Ausgabe 
19.1.1901 Zweites Blatt
 
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Vermischtes.

Darmstadt, 17. Jan. Anläßlich deS G oethe-Jubiläums im Jahre 1899 wurde bekanntlich der Plan gefaßt, zur Er mnnerung an Goethes Aufenthalt in Darmstadt und feinen Verkehr mit Merck und Karol. Flachsland ein dauerndes Erinnerungszeichen zu stiften. Der hiesige Journalisten und Schriftsteller-Verein, der die Angelegenheit zu der feiner machte, hat inzwischen L tteraturfreunde und zahlungskräftig' Stifter zu gewinnen vermocht, fodaß die Errichtung eines* Denkmals im Herrngarten gesichert ist. Der Platz ist auf Wunsch des Großherzogs gewählt, dessen Fürsorgc das Denkmal auch nach seiner Fertigstellung übergeben werden wird. Der Platz liegt gegenüber der Ruhestätte )ergroßen Landgräfin". Zur Ausführung deS Werkes haben sich die Bildhauer Habich und RegierungS baumeister Zeller zusammengethan. Das Denkmal stell* einen jugendlichen Genius dar, eine elastische Verkörperung des jugendfrischen und feinsinnigen Geistes, der in jener Zeit im Kreise Goethes waltete. Die Vorderfront des Sockels wird daS Porträtmedaillon Goethes zeigen, zwei andere an den Seiten sollen I. H. Merck und Karol. Flachsland, die von Goethe alsPihche" gefeierte Braut Herders, darstellen. Ein Tempel, in einfachen klassischen Formen gehalten, soll die Bronzestatue des Genius aufnehmen und ihr zugleich einen würdigen Hintergrund und Rahmen verleihen. Der Sockel oll ferner eine Inschrift tragen, die an die Beziehungen

zu Darmstadt erinnert.

Darmstadt, 17. Jan. Der Vorstand des Nat.-ltb. Vereins hier hat sich in seiner gestrigen, sehr zahlreich besuchten Abendsitzung mit der Frage der durch Niederlegung des Landtagsmandats des Justizrats Schmeel notwend'g gewordenen Ersatzwahl für die Stadt Darmstadt beschäftigt. Einstimmig hat der Vorstand beschlossen, die Wahl des Oberbürgermeisters Morneweg als Ab geordneter der Stadt Darmstadt bei den Wahlmännern an zuregen und in Vorschlag zu bringen.

-k- Mainz, 17. Jan. Der Fremde, der sich gestern morgen in einem hiesigen Hotel mittelst Erhängen selbstentleibt hat, war nicht der Direktor Schneider, sondern der bei de Katastrophe des landwirtschaftlichen Kreditvereins in Anspack beteiligte Aussichtsratsvorsitzende Dorn. Von hier aus hatte Dorn noch ein Schreiben an seine Angehörigen gerichtet, worin er diese von seinem Vorhaben unterrichtet.

Worms, 17. Jan. Heute Morgen wurde auf der Strecke Worms-Offstein das Fuhrwerk eines Händlers aus Gerols­heim in der Pfalz von der Eisthalbahn über fahren und zertrümmert. Eine Frau Mitte der Dreißiger Jahre, Mutter von vier Kindern, wurde von der Lokomotive erfaßt und verstümmelt, so daß sie sofort tot war. Tin junger Mann wurde am Rückgrat schwer verletzt, ein junges Mädchen wurde leicht verletzt. An der betreffenden Stelle überschreite? der Zug eine stark befahrene Straße. Trotzdem befindet sich

dort keine Schranke.

Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten Am 16. d. M. branute es in Alsfeld im Schlachthause des Herrn Bernh. Duchardt, Gastwirtschaftzum grünen Baum". Das Feuer, das vermutlich im Räucherwerk ent standen, wurde durch die. freiw. Feuerwehr unterdrückt, bevor es größere Ausdehnung gewann. Der Dachstuhl des Schlacht Hauses ist zum Teil abgebrannt. Die im Räucherwerk be- rndlichen Fleisch- und Wurstwaren sind größtenteils verdorben. Von dem Gedenkblatt, das der Kaiser von Professor Toepler zum 200jährigen KönigS-Jubiläum (18. Januar) ausführen ließ, hat der Kaiser ein Exemplar mit seiner eigen­händigen Unterschrift an Oberbürgermeister Dr. Gaßner in Mainz gesandt. Auf dem Hauptbahnhof in Frank­furt a. M. wurde der wegen betrügerischen BavkerottS tüchtige und verfolgte Bahnhofsrestaurateur Frank aus Bingen verhaftet. Frank war von Wien nach Frank urt gekommen. In Hanau wurde zum Oberbürgermeister Dr. Gebet chuS wiedergewählt.

worden.

Der einheitliche Ladenschluß, wie er für Gießen vom Detaillisten Verein angeregt ist, findet, wie wir schon früher mitzuteilen Gelegenheit hatten, nicht den Beifall der Laden inhaber, die kein fremdes Personal beschäftigen. Wie wir erfahren, hat sich ein Komitee, bestehend aus kleineren Geschäftsleuten gebildet, das alle, die mit dem geplanten 8 Uhr Ladenschluß im Sommerhalbjahr nicht einverstanden sind, für die kommende Woche zu einer Besprechung einladen wird. Man beabsichtigt, beim Kreisamt und der Bürger­meisterei dahin vorstellig zu werden, daß amtlicherseits eine Umfrage bei den Ladeninhabern wegen der anzuord nendeu Geschäftszeit vorgenommen wird und erwartet, daß jetzt, da die Beteiligten wissen, worauf es ankommt, die ent- sprechende Mehrheit zu einer weiteren Einengung der vom Gesetz zugelaffenen Geschäftszeit, sich nicht finden wird. Viele Geschäftsleute, die kein fremdes Personal beschäftigen, er­klären, s. Zt. den Antrag des Detaillisten Vereins unterzeichnet zu haben, obgleich sie den Inhalt des Gesetzes nicht gekannt haben und daher von falschen Voraussetzungen ausgingen, als sie sich mit dem Vorschlag derjenigen einverstanden er­klärten, welche im Interesse der gesetzlich geförderten Ruhe­pause für ihr Personal, eine noch weitere Beschränkung der Geschäftsstunden fordern.

fc. Der hessische Lehrertnruvereiu erstrebt Anschluß an die Allgemeine Deutsche Turnerschaft, in dessen Kaffe pro Mit­glied 30 Pfg. fließen. AlS Vereinsblatt soll das Organ der Deutschen Turnerschaft gehalten werden und in den einzelnen Bezirksturnvereinen zirkuliern, wodurch die Kosten nur uner­heblich sein werden. Auf der alle 2 Jahre ftattfindenden Hauptversammlung findet Vorstandswahl und Rechnungs abschluß statt. Die Hauptversammlung wird in den größten Städten der 3 Provinzen abwechseln. Mehrere Kreisschul- inspekloren sind dem Lehrerturnverein bereits beigetreten.

n. Lollar, 17. Jan. Gestern wurde der Direktor der Gewerbebank, Hermann Nieß, mit 203 Stimmen zum Bürgermeister gewählt.

fo. Grebenhain, 16. Jan. Heute kamen 51000 Mk. an die glück.ichen Gewinner des Großen Loses der Hessischen Landeslotterie hier an, soweit die Glückspilze hier wohnen.

Universitäts-Nachrichten.

Für den Grohberzog von Sachsen-Weimar hat die gesamte deutsche Burschenschaft volle (Souleurlrauet auf die Dauer von acht Tagen angelegt. Der veistorbene Großherzog war nämlich daS Prthenkind der deutschen Burschenschaften. Bet seiner Taufe übernahmen, da deS Fürsten Vater ein warmer Anhänger der Burschenschaft war, der Delegierte der Jenenser namens und tm Auf­trag der deutschen Burschmschast die Pathenstclle. Bekanntlich findet aus sachseN'wetmarischem Gebte e, in ©ifenacb, alljährlich auch der sog. Deputierten Konvent der deutschen Burschenschaften statt.

Meldung dn

[|9e Luisermallövtl Müden. Der Sch ltzen in der ^atienburc 3 weilen.

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--SS ruach Treu und Glaubens

des G. A:)

Theater-Mikroben. Doktor Hanriot von der* Pariser Academie de mebicine beschäftigt sich gegenwärtig damit, in den Zuschauerräumen der Theater Luftmengen zu sammeln, die er dann analysiert, in der Hoffnung, die Mikroben der Krankheiten zu entdecken, von denen die Theaterliebhaber befallen werden können. Hanriot hat seine Untersuchungen schon vor längerer Zeit begonnen, aber er hatte sie während der Zeit der Weltausstellung unterbrechen müssen. Man hatte ihm einen Wink gegeben, er solle bie Provinzialen und Fremden nicht erschrecken, und ihnen nicht die Lust zum Besuch der Pariser Theater nehmen. Hanriot verhehlt sich bie Schwierigkeiten seiner Aufgabe nicht. Man kann sich denken, welchen Hindernissen er bet den wieder­holten Luftaufnahmen, die er für seine Untersuchung machen mußte, begegnete. Die Theatcrdirektoren sahen sein Kommen natürlich höchst ungern, und bie Polizeipräfektur hat suo seine Bemühungen nur eiu Lächeln; sie hat schon genug zu thun, die bestehenbeu Vorschriften für bie Theater durch- zuführen. Doktor Hanriot verfolgt aber unbekümmert seinen Weg Er komnit mitten währenb ber Vorstellung unb richtet sich mit seinen Assistenten unb seinem Apparat in einer Loge ein. Der Apparat ist etwas geräuschvoll, wenn er m TTätigkeit ist, unb funktioniert baher mir wahrend der Zwischenakte; außerdem spricht man währenddessen in der Loge absichtlich sehr laut, um bas Geräusch zu verbecken und zu vermeiben, baß bie Neugier des Publikums erregt wird. Ter Gelehrte wirb nach bent Abschlüsse seiner Forschungen bas Resultat berselben veröffentlichen; er hofft, baß bie Theaterbirektoren selbst bie Verbesserungen, soweit es mög­lich ist, einführen werben, und baß bie Präfektur neue in bieser Richtung wirksame Vorschriften für ben Bau neuer Theater erlassen' wirb. Tie gegenwärtigen Theaterraume sinb aus mehreren Grünben ungesunb. Sie sind vor allem

1 chlecht gelüstet, unb bie Luft kann auch nie eine gesuube )arin werben, weil bie Sonne niemals in fie einbnngr. Die Sonne ist ein großes Hilfsmittel ber Reinigung; sie ist es in bem Grade, dcch das italienische Sprichwort:

Wo die Sonne nicht hinkommt, da kommt bald der Arzt hin" recht hat. Tie Lüftung ist fast immer mangelhaft. Ter Ventilator ist durchaus kein genügendes Heilmittel. Er hat nur den Zweck, die Staubkörner von dem einen Ort zu dem anderen zu bringen. Auch gegen die übliche Einrichtung der Theater hat der Gelehrte sehr viel em- zuwendeii. Das merkwürdigste ist, daß die gefährlichsten Theater die erfolgreichen sind. Hanriots hhgienische For- bcrunqen lassen sich also in folgenden Punkten zusammen- assen": Bessere unb natürliche Lüftung; Ersatz bes SammetS burch Leber unb Beseitigung der Stoffvorhänge; lackierte Möbel und Getäfel; unburchlässiger Fußboben, ber ge­waschen werden kann unb mit einem leichten Kies bebeckt wird, ber täglich erneuert werben müßte . . . Wenn Doktor Hanriot seine Arbeit für die Tl)eater beendet haben wird, wird er sich mit den Kirchen beschäftigen.

* London, 17. Jan. Wie aus Port Louis (Mau. ritiuS) gemeldet wirb, ist der englische DampferCaffarie" gesunken: 25 Mann ber Besatzung sinb ertrunken.

Kitteratnr.

Tie Romanlitteratur bes Auslanbs, bereu beste Schöpf­ungen bie HalbmonatsschriftAus sremben Zungen" (Stuttgart, Deutsche Verlags-Anstalt) bem litteraturfreund- lichen ' deutschen Publikum zu vermittelu strebt, ist durch Emil Zola wieder um ein neues bedeutendes Werk be­reichert worden, den RomanArbeit", der den zweiten Teil ber TetralogieTie vier Evangelien" bitbet. Wie Zola im ersten Teile biess Cyklus, bem RomanFruchtbarkeit", für bie Begrünbung einer Familie unb reichen Kinber- segen als eine ber Hauptvorbebingungen für Gesittung unb Wohlstanb eintritt, so stellt er in seinem neuen WeiE als zweiten Gruubpfeiler alles Erbenglücks die Arbeit hin unb strebt, bas große Problem, wie sich bie Arbeit in Wahrheit der ganzen Menschheit zum Segen gestalten ließe, seiner Lösung näher zu bringen, inbem er ber lebenben Generation bie Wichtigkeit bieser Aufgabe zum allgemeinen Bewußtsein zu bringen sucht. Tas soeben erschienene erste Heft bes elften Jahrgangs vonAus fremben Zungen" ent­hält den. vielversprechenden Anfang des neuen Romans; daneben findet sich darin eine seingestimmte Erzählung deS russischen Schriftstellers Maxim Gorjki, ber nicht nur in Rußland, sonbern auch im Äuslanb als einer ber talent­vollsten mobernen Prosabichter anerkannt ist; ferner einige poesievolle Skizzen bes finnischen Dichters Juhani Uho, eine sehr originelle humoristische Seemanslegenbe aus Grieche,- lanb, Gebichte der polnischen Lyrikerin Marya Konopn ck u. v. a.

♦♦ Vortrag im Oberhesfischen Geschichtsverein. Am Donners tag Abend hielt im Cafs Ebel Ministerialrat a. D. Sold an aus Darmstadt einen 2»/,stündigen Vortrag überAuf­deckung prähistorischer Niederlassungen bei Neuhäusel im Westerwald nnd bei Butzbach." Der Saal war sehr gut besetzt, sodaß manche spätere Besucher im Borraum Platz nehmen mußten. Zuerst ergriff Professor Dr. Höhlbaum bad Wort und wies in kurzer Rede auf die Bedeutung des 18. Jan. dieses Jahres hin. Alsdann be gann Ministerialrat S o l d a n seinen äußerst feffelnden Vortrag, auf den wir noch zurückkommen. Zum Schluß machte Prof. Gundermann die interessante Mitteilung, daß man auch bald in der Nähe unserer Stadt Alt-Gießen ausgraben würde, da von ihm gemachte Funde allem Anscheine nach auf prähistorische Ansiedelungen Hinweisen. Vorläufig könne er die fragliche Stelle nicht namhaft machen, wäre jedoch bereit, sie dem zu nennen, ber bie nötigen Mittel zur Er­forschung zur Verfügung stellen wolle.

Aus dem Theaterbureau. Die nächste Vorstellung im hiesigen Stadttheater findet Dienstag den 22. b. M. statt Alsdann gelangt die GesangSpoffeSchützenlisl" als volkstümliche Vorstellung" zu ermäßigten Preisen zur Dar­stellung. Thea von Gordon vom Residenztheater in Berlin gastiert hier am Donnerstag und Freitag nächster Woche, und zwar alsNiobe" in Paultons Schwank gleichen Namens und alsJosepha" in Blumenthal-Kadel- burgS LustspielIm weißen Rößl".

* eine praktische Neuerung zur Rettung von Menschen bei Feuersgefahr wurde gestern Nachmittag von den Mitgliedern nnseier Bau-Deputation am Geschäftshaus der Firma I Schmücker Nachfolger in der Marktstraße eingehend be fichtigt. Es handelt sich um eine 17 Meter lange Drahtseil leiter, die im zusammengerollten Zustande dicht unter der Dachkantel des sehr hohen Hinterbaues angebracht ist. Durc Lösung eines Hakens an bet Rolle vorn Fenster ber direkt unter bem Dachstock befindlichen Etage aus wurde das Fallen der Leiter bis in den Hof bewirkt und so eine Verbindung zwischen ben Schlafräumen des Personals, für den Fall, baß der Treppenbau durch Feuer unpassierbar wird, ins Freie hergestellt. Ein junger Angestellter ber Firma nahm sofort zur Probe einen wohlgelungenen Abstieg auf der allerdings schwankenden Leiter vor, bie so angebracht ist, baß im Fall ber Not ein Abstieg von gefährdeten Personen bis in bie Tiefe des Hofes nicht einmal nötig wirb, sondern baß eine Rettung auf ben Balkon des VorberhauseS, ber sich etwa in halber Höhe des Gebäudes befindet, mittels der Leiter er­folgen kann. Diese Einrichtung ist übrigens, wie wir er­fahren, auf Veranlaffung deS Stadtbauamtes getroffen

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bfrn sowohl sich, seinem Vater und denHerren Primanern" eine recht versalzene Suppe eingebrockt. Einer dieser Pri­maner hatte, nachdem er bereits einmal durchgefallen mar, im letzten Sommer das Glück, nach langer An­strengung die Abituricntenprüfung zu bestehen. Nach- bem den Prüflingen das freudige Ergebnis der Prüfung mitgeteilt worden war, hielt der gestrenge Herr Geheimrat, der Vorsitzende der Prüfungskommission, eine wohlgemeinte Ansprache, um den angehenden Studenten allerlei gute Ratschläge mit auf den Lebensweg zu geben. Dabei er­kundigte er sich, welchen Beruf die einzelnen Abiturienten einzuschlagen gedächten. Als er zu unserem Primaner kam, antwortete dieser:Ich werde Jura studieren, Herr Geheimrat."Und warum haben Sie sich zu diesem Be­rufe entschlossen, der doch so wie so schon überfüllt ist", fragte der Oberschulrat weiter.Weil ich da am wenigsten zu arbeiten brauche", war die rasche Antwort, die her gestrenge RegierungSkonunissar gewiß nicht erwartet hatte. Aber die ganze Prüfungskommission hatte Mühe, ob dieser merkwürdigen Antwort das Lachen zu unterdrücken." (Ter junge Herr wird ganz gewiß nicht Rechtsanwalt oder LandgerichtSdirektor werden. T. Red.

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* Könitz, 17. Jan. Seit heute früh finden hier Massen Haussuchungen durch verstärkte Gendarmerie und Polizei statt. Das Resultat war, soviel bekannt ist, bis jetzt ein negatives. Trotzdem bleibt die Wahrscheinlichkeit bestehen, daß die Mordangelegenheit unmittelbar vor ihrer Klärung steht. Es handelte sich bei ben Haussuchungen nur um bie Gewinnung von Schriftproben, unb so wurde nach Briefen unb dergleichen Dingen eifrig recherchiert. Einer bekannten Perfönlichkeit ging ein Vries zu, der schwere Verdächtigungen gegen ben KreiSschulinspektor Rhode enthält.

* Schulauekdoten. TieStraßburger Post" er­hält aus Lothringen folgende Zuschrift:In letzter Zeit machten durch die verschiedensten Blätter allerlei Schul­anekdoten die Runde, auf die wohl für jeden praktischen Schulmann das vielzitiertese non e vero, e ben trovato" (italienisch: wenn es nicht wahr ist, so ist es doch gut erfunden) angewendet werden dürste. Nachfolgend wollen wir einige zum besten geben, bie sich wirklich zugetragen haben. Kommt ba, es mögen ungefähr 10 Jahre her sein, eine lothringische Bäuerin in bie Kreisstabt zum Direktor bes Gymnasiums unb er tun bi gt sich angelegentlich nach bem Oberprimaner L. Ob er brav ist, will sie wissen, unb ob er einenguten Plätz" hat. Ter Direktor, ein freunb- l ich er Herr, fragte bie Frau, ob sie bie Mutter bes Schulers sei, weil sie. sich so angelegentlich nach ihm erkundige. Ganz treuherzig meinte sie aber:Nein, ber He r r i sch ber Freier von meiner Tochter unb ba macht ich wissen, ob er bei Ihnen eine gute 93e ja 1)1 un g hat unb eine Familie erhalten kann." Wir wissen nicht, ob ber Herr Direktor ein erstauntes Gesicht machte über bie|e Eröffnung, ober bie Bäuerin über bie Erklärungen bes "Herrn Direktors; sicher ist jeboch, baß bem Ober­primaner bie Freierei schnell vergangen ist. ^n beim selben Gymnasium tarn ein Sextaner, ber Sohn eines Wirtes, ohne Aufgabe zur Sck;ule, wofür er von seinem Or­dinarius streng getabelt würbe. Ganz naiv meinte er aber: Ja, ich hatte gestern keine Zeit, meine Aufgaben zu machen; ich mußte ben ganjen Mittag bei uns ben Pri­manern die Kegel auf setzen." Mit dieser gut ge­meinten Ausrede hatte der Schüler aber wenig Glück, son-

Aus Stadt und Zand.

Gießen, ben 18. Januar 1901.

** Aus Anlaß des 200jährigen Bestehens des Königreichs Preußen hatten die öffentlichen Ge­bäude der Stadt Flaggenschmuck angelegt. Morgens gegen 9 Uhr wurde vom Regimentskommandeur Oberst v. Dewitz bie Fahne geholt, und mit klingendem Spiel gings durch ben Seltersweg zur Stadtkirche, wo der evangelische Militär- Gottesdienst stattfand. Gleichzeitig wurde katholischer und israelitischer Gottesdienst abgehalten. Nach Beendigung ber kirchlichen Feier nahmen bie Truppen ber Garnison aus bem Branbplatze Aufstellung zur Parabe, bie Oberst v. Dewitz punkt halb zwölf Uhr abnahm. Er wies m )einer Ansprache an bie Garnison aus bie Bebeutung bes 18. Januar hin unb gab einen kurzen Ueberblicf über bie Ge­richte ber letzten zwei Jahrhunberte. Seine kernige Rebe schloß mit einem Hoch auf ben Kaiser. Gegen halb ein Uhr inirben bie Fahnen wieher zur Wohnung bes Obersten gebracht. Aisbann folgte bie Paroleausgabe. Nachmittags drei Uhr fanb ein Festessen ber Offiziere unb NLserveossiziere im Osfizierskasino schtt,