durch die Buren ist auch bis jetzt noch keine Be­stätigung eingegangen, jedoch auch keine eiuwandsfreie Wider­legung, auch kein Versuch der Widerlegung. Es scheint also an der Nachricht etwas wahres zu sein.

Aus Heilbron ist die Nachricht eingegangen, daß AudrieS Wessels noch lebt. Wessels begleitete seinerzeit Morgen- dal als Friedensgesandter und sollte, wie damals gemeldet wurde, MorgendalS Schicksal geteilt haben und auf Befehl DewetS erschossen worden sein.

DieNordd. Allg. Ztg.- schreibt: Die kürzlich in der Presse verbreiteten Angaben über die Behandlung der Firma Angehrn & Piel in Johannesburg dnrch die britischen Behörden sind nach den amtlichen Ermittelungen stark übertrieben. Die Behauptung, daS blühende Ge­schäft der Firma sei von den Engländern in den Grund vernichtet, ist falsch. Die Privatschlachtereien in Johannes- bürg find vom 15. April ab wieder eröffnet, auch die Firma Angehrn & Piel wird vermutlich in der Lage sein, den be­trieb wieder aufzunehmen. WaS die Schadenersatzansprüche anbetrifft, so sind diese auf da« Einschreiten des deutsche« Konsuls zum Teil von den britischen Behörden bereits an­erkannt und der noch streitige Teil wird zur Zeit geprüft und soll, sofern Zweifel über die Begründung der Forderung bestehen bleiben, später einer Kommission zur endgiltigen Entscheidung überwiesen werden.

Aus Peking wird vom 17. April gemeldet: Morgen gehen 1100 Mann deutsche und 1000 Mann französische Truppen ab, um sich der Expedition anzuschließen, die von Paotingsu gegen Liukwanting und die Chi - n ef en entsandt wird, die sicy weigern, Lihungtschang in der Innehaltung der vereinbarten Grenzen Gehorsam zu leisten. Liu hält eine starke Stellung bei Huilu, 195 Km. von Paotingsu, besetzt. Jmganzen werden 5000Mann deutsche und 3000 Mann französische Truppen zu der Ex­pedition gegen ihn verwandt. Die Expedition wird be­fehligt vom Generalmajor Frhr. v. Gayl. Die chinesische Streitmacht soll 10 000 Mann stark sein. Man erwartet ein heftiges Gefecht. Die chinesische Stellung befindet sich mehrere Mometer jenseits der Grenzen des vom Grafen Waldersee als Operationssphäre ber verbündeten Truppen bestimmten Gebiets. Liu weigerte sich bisher, sich zurückzuziehen, indem er erklärte, wenn die Verbündeten wünschten, daß er fich zurückzöge, thäten sie besser, zu kommen, um ihn dazu zu zwingen. Nach einem heute eingegangenen französischen Berichte glaubt man zwar, daß er sich jetzt zurückziehe; man nimmt jedoch an, daß, wenn dies wirklich der Fall sei, es nur ein Rückzug von 10 bis 15 Km. sei, um eine viel stärkere Stellung ein­zunehmen.

Das ist wiederum eine Nachricht, die uns das besonders schneidige Vorgehen unseres deutschen Expeditionskorps be­weist, das da jetzt vereint mit den französischen Waffenbrüdern ins Feld ausrückt zu neuen Kämpfen, deren Ausgang Unabsehbar ist. Immer näher rücken wir dem Wunsche, dem unglückseligen chinesischen Abenteuer ein mög­lichst baldiges Ende auf diese oder jene Weise zu machen und weiterem Blutvergießen wie weiteren Schreckensthaten ein dauerndes Ziel zu setzen. Lorbeern sind dort doch keine zu holen. Immer unwilliger verfolgen wir die Vorgänge in Ostasien, die niemals Popularität besessen haben und die geringen Sympathien, die ihnen hier und da noch entgegengebracht werden mögen, nun ganz gewiß auch einbüßen werden. Immer weiter verhandeln die Mächte über die Entschädigungsansprüche und kommen doch zu keinem Resultat. Deutschland verlangt 2 40 M il lio n en Mark unter der Voraussetzung, am 1. Mai ds. Js. die Provinz Tschili zu verlassen. Rußland verlangt 340 Millionen, also 100 Millionen mehr, indem es darauf verweist, daß es 220 000 Mann mobilisiert hat, wovon 174000 die chinesische Grenze überschritten haben und 27 000 in Tschili eingerückt waren. Frankreich fordert 260 Millionen Mark, England 120 Millionen, Japan annähernd die gleiche Summe, Amerika etwas über 100 Millionen, Oesterreich-Ungarn gegen 10 Millionen Mark. Auch Italien, Spanien und Holland haben Schadenersatzansprüche geltend gemacht, deren Einzelbeträge noch nicht genügend zu über­sehen sind, ebensowenig wie die Ersatzansprüche der ge­schädigten Privaten. Ob wohl auch nur einer der Staaten je zur Einkassierung seiner Forderungen kommen wird!

Was die deutsche Forderung von 240 Millionen Mark betrifft, so ist nicht zu übersehen, daß, wie die Japaner, so auch die Russen und Franzosen einen sehr großen Teil der von ihnen nach der Provinz Tschili entsandten Trup­pen in der nächsten Nähe hatten, die Russen im Amur­gebiete und in Sibirien, die Franzosen in Jndochina, ebenso wie die Mehrzahl der von England nach Tschili gesandten Truppen aus Indien gekommen ist. Im Gegen­sätze hierzu haben sämtliche deutsche Truppen die weite Entfernung aus der Heimat zurücklegen müssen und ebenso müssen sie dorthin gebracht werden. Es wäre daher kaum auffällig, wenn Deutschland, zumal infolge der vielen gerade ihm erwiesenen Unthaten, die höchste Kostenforderung auf­gestellt hätte. Das das nicht geschehen ist, beweist zur Ge­nüge, daß die deutsche Regierung der Ueberzeugung, daß mehr dort ganz gewiß nicht zu holen ist! Bevor die deutsche Forderung in Peking geltend gemacht worden ist, haben übrigens alle beteiligten Reichsbehörden auf Befehl des Reichskanzlers die in ihren Geschäftsbereichen bis 1. Mai erwachsenen Expeditionskosten auf das genaueste zusammen­gestellt; sie betragen beispielsweise für die 3eit vom Sommer 1900 bis zum 1. Mai 1901 für das Reichs Heer rund 170 Millionen, für die Marine gegen 40 Millionen Mark. Als Anhalt zur Beurteilung dieser Summe mag die dem Etat für die Expedition nach; Ostasien für 1901 als Bei­lage 1 beigefügte Nachweisung dienen, wonach von der ver­anschlagten Gesamtsumme von rund 273 Millionen Mark

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