Ausgabe 
17.7.1901 Erstes Blatt
 
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Nr. 165 Erstes Blatt.

151. Jahrgang.

Mittwoch 17. Juli 1901

Erscheint täglich mit

Ausnahme deS Montags.

Die Gießener Zamilien- blälter werden dem An-

»tiger im Wechsel mitHess, pandwirt" undBlätter für Hess. Volkskunde" vier­mal wöchentlich beigelegt.

Annahme von Anzeigen ftu der nachmittag» für den folgenden Tag erscheinenden Stummer biS vorm. 10 Uhr. «bbestellungen spätesten» abend» vorher.

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GietzenerAn;eiaer

** General-Anznger v

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

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Alle Anzciaen-Dermitilungl« stellen des In- und AuLlande» nrhinen Auzeioeu für den Gictzencr Anzeiger entgegen. Zeilenprei». lokal 12 Pfg., auöwärlö 20 Pfg.

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Anzeiger Sichen.

Fernsprechanschluß Nr.bl.

AeKannimachung,

betreffenb: Die Voranschläge der Landgemeinden deS Kreises Gießen pro 1901/02.

Uebersicht

der von Großherzogl. Ministerium deS Inner« für daS Etatsjahr 1901/02 genehmigten Umlagen der Kommnnalbedürfnifse in den Landgemeinden des KreifeS Gietzeu.

| Ordnungs-Nummer. ||

Namen der Gemeinden.

Summe der doppelten Grund­zahlen und der ganzen Ein- kommen- steuer- betr äge.

Umlagen auf die doppelt. Grundzahlen und die ganzen Eta- kommensteuerbeträge der OrtSetnwohner und Forensen.

Sonstige AuSschläge.

5 Namen

5

E e Gemeinden. Q

5

Summe der doppelten Grund­zahlen und )er ganzen Etn- kommm- steuer- betröge.

Umlagen auf die doppelt. Grundzrblen und die ganzen Ein- kommensttuerbeträge der Ortseinwohner und Formsen.

Sonstige Ausschläge.

Aus­schlag.

Zuschlag in Prozenten der doppelten Grundzahlen und deS ganzen Einkommeu- steuerbettag«.

Erheb.-Zrele.I

Aus­schlag.

Zuschlag in

Prozent.

OQ

'S xr i-* Ö

Bezeichnung

der Art deS Ausschlags und der Repartitionsnorm.

Aus­schlag.

Zuschlag in Prozenten der doppelten Grundzahlen und de» ganzen Einkommen­steuerbettag«.

lErheb.-Ztele.!

Aus­schlag.

Zuschlag in

Prozent.

*3

5?

s

Bezeichnung

der Art deS Ausschlags und der RepartitiouSnorm.

JL

V10

JL

JL.

V10

1

Albach ....

_

_

_

_

15 Londorf

10298

-__

12000

116528

4

2

Allendorf a. d. Lahn

5005

2

6400

127,868

4

16 Lumda ....

3354

2

3800

113,291

4

650

19,459

4

Wie 11.

3

Allendorf e. d. Lda.

11799

6

6700

48,307

4

17 Mainzlar .

4799

2

1900

39,590

4

4

Allertshausen . .

1395

6

2300

164,804

4

18 Münster

2765

4

3500

126,564

4

5

Alten-Buseck . .

11250

11000

97,778

4

650

7,312

4

Auf die doppelten Grund« zahlen und die ganzen Ein-

19 Muschenhetm mit Hof-Güll. . .

6264

6

5680

90,814

4

740

29,362

4

Wie 11.

kommensteuerbetröge der

50 Nieder-Befstngen

3631

8

2000

55,070

4

Annerod

Bellersheim

ev. Ortseinwohner.

51 Nonnenr oth . .

2804

8

2500

89,133

4

530

52,192

4

Wie 20 der Grundbesitzer.

6

4660

6

3300

70,807

4

52 Obbornhofen

7263

4

10000

137,677

4

7

10485

6

11000

104,906

4

450

14,018

4

Wie 5 der Parochianen.

53 Ober-Bessingen.

3767

2

2950

78,308

4

8

Beltershain

2428

6

4100

168,822

4

54 Ober-Hörgern .

6114

3900

63,789

4

9

Bergheim . .

55 Odenhausen mU

10

Bersrod

Bettenhausen . .

Appenborn .

2255

8

2200

97,527

4

11

4881

5000

102,439

4

525

22,569

4

Wie 5 der immnsteuerbaren ,

56 Ober-Steinberg

Beuern

Objekte.

(Feldgem.)

12

7688

4000

52,030

4

57 Oppenrod . .

2522

800

31,721

4

13

Birklar . . .

5505

4

6000

108,984

4

795

40,645

4

Wie 11.

58 Queckborn .

6186

4

6000

96,987

4

14

Burkhardsfelden

4294

8

6600

153,675

4

59 Rabertshausen mit

15

Elimbach

1089

2

2000

183,622

4

RtngelShausen

2184

2800

128,206

4

48

2,264

4

Wie 11.

16

Daubtingen

3238

2600

80,297

4

60 Retnhardshatn .

3100

4

6300

106,438

4

17

Dorf-G»ll . . .

3228

8

6000

185,822

4

61 Reiskirchen . . .

5419

3500

64,588

4

18

Eberstadt mit ArnS-

62 Rodheim mit Hof-

bürg ....

6968

7300

104 765

4

Graß

3156

2

2400

76,041

4

19

Ettingshausen .

5432

2

1000

18,406

4

53 Rödgen . .

4724

4

7000

148,167

4

20

Feldhelm (Feldgem.)

800

54,334

4

Auf die doppelten Grund-

64 RöthgeS . . .

2283

3000

131407

4

zahlen der Grundsteuer.

55 RüddtngLhausen

4350

6

9000

206,869

4

2

Garbenteich

4719

2

5700

120,784

4

.700

14,921

4

Wie 11.

56 Ruttershausen mit

22

Geilshausen . .

Göbelnrod . .

4027

5300

131,612

4

Kirchberg

3493

6

1600

45,799

4

23

1939

4

2900

149,531

4

57 Saasen mit Bolln-

24

Großcn-Buseck . .

18640

2

4000

21,459

4

bach, VeitSberg u.

25

Großen-Ltnden . .

24438

17000

69,564

4

Wirberg .

3306

4

4800

145,173

4

170

5,218

4

Wie 11.

26

Grünberg .

34080

2

29500

86,561

4

1880

5,597

4

Wie 11.

2400

94,111

4

Wie 43.

27

Grüningen .

6870

7200

104,804

4

68 Stangenrod

2732

6

4000

146,381

4

28

Harbach . . .

3324

2

3700

111,305

4

59 Staufenberg mit

29

Hattenrod . . .

Frtedelhausen

30

Hausen

3533

4

4000

113,206

4

70 Steinbach

8203

5000

60,954

4

31

Heuchelheim

17903

2

22000

122,884

4

71 Stetnheim . . .

4973

2

2400

48,259

4

950

38,437

4

Wie 11.

32

Holzheim . . .

9626

8400

87,264

4

400

10,244

4

Wie 11.

72 Stockhausen . .

1726

4

3150

182,461

4

33

Hungen . . .

24289

4

8000

32,937

4

73 TratS-Horloff .

6607

4

7900

119,563

4

34

Inheiden . . .

4277

2

6300

147,293

4

74 Treis a. d. Lumda.

9217

8200

88,967

4

705

10,588

4

Wie 5.

35

Kesselbach .

Klein Linden .

3832

2

6100

159,178

4

75 Trohe ....

955

2300

240,838

4

36

8229

2

10800

131,240

4

75

0,926

4

Wie 11.

76 Utphe ....

5458

4

3500

64,122

4

1214

48,137

4

Wie 11.

37

Langd ....

6860

4400

69,183

4

246

8,420

4

DeSgl.

77 Vtllingen . . .

7106

2

4000

56,289

4

38

Lang-GönS.

19611

6

14500

73,936

4

2975

15,406

4

Desgl.

78 Watzenborn mit

39

Langsdorf .

13066

'8

5700

43 623

4

Steinberg

10899

6

13000

119,271

4

175

1,669

4

Wie 11.

40

Lauter ....

3549

4200

118,344

4

79 Weickartshain .

2160

4000

185,186

4

41

Leihgestern .

16111

6

10500

65,171

4

2383

16,141

4

Wie 11.

80 Wettershain

3665

8

4200

114,573

4

42

Lich mit Hof-Albach,

81 Wtesrck ....

20889

23000

110,106

4

Eolnhausen und Mühlsachsen .

42200

8

16000

37,914

4

1280

6,529

4

Wie 11.

82 Winnerod . .

1718

2

1150

66,931

4

43

Lindenstruth

1800

3900

216,667

4

110

9,567

4

Wie 20 der Parzellenbesttzer.

44

Lollar ....

25038

6

12500

49,923

4

100

42,159

4

Auf einen Teil der doppelten

Grundzahlen der Grund steuer.

Vorstehende Ueberficht wird hiermit als richtig bescheinigt und unter dem Anfügen zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß die Erhebung der Umlagen in vier Zielen, und zwar in den Monaten bezw. für die Monate Juni, August, Oktober und Dezember 1901 erfolgen soll.

Die Publikation vorstehender Ueberficht ist im Großh. Regierungsblatt Beilage Nr. 9 vom 6. Juli 1901 erfolgt, von welchem Tage ab auch die vierwöchige Frist zum Vorbringen von Reklamationen läuft, welche gegen die Erhebung von Umlagen überhaupt gerichtet find.

Gießen, den 11. Juli 1901.

GroßherzogltcheS Kreisamt Gießen.

v. Bechtold.

Niljll- der Strafen an den Hmptschaldizen China».

Am 13. Februar war ein kaiserlicher Erlaß erschienen, worin nach dem Selbstmorde von Hsutung, Kangyi und Lipin ghöng für die übrigen Anstifter und Förderer der Boxerbewegung die von den Verbündeten ge- fordertenStrafen verkündet wurden. Unter der Auf­sicht der Fremden ist davon nur die Hinrichtung vollzogen worden an dem früheren Gouverneur von Schansi Whsien und den beiden Staatsministern Tschihsin und Hsütschöngi rn Peking, worüber seinerzeit an dieser Stelle ausführ­licher berichtet wurde. Ob die weiteren Todesurteile und schweren Strafen an den anderen Beamten außerhalb Pe­kings auch wirklich vollstreckt waren, konnte man hier bisher nicht mit völliger Sicherheit sagen, sondern mußte die Versicherung der chinesischen Regierung darüber auf Treu und Glauben annehmen. Jetzt erscheint aber in der einheimischen ZeitungPekinger Gesammelte Nachrichten" eine Darstellung des Strafvollzugs an den übrigen Man­darinen, die so viel Einzelheiten enthält, daß an ihrer Richtigkeit nicht gut gezweifelt werden kann. Nach einer auf der deutschen Gesandtschaft angesertigten Uebersetzung des am 16. Mai erschienenen Blattes haben die drei hohen Beamten Tschauschutsschiau, Aungnien und Prinz Tschwang in der That auf Befehl des Kaisers Selbstmord

begangen und Prinz Tuan ist in die Verbannung nach der westlichen ReichDgrenze geschickt worden. Eine wörtliche Wiedergabe des chinesischen Berichts würde keine ange­nehme Lektüre bilden, da darin mit echt chinesischer Grau­samkeit und ungeschminkter Deutlichkeit die Einzelheiten des Todes der Verurteilten ausführlich erzählt werden. Im großen Ganzen sind die berichteten Thalsachfen fol­gende: Für keinen kam die Verkündung des Todesurteils überraschend. Niemand hatte auf mildere Strafe gehofft, im Gegenteil schienen alle im Grunde rechft erstaunt, wie glimpf­lich das Geschick mit ihnen verfahren. Am meisten Schwie­rigkeiten machte der Tod Tschauschutschiaus, des früheren Vorsitzenden des Justizamtes. Tie Bevölkerung von Hsin- ganfu nahm an seinem Geschick großen Anteil und wollte es aus keinen Fall zulassen, daß der Hof ihn den Forder­ungen der Fremden opfere. Als am 17. Februar in der Provinzialhauptstadt bekannt wurde, der Kopf von allen hohen Mandarinen werde gefordert, die an dem Boxer­aufstand einen hervorragenden Anteil genommen hatten, überreichte die Bevölkerung eine Massenbittschrift, bat um das Leben des Bedrohten und gab durch Ansammlungen auf den öffentlichen Plätzen und drohende Haltung zu ver­stehen, daß sie eine Hinrichtung nichft dulden werde. In ihrer Verlegenheit berief die Kaiserin, die nach dem Be­richt doch die alleinige treibende Kraft am Hofe zu sein

scheint, eine Sitzung des Staatsrats für den 20. F^ruar zu 6 Uhr morgens, wie ja auch in Peking die Berat­ungen des Kaisers mit seinen Beamten immer in den- ersten Morgenstunden stattzufinden pflegten. Noch nach vier Stunden Sitzung konnte die Kaiserin zu keinem Ent­schluß kommen. Erst,als das Volk, das in dieser ganzen Angelegenheit einen ganz ungewöhnlichen Anteil an den Staatsgeschäften zu nehmen scheint, damit drohte, die Kaiserin zur Rückkehr nach Peking zu zwingen (was nach chinesischen Begriffen also eine Demütigung sein würde), entschloß sie sich, den Vorschlag des Staatsrats anzu­nehmen und das Todesurteil in den Befehl zum Selbst­mord umzuwandeln. Um 8 Ubr Morgens am 21. Februar erging dazu der Befehl, den der Gouverneur der Provinz, Tsönn, sofort dem Verurteilten vorlas mit dem Zusatz, daß die Kaiserin für 6 Uhr nachmittags den Bericht über den Vollzug der Strafe eingefordert habe. Tschauschutschiau hoffte nock auf einen zweiten Erlaß, der das Urteil um­stoßen und ihm das Leben schenken könne; er baute auf seine starte Stellung beim Volk. Aber die Kaiserin war durch die beunruhigenden Nachrichten von dem Vormarsch der Europäer dem vom Grafen Waldersee damals ge­planten Angriff auf Taiyuanfu so eingeschüchtert, daß sie nichts mehr an ihrem Befehl zu ändern wagte. So denn Tschauschutschiau Blattgold, um sich aus diese