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RestaurationSbaueS statt, fei und Teller sind wieder de Versammlung, die sich Tische scharrt, fallt das erscheint der Großherzog.
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der wohlwollenden Herren au» Stadt und Land, die die zarte Knospe unter ihre goldene Obhut genommen, der lieben Bürger, die Sonntags an seine Stätte gekommen sind, sich fein*8 Wachstums zu fremn, der Behörden, die mit warmer Fürsorge rauhe Winde und verderbliche Stürme von unserem Schützling ferngehallen, vornehmlich aber deS edlen Schirm Herrn, auf dessen Boden der stolze Baum seine Wurzeln kräftig schlagen L der m Liebe seine starke Hand schützend über unseren Pflegling hält. Fhm gilt schließlich unser tiefgefühlter, tausendfältiger Dank, den wir ausklrngen lassen wollen in dem Ruf: Heil und Ehre unserem Großherzog. Er lebe hoch!"
Weitere Reden wurden nicht gehalten. Nach dem Mahle setzte sich der Großherzog unten im Garten zwanglos unter btc Künstler und lachte und plauderte mit ihnen, bis in der Theaterhalle die Spiele begannen.
Als einzige Verzierung des Speisesaals dient das von Christiansen entworfene, für ca. 35000 3J?f. an die Sekifirma Henckel in Mainz gelieferte, Kunstglasfenster; es wurde der KÜnstlerkolonie von dem jetzigen Besitzer während der Dauer der Ausstellung zur Verfügung gestellt, dafür hat sich aber Herr Henckel die Sektlieserungen ausbehalten und an der Tafel wurde fast nur Henckel getrunken.
Die Beleuchtung wurde durch drei mächtige, durch Doppelkreise gebildete, sehr ' einfach gehaltene LüstreS, von denen die unzähligen Beleuchtungskörper herunterhängend den Saal mit Licht überfluteten, gespendet.
Sehr peinlich berührt es, daß man von Seiten des Sekretariats übersehen hatte, den Präsidenten des Finanz- Ministeriums Gnauth zu den Eröffnungsfeierlichkeiten ein- I zuladen; als man den Fehler wieder gut machen wollte, war es zu spät, und so fehlte er auch um 6 Uhr an dem Festmahl, an dem alle seine Kollegen teilnahmen. Ebenso siel es auf, daß der preußische Gesandte Prinz Hohenlohe- Oehringen, der Vormittags anwesend war, bei dem Fest- mal)l, wo sein Platz ganz in der Nähe des Großherzogs vorgesehen war, anscheinend ohne Entschuldigung fehlte, sein Platz blieb leer. Sämtliche Kellner trugen kleidsame Kostüme und mußten ohne Schnurbart servieren. Der Großherzog wurde durch seinen Lribjäger bedient.
Emen jungen Pariser Künstler, de Scevola mit Namen, zeichnete der Großherzog besonders aus. Sce- vola hat schon mit 19 Jahren die große goldene Medaille erhalten. Der Fürst kaufte im vorigen Jahre auf der Pariser Weltausstellung zwei seiner hübschen Aquarelle, ihn zugleich ersuchend auf der Darmstädter Kolonie auszustellen. S. hat auch fünf Aquarelle geschickt, auch leistete er der Einladung des Großherzogs, der Eröffnungsfeier selbst beizuwohnen, Folge.
Die Spiele
im neuen intimen Theater, einem äußerlich wenig ansprechenden Jnterimsbau, wurden nach Beendigung der Tafel,-etwa um halb neun Uhr, also mit halbstündiger unerquicklicher Verzögerung, in Gegenwart des Großherzoglichen Paares und der Hofgesellschaft eröffnet In diesem dunkelviolet gehaltenen Raume soll die vollkommenste, dem jeweils zum Vortrag zu bringenden Kunstwerke entsprechende Stimmung erzielt werden. Form, Farbe, Stimme und Sinn sollen zu rastlosem Einklänge verbunden werden. Vor der Hand darf bezweifelt werden, ob dieser vollendete Schönheits-Einklang erreicht werben wird. "Ter Zuschauer, so ist es beabsichtigt, soll durch Nebensächlichkeiten nicht zerstreut werden. Tarurn wird das dekorative Beiwerk fast, gänzlich vermieden, der Zuschauer soll nur die notwendigsten Formen sehen, zwischen denen die Szene spielt. Tas ist vortrefflich gedacht, aber wenn auch, wirklich auf der Bühne nichts sich findet, was die Aufmerksamkeit des Hörers ablenken könnte, um so mehr mehr siindet sich's im Zuschauerraum. Auf horizontalem, statt abgeschrägtem | Fußboden stehen die Stühle in dichten Reihen. Man ist gezwungen, die Glatze des Vordermanns, die unaufhörlichen . Bewegungen der unmittelbar davorsitzenden Dame rc. zu beobachten, und wird unausgesetzt in seinem künstlerischen Genüsse gestört. Wollte man dem Publikum alle i Möglichkeit nehmen, durch fremde Dinge zerstreut zu werden,
so hätte man den ganzen Raum während jeder, also auch ' jeder musikalischen Aufführung, wie es ja in jedem Theater sonst geschieht, zu verdunkeln, oder man hätte ihn amphi- theatralisch zu gestalten gehabt. Auch scheint es zweifelhaft, ob die Akustik gerade besonders vorteilhaft ist. Und wer die kleinen Bühnenbilder, auf die ja freilich wenig Wert gelegt wird, da es den Leitern der Spiele vornehmlich darauf ankommt Herz und Gemüt, nicht das Auge zu fesseln, sehen will, der muß. sich in die Mitte des Hauses setzen, denn von den Seitenplätzen aus erblickt er nur
ji- einen schmalen Bühnen streif.
Ein paar kleine TichtunAn von Wilhelm H o l z a m e r kamen zur Ausführung. Ter Abend begann mit Holzamers „Weihes v i c l". Aus dun keim Vorhang heraus trat eine weibliche Gestalt in phantastischem Moftüm aus Weiß und Gold, Frl. Mardon, herzogl. anhalt. Hosschauspielerin. Während von ihren Lippen eine Flut wohlklingender Verse fließt, die unseren „eisigen, lebensfremden Tagen" neue Schönheit verkündet, neuen, schon herandämmernden Sonnenschein, schreitet sie ein paar Stufen herab und tritt an eine Säule, davor ein Lorbeer steht. Sie schneidet Zweige vom Baume und kränzt die Säule, um zum Leben den ersten Mockenschlag eines neuen Tages zu machen, an dem die K.unst nidjt nur zum „schönen Scheine" dient, sondern mit dem Leben sich verbindet.
Ter Eindruck dieser fein zerfließenden Tichtung wurde leider erheblich gestört durch den größeren Teil des Publikums, der vielleicht so etwas wie ein höheres Tingeltangel erwartet haben mochte und in jokoser Stimmung sich befand, rund heraus den ganzen, wirklich weihevollen Bor gang für eitel Blödsinn kurzer Hand erklärte und es für angemessen fand, schon vor Beendigung der Tichtung in nicht mißzuverstehender Weise durch Ausrufe fadester Ironie seiner Ungeduld Ausdruck zu geben.
Ein musikalisches Zwischenspiel, eine Prometheus-Musik von Hugo Wolf, dirigiert von Tr. Faißch aus Stutt gart, ging bei zunehmender Unruhe des Publikums eben falls durchaus wirkungslos vorüber. Tagegen fand die folgende Dichtung Holzamers, „Tie Stille", die einge leitet wurde von einer sehr stimmungsvollen schönen Musil, von Schuster, doch schon etwas mehr Aufmerksamkeit. Es ist ein Zwiegespräch zwischen Mann und Frau (Frl. Mardon und Herr G o d e ck). Sie sitzen an den Schmalseiten der Tische einander gegenüber. Es ist Abend. Durch das breite Fenster'im Hintergründe flutet goldiger Mondschein ins Gemach. Es ist Lyrik, vollkommenste Situations- lyrit in ungebundener Rede. Tie Herzen beider versenken sich ganz in die feierliche ÄbendMle. Ta dämmern ihre zartesten Gefühle auf, da kosten sie ihre innerste Sehnsucht aus, da prägen sie ihre weichsten Empfindungen zu duftigen Worten von seltsamer Schönheit. Tie ganze Szene hat etwas Ergreifendes in ihrer schlichten Grazie, ihre Wirkung wird aber doch ein wenig beeinträchtigt durch ihre unverhältnismäßige Länge. Sie bringt zu viel an Wiederholungen, es ist ein durch die Prosaform über Gebühr ausgerecktes Gedicht, das ein großer Lyriker in drei bis vier kurze Strophen angemessener und wirkungsvoller gekleidet hätte.
Tie ganz kurze Szene „In der Thür" ist wohl die lieblichste von den dreien. Ein Mädchen, das an der Grenze des Backsischalters steht, ist im Begriff, ins Leben hinauszutreten. Es schwankt und bangt vor dem Ungewissen, das das Leben fern vorn heimatlichen Herde ihm bieten wird. Mer die Thür hinter ihr schließt sich von selber; es ist ausgewiesen und nimmt nun ihren ganzen Mut zusammen, um tapfer fürbaß zu schireiten. Tie großh. badische Hofschauspielerin Frl. B u rger sprach diese leichten tlingende^ Verse Holzamers anmutig belebt und mit feinem
Es standen noch zwei weitere Dichtungen auf dem Programm. Toch der vorgerückte Abend gebot leider die Rückkehr nach, Gießen.
Ich denke, das ganze Stück, dieses „Dokument deutscher Kunst" wird einen guten Erfolg Haber»., einen unerwartet guten. Rahmen und Bild sind in gleicher Weise gehaltvoll und bedeutend. Allenthalben fühlt man sicht angeweht von modernem Geiste. Es ist ein Schaustück gan% erlesener Art für jedermann und braucht nur ein bischen Glück, eine Hand voll Schicksalsgunst aus dem Wunschhütlein des Fortu- natus, weiter nichts. Ich will ihr für die ersten Tage den Daumen halten.
• *
Unser f-Korrespondent schreibt uns noch aus Darmstadt vom 15. März:
Tie Spannung, die während der letzten Wochen und Monate über Darmstadt lag, hat sich heute gelöst, die Aus- lellung der Künstlerkolonie ist eröffnet, dem allgemeinen Urteil freigegeben. Und das erste Urteil heut war ganz allgemein (? T. Red.) ein beifälliges. Man stand ganz un- mitte'fbar unter dem Eindruck der gewaltigen Arbeitsleistung, die in der Zeit eines einzigen Jahres bewältigt worden ist. Dem Publikum war allmählich' die Phantasie durchgegangen, man ahnte hinter dem Ausstellungszaun nichts wie einen einzigen großen wirbelnden Schnörkel — und diese Ahnung hat sich als trügerisch erwiesen, ebenso trügerisch wie die andere Ahnung, die sich mit einem Ordens- und Titelre^en beschäftigte. Nichts von alledem traf ein. Tie Eröffnungsfeierlichkeit verlief ganz schlicht und einfach.
Ein wohlkhucndes Gefühl rief die Wahrnehmung hervor, daß die Ausstellung ganz fertig ('? T. Red.) war, und das ist um so anerkennenswerter, als die ganze Anlage von einer Vielseitigkeit ist, wie selten eine andere Ausstellung, und obendrein bekanntlich ni|ri)t aus Leinwand unb Pappe hergestellt ist, sondern feste, für alle Zeiten bestimmte Objekte darbietet. Tie äußeren Umstände, die den Eröffnungstag begleiteten, waren die denkbar günstigsten ; ein herrlicher warmer Maitag mit strahlendem Sonnenschein, hie und da ein leiser Luftzug, der den Tust von abertausenden von blauen Frühlingsblumen aus großen Beeten durch die Landsck)aft trug, gab dem Ganzen einen Zauber von Lieblichkeit, der die Erinnerung auf lange hinaus zu beschäftigen vermag.
Aus Einzelheiten kommen wir in der Folge noch zurück, für heute sei nur nochmals gesagt und betont, daß baS gesamte Bild, das sich dem Besucher der Ausstellung an diesem ersten Tage bot, bis ins kleinste erfreulich war, und daß, ivas man da auf der Mathildenhohe gefunden hat, manchen von übereilig gehegten Vorurteilen heilen wird.
Nach dem Theater sand noch ein Souper für 10 Personen statt, dem der Großherzog beiwohnte.
Tie Tagespreise sind jetzt wie folgt festgesetzt: Gewöhnlich 1 Mk. pro Person, von abends 6 Uhr ab 50 Psg. An zwei noch zu beftimnienben Wochentagen van form. 10 bis mittags 2 Uhr 2 Mk. pro Person.
Hessischer Kandtag.
Zweite Kammer der Stände.
nn. Darmstadt, 15. Mai 1901.
Am Ministertisch Justizminifter Dittmar und Ministerialrat Pückel. Zur Tagesordnung steht der Antrag der Abgg. HaaS-Mainz und Dr. David, die Errichtung eines neuen Justizgebäudes in Mainz betr.
Abg. Haas schildert die Mißstände bei dem jetzigen Gebäude.
Justizminister Dittmar versichert, daß die Großh. Regierung alles thun werde, um eine Aenderung in dem jetzigen Zustand herbeizuführen. Der Zeitpunkt der Realisierung der Wünsche von Mainz sei nicht so entfernt. ES handelt sich aber nicht nur um Verhandlungen mit der Justizverwaltung und der Stadt Mainz, sondern auch um andere Interessenten. Er hoffe aber, daß die Angelegenheit zur Zufriedenheit aller gelöst werde. Der Antrag wird hierauf für erledigt erklärt.
Dem Anträge des Abg. Seelinger auf Errichtung eines Amtsgerichts in Lampertheim stimmt die Kammer zu, und erklärt die Vorstellung der Gemeindevertretung von Lorsch, Errichtung eines Amtsgerichts in Lorsch, für erledigt. Auch die Vorstellung der Gemeinde Heppenheim a. d. Bergstr. um Errichtung eines Amtsgerichts wird für erledigt erklärt. Die Gemeinde Dieburg hat sich ebenfalls mit einer Vorstellung um Errichtung eines Amtsgerichts an das Haus gewandt. Der Ausschuß beantragt, diesen Wunsch für erledigt zu erklären. Abg. Ulrich tritt für die Wünsche der Gemeinde Dieburg in warmer Weise ein. Der Ausschußantrag wird einstimmig angenommen.
Die Vorstellung der Witwe Jak. Kettwig zu Langen um Gewährung einer Gnadenpension und di» Regierungs Vorlage, die pensionsfähige Dienstzeit des Rentamtmanns Roßmann zu Friedberg wird für erledigt erklärt. Der Gesetzentwurf, die Disziplinarverhältnisse der nicht- richterlichen Beamten, insbesondere die Unter erheben staatlicher Gefälle und die Ortseinnehmer betr., wird ohne Debatte angenommen, ebenso die Regierungsvorlage, bitr. Erweiterung und Neueinrichtung des Betriebes der Grube Ludwigshoffnung, wofür 930000 Mk. ver« willigt werden. Damit ist die Tagesordnung erschöpft und die Kammer vertagt sich bis zum 21. Mai.
Vermischtes.
• Danzig, 16. Mai. Auf der kaiserlichen Werft entstand kurz nach Mitternacht im VorratSschvppen der Kupferschmiede ein Feuer. ES zerstörte den Schuppen der Dampf- dynamomaschine und einen Teil des Kesselhausdaches der Maschinenbauwerkstatt. Der Materialschaden ist unbedeatend. Ursache des Brandes ist vermutlich Kurzschluß.
* London, 16. Mai. Heute nacht brach im Arbeits- Hause in Stafford, in dem Flügel in dem alte Leute untergebracht waren, Feuer aus. Sieben Jnsaffen sind umgekommen.
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