Xr. 66 Erstes Blatt
151. Jahrgang
Dienstag 19. März 1901
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malbruchform ausgedrückt.
c) unerlaubte
■efeafriM, Expedition und
Druckerei - rchulftraße 7.
die Buren eine solche zur Bedingung ihrer Kapitulation machen müssen. Wenn man Dew et im Kaplande auch los geworden ist, so macht sich dort ein viel unange- nehmerer Gast neuerdings mehr bemerklich, nämlich die Pest in Kapstadt, die jetzt auch fcfyon unter den Weihen ihre Todesopfer sucht, und in dem kühler werdenden Wetter — der Herbst bricht dort an — günstigere Bedingungen für ihre Verbreitung findet. •
Zahl der Schulkinder jeder Klasse Ihrer Volksschulen in den rubr. Schuljahren (jedes Schuljahr besonders anzugeben).
Geldbetrag der Schulstrafen und deren Verwendung in den drei Jahren.
Durchschnittszahl der Versäumnisse in den drei verflossenen Schuljahren, für jedes Jahr und jede Schulklasse getrennt, und zwar:
täglich mit ■wtaefrw M Montag«.
Mt WffctHtr Familien* wett« nxrbtn drm Mn«
Adrrflr für Depesche»; Anzeiger Liehen. Fernsprcchantchliiß Nr. M.
a) erlaubte ) „ ... ._ . _ , , .
b) wcg-n Krankheit d-rsiiumnlfl- in Prozent unb Dezi-
Amtlicher Feil.
Bekanntmachung.
Betr.: Abhaltung landwirtschaftlicher Vorträge.
Herr Landwirtschaftslehrer Reichelt von Alsfeld wird Gvtrutag, 24. b. MtS., nachmittags 3yt Uhr, im Lokale von Heinrich Fink I. zu Hauser» einen Vortrag über „Wiesenbau, Entwässerung, Drainage und Düngung der Wiesen" halten.
Am selben Tage, nachmittags t/,4 uhr, wird Großh. Direktor Dr. v. Peter von Friedberg in Muscheuheiw tm K. Roth'schen Lokale einen Vortrag über „Ber» Wendung künstlicher Düngemittel" halten.
Ich lade jedermann, der sich dafür interessiert, freundlichst ein, und ersuche die Herren Bürgermeister der Vor tragflotte und der Nachbarorte um ortsübliche Bekannt machuug.
Gießen, den 15. März 1901.
Der Direktor des landwirtschaftlichen Bezirksvereins, v. Bechtold.
Politische Tagesschau.
Gegenüber dem — auch von uns auszugsweise wiedergegebenen — Artikel der „Südd. Reichskorresp." über die hessische Wahlrechtövorlage hebt die nat.-Iib. „Bad. LandeSztg." mit Nachdruck hervor, „daß das indirekte Wahlverfahren als solches in den weitesten Kreisen des badische» Volkes zum Gegenstand der Abneigung, um nicht zu sagen, des AergernisseS geworden ist, nicht nur aus dem Grunde, weil es in sich keinerlei Bürgschaft für Hintanhaltung radi- kaler Elemente enthält, sondern insbesondere im Hinblick auf die nachgerade allgemein bezeugte Erfahrung, daß alle Bevormundung der Gesamtheit der Wählerschaft durch dafl Institut der „Wahlmänner- namentlich in den ländlichen kleineren Gemeinden Mißstimmungen hervorruft, die in der Regel entweder durch Wahlenthaltung ober in schlechthin oppositioneller Stimmabgabe, nicht am wenigsten bei den intelligenten und unabhängigen Wählern, zum Ausdruck kommen." Außerdem bezweifelt das Karlsruher Blatt, daß die badischen Nationalliberalen für die im hessischen Entwurf vorgesehenen Bedingungen des Wahlrechts zu haben wären. ES denkt dabei wohl an den EensuS und die dreijährige Karenzzeit, weniger an die darin vorgeschlagene Reform der Ersten Kammer. Der ziemlich scharf gehaltene Artikel deS nationalliberalen Organs hat augenscheinlich den Zweck, den ernsten Willen der badischen Nationalliberalen zu bekunden, für daS direkte Wahlrecht mit aller Entschiedenheit einzutreten. Wir dürfen daraus schließen, daß auch die hessischen Nationalliberalen dem direkten Wahlrecht sympathisch gegenüberstehen und daß sie bei der Beratung in der Kammer nicht verfehlen, ihre eventuellen speziellen Korrekturvorschläge zur Sprache zu bringen.
Am heutigen Tage (18. März) sind 30 Jahre seit dem SchreckenStage der Commune und 53 seit dem unheilvollen Barrikaden-Kampf in Berlin vergangen. Sozialdemokraten und Anarchisten Pflegen diesen Tag zu begehen, und die Polizei in Berlin hat alle Hände voll zu thun, um eventuell Tumulte im Keime zu ersticken. Seit Jahren ist der 18. März ruhig in Berlin verlaufen, und es wird wohl auch in diesem Jahre wenig geräuschvoll und tumultuarisch zugehen. In einer Zeit, in der eS an Arbeit fehlt, pflegt man bekanntlich einen „blauen Montag" nicht zu machen. Die Anarchisten haben zwei Versammlungen anberaumt, davon eine nach dem Saale des sozialdemokratischen Gewerkschaftshauses. DaS anarchistische Organ „Neues Leben" ist zur Feier deS Tages auf rotem Papier gedruckt, enthält aber nichts Charakteristisches. DaS sozialdemokratische Erinnerungsblatt „Die Commune" ist massenhaft verbreitet worden, die „Genossen" haben daS inhaltlose Machwerk gekauft; einen tiefgehenden Eindruck wird eS wohl kaum machen, aber es bringt Geld in die Kaffe. Etwa eine Mandel sozialdemokratischer Versammlungen wird man heute abend in Berlin haben; Waldeck Manaffe, Rosenow, Ledebur und Dr. Karl Liebknecht sind die Redner im 6. Wahlkreise. Die Polizei wird Demonstrationen auf der Straße nicht dulden, ebenso wird sie nicht leiden, daß im geordneten Zuge die Massen von dem Landsberger Thor nach dem entlegenen Kirchhof abmarschieren. Die Anarchisten werden ihre Kränze mit schwarzen Schleifen versehen, die Sozialdemokraten mit den üblichen roten. Viel Geld wird wieder für die Kranzspenden geopfert werden, Tausende gehen darauf.
Politische Wochenschau.
Das Plauderstündchen unseres Großherzogs mit dem sozialistischen Abg. Ulrich hat in der vergangenen Woche bei denen, die behaupten, allein die erblichen Pächter der Reichsfreundschaft zu sein, erstaunlichen Schrecken eingejagt. Wieviele Gänsehäute über die verehr lichen Rücken preußischer Zähneklapperer gelaufen sind, läßt sich nicht absehen. Aber die Erde ging nicht aus ihren Fugen und Krupp erhielt vor der .Hand noch nicht den Auftrag, neue Kanonen zu gießen zum Kriege der „besseren" Welt gegen das „unartige" Großherzogtum .Hessen. Tie Berliner Tintenfabrikanten machten dabei das beste Geschäft. Seine Brunnen aber weiß Hessen selber zu reinigen, wenn's not thut, dazu braucht es nicht anderer Hilfe. >
Bezugspreis Dierteft** Mk. 2.20, nioRotL 75 Pß» Mk Vrmgcrlohn; durch M Abholesttüen virrlklftchtt. Mk. 1.90, msnall. 65 W»
Bei Postbezug Dirrtelji^tL Mk. 2.00 ohne BrstellgeG.
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Hessischer Landtag.
Zweite Kammer der Stände.
nn. Darmstadt, 17. März.
Die Sitzung wird um einviertel 10 Uhr eröffnet. Am Ministertisch: Finanzminister Gnauth, Ministerialräte Wil- branbt, Teußler, Ewald und v. Biegeleben. — Die Beratungen des Budgets werden mit Kapitel 98—113, Ministerium der Finanzen, fortgesetzt. Vorher beschließt daZ Haus, den Antrag Haas-Darmstadt, Köhler-Langsdorf, Dr. Frenay und 37 Genossen die Schutzzölle betreffend, sofort im Plenum zu beraten. — Zu Kapitel 98, Ministerium, wer- )en die angeforderten 454 220 Mark ohne Debatte genehmigt. Ebenso werden Kap. 99, Hausverwaltung, mit 19 290 Mark, Kap. 100, Hauptstaatskasse und Kap. 10.3, Bauwesen ohne Debatte genehmigt. — Bei Kap. 104, Brücken und Ueberfahrten, regt ...
Abg. Molthan nochmals die Aufhebung des Brückengeldes an, und bespricht die Art der Verpachtung des Trajektverkehrs zwischen Mainz und Kafiel an die Firma Disch. Er hätte gewünscht, daß eine Submission für diese Ueberfahrten stattgefunden hätte. Firma Tisch sei schon seit 30 Jahren im Besitz des Ueberfahrtmonopols und habe
Versäumniffe, welche wegen ansteckender Krankheit im Hause oder der Familie eines Kindes vorgekommen find, find unter b zu verrechnen.
Bei der Berechnung der Prozente ist nach unserem Amtsblatt Nr. 2 vom 7. Mai 1879 zu verfahren, je« doch mit der Erleichterung, daß für jedes Schuljahr rund 400 halbe Schultage angenommen werden, sodaß fich die Rechnung so vereinfacht, daß die Prozente der versäumniffe gefunden werden, indem man die Zahl der vorgekommenen Versäumniffe durch die vierfache Kinderzahl teilt.
4. Veränderungen in den drei Jahren durch Abgang, bezw. Versetzung und Neuanstellung von Lehrern, Schul Verwaltern oder-Gehilfen, ebenso durch Errichtung neuer Schulklaffen.
5. Kosten, welche in den drei Jahren für Schulhaus bauten (Neu- oder Umbauten) aufgewendet wurden. Kosten für kleinere Reparaturen find nicht anzuführen.
6. Kosten, welche in den drei Jahren für neue Sub> feilten und Anschaffung von Lehrmitteln aufgewendet wurden.
Sie wollen sich in Ihren Berichten genau an vorstehendes Schema mit Anführung der Ordnungs nummern halten.
v. Bechtold.
Bekanntmachung.
Betr.: Maul- und Klauenseuche.
Wegen Seuche in Windhausen (Kreis Alsfeld) ist Gehöft« sperre angeordnet worden.
Gießen, den 16. März 1901.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
___v. B echt old.
Gießen, den 15. März 1901.
Betr.: Darstellung über den Zustand der Volksschulen im Kreise Gießen in den Schuljahren 1898/99, 1899/1900 und 1900/1901.
Die Großh. Kreiss chulkommisfion Gießen
a« die Schulvorstände des Kreises.
Wir beauftragen Sie, uns bis zum 15. April ds. IS folgendes zu berichten:
Die Zweite hessische Kammer hat in der verflossenen Woche ein reiches Arbeitspensum erledigt. Der Beschluß, die Kosten für die Fortbildungsschulen ganz auf die Staatskasse zu übernehmen, ist gegen den Willen der Regierung gefaßt worden. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Erste Kammer dazu stellen wird. Ter freiheitliche Hauch, der bei uns oben weht, kam u. a. zu erfreulichem Aus druck vom Regierungstische dadurch, daß die J-rage der Trennung der Volksschule von der Kirche zusagend' beantwortet wurde. Bei dem Kapitel „Landwirtschaft" kam es leider zu sehr erregten Debatten, die schließlich doch ohne nennenswerten Erfolg waren. Die Beratung des Justizetats hat am Samstag begonnen.
Der Deutsche Reichstag ging am vorigen Montag zur Beratung des Kolonialetats über. Sehr bemerkt wurde, daß ein konservativer Redner scharf gegen die vielfach in Kamerun geübte alhu harte Behandlung der eingeborenen Arbeiter eintrat und insbesondere die „Putt- kamerwirtschstft" verurteilte. Beim Etat des Reichseisenbahnamtes gab die Regierung entgegenkommende Erklärungen bezüglich der Wünsche, die im Gefolge des Offenbacher Eisenbahnunglückes allgemein laut geworden waren; so wegen Verbesserung im Sitznalwesen und im Bau der Durchgangswagen, bei denen im Notfälle mehr Gelegenheit zum Verlassen des Wagens gegeben werden soll. Auch vernahm das Haus die Kunde, daß von einem preußisch-sächsischen Eisenbahn st reit nicht oder nicht mehr die Rede sei. Immerhin wurde das Wohlwollen der preußischen Verwaltung gegenüber der sächsischen beleuchtet durch den Hinweis darauf, daß Preußen seine Berlin-Wiener Schnellzüge den großen Umweg über Oderberg machen läßt, statt die gerade Richtung durch Sachfen zu wählen; auf diese Weise kommt von dem Preise der Fahrkarte allerdings ein viel größerer Anteil an Preußen.
Eine mit Spannung erwartete Wahl war die Reichstagsersatzwahl in Posen. Da standen Polentnm und Deutschtum einander gegenüber, letzteres insoweit geschlossen, als sich die Deutschen der konservativem und der verschiedenen liberalen Nuancen auf den Bürgermeister Witting geeinigt hatten. Der letztere Umstand hinderte aber nicht, daß der polnische Kandidat von rund 25 000 Stimmen drei Fünftel erhielt. — Nach dem Tode des „Königs Stumm" wird eine Ersatzwahl im Streife Ottweiler — St. Wendel nötig. Hier kommt neben der Reichspartei, der v. Stumm angehörte, nur das Zentrum in Betracht.
Prinzregent Luitpold von Bayern beging am 12. März das Fest seines 80. Geburtstages. Die öffentliche Teilnahme an dem seltenen Fest, das der Regent überdies in voller Frische erlebte, beschränkte sich dabei keineswegs auf die Grenzen Bayerns, es zeigte sich vielmehr, daß auch ein speziell bayerisches Fest sonstwo nicht ohne Widerhall bleibt. Der Kaiser von Oesterreich war auch zur Beglückwünschung erschienen, doch hat man von dieser gewiß großen Aufmerksamkeit weit weniger Aufhebens gemacht als davon, daß der Kronprinz von Preußen im Auftrage seines Vaters zum Besuche erschien. Es lag nahe, der Unterschrift, die der Prinzregent seinen den Ministern verliehenen Bildnissen gab: Salus publica summa lex, eine geschichtliche Beziehung zu geben, nämlich der 'Eintragung, die seinerzeit Kaiser Wilhelm II. in das goldene Buch von München machte: Suprema lex regia voluntas.
Aus China wurden neue militärische Vorkommnisse gemeldet, unter anderem ein „Gefecht" an der Grenze des Bereiches des Oberbefehls des Grafen Waldersee, nämlich an dem aus Petschili nach Schansi führenden Antsulingpasse. Dieses Gefecht sott verursacht worden sein dadurch, daß reguläre chinesische Truppen die Grenze von Petschili überschritten. Wenn man nun von einem Gefecht spricht, dann denkt man doch an einen Kampf; wenn anderseits aber mit Bezug auf den Zusammenstoß am genannten Passe gemeldet wird, die Chinesen seien ausgerissen und^ hätten 250 Tote zurückgelassen, während auf deutscher Seite eine leichte Verwundung vorliege, dann kann doch wohl nicht sehr ernstlich gekämpft worden sein, und es kann kaum angenommen werden, daß die Chi nesen^ „aggressives Vorgehen beabsichtigten."
Im südafrikanischen Kriege scheinen die Engländer nun doch zu Verhandlungen geneigt zu sein. Nachdem schon einige Zeit bie Nachricht in der Welt war, Lord Kitchener unterhandele mit dem Oberstkommandierenden der Burenstreitkräfte im östlichen Transvaal, Louis Botha, wurde diese wiederholt amtlich bestätigt, jedoch ohne daß man durch Angabe von Einzelheiten eine genauere Andeutung erhalten hätte. Anscheinend ist die Anregung zu Verhandlungen von den Engländern ausgegangen; Botha erhielt einen einwöchigen Waffenstillstand, um sich mit den anderen Kommandanten in Transvaal zu beraten. Nach der englischen Presse ist Botha die „Amnestierung" (!) aller Burenkämpser versprochen worden, die
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General-Anzeiger v
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
jetzt die Waffen niederlegen, ein Angebot, das seiner Form nach schon eine solche Beleidigung der Kämpfer für die Freiheit ihres Vaterlandes ist, daß man seine Annahme von vornherein für unwahrscheinlich halten muß. Zudem aber soll Botha auch die Kapholländer, die sich dem Freiheitskampfe der Buren angeschlossen haben, der Rache der Engländer preisgeben, und schließlich auch noch seine Sache ganz von derjenigen Tewets trennen — zwei weitere Umstände, welche eine Kapitulation Bothas unwahrscheinlich machen — vorausgesetzt, daß die Zeitungsmeldung zutrifft/ Von „Amnestierung" kann nur gegenüber den Kapholläu- ’bem die Rede fein, unb es liegt auf der Hand, daß
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