Ausgabe 
17.9.1901 Erstes Blatt
 
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führen. Weiter berichtete "her Vorsitzende, daß sich die Bürgermeisterei an die Eisenbahndirektion geloendet habe. Tie Direktion habe hierauf erklärt, daß die teilweise Aus­hebung des Sonntagsfahrkartenshstems nicht mit der Ein­führung der Rückfahrkarten mit 45 tägiger Dauer in Zu­sammenhang stehe, sondern diese Aufhebung stehe in Ver­bindung mit einer allgemeinen Darifreform, über welche aber bis jetzt nichts an die Oeffentlichkeit ge­drungen sei. Ob die Maßregel der Aufhebung der Sonn- taasfahrkarten unter Zustimmung des Großh. Ministeriums erfolgt sei, wisse er nicht. Hierauf wurde eine an das MiNi- 1 herium gerichtete Eingabe verlesen, in der sich die Vertretung rer Staot entschieden gegen bie Aufhebung der Sonntags- cchrkarten ausspricht.

' Mainz, 14. Sept. Die heute durch den Groß Herzog eröffneteAllgemeine deutsche Gartenbau-Ausstellung" hatte sich trotz der Ungunst der Witterung eines regen Be­suches von hier und auswärts zu erfreuen. Das Terrain, auf dem die Ausstellung sich befindet, ist wie geschaffen für dieselbe. Der Hauptteil der Ausstellung befindet sich oberhalb /her Stadthalle, zwischen der Rheinstraße und der Rhein­promenade, und umfaßt das gesamte Ausstellungsgebäude rund 30 000 Quadratmeter. Aus ganz Deutschland sind die ersten Züchter und Handelsgärtner herbeigeeilt, um im feier­lichen Wettbewerb um die Siegespalme zu ringen. Die Zahl der Aussteller beträgt etwa 350. Die Anzahl der zur Ver­fügung stehenden Preise ist sehr groß. Den Preisrichtern stehen allein 111 der schönsten Ehrenpreise außer den zu vergebenden Medaillen zur Verfügung. Unter den Ehren­preisen erwähnen wir nur folgende: die vom Kaiser Wil- chelm II., der Kaiserin Friedrich, dem Großherzog Ernst Ludwig von Hessen, dem Großherzog Friedrich von Baden, dem Gr. Heff. Ministerium des Innern und der Stadt Mainz. Wenn wir die Ausstellung betreten, so befinden wir uns inmitten einer prächtigen, weit ausgedehnten Landschaft; saftig grüne Wiesen schließen sich an einen aus immergrünen Tannen­bäumen der verschiedensten Varietäten bestehenden Park an, vouf einer mit Agaven, Cacteen und sonstigen Fettpflanzen malerisch besetzten Anhöhe befindet sich ein Gartenhäuschen, und inmitten dieser herrlichen Anlage ein Springbrunnen, deffen hochauffpritzende Wassersäulen bei eintretender Dunkcl- cheit elektrisch beleuchtet werden, um dann alsfontaine lu- mineuse einen bezaubernden Anblick zu bieten. Den Haupt- auSstellungSraum bildet der Zirkus mit einer prächtigen Alpen­landschaft, die in einem von Bergen umschlossenen See endigt. Hier bietet sich dem Auge ein umfangreicher Blumenflor, darunter die ersten Neuheiten. Anschließend an diesen Raum gelangen wir in zwei Wintergärten, die von den bedeutendsten Firmen Rose in Mainz und Weber in Wiesbaden ausgeführt sind. Hier befindet sich das Fürstenzimmer, im Jugendstil 'nach den Zeichnungen des hiesigen Zeichners Franz Behrens auSgeführt. An den Seiten des großen Ausstellungsraumes ziehen sich mächtige Zelthallen hin. In der nach der Stadt gelegeuen Halle finden wir einen reichen Blumenflor und immergrüne Pflanzen und Palmen jeder Art, hieran schließt sich die AbtellungObst". In langen über 150 Mtr. langen Tafeln ist hier eine überaus reiche Fülle des köstlichen Obstes vertreten. In der nach dem Rheine gelegen Halle sind gedeckte Tafeln aufgestellt, welche mit vielem Geschmack mit Blumen deko­riert sind. Eine weitere Zelthalle dient zur Aufnahme der abgeschnittenen Blumen- welche in Wasser frisch erhalten werden, auch Wasser- und Sumpfpflanzen haben hier Raum gefunden. Die Baumschulen haben in dem Hinteren Teile des .Stadthallegartens Aufnahme gefunden, auch sonst mußten hier noch Pflanzen und Blumen wegen sonstigem Raummangel untergebracht werden. Die Blumenbindereien weisen großen Geschmack in diesem Fache auf. In dem Foyer der Stadt­halle und auch außerhalb derselben haben Gartenmöbel, Gartengeräte u. s. w. ihren Platz gefunden. Was Kunst und Fleiß der Gärtner nur vermag, hat auf unserer Ausstellung einen Platz gefunden. Beigeordneter E. Haffner ist von Seiten der Bürgermeisterei als Vertreter der Stadt Mainz bei dem demnächst in Kreuznach stattfindenden deutschen Wein­bau-Kongreß gewählt worden, das Gleiche geschah von Seiten der Handelskammer Mainz. Bei Gelegenheit des Kon­gresses wird Herr Haffner den Kongreß einladen, seine Sitzungen im Jahre 1904 in Mainz abzuhalten.

Biugeu, 14. Sept. In der gestrigen Sitzung der S tadt- verordneten-Versamm;ung wurde einstimmig ein An­trag betreffs der Sonntags-Rückfahrkarten ange­nommen. Der Antrag lautet:Die Stadtverordneten-Ver- sammlung wolle beschließen, Großherzogl. Bürgermeisterei zU ersuchen, in Unterstützung der Bestrebungen anderer Städte und Korporationen des Landes nach gleicher Richtung namens der Stadt Bingen gegen die seitens der Großh. Hessischen und Königlich Preußischen Eisenbahngemeinschaftsverwaltung angeordnete Beschränkung in der Verausgabung von Sonntags- Rückfahrkarten als die Interessen der Bevöllerung in hohem Grade schädigend und mit den Bestimmungen des Staats­vertrags über die Preußisch-Hessische Eisenbahngemeinschaft in Widerspruch stehend, bei den einschlägigen Behörden im Sinne einer alsbaldigen Aufhebung jener Beschränkungen vorstellig zu werden/

* * Lich, 15. Sept. Mittwoch, Donnerstag und Freitag in der vergangenen Woche wurde hier in der Turnhalle durch Prof Reichelt aus Friedberg ein Obstverwertungskursus abgehalten. Der. Kursus war von ungefähr 70 Damen größtentells aus Lich, doch auch aus Hungen und Nidda be­sucht. Man lernte die verschiedensten Arten der Obst- und Gemüsekonservierung, sowie die Verarbeitung des Obstes zu Marmelade und dergl. kennen. Apparate der verschiedensten Art hatte Prof. Reichelt mitgebracht, so daß alles praktisch vorgeführt werden konnte. Da Prof. Reichelt über die Gabe verfügt, leichtverständlich zu lehren, siel der Kursus zur all­gemeinen Zufriedenheit der Teilnehmerinnen aus.

" Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Die Wirtschaft und Metzgerei von G. Franz in Laubach ging durch Kauf für den Preis von 14500 Mk. an Metzger- maijter Schlörb aus Schotten über, e Der Attentäter, .der am Sonntag in der Nahe von Die bürg eine auf der Wallfahrt begriffene Frau überfiel und vergewaltigte, wurde gestern in Messel ermittelt ^und durch die Gendarmerie nach Darmstadt gebracht. In Melsungen hat sich ein schwerer Unglücksfall zugetragen. Eine auswärtige Seil­tänzergesellschaft, welche seit einigen Tagen Vorstellungen gab, ließ auch von zwei Knaben auf einem ca. 12 Meter hoch

Gerichtssaal

Für die Redaktion beranttvortlich i At R. Dittmann.

heutige Yummer umfaßt 10 Seite«

gespannten Drahtseis geradezu halsbrecherische Künste au§- führen. Dabei stürzte der ältere, ein Knabe von etwa 13 Jahren, vom Seile und fand dabei seinen Tod. In Assenh eim wurden zu Gemeinderatsmitgliedern gewählt: G. A. Ewald, K. K. Thomas und K. Fertig. Bei der in Reichelsh ei m abgehaltenen Gemeinderatswahl wurden mit großer Stimmenmehrheit gewählt: K. W. Nohl, K. Vogt und W. Eimer. In Brettenheim scheute beim Wasser­fahren das Pferd des Landwirts Jennewein. Dieser geriet unter die Räder des Wagens und wurde todt gefahren. An seiner Bahre trauern eine Witwe und sieben unmündige Kinder.

Vermischtes.

Bonn, 14. Sept. Durch Explosion in einem Droguengeschäft entstand auf der Sternthorbrücke eine Feuers- brunst. Zwei Häuser stehen in Flammen. Die Löscharbeiten sind durch im Keller des brennenden Hauses lagernde Ex­plosivstoffe sehr erschwert. Die Nachbarhäuser sind bedroht. Um 6 Uhr gelang es, den Brand auf der Sternthorbrücke auf seinen Herd zu beschränken, jedoch ist das Feuer noch nicht gelöscht. Das Haus des Droguenhändlers Uhen ist zum größten Teil ausgebrannt. Von dem anstoßenden Hause wurde der Dachstuhl stark beschädigt. Ein Lehrling der Droguerie erlitt erhebliche Brandwunden, die seine Ueber- führung ins Krankenhaus nötig machten.

* Leipzig, 14. Sept. DemL. Tgbl." zufolge hat ein österreichischer Deserteur Namens Herrmann aus Kratzau (Böhmen), bet vor zwei Monaten in einer Ortschaft bei Zittau verhaftet worden war und sich in Leipzig in Unter­suchungshaft befindet, das Geständnis abgelegt, einen vor Kurzem in der Nähe von Leipzig todt aufgefundenen unbe­kannten Handwerksbursche ermordet zu haben.

, , , ... 5dcböerftänbige.

fteisarzt Dr. Balser, gab sein Gutachten dahin ab, daß die An­geklagte nicht geistesgestört sei. In Bezug auf die Gelddiebstähle habe er die.Ueoerzeugrmg erhallen, daß die Angeklagte die Wahr­heit sage. Düs Gericht ist überzeugt, daß die Angeklagte auch oie drei weiteren Gelddiebstähle verübt hat, da ihre Genußsucht sie' dazu getrieben habe, und eckcmnte auf 6 Monate Gefängnis.

Zandmirtschast.

Bon der Rtdda. Die Landwirte leiden eben sehr unter dem Regen, der zu einer wahren Kalamität geworden ist. Nicht nut, daß die landwirtschaftlichen Arbeiten empfindlich gestört werden, so das Kartoffelausmachen auf Aeckern, die noch eingesät werden sollen, wie besonders das Obstabchun zum Zweck des Latwergekochen. Am traurigsten sieht es mit dem (oft um teures Geld ersteigerten) Grummet au§. Es ist schon ganz schwarz ge­worden. Infolgedessen ist der Preis für den Zentner Hell auf 4 Mk./ Heu und Grummet gemischt auf 3,80 Mk. gestiegen. Es ist ein Glück, daß die Landwirte die Stoppcläcker mit Erbsen u. dgl. ein» gesät haben, die sie jetzt verfüttern können, während fte sie im anderen Fall als Gründung untergeackert hätten. Der höchste Preis, für Lejeäpsel war bis dahin 12,50Mk. pr. 100 Kgr. Die Zucker­fabrik .Stockheim hat chre Campagne bereits begonnen; die Rüben versprechen nach Menge und Inhalt einen guten Ertrchg. (

Arbeiterbewegung.

New-York, 14. Sept. Der Streik der Stahlarbeiter wurde heute nach einer sechsstündigen Besprechung zwischen den Vertretern der Amalgamated-Assoeiatton und der Untted States Steel Corporation für beendigt erklärt. Die Arbeiter nahmen die Arbeit am Montag wieder auf. Die Vereinbarungen sind nicht veröffentlichr worden, sie sind unterzeichnet von den Vertretern der Amalgamated-Asiociation, der amerikanischen Weißblech-, der amerikanischen Slahlreisen- und der amerckanischen Stahlbleche Gesellschast.

s. Friedberg, 15. Sept. Gerichtssaal. Mit einer in- teressänten Angelegenheit Hütte sich vör einigen Tagen das hiesige Schöffengericht zu beschäftigen. Als Angeklagter war erschienen der Rechtsanwalt Dr. jur. Ferdinand Pachten aus Frankfurt a. M. Der Thatbestcmd wab folgender: Im Januar d. A. hatte der An­geklagte die an emem ans dem Steinkopfe, bet höchsten Stelle des Wintersteins, errichteten turMarttg aüsgebüUten Gerüste befindliche Leiter durch seinen Jaadhüter entfernen lassen. Dieses Gerüst war ursprünglich nur für militärische Zwecke besttnimk, dann aber durch' einen finanziellen Zuschuß seitens des Taunusklubs weiter ausge­baut und für den Touristenverkehr nutzbar gemacht worden. Dieser Turm liegt nun mitten in dem von dem Angeklagten von der Ge­meinde Ockstadt gepachteten Rotwildrevier, sodaß der Angeklagte infolge des Touristenverkehrs eine Schädigung feines Rotwildbe-, standes befürchtete. Er ließ'sich daher, nachdem andere Schritte nrr Beseitigung fehlgeschlagen waren, von der Gemeinde Ockstadt, die Ermächtigung zur gewaltsamen Unbrauchbarmachung des Ge­rüstes geben. Er war der Ansicht, daß die Benutzung als Aus­sichtsturm sich als einen rechtswidrigen Eingriff in das Eigenttims- recht der Gemeinde Alspach darstelle, denn diese habe ihre Geneh-, miguna nur zur Errichtung eines militärisch ensSignals, nicht aber eines Aussichtsturmes gegeben, und daß man folglich das Recht habe, sich gemäß § 859 BGB. der verbotenen Eigenmacht mit Ge- wall zu erwehren. Das Schöffengericht entschied indessen anber§. Es hielt zunächstdieTrennung zwischen Gerüst als milttärischesSignal und üls^Aussichtsturm für unzulässig und kam zu dem Resultate, daß in objektiver Beziehung zweifellos Sachbeschädigung vorliege, da die Letter nicht -ohne die Veränderung ihrer Substanz entfernt werden konnte. Die Beweisaufnahme hatte auch ein derarttges Ergebnis. Das Gericht nahm als auch m subjektiver Beziehung die Thctt-' bestandsmerkmale der Sachbeschädigung als gegeben an, denn der Angeklagte habe zweifellos das Bewußtsein, der Rechtswidrigkeit keines Handelns gehabt, Und der Angeklagte mußte sich bewußt sein,' daßer ohne Genehmigung der Militärbehörde auf keinen Fall eine Ver­änderung an dem Gerüst vornehmen dürfe; aber außerdem habe auch der Anaeklagte den § 859 RG^8. verkannt. Diese Bestimmung verlange, daß man sich verbotener Eigenmacht sofort erwehre und nicht erst einige Zeit später, wie es hier der Fall 'n)ar. Der An­geklagte entschloß sich erst dann zür Selbsthilfe, als alle versuchten Mittel durch Angehen der Pehöäre fehlgeschlagen waren. Das Ge­richt hielt daher in doppelter Beziehung den Thatbestand der Sach«; beschädigung als vorliegend und verurtellte den Angeklagten unter, Berücksichtiaungseiner guten Vermögensverhallniffe in eine Geld­strafe von 300 Mk. und in dte Kosten des Verfahrens.

Mainz, 13. Sept. Eestern wurde vor der Strafkammer gegen die 25-jährigeOffiziersüatttn Hedwig Richter wegen Diebstahls verhandelt. Der Angeklagten ist zur Last gelegt, daß sie int No­vember v. I. der Frau eines Hauptmanns einen Brittantring und im Februar d. I. ihrer Schneiderin einen Ring gestohlen habe. Den Diebstahl der beiden Ringe gab die Angeklagte unumwmlden jju; sie erklärte, den Diebstahl deshalb verübt zu haben, um ihrem Manne einen Ehescheidungsgrund zu geben. Die drei Gelddiebstähle bestritt die Angeklagte aus das Entschiedenste. Der Sachverständige. Kreisarzt Dr. Balser, ------- ' - - - ' - - * *

Universitäts Nachrichten.

Pros. Dr. Max Wolf, Direktor der astrophysikalischen Ab­teilung der Großh. Bad. Landessternwarte Heidelberg, hat einen Ruf als Direktor der Köniol. Sternwarte zu Göttingen erhalten.' An der Universität Greifswald sanden im Studienjahr 1900/01 insgesamt 138 Promotionen statt, davon 6 (2 theol., 3 jur. und 1 meb.) ehrenhalber. Stete promoviert wurden 1 Lic. theol.,' 68 Dr. jur., 47 Mediziner und 16Philosophen", unter letzteren 2 Bulgaren Und je 1 Franzose Und Engländer. Bei durchschnittliche 190200 Rechtssludierenden rnUß die hohe Zahl von 68 Doktoren ziemlich auffällig erscheinen. Die Erben des jüngst verstorbenen Professors Dr. Wagner in Königshütte, der einer der eifrigsten Botaniker war, Haven dessen höchst wertvolles Herbarium dem botanischen Garten der Universität Breslau schenkweise überlassen. Eine der ältesten und angesehensten Universitäten Nordamerikas, das in New-Haven befindliche Pale College, feiert in den ersten Tagen des Oktober ihr 200jähriges Jubiläum.

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Die einzige Seife, die bisher meine volle Zufriedenheit er­langte", schreibt ein Arzt, nachdem er Versuche mit der Patent- Myrrholtn-Seite versucht. Ueberall, auch m ben Apotheken, er­hältlich.___________________________________________________________

Deutsche Einheits-Stenographie?

Herr Dr. Gatter, der Vorsitzende des Babelsberger Steno- graphen-Bundes, hat in einer Festrede am 21. Juli d. I. in Esch- wege erklärt:Wir haben noch kein deutsches.EwhettSshstem, aber wir erstreben es".

Auf Grund dieser Erklärung rmd solange noch kein Steno- graphiesystem in allen deutschen Staaten amtlich anerkannt ist, müssen wir die Ankündigung von Unterrichtsstunden in der

deutschen Einheits-Stenographie

als bewußte und beabsichtigte Täuschung des Publttums bezeichnen.

Marburg, den 9. September 1901. 6186

Der Borstand des Mittelwestdentschen Stenographcnbundes Stolze-Schreh.

Handel und Verkehr. UolksVirtschast.

Darmstadt, 14. Sept. Die Süddeutsche Eisenbahn- Gesellschaft hält ihre 8. ordentliche Generalversamm­lung am 21. hier ab. Zu dieser stellt die Direktion der Gesell­schaft im Einvernehmen mit dem Aufsichtsrat folgende Anträge : I. Die Generalversammlung erteilt dem Aufsichtsrat und der Di­rektton Entlastung für die Geschäftsführung des Jahres 1900/1901, genehmigt die Bilanz und die Gewinn- und Verlust-Rechnung und beschließt, den Ueberschuß des abgelaufenen Betriebsjahres mtt 1230734,21 Mk> wie folgt zu verwendens 1) 6l/»% Dividender &. auf 14 400 000 All. voueingezahltes Aktienkapital mtt 936000 Mk. b. auf 3 600000 Mk. neue Aktien Serie A mit 117 000,Mk., o. auf 3 600 000 Mk. neue Aktien Serie B mit 58 500 Mk. 2) Statuten­mäßige Tantieme an den Aufsichtsrüt mit 52 531,32 Mk. 3) Ver­tragsmäßige Tantieme an die Direktton mit 23 639,09 Mk., 4) Vor­trag auf neue Rechnung mit 43 063,80 Mk. II. Die Generalver­sammlung genehmigt den mit Herrn Hermann Bach stein in Berlin vereinbarten (dem Direktionsbericht beigegebenen) Vertragsentwurf wegen Errichtung einer Betriebsgemeinschaft zwischen der Hohenebra-Ebelebener und der G r e u ß e n - K e u l a e r Bahn und ermächtigt die Direktton zum Abschluß desselben. Die Direktion wird ermächtigt, mtt Zustimmung des Aufsichtsrats Zu­ätze und Aenderrrngen an dem Vertrage vörzunehmen, insofern olche bei der Genehmigung desselben seitens der zuständigen Auf- ichtsbehörden verlangt werden sollten.

Memel, 14. Sept. Wie dasTiemeier Dampfboot" aus Tilsit meldet, lehnte die Staatsamvallschaft die Entlassung des Holzhändlers Aron Bernstein aus der Untersuchungshaft gegen eine von den Verwandten und Freunden des Verhafteten ange- botene Kautionsstellung von 150,000 Mk. ab.

Tabak.

Im Laufe der Berichtswoche wurde uns mit Ausnahme von zirka 200 Zentner 1900er Neckarthäler Tabaken zu Ausgang Mk. 40 m transtt von weiteren Umsätzen nichts bekannt. Die 1900er Tabake, deren Empfangnahme jetzt so ziemlich beendet ift, hat den Händlern infolge des großen Decola nur Enttäuschung gebracht. Es ist des­halb zu tierrounbent, daß durch die Erfahrungen der letzten Jahre man noch nicht genug gewitzigt ist, und oer Händel sich durch die Treibereien der Landmakler und einiger kleinen Spekulanten wieder in die Hitze bringen läßt, wie ber eben begonnene Verkauf der Sandblätter beweist. Sehr zu wünschen.wäre es, wenn sich der reelle Handel durch diese TianipulattoUcn nicht hinreißen ließe, denn esi ist in diesem Jahre ohne Rücksicht auf die große IErnte doch größte Vorsicht'beim Einkauf geboten, da! die jetzt herrschende Witte­rung den Tabaken absolut ungünstig ist, und, hierdurch veranlaßt, es jedenfalls auch sehr viel faulen Tabak geben wird. Was dies für den Händler bedeutet, dürften die Resultate des letzten Jahres ergeben haben. Es wurden in den Orten Blankenloch, Stafford, Spöck und Graben die Sandblätter zu Mk. 30 bis Mk. 82 teilweise an Händler und Spekulaitten verkauft. Wie bet solchen Preisen noch etwas zu verdienen ist, können wir uns nicht vorstellen. In Ingelheim wurde mit dem Verkauf der Sandblätter zu Mk. 25 bis Mk. 26 begonnen. Durch den Eintritt der schlechten Witterung dürfte der Einkauf der Sandkrumpen schr beeinträchtigt werden, da dieselben auf dem Felde verderben. In losen Pfalzern, wie losen feinen und gebündelten Rippen geschäftslos.

Theater, Kunst und Wissenschaft.

Darmstadt, 14. Sept. Im Großh. Hofcheater gab man gestern abend vor gut besetztem Hause Roderich B e n e d i x neu einftu-1 diertes Lustspiel:ÄschenbrLde l"» Dte Leistungen der Dar­steller waren im Allemeinen gute. Das Publikum spendete oft bei offener Szene allen Darstellern lebhaften Beifall. Die gestern abend im Spielhaufe der Künstler-Kolonie veranstallete zweite Aufführung von NiebergallsD a t t e r i ch" hatte einen in Anbetracht des schlechten Wetters leidlich guten Besuch gefunden, wenn man auch im Allgemeinen wohl auf eine noch größere An- zichungskraft der populären Darmstädter Lokalposse gerechnet hatte. Die Vorstellung, die hin und wieder ein etwas flotteres Tempo hätte vertragen können, sand durch-das tüchtig eingespielteMelo- manen"-Ensemble die gewohnte gute Wiedergabe. Anerkennung verdient insbesondere auch, daß mün die Länge der durch den häufigen Szenenwechsel chedmgten Zwischenpausen auf ein möglichst geringes Maß zu reduzieren bemüht war.

gpwlpltm der vereinigten Frankfurter Stadttheater. Operuhaus.

Dienstag den 17. September, abends 6f/, UhrrDer Ring des Nibelungen". Zweiter Tag. Siegfried. Mittwoch den 18. Sep­tember,)Martha" ober: §Der Mant zu Richmond". .Donnerstag den 19. September:Der Postillon von fiortjumeau". Hierauf: Tanzbilder. Freitag den 20. September, abends 67, Uhr:Lohen- grin". Samstag den 21. September:Alessandro Stradella". Sonntag den 22. September, abends 6 Uhr: ,L>er Ring des Nibe­lungen". Dritter Tag: ,Götterdämmerung". Montag den 23. Sep­temoer: ^Margarethe".

Schauspielhaus.

Dienstag den 17. September:Tas Glückt Mittwoch den 18. September:Johannisfeuer". Tonnerstaa ben 19. September, abends 77, Uhr:Minna von Barnhelm". Frettag den 20. Sep­tember:Das Gluck". Samstag den 21. September:Hauben­lerche". Sonntag den 22. September, nachmittags 3'/, Uhr:Ueber unsere Kraft", erster Teil; abends 7 Uhr, zweiter Teil. Morttag den 23. September:Das Glück".