Ausgabe 
18.6.1901 Zweites Blatt
 
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können. Mit «mderen Worten, baß eS in der Politik darauf an­kommt, in jedem Augenblick die Grenzen deS Erreichbaren deutlich zu erkennen, an die Erreichung des zu Nutz und Frommen deS Landes Erreichbaren aber Alles zu setzen. tzM

Keine Partei kann den Fürsten Bisma ck für sich allein mit Be­schlag belegen, aber jede kann und soll trotz der Gegensätze in dieser oder jener Frage vor diesem Toten den Degen senken. Er gehört keiner Koterte, er gehört der ganzen Nation, er ist ein nationales Eigentum. Er ist auf politischem Gebiet und im Reiche der Tbat für uns geworden, was Goethe im Reiche der Geister, auf dem Ge­biete der Kunst und Kultur für uns gewesen war. Auch er hat, wie Schiller von Goethe sagte, die Schlange erdrückt, die unfern Genius umschnürte. Goethe hat und auf dem Gebiete der Bildung geeinigt, Bisma ck unS politisch denken und handeln gelehrt. Und wie Goethe für immer alS Stern an unserm geistigen Himmel steht, so ist BtS- uiarck unS die Gewähr dafür, daß die Nation ihre Gleichberechtigung mit anderen Völkern, ihr Recht auf Einheit, Selbständigkeit und Macht jemals aufgeben kann. Er hat unS das Beispiel gegeben, nie zu verzagen, auch in schwierigen und verworrenen Zetten nicht. Er lehrte uns, uns selbst treu zu bleiben. Er gab unS Selbstbewußtsein, Unter» nehmungsgetst und Leben. In ihm kann sich wie in einem Spiegel die Nation selbst beschauen, denn er war vor allem ein Deutscher im vollsten Sinne des Wortes. Er ist nur auf deutschem Boden denkbar, nur für dm Deutschen ganz verständlich.

Dort vor uns liegt die Stegesallee. Wenn diese stolze Straße von dm Askaniern und von dm Nürnberger Burggrafen bis zum großen Deutschen Kaiser führt, so verdanken wir eS in erster Linie dem Genie des ManneS, besten Bild in Erz sich jetzt vor unseren Blicken mthüllm soll, seiner Ausdauer, seinem heldenhaften Mut, seiner Klugheit, seiner Arbeit für die Dynastie, die aus dem Süden Deutschlands zu uns kam, um von hier aus Nord und Süd für immer zu verbinden. Sein Werk ist so beschaffen, daß ihn über­leben kann. In der Mitte von Europa gelegen, sind wir darauf hin- aewiesen, immer en vedette zu fein, aber stark genug, unsere Unab­hängigkeit nach jeder Seite zu behaupten. Von Gegensätzen durchzogm in politischer, wirtschaftlicher und konfessioneller Beziehung wird es uns nie an inneren Kämpfen fehlen, aber sie werdm nicht mehr im Stande sein, den Reif zu sprengen, der vor 30 Jahrm geschmiedet wurde. Exegit monumentum aere perenniofl.

So möge denn des großen Mannes Name alS Feuersäule vor unserem Volk herziehen in guten und in schweren Tagm. Möge sein Gesst für immer mit uns sein, mit uns und unserer Fahnen Flug. Möge unser Deutsches Volk seiner großen Zukunft in Frieden und Freiheit, in Wohlfahrt und Stärke entgegengehen unter der Führung des glorreichen HohenzollernhaufeS, auf besten Schultern die Zukunft der Nation ruht. Ja solcher Hoffnung und in solcher Gesinnung wollen wir vor diesem Standbild, das ich im Namm des Reichs hiermit übernehme, einstimmen in den Ruf: Seine Majestät der Deutsche Kaiser, die Deutschen Fürsten und unser geliebtes Deutsches Vaterland, sie leben hoch, und nochmals bock, und immerdar hock!

Geheimrat v. Levetzow bat den Kaiser um die Erlaubnis zur Enthüllung: ein Wink Sr. Majestät, die Hülle sinkt, gewaltig steht die Riesengestalt des Altreichskanzlers vor «ller Augen, aus dem hohen Sockel das eine Wort: Bis­marck. Gleichzeitig schießen die Fontainen in den Wasser­bassins empor. Allein schritt der Kaiser zum Denkmal vor, um einen Kranz niederzulegen, Hochrufe erschollen rings, undDeutschland, Deutschland über Alles" ertönte. Ter Kranz, ganz aus Lorbeer, mit goldenen Spitzen, war hergestellt nach den eigenen Angaben des Kaisers, die Inschrift auf den Schleifen lautet:Des großen Kaisers großem Diener!"

Nachdem der Kaiser den Kranz niedergelegt hatte, be­glückwünschte er den Professor Begas und reichte dem Reichskanzler die Hand. Dann trat er auf den Fürsten Herbert Bismarck zu und unterhielt sich längere Zeit mit ihm, wobei er ihm mitteilte, daß er ihm die Uni­form der Garde-Dragoner verliehen habe, auch die Kaiserin trat sodann herzu. Beide Majestäten beehrten hierauf den-Präsidenten des Reichstags Grafen Ballestrem miMängeren Ansprachen, ebcns) den greisen Staatsminister v. Delbrück und Geheimrat v. Levetzow, dem sie ihre Teil- uahme über den schweren Verlust (Frau v. Levetzow ist vor kurzem gestorben) ausdrückten. Es folgte ein Rund­gang um das Denkmal, bei dem Reinhold Begas die Kai­serin geleitete, und der Kaiser mit dem Fürsten Bismarck sich anschloß.

Die Füglichkeiten und Umgebungen folgten. Während die Majestäten nun unter den Pavillon zurückkehrten und hier eine große Reihe von Persönlichkeiten ins Gespräch zogen, darunter auch den Fürsten Hohenlohe-Schillingsfürst, legten zahlreiche Deputationen Kränze, kostbare und ein­fache, von Lorbeer, von Rosen und von Kornblumen, mit Widmungsschleifen, am Fuß des Denkmals nieder, wo sie sich zu einem Berge türmten. Der Kaiser ließ die Ehren- kompagnie vorbeimarschieren, dann bestieg er mit Ihrer Majestät den Wagen, der Reichstagspräsident Gras Balle­strem brachte mit lauter Stimme ein Hoch auf den Kaiser aus.

So schloß die Feier, die in ihrer imposanten Wucht, in ihrer einfachen Würde allen Teilnehmern einen un­auslöschlichen Eindruck hinterlassen wird.

Engländer und Buren.

Nachdem dieJndependance Belge" bereits vor ein paar Tagen gemeldet, daß mit Erlaubnis von Lord Kitchener ein Depeschenwechsel zwischen dem Präsidenten Krüger und der Transvaalregierung stattfinde, bestätigt sie diese Nachricht jetzt informeller Weise und giebt gleichzeitig in großen Zügen jenen Depeschenwechsel wieoer. Die Burenführer in Stanoerton hätten dem Präsidenten Krüger die militärische Lage offen dargelegt und mitgeteilt, daß unter den einflußreichen Mitgliedern der Buren-Re­gierung friedensfreundliche Strömungen und solche für den Krieg bis aufs Messer sich geltend machten. Tie frie­densfreundliche Strömung habe jetzt die O b e r h a n d gewonnen. Sie sei der Ansicht, daß die Möglichkeit, die Engländer zu besiegen, sehr zweifelhaft sei. Sie halte es vielmehr für ihre Pflicht, sich zu bemühen, dem Blutver­gießen Einhalt zu thun und den Friedensschluß unter ehrenvollen Bedingungen zu beschleunigen. Präsident Krüger hatte in dieser Angelegenheit am 10. Juni eine besondere Besprechung mit den in Holland befind- lrchen Führern der Buren und telegraphierte hierauf am 11. Juni an seine Regierung in Standerton. Die Antwort auf dieses Telegramm sei bisher noch nicht eingetroffen. Unter Vorbehalt teilt dieJndependance" ferner mit, in der Umgebung des Präsidenten Krüger gehe das Ge­rücht um, er werde einen Erlaß veröffentlichen, in dem er die Verantwortung für einen etwaigen Abschluß eines Friedens ohne Sicherung der völligen Unab­hängigkeit der südafrikanischen Republiken ablehnt.

Eine Bestätigung dieser Angaben des belgischen Blattes bleibt allerdings abzuwarten, es hat aber doch den Anschein, als seien diese Nachrichten jum mindesten aus der Buren- gesandtfchaft in Brüssel in die Oeffentlichkeit durchgesickert. Jedenfalls dürfte das eine sicher sein, daß Krüger den

zum Schluffe jener Ausführungen des belgischen Blattes zum Ausdruck gebrachten Standpunkt auch heute noch einnimmt. Und man muß sich gestehen, Krüger scheint heute dazu mehr Recht zu haben als je. Die Londoner Blätter berichten auf Grund eines Privatbriefes, daß am 10. Mai ein großes Gefecht in der Umgegend von Warmbad stattgefunden hat. Ein englischer Proviantzug mit 240 Wagen fiel den Buren in die Hände. Infolge dieses erheblichen Verlustes mußten die Engländer Petersburg räumen. Nach einer Meldung aus Molteno heißt es, daß die Buren durch die Einnahme von Jamestown sich wieder gut mit Kleid­ungsstücken und Munition versehen haben. Kruitzinger er­zählte einem Farmer, daß der Einmarsch von Burenkom­mandos erst in seinen Anfängen stehe. Die Buren hätten die Absicht, die Engländer zu zwingen, die Kapkolonie ebenso zu verwüsten, wie die beiden Re­publiken.

Gleichzeitig liegt allerdings auch eine Nachricht von einem bemerkenswerten Erfolge der Engländer vor. Lord Kitchener meldet vom Samstag aus Pretoria: Auf dem Marsche von Wrede hatte Elliots Kolonne in der Nähe von Reitz am 6. Juni ein Gefecyt mit dem Feinde unter Führung D e w e t s. Nach heftigem Kampfe wurden 71 be­ladene Wagen, 10000 Gewehrpatronen und 4000 Stück Vieh erbeutet und 45 Gefangene gemacht. Die Buren ließen 17 Tote und 3 Verwundete zurück. Die englischen Verluste be­trugen 20 Tote, darunter 3 Offiziere und 24 Verwundete. Elliots Kolonne erreichte Kronstad. Dieser Erfolg wäre, wenn er sich bestätigt, freilich recht teuer von den Eng­ländern bezahlt worden, deren Verluste an Mannschaften zweifellos größer gewesen sind als die der Buren.

Frau Botha hatte am Samstag im Haag eine zwei­einhalbstündige Unterredung mit dem Präsidenten Krüger und reiste sodann nach Brüssel zurück. In einem Amster­damer Telegramm wird dieser Besuch als rein privater Natur bezeichnet. Die Dame beschränkte sich darauf, die Grüße ihres Mannes zu überbringen und dessen Ueber- zeugung zu übermitteln, daß, wenn es den im Felde be­findlichen Kommandos nur gelingen werde, bis zum Ende des Winters auszuhalten, die Engländer annehmbare Be­dingungen anbieten würden.

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Telegramm deS Gieherrer Anzeigers.

London, 17. Juni. Lord Kitchener meldet aus Pretoria vom 15. Zuui: In der Nähe von Wilmansrust, 20 Meilen süd­lich von Middelburg in Transvaal, wurden 250 berittene Viktoria-Schützen, welche getrennt von Beatsous Abteilung marschierten, im Lager bei Steenkoolsspruit von einer über- legeuen Streitmacht der Buren am 12. Juni überrascht. Der Feind kroch bis auf kurze Schußweite heran und überschüttete das Lager mit einem mörderischen Feuer. 2 Offiziere und 16 Mann wurden getötet, 4 Offiziere und 38 Mann ver- wundet. 2 Offiziere und 50 Mauu entkamen nach Beatsons Lager, die übrigen wurden gefangen genommen, später aber wieder sreigelaffen. Zwei Maximgeschütze fielen in die !)äude des Feindes.

Deutsches Reich.

Berlin, 15. Juni. Aus Homburg wird gemeldet: Der Kaiser besichtigte am Samstag im hiesigen Schlöffe die raulichen Veränderungen sowie die neuerbaute Säulenhalle in romänischem Stil. Gegen halb elf Uhr fuhr Se. Maje» stät nach der Saalburg und besichtigte dort unter Führung )es Baurats Jakobi die Arbeiten zum Wiederaufbau des Prätoriums. Kurz vor 12 Uhr begab sich der Kaiser von )er Saalburg direkt durch den Taunuswald nach Schloß Friedrichshof. Wie derTaunuSb." meldet, machte der Kaiser auf der Saalburg dem Oberbürgermeister von Hom- mrg, Dr. Tettenborn, die Mitteilung, daß er eingedenk des Todestages weiland Kaiser Friedrichs, zu dessen Ehren der Wiederaufbau der Saalburg geschieht, zehn­tausend Mark aus seiner Privatschatulle ge» k ist et habe. Auch hätten die Städte Frankfurt a. M. und Wiesbaden sich bereit erklärt, Kopien ihrer Römerfunde an >as zukünftige Reichslimesmuseum auszuliefern. Auf Friedrichshof nahmen an der Mittagstafel auch Prinzessin Adolf zu Schaumburg-Lippe und Prinz Friedrich Karl von Heffen teil. Der Kaiser verbrachte den Nachmittag in der Gesellschaft der Kaiserin Friedrich, begleitete die Kaiserin auch auf der Spazierfahrt im Park und trat dann 9>/4 Uhr Abends die Reise nach Berlin an.

GerichtSasseffor Possart, ein Sohn des Münchener Intendanten, ist als Justitiar zur Zensurabteilung des Ber- iner Polizeipräsidiums zur kommissarischen Beschäftigung überwiesen worden. Er dürfte zum Nachfolger Dumraths als Zensor in Aussicht genommen sein.

Die Vorschläge, welche für die am Montag im Reichs­amt des Innern zusammentretende Rechtschreibungs- Konferenz vorbereitet find, haben eine besondere Trag weite. Es werde sich voraussichtlich nur um geringe Aende rungen der sogenannten Puttkamer'schen Orthographie handeln. Man hoffe, durch einige Vereinfachungen derselben den Zwie- palt überwinden zu können, der noch immer in der Recht- chreibung einerseits der Schule, andererseits eines großen Teils der Litteratur, der Preffe, der Behörden u. s. w. besteht. Man ist auch darüber im Klaren, daß u. o. das gewichtige Interesse des Buchhandels Zurückhaltung bei abermaligen Aenderungsversuchen erfordert. Dor einiger Zeit war die Rede davon, daß auch deutsche Sprachgebiete außerhalb des Reiches, wie Oesterreich und die Schweiz, an der Konferenz teilnehmen würden. Aus der Schweiz ist kein derartiger Wunsch amtlich bekundet worden, dagegen hat das öster­reichische Kultusministerium einen solchen ausgesprochen und hier bereitwilliges Entgegenkommen gefunden. Das öster­reichische Kultusministerinm wird daher in der am Montag beginnenden Konferenz vertreten sein.

Dresden, 15. Juni. Ministerpräsident Justizminister Dr. Schurig ist heute hier gestorben. (Heinrich Rudolf Schurig war 1835 in Radeburg als Sohn eines Musik­direktors geboren, studierte die Rechte und trat dann in den Staatsjustizdienst; er wurde 1884 LandgerichtSpräfideut in Leipzig. 1888 Abteilungsdirektor im Justizministerium und 1890 nach AbekenS Tod Justizminister, dann auch Vorsitzender des Gesamtministeriums. Red.)

Ausland.

Marseille, 15. Juni. Die marokkanische Gesandt­schaft ist hier eingetroffen. Auf die Begrüßungsansprache des Präfekten erwiderte der Führer der Gesandtschaft, die- freundschaftlichen Beziehungen zwischen der französischen und der marokkanischen Regierung seien schon alt und er hoffe, daß die Reise der Gesandtschaft nach Frankreich dazu beitragen werde, dieselben noch enger zu gestalten.

Madrid, 15. Juni. DerLiberal" erfährt auS Tanger, der Sultan habe die Herrschaft Frankreichs, über dieTuat-Oase anerkannt.

Rom, 15. Juni. Die Taufe der Prinzessin Jo­landa Margherita fand heute im Qurrinal statt. Außer dem Hönig wohnten der feierlichen Handlung die Königin-Mutter Margherita, Königin Maria Pia von Por­tugal, Fürst und Fürstin von Montenegro, der Herzog von Oportv, Prinz Mirko, sämtliche Mitglieder der königliche» Familie, die Minister und der Hofstaat bei. Vorher hatten sich mehrere tausend Schulkinder zum Quirinal begeben und streuten vor dem Eingang Blumen.

Prag, 15. Juni. Am Nachmittag begab sich der Kaiser nach der neuen Jnfanterie-Kadettenschule und besichtigte sodann den Neubau des kunstgewerblichen Museums in der Altstadt. Der Handelskammcrpräsident Wohonka richtete an den Kaiser eine längere Ansprache in beiden Landessprachen. Ter Kaiser erwiderte tschechisch mit dem Ausdruck der Freude, die kostbaren Museums-Sammlungen in einem be­sonderen würdigen Bau untergebracht zu wissen, und mit dem Wunsche, die auserlesenen Sammlungen möchten zum Aufschwung des Kunstgewerbes beträchtlich beitragen. Der Kaiser fügte dann in deutscher Sprache die Versicherung hinzu, daß es seine und der Regierung stete Sorge sei, die mannigfachen Bedingungen zu erhalten und zu schaffen, deren Arbeit und Gewerbefleiß zu erfolgreicher Thätig- keit bedürfen.

Es folgte ein Besuch des botanischen Instituts der deutschen und der tschechischen Universität. Heute abend brack)ten Sängervereine beider Nationalitäten dem Kaiser vor der Hofburg eine Serenade. Ter Kaiser hörte dieselbe mit dem Ministerpräsidenten v. Körber und den Ministern v. Härtel und Rezek und mehreren Würdenträgern auf dem Balkon an, und sprach seinen Tank und seine Aner­kennung für diefe Huldigung aus. Sodann begab er sich zur Soiree bei dem Oberstlandmarschalt Fürsten Lobkowitz.

Belgrad, 16. Juni. Aus Protupe wird amtlich ge­meldet: Am 13. d. M. überfielen nachts Nizams und Arnauten ein auf serbischen Gebiete liegendes Haus des Serben Simenowitsch aus Schuarva, erschossen ihn und raubten sein Vieh. Nach Berichten an die Regierungen soll in Novi-Bazar ein Aufruhr gegen die Behörden herrschen und auch die serbische Bevölkerung von den Aufständischen ernstlich bedroht sein.

Petersburg, 16. Juni. Während die Gesuche ver­schiedener Landschaften, ihre Vertreter an den Beratungen der Regierung über den neuen russisch-deutschen Handelsvertrag teilnehmen zu lassen, alle abschlägig beschieden worden sind, werden die Vertreter landwirtfchaft- licher Vereine zu diesen Beratungen hinzugezogen werden, da sowohl der Finanzminister wie der Minister des Innern es wünschen.

Rio de Janeiro, 16. Juni. Der deutsche Kai­er richtete nach dem Besuche des brasilianischen Kriegs­chiffesMarschall Floriano" an den Präsidenten Campos Salles ein Telegramm, worin es heißt:

Es freut mich herzlich, daß Ew. Exzellenz die Güte hatten, den KreuzerMarschall Floriano" nach Kiel zu entsenden und mir damit Gelegenheit gaben, dieses mo­derne Schiff gestern zu besuchen. Ich bin nicht nur ent­zückt von den vortrefflichen Einrichtungen des Kreuzes, sondern bewundere auch den mustergiltigen Zustand, in dem mir der Kapitän Bacellar das Schiff und die Be­satzung vorführte. Als Zeichen der guten Beziehungen, die unsere beiden Länder verbinden, und die noch festen zu gestalten mein Wunsch ist, verlieh ich dem Komman­danten und seinen drei ersten Offizieren als Erinnerung, an den Besuch in Kiel Ordensauszeichnungen.

Präsident Campos Salles antwortete:

Ich danke Ew. Majestät lebhaft für die herzliche Weise, mit der Ew. Majestät die Güte hatten, die Flotten- mission aufzunehmen, die nach dem Hafen von Kiel zu entsenden ich mich für verpflichtet hielt, als Er­widerung für den bei meinem Antritt der Präsident­schaft in Rio de Janeiro abgestatteten Besuch Ich bin stolz über die hohe Meinung, die Ew. Majestät auszu­drücken geruhten über das, was Ew. Majestät an Bord des Panzers gesehen. Ich anerkenne in hohem Maße die ausgezeichnete Ehre, die dem Kapitän und den Offi­zieren zuteil geworden. Tie Gesinnung Ew. Majestät wird von dem brasilianischen Volke als Beweis angesehen für die Freundschaftsbande, die es mit dem deutschen Volke verbinden, von denen ich wünsche, daß sie sich noch enger gestalten mögen.

Peking, 15. Juni. Die Leiche des deutschen Gesandten Frhr. v. Kettel er wurde heute früh nach einer religiösen Feier und unter Erweisung militärischer Ehren an Bord eines Tigmpfers gebracht, auf dem sie nach Deutschland übergeführt wird.

Tokio, 14. Juni. Gestern abend hat Waldersee dem Feste des deutschen Klubs beigewohnt. Heute wurde er vom Kaiser in Abschiedsaudienz empfangen. Ter Kaiser und die Kaiserin waren ungemein gnädig. Bereits gestern sandte der Kaiser dem Feldmarschall zwei prächtige Japan­vasen und einen prächtigen Wandschirm, welcher in Stickerei den heiligen Berg Fudjiyama mit seiner Umgebung darstellt. Sämtliche Herren des Gefolges wurden heute mit hohen japanischen Orden, verschiedenen Klassen des Sonnenordens sowie des Ordens vom heiligen Schatz dekoriert. Morgen findet ein großes Fest der Deutschen in Yokohama statt. Am Abend giebt der Feldmarschall im Shiba-Palast zu Tokio den Spitzen der japanischen Behörden ein Festmahl. Am 17. d. Mts. erfolgt die Abreise nach Nikko, am 18. von dort nach Kobe auf derBertha". Am 22. Juni erfolgt die Einschiffung auf derGera" von Nagasaki zur Heimfahrt.

Aus Stadt und Sand.

(Der Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original-Nachrichten ist Httr unter genauer Quellenangabe:Gieß, tfah* gestattet.)

* Personal-Nachrichten. Ter Großherzog hat dem Steindrucker Johann Henrich zu Mainz, im Dienste der Ktmstdruckan statt von Josef Scholz dort, das Allgemeine Ehrenzeichen mit der InschriftFür treue Arbeit" verliehen.