Ausgabe 
17.4.1901 Zweites Blatt
 
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Bezüglich des angeblichen Kaiserwortes von dem Kanalschlucken bemerkt die bündlerischeDtsche. Tgsztg.":Um eine offizielle Erklärung herbeizuführen, wollen wir eines Gerüchts Erwähnung thun, das mit großer Bestimmtheit auftritt. Es heißt nämlich, daß es fich nicht um eine Aeußerung, sondern um eine Randbemerkung zu einem Zeitungsausschnitt handle."

Zu einem Artikel desHamb. Korresp.", in dem erklärt wird, daß der Kaiser entgegen seiner Ueberzeugung jetzt der Ansicht sei, daß in Bremen ein förmliches, be­wußtes und beabsichtigtes Attentat gegen ihn ver­übt worden sei, bemerkt dieWeserztg.", daß die Unter­suchung bis jetzt keinerlei Momente ergeben habe, die die veränderte Auffassung der Sache rechtfertige.

DemReichSanz." zufolge wurde dem Generaloberst Frechrn. von Los das Eerdienstkreuz der preußischen Krone verliehen.

Der Bundesrat überwies in seiner heutigen Sitzung den Entwurf von Bestimmungen über die Beschäftigung vonGehilfen und Lehrlingen inGast- undSchank- wirlschasten, sowie den Entwurf einer Verordnung wegen Vervollständigung der Militär-Transport-Ordnung für Eisen­bahnen vom 18. Januar 1899 den zuständigen Ausschüssen. Die Vorlage betr. die Ausprägung von Reichs-Gold- und Silbermünzen im Jahre 1900 wurde zur Kenntnis genommen. Ferner überwies der Bundesrat die Resolutionen des Reichs tages zu den Gesetzentwürfen betr. die Feststellung des ReichS- haushaltSetatS und des HauShaltSetats für die Schutzgebiete auf 1901 teils dem Reichskanzler, teils den zuständigen AuS- schüffen und stimmte den mündlichen Ausschußberichten über die Entwürfe eines SüßftoffgesetzeS und eines Gesetzes betr. die Abänderung des Branntweinsteuergesetzes vom 24. Juni 1887/16. Juni 1895 zu.

In derHilfe" wird eine Berechnung darüber auf­gemacht, wieviel die Familie v. Puttkamer auf Grund des GetreideertragS ihrer pommerschen Güter durch den jetzt be­stehenden Getreidezoll alljährlich gewinnt. Das Blatt des Pfarrers Naumann kommt auf die Summe von 151030Mk., nachdem es den pommerschen Besitz dieser Familie an Ge­treideboden auf etwa 8000 Hektar fefigeftellt hat.

Wie jetzt bekannt wird, ist eS den Anarchisten Deutschlands gelungen, ohne von der Polizei gehindert zu werden, ihre schon längst geplante Konferenz zu Ostern in einer Stadt Süddeutschlands abzuhalten. Der Hauptpunkt der Tagesordnung war die Konstitution derDeutschen Föderation revolutionärer Arbeiter" und die Organisation in den einzelnen Städten. 13 Städte waren durch 19 De- legierte vertreten.

Bonn, 15. April. Nach jahrelanger, durch eine frühere Biemarckkundgebung verursachter Spaltung einigten sich heute die katholischen mit den übrigen Korporationen zur Ver­anstaltung eines gemeinsamen Kaiserkommerses in der Beethovenhalle, deren Ausschmückung die Stadt übernimmt. Als Gäste werden die Corpsbrüder des Kaisers aus dessen Bonner Studentenzeit eingeladen. Nur zwei offizielle Reden werden gehalten: auf den Kaiser und auf den Kronprinz. Man hofft, daß der Kaiser an der Feier teilnehmen wird, Vielleicht wird ihr auch der Kronprinz beiwohnen.

AnsüllÄ.

Loudon, 15. April. König Eduard empfing heute die von Generalmajor v. Moltke geführte deutsche Militärab- vrdnung, die von Kaiser Wilhelm abgesandt worden war, um dem König die neue deutsche Feldausrüstung für über« feeische Truppen zu zeigen. Lord Roberts und General­major Sir Henry Trotteur, Kommandeur des Londoner Be- zirks, waren bei dem Empfang anwesend.

Brussel, 15. April. DerEtoile" erklärt sich ermäch tigt, die Gerüchte von der bevorstehenden Verlobung des Prinzen LouiS Napoleon mit einer russischen Prin­zessin zu dementieren.

Paris, 15. April. Am Samstag besuchte Loubet in dem Dorfe Marsanne seine 8 8jährige Mutter, die sich noch munter und gesund befindet. Der Präsident bedauert nur, daß die alte Frau sich so viele Sorgen um ihren Sohn mache.

Rom, 15. April. In dem heute abgehaltenen geheimen Konsistorium hielt der Papst eine Ansprache, in der et auSführte, daß die gegen die Katholiken sich richtenden bedrohlichen Vorgänge eine immer ernstere Gestalt an« nähmen, und sich von einem Teile Europas zum andern fortpflanzten. An verschiedenen Stellen, die räumlich getrennt, aber durch gleichartige Gesinnung geeint seien, werde ein Feldzug geführt gegen die religiösen Kongregationen, um sie langsam zu vernichten. Sodann sprach der Papst von der Lage, in welcher er sich befinde. Er bezeichnete dieselbe als ebenso unwürdig wie verletzend. Mit Bezug auf den von einem sozialistischen Deputierten eingebrachlen Gesetzentwurf zugunsten der Ehescheidung äußerte der Papst, man wolle den bis­herigen Kränkungen der Kirche eine neue hinzufügen, die die Heiligkeit der christlichen Ehe herabsetzen und die inneren Grundlagen der menschlichen Geschichte zerstörten. Der Papst sprach sodann mit Betrübnis davon, welche Gefahren die Gegenwart in sich berge, fügte hinzu, er sehe für die Zu­kunft noch größere Gefahren voraus und forderte die Men-

T1' ö" Gott ihre Zuflucht zu nehmen. Zum Schluß verkündete der Papst die Ernennungen der neuen Kardinäle, von denen della Volpe und San Miniatelli in dem Konsi ftortmn vom 19. Juni 1899 in petto ernannt waren.

Aden, 15. April. Der italienische General-Konsul in Sansibar ist aus dem unter italienischem Protektorat stehenden Midjertingebiete an der Somaliküste hierher zurückgekehrt. Er war dorthin mit dem Auftrage geschickt worden, die nötigen Maßregeln zur Unterdrückung des schmugglerischen Waffenhandels zu treffen und den Hauptbeteiligten an jenem Waffenschmuggel, nämlich den unter italienischem Schutze stehenden Sultan von Midjertin. zum Gehorsam zu zwingen. Da der Sultan eine feindselige Haltung einnahm, wurden seine Wohnstätten in Bereda und Bender-Kassau be

choffen, sein Sohn gefangen genommen und eine große Menge von Munition und Waffen beschlagnahmt. Der Sultan selbst, der mit einigen seiner Leute in das Innere des Landes geflüchtet und ohne Munition war, mußte sich chließlich unterwerfen._________________________________________

Aas Stadt und Land.

Gießen, den 16. April 1901.

Einen Nachruf von inniger Wärm: widmet in unserem eutigen Anzeigenteil im Namen des OffizierkorPS des Inf,« Regiments Nr. 116 der Kommandeur Oberst v. Dewitz dem rei Peking erschossenen Hauptmann Bartsch. In einem Frankfurter Blatte finden wir folgende Anzeige:

Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, in der Nacht vom 9. zum 10. dS. Mts. in Peking meinen heißgeliebten Mann, unseren teueren Sohn, Bruder, Schwiegersohn und Schwager Georg Bartsch, Haupt­mann und Kompagntechef im 2. ostastattschrn Infanterie Regiment, zu ich zu nehmen. Dies zeigt im tiefsten Schmerze mit der Bitte um ttlleS Beileid an

Agnes Bartsch, geb. Mende, zugleich im Namen der Familien Bartsch und Mende. Loschwitz bet Dresden, Striegau, Breslau, Charlottenburg, Jnowrazlaw, Schmiedeberg im Riefengeb., ZtegenhalS und Forst in Laus., 12. April 1901.

Eine Pekinger Drahtung anLaffanS Bureau" meldet, daß die Deutschen eine Züchtigung über die Be­völkerung von drei Dörfern verhängten, die in der Nähe der Stelle liegen, wo jüngst ein deutscher Offizier getötet wurde. Daraus geht mit Sicherheit hervor, daß nun­mehr die begründete Annahme besteht, daß Hauptmann Bartsch von Chinesen ermordet worden ist. Damit fallen alle müssigen Kombinationen in nichts zu- ammen! Die Angehörigen des Ermordeten haben die leberführung der Leiche nach der schlesischen Heimat tele graphisch beim Auswärtigen Amte erbeten, und es ist an» unehmen, daß dieser Bitte entsprochen werden wird. )ie amtlichen Nachrichten über den Tod von Bartsch sollen ch übrigens mit den von uns bisher veröffentlichten privaten Meldungen vollständig decken. Die Annahme, daß ein Un glücksfall vorliegt, ist auch amtlicherseits vollständig fallen i klaffen worden. «

Kurz vor Schluß der Redaktion geht uns folgende Nach­richt zu:

Man meldet aus Peking vom 15. ds. Mts.: Ein junger Ch'nese namens Howa» wurde als Mörder des Haupt­manns Bartsch heute ergriffen. Er gesteht die Thal ein, die er im Affekt wegen einer angeblichen Mißhandlung durchBartfch begangen habe, und rühmt fich sogar der That. Howau und ein anderer, gleichfalls Henle verhafteter Chinese wurden auf dem Pferde Bartsch's fitzend angetroffen. Außer diesen find noch zwei Chinesen, die zu der Mordthat n Beziehung stehen sollen, verhaftet worden.

Die schnelle Ermittelung und Festnahme des Mörders und feiner Helfershelfer ist das Erfreuliche an der grausigen That, die nun völlig aufgeklärt scheint und ihre Sühne um vorzüglich finden wird. Das Nachspiel der Tragödie wird eie Hinrichtung des niederträchtigen Mordbuben bilden. Die deutsche Reichsregierung aber wird nicht zögern, die chine­sische Regierung für diese neueste himmelschreiende Blutthat verantwortlich zu machen. Ihre Maßnahmen bleiben ab­zuwarten. Sie werden gewiß der Ruchlosigkeit der Thäter entsprechen. Auch werden die Entschädigungsansprüche -dem- gemäße Erweiterung erfahren.

Wie wir noch erfahren, stand Frau Hauptmann Bartsch in diesen Tagen im Begriff, ihrem Manne nach China zu folgen, da er ihr sein Wohlbefinden und die dortigen 93er« hältnisse auf das Angenehmste geschildert hatte. Drei Tage vor ihrer beabsichtigten Abreise aus Loschwitz ging ihr die er schütternde Nachricht von dem gewaltsamen Ende ihres Gatten zu.

-i-l. Provinzial-Ausschuß. Außer der Frage der Polizeikosten für Bad-Nauheim, über die wir bereits gestern berichteten, kamen noch folgende Gegenstände zur Verhandlung: Zunächst wurde auf Antrag der Bürger­meisterei Bad-Nauheim die Enteignung mehrerer zur Anlegung eines neuen Friedhofs erforderlicher Grundstücke ausgesprochen und dann in die Verhandlung betreffend die Bureaukosten des Bürgermeisters Köhler zu Langsdorf eingetreten. Dieser hatte bei Aufstellung des Gemeinde-Voranschlags für 1900/1901 die Erhöhung der Bureaukokten von 450 Mark auf 600 Mark beantragt. Der Gemeinderat hatte diese Erhöhung abge­lehnt. Später hatte Bürgermeister Köhler nochmals die Erhöhung und zwar auf 900 Mark beantragt. Wegen des beteiligten öffentlichen Interesses, da es nämlich im öffent­lichen Interesse gelegen ist, daß ein öffentlicher Beamter, wie es der Bürgermeister ist, eine ausreick)ende Vergütung erhält, chatte das Großh. Kreisamt Gießen dem Gemeinde­rat die Erhöhung der Bureaukoften angesonnen und zwar auf 752 Mark jährlich. Demgegenüber hatte der Gemeinde­rat von Langsdorf vorgebracht, daß bei einer guten Ver­waltung seitens des Bürgermeisters eine Erhöhung wohl angebracht sei, daß aber die V e r w a l t u n g des Bür­ge r m e i st e r s Köhler eine pflichtwidrige, leichtfertige und für bic Gemeinde schädliche fei; gleichzeitig hatte der Gemeinderat Thatsachen erwähnt, die dies beweisen sollten. Trotzdem war seinerzeit der Kreisausschuß zu der Entscheidung gelangt, daß dem An­sinnen des Kreisamts Gießen stattzugeben und die Ge­meinde Langsdorf kostenfällig zu verurteilen fei, die Bureau­

kosten ihres Bürgermeisters mit Wirkung vom 1. April 1900 an auf 752 Mark jährlich zu erhöhen. Der Kreisausschu war hierbei von dem Standpunkt ausgegangen, daß di Bureaukosten in der Hauptsache darstellen die Entschädigung für Auslagen, zum kleineren Teil auch für Zeitverlust und Bemühung. Als maßgebend mußten in Betracht kommen die Bevölkerungszahl, die Größe der Gemarkung und die Höhe des Gemeindevermögens. Im Gesetze seien die per- sönliae Tüchtigkeit, der Eifer und die Gewissenhaftigkeit des Bürgermeisters als die Höhe der Vergütung be­stimmende Momente nicht erwähnt; es verstehe sich jedoch von selbst, daß die Gemeinde die Vergütung hiernach be­messen werde und die Aufsichtsbehörde werde nicht ent gegentreten, sobald die durch den Charakter des Amts als Ehrenamt gesteckten Grenzen nicht überschritten würden. Gegen diese Entscheidung hatte die Gemeinde Langs

dorf Rekurs eingelegt und zur Begründung an­geführt, daß die Dienste des Bürgermeisters ü r d i e Gemeinde nicht derartige seien, daß man ihm mehr für Bureaukosten gewähren olle, als er in der kurzen Zeit, während der er sich einer Thätigkeit mit wenig Eifer undGeschick widme, hatfächlich verauslage. In der mündlichen Verhandlung kam der Vertreter der Gemeinde auch auf die Persön - lichkeit Köhlers zu sprechen, und betonte, daß er ein Mensch von individueller und origineller Ent - wicklitng sei, der nur seinem eigenen Kopf folge und durch seine Eigenart und seinen Eigensinn die Ge­meinde schädige. Taber finde er auch ke i n e S t ü tz e i m G e m e i n d e r a t. Nach Ansicht der Gemeinde werde eine Prämie gesetzt auf die Untauglichkeit und Unzu­verlässigkeit des Bürgermeisters, wenn die Bureaukosten erhöht würden. Tie Fülle seiner Aemter er fei Vorsitzender einer großen Zahl von Vereinen, auch Reichstags- und Landtagsabgeordneter seine Thätigkeit in der Presse, sowie seine agitatorische Wirksamkeit unter den Bürgermeistern und die Abfassung seiner konfusen Anträge für die Kammer verh in dereihn, sein Amt als Bürgermeister richtig zu führen. Gleichzeitig wurde die Zahl der Beschwerdepunkte über die Dienstführung des Bürgermeisters auf 13 erhöht und Beweis hierfür angeboten. Der VeV-- tretet des Kreisamts Gießen nahm den Bürger­meister Köhler in einzelnen Beziehungen in Schutz und betonte, daß Köhler doch für Langsdorf vieles gethan habe. Dafür, daß er mehr wie seither dem Pu­blikum zur Verfügung stehe, werde gesorgt werden. Was die Höhe der Bureaukoften anlange, so sei hierfür nicht das Maß der Leistung, sondern hauptsächlich der Umfang der in der Gemeinde vorkommenden, dem Bürgermeister obliegenden Geschäfte maßgebend. Dementsprechend ge­langte der Provinzialausschuß zu der Entscheidung, daß der Rekurs als unbegrün de tabzu weisenseiunter gleichzeitiger Ablehnung der gestellten Be­rn e i s a n t r ä g e und unter Verurteilung der Gemeinde in die Kosten des Verfahrens. Von der Ansetzung eines Aver- ionalbetrages wurde abgesehen. Nun wird Köhler, so meinte, wie man uns von anderer Seite mitteilt, der Rechts­vertreter der Gemeinde Langsdorf in der Sitzung, be­haupten, ihm feien in Anerkennung feiner Verdienste um die Gemeinde Langsdorf feine Bureaukoften um zwei Jn- tanzen erhöht worden. Hierauf kam die Klage der Brauerei- un b Mälzerei-Berussgenofsen- chaft zu Frankfurt a. M. gegen b i e Gemeinde Bellersheim zur Verhandlung. Die Klägerin hatte für einen Knecht der Gambrinus-Brauerei in Butzbach, welche in Bellersheim eine Niederlassung besitzt, die Heilunas-- kosten getragen und verlangte auf Grund des § 76 c des Krantenversicherungsgesetzes Zahlung von Krankengeld im Betrage von 26.92 Mk., welches ihr auch ^gesprochen wurde. Ter letzte Punkt der Tagesordnung, die Klage desOrts - arrnenverbau des Lauter gegen den Orts­armenverband Grünberg wegen Unterstützung be® hilfsbedürftigen Georg Biedenkopf mußte aus rechtlick>en Gründen vertagt werden.

** Eiseudahu Personalien. Ernannt wurden: Stations- Vorsteher K u t s ch e r in Lollar, unter Versetzung nach Gießen, zum StationS-Vorsteherl. Klaffe. Stations-Assistent Kölln er in Gießen, unter Versetzung nach Lollar, zum StationS- Vorsteher 2. Klaffe; Stations-Assistent Rode und Rusag zu königlichen Güter«Expedienten in Gießen. Versetzt wurde: Stations-Assistent Fischer von Gießen nach Bad-Nauheim.

ko. Büdingen, 15. April. Eine sehr nützliche Anlage wird gegenwärtig für unsere Stadt errichtet. Am Nordende des fürstlichen Parkes wird nämlich eine B adeanftalt am Seemenbach erbaut. Bis zum Beginn der Badesaison wird das Werk fertiggestellt sein.

i. Bad-Nauheim, 15. April. Im Auftrage der hessischen Regierung weilte heute der Geh. Ober-BergraH Professor Dr. L e p s i u s von Darmstadt hier und gab, im Einvernehmen mit der hiesigen Badedirektion, folgende amtliche Erklärung über die Störungen bei den alten Spruideln ab:

Beim Bau des neuen Badehauses in Bad-Nauheim, das in nächster Nähe der Sprudel in diesem Winter erbaut wurde, und beim Einbau der Rohrkammer für den neuen Sprudel im März dieses Jahres mußte das Grund- wasser bis in eine Tiefe von 5 Meter aus dem Unter­grund bei den Sprudeln ausgepumpt werden, während es sonst nur 23 Meter unter der Erdoberfläche steht. Da nun die Verrohrung der beiden alten Sprudel, die zu verschiedenen Zeiten in den Jahren 1846 bis 1862 zum Teil hergestellt, zum anderen Teil erneuert wurde, im Laufe der letzten 40 Jahre teilweise gelitten hat, wie dieses bereits früher festgestellt ist, so konnte nach Absenkung des Grund- Wassers das Thermalwasser und die Kohlensäure im oberen Teile der Steigrohre in die Sand- und Kiesschichten austreten. Hierzu kam, daß die Kohlensäure das Thermal- wasser in den Steigerohren bei Absenkung des Grund- Wassers um ca. 3 Meter höher heben mußte, um die Sprudel frei aus der Nohröffnung in die Luft auszu­werfen. Einerseits war also durch seitlichen Austritt von Kohlensäure durch die schadhaften Steigerohre weniger auf* treibende Kraft vorhanden, andererseits war mehr Kraft zum Auswerfen des Thermalwasfers nötig als vor der Absenkung des, Grundwassers. Diese beiden Gründe be­wirkten, daß die beiden alten Sprudel so geschwächt wur­den, daß sie weniger stark ausflossen. Ter beste Beweis hierfür ist, daß der neue Sprudel XIV gar nicht gestört oder geschwächt wurde, obwohl die betreffenden Tiefbauten un­mittelbar bei seinem Steigrohre stattfanden. Der neue Sprudel ist eben mit den vollkommenen Mitteln der mo­dernen Technik durch Kupferrohre bis in große Tiefe gefaßt und vollständig gegen das Grundwasfer durch eine be­sondere Abdichtung abgeschlossen. Nachdem nunmehr bte Tiefbauten fertig gestellt sind, und das Grundwasfer feinen normalen Stand wieder erreicht hat, werden sich die falschen Wege im Untergründe bald völlig schließen und ein seit­licher Ausfluß der Kohlensäure aus den Steigerohren nicht mehr stattfinden. Hierdurch werden die alten Sprudel binnen kurzer Zeit ihre frühere Kraft wieder gewinnen. Jedenfalls geht aus diesem Ereignis hervor, -datz es not­wendig ist, auch die Steigerohre der alten Quellen im nächsten Winter gegen den störenden Einfluß des Gruno- wasfers so vollkommen abzudichten, wie dies bei dem neuen

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