Ausgabe 
19.1.1901 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Ta war es schön. Ta lebte das Leben, so stark und freudig, so groß, da jubelte die Fülle der Farben und eine ge­heiligte, über sich selbst erhobene SinnenfreuVe opferte der Gottheit im Menschen. Es war alles so frei und un­geheuerlich, aber auch alles so einfach, kindlich rein, innig und von verhaltener Trauer. Er war ein deutscher Heide, der seltsame Meister. Tarum stand er in diesen traurigen Tagen wie ein verlorener Göttersohn aus geträumter Zeit. Er war unter die Menschen verschlagen, die Menschen, die sich immer um ihre kleine, armselige Welt da plagen und streiten. Aber das königliche Szepter hatte ihm der große Vater gelassen und damit schuf er sich eine neue Welt. Antik und romantisch, modern, heidnisch und deutsch.

Im Jahre 1848 war er in Paris Zeuge der Februar-Re­volution gewesen, und es mag sein, daß die Tragödien, die er dort rings um sich sah, den Rest von Enge der Lebens­auffassung, den das väterliche Kaufmannshaus in Basel und die in der Tüsseldorfer Kunstschule verwässerte Romantik in ihm gelassen, hinwegfegten und sein Auge mit den dä­monischen Tiefen des Lebens vertraut machten.

So kam er 1850 nach Rom und mit Eins entfaltete sich da seine Natur. Ihm war die heitere freie Schönheit des Südens von Anbeginn an in die Seele gepflanzt. Wir Teutsche kennen ja diesen Drang nach dem Süden. Er hat von der Völkerwanderung an Tausende unserer Nation über die Alpen geführt. Er hat in der Entwickelung unseres grüßten Dichters die entscheidende Wendung veranlaßt; er

hat den Charakter von Künstlern, wie Anselm Feuerbach- von Gelehrten, wie Viktor Hehn, bedingt.

1856 siedelte Böcklin nach München über, hielt sich ein paar Jahre in Deutschland aus und wirkte ein Iah» lang an der Kunstschule in Weimar. Doch hielt er's nicht lange dort in der idyllischen Enge aus. Ihn zog ed. nach Italien zurück. Und doch war es gut, daß er wieder einige Jahre in deutschen Landen geweilt hatte; er Hatto sich da von neuem an jener eigentümlichen Blüte be# deutschen Geistes berauscht, die wirRomantik" nennen. Diese Romantik suchte statt der klassischen Größe und Feier­lichkeit nach warmem Leben, sie suchte das Lebendige, Trau­liche, Menschliche in der Geschichte, und sie suchte es? in der Natur. Durum liebte sie die Elfen und Nixen, die Waldmännlein und die Kobolde volkstümliche Per­sonifikationen des Naturlebens. In diesem Sinne abev ward Böcklin ganz deutscher Romantiker, ja, der größte aller Romantiker.

Natur war ihm alles. Jeder Eindruck war füv ihn zugleich eine konkrete Stimmung, und diese Stimmung verdichtet sich bei ihm zu Gestalten. Er sah die Natur, wie sie unser Volk in seiner Mythologie gespiegelt hatr sprechend, jauchzend, klagend, kämpfend.

Indem sich diese kerndeutsche Auffassung mit der schön­heitsreichen italischen Seele, die dem Künstler eigen war, unzertrennlich vermählte, entstand das wundersame einzig­artige Kunstphänomen, das wir Arnold Böcklin nennen.

Otta.

Dlphs Nacht)

chäft

Volks- lieder > op. 40

ßchnman

Brahma.

dler Art. l de Preiee. ratis und franko.

d -Leihanstalt.

isgaben. 328

5" **. 6beni« 8 d,,'

fort a, J(" lol,aWl lrautmanö

> °P 80

Humana,

' Job. Brahn». v' SPerr8itz Mk 4_ ^ einon Ahend; 8p^ > btiidentenkarfea Mk i !'®r ^o'phs Nacht,'» Verwalter Herrn Stork, dhof.

du 6t3 Ctto Prurfer.

de« n?osang | Fr johnbert. "A*r Ivan Seeth.

Mm'im Qühlen taAämpfer ielquetschen

1**1

ME istns echktintkwtM.

WiM Md Stritt

t 339

thale

Lif>blc*tra**e 13.

chterbilduns8.

Anf«»« AE

Nr. 16 Blatt. Samstag den 19 ^muar 151. Jahrgang 1901

M mm Anzeiger

Kenerat-An^eiger

rind fiw den Uveis Gieren

Annahme von Anzeigen zn der nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr. Abbestellungen spätestens abends vorher.

Alle Anzeigen-Vermittlungsstellen des In- und Aus­landes nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen. Zeilenpreis: lokal 12 Pf., auswärts 20 Pf.

ZZczugsprcis vieneljädrl. Mk. 2.20 monaUlch 75 Pfg. mit Bringerlobn; durch die Abholtstelle« vicrtcljährl. Ptk. 1.90 monatlich 65 Pfg.

Bei Postbezug Mk. 2. vicrteljährt. ohne Bestellgeld.

Erscheint täglich mit LuSnabmc der

MontagS.

Die Gießener ^«mlllenbtätter werden dem Anzeiger im Wechsel mitHcfs. Landwirt" u.Blätter für heff. Volkskunde" wöchU. 4mal beigelcgt.

Rtboftion, Expedition und Druckerei:

Schulftraße Ur. 7.

Gratisbeilagen: Giestencr Familicablätter, Der hessische Kandwirt, Dlätler für begliche Ualkslrunde.

Adresse für Depeschen: Anzeiger Siehe».

Fernsprecher Nr. 5L

1 _T .

Amtlicher Teil.

Bekanntmachung.

Gemäß Artikel 39 der Kreis- und Provinzialordnung wird nachstehend das Protokoll Über die am 15. Dezember 1900 stattgehabte ordentliche Sitzung deS Kreistage- dee KceiseS Gießen zur öffentlichen Kenntnis gebracht.

Gießen, den 15. Januar 1901.

Der Vorsitzende des Kreistages deS Kreise- Gieße».

v. Bechtold,

Protokoll der Werzigste« Sitzung des Kreistages des Kreises Kietze«.

Geschehen Gießen, den 15. Dezember 1900. Gegenwärtig:

1. der Vorsitzende Großh. Pvovinzialdirektor Geheimerat v. Bechtold,

2. Großh. RegierungSrat Dr. Wagner, 3. Großh. KreiSamtmann Boeckmaun, 4. Großh. KreiSamtmann Dr. Heinrichs; 5. die Kreistagsabgeordneten:

Bürgermeister Buttron, Hungen, Gemeinderat Demper, GroßenBuseck, Kommerzienrat Em melius, Gießen, Kommerzienrat Georgi, Gießen, Bürgermeister Heller, Ltch, Kommerzienrat Heyligenstaedt, Gieße», Bürgermeister Leun, Großen Linven, Bürgermeister Roth, Mu chenherm, Ingenieur Schiele, Gteßen, Bürgermeister Sommer lad, Wieseck, Beigeordneter Weicker, Allendorf a. d. Lumda, Bürgermeister Zimmer, Grünberg,

6. der Protokollführer Bureauvorsteher Schiffnie.

Der Vorsitzende eröffnete den Kreistag unter Begrüßung der erschienenen Abgeordneten und stellte den KreiSamtmann Dr. Heinrichs dem Kreistag vor.

Zu Urkundspersonen wurden alsdann die Abgeordneten Bürgermeister Roth von Muschenheim und Ingenieur Schiele ernannt, und die Beschlußfähigkeit des Kreistages konstatiert.

Mtt Entschuldigung fehlten die Abgeordneten Kom merzienrat Gail-Gießen, Justizrat Dr. Gutfleisch Gießen, Bürgermeister Horst Nteoer-Bessingen, Gemeindeeinuehmer Maid-Watzenborn, Ökonom v. Oven Hungen, Eouard Rührle-Gießen, Landgerichtsrat Dr. Schäfer-Gießen, Oekonomierat Schlenke zu Hardthof.

Der Vorsitzende gemachte nun des verstorbenen Mit­gliedes deS Kreistages und des KreiSausschuffeS, Bürger meister Geißler von Lollar, und deS verstorbenen Kreis tagsabgeordneten Scheel aus Gießen, zu deren Ehrung die Versammlung sich von den Sitzen erhebt.

Hierauf wurde in die Tagesordnung eingetreteu.

Arnold Iöcklin.

Gestorben am 16. Januar 1901.

Bor mir liegt das letzte Bildnis Böcklin's, nach einer zkunstphotographie des Fratelli Alinari in Florenz. Der Kopf eines müden, verwitterten Greises, den bitteres Lebens- keid herb und starr gemacht hat. Das eine Auge ist er­blindet, das andere blitzt dafür umso schärfer unter der hohen, von kurzem weißen Haar umrandeten Stirn hervor, mit unheimlichem Ernst. Ticke Thränensäcke lagern unter beiden Augen. Eng zusammengepreßt sind die von dichtem weißen Barte umgebenen Lippen. Auf dickem Knotenstock ruhen die übereinander gelegten runzeligen Greisenhände, diese Hände, die so unendlich Schönes geschaffen haben.

Nun ist er, durch eine unglückliche Ehe und rauhe Schicksalsschläge in seiner Familie geistig und körperlich zermürbt, von dem sonnigen Hügel bei Florenz hinabge­stiegen in den stillen Kahn, der zur Toteninsel führt. Er Nl dahingegangen als ein Vollendeter. Seine Größe ist heute noch nicht zu ermessen. Wir waren arm geworden, »a er kam; er hat uns reich gemacht. Er hat uns wieder die Freude zum Schönen in seiner Pracht und Nacktheit ge­schenkt; die vertrockneten Herzen hat er in klassischen UiicHen von allem Erdenstaube reingewaschen. Auf selt­samen, vertrauten, märchenhaft verschlungenen Pfaden hat fr «ns eingeführt in sein selbstgeschaffenes Königreich.

1. Wahl einer Mitgliedes deS KreiSauSfchusses an Stelle des zum Präsidenten des Finanzministeriums ernannten Oberbürger­meisters Gnauth zu Gießen für die Zeit biS Ende 1904.

Großh. Bürge, merfter Leun ich ägt oen Bautechncker Wenzel aus Lang Göns mit der Begründung vor, daß im Verhältnis der Seelenzahl zwei M'kglteder aus der Stadt und 4 Mitglieder aus de« KreiSgememden sich im KreiSauS schuß befinden sollten

Kommerzienrat Georgi bemerkte, daß man nicht lediglich die Bevölkerungsziffer, sondern hauptsächlich das Steuerkapital in Betracht ziehen müsse, und daß er es für nicht richtig erachte, wenn man den überwiegenden Teil der Mitglieder deS KreiSausschuffeS den Landgemeinden zuweiseu wolle. Er schlage den Großh. Beigeordneten Wolff Gießen vor.

Bürgermeister Heller schließt sich diesem Vor­schläge an.

Bürgermeister Leun bemerkte, er schätze Herrn Wolff sehr, da dnser aber nach einer Zeitungsnotiz von Giegen weggehen wolle, dürfte von seiner Wahl abzu sehen sein.

Justizrat Hirschhorn: Der Kreisausschuß sei eine Behöide mit außerordentlich weittragenden und wichtigen Be- sugnissen und wenn man daS berücksichtige, liege kein Grund 9or, von der Wahl des Herrn Wolff abzusehen. Man solle damit rechnen, daß derselbe noch hier sei und nicht mit dem Zeitungsgerede. Der von Herrn Leun Vorgeschlagene sei dem Kreisausschuß sehr wenig bekannt und es sei wohl beffer einen erprobten Mann, etwa einen Landwirt, anS dem Kreistag zu wählen.

Bürgermeister Leun befürwortet nochmals die Wahl eines Mitgliedes aus der Landbevölkerung. Er glaube, weil pp. W nzel das Examen als Bautechniker gemocht habe, diesen vorschlagen zu sollen als Ersatz für Herrn Oberbürgermeister Gnauth, der doch auch Techniker gewesen sei.

Justizrat Hirschhorn: Wir brauche» keinen Tech­niker; wir haben unseren Baurat Stahl, und noch niemand hat demselben Erfahrung abgesprochen. Ma» solle lieber an einem Landwirt festhalten.

Auf Vorschlag des Justizrat Hirschhorn tritt eine Pause zur Besprechung em, nach welcher Kommerzienrat Georgi den Großh. Beigeordneten Wolff vorschlägt, indem er be­merkte, daß er Wert darauf lege, daß die Stadt im Kreis ausschuß vertreten sei und Herr Wolff seinerzeit zugesagt habe, noch einige Zeit im städtischen Dienst zu bleiben.

Bürgermeister Leun zieht seinen Antrag hieraus zurück, macht aber auf Bürgermeister Volk zu Allendorf a. d. Lahn aufmerksam.

Aus der hierauf mittelst Stimmzettel vorgenommenen Wahl ging der Großh. Beigeordnete Wolff mit 11 Stimmen als gewählt hervor.

2. Wahl eines Kreisausschußmitgliedes an Stelle des verstorbenen

Bürgermeisters Geißler für die Zeit bis Ende 1904.

Bürgermeister Heller schlägt den Großh Beige ordneten Apotheker Welcker von Allendorf a. d Lumda vor.

Bürgermeister Leun möchte auch den südlichen Teil des Kreises berücksichtigt wissen und schlägt den Großh Bürgermeister Volk von Allendorf a. d. Lahn vor.

Es wurde mittelst Stimmzettel abgestimmt. Beigeord­neter Welcker wurde mit 8 Stimmen gewählt.

3. Wahl eines Mitgliedes für die verstärkte Ersahkommission.

Für den verstotbenen Großh. Bürgermeister Faul stich hat eine Ersatzwahl für den Rest dessen Dienstzeit als Mit­glied der verstärkten Ersatzkommission stattzufinden.

Großh. Bürgermeister Lenn schlägt den seitherigen Stellvertreter Großh. Bürgermeister Roth von Muschenheim vor, während namens des Kreisausschusses der Großh. Bürger­meister Zimmer von Grünberg in Vorschlag kommt. Wit diesem Vorschlag ist nun auch Bürgermeister Leun einver­standen.

Es wurde hierauf Wahl per Acclamation vorgeschlagen und genehmigt und alsdann Großh. Bürgermeister Zimmer von Grünberg als Mitglied der verstärkten Ersatzkommision bis Ende 1901 gewählt.

4. Wahl eines Mitgliedes der verstärkten Ersahkommission an Stelle deS verstorbenen Großh. Bürgermeisters Geißler zn Lollar.

Vorgeschlagen wurden der Großh. Bürgermeister Heller zu Ltch, sowie der Großh. Bürgermeister Roth von Muschenheim.

Nachdem sich der Kreistag über die Vornahme der Wohl per Acclamation geeinigt hatte, wurde der seitherige Stell­vertreter Großh. Bürgermeister Roth von Muschenheim als Mitglied der verstärkten Ersatzkommission für die Zeit bis Ende 1901 und der Großh. Bürgermeister Heller zu Lich als stellvertretendes Mitglied für die gleiche Dauer gewählt. 5. Wahl eines Mitgliedes der Korkommisfion für den Bezirk Grünberg an Stelle des verstorbenen Bürgermeisters Faul stich zn Weitershain.

Großh. KreiSamtmann Boeckmann schlägt namens des Kreisausschusses vor, das seitherige Ersatzmitglied Großh. Bürgermeister Stein zu Kesselbach als Mitglied, und an Stelle des letzteren den Großh. Bürgermeister Bast von Beltershain als Ersatzmitglied zu wählen.

Der Vorsitzende spricht sich für Wahl per Acclamation aus, womit der Kreistag einverstanden ist.

Es wurde hierauf die Wahl im Sinne des Vorschlags des Kreisausschusses vollzogen, und zwar auf die Dauer bis Ende 1902.

Nachdem noch der Großh. Bürgermeister Leun die Erbauung einer Verbindungsstraße zwischen den Gemeinden Allendorf a. d. Lahn und Heuchelheim in Anregung gebracht hatte, wurde der Kreistag vom Vorsißenden geschloffen.

Der Vorsitzende: Die Urkundspersonen:

v. Bechtold. Roth, Bürgermeister,

F. Schiele, Ingenieur.

Der Protokollführer: Schiffnie.

Bekanntmachung.

Betr.: Abhaltung der Viehmärkle.

Der für den 29. Januar ds. Js. vorgesehene Viehmarkt zu Gießen kann unter den seitherigen Beschränkungen ab­gehalten werden.