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Zwei Jahrhunderte sind am 18. Januar vergangen, seit der Herrscher in Preußen die Königs- ftone, dreißig Jahre, seit er die Kaiserkrone trägt. In Preußen, und zumal in Berlin, begeht man dielen Gedenktag mit mannigfachen Feierlichkeiten. Auch unser Landesfürst, der Großherzog Ernst Ludwig, ist aus diesem Anlaß aus Rußland zurückgekehrt und in Berlin bereits eingetroffen.
Wie haben sich im Laufe dieser 200 Jahre die Zeiten geändert! Aus dem kleinen Brandenburg-Preußen ist ein maßgebender europäischer Staat geworden. Das so lange zerrissene deutsche Vaterland hat sich unter Preußens Führung zur Einigung durchgekämpft und nimmt eine vorleuchtende Stellung im Rate der Völker ein. s r
Was den Nachfolger des großen Kurfürsten veranlaßte, sich in der Schloßkirche in Königsberg die Krone aufs Haupt zu setzen, war freilich nicht sowohl politischer Weitblick, nicht die Ahnung künftiger Größe, als vielmehr das Wohlgefallen an dem stolzer klingenden Titel. Die kaiserliche Zustimmung zur Annahme des Königstitels hatte Preußen durch die Stellung eines Hilfskorps erkaufen müssen, das bis zum Frieden von Utrecht (1713) für österreichische Interessen in Belgien, Italien und Süddeutschland kämpfte. Der prunkliebende erste König hinterließ somit seinem Sohne ein durch lange Kriege geschwächtes, und durch die hohen Kosten der glänzenden Hofhaltung nahezu ruiniertes Land. Es bedurfte der fast übertriebenen Sparsamkeit und ernsten Reformarbeit Friedrich Wilhelms L, die wankenden Grundmauern des Staates zu festiget! und ihm namentlich in der Errichtung eines kleinen, aber wohlgeübten Heeres eine Stütze zu schaffen, die es Friedrich dem Großen ermöglichte, sich seiner Feinde zu erwehren, und zu der ererbten Königskrone sich auch ein Königreich zu gewinnen, dessen innerem Ausbau er dann die zweite friedliche Periode seiner langen Negierung widmete. Den trüben Zeiten des Niederganges um die Wende des Jahrhunderts folgte die Erhebung des deutschen Volkes zu seiner Befreiung aus den Banden, in die es geschlagen war. Freilich blieben ihm die Früchte noch lange vorenthalten. Erst mehr als ein halbes Jahrhundert später wurde aus den Schlachtfeldern Frankreichs die deutsche Einheit mit Blut gekittet. An die Stelle des Kaisertums der Eroberung und der Gewalt trat ablösend das neue Kaisertum des Friedens und der Versöhnung.
Seit der Gründung des Deutschen Reichs verschmilzt die preußische Geschichte immer mehr mit der deutschen. Tie allgemeinen Reichsangelegenheiten treten naturgemäß in den Vordergrund, so die Fürsorge für die Armee, die Beschaffung einer angemessenen Flotte, die Verhöhnung der durch scheinbare Verschiedenheit ihrer Interessen getrennten Stände im Vaterlande und die Abhilfe thatsächlich vorhandener Nöte durch kräftige soziale Fürsorge für die wirtschaftlich Schwachen und Notleidenden. Selbst ein eingefleischter Feind der Monarchie wird, wenn er sich noch eine Spur von Urteilsfähigkeit bewahrt, nicht bestreiten können, daß sich das Haus Hohenzollern, wie um die Festigung und Entwickelung des preußischen Staats, auch um die Einigkeit und Größe des Deutschen Reichs in Hohem Maße verdient gemacht hat. Taruni feiert das preußische Volk, darum feiert die Armee im ganzen deutschen Reiche den Jahrestag der preußischen Königskrönung, und das gesamte deutsche Volk erinnert sich des großen historischen Tages von Versailles, den preußische Führung uns gebracht hat. Vor 30 Jahren wurde in schlichtester Form einem neuen nationalen, auf erweiterte Macht begründeten Staatswesen eine äußerlich erkennbare Spitze gegeben. König Wilhelm, den cuhmgekrönten Kriegsherrn und Mehrer Preußens und Deutschlands, hatten Gründe, die er aus den preußischen Ueberlieferungen herleitete, lange der Annahme der höheren Würde widerstreben lassen. Doch er überwand zum Heile der deutschen Nation seine schwerwiegenden Bedenken, und seitdem haben Preußen und Deutschland gute und schlimme Tage erlebt, sich aufgerasst und Großes erreicht. Deutschland hat keine anderen Eroberungen mehr zu machen als friedliche. Es strebt nicht nach Ausdehnung und hat kein anderes Interesse, als in der Sicherung und Erhaltung des Friedens die Grundlage zu schaffen für das gleichmäßige Gedeihen von Handel und Industrie, der gewerblichen wie der landwirtschaftlichen Produktion. Immer mehr wird Deutschland — das sei unser Wunsch und unsere Hoffnung zu dieser Gedenkseier — ein Reich des Friedens werden, des Friedens nicht nur nach außen, sondern auch im Innern.
* *
An der Feier des 200 jährigen Gedenktages der Erhebung Preußens zum Königreich in Berlin werden teilnehmen:
I. Fürstlichkeiten. Rußland: Großsürst Wladimir. Oe st erreich: Erzherzog Franz Ferdinand. Italien: Erzherzog von Aosta. Dänemark: Prinz Christian. England: Der Herzog von Connaught. Portugal: Der Herzog von Oporto. Rumänien: Prinz Ferdinand. Sachsen: Prinz Georg. Bayern: Prinz
Rupprecht. Württemberg: Der Herzog Albrecht. Baden: Erbgraßherzog von Baden. Hessen: Der Großherzog. Mecklenburg-Schwerin: Der Herzog Adolf Friedrich. Anhalt: Der Erbprinz. Sachsen- Weimar: Der Prinz Ernst. Sachsen-Altenburg: Der Prinz Ernst.
II. Sonstige Vertretungen. Belgien: Comte de Merode-Westerloo, Prince de Grimberghe et de Rubempre, früherer Minister des Aeußern. Niederlande: Marineminister, Vizeadmiral van Röell. Schweden: Graf Douglas, früherer schwedischer Minister des Aeußeren. Spanien: Generalleutnant Don Eulogio Despujols, Graf von Caspe. Türkei: Turkhan Pascha, früherer Minister des Aeußern. Oldenburgs Minister Willich. Meck- lenburg-Strelitz: Staatsminister von Dewitz. Lübeck: Senator Eschenburg. Bremen: Bürgermeister Pauli. Hamburg: Senator Burchard. Die Glückwünsche der Vereinigten Staaten von Amerika zu überbringen, ist Botschafter White beauftragt, ebenso die des Königs von Griechenland der Gesandte Rangabe und die der Schweiz der Gesandte Roth.
Engländer und Buren.
Ueber die Thätigkeit der Buren meldet Kitchener herzlich wenig, wie er überhaupt an Knappheit der Berichte Roberts noch übertrifft. (Srr meldet über die Vorgänge in Transvaal, daß Kommandant Beyers, der von andern Berichterstattern jetzt mit dem Rechtsanwalt Beyers in Johannesburg ideutifiziert wird, am 12., die Bahnlinie bei Kaalfontein überschritten und sich nach Osten gewandt hat. Vorhergegangen war ein kombinierter Angriff auf Zuur- fontein und Kaalfontein, der nach Herbeieilen von englischen Unterstützungen aus Elandfontein und Olisantsfon- tein, den beiden südlich und nördlich benachbarten Stationen, abgeschlagen wurde. Von der Verfolgung Beyers scheint Kitchener abgesehen zu haben, da er nichts davon meldet. Wahrscheinlich hat er sonst reichlich zu thun, denn aus Reutermeldungen ergiebt sich, daß die kleinen Garnisonen im Westen von Pretoria recht übel daran sind. So ist Zeerust seit dein 1. Januar wieder gänzlich eingeschlossen, am 8. wurde die Besatzung zur Uebergabe aufgeforoert, fühlte sich aber noch widerstandsfähig. Auch Rustenburg ist abermals isoliert. Seit Wegnahme des Transportzuges bei Buffelspoort waren die Lebensmittel knapp, und die Besatzung stand seit einem Monat auf beschränkten Rationen. Am 11. Januar wurde die Not durch Ankunft eines reichen Transportzuges endlich gemildert. Weiter wird der „Daily Mail" aus Pretoria vom 15. gemeldet, daß die Buren am Rh en ost er ko p einen englischen Transportzug, bestehend aus zwölf Wagen, erbeutet haben. Die Bedeckungsmannschaften, die aus 23 Mann bestanden, ergaben sich, nachdem zwei getötet und elf verwundet worden waren, wurden nachher aber wieder freigelassen. Nach einem Telegramm des „Standard" aus Durban vom 15. hatten am Sonntag, den 13., drei Kompagnien berittener Infanterie aus Johannesburg ein Gefecht mit Buren bei Holfontein, nördlich von Springs (also östlich von Johannesburg). Fünf Buren wurden getötet, darunter Kommandant van den Heeren, mehrere verwundet. Die Engländer hatten keine Verluste. Nach der Orientierung kann es sich hier sehr wohl um Beyers' .Kommando handeln. Auch im südöstlichen Transvaal ist ein Transportzug, der nach Vrijheid bestimmt war, am 10. Januar beim Bloodflusse angegriffen worden.
Aus Pretoria wird gemeldet, daß eine Anzahl den Buren gehöriger Fahrzeuge unweit Buffelspoort, östlich von Pretoria, gesehen worden sind. Man glaubt, daß die Buren sich nach Norden begeben, wo sie ein besseres Klima zu finden hoffen. Englische Truppen nahmen den Buren acht Meilen von Rustenburg sechzig Stück Rindvieh ab. 400 Frauen und Kinder, darunter solche aus Sterck- stroom und Rustenburg, wurden von den Engländern nach Pretoria gesandt und werden in das englische Lager ge- geschafft werden. Allgemeinen Aussagen von Offizieren und Soldaten zufolge kämpfen die Buren mit größerer Hart- näckigkeit und ergeben sich nicht mehr so leicht als früher.
Die Lage in der Kap ko l o nie faßt Kitchener nicht eben pessimistisch auf. Er bezeichnet sie als nicht wesentlich verändert, glaubt, daß einige kleine Burenabteilungen auf dem Rückwege nach dem Oranje seien und berichtet, daß einige Kapburen, die sich den Eindringlingen angeschlossen, sich ergeben haben. Nach den Meldungen der Blätter und Agenturen sind thatsächlich Nachrichten über die verschiedenen Burenscharen nur schwer zu bekommen. Eine Abteilung von 200 Buren, mutmaßlich aus dem Prinz Albert-Bezirk,' griffen letzthin einen Transportzug bet Damslaagte, 55 Kilometer nördlich von Matjesfontein, also im Bezirk Sutherland an. Tie Behörden rüsten eifrig weiter. Brabant hat am Montag mit den Bürgermeistern am Kap die nötigen Maßregeln zur Verteidigung der Hauptstadt im Falle eines Angriffs besprochen. Die Garnison der Station Piquetberg Road ist durch zwei Abteilungen berittener Schützen aus den Westprovinzen verstärkt worden.
In einem Kapstadter Brief heißt es: Bisher glaubte
man, daß es überhaupt zwecklos für die Buren sei. Gefangene zu machen, und nur so eine Art Ehrensache oder moralischen Sieg bedeute. Auf dem Worcester Kongreß sind aber Tinge an den Tag gekommen, die geeignet wären, die Sache in ganz anderem Lichte erscheinen zu lassen. So z. B. trafen sich dort englische Soldaten desselben Regiments, und mit Erstaunen erkannten die einen, daß einzelne ihrer früheren Kameraden, die von der Gefechtslinie zurückgekehrt waren, die Uniform ausgezogen hatten. Auf Befragen streiften sie ihren linken Rockärmel in die Höhe und auf der nackten Haut zeigten sich in feuerroten Brandnarben die Buchstaben D. W. O. (De Wets Own), das heißt also T e W e t s L e i b e i g e n e. Als Erklärung erzählten sie, daß Te Wet sie bei Gelegenheit eines Gefechtes gefangen genommen, später wieder freigelassen habe, jedoch mit der bestimmten Zusicherung, daß sie standrechtlich er- s cy o s s e n werden würden, falls sie nochmals die Waffengegen dieBurenergreifen und von diesen abermals gefangen genommen werden würden. Damit wäre erwiesen, daß das Gefangenemachen doch keine zwecklose Sache für die Buren ist. Tie Gebrandmarkten werden sich jedenfalls hüten, denselben je wieder zu nahe zu kommen.
Mit großer Hartnäckigkeit erhält sich das Gerücht, daß auch General Buller vor längerer Zeit den Buren in die Hände gefallen sei und.in der oben beschriebenen Weise gekennzeichnet worden, aber nicht am Oberarm, sondern an derjenigen Partie des Körpers, die beim Sitzen zu Pferde besonders in Betracht kommt. Tas soll auch der eigentliche Grund der Abberufung dieses Generals vom Kriegsschauplatz gewesen sein.
Aus Kapstadt wird berichtet, daß die Afrikander- Delegierten Meriman und Bauer sich int Laufe der nächsten Woche nach London einschiffen werden, um bei der englischen Regierung nochmals dahin zu wirken, daß die Buren günstige Friedensbedingungen erhalten.
Präsident Krüger erklärte, die E r s ch i e ß u n g e i n e s englischen Agenten auf Befehl Te Wets sei die Antwort auf die Erschießung des Buren-Offiziers Cordna auf Befehl des General Roberts. De Wet sei nunmehr entschlossen, keinerlei Schonung mehr auszuüben.
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TekegraWMe des tNieher-er Anzeigers.
London, 17. Jan. „Daily Mail" meldet ans Pretoria : Der K o m m a n d a n t v o n P r e t o r i a ist von einer Mission, die Buren zur Uebergabe zu überreden zurückgekehrt. Er erklärte, sein Versuch sei vollständig gescheitert. — Die heutigen Morgenblätter veröffentlichen ein Telegramm aus Kapstadt, das berichtet, daß De Wet den Vaalsluß überschritten und sich mit den Kommandos' iw Transvaal vereinigt hat. Diese Bewegung De Wets wird von sämtlichen Blättern eingehend kommentiert. Man erblickt darin ein Anzeichen für einen bevorstehenden großen Schlag seitens der Buren. „Daily Telegraph" bemerk! hierzu, die Buren bewiesen hierdurch, daß sie sich unter! keiner Bedingung zu übergeben gedächten, und daß alle Vermittelungsversuche vergeblich sein würden. — Aus Pretoria wird berichtet: Die englischen Behörden haben durch Maueranschlag ein Verbot veröffentlicht, durch welches das Tragen der Khaki-Uniform seitens der Zivilbevölkerung streng untersagt wird. Diese Maßregel ist dadurch verursacht worden, daß die Bur en lieh in letzter Zett dieser! Kleidung zwecks Spionage bedienten. „Daily Mail" meldet aus Kapstadt, daß die Buren vor Graaf Reineck erschienen sind und die Stadt Aberdeen besetzt haben. — Das Kriegsamt veröffentlicht eine Liste über die augenblicklich in Südafrika befindlichen Truppen, aus der hervorgeht, daß sich dort 8 Regimenter regulärer Kavallerie, 6 Bataillone der Garde und 108 Infanterie-Bataillone befinden. Tie yeontanrü sowie die verschiedenen dort angeworbenen regulären und irregulären Korps sind in dieser Liste nicht einbegriffen. — Ter Korrespondent der „Daily Mail" in Pretoria berichtet seinem Blatte: Tie Behörden hätten erfahren, daß zahlreiche Buren-Familien, die sich in Transvaal aushalten, im vergangenen Jahre von der Transvaal-Regierung Unterstützung erhalten haben. Die Summen sollen einem Spezialfonds entnommen sein, her vor ca. 15 Monaten zu diesem Zweck von der Buren-Regierung gebildet wurde. Die englischen Behörden sind der Ansicht, daß die Buren-Regierung über bedeutende Geldmittel verfügt
Durban, 17. Jan. Das Uttlander Komitee bereitet die Veröffentlichung einer Liste vor, in der die Personen verzeichnet werden sollen, die in Transvaal öffentliche Stellen bekleiden und deren Beseitigung wünschenswert erscheint. Dasselbe Komitee hat den Antrag gestellt, daß den Vertretern der fremden Handelshäusern gestattet werde, nach Hause zurückzukehreN, um sich persönlich von dem Stande ihrer geschäftlichen Angeseoeuhpiten zn überzeugen.
China,
Daß in China durchaus noch nicht alles stimmt unter den Kommandierenden der Truppenkontingente, daß auch in ihren Anordnungen und Gegenordres sich o


