Ausgabe 
18.9.1901 Zweites Blatt
 
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41. Wanderversammlung des Oberhesfischen Bienenzüchtervereins.

(Originalbericht desGieß. Anz.")

w. Reichelsheim i. d. Wetterau, 16. Sept.

Gestern mittag 3% Uhr wurde hier imGasthaus zur Post" die 41. Wanderversammlung des Oberhess. Bienen­züchtervereins durch den Präsidenten, Dekan Ellenberger von Ortenberg, eröffnet. Der Saal war dicht besetzt. Der Präsident hieß die Erschienenen herzlich willkommen und wies darauf hin, daß die 860 in 21 Zweigvereine gegliederten Mitglieder die Aufgabe hätten, das Interesse an der Bienen­zucht in immer weitere Kreise zu tragen und rattonelle Bienen­zucht zu lehren, damit die vielen Millionen, die jetzt noch für Bienenprodukte ins Ausland gingen, hier bleiben könnten. Die Bienenzucht könnte darum recht wohl eine lohnende Nebenerwerbsquelle für die Landwirtschaft ryerden. Er wies sodann auf die Vorteile der Bienenzucht hiü und schloß mit einem Hoch auf den Großherzog. Gleich der ^gestrigen Vor­versammlung war auch die heutige Hauptversammlung trotz der Ungunst der Witterung sehr zahlreich besucht. Um 10% Uhr vormittags eröffnete der Präsident Dekan Ellen­berger die Versammlung, bewillkommte die Anwesenden und dankte der Stadt Reichelsheim für die freundliche Aufnahme. Apocheker Hampel begrüßte darauf die Versammlung na­mens des Versammlungsortes. Der Präsident verlas den Bericht des abgelaufenen Vercinsjahres, in dem er folgendes erwähnte: An die Reichsregierung ging eiue Massenpeti- tion ab um Schutz des natürlichen Honigs gegenüber dem Kunsthonig durch Bezeichnung des letzteren im Handel. Eine Petition um Aenderung im neuen Zolltarif fft ge- vlant, denn nach dem Entwurf sollen lebende Bienenvölker ohne Zoll eingeführt werden können. Damit würden aber auch zum Schaden der deutschen Bienenzucht die in den Stöcken enthattenen Vorräte von Honig und Wachs frei ein­gehen. Man hofft hier Entgegenkommen zu finden. Mit den Provinzialvereinen in Starkenburg und Rhein­hessen soll gemeinsam einVxrttag zwecks Versicherung gegen Haftpflicht mit einer Gesellschaft abgeschloffen werden. Das Jahr 1901 wurde als gutes Honigjahr erwähnt, das über­dies auch recht früh Schwärme brachte. Im Juli wurde in Ortenberg wieder ein Kursus abgehalten, der aber nur von 6 Teilnehmern besucht raarJ Es wurden dann noch die Boni- fikattonen von den Versicherungsanstalten erwähnt, und mit- geteitt, daß in Gießen ein neues Depot für Honig­verkauf errichtet sei. Die verlesene Rechnung zeigt eine Einnahme von 2991 Mk. und eine Ausgabe von 2313 Mk. sodaß ein Ueberschuß von 678 Mk. verbleibt. Der sofort genehmigte neue Voranschlag balanciert in Einnahme und Ausgabe mit 2879 Mk.

Nunmehr erhielt Pfarrer Schick von Burggemünden das Wort zu seinem Vortrag überEinwinterung der Bienen".

In sehr eingehender sachkundiger Weise legte er dar, daß der gute Erfolg der Ueberwinterung abhängig sei von der Stärke des Vottes, dem Honigvorrat, der Dichtigkctt und Wärme der Bienenwohuung. Eine lebhafte Debatte folgte. Den nächsten Vorttag sollte eigentlich Herr Heck von Dudenrod habenüber die neue Lehre von Dickel". Ta er erkrant ist, war Herr Dickel selbst erschienen, um die Versammlung nut einenForschungen bezüglich des willkürlichen Einflusses der Bienen auf die Geschlechtsbcstimmung der Heranwachsenden Generation bekannt zu machen. Die Dickel'sche Theorie hat bekanntlich in den Fachzeitschriften von ganz Europa eine lebhafte Meinungsäußerung hervorgerufen. Herr Dickel hofft, durch seine neuesten Forschungen die Richtigkeit seiner Lehre end- giltig nachweiscn zu können. Im Rahmen eines kurzen Be­richtes seine interessanten, sehr eingehenden Darlegungen zu bringen, ist nicht angängig.

Zum Schluß lud Herr May von Lauterbach die Ver­sammlung ein, im nächsten Jahr in Lauterbach zu tagen. Die Einladung wurde einstimmig angenommen.

Die gleichzeitig veranstaltete Ausstellung war sehr gut beschickt. Es wurden folgende Prämien zuerkannt: Für lebende Bienenvölker 7 Geld- und 2 Ehrenpreise, für Honig 11 Geld- und 2 Ehrenpreise und für Geräte 6 Geldpreise. Ein gemeinsames Essen mit einer grnßen Reihe von Toasten hielt die Teilnehmer der Versammlung noch einige Stunden vereinigt.

Aus Stadt und Land.

(Ter,Abdruck der unter dieser Rubrik besindlichen Original-Nachrichten ist nur unter genauer Quellenangabe: ,,Gicß. Auz." gestattet.)

Gießen, 18. September 1901.

Ernennung. Ernannt wurde der Hauswärter im neuen Kanzleigebäude Heinrich Hartmann in Darmstadt mit Wirkung vom 1. Oktober zum Hauptsteueramtsdiener bei dem Hauptsteueramt Darmstadt.

** Die Prüfung der Gerichtsschreiber., Gerichtsvollzieher- und Polizeikommissariats-Aspiranten nimmt Montag den 3 0. September, vormittags 9 Uhr, in Darmstadt ihren Anfang.

* Fortbildungskursus für Organisten und Kantoren. Der diesjährige, wiederum unter Leitung des Kirchenmusikmeisters Professor Arnold Mendelssohn stehende Fortbildungskursus ür Organisten und Kantoren der evangelischen Kirche des Großherzogtums Hessen wurde am Montagvormittag %10 Uhr im Gemeindehause der Johannesgemeinde in Darmstadt durch Oberkonsistorialrat I). Flöring mit einer Ansprache eröffnet. Es beteiligen sich, nach derDarmst. Zt^", an dem Kursus diesrnal 11 Lehrer und Schulverwalter aus den hessischen Orten Auerbach, Dorf-Güll, Frei-Laubersheim, Kelsterbach, Kirch-Brombach, Leeheim, Nieder-Ramstadt, Nieder-Saulheim, Rothenberg, Saasen und Wald-Uelversheim. Der Kursus dauert bis einschl. 5. Oktober l. Js.

* * Unverkäufliche Lotterielose. Nach Mitteilung Berliner Blätter machen gegenwärtig alle Staatslotterien, die preußische ebenso wie die sächsische, mecklenburgische 2C., keine glänzenden Geschäfte, weil ihnen viele Lose unverkauft liegen bleiben. Seitdem der Lotteriestempel von 10 auf 20 Prozent des Nennwertes erhöht worden ist zur teilweisen Deckung der Kosten des neuen Flottengesetzes, hat die Spiellust des Pub­likums und der Absatz der Lotterielose erheblich nachgelassen. Auch die BerlinerPost" schreibt, daß der preußischen Staats­lotterie durch den Nichtoerkauf zahlreicher Lotterielose nam­hafter Schaden erwachsen ist und die Vereinnahmung des nicht abgehobenen Gewinnes aus dem großen Los von 500 000 Mk. seitens der Lotterie Verwaltung um so lieber erfolgen werde.

* * Pferdemarkt Omnibusverbindung. Gelegentlich des morgen (Mittwoch) vormittag an der Rodheimerstraße statt- findenden Pferdemarktes wird die Omnibus-Gesellschaft zu den ankommenden und abgehenden Eisenbahnzügen eine regelmäßige Omnibusverbindung zwischen Bahnhof und Pferde­marktplatz einrichten.

* Pferdemarkt. Wir machen auch an dieser Stelle noch­mals darauf aufmerksam, daß, um Unfällen vorzubeugen, Kindern unter 14 Jahren das Betreten des morgen (Mitt­woch) vormittag stattsindenden Pferdemarktes polizeilich ver­boten ist. An Stelle des erkrankten Schlachthofdirektors Dr. Liebe ist Prof. Dr. Preuße in die Prämiirungs- kommission eingetreten, während den Vorsitz der Pferdemarkt­kommission in Vertretung des beurlaubten Beigeordneten Wolf Herr Stadtverordnete Kirch übernommen hat. Die An­meldungen auswärtiger und hiesiger Pferdehändler sollen zahlreich eingelaufen sein, sodaß der morgige Herstmarkt seinen Vorgängern nicht nachstehen dürfte. Die Prämiirung der vorgeführten Pferde findet vormittags von 912 Uhr statt, die Preisverteilung nachmittags 3 Uhr auf dem Pferdemarkt­platz. Das Auskunftsbureau ist wieder im städtischen Schlacht­hof eingerichtet.

w. Hungen, 17. Sept. Bei der am Samstag statt­gehabten Gemeinderatswahl wurden neugewählt: Jul. Fendt und Wilh. Aug. Hofmann; wiedergewählt wurde Metzger Karl Seibert. Herr Kohlheyer wurde leider nicht wieder­gewählt.

r. Obbornhofen, 16. Sept. Gestern hatten wir seit vielen Jahren den stärksten Regenfall, das Wasser flieg innerhalb 24 Stunden um 40 mm.

Darmstadt, 16. Sept. Das Großherzogspaar mtfj den zurzeit in Wolfsgarten weilenden Gästen außer der Prin­zessin Viktoria von Schlesivig-Holstein, die nach Gotha ab­reist, begiebt sich nach Mainz zu anderthalbwöchigem Auf­enthalt.

m Offenbach, 16. Sept. Die unter Staatsaufiicht stehenden technischen Lehranstallen der Stadt Offenbach a. 2)L (Pau- schule, Maschinenbauschule, Kunstgewerbeschule, auch für Schülerinnen) beginnen am 21. Oktober er. ihr Winter- ernester. Programme sind durch die Direktion zu beziehen

Universitäts Nachrichten.

Wiesbaden, 15. Sept. Gestern fand hier eine Versammlung freier Studenten statt, an der Studierende von 12 deutschen Hochschulen teilnahmen. Nachdem ein Redner ausemandegefetzt, Saft e§ sich nicht um einen Verein der Veremslosen, sondern um die durchaus unpersönliche V e r t r e t u n a d e r a l l g e m e i n st e n studentischen Interessen handelt, wurde folgende Reso­lution angenommen:Die Versammlung erklärt sich mit der deut­schen Finkenschaftsbewegung solidarisch einverstanden» insofern diese eine Interessenvertretung der nicht korporierten Studenten anstrebt. Sie erklärt jedoch, daß diese Vertretung nicht als persönliche Ver­tretung aufzufassen ist, und daß daher der Anspruch einer Zwangsver- tretung bewegungsfeindlicher Kommilitonen nicht erhoben werden darf. Aus diesem Grund empfiehlt fie. den freien Studenten die sogen. Banner-Konvention, nach der diejenigen Kommilitonen, die von der Vertretung nichts wißen wollen, ausdrücklich ausgenommen werden." Auch die Frage des studentischen Arbeitsnachweises und die allgemeine Ausbeutung der Studierenden, namentlich in großen Städten, wie Berlin, wurde gestteift. Die nächste Zusammenkimft findet am 22. ds. auf dem Feldberg (im Taunus) statt. In Gießen soll mit Beginn des nächsten Semesters auch eine JinkenschaftL- bewegung eröffnet werden

daß eine Instanz geschaffen werde, welche enbgütig über entstehende Differenzen zu entscheiden habe._ Ferner er­klärte sich der Hanoelskammertag dafür, day Kampszolle bei Ausbruch eines Zollkrieges nicht in Form von zöllen erhoben werden. Langenbach -Darmstadt ijt der Meinung, daß die angebliche Not der Landwirte nur eine künstlich gemachte sei, es widersprächen einer solchen die überall bestehenden gut fundierten Sparkassen. 2/er Zwie- spall sei von gut bezahlten Agitatoren in die Nation hwcin- gebracht worden. Tie Agitation des Bundes der Land­wirte sei weit schlimmer und gefährlicher als diejenige der Sozialdemokraten. (Bravo!) Für Erhöhung der Lebem- mtttelzolle dürste die Handelskammer nicht zu Haven fern, wenn man dabei auch auf Worms Verzicht leisten müsse. Kommerzienrat Michel pflichtete dem Vorredner in seinen Ausführungen bei, da die allgemeine Volksernahrung gegen jede Erhöhung der Lebensmittelzölle spreche. Aber für die Handelskammern sei es die Hauptsache, langsnsttge Han­delsverträge zu erzielen. Es würde sich aber niemals im Reichstag eine Mehrheit finden, weün die Lebensmittel­zölle aus' dem Tarif entfernt werden sollten. Es müsse dahin gewirkt werden, daß wir 1903 keine vertragslose Zeit bekommen, auch unter der Bedingung, wenn eine mäßige Erhöhung der Lebensmittelzölle eintrete. Ter Ar­beiter habe bei langfristigen Handelsverträgen die Mittel, durch seine Beschäftigung auch einige Pfennige mehr für das Brot zu zahlen. Mit dein Kopfe könne mön, wie die Sachss einmal liege, nicht durch die Wand rennen. May- Bingen sprach sich gegen jede Erhöhung der bestehenden Vertragsfätze auf Lebensmittel aus. Nachdem sich noch Prof. Nies-Worms und Schloßmacher-Offenbach an der Debatte beteiligt, wurde zum Schlüsse der Beratung des Zolltarifs einsttmmig folgende Resolution an- aenommen: r .

Der Hessische Handelskammertag spricht sich ent­schieden gegen die im Zolltarif-Entwurf vorgesehenen übermäßig hohen Zölle auf Lebensmittel aus und richtet an Großh. Regierung die Bitte, ihren Einfluß dahin geltend zu machen, daß diese Zölle im neuen Zolltarif nickst höher als im bestehenden autonomen Tarif be­messen werden."

Meesmann referierte hierauf über die Regelung des kaufmännischen Fvrtbildungsschul-Unter- richts bezw. bie vom hessischen Staate bewilligte Sub­vention von 12 000 Mark und deren Verteilung. Nachf- dem sich Oberregierungsrat Dr. Usinger, Schloßmacher, Nies, May und Deister-Gaualgesheim an der Debatte be­teiligt, wurde die Angelegenheit zur eingehenden Prüfung an eine Kommission verwiesen. May-Bingen regte die Be­schränkung der Sonntagsfahrkarten an; es sei notwendig, wenn der Handelskammertag hiergegen Protest einlege, wie dies auch schon von den einzelnen Kammern igeschehen sei. Dtttmar-Mainz teilte mit, daß auf die Eingabe der hiesigen Handelskammer an die Eisenbahn- Tirektion gestern die Antwort von dieser eingelaufen sei. Dieselbe erkläre, daß sie auf die Eingabe nicht ein­gehen könne, weil die Beschränkung der Sonntagssahr- 1 farten auf eine allgemeine tarifliche Maßregel zurückzu- führen sei. Schließlich wurde einstimmig beschlossen, den Protest gegen die Beschränkung der Sonntagsfahrkarten zu unterstützen und die hessische Regierung zu ersuchen, daß 'fie ihren ganzen Einfluß aufbieten möge, daß die Sonn- stagsfahrkarten, wie sie bisher bestanden, beibehalten wür- ;ben. Kommerzienrat Michel konstatierte zum Schluß, daß sämtliche Beschlüsse einsttmmig gefaßt worden seien. Zum Vorort wurde Mainz wiedergewählt. Kölschf-Worms .drückte dem Vorsitzenden für seine umsichjttge Leitung den «Tank der Versammelten aus, die sich von ihren Plätzen erhoben.

8. Michelstadt, 16. Sept. Der feit einem halben Jahre nicht mehr gehörte RufFeuer" schreckte heute Nacht gegen 11 Uhr die Bewohner auf. Die aneinandergebauten Scheunen des Joh. Braun und des Schneiders Hartmann standen in Flammen. Das in den Ställen befindliche Vieh konnte rechtzeittg gerettet werden. Die Feuerwehr beschränkte das Feuer auf feinen Heerd. Es liegt Brandstiftung vor.

k. Mainz, 16. Sept. Während gestern am Oberrhein vorübergehend Stillstand im Wachsen des Wassers ein- getreten war, melden heute die Nachttchten von dort wieder das Gegenteil. Gleichzeitig wird vom Main starkes Steigen gemeldet, so daß die Hochwassergefahr noch nicht als beseitigt zu bettachten ist. Hier ist der Rhein noch fortwährend im Steigen. Seit gestern betrug die Steigung hier annähernd einen halben Meter. ,

fc. Schwabsburg (Rheinhessen), 16. Sept. Hur mußten wegen stark auftretenben Scharlachs die Quartiere für die manövetterenden Truppen abbestellt werden.

(siehe Inseratenteil).

Mainz, 14. Sept. Eine angenehme Ueberraschung brachte der Schluß der Eröffnungsfeier der allgemeinen deutschen' Gartenbau-Ausstellung, eine Komposition des Groß­herzogs, betitelt:(Erinnerung an Jlinskoe"Phantasie. In dem Werk prägt sich 'das individuelle künstlerische Empfinden unseres Landesfürsten in hervorragender Weise aus. Um eine sympathische Melodie, die außerordentlich ge- chickt die Grundzüge des Charakters des russischen Volkes im Tone festhält, ranken sich die persönlichen Erinnerungen des Komponisten aus jenem russischen Badeort in Form von bald heiter-temperamentvollen, bald schwermüttg dahinfluten- den Tongebilden. Das Werk als Ganzes wirkt eindringlich auf den Hörer und prägt sich durch seine in Wahrhett schöne Melodien dem Gedächtnis ein.

Gelnhausen, 15. Sept. Die Stadtverordnetenversammlung wählte einsttmmig Herrn Bürgermeister Schösser aus eine fernere Amtsdauer von 12 Jahren.

Marburg, 15. Sept. Ueber die Haftplicht bet Lehrer bei Unfällen der in ihrer Obhut befindlichen Kinder' entspann sich in der letzten Sitzung der Stadtverordneten eine interessante Debatte. Die Lehrer der Mädchenbürgerschule hatten einen Anttag gestellt, daß die Stadt die Haftpflicht für Unfälle, die bei Sedanspaziergängen re. Vorkommen, über­nehme. Stadtv.-Vorsteher Dörffler nahm hier Bezug auf einen schon wegen dieser Frage gehaltenen Vorttag des Prof? Lehmann. Indem et weiter ausführte, daß die allzu große Furcht unter den Lehrern wegen der Haftpflicht nur von den Versicherungsgesellschaften künstlich genährt würde, gab er zugleich in längerem Referate eingehende Belehrungen über die gesetzlichen Besttmmungen, die gar nicht neu seien. Redner erklärt sich schließlich nicht dafür, daß die Stadt die Haftpflicht übernehme. Der Anttag, daß die Stadtverordneten es ab­lehnen, bezüglich der Haftpflicht der Lehrer Beschluß zu fassen, fand schlioßlich Annahme. Falls wirklich einmal so cm Fall cintreten sollte, 'ist die Stadt bereit, in Verhandlungen ein» zutteten und die Sache eingehend zu untersuchen.

fc. Frankfurt a. M., 16. Sept. Die Explosion an der Großen Friedberger Gasse dürfte für die Besitzer der Droguene Glocke u. Tscharnke noch ein unangenehmes Nachspiel haben. Nach einer Regierungspolizeiverordnung dürfen Explosivstoffe in feuerfesten Privatkellern nur in einer Quantität von höchstens 100 Kgr. gehalten werden. Es ist verboten, in derartige Lagerräume mit Licht hineinzugehen. Auch darf der Verkauf nur in geschlossenen Behältern geschehen. Dieser Verordnung soll in der genannten Droguerie zuwider gehandelt worden sein. Der Lehrling Einschütz soll noch vor seinem Tode an­gegeben haben, daß er und der Ausläufer Ehrmann Stteich- ' Hölzer im Keller angezündet haben. Es dürfte auch zu rügen sein, daß zwei Knaben von 14 Jahren mit einer so gefähr­lichen Arbeit wie das Abfüllen von Benzin betraut wurden. Gestern Abend drangen acht Burschen, darunttr drei Ge­brüder Hofmann, in eine Wirtschaft der Goldsteinsttaße in Niederrad ein, begannen, offenbar auf getroffene Verabredung, alles kurz und klein zu schlagen und griffen den Stellvertreter . des Wirts, Schweitzer, thütlich an. Dieser feuerte aus einem Revolver mehrere scharfe Schüsse ab, wobei eine Kugel den Ludwig Hofmann in den Unterleib traf und schwer verletzte. Derselbe mußte in das städttsche Krankenhaus gebracht werden. Auch der Wirt hat Verletzungen erlitten. Die Erben Miquels überwiesen der städttschen Armenkasse den Betrag von 1000 Mk. zur Verteilung anArme guten Leumunds". Die zur Beteiligung am Begräbnis befohlenen städttschen Unterbeamten erhalten jeder 30 Mk.

Frankfurt a. M., 15. Sept. Der hiesigen Stadtverwaltung ging ein Schreiben von den Kindern des verstorbenen Finanz­ministers v. Miquel zu, in welchem für den Entschluß, dem Heimgegangenen Vater eine Grabstätte zu bereiten, dieselbe bildnerisch zu schmücken und dauernd zu erhalten, wärmster Dank ausgesprochen und die erbetene Zusttmmung zu dem hochherzigen Beschluß etteilt wird.

Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.

Märkte.

Gießen, 17. September. Marktbericht. Auf dem heutigen ' Wochenmarkt kosteten: Butter pr. Pfimd 1,001,10 Mk., Hühner- , eier pr. Stück 7 Pfg., 2 Stück 0000 Pfg., Käse pr. Stück 58 Pfg,. Käsematte 2 Stück 68 Pfg., Erbsen pr. Liter 22 Pfg., Linsen per Liter 34 Pfg., Tauben pr. Paar 0,751,00 Mk., Hühner pr. Stuck 1,001,50 Mk., Hahnen pr. Stück 0,701,20 Mk., Enten pr. Stück 2,002,20 Mk., Ganse pr. Psd., Mk., Ochsenfleisch pr. Pfund : 66-76 Pfg., Kuh- und Rindfleisch pr.^Pfund 60-64 Pfg., Schweine­fleisch pr. Pfund 64-80 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen pr. Pfund 84 Pfg., Kalbfleisch pr. Psd. 60-66 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfund 50-70 Pfg., Kartoffeln pr. 100 Kgr. 5,00-8,00 Mk.^Weipkraut per StückPfg., Zwiebeln pr. Zentner 7,00-8,00 Mk., Milch per Liter 18 Pfg. , ... _

Dauer der Marktzeit von morgens 8 Uhr bis nachmittag- 1 Uhr, während der ersten drei Stunden der Marktzett darf nicht 1 im Umherziehen seilgeboten werden.__