Ausgabe 
16.11.1901 Zweites Blatt
 
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geboren, von kleiner Statur, bartlos, bekleidet mit braunem Jaquetanzug, schwarzem Hut und Schnürschuhen, sowie grünem Shlips. Er hat vermutlich am Daumen der linken Hand einen Lcinenverband. Lunitz ist ein alter Vagabund, während Runge anscheinend noch unbestraft ist, auch liegt die Mög­lichkeit vor, daß letzterer unter falschem Namen reist.

* Berlin, 12. Nov. Die Nr. 34 desSimpli- zissimus", die sich in einemSerenissimus" betitelten Bilde mit den Vorgängen im Fürstentum Neuß ä. 2. beschäftigt, ist beschlagnahmt worden.

* Mannheim, 13. Nov. Der Verleger desGen.- Anz. der Stadt Mannheim", Jnillerat-Chasseur, hat heimlich die Flucht ergriffen. Es soll ein Verfahren wegen Vergehens gegen die Sittlichkeit gegen ihn anhängig jein.

* Paris, 14. Nov. Aus Rio de Janeiro wird ge­meldet : Der brasilianische Kongreß hat dem L u f t s ch i f f e r Santos Dumont ein Geschenk von 125 000 F rs. überwiesen als Anerkennung für den von ihm der Wissen­schaft geleisteten Dienst.

* Budapest, 14. Nov- Der Steucrpraktikant Viktor Kecskemcth, welcher heute in Begleitung eines Stcuerdieners 773000 Kronen Steuergeldcr an die Staatszentralkasse ab­liefern sollte, st a h l unterwegs, während er aus dem Wagen den Diener nach Zigarren in eine Trafik schickte, 588 000 Kronen aus der Geldtasche und verschwand. Der Dieb stammt aus einer vornehmen Gentryfamilie, hat vier Jahre Jura studiert und als Vizepräsident der chauvinisti­schen Uuiversitäts-Nationalpartci eine Rolle unter der Stu­dentenschaft gespielt.

* Kiew, 15. Nov. Das Haus, worin sich der Stab des Raucnschen Infanterieregiments befand, ist nachts niedergebrannt. Den gemeinsamen Anstrengungen der Soldaten gelang es, die Nachbarhäuser zu retten/mib die Regimentsfahnen zu bergen, während die Montierungsstücke, das Eigentum der Soldaten und die Mehlvorräte ver­nichtet wurden. Mehrere Personen erlitten Brandwunden. Der Sck)aden beziffert sich auf 60 000 Rubel.

* New-York, 14. Nov. In einem Kohlenbergwerk in der Nähe vo-. Porahonws, Virginia, brach heute infolge Schmelzens von elektrischen Drähten eine Feuersbrunst aus. Ein erheblicher Teil des Bergwerks ist eingestürzt. Zwei Explosionen erfolgten. 25 Personen sind schwer verletzt; viele sind erheblich verbrannt aus dem Berg­werk herausgebracht. Das Bergwerk steht noch in Flammen.

* Philadelphia, 14. 9Lov. Der DampferEthelka" sah in der Nacht vom 7. November unter dem 41. Grade nördlicher Breite und dem 59. Grade westlicher Länge ein brennendes Schiff unter geljen. Es schien eine Ex- plos io n stattgehabt zu haben. Von Mannschaft und Schiff wurde keine Spur gefunden. Der Kapitän der ^Etelka" glaubt, das Sck)iff sei ein Oeldampfer gewesen.

* Ein fürchterlicher Sturm wütet seit ein paar Tagen an den deutschen, englischen, russischen und nord- französischen Küsten. Nachrichten über Schiffsunfälle treffen fortwährend ein. Wir geben die folgenden wieder: Die RettungsstationOrding" der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger telegraphierte am 14. November: Von dem hier gestrandeten deutschen EwerJohannes", Schiffer Witt, mit Gerste von Hamburg nach Meldorf be­stimmt, wurden zwei Personen durch das Rettungsboot Amalie Borchardt" gerettet. Sturm aus Südwest. Bei den Schiffbrüchen, die in den letzten Tagen an den Küsten von Großbritannien infolge der dort wütenden Stürme vorgekommen sind, kamen, soweit bis jetzt festgestellt ist, 129 Personen um. Eine Lloyd-Depesche meldet: Der deutsche DampferAgnes", von Shielos nach Königsberg bestimmt, ist in der vergangenen Nacht in der Nordsee untergegangen. Der Kapitän und 13 Mann von der Besatzung sind gerettet, drei Mann sind ertrunken. Gestern und vorgestern wütete ein heftiger Sturm über Nord- jütland und Nordseeland und verursachte große Ver­kehrsstörungen, besonders für Jütland, wo die meisten Eisen­bahn-, Telegraphen- und Telephon-Verbindungen unter­brochen sind. Auch viele Schiffsunfälle werden infolge des Sturmes gemeldet. Von einem an der Nordküste Seelands gestrandeten schwedischen Schiffe wird die Besatzung vermißt. Im Aermel-Kanal herrscht ein furchtbares Unwetter. Aus den verschiedenen Hafenorten werden zahlreiche Unglücksfälle gemeldet. Mehrere belgische Schifferboote werden vermißt. Die Zahl der verunglückten, resp. ertrunkenen Personen be­läuft sich nach den bisherigen Feststellungen auf 18.

Univcrlitüts-Uachrichten.

Berlin, 14. Nov. Tie akademischen Behörden verhängten K a r z e r st r a s e n gegen die Studierenden, welche aus Anlaß der Streitigkeiten bei den Vorberciürngen zum Virchow-Kommers Duellforderungen hatten ergehen lassen. Die Heraus-' sorderungen wurden mit je drei Tagen Karzer, die Kartellträger mit je einem Tage bestraft.

In Berlin starb der a.-o. Professor der National­ökonomie R e i n h o l d. (R. war, wenn wir uns recht erinnern, vor seiner Ernennung zum Universitätsprosessor in Berlin Amts­gerichtsrat in Wiesbaden und hat ein paar von höchster Bismarck- Verehrung zeugende Bücher veröffentlicht. D. Red.)

Gerichtssaal.

8. Darmstadt, 14. Nov. Kriegsgericht. Der Reservist Bach zu Ober-Eschbach (Kr. Friedberg) hatte vom Bezirkskommando Friedberg eine Arreststrafe erhalten, die er am 25. Oktober in der Kaserne zu Homburg v. d. H. vormittags 11V, Uhr antreten sollte. Er erhielt den Gestellungsbefehl etwas verspätet, hätte jedoch spätestens um 1 Uhr bequem in der Kaserne sein können. Er stellte sich jedoch um 5 Uhr und gab dem Feldwebel, dem er zur Ver­pflegung überwiesen wurde, auf dessen Vorhalt eine ungebührliche Antwort. Den wachthabenden Arrestoerwalter belog er aus dessen Frage, ob er verbotene Gegenstände bei sich habe. Dem Befehl, die Taschen umzulegen, folgte er nicht sofort. Erst auf wiederholte Weisung kamen Zigarren, Wurst rc. zum Vorschein. Ebenso ging es bei Abgabe des Leibriemens; die einzelnen Handlungen wegen Ungehorsams sind teilweise vor versammelter Mannschaft geschehen. B. wird ui eine Gesamtgesängnisstrafe von 2 Atonalen und 3 Wochen verurteilt, die er nach einigem Zögern annimmt. Der Musketier- Ludwig An th es aus Arheiliaen in der 7. Kompagnie des Jnf.- Regiments Nr. 116 hat sich der Bedrohung, des Widerstandes gegen die Staatsgewalt, der Beleidigung und des groben Unfugs schuldig gemacht: Er fuhr am 7. August mit der Straßenbahn von Darmstadt nach Arheiligen, ging dort mit einem Gefährten namens Finkel in den Wartesaal und skandalierte daselbst. Einen Bahnbcamten, der sie zur Ruhe verwies, beschimpften sie in gröblicher Weise, ebenso den dazukommendcn Zugrevisor, und be­drohten beide mit Schlagen uiid Kaltmachen. Einen zu Hilse ge- rusenen Polizeidiener verhöhnten und beschimpften sie ebenfalls; Anches, der erst inzwischen zum Milttär gezogen wurde, behauptet, betrunken gewesen zu fein und gar nichts mehr von dem Vorfall

zu wissen, wogegen durch die Zeugen-Aussagen sestgestellt wird, daß die Trunkenheit nicht so schlimm war. Er erhält 7 Wochen Ge­fängnis und 5 Tage Hast.

Berlin, 14. Nov. Unter der Dinklage der Körperverletzung mit tödtlichem Erfolg stand heute der^Schankwirt Rudolph Ecearius aus Oberschömvcida vor dem Schwurgericht am Land­gericht II hier. Derselbe wird beschuldigt, am 2. August d. I. seine Ehefrau vorsätzlich körperlich verletzt zu haben und zwar mittels einer das Leben gefährdenden Behandlung und mit der Folge, daß durch die Verletzungen der Tod der Frau eingetreten ist. Der schon mehrfach wegen Körperverletzung vorbestrasie An­geklagte bestreitet seine Schuld. Nach längerer Beratung erkennen Die Geschworenen den Angeklagten der vorsätzlichen Körperverletzung für schuldig. Der Gerichtshof verurteilte ^den Angeklagten zu zwei Jahren sechs Monaten Gefängnis. Ter Staatsanwalt hatte eine Gefängnisstrafe aon drei Jahren beantragt.

Lyck sOstpr.), 14. Nov. Tie Strafkammer verurteilte den Redakteur des polnischen BlattesGazeta Lrwowa", Stanislaus Palczynski, wegen Beleidigung der deutschen Streitkräfte in Ehina durch einen Artikel, zu 1 Atonal Gefängnis.

Augsburg, 14. Nov. Im Prozeß gegen den Räuber Kn ei ßl wurde der heutige Tag fast ganz durch das Verhör des Angeklagter: ausgesüllt, welcher im Wesentlichen die ihm zur Last gelegten Ticb- stahls- und Raubanfall-Reatc zuqiebt, die er teils allein, teils mit arideren verübt hat. Man habe rviederholt zu ihm geäußert, er möge es seinem Onkel Passolino, dern berüchtigter! Räuber, nach­machen. Bezüglich der Ermordung der beiden ^Gendarmen, welche ihn mit dem Bajonett in der Wohnung des Flecklbauers Rieger suchten, giebt der Angeklagte an, nicht gezielt zu haben, sondern er habe au) das Geratewohl geschossen. Gegen abend erklärte der Gerichtsarzt Kneißl für nicht mehr vernehmungsfähig. Es folgte fodann die Vernehmung des zweiten Angeklagten, Flecklbauers Rieger von Irchenbrunn, welcher es entschieden leugnet, auf die Gendarmen einen Haß gehabt zu haben, und welcher ebenfalls in Abrede stellt, Kneißl ermutigt und angefeuert zu haben, auf die Gendarmen zu schießen. Sodann ivird die weitere Verhandlung aus morgen vormittag vertagt. Die Vernehmung der beiden An­geklagten wurde heute beendet. Morgen finden Zeugeiwernehm- ungen statt.

Kandel und Verkehr. Volkswirtschaft.

O Grüuberg, 14. Nov. Ter Martinimarkt, im Volks­mund derkleine Gallusmarkt" genannt, war vom Wetter nicht sehr begünstigt, da besonders vormittags kalte Regenschauer nieder­gingen. Trotzdem herrschte ein sehr lebhafter Verkehr. Ter Vieh­markt war mit Rindvieh und Schweinen ziemlich stark befahren. Die Preise der Ferkel hielten sich auf der Höhe derjenigen des Gallusmarktes. Jüngere kosteten 3050 Mk. das Paar.

Leipzig, 14. Nov. In der heute bei dem hiesigen Amts­gericht abgehaltenen Gläubigerversammlung der Leipziger Bank wurde der erste Konkursverwalter Freytag endgiltig mit den Funktionen des verschwundenen zweiten Konkursverwalters Barch betraut und beauftragt, bei der jedesmaligen Verteilung einer Abschlagsdividende an die Gläubiger Rechenschaft abzulegen. Freytag stellte die erste Dividende in einer wahrscheinlichen Höhe von 30 Prozent für Januar in Aussicht und erklärte den Termin für die zweite Dividende noch für ungewiß. Er bestätigte ferner ausdrücklich, daß durch das Verschwinden seines Kollegen für die Lank ein finanzieller Nachteil nicht erwachse. Der heute gleich­zeitig begonnene Prüsungstermin sür die angemeldeten Forderungen dauert voraussichtlich bis zum 2. Tezember.

Kirchliche Nachrichten.

Evangelische Gemeinde.

Sonntag den 17. November. 24. nach Trinitatis.

G o t t e s d i e n st.

I» der Stadtkirche.

Vormittags SV, Uhr: Pfarrasfistent Kraus.

Vormittags 11 Uhr: Militärgottesdienst. Psarrer Dr. Grein.

Abends 6V4 Uhr: Christliche Musikaufführung des Evangel. Kirchengesangvereins.

Im Koufirruaudeusaal (Kirchstraße).

Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Matthäusgemeinde. Pfarrer Schlosser.

Die Vorbereitung dazu am Samötag fällt aus.

Mittwoch den 20. November, abends 8 Uhr, im unteren Kon- sirmandensaale: Vortrag über die Mission in Ehina. Missionar Flad aus Frankfurt a. M.

Donnerstag den 21. November, abends 8 Uhr, int oberen Kon- sirmandensaal: Bibel stunde. Psalm 33.

Psarrer Schlosser.

Es wird auch an dieser Stelle nochmals darauf aufmerksam gemacht, daß der Kindergotlesdienst der Matthäusgemeinde nächsten Sonntag nicht, wie angelündigt, um 2*/i Uhr, sondern um 11 Uhr gehalten werden wird, und zivar im Kousirmandensaal, und daß die Vorbereitung dazu ausfällt.

In der Johauueskirche.

Vormittags 9'/, Uhr: Psarrer Dr. Slaumann.

Vormittags 11 Uhr: Ktndergottesdienst für die Johcmnes- gemeinde. Pfarrer Dr. Nauman n.

Abends 5 Uhr: Pfarrer Euler.

Montag den 18. vfooember, abends 8 Uhr, Bibel st unde im Konsirmandensaal der Johanneskirche. Hebräerbrief, Kap. 12, von Vers 25 an. Fluch des Abfalles, Segen und Pflicht des Neuen Bundes. Pfarrer Dr. Naumann.

Nächstkünftigen. Sonntag, den 24. November, als am Totenfest, findet nachmittags 2 Uhr Gottesdienst in der Friedhofskapelle und abends 6 Uhr Liturgischer Gottesdienst in der Johmmes- kirche statt.

Dienstag den 19. November, nachmittags 5'/, Uhr: Vereinigung der konfirmierten Mädchen der Lukasgememde im «Schwesternhaus.

Pfarrer Euler.

Katholische Gemcirrde.

Samstag den 16. November.

Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur heil. Beicht.

Sonntag den 17. November. 25. Sonntag nach Pfingsten. Vormittags von 61/, Uhr an: Gelegenheit zur heil. Beicht.

, um 7 Uhr: Die erste heil. Meffe;

vor und in derselben Austeilung der heil. Kommunion.

, um 8 Uhr: Die zweite heil. Messe. Militärgottesdienst mit Predigt.

um 9Vs Uhr: Hochamt mit Predigt.

Nachmittags um 6 Uhr: Christenlehre; darauf sakramentalische Bruderschafts-Andacht.

Gottesdienst in der Synagoge, Südanlage. Israelitische Aeligionsgemeinde.

Samstag, den 16. November 1901.

Vorabend: 480 Uhr. Morgens 9 Uhr. Nachmittags 3 Uhr.

Schrifterklärung. Sabbathausgang: 5" Uhr.

Krieskaflen der Redaktion.

(Anonyme ««frage« bleiben unberüLfiLtigt.)

F. Wir haben an dieser Stelle bereits zu Dutzend Malen bemerkt, daß wir aus guten Gründen Anfragen, die uns ohne Namensnennung zugehen, nicht beantworten können.

Neueste Meldungen.

Originaldrahtmeldungeu des Gießener Anzeigers.

Kiel, 15. Mov. Ter kleine KreuzerAmazone" geht heule unter dem Kommando des Korvettenkapitäns Bruck mit Flaggenparade in See. Tas Schiff wird dem ersten Ge­schwader als Aufllärungskreuzer beigegeben.

Eoburg, 15. Nov. Nach einer Mitteilung derCob- Ztg." ist die Meldung der Blätter von einem Zusammentreffen des Groffherzogs und der Großherzogin von Hessen in München erfunden. Die Großherzogin verließ Eoburg \ü> dem 16. Oktober nicht.

Hanau, 15. Nov. Tie Stadtverordnetenversammlung be willigte 20 000 Mk. zur Inangriffnahme von Straßenbautea zwecks Beschäftigung Arbeitsloser.

Barcelona, 15. Nov. Der Rektor der Universität wurde seines Postens enthoben, weil er die aus Anlaß der jüngsten Sludeuteuunruhen ergriffenen Maßregeln abfällig kritr fierte. Die Studenten haben bei der Konigin-Negcntiu tele graphisch Einspruch erhoben gegen die Absetzung des Rektors und Kundgebungen in den Geschäftsräumen einer Anzahl von Zeitungen veranstaltet, wobei fie für die Universität Autonomie verlangten.

London, 15. Nov. DieTimes" melden aus Middel burgh vom 13. November: Seit 2 Tagen wurden Bure n in der Nähe von Kapstadt gesehen. 60 Mann von einem jüngst bei Hopeficld beobachteten Kommando drangen in Darling ein. Toch dürste der Einfall nicht zu ernst genommen werdew da die englische Truppcnabteilung stark genug ist, um staudzw halten. ________

Berlin, 15. Nov. Wie dieNat. Korr." härt, haben in den letzten "Tagen Besprechungen von Vertretern der Der« schiedenen Einzel stauten über die Finanzlage im Reiche und in den Einzel st aaten stattgefunden. Zu einem Beschluß sind die bezüglichen Beratungen nicht gekommen Immerhin machte sich die Ueberzeugung sehr stark geltend, daß insbesondere die sinanzielle Lage der kleineren Staaten eine zu große Inanspruchnahme ihrer Kräfte durch höhere Matrikular-Beiträge nicht angezeigt erscheinen läßt. Die Beratungen der einzelnen Etats in den Bundesrats-Ausschüssen werde in den nächsten Tagen beginnen. Gegen den Schriftsteller Martin Hilde« b r a n d t, der vor einigen Monaten weiteren Kreisen durch die Verhökerung des von der Regierung geheim gehaltener Zolltarif-Entwurfs bekannt geworden ist, hat die Staats« anwaltschaft die Anklage wegen Gotteslästerung er hoben. Das Vergehen wird erblickt in zwei Artikeln, die in der von ihm heraus gegeben en DruckschriftDer Heide< enthalten sind.

London, 15. Nov- Reuter meldet aus Graaffreinet vom 14. Nov., überall mache sich eine völlige Aenderung der Stimmung gegenüber dem Afrikanderbond bemerkt bar, weil man ungehalten darüber sei, daß man von dieser. Vereinigung irregeführt worden sei. Ein einflußreiches Mit« glied des Afrikanderbonds und Mitglied der gesetzgebenden Versammlung, Smith, habe erklärt, daß er sicb deshalb völlig vom Afrikanderbond zurückziehe. Ein anderes ein« flußreiches Mitglied des Bonds, John Enslin, werfe den Bondführern vor, daß sie die Anhänger verraten und das Land verlassen, und fordert die Freunde auf, ein Manifest zu unterzeichnen, worin sie erklären, daß sie aus dem Bond austreten, weil dieser den Klassenhaß schürte und auf diese Weise dem Lande Unheil brachte.

Leeds, 15. Nov. Lord Selborne, der erste Admirali« täts-Lord, hielt gestern hier eine Rede, worin er den Krieg als eine der schweren Prüfungen darstellte, welche von Zeit zu Zeit die Nationen heimsuchen. Wenn wir uns jetzt, so sagte er, zu schwach zeigen würden, so würden wir die Früchte aller unserer bisherigen Bemühungen und An« slrengungen verlieren. Zum Schluß versicherte er, daß die Marine im stände sei, alle Eventualitäten aufzunehmen.

Dover, 15. Nov. Die internationale Konferenz der Führer der Bergleute von Frankreich, Belgien und Eng. land hat gestern hier stattgefunden. (Ägenstand der Berat« ungen bildete die Zweckmäßigkeit eines internationa« len Bergarbeiter-Ausstandes.

Ed in bürg, 15. Nov. Lord Rosebery hiell hier gefterv eine längere Rede, in der er die allgemeine Gleich­giltigkeit der verantwortlichen Führer der Nation beklagte. Dieselben seien nicht im stände, wichtige Fragen zu lösen. Er befürwortete die Bildung eines Kabinetts, welches mehr aus Geschäftsleuten zusammengesetzt sein soll.

Wien, 15. Nov. Als sich gestern der deutsche Vize- vräsident des Abgeordnetenhauses in dieser Eigenschaft dem Kaiser vorstellte, äußerte Franz Josef seine Be­trübnis darüber, daß die Partei-Gegensäsie im Parlament sich wieder verschärft haben, und daß sich der Beratung des Budgets solche Hindernisse entgegen, türmen. Heute sei man sich doch auf allen Seiten klar, daß ohne Aenderung der Geschäftsordnung eine dauernde Gesundung des Parlaments nicht möglich sei, und doch erfolge von keiner Seite eine Anregung in diesem Sinne. Schließlich drückte der Kaiser die Hoffnung aus, daß bei entsprechender Geduld von allen Seiten die Par­lamentsberatungen doch zu gedeihlichem Ende geführt werden.

P e k i n g, 15. Nov. Hier herrscht ein heftiger Schnee« sturm, wie man ihn seit 10 Jahren nicht gehabt hat. Man befürchtet, daß die Rückkehr des Hofes durch das Unwetter eine weitere Verzögerung erleiden werde.

Meteorologische Beobachtungen

der Station Gießen.

November

Barometer aus 0° rcdtlzicrt

Temperatur der Lirst

Absolute Feuchtigkeit

Relative Feuchtigkeit

Windrichtung

Windstärke

Wetter

14.

14.

15.

2

926

7

729,9

734,1

734,7

4- 7,8 + 4,0 + 1,2

4,7

4,9

4,9

60

80

98

SW.

SW.

8.

4

2

1

bew. Himmel Stnh. Himmel Schneefall

Höchste

Temperatur

am 1;

r. bis

14. No

D. +

,9° C.

Niedrigste

*

, 13.

14. ,

+ 3,9° C.

Telephonischer Kursbericht,

Frankfurt a. 31., 15. November.

3,/i% Reichsanleihe . . 100.60

3«/) do. ... 89.20 3V,«/fc Konsols .... 100.60 3°/g do.....89.30

3 2°/.) Hessen .... 98.10 5"/. Italien. Rente . . . 99.20 4 /o Griech. Monopo I-Anl 41.70 6°/. Portugiesen .... 25.80 3u/o Mexikaner .... 25.50 41/2 / Chinesen .... 84.30

Kreditaktien.....196.40

Diskonto-Kommandit . . 174.10 Darmstädt- r Bank . . . 120.30 Dresdener Bank .... 120.80 Berliner Handelsges. . . 134.20 Oesterr. StaaUbahn . . . 133.20 Gotthardbahn.....154.50

Laurauütte ...... 180.50 Bochum ....... 165.00 Harpener......158.50

: ruhig.