Arbeiterbewegung.
Genua, 16. April. In einer heute stattgehabten Versammlung der Ausständigen wurde beschlossen, den Ausstand ruhig, aber ertt-
ftblnfffn fortiuffften.
Kunst und Wissenschaft.
Berlin, 16. Lpril. Der 19. Kongreß für innere Medizin ist heute hier zu einer viertägigen Tagung zusammengetreten. Anwesend find 350 Aerzte, zahlreiche Ausländer, besonders Oesterretcher.
ihren Brautstaat gekauft, mit einem anderen eine Anzahlung aus die neue Wohnungseinrichtung gemacht. Auch die Kosten des Hochzeitsmahls mären aus der Beute bestritten morden. Ten Rest von 40 Mark hatte der Bräutigam, der Sohn einer Schankwirtin, erhalten. Tas brachte mich ihm Ungelegenheiten. Kriminalbeamte sanden ihn in der neuen Wohnung in der Weinst!atze bereit, den Gang zur Kirche anzutreten. 9hin mußte er zunächst in Lackschuhen, Frack und Cylinder, die er zum Teil mit den 40 Mart bezahlt hatte, nach der Wache. Jedoch errnies sich die Annahme, daß er die Her tunft des Geldes gekannt habe, als irrig. Der junge Mann konnte daher bald rnieder nach Hause gehen, Lenchen aber mußte, statt vo r den Altar zu treten, in das Untersuchungs gefängnis rnandern. Sie mar bei Frau Molinski, die mit ihrer Mutter verkehrte, aus- und eingegangen und hatte so Kenntnisse von dem Schatze bekommen, den die Frau in ihrem KIeiderspinde sicher geborgen glaubte.
* Eine pikante Geschichte erzählt man sich in Paris im Faubourg Saint-Germain. Ter Marquis v. $., ein großer Kunstliebhaber, besaß in seiner Gemäldesammlung eine herrliche Landschaft von Taubigny, die lange Zeit die Bernunderung und den Neid des Herrn v. Z. erregte. Z. bot einen hohen Preis für das Bild, aber der Marquis mollte von einem Berkaus des Meisterwerkes nichts wissen. Bor einigen Monaten gerieten die beiden Freunde in ihrem Klub in Streit miteinander. Es handelte sich um die „plastischen Eigenschaften" einer graziösen Tänzerin der Großen Sper. „Ich bin meiner Sache ganz sicher", [ciglc der Marquis, „so sicher, daß ich 500 Louis wette, daß ich recht habe." „Nein", erwiderte Herr v. Z., „wenn Sie gewinnen, zahle ich 10 000 Fr., gewinne ich aber, dann bekomme ich den Taubigny." „Abgemacht!" rief der Marquis. Der Marquis verlor, und Herr v. Z. erhielt einige Tage später den Taubigny. Wie erstaunt war er aber, als er dieser Tage gelegentlich eines Besuches bei seinem Freunde die Landschaft von Taubigny an ihrem alten Platze fand! Man braucht seinen Geist nicht sehr anzustrengen, um zu begreifen, wie das zugegangcn mar. Ter Marquis hatte einfach seine Wette mit einer vorzüglichen Kopie seines Taubigny bezahlt. Herr v. Z. mar sehr entrüstet und hatte die Wsicht, die Gerichte anzurufen. Im letzten Augenblicke kam jedoch.'eine Versöhnung zwischen den beiden alten Freunden zu stände, und zwar durch Bermittelung des sehr berühmten Malers, der den echten Taubigny kopiert hatte. Ter Marquis gab schweren Herzens den echten her und tauschte dafür den falschen ein, nachdem von diesem sorgsam die Signatur Daubigny entfernt morden war. Der unglückliche Verlierer soll jetzt gewettet haben, daß er in feinem Leben nicht mehr wetten werde.
Kandel und Verkehr. Volkswirtschaft.
»eichSbiMk. Am 29. April wird Döb-ln etn- oa„ d-r Reichsdrnkbauptstelle ti L-ipzi, abhängig-R^chSbanknebmttell« Kaffeuelnrichiung und leschrünkttm Giroocrk b. HW weiden.
Unzahl Zeugen kn greller Weise beleuchtet. Wenn der Wirt und die Wirtin verschiedener Ansicht waren, dann gab es regelmäßig Disput, der alsdann zu Tätlichkeiten aus artete. Wenn sich alsdann der Wirt in dem Wirtslokal be fand, dann ergriff die hinter dem Buffet stehende Wirtin etwa ein Rippenstück, das für Die Gäste bestimmt war und schleuderte dies ihrem Gemahl an den Kopf, was dieser in derselben Weise zurückbeantwortete, bab< i kollerte allerdings das Rippenstück in dem handhohen Schmutz des Bodens herum, damit nicht genug, ergriff die Ge mahlin alsdann den HärtngStopf und ein Häring nach dem andern flog nach der Richtung, in der sich der Herr Gemahl befand, der aus Liebenswürdig' teil für seine andere Hälfte, die Häringe vom Boden aufraffte und diese wieder zurückwandern ließ. Als weitere Wurfgeschosse dienten alsdann noch Hand käse, Wurst und sonstige Speisen, die für die ge ehrten Gäste auf dem Buffet standen. War dann daS Pulver verschaffen — der Krieg kann doch nicht ewig dauern — und der Friede soweit wieder hergestellt, dann begaben sich Mann und Frau gemeinsam an die Arbeit, um die über und über mit Schmutz bedeckten, auf dem Boden überall umherliegenden Wurfgeschosse wieder aufzuheben, und nun begann daS „Rein machen". Als dann später die Gäste kamen, und diese mit sichtlichem Appetit ihre gesalzenen Rippchen und sauren Häringe verzehrten, da hatten die Gäste keine Ahnung davon, daß das Rippchen im Kohlen kästen und der Häring tm Spucknapf gelegen hatte. Daß der KreisauSschnß sich veranlaßt sah, diesen ehrenwerten Wirtsleuten die Konzession zu entziehen, kann nur Jedermann mit Genugkhuung erfüllen
Mainz, 16. April. Gestern nachmittag ist beim Aus- tecren der Abortsgrube die Leiche ein es Kindes männ- iichen Geschlechts gefunden worden. Die Leiche, die völlig unbekleidet war, muß dem Verwesungsgrade nach schon lange in der Grube gelegen haben. Die unnatürliche Mutter des Kindes ist in der Person einer 29 jährigen Arbeiterin aus Königshofen in Unterfranken verhaftet. Auch der Vater des Kindes, ein 26 jähriger Maurer aus Heldenbergen bei Friedberg, ist in Hast genommen worden.
Aus Rheinhessen, 16. April. Wie bekannt, ist für unsere Provinz die Errichtung einer Irrenanstalt geplant. Bereits bat sich Osthofen in einer ausführlichen Eingabe an Großh. Ministerium darum beworben. Wie nun be- »Wormser Zkg." von kompetenter ärztlicher Seite mitgeteiit wurde. Dürfte Osthofen aus naheliegenden, auch dem Laien ins Auge springenden Gründen nicht der geeignete Ort für eine solche Anstalt sein, sondern es dürfte dafür eher die Gegend um Wöllstein und Neubamberg in Frage kommen. Hier spielt allein daS Interesse der armen Irren den entscheidenden Punkt.
ko. Frankfurt a. M., 16. April. Gestern wurde in einem Keller in der Weserstraße dahier der 21jährige Kaufmann Bure sch aus Mainz tot auf gefunden. Er hatte seinem L-ben durch Erhängen ein Ende bereitet; die Ursache ist »ücht bekannt.
e* Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Bei der Frankfurter Transport-, Unfall« und Glas-Ver sicherungS'Aktien-Gesellschaft in Frankfurt a. M wurden im Monat März 232 Schadenfälle auf Einzelunfall- und 121 Schidensälle auf Haftpflicht-Versicherungen gemeldet.
Universitäts-Nachrichten.
— Ueber die «rweiterm g dse Akademie in Münster zu einer Universität ist von hervorragender Seite der juristischen Praxis in Westfalen ein Urteil des Breslauer Geh.-Justizrals Pros. Dr. Fischer eingeholt worden, das die „D. Juristenztg." veröffentlicht. In dem Gutachten heißt es: Für eine so große und blühende Provinz wie Westfalen ist der Mangel einer eigenen Univerfität eigentlich eine levis notae macula. Westfalen zeichnet sich vor allen Dingen durch einen sehr großen Andranq zu den humanistischen Studien aus. Die Zahl der Gymnasialabtturienten ist größer als in Schlesien. Westfalen hat insbesondere nicht nur sehr lahlreiche, sondern in Folge der eigentümlichen Begabung des westfälischen Stammes in dieser Hinsicht auch viele tüchtige Juristen geliefert. Ich er innere nur an Pape. Die Provinz hat daher gerechten Anspruch aus eine juristische Bildungsstätte in ihrer Mitte und im Anschluß daran auf eine eigene Prüfungskommission, so daß es namentlich auch dem westfälischen Juristen ermöglicht sein würde, seine Studien in Ruhe in seiner Heimat und in der für Studierende sehr geeigneten Stadt Münster ---um Abschluß zu bringen. Lebensfähig würde die neue Fakultät sicherlich sein. Dagegen ist bei dem Wanderttieb, der den Westfalen auszeichnet, nicht anzunehmen, daß sie den westfälischen Juristen ganz an die Schale fesseln und andere Universitäten erheblich beeinträchttgen würde. Namentlich ist di-ses für Bonn, bei der jetzigen Zerstreuung der westfälischen Juristen auf fast alle Universitäten nicht, wenigstens nicht in einem bemerkbaren Maße, zu befürchten. Auch vom allgemeinen, nicht spezifisch westfälischen Standpunkt aus kann eine mäßige Vermehrung der mittleren und kleineren juristischen Fakultäten nur empfohlen werden. Der gegenwärttge Rechtsunterricht, bei dem neben den thoeretischen Vorlesungen auf Uebungen der mannigfachsten Art in allen Rechtsdisziplinen und persönlichen wiffenschafllichen Verkehr zwischen Lehrer und Studierenden entscheidendes Gewicht gelegt wird, kann in letzterer Hinsicht bei kleineren Fakultäten erfolgreicher betrieben werden als bei großen. Ich kann also den Bestrebungen Westfalens und Münsters, die zudem die Staatskaffe nicht nennenswert belasten würden, nur den besten Erfolg wünschen.
— Der Profeffor der romanischen Philologie an der Universität Marburg, Dr. Eduard Koschwitz, hat für das Sommersemester 1901 Urlaub genommen, den er im Ausland zu verbringen gedenkt. DaS an derselben Universität vakante franzöfische Lektorat bleibt bis auf weiteres unbesetzt. — Der Professor der romanischen Philologie an der Univerfität Bonn, Geh.-Rat W. Foerfier, wird im Sommersewester 1901 seine Vorlesungen wieder aufnehmen. Dem Bonner französischen Lektor, Dr. Eugen Gaufinez, bei dem auch der deutsche Kronprinz hören wird, wird die an dieser Universität neu errichtete a -o neusranzösische Profeffur über tragen werden. — Prof. Dr. Karl Zettel in München, der an ver schiedenen Gymnasien gewirkt hat und auch als Lyriker und Literar Historiker hervorgetreten ist, feiert am 22. ds. Mts. seinen 70. Geburtstag. — Aus Berlin wird gemeldet: Der Chefarzt der chirurgischen Abteilung des Augusta Hospitals, Prof. Dr. Fedor Krause, ist zum a.-o. Professor an der medizinischen Fakultät der Berliner Hochschule ernannt -oorden. — Der Privatdozent der Theologie, Dr. A Rahlfs m Göllingen, ist zum a-'-o. Profeffor ernannt worden. — Aus Wien wi-:d berichtet: In Konsequenz einer Mlnisterialverordnung, wonach an den Wiener t. k. Krankenanstalten wirkende Abtcilungbvorstände im Alter von 70 Jahren in den Ruhestand zu treten haben, während solche im Alter von 65 Jahren pensioniert werden können, werden binnen kurzem zwei Primärärzte des Allgemeinen Krankenhauses, Hofrat Prof. Dr. Dräsche, Vorstand der fünften medizinischen Abteilung, und Prof. Dr. I Weinlechner, Vorstand der ersten chirurgischen und gynäkologischen Abteilung, von der Stätte chrer Tätigkeit im Spitalsdienst scheiden und nur noch die Privatpraxi» aus üb en. — Der Privatdozent des internationalen und Völkerrechts an der Universität Bern, S. Michel Kebedgy, wurde zum Profeffor ernannt
— In Bern starb Pros. Adolf Hirsch, Direttor der Sternwarte in Reueuburg. Er war ständiger^ Schriftführer der internationalen Kommission für Maße und Gewichte, und bis vor kurzem Sekretär der internationalen Vereinigung für Erdmefsung.
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Vermischtes.
* Aachen, 16. April. Ter wegen Sittlichkeitsver- drechens verhaftete frühere Polizeidirektor Schneemann, ein sehr vermögender Herr, befreitet jede Schuld, doch mird er belastet durch die Aussagen des noch nicht 14 Jahre alten Mädchens, mit dem er sich vergangen Haben soll.
* München, 16. April. Die bekannte Schloßbrauerei des Freiherrn v. Cramer-Klett in Hohenaschau ist vergangene Nacht vollständig niedergebrannt. Nichts ist gerettet.
* Campi (auf Korsika), 16. April. Hier kam es aus bisher unbekanntem Anlaß zu einer blutigen Rauferei, bei welcher der Bürgermeister und drei andere Per- Konen getötet und einige verwundet murden.
* I m Brautkleide Der hastet wurde vorige Woche in Berlin eine Helene Joskow genannt Reuter aus der Weberstraße Nr. 3/. Die Frau des Kutschers Molinski aus der Alexanderstraße Nr. 11/12, der augenblicklich im tkrankenhause liegt, bewahrte in ihrem Spinde 300 Mark auf, die in einem Holzkästchen lagen. Gestern morgen entdeckte sie, daß das Kästchen erbrochen und seines Inhalts Beraubt war. Der Einbruch mußte während der Zeit aus- tzeführt worden sein, in der sie zwei Tage vorher mit ihrem Sohne ihren Mann im Krankenhause besuch! hatte. Srft jetzt dachte Frau Molinski wieder daran, daß ihr |eit zwei Tagen der Schlüssel des Spindes fehlte. Aus ihre Anzeige bei der Revierpolizei in der Kaiserstraße bellten Kriminalbeamte im Hause, der alten Kaserne, und rn der Nachbarschaft Ermittelungen an. Dem Schlosser- vieister Bürow ckus der Alexanderstraße 9 siel es nun wieder ein, daß am Mittwoch in der Zeit, wo der Einbruch fcattgefunben haben mußte, ein junges Mädchen ihn ersucht gatte, ihr die Wohnung zu öffnen, da die Mutter weggegangen sei und den Schlüssel mitgenommen habe. Dem Besellen, der diesen Auftrag ausfiihrte, gab das Mädchen nur 25 statt 50 Psg., den Rest wollte sie bringen. Bald Darauf ging Bürow zufällig an dem Hause vorüber, als Gerade das angebliche Fräulein Molinski herauskam. Ganz unbefangen trat sie an den Meister heran und gab ihm Das Geld, nachdem sie in einem Blumenladen rasch hatte «echseln lassen. Als Frau Molinski die Beschreibung ihrer angeblichen Tochter hörte, rief sie unwillkürlich: „Das ist mi Lenchen Reuter, die heute Hochzeit hat." Zwei Kriminaloieamte gingen nun nach der Webersttaße Nr. 37, wo Lenchen tnefs nach der standesamtlichen Trauung soeben für die kirchliche Einsegnung der Ehe ihr Brautgewand angelegt Patte. Die Tafel war bereits gedeckt und die ersten Gäste, b«ie schon erschienen waren, thaten sich einstweilen an Mrkenden Gettänken gütlich Die jähe Störung des Festes taar zwar sehr unangenehm, aber die Beamten konnten wicht anders, sie'mußten Lenchen nach der Wachs mitnehmen, *»sn der sie nicht mehr zurückkehrte, da sie alsbald ein Geständnis ablegte. Für einen Teil des Geldes hatte sie
iängnisstrase von drei Wockien wegen des Delikts des Haus- riedensbruchs erkannte, eingelegte Berufung wegen uu* entschuldigten Ausbleibens tostensällig verworfen. — Dem Julius Mogk in Badenhausen legt die Anklageschrift zur Last, am l. Januar 1901 — in der Neujahrsnacht — den Wilhelm Rödling dort mittelst eines geöffneten Messers körperlich mißhandelt und an der Gesundheit beschädigt zu haben. Trotz des Leugnens des Angeklagten, der die Benutzung eines Messers in Abrede stellt, überdies in Notwehr gehandelt haben will, kommt das Gericht zu der Ueberzeugung von feiner Schuld und zwar auf Grund einer umfangreichen Beweisaufnahme. Das Urteil tautet auf eine Gefängnisstrafe von fünf Monaten gegen den Angeklagten unter Aufrechnung der seit dem 18* März 1901 erlittenen Untersuchungshaft. Außerdem werden dem Angeklagten die Mafien des Verfahrens zur Last gelegt und er verurteilt, dem Verletzten, Wilhelm Nöd- ling, eine Geldbuße in Höhe von 69.30 Mk. zu entrichten. -- Die Berufung des Landwirts Mourad Faust in Stockhausen gegen ein Urteil Großh. Amtsgerichts Grünberg vom 6. März 1901 wird kostensällig zurückgewiesen. Ter Angeklagte ist beschuldigt, die Heinrich Biedenkapp Ehefrau in Stockhaufen vorsätzlich mittelst eines gefährlichen Werkzeugs, nämlich eines Wasserjochs, verletzt zu l-abeu. Das Gericht stellt sich auf den Standpunkt des Urteils erster Instanz, das gegen den Angeklagten eine Geldstrafe von 25 Mk., die eventuell mit fünf Tagen Haft zu verbüße.' sind, ausqesvrochen hatte, und beläßt es bei der crlannten Strafe unter Belastung des Angeklagten mit den Mosten der zweiten Instanz. — Ter Kaufmann Albert Wilhelm Berger, der feit längeren Jahren in hiesiger Stadt einen Uhrhandel betrieb, der mit einem zurzeit noch im Gange befindlichen Konkurse endigte, steht vor den Schranken der Strafkammer unter der Anklage, in den Jahren 1900 und 1901 in rechtswidriger Absicht Privaturkunden, die zum Beweise von Rechten und Rechtsverhältnissen erheblich sind, nämlich 1) die Blankoindossemente auf 18 Wechseln, gezogen und an die Gewerbebank in Gießen weiter begebene, durch die Unterschrift des hier wohnhaften Lbermüllers August Raabe und 2) die Accepte auf sieben gezogene und an den hiesigen Bankier Ludwig Racke weiterbegebene Wechsel durch die Niederschrift der Namen der Bezogenen, fälschlich angefertigt und zum Zwecke der Täuschung von ihnen Gebrauch gemacht, diese Urkundenfälschungen auch in der Absicht, sich einen Vermögensvorteil zu verschaffen, verübt zu haben. Durch die strafbaren Manipulationen des Angeklagten wurde die hiesige Gewerbebank um den Betrag von 2902.33 Mk.. der Bankier Racke um einen solchen von 1016.95 Mk. geschädigt. Der Angetlac;te ist in jeder Beziehung und in vollem Umfange geständig, behauptet aber, die Absicht irgend welcher Schädigung feiner Gläubiger nicht gehabt zu haben. Er fei durch widrige Geschästsverhältnisse, an denen er (eine Schuld trage, auf die Bahn des Verbrechens gelenkt worden; er werde, sofern ihm, was er hoffe, die Gelegenheit geboten werde, feine Gläubiger zu befriedigen suchen. Nach sehr umfangreicher' Beweisaufnahme und den erfolgten Ausführungen bet Staatsanwaltschaft und des Verteidigers des Angeklagterr, die insbesondere bei der Beurteilung der Frage, ob einfache oder schwere Urkundenfälschung gemäß § 268 des St.- G.-Bs. vorliege, wesentlich von einander abweichen, zieht sich der Gerichtshof zur Beratung zurück. Das Urteil lautet auf eine Gefängnisstrafe von einem Jahre und acht Monaten wegen schwerer Urkundenfälschung in idealer Konkurrenz mit Betrug. Dem Angeklagten werden die .Kosten des Verfahrens zur Last gelegt; ein Monat der erlittenen Untersuchungshaft wird ihm auf die erkannte Strafe ausgerechnet. Tie Staatsanwaltschaft hatte eine Gesamtgefängnisstrafe von drei Jahren beantragt — Zuletzt wurde über die von der Karl Gottlieb Maurer Ehefrau in Bergheim gegen ein Urteil des Schöffengerichts Ortenberg voni 4. Dezember v. I. eingelegte Berufung verhandelt. Tie Angetlagte war wegen Sachbeschädigung in eine Gefängnisstrafe von acht Tagen durch Erkenntnis dieses Gerichts verurteilt worden; weil als festgestellt angesehen wurde, daß sie eine größere der Katharine Männche in Bergheim gehörige Quantität Aepfelgelee mit Petroleum übergossen habe. Die Straskammer kommt zwar zu derselben Feststellung, reduziert aber die erkannte Strafe auf eine Geldstrafe von 25 Mk.
Frankfurt, 16. Ap-U. D»s Schw urgcrtcht verultellte den F»brtt«rbeiler Rudolf Gust aus Schneidemühl, der bereit« in Bayern ojegen Falschmünzerei verurtellt worden war und gleich nach Ver- öütmng seiner Strafe wieder falsche Zweimarkstücke ansertigte, zu sechs Jahren Zuchthaus, dm von ihm verführtm Koch Karl Hügel zu zwei Jahren Gefängnis.
Frankfurt <u M., 16. April. Vor dem hiesigm Oberlandeßgericht sand dieser Tage ein seit dem Juni 1896 schwebender Prozeß seinen Abschluß. Es handelt sich um die Klage deö Grafen Hacher- burg gegen den Oberhosmarschall Frhrn. v. Mirbach in Berlin, Minister Hmting in Gotha und Gmeralmajor v. Hotntngen, genannt o. Hume, in Stuttgart. Die drei Beklagten wurden verurteilt: 1. di- von dem Pächter des Gutes Bieltcza gestellte Pachtkautton urb zwar die angeschafften Wertpapiere im Mtnimalwerte von 18074 Mk. an dm Kläger herauszugeben oder diese Summe bar an dm Kläger >u zahlen; 2. an den Kläger zu zahlm 10223 Mk. nebst 5 Prozent Zinsen feit dem 19. Juni 1896; 3. wird der K-äger mit dem Betrag ■jon 4824 Mk. abgewiesen. Die Beklagten, insbesondere Frhr. v. Mirbach, sind, wie der „Gm -Anz." schreibt, die Verwalter deS Vermögens der Familie des Fürsten zu Sayn-Wtttgmstein-Sayn und weigert, n sich, dem alten Fürsten (Grafen Hachenburg) seine Revenuen fernerhin iu bezahlm. Da der Prozeß sehr lange dauerte, so geriet die gräfliche Familie in nicht geringe Vcrlegenhctten. Seine Söhne, Prinz Stanislaus und Friedrich zu Sayn Wittgenstein-Sayn, welche nun schon fett mehreren Jahren großjöhrig sind, führen auch einen Prozeß gegen Frh^n. v. Mirbach, al« den Vermögmsoerwaltrr der Prinzen, urh zwar auf Herausgabe Ihre? Erbes.
Berlin, 16. April. Der im Oktober v. I. vom Schwurgericht zu Könitz wegen wiffentlichen Meineids zu einem Jahre Zuchthaus vec urteilte Kaufmann Jacob Jakoby aus Tuche! ist von dem Kaiser zu sechs Monaten Gefängnis begnadigt worden.
Hamburg, 16. April. Das Altonaer Landgericht verurteilte denPolizetwachtmeister Hubert, der sich kürzlich zu vergiften versuüt hatte, wegen Amtsunterschlagung zu 6 Monatm Gefängni». Der Staatsanwalt hatte 9 Monate Gefängnis beantragt. Sbtx Bk - letieate leugnete bortnätf o
Grrichtssaal.
T. Gießen, 16. April. (Strafkammer.) In der Strafsache gegen den Grubenholzarbeiter August Dirking in Lette, geboren am 8. Juni 1873, wird die von dem Angeklagten gegen ein Urteil des Großh. Schöfsfengerichts Homberg vom 5. März 1901, das gegen ihn auf eine Ge-


