Mittwoch 16* Oktober 1901
151. Jahrgang
Nr. S43
Erstes Blatt.
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Telefon 231.
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Seltersweg.
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Eines Abentemers Ende. Aus Utica im Staate New- Hork, wird berichtet: Wenn auch etwas spät, so scheint man -doch in amerikanischen Kreisen die Verdienste des Generals Friedrich Wilhelm August Heinrich Ferdinand v. Steuden, LeZ bedeutendsten Heerführers nach George Washington während des amerikanischen Befrei- jungskrieges, etwas mehr zu würdigen, wie es bisher der Fall gewesen. Einen Beweis dafür lieferte die Feier, die Lieser Tage an dem Denkmal des um die amerikanische Sache iso verdienten Mannes auf dem Star Berge, dem höchsten Punkte in Oneida County, abgehalten wurde. Die Feier begann mit einem Gebet seitens des Rev. Bigelow, dann sang Ler Mica-Männerchor das Lied „Das ist der Tag des Herrn", worauf General Darling von der historischen Gesellschaft von Oneida County eine Rede hielt, in welcher er den Manen Les Helden Steuben folgenden Tribut zollte: „General Steuben kam, nachdem er sich als preußischer Offizier auf Las Rühmlichste ausgezeichnet hatte, Ende des Jahres 1777 -in diesem Lande an, landete zu Portsmouth, begab sich sofort in das Lager Washingtons zu Valley Forge und wurde Lott zum General-Inspektor der amerikanischen Armee ernannt. Er befand sich damals im 48. Lebensjahre rind war ein Mann von Respekt einfiößendem Wesen. Sein Eintritt in die amerikanische Armee hatte sofort einen großen Einfluß auf alle künftigen Operationen derselben. Er fand die Kompagnien in einem zerfahrenen Zustand, viele der Soldaten nahezu nackt und die Waffen in schlechter Verfassung. Aber sein erfahrenes Auge bemerkte auch, daß sich unter den dürftig bekleideten, schlecht bewaffneten und undis- Mplinierten Menschen ein vorzügliches Material zur Aus- "bildung für den Kriegsdienst befand, und mit Ernst und Eifer unternahm er sofort die schwierige Aufgabe, in das Chaos Ordnung zu bringen. Durch seine Ausdauer und Energie lernten die Rekruten bald den Gebrauch der Waffen, gewöhnten sich an Disziplin und erlangten die unumgänglich -notwendige Fähigkeit zum Kriegsdienst. Dem strammen preußischen Soldaten war es gelungen, dem losen Gefüge der amerikanischen Frechettskämpfer das einzuimpfen, was
für den Erfolg ihrer Sache durchaus notwendig war. Daß bei diesem unablässigen Drill nicht die feinsten Ausdrücke von Setten des Drillmeisters benutzt wurden, läßt fich denken, und wenn er sein Vokabularium erschöpft hatte, pflegte General Steuben seinem Adjutanten Oberst Walker zuzurufen: „Jetzt kommen Sie einmal her und pauken Sie den Kerls auf englisch ein, wenn sie das nicht thun wollen, was ich ihnen sage." Und so brachte er es in verhältnismäßig kurzer Zett fertig, daß die amerikanische Armee besser diszipliniert war als die britische, so daß der englische General Clinton voll Wut erklärte: „Der deutsche Schurke hat die amerikanischen Soldaten zu besseren gemacht als die unserigen." Ein zweiter Redner wies darauf hin, daß Steuben der Organisator der amerikanischen Armee war und die Militärakademie zu^ West Point schuf. Diese Thatsachen sollten den Kindern im Geschichtsunterricht beigebracht werden, und es sei bedauerlich, daß in manchen amerikanischen Geschichtsbüchern der Name Steuben nicht einmal erwähnt werde. Zum Schluß der recht eindrucksvollen Feier brachten die Sänger von Utica eine seidene, von den Grand Army Tosten von Utica gestiftete Fahne an dem Denkmal an, die Sänger trugen das Lied „Der Barde" vor und die Feier hatte ihr Ende.
(Soweit der amerikanische Bericht. Jntereffant ist des amerikanischen Helden Vorgeschichte. Dieser Herr v. Steuben hatte, als er nach Amerika ging, bezw. gehen mußte, eine sehr bewegte Vergangenheit hinter sich. Steuben hieß eigentlich Vollmar oder Volkmar und war der Sohn eines Pfarrers aus dem Magdeburgischen, der eine große Familie hatte. Der Vater ließ dem hochbegabten Sohne eine gute Erziehung zuteil werde, aber früh zeigte sich schon die Abertteuerlust des Jünglings. Eines Tages verließ er das Elternhaus, um nicht wiederzukehren. Er schloß sich einer wandernden Schauspielertruppe an und nahm dann in dem siebenjährigen Kriege bei den Preußen Kriegsdienste. Er wurde bald der Bursche des preußischen Hauptmanns v. Steuben, der der letzte seines Geschlechts war. Herr v. Steuben nahm persönlich ein lebhaftes Interesse an seinem Burschen, der sogar den größten Teil der Korrespondenz seines Herrn führte und innig vertraut wurde mit dessen Familienverhältnissen. In einer Schlacht wurde
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müssen, denn nach Kriegsbrauch muß diese Hinrichtung Re- Pressalien nach sich! Ziehen. Selbst wenn Lotter ein Rebell war, hätte man in weiser Vorsicht von seiner Exekution absehen müssen. Tie grausame Brutalität, den jungen Rebellen zu prügeln ist das Schlimmste, was jemals unter britischer Kolonialregierung vorgekommen ist. Wir über-' zogen Südafrika mit Krieg, um das Prügeln der Schwarzen! zu verhindern, und jetzt lehren wir sie, wie man weiße Kriegsgefangene züchtigt." >
Volltische Tagesschau.
sDer Finanzausschuß der II. hessischen Ständekammer hat, wie wir gestern bereits kurz meldeten, durchs den s2Ö>g.: Köhler-Darmstadt über die Nachweisungen über die Einnahmen und Ausgaben an Domanial- undi! Staatsvermögen sowie Verwendung der bewilligten! Staatsgelder für die Finanzperiode 1894/97 Bericht erstattete Danach! beträgt der Ueberschuß in dieser Finanzperiode für! die Staatskasse 12149 798.27 Mk. Es wird beantragt, bie Rechnungsperiode 1894/97 mit diesem Saldo für richtig und" gerechtfertigt anzuerkennen. In einer Hinsicht besteht eine.' Tissenz zwischen der Regierung und dem Ausschüsse. Im letzten Staatsvoranschlag befand sich in Kap. 2, Bad-Nauheim u. <l eine Mehrforderung von 870 Mk., wovon 570; Mark dem Vorstand der Badedirektion und 300 Mark benr Badekommissar als besondere Vergütung zugeteilt werden sollten. Beide Ständekammern haben diese Vergütungen! abgelehnt. Tie Regierung aber hält es für angebracht,! Beträge von je 500 Mark an beide Beamte zu verabfolgen,'; und diesen Betrag von 1000 Mark bei dem Kap. „Vikariats-! und Aushilfekosten" gebucht. Die Oberrechnungskammer hat! jedoch! die Buchung beanstandet. Ter Finanzausschuß hat sich eingehend mit der prinzipiell nicht unwichtigen Angelegenheit befaßt und im Bericht seine Ansicht über das! Vorgehen der Regierung in folgenden Bemerkungen auK-, gesprochen:
„Eine Frage ist hierauf im Ausschuß zur Sprache! gebracht worden, nämlich die, ob in dem vorliegenden^ Fall die Handlungsweise Gvoßherzoglicher Regierung für! vollständig korrekt anzusehen ist. Wenn auch der Ausschuß^ vor: der Ansicht ausgeht, daß die Regierung das Recht hat, in außergewöhnlichen Fällen Remunerationen ani Beamte zu vergeben, soweit der ihr teilweise zu diesem^ Zweck zur Verfügung gestellte Kreoit unter Kapitel 123! ausreicht, so ist er doch der Meinung, daß dieses Recht in, dem vorliegenden Fall der Regierung dadurch, daß die! gegen das Vorjahr vorgeschjlagene Erhöhung der Ver-i gütungen der fragliche Beamten für die Finanzperiode^ 1894/97 von beiden Kammern ausdrücklich abgelehnt war,, benommen worden ist. Die Ansicht des Ausschusses geht! ferner dahin, daß eine Remunerierung an die frag-' lichen Beamten nur unter Kapitel 2 Titel 3 hätte ver-, rechnet werden dürfen. Da jedoch dort, wie schpn oben! erwähnt, die hierfür vorgesehenen Mittel von beiden! Kammern nicht genehmigt worden waren, so hätten diese! Vergütungen unter allen Umständen unterbleiben müssen. Der Ausschuß ist daher der Ansicht, daß in diesem Falle! die Gvoßherzogliche Regierung die Verausgabung, wie- sie geschehen, hätte unterlassen müssen."
Herr v. Steuben töllich verwundet. Sein Bursche fand ihm am Abend des Schlachttages dem Tode nahe auf, und in: dessen Armen verschied Herr v. Steuben in einer verlassenem Hütte auf dem Schlachtfelde. Diese Hütte brannte in derselben Nacht noch nieder. Der Bursche aber hatte sich der: Papiere seinesHerrn bemächtigt, und verließ alsbald? das preußische Heer. Als Herr v. Steuben, bisheriger preußi-? scher Hauptmann, trat er zunächst in badische, und bald da-! rauf schon in oldenburgische Dienste. Der damalige Herzog, Friedrich August von Oldenburg begünstigte den tüchtigen Offizier? und der ehemalige Bursche jenes .Hauptmanns v. Steuben; brachte es allmählich als Herr v. Steuben bis zum General-^ major und Kommandeur der oldenburgischen Brigade. Seine Verdienste um die oldenburgische Militärorganisation waren thatsächlich recht erheblich, und der angebliche Herr v. Steubew erfreute sich des größten Wohlwollens seines herzoglichem Herrn und genoß als oberster Offizier das höchste Ansehen im Lande. Er heiratete die Tochter eines hochgestellten' oldenburgischen Beamten und lebte in vollem Glück. Da aber nahte sich das Verhängnis. Eine russische Spezial-! gesandtschaft kam nach Oldenburg in besonderem Auftrag des Zaren. Und nun beging der oldenburgische Btigade- kommandeur einen dummen Streich, der ihm seine Stelle! kostete. Der im Krieg gefallene preußische Hauptmann v. Steuben war im Besitz eines russischen Ordens gewesen. Diesen hatte sich der neue Herr v. Steuben nach dem Tode seines Herrn angeeignet. Jetzt glaubte er mit diesem Orden glänzen zu können, und bei' einem Empfange int herzoglichen Schlosse, dem der Gesandte, wie der Generalmajor beiwohnten, trug er den russischen Orden. Dem russischen Gesandten war es nun aber zufällig bekannt, daß jener Orden vor Jahren an den preußischen Hauptmann- v. Steuben verliehen worden und dieser Hauptmann im Kriege gefallen war. Daß der oldenburgische General den Orden trug, fiel ihm auf und auf seine direkte Frage an den General, wann ihm der Orden verliehen worden sei und aus welchem Anlaß, bekam er eine so unsichere und zögernde Antwort, daß er sofort Verdacht schöpfte. Er berichtete darüber nach Petersburg und man bestätigte ihm von dort aus, daß der mit dem Orden ausgezeichnete einstige preußische Hauptmann v. Steuben ein Opfer des 7jährigen Krieges geworden,
während der ganzen Fortdauer des Krieges ins Gefängnis gesetzt werden soll, vorher jedoch 25 StockschLäge öffentlich verabfolgt bekommt. Kitchener will also den jungen Kap- Holländern und Buren -ihren Patriotismus und ihre:: Britenhaß, sowie ihre glühende Kriegsbegeisterung mittels der Prügelstrafe austreibcn, und es bleibt abzuwarten, welchen Einfluß dies auf Pas weitere Verhalten der Buren und ihrer Führer den gefangenen englischen Soldaten gegenüber haben wird. Unter den letzteren befinden sich bekanntlich auch; zahlreiche 15- oder 16 jährige Burschen, und unter den Trompetern und Tambours sogar 12 jährige Knaben, die also in Zukunft, falls sie den Buren in die Hände fallen, ebenfalls Gelegenheit haben werden, dank dem Vorgehen Lord Kitcheners, mit dem Sjambock der Burghers Bekanntschaft zu machen.
Was die Hinrichtung des Kommandanten Lotter an- betvisft, so dürfte sie dem Generalkommandanten Botha erst recht Veranlassung geben, seine kürzlich gemeldete Drohung, derartige Maßnahmen des britischen Hauptquartiers mit entsprechenden Repressalien zu beantworten, auszuführen. Tie Erschießung des früheren Staatsanwalts der Südafrikanischen Republik, Broeksma, veranlaßte Botha zu dieser T-rohung, und er soll bereits ein entsprechendes offizielles Schreiben an Lord Kitchener abgesandt haben. Damit wäre also die langbefürchtete Aera des gegenseitigen Ven- dettwKvieges angebrochen, und zwar ganz allein durch die Schuld und auf Rechinung der Engländer, die vielleicht ■bereit sind, selbst noch ein paar Tausend Offiziere und Mannschaften zu opfern, wenn sie nur auf diese Weise das Aus- rottungsverfahren gegen ihre hartnäckigen und tapferen Gegner ein- und durchführen können. Selbst konservative und sonstige nationale englische Blätter nehmen Veranlassung, die Regierung aufs neue vor exttemen Maßregeln in Südafrika zu warnen und daran zu erinnern, daß Großbritannien es sich nicht gestatten kann, sich der verdammenden Anklage der ganzen zivilisierten Welt mit Bezug auf solche Schritte noch weiter auszusetzen und seinen Ehren- schrlv durch; Heraufbeschwörung einer solchen blutigen Vendetta, für alle Zeiten zu beschmutzen. In der Jingopresse erregt natürlich das über Lotter verhängte Dodesurtell einen wahrhaft dämonischen Jubel und Beifall, und in diesen Organen der Chamberlainschen Anhänger und Nachbeter wird vielfach der gehässigen Hoffnung Ausdruck gegeben, daß Lord Kitchener im Einverständnis mit seiner Regierung nun endlich auf dem einmal betretenen Pfade fortschreiten und überhaupt nur noch kurzen Prozeß mit allen Rebellen machen möge, welch letzteren Titel er natürlich jetzt nach dem historischen 15. September auch allen heute noch Widerstand leistenden Buren ohne Ausnahme beilegen soll. Das ist echte Jingomoral, und was vernünftige Leute in England dazu zu sagen haben, das geht am besten aus den Worten hervor, mit denen die „Daily News" diese letzten Nachrichten vom Kriegsschauplätze begrüßt: „Tie Nachricht von der über Lotter verhängten Dodessttafe ist deshalb fürchterliche weil es der erste Fall ist, in welchem ein kriegsgefangener Freistaatler von unserer Hand zu Tode gebracht ntirb, — weil die Mütter und Väter britiscl)er Offiziere, die in den Händen der Feinde sind, jetzt in tödlicher Angst um das Leben ihrer Söhne schweben
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Die Hinrichtung des Aureujüyrers Lotter.
Tas dritte Kriegsjahr wird von den Engländern in Südafrika durch eine ganze Reche von scharfen Maßregeln ieingeleitet, die ihrer eigenen Sache viel mehr Schaven zu- jzufügen -im stände sind, als dies mit derjenigen der Buren wer Fall sein katrn. Lord Kitchener hat allerdings, wie ^bereits gemeldet, 13 zum Tode verurteilte „Rebellen" zu stebeuslän glichen: Zuchthaus mit harter Arbeit „begnadigt" strnü sogar diese Gnade auf den ganzen übrigen Rest des iLotterschen Kommandos, einige 50 Mann ausgedehnt, die runter Annulierung des Todesurteils vom britischen Ober- 'befehlshaber ebenfalls für Lebenszeit als Sträflinge Sr. jgroßbrttannischen Majestät, König Edwards VII., in Gewahrsam gehalten werden und ad majorem Britanniae Hloriam in den Zuchthäusern und Strafbergwerken der fbrttischen Kolonien werden arbeiten müssen. Weniger nachsichtig und gnädig hat sich! Lord Kitch-ener dem Anführer Vieser unglücklichen Kriegsleute gegenüber gezeigt, denn gr hat den Kommandanten Lotter zum Tode verurteilen lassen, und dieses Urtell ist beretts vollzogen worden. Lotter, ber allerdings in der Kapkolonie Grundbesitz aufzuweisen batte, ist geborener Freistaatler, hat seine Hauptfarm nörd- >Üch vom Orangeriver und konnte dem über ihn aburteilenden Kriegsgericht sein Patent als Kommandant uird Offizier 'des Freistaates vorlegen. Anderseits vermochten die englischen Richter nach ihrer Ansicht untrügliche Beweise davon porzubringen, daß Lotter im Mittelburgdistritte Heimat- und 'ivahlberechtigt gewesen sei, indem die Wahllisten dieses ^Distriktes ihn, wenn auch unter einem andern, seinem wirklichen ähnlichen Namen führten. Trotzdem Lotter behauptete, |er könne Hunderte von Zeugen bringen, die nachweisen würden, daß er mit diesem Kapvolonisten durchaus nicht identisch sei, sondern daß er durchf,^eburt und Recht Burgher des Freistaates immer gewesen wäre, haben ihm die bri- stischen Richter keine Gelegenhett gegeben, einige dieser Zeugen herbeizuschaffen, sondern sie haben es vorgezogeu, Leu tapferen Freistaat-Kommandanten, der ihnen so viel zu schaffen ma,chte, bevor das schwankende Kriegsglück chn in ihre Hände lieferte, auf das minoestens fragwürdige Zeugnis 'englischer Polizeispitzel, die, wie früher gemeldet, in Süd- lafrita mehr gefürckstet sind, wie die Pest, zum Tode zu verurteilen, und somit einen gefährlichen Gegner aus der Welt zu schaffen. Man hat es hier also mit einem Pendant Au der Hrmnordung des durch einen elenden Polizei- «genteu verführten und dann auf Befehl des Lord Roberts hingemordeteu Leutnants Hans Cordua zu thun, und Eng- Land und seine Feldarmee in Südafrika werden die Folgen solcher Henkerspolitik noch), zu tragen haben.
Die Aburteilung des Lotterschen Kommandos hat den .Engländern noch eine Gelegenhett gegeben, um den Buren -und der ganzen Welt zu zeigen, wie vielseitig sie sind in Her Anwendung neuerer grausamer Strafen, wenn es sich nm sogenannte Abschreckungsmittel handelt. Ein junger noch Nicht sechszchnjähriger Kaphollärrder, der fich begeistert dem Korps des Kommandanten Lotter angeschlossen hatte und iebenfallö gefangen genommen worden war, wurde wegen feiner Jugend vom Gerichtshöfe der besonderen Gnade des britischen Oberbefehlshabers empfohlen, welcher das verhängte Todesurteil dahin äbänderte, daß der junge Patriot
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