So roeit wir uns zu entsinnen vermögen, war das letzte deutsche Schiff, das Saigon anlief, S. M. Streuner „Prinzeß, Wielhelm", der auf der Heimreise vor nunmehr zwei Jahren die französische Kolonie ausgesucht hat, und dessen Kommandant, damals Fregattenkapitän Truppel, und Offiziere von einem sehr warmen Empfange 511 berichten wissen". Wiederholt ist in letzter Zeit von freundlichem Verkehr und gutem Einvernehmen zwischen Deutschen und Franzosen im fernen Osten zu erzählen gewesen. Tas ist sehr erfreulich, und mag mit der Zeit dazu beitragen, die Wirkungen der chauvinistziscl>en .Hetzereien abzuschwäcl)en. Aber man wird gut thun, sich in dieser Beziehung keinen allzu optimistischen Erwartungen hinzugeben oder gar auf solche Aeußerlichkeiten hin eine Politik verringerten Mißtrauens gegen Frankreich zu begründen.
* Der Krieg gegen die Zigarette hat in den ^Bereinigten Staaten ganz erhebliche Dimensionen angenommen und treibt wunderliche Blüten. In Chicago ist angekündigt worden, daß die Vorschrift einer besonderen Erlaubnis für den Verlauf von Zigaretten mit größter Strenge durchgeführt werden wird. Es ist bei dem Stadtrat außerdem ein neuer Antrag eingebracht worden, demzufolge der Verkauf von Zigaretten, Zigarettenpapier und Zigarettentabak in einem Umkreis von 600 Fuß um jede Schule verboten werden soll. Außerdem wird der Verkauf dieser Artikel an Minderjährige bestraft. Von den westlichen Staaten hat Oklahoma ein Gesetz gegen die Zigarette geschaffen, das sehr strenge Bestimmungen enthält. Jede Person, Firma oder Korporation soll bestraft werden, die überhaupt Zigaretten, Zigarettenpapier oder irgend einen Ersatz für dieses Rauchmittel in das Territorium zum Zweck des Verkaufs oder der sonstigen Weitergabe einführt oder bereits verkauft hat oder zum Verkauf anbietet. Ferner soll außer Eltern oder Vormündern niemand Zigarren, Kautabak oder sonst Tabak in irgend welcher Form an eine Person unter 15 Jahren weitergeben dürfen. Für jede Uebertretung des Verkaufs von Zigaretten oder ihrer Bestandteile wird eine Strafe von nicht unter 200 und nicht über 800 Mark festgesetzt. Diese drakonischen Leistungen der amerikanischen Gesetzgeber haben aber bereits eine Opposition im Lande erregt. Als neulich in Newyork ein Arzt, Tr. Reynolds, vor seinen Schülern in allerdings äußerst scharfen Worten gegen das Rauchen von Zigaretten sprach, wurde er von dem Institut, in dem er angestellt war, entlassen, woraus sich noch ein Prozeß entspinnen wird.
Distinguierte Hotelbesitzer in der Schweiz. In der Schweiz macht man die merkwürdige Entdeckung, schreibt ein Korrespondent der „Pall Molk Gazette" aus Luzern, daß vielfach Leute von hohem Stand und Gelehrte Hotels und Buffets innehaben. Ter Besitzer des interessanten Hotels auf Rigi-Kulm ist, Tr. Schreiber, ein Doktor der Rechte und ein Mann von gründlichem Wissen. Dr. Zimmerli-Glaser, Besitzer des Luzerner Hotels Beau Rivage, ist Journalist von internationalem Ruf und ein geschätzter Mitarbeiter ernster Zeitschriften. Er ist Verfasser eines großen Werkes über das Patois des Jura. Ter General- Direktor des elegantesten Hotels in der ganzen Schweiz, des „Grand-Hotel-National" in Luzern, ist Oberst Baron Pfyffer von Altischoppen, ein Aristokrat aus altem Geschlecht: wenn zu Zeiten seines verstorbenen Vaters, der das Hotel baute, Krieg ausgebrochen wäre, so würde jener hochgestellte Offizier Oberbefehlshaber der Schweizer Truppen gewesen sein. Mer das eigenartigste Beispiel für die hohe gesellschaftliche Stellung der Hotelbesitzer in der Schweiz findet mein am Bahnhofsbüffet in Göschenen, der Schweizer Mündungsstation des großen Gotthardtunnels. .Hier kann man einen bekannten Romanschreiber Mittel- Enropas würdevoll mit einem großen Löffel die Suppe schöpfen sehen. Herr Zahn ist in diesen Gegenden als Romanschreiber berühmt, aber er behält das Bahnhofs- restaurant, dessen Pächter er ist, weiter, einfach weil sein Vater es vor ihm hatte, und es eine „Industrie des Landes" iß, eines Landes, in dem der Hotelbesitzer vielleicht den größten Anteil an der Geschäftsthätigkeit, sowie gefunden Menschenverstand und überhaupt einen weilen Gesichtskreis hat. —
* Der Stoßseufzer des Redakteurs. Wie schwer es für einen Redakteur ist, seine Zeitung allen seinen Lesern recht zu machen, das schildert ein amerikanisches Blatt halb scherzhaft, halb ernst in folgenden Worten: „Eine Zeitung herauszugeben, ist eine sehr angenehme Arbeit. Enthält sie zu viel Politik, will niemand sie haben; enthält sie zu wenig, will sie auch niemand haben. Sind die Artikel lang, so findet man sie unverdaulich; sind s,e kurz, bedeuten sie nichts. Wenn die Buchstaben zu klein sind, so erklärt man sie für unleserlich; sind sie dagegen zu groß, so sagt man, daß man nichts zu lesen hat. Wenn sie Depeschen veröffentlicht, sagt man, es seien Lügen, veröffentlicht man aber keine, heißt es, sie ist nicht ernsthaft
und man unterdrückt sie aus politischen Gründen. Beschäftigt sich die Zeitung mit städtischen Angelegenheiten, so klagen alle Landleute über Vernachlässigung: behandelt sie ländliche Fragen, sagen die Städter, daß man sie „langweilt". Bringt sie irgend ein „Bonmont", sagt man, sie wäre für Köpfe ohne Gehirn gemacht; bringt sie keine, sa sagt man, sie wäre für Duckmäuser. Veröffentlicht sie einige originelle Erzählungen, so tadelt man sie, weil sie nichts ernsthaftes bringt; bringt sie dagegen ernsthaftes, so ftndet man, sie könne nicht zerstreuen und bringe, was man schon in anderen Zeitungen gesehen hat. Legt man unparteiisch Rechenschaft von einer Versammlung ab, hätte man besser gethan zu schweigen; thut man es nicht, so entstellt man den Text. Bringt die Zeitung einen die Frauen interessierenden Artikel,' so sind die Männer unzufrieden, und umgekehrt. Wenn der Leiter der Zeitung in die Kirche geht, hält man ihn ohne weiteres für einen Klerikalen; geht er rkicht in die Kirche, so ist er eiru Mann ohne Glauben und Gewissen. Bleibt er im Bureau, um seine Zeitung zu leiten, so bat er Furcht, sich zu zeigen, geht er oft aus und ins Cafe, so sagt «man, er thäte besser, seine Zeitung zu leiten.
* Was Fürsten schenken. Im „(Sri de Paris" lesen wir: Die Sevres-Vase ist bekanntlich das traditionelle Geschenk des Präsidenten der französischen Republik an Personen, denen er etwas zum Andenken geben will. Dieses fortwährende Schenken von Sevres-Vasen bietet ja nur geringe Abwechselung, aber es ist trotzdem ein Zeichen der Generosität unseres Landes, das allein unter allen Nationen Europas eine Porzellan-Manufaktur unterhält, die fast nur den Zweck hat, dem Staat das Schenken zu erleichtern. Solche Freigebigkeit findet man eigentlich nur noch in Rußland, Oesterreich, Spanien und in der Türkei. Der Zar, der Kaiser Franz Joseph, die Königin-Regentin Christine und der Sultan sind noch der alten Gewohnheit der Könige treu geblieben, Juwelen, Brillanten, mit Diamanten besetzte Tabakdosen und ähnliche Kostbarkeiten zu schenken. Ter Fürst von Bulgarien schenkt am liebsten Silbersachen und besonders silbernes Tafelgeschirr. Der Prinzregent von Bichern, der nicht so freigebig und verschwenderisch ist wie fein prunkvoller Vorgänger, schenkt Rauchern und Nichtrauchern schlichte Holzpfeifen von einer nur auf den Alpen vorkommenden Holzart, die sehr selten sein soll. Die Königin von Rumänien spendet reichlich selbst verfaßte Bücher mit eigenhändig geschriebenen Widmungen. Kaiser Wilhelm schenkt am liebsten seine Photographie mit seiner Unterschrift. Die Königin Wilhelmina von Holland, die man merkwürdigerweise noch immer „die Kleine" nennt, ist keine Freundin vom Nehmen, aber vom Geben noch weniger. Sehr freigebig dagegen ist der in jeder Hinsicht so eigenartige König Alexander von Serbien: er schenkt denen, die er lieb hat, ganze Ländereien; die Beschenkten nehmen aber derartige Geschenke mit einem wahren Grauen entgegen, da sie gewöhnlich mehr an Gebühren, Abgaben u. s. w- kosten, als sie wert sind. (Wir können hinzufügen, daß der allenthalben sehr verehrte Herzog von Lgchsen-Altenbura ganze Waggonladungen von Uhren zu Geschenken verwendet. Jeder Kellner, der ihm auf irgend einem Bahnhof einmal ein Glas Bier oder eine Tasse Thee reichte, erhält eine silberne, jeder Bahnhofs- reftaurateur und jeder Bahnhofsinspektor jedweder Station, auf der der Herzog einmal etwas zu sich nimmt, eine goldene Uhr von Seiner Hoheit. T. Red- d. Gieß. Anz)
Mteratur.
— Im Verlag von Hermann Seemann Nachfolger in Leipzig erschien als „Illustrierte Elzeoter-Ausgaben" Rückerts .Liebesfrühling" mit reichem Bilderschmuck von Huge Fltntzer. Dieser Band, der in drei verschiedenen zarten und duftigen Farbtöoen gedruckt ist, dürste der Sammlung zahlreiche Freunde erwerben. Die Elzevierausgaben bringen die vorzüglichsten Schütze unserer klassischen Dichter in der edelsten Form und eignen sich darum in hervorragendem Matze zu Weihnachtsgeschenken für unsere Damen und die Heranwachsende Jugend. Die einzelnen Bünde kosten in feinstes rotes Sassianleder geb. mit Goldschnitt 3 Mk. und sind durch alle Buch Handlungen zu beziehen.
i — Im Interesse der Allgemeinheit möchten wir unsere Leser auf die Betrachtungen von Arthur Seemann »Der Hnnger «ach Äunfl*, die im Verlage von E. A. Seemann in Leipzig zu dem niedrigen Preise von 1,50 Mk. erschienen find, aufmerksam machen. Jedem, der Sinn für die Künste hat und ihnen naher zu treten strebt, wird darin Förderung finden. Diese klaren, faßlichen Betrachtungen werden ihm über vieles Aufschlutz geben. Das Buch will nicht nur Laien zum Verstehen der Kunst heranbtlden, sondern es bringt auch denen Anregung, die echtes Kunstempfinden besitzen. Für alles von vielen Kunstfreunden nur unbestimmt Empfundene findet es die treffendsten, findet eS leicht verstündliche Worte. Manchem wird eS wohlihun, in diesen einfachen Darlegungen vieles von seinem innerstem Empfinden, von dem ihm vielleicht dieses oder jenes noch gar nicht zum Bewußtsein .gekommen ist, auf daS Prügnaoteste zum Ausdruck gebracht zu sehen. ES gebührt dem Verfasser Dank, daß er durch die knappe Art, mit der er sein Thema behandelte, Vielen das Verständnis für Kunst und Künste erschließen wird. Der polemische Teil ist allcr-
dingS weniger erquicklich und auch recht anfechtbar. Man merkt tie Abficht und wird verstimmt! Profeffor Mulher in BreSlau tff ä, übtt den der Verfasser die Schale seines Zornes bi« zur Neige auSlrert- — Immerhin verdient da« Merkchen wegen deS Werte« feine« größeren, objektiv belehrendm Teiles weiteste Verbreitung. M. H.
Landwirtschaft.
-t- Besichtigung der Viehweide,» vo» Hungen und Wenings. Sm Sonntag den 11 August halten sich 54 Landwirte <u8 der Wetterau, denen sich nachmittags noch 4 in Nidda anschloffen, zur Besichtigung der Provinzial Jungvtehwetden unter Führung M Direktors Dr. v. Peter am Bahnhof Friedberg eingefunden. In Hungen wurde man von der Kommission, der die Verwaltung der Weide übertragen ist, GutSpüchter Dr. Fülberth und Verwalter Wolf- Vtlltngen in liebenswürdigster Weife empfangen und zur Besichtigung der Weide geführt. Trotz de« trockenen Sommer« war der Futternachwuchs zufttedenstcllend, wie auch die Tiere w oh l- g en ährt aussahen, eher etwa« zu volll.ibig. Unter den Rindern befandea sich einige recht minderwertige, was den sonstigen guten Gesamtetndruck der Weide beeinträchtigte. E« dürste daher angezeigt sein, nur nach Dorbestchtigung der jungen Tier« die Zulassung«- genehmtgung zu erteilen, nicht einfach aus schriftliche Anmeldung hin. Denn der Grundgedanke ist doch der, daß nur wertvolleren Zuchttieren mit Hilfe deS Staats,uschuffeS (20 Mk. pro Tier) die Gelegenheit zu befferer Knochenau«btldung gegeben werden soll. Die Anmeldungen müßten so zahlreich sein, daß nur das beste ausgewähU werden kann; die Zulaffung zur Weide sollte dann wie eine Prümiierung, d. h. wie eine Auszeichnung gelten. Di« Fohlen sahen durch die Bank vorzüglich au«, auch waren eS meist filtere (dreijährige) w rtvolle Tier«, Die Weide, bi« im nächsten Jahr« von etwa 70 Morgen aus 120 gebracht werden kann und im übernächsten Jahre noch einem weiteren Zuwachs entgegensieht, indem für die Fohlenweide auch Wald einbezogen werden soll, wird dann dem Bedürfnis ihrer Umgebung ganz gerecht werden können. Beherbergt sie doch bereits in diesem Jahr« 40 Rinder, davon 33 auS dem Kreise Friedberg, und ca. 40 Fohle«. Ein großer Fortschritt gegen früher liegt in der befferen Wasserversorgung, indem besondere Brunnen gebohrt und reinliche Tröge angebracht sind. Bei weiterer Ausdehnung bet Weib« dürfte die Aufstellung eines guten Bullen, event. In Hungen, nicht zu entbehren fein
Nach einfachem, aber gutem Mittagrsfen in der bekannten Gastwirtschaft deS „Solmser Hofes" fuhren wir nach Merkens ritz, wo unS nach etwas heißrr Fahrt die köstliche Höhenluft des Vogelsberg* umwehte: nach einftündtgem Marsche begrüßte unS Pachter £>abn tn Wenings und geleitete unS auf bi« seiner Aussicht unterstehende Weide in Werning«. Von dem Futterstand dort und dem herrlichen Vieh, 70 Stück, auS den Kreisen AlSseld (20), Büdingen (40) und Friedberg (10), waren wir geradezu überrascht. Die oberbadischen Weiden, mit Ausnahme von Mundelfingen, die eben unerreichbar ist, fonnkn keinen befferen Eindruck bieten. Die Tiere in musterhafter Pflege be- weideten munter unter dem Geläute der schön gestimmten Alpenglocken die ausgedehnten üppigen Futter flächen. Sehr Nachahmung«wert ist, daß jüngere und filtere Ziere getrennt gehalten werden. Für Bullen scheint aber der Weidebelrieb nicht sehr geeignet in Rücksicht auf ihre Condition, wenn sie zum Verkauf fertig von der Weide kommen sollen. Da wird mancher wenig Freude erleben. Die Weide ist eben hauptsächlich geschaffen für die jungen Rinder, die Mütter der kommenden Generation, die gute MilchdtSposttion am besten beim freien Weide- detrieb sich «rroerben. Eine Bullenweide tollte auf besonderen Bullenaufzuchtstationen unter ganz spezieller Aufsicht und Pflege vorgenommen werden: imfiübrigen kann nicht genug darauf hingewiesen werden, daß die Gemeinden ebenso wie in Oberbaden noch notwendig haben, gute« Bullenmaterial au« der Schweiz einzuführen. Die Wirkung diese« ia Oberbaden fast durchweg üblichen Verfahren« hat hauptsächlich di« dortige Zucht so schnell hoch gebracht, während bei unS eine Gemeinde sich einmal zu einem wertvollen Zuchttier aufschwingt, dann aber die Courage verliert und daS nächste Mal wieder ein höchst minderwertige« Tier ankauft, daS die erzielten Erfolge wieder vernichtet und die ganz« Zucht in unfichere Bahnen zurückwirft. Auch jetzt wieder ist die Bestellung von OriginalSimmenthaler Bullen beim Provinzialverein nicht den Erwartungen entsprechend. Bi« zum 20. August ist noch Zeit, daher schnell bestellt!
Daß unsere Viehzucht in einzelnen Gemeinden vorangeht, da« hat uns die Besichtigung der Viehweiden wieder gezeigt: im Allgemeinen bleibt aber noch viel in Bezug auf die Einficht der Viehzüchter zu wünschen übrig. Um aber auf Wernings zurückzukommen, so muß noch erwähnt werden, daß die ganze Versammlung einstimmig ihrer Freude über das Gesehene Ausdruck verlieh und dem Provinzial- oerein, der dortigen Viehzuchtkommisfion und dem Veranstalter der lehrreichen Exkursion ihren herzlichen Dank darbrachte. Such die vorzügliche und preiSwürdige Verpflegung bei Gastwirt Joh. Hein wurde rühmend anerkannt. Zu ihm möchte mancher wohl selber gerne länger auf Erholung gehen! Manche Wirte der Niederung könnten sich dort ein Beispiel nehmen, wie man größere Gesellschaften auch heute noch gut und billig verpflegen kann.
Unioersitäts Nachrichten.
— Der Gemeinderat in Jena genehmigte endglltig den Vertrag mit der Universität über die Aushebung der Steuerfreihest der Universitätslehrer und -Beamten.
■■■■AMTLICH GLANZEND BEGUTACHTET: ■■■
SSALUTARISS
TOILETTE-FETT-SEIFE
Unübertroffen für Baet- * ZtlaMltgtt Rein, mild, sparsam.
C. Naumann, Seifen-u. Parfömeriefabrik, Offenbach a.M.
nicht gerade dem Sinne heiterer Weltkinder zusagen mag. Über Christiansen ist ein ernster Mensch. Und zunächst hat rr nach seinen Empfindungen und nicht nicht nach dem Ge schmack anderer sein Heim, das eben kein Dutzendheim sein soll, auch kein „Musterzimmer«CykluS" ersonnen und aus- gestattet.
Wenn die „ötöa in Rosen" zuerst vielleicht am ungewohntesten berührt und deshalb auf dem exponiertesten Posten sieht, dürfte sie am Ende mit diejenige sein, von welcher die stärksten Anregungen für später auSgeheu, weil in ihr der Reichtum der Phantasie bei weitem größer ist als der Reichtum der ausgewendeten Materiale. Dr. M.
Großherzogin Alice.
Tr. Hans Hasselkarnp schreibt in einem „Englische Fürstentöchter auf deutschen Thronen" betitelten Aufsatze im „Rh. C.":
Schweren Herzens folgte Alice, die zweite Tochter der Königin Viktoria, 1862 ihrem jungen Gemahl, dem Prinzen Ludwig von Hessen, in das stille Darmstadt. In das Gluck der Brautzeit waren tiefe Schatten-gefallen: erst der Tod der Großmutter, dann und vor allem aber der des angebeteten Vlrters, der ihr Ideal gewesen war, seitdem ihre junge Seele erwacht war, des Prinzgemahls Albert. Und nun hieß es, in ein neues Land gehen, eine fremde Sprache, fremde Sitten und Anschauungen sich zu eigen machen. Ta war es der Geist des Vaters, der sie führte. Von ihm hatte Prinzessin Alice das ernste Pflichtgefühl geerbt, von ihm den festen Vorsatz übernommen, in ihrem Kreise Gutes zu wirken und sich nützlich zu machen. „In geringem Grade an der großen Arbeit des lieben Papa zum Wohle anderer mitzuhelfen", das wurde der Leitstern ihres neuen Lebens.
Bescheiden genug fing das neue Leben an. In der Wohnung, die das prinzliche Paar zuerst bezog, war nicht einmal so viel Raum vorhanden, daß sie Gäste bei sich sehen konnten, und erst nach Jahren nannten sie ein Haus ihr eigen. Auch waren die Mittet knapp. Wenn es galt, Reisen zu machen, für die schnell wachsende Schar blühender Kinder Erzieherinnen und Dienerinnen anzustellen, dann mußte mancher Wunsch unerfüllt bleiben, obwohl dear Mama nach Kräften aushalf. Diese Schlichtheit der Verhältnisse wurde für das Leben der englischen Fürstentochter bestimmend. Sie fand sich nicht nur in sie hinein, — sie wußte sie in Segen und Schönheit umzugestalten., Gattin und Mutter — selten s,nd diese hohen Stellungen so ganz und tief erfaßt und ausgefüllt worden wie von der hessischen Prinzessin. Auch nach außen hin. Es währte nicht lange, da gingen von der Prinzessin Alice nach allen Seilen hin Anregungen aus, die zu noch heut kraftvoll blühenden Schöpfungen im Hessenlande geführt haben. Tie Pflege der Kranken, der Kinder, der Waisen, der Wöchnerinnen, die Steigerung der Erwerbsthätigkeit der Frau, die Vertiefung ihrer Bildung, die ganze Hebung ihres Geschlechts: das wurde ihre Arbeit. Unermüdlich war sie darin: sie durchbrach den engen Kastengeist, wie er in deutschen Klein- und Mittelstaaten sich so leicht bildet, und zog alle Gesellschaftsklassen zur gemeinsamen Arbeit heran.
Und durch diese Arbeit faßte sie Wurzel im neuen Vaterlande. Es ist schön zu beobachten, wie sie sich allmählich mit deutscher Gesinnung erfüllt. Schon während des schleswig-holsteinischen Krieges von 64 beklagte sie sich, daß die Männer der Herzogtümer kein Recht haben sollten, sich von einem Könige zu befreien, der fein Recht auf sie habe, „lediglich weil sie unglückliche Teutsche sind, bie es sich gefallen lassen, daß man sie unterdrückt". Diese Tage von 66 waren natürlich eine schwere Prüfung für
sie; aber sie erhielt sich ihren klaren Blick; sie sah, was die Zukunft bringen mußte und sie fühlte warm dafür. Nicht vergessen sei ihr, daß sie 1866 an ihre Mutter schrieb: „Gott gebe, daß dieser Krieg . . . nicht umsonst gewesen ist, und daß endlich Deutschland ein mäch- trges starkes Reich werden möge. Dann wird es das erste in der Welt sein,, aus welchem die großen Ideen und Gedanken kommen, frei Don engherzigem Vorurteil." Und sie erlebte die Erfüllung. Während des Volkskrieges gegen Frankreich war sie stolz, die Gattin eines deutschen Offiziers zu fein unb., wie sie am 5. August 1870 schrieb, stolz, dem deutschen Volke anzugehören. Sie fühlte seine Begeisterung mit, unb wie jede deutsche Frau fühlte sie die Sorgen um ihren vor dem Feinde stehenden Mann.
Der fürchterliche Würgengel Tiphtheritis kehrte in ihr Haus ein unb raffte nach ihrem jüngsten Kinbe sie selbst hinweg. Sic ist dahingegangen, aber unverlöscht ist ihr Anbenken im Hessenlanbe, nnverlöscht in Teutschlanb. Und als eine Art Testamentes dürfen wir die Maximen bezeichnen, die sie für die Erziehung ihres „Ernie", des heutigen Oroßherzogs von Hessen,, aufstellte. Er solle werben, so schrieb sie. „ein Edelmann im vollsten Sinne des Wortes, ohne Prinzendünkel, bescheiden, unegoistisch, hilfreich, mit jenen Eigenschaften, welche vor allem die englische Erziehungsmethode zu entwickeln strebt; Pflichtbewußtsein, Ehrgefühl und Wahrheitsliebe und der Achtung vor Gott und dem Gesetze, die allein wahrhaft frei machen."
So weit Dr. Hasselkarnp. Wir aber fügen mit freudigem Stolze hinzu, daß sich diese Wünsche und Hoffnungen der leider so früh verstorbenen edlen Fürstin köstlich erfüllt haben.


