Mann m»«i, ,u
* L> »«'7.' ÜWMafleiL/'^ '"HL7L kling ^ulknlduna.
Rähr8 Ca
xlunge tann die?« ft «lernen bei ^^^fionbitorn [ W beTnütlüT"'" ings.Ztch
(m ^vatth^oll/ Wm ffi r m bie Lehre trete S ubrmacberHlEi! nnW Dledian., Neuenwe-1~ Nach Ado«,
ijtü MW lerö, welcher die feine b alle HauSarbeile rrflebl, bei lehr Ijoja beutfdjer Famibe - füll, Reife 2. W tet. 118
flen in der (frptto tze der ßaulftau tx ilterintoirb ein Mi« irer Familie zum |f ntrilt geM.
unter 8. R. 1S70 tu on b Bi
Mer/MesMdcher n Utm, bil W‘J en bvhen Lchn -ein- ijtiamlmann -echlee, n, Vo^rnhe 2V. üSTÄröMl ober fpüier gefachu
4bnhofttrJ8jnfi_ Kn Wen für N rarbeit gegen HW L-W b ober später geludjt-
Mrütüsrsteaße^' r 1. ypnl ein tüchtig >6ttt (eü.) für H .hohen Lohn, «H rn lur ^temung vv bei £)*M.
Kesuch'
S^^ertiJ riySt
-ör, ÄS
Mw
’ V a A-.;«8n116 J-
.erosäoS, f**ä8S*S ^»V^hPreerütr^
w ?Ä.v*p »1I<
)<•)"1
Nr. 41 Fünftes Blatt.
,851. Jahrgang.
Ton»etag 17. Februar 1901
Redaktion, Expedition und
Druckerei bchulftrahe 7.
Adresse für Depeschen: rlnzciger Giessen. onnsprcchanfchlnbNr.51.
«rfcheint täglich mit Ausnahme des Montags
Die Gießener Kamillen blätter werden dein Anzeiger im Wechsel mit „Hess. Landwirt" und „Bläticr für Hess. Volkskunde" viermal wdchkiulich beigelegt.
Annahme von Anzeigen »u der nachmittags für den folgenden Tag erlcheinendeii Nummer bi« vorm 10 Uhr Abbestellungen spätesten» abend« vorher
GietzenerAnzeiger
" GeneraS-Anzeiger **
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
vezugsprelr vierleljährl. Mk 2.20, monatl. 75 Pfg. nut Gringerlohn; durch die Abholestcllen vierteljährl. Mk. 1.90, monatl.*65 Pfg.
Bei Postbezug vierteljährl. Mk. 2.00 ohne Bestellgeld.
8l(lt vlnzcigcn-Dermililungv- stcllen des In- und ?IuSlande« nehmen Anzciarn für den (Llehenrr Anzeiger entgegen. ZrtlenprciS. lokal 12 pfg., ouSwärt« 20 Pfg.
Heber das französische Dnelltvesen.
Hebet dem französischen Tuellwesen lagert eine finstere Wolke: sollen doch, falls im Abgeordnetenhause ein Antrag Fernand Gautrets durchgeht, künftighin die Zeitungen wegen Veröffentlichung der Zweikampfprotokolle gerichtlich belangt werden. Unmittelbar freilich ist damit das Duell noch nicht bedroht; nach wie vor dürfen die Klingen sich kreuzen und Kugeln gewechselt werden, ohne daß deshalb das lose französische Gesetz strenger als früher einschreiten würde. Zum Einschreiten kommt es überhaupt erst, wenn eine schwere Verwundung oder gar der Tod eines der Gegner die Gerechtigkeit geradezu herausfordert. Trotzdem soll der Meinung der bewährtesten Matadore zufolge jener Antrag, der die Unterdrückung der Protokolle beztveckt, das Sterbegeläute des Duells bedeuten. .Harmlos genug nimmt sich sonst der Wortlaut des Antrags aus: „Es ist untersagt, vorherige und nachträgliche Protokolle über Zweikampfe zu veröffentlichen, die zwischen Privatpersonen vereinbart werden und gemeiniglich Duelle heißen." Die Form eines solchen Protokolls ist bekannt; es beginnt mit der Wendung: „Zwischen den Unterzeichneten ist" u. s. w., setzt die Bedingungen des Kampfes fest und schließt mit der Unterschrift der Sekundanten. Ein zweites Protokoll ergänzt das erstere durch eine kurze Schilderung des Hergangs, und damit ist dann das Duell auf ewige Zeiten der Geschichte einverleibt. In den meisten Fällen spielt das Protokoll die Hauptrolle bei den Pariser Zweikämpfen; sie beschränken sich sonst, wie Paul de Cassagnac behauptet, auf einige vorbeigeschossene Kugeln und ein paar Schrammen, deren sich die Nadel einer Nähterin oder das Rasiermesser eines Barbiers schämen würde. Jahrein, jahraus füllen diese Protokolle die Spalten der Tagespresse, eine billige Reklame für Duellanten, Sekundanten und Paukärzte. Auf die leichtfertigste Veranlassung hin erfolgen die Herausforderungen; und da nun bei dem Ton, der m die Publizistik eingerissen, es hier nie an Veranlassungen fehlt, so werden' letztere mit Wonne von alten benutzt, die ein Interesse daran haben, von sich reden zu machen. An Entrüstunasäußerungen hat es diesem Unfug gegenüber nie gefehlt. Ehe noch Ferdinand Gautret seinen Antrag einbrachte, haben zwei erfahrene Duellgelehrte, der Fürst (Zieorg Bibesco und der Herzog Fery d'Esclcmde, es versucht, durch einen neuen Duellkodex ™ Tuell an gewisse sachgemäße Regeln zu binden. Der noder heißt: „Conseils pour les Duels" und die Hauptregeln besagen, erstens, daß kein Duell ohne Blutvergießen abjchließen darf, und, zweitens, daß Protokolle nur dann gerechtfertigt sind, wenn die Beleidigung eine öffentliche gewesen. Die Verfasser verfolgen dabei den Zweck, den Wegfall des Duells überhaupt allmählich herbeizuführen. Leider hat ihr Buch zwar zahlreiche Anhänger, darunter die Prinzen Roland Bonaparte und Heinrich von Orleans, gefunden, ist aber nicht zur allgemeinen Anerkennung gelangt, ist kein allgemein bindender Kodex geworden. Ter landläufige Tuellheldenmut will immer noch nicht, wie das bescheidene Veilchen, im Verborgenen blühen, will des Reklameprotokolls nicht cntrateit, und da giebt es nun, um die Kampfhähne zur Vernunft zu bringen, kein anderes Mittel, als die Duelle aufzuheben,. oder wenigstens die Protokolle im Sinne des Gautretschen Entwurfs gesetzlich zu verbieten. So wenigstens wird angenommen.
Großen Vorschub leistete anaeblich der protokollfeindlichen Stimmung in jüngster Zeit ein Duell, das die ganze Einrichtung ad absurdum führte, sie zu einem blühenden Unsinn stempelte: das Duell Damotte-Sau Malato. Beide sind Professoren der Fechtkunst; Tamotte ein Franzose von ungefähr 42 Jahren, Athos de San Malato ein Italiener, anscheinend kaum halb so alt; ob sie sich beleidigt, scheint heute noch nicht ganz ausgemacht; jeden- leidigt, und wie sie sich beleidigt, und wer zuerst be- salls sahen sie sich erst nach endlosen Protokollen auf dem Kampfplatze im Pare des Princes einander gegenüber.
Dann aber, im letzten Augenblicke noch, sproßten Hindernisse auf: Damotte war Tegenkünstler, San Malato mehr Florettstecher, also galt es, sich zunächst über die Waffe zu einigen. Darauf zeigte es sich, daß des einen Klinge länger war, als die des andern; sie wurde äbgefeilt. Tann besaß Malatos Degenkorb bei der Klinge eine leichte Einbuchtung, in der sich Tamottes Waffe leicht fangen konnte. Kurzum, über diesen Präliminarien ging eine geraume Zeit verloren, allerdings verloren mir für die schleunige Erledigung des Zweikampfes, nicht für die Re flame. „Was liegt nicht alles in einem Namen?" hat ein englischer Philosoph gefragt. San Malato aber heißt Athos unb schleppt als Athos und Fechtkünstler zugleich die ganze Ueberlieferung der drei Musketiere Athos, Porthos und Aramis aus A. Dumas des Aeltereu weltberühmten Rouian mit sich herum. Athos ist ferner Sieilianer und Sohn des bekannten Barons Turillo, der 42 Duelle hinter sich hat; das geht wahrhaftig noch über Bauernehre, auch wenn man sich ungestraft Athos nennen sollte. Unter diesen Umständen erklärt es sich, wenn das Duell für Athos ben Charakter einer Schaustellung aunahm, bei der er die drei Musketiere mitsamt d'Artagnan auf sich herabblicken sah. Dementsprechend waren denn auch sämtliche Größen der Welt, in der man sich duelliert, geladen; es wimmelte nicht allein von Journalisten, sondern auch von Photographen. Irgend ein Kinematograph der Boulevards wird also für diejenigen, die dem Zweikampf nicht beigewohnt, demnächst das Versäumte nachholen. Und Athos — zu seiner Ehre sei es gesagt — führte feine Rolle ganz im Geiste des 17. Jahrhunderts durch. Zunächst fuchtelte er mit seiner Lieblingsklinge herum, der er den Namen Mimi — aus Murgers Roman - beigelegt, und trällerte dazu ein Lied zu ihrem Lob und Preis; dann zog er ein Nastüchlein hervor, durchduftet von dem Par- füm der Dame, der fein Herz gehört, und schließlich reichte er ein Telegramm seines Vaters, des nmefern Barons Turillo, herum, der ihm mit tausend Küssen den väterlichen Segen erteilte. Der einzige Mißton, der die Salonromantik des Herganges störte, wa r der Regen: es goß vom Himmel herunter; aber das vermochte nicht, die heilige Flamme in Athos zu dämpfen. Vier Mal, als der Ruf „Allez!" ergangen, legten die Gegner los, jeder Gang unterbrochen von längeren Erörterungen über Standort und Tegenwechsel, bis schließlich der Sizilianer den Franzosen in der Achselhöhle leicht verwundete. Athos hatte also ^gesiegt. Den Triumph der Vorstellung aber bildete die Schlußszene — der journalistische Spaßmacher des Figaro, Alfred Capus, hat sie unter dem Titel „l'Aecolade" zu einer heiteren Szene verarbeitet. Athos begab sich ins Zelt seines verwundeten Gegners und umarmte ihn! Ein künstlerisch vollendeter Abschluß, dessentwegen ihn die Damen, seine Bewunderinnen, die sich der Athoslegende zufolge bei einem früheren Duell aus den Stücken seines zersprungenen Floretts Haarpfeile Herstellen ließen, um so mehr verherrlichen werden.
Die Pariser Presse hat sich in einstimmigem Chor, mit Paul de Cassagnac an der Spitze, gegen dieses Zerrbild c-on Zweikampf ausgesprochen, ob aber gerade dieses Duell zu einer Umgestaltung der Gebräuche führen wird, muß nachgerade zweifelhaft erscheinen, denn im Grunde ist Frankreich, das sich nach der Ausstellungsaufregung langweilt und nach neuen Genüssen lechzt, dem ritterlichen Athos für den artigen Kurzweil dankbar Ueberhaupt lassen die Fran £ofen ihr Duellrecht nicht verkümmern, ihr Sinnbild in der Geschichte ist der Hahn, und Hähne vertragen sich wie Feuer und Wasser. Ein Blick auf die Geschichte giebt uns die nötigen Fingerzeige. Schon wiederholt wurden, nicht etwa die früher nicht existierenden Protokolle, sondern die Duelle selbst durch königliche Befehle unter Todesstrafe verpönt; so im Jahre 1566; das hinderte nicht, daß bald darauf, innerhalb zehn Jahren, das Tuellieben mehr Opfer an Edelleuten forderte, als die Bürgerkriege;
ihrer 8000 kamen in den Jahren 1598—1608 um. Vergebens ließ Kardinal Richelieu den Francois de Mont- merencl) wegen eines Duells enthaupten; vergebens bedrohte Ludwig XIV. mit acht Edikten Duellanten und Sekundanten zugleich; Cyrano de Bergerac und andere zogen unentwegt ihren Degen; selbst die Weiber wurden von der Tuellwut angesteckt. Während der Revolutionszeit erlangte das Duell wieder seine Berechtigung, wenn auch Camille Tesmoulins alle Herausforderungen ablehnte mit den Worten: „Wollte ich mich allen, denen mein Freimut mißfällt, stellen, so hätte ich mein ganzes Leben im Bois de Bonlogne — wo die Zweikämpfe ausgefochten wurden — zu verbringen". Ein Vorschlag des Konvents, gegen die Duelle einzuschreiten, blieb unausgeführt. Wahre Orgien feierte die Duellsucht nach der Julirevolution im Jahre 1830, besonders unter Schriftstellern und Journalisten; die Revolution setzte alle Köpfe in Brand. Eine traurige Berühmtheit erlangte im Jahre 1836 das verhängnisvolle Duell zwischen Emile de Girardin und Armand Carrel, in welchem dieser durch eine Kugel seinen Tod fand. Armand Carrel war feit 1830 das Haupt der republikanischen Partei, hatte einen politischen Einfluß, wie ihn selten ein Journalist besessen, und stand damals auf der Höhe feiner geistigen Kraft. Eine gleichgiltige Zeitungs- maßregel führte zur Forderung; Carrel erhielt einen Schuß in die Leistengegend; er verschied nach zwei Tagen unter herrlichen Wunddeliricn, die einem alten Römer Ehre gemacht hätten. An dieses Unglücksduell hätte die Abschaffung leicht anknüpfen können; die Umstände bei der Revolution von 1848 waren sehr günstig; selbst Emile de Girardin, der damals in Gesellschaft von Arbeitern, Polytechnikern und Stadtsoldaten nach dem Grabe Carrels in Saint-Mande pilgerte, befürwortete sie mit den Worten: „Wir können dem Andenken Armand Carrels keine größere Huldigung barbringen, als wenn wir die provisorische Regierung, die schon die Todesstrafe abgeschafft, bitten, ihr Werk durch Aechtung des Duells zu krönen". Die Worte Girardins zündeten für den Augenblick; als aber 1849 in der Gesetzgebenden Versammlung der Abschaffungsantrag eingebracht ward, fiel er durch; und seitdem scheint kein ernstlicher Versuch mehr gemacht worden zu sein, dem Unwesen an den Leib zu gehen. Indessen hat sich wenigstens inzwischen ein Fortschritt gegen früher bemerklich gemacht; er besteht in der wachsenden Verachtung dieser Art von Gottesurteilen. Vielleicht erinnert man sich noch des Spottes, den der bonapartistische Kronprätendent Prinz Viktor Napoleon auf sich zog, als er mit dem Plane umging, den Kaiser Wilhelm zu fordern, weil dieser zu Erfurt feinen Ahn, den ersten Napoleon, einen Emporkömmling genannt; zu Kartellträgern hatte er den Marschall Canrobert und den Exkriegsminister General du Barail ausersehen. Falls dieser Vorfall nicht zu den bloßen Duell-Anekdoten gehört — sie gleichen sehr den Jägergeschichten so wäre er ein Beweis für die Gegenstandlosigkeit solcher Forderungen, sintemal der Ausdruck Parvenü in mancher Beziehung auf den Torfen paßt, ganz abgesehen davon, daß in unferm Zeitalter, da alles nach dem Glücke sich drängt, es fein Tadel mehr ist, Parvenü zu sein. Dem Prinzen Viktor wenigstens könnte man vom bonapartistischeu Standpunkte aus kaum etwas Besseres wünschen, als endlich einmal „parvenu" zu sein; vorläufig ist er es nicht Führen wir als charakteristisches Zeichen des Tuellverfalls noch den Umstand an, daß die Fechtsäle mancher Pariser Redaktionen, die früher täglich besucht waren, heute fast leer bleiben; es fehlt eben das Bedürfnis. Und so dürfen wir denn hoffen, daß bei den Journalisten, die früher ein so stattliches Kontingent zu den Duellanten stellten, endlich einmal das Gefühl der Dankbarkeit zum Durchbruche gelangt, indem sie davon ablassen, mit Schüssen und Stoßhieben die Lust zu peinigen, aus der sie seit Jahren ihre besten Nachrichten gegriffen.
Gießener Theateroerein.
Aerraissarrce.
Lustspiel in 3 Akten von Franz Koppel-Ellselb.
Als erste der Zugaben brachte der Theaterverein am Donnerstag das Lustspiel „Renaissance" der Dresdener Poetenfirma v. Schönthan und Koppel Ellseld zur Aufführung. „Renaissance" hat einen bedeutend feineren Schliff, als die übrigen Stücke der beiden Herren, „Komteffe Gucker!" rc. Es ist in Versen geschrieben, und diese sind mit ihren sentenziös zugespitzten Pointen nicht das Schlechteste an ihm, dem es stellenweise auch an graziösem Humor und flotter Eharakterzeichnung nicht fehlt. Magister Severino ist ein ergötzlicher Repräsentant der alten gelehrten Erziehungsmethode, die dem Hereinbruch einer ganz anders gearteten, auf inbrünstiges Erfassen der Kunst und Schönheit gearteten Weltanschauung mit Entsetzen gegenübersteht. Der Künstler Silvio vertritt diese mit Glut und schwungvoller Begeisterung und vollzieht in diesem Sinne eine Bekehrung an der Marchesa Gennara, die ihren jungen Sohn, ein überschäu- mendeS Blut, für die Klosterschule bestimmt hatte. Leider fehlt es dem im Verhältnis zur sonstigen neueren „Lustsptel"-
Litteratur an Vorzügen nicht armen Stück an aller eigentlichen Handlung. Es bleibt bei einer Stimmungsschilderung mit eingestreuten mehr oder weniger niedlichen Scherzen. Episodenwerk nimmt den Hauptraum im Stücke ein, u. a. den ganzen zweiten Akt, den die Entdeckung des jungen Vittorino füllt, was eigentlich ein Kuß von Mädchenmund, den er unfreiwillig „erleidet", zu bedeuten hat, und der Versuch des Paters ihm zu erklären, woS die Liebe sei. Die Situation ist ganz hübsch, nicht allzu fein und auch nicht einmal durch Neuheit hervorragend. Ueberhaupt ist manches von den Episoden nett, graziös und szenisch wirksam gemacht, die Rollen geben den Schauspielern dankbare, lustige Ans gaben, dje große technische Gewandtheit der Autoren täuscht über manche Oede und Leere glücklich hinweg — über manche freilich auch nicht. Da ist Vieles zu breit, die Leute im Stück halten mit Vorliebe große, klangvolle Reden; zu leichtern, spielendem Dialog, wie ihn Jordans gelehriger Schüler Fulda bisweilen so anmutig erfindet, kommt cs überhaupt nicht. Jeder sagt immer das, was er zu sagen hat, auf einmal und en mässe, in wohlgesetzter, pointierter und gesteigerter Rede und jede dieser Reden ist zu lang. Die Leute müffen so viel sprechen, weil so wenig geschieht. Die Marchesa und der Maler sehen und lieben sich auf den ersten Blick ohne Widerstand und ohne Hindernis; selbst die kind
liche Eifersucht des jungen Vittor.'no, das Einzige, was zu einem Konflikt im Stücke führen könnte, führt zu einem rührseligen Schluß, der außerdem auch noch unwahr und schwach motiviert ist. Gerade diese Auflehnung des Knaben gegen die späte Liebe seiner Mutter zu dem Maler Silvio und vielleicht auch die Sorge der Mutter um dieses kindliche Ge. fühl hätten Gelegenheit geboten, dem Ganzen dramatischen und poetischen Gehalt zu leihen. Aber die Gelegenheit blieb unausgenützt. „Renaissance" heißt das Stück vieH-ächt nicht nur, weil durch Vermüllung des Malers einger Widerhall von dem gewaltigen Kunsttreiben der schönheitstrunkenen, freiblickcnden und frohschaffenden Renaissance in das stille Schloß der Marchesa dringt, sondern weil auch diese selbst durch die Liebe eine Wiedergeburt ihrer Lebensfreude erfährt. Aber gerade das, was die Idee des Stückes zum Ausdruck bringt, wirkt etwas gezwungen und ausgeklügelt. Daß die Renaissance-Menschen oft im Thun und Denken recht modern erscheinen, stört im Rahmen des harmlos heiteren Stückes nicht; haben doch andererseits die Verfasser manche Szene geschaffen, die wie aus dem Cinquecento anmutet. Alles in allem genommen kann man dieses Lustspiel der Herren Koppel- Ellfeld und v. Schönthan immerhin zu den erfreulicheren Erscheinungen zählen, die die Bühnenlitteraiur des letzten Jahrzehnts hervorgebracht hat, wenn auch die Butzenscheiben-


