Ausgabe 
16.7.1901 Erstes Blatt
 
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wohnenden Schreinermeisters Prediger sah den Vorgang und sprang in wahrhaft mutiger Weise den beiden nach, um fte zu retten. Aber alle drei Knaben ertranken. Obwohl sie sofort von herbeigeeilten Leuten herausgeholt wurden uno ärztliche Hilfe zur Stelle war, hatten alle Bemühungen leider keinen Erfolg. Die 15jährige Helene Nürnberger, bie fdi vor einigen Wochen schwer verbrannte, als sie Petroleum ins Feuer goß, ist gestern nachmittag von ihren schweren Leiden durch den Tod erlöst worden.

Bensheim, 14. Juli. Vor einigen Tagen verschwand dahier die Gattin des Fabrikanten A. ohne Angabe ihres Reisezieles. Einem hier umgehenden, von derK Vo.ksztg. als glaubwürdig bezeichneten Gerüchte zufolge fand nun am 12. dS. in der Frühe ein Pistolenzwerka mpf statt zwischen dem genannten Fabrikanten und dem Gcoßh. Kreis amrmann S. aus Heppenheim, und zwar unter sehr schweren Bedingungen. Der erstere, also der aufs schwerste^Belei- diate 'soll nun auch noch dazu lebeusgefährlich verletzt sem. Mrn bringt allgemein jenes Verschwinden und den Zweikampf m ursächlichen Zusammenhang.

Worms, 13. Juli. Auf der Mainzer Landstraße unter­halb hiesiger Gemarkung wurden zwei auf dem Heimwege begriffene hiesige Radfahrer von zwei Zigeunerinnen ange- halten, die sich als Wahrsagerinnen empfahlen. DaS An­erbieten wurde angenommen, und die Zigeunerinnen erhielten für ihre Bemühung entsprechenden Lohn. Während der Aus­übung der schwarzen Kunst wurde dem einen Radfahrer Uhr nebst Kette, sowie die Barschaft abgenommen. Später aus dem Heimweg nahm er auch wahr, daß er eine Stichwunde in der Brust hatte. Nach seinen Aussagen wäre ihm die Wunde von einer der Zigeunerinnen, die mit fünf Wagen längs der Chaussee gelagert hatten, beigebracht worden. Auf später erstattete Anzeige wurden die beiden Zigeuner­innen in verflossener Nacht durch die Gendarmerie und Schutzmannschaft verhaftet und ins Haftlokal abgeliefert. Die Zigeunerbande selbst wurde später über die Grenze bei wiesen. Die Verletzung des jungen Mannes, der noch gestern abend in das städtische Krankenhause verbracht wurde, soll nicht ungefährlich fein.

Frankfurt a. M., 13. Juli. Heute Nachmittag brach in einer Stallung des Grunostückes der Pferdehandlung von Miyer u. Kaufmann, Bergerstraße 119, Feuer aus, das infolge der dort lagernden großen Heu- und Strohvorräte schnell um sich griff. Die im unteren Stallraum stehenden wertvollen Pferde konnten im letzten Augenblick noch gerettet werden. Der Brand dehnte sich mit großer Schnelligkeit auf ein benachbartes Wohngebäude aus, deffen Dachstuhl zum Teil vernichtet wurde. Zu Schaden gekommen ist niemand. Die Feuerwehr war in voller Stärke am Platze, es gelang ihr bald, des Feuers Herr zu werden.

** Kleine Mitteilungen mtl Hesse« nud den «achdarklaaten. Bei einer Mannheimer Zeitung lief am 12. d. M. eine Postkarte aus Butzbach ein, worin gefragt wurde, ob nicht vor 14 Tagen ein junges Mädchen Namens B. L. versucht habe, sich im Neckar zu ertränken und ob es ge­rettet worden sei. Am 13. d. M. früh wurde nun am Depot der städtischen Straßenbahnen zu Mannheim die Leiche eines Mädchens von etwa 20 Jahren gekündet, die etwa 14 Tage im Wasser gelegen haben mag. Tie Leiche wurde als die des Dienstmädchens Barbara Lutz aus Ani- lishagen (O.-A. Gerabronn) agnosziert. In welchen Be­ziehungen das Mädchen zu dem Absender der Postkarte (Müller, Offizier-Kasino, Butzbach) stand, ist noch nicht be­kannt. Auf der Strecke Gieß en-Fulda an der Ueber- fahrt bei Eichenau kam der Rotten-Vorarbeiter Lang von Landenhausen, 33 Jahre all, und Vater von drei Kindern, mns Leben. Ter Unglückliche wurde von einem Kohlen­wagen überfahren und konnte nur als Leiche vom Ge­leise getragen werden. Die diesjährige Landeskonferenz der Sozialdemokratelr Hessens ist von dem Landeskomitee auf den 1. September nach Offenbach einberufen worden. In Mainz wurde durch die Explosion einer Petro­leumlampe am 11. Juli im Hause Ecke Frauenlobstraße und Rheinallee eine dortige Bewohnerin stark verbrannt. T'a ärztliche Hilfe rasch zur Stelle war, ist Hoffnung vor­handen, die Frau am Leben zu erhalten. Turch Schutz leute und die übrigen Hausbewohner wurde der entstandene Brand in dem betr. Zimmer gelöscht. Nach Unterschlag­ung in amtlicher Eigenschaft vereinnahmter Gelder ist von Station Gelnhausen der Stationsgehilfe Möller flüchtig geworden. Ter Staatsanwalt zu Hanau hat einen Steckbrief erlassen. Ter ledige ca. 30 Jahre alte Wagner­meister Wilhelm Met))er aus Erzenhausen ist von einem mit Stämmen beladenen Wagen überfahren worden; er war sofort tot. In der Stadtverordnetensitzung zu Mar- b u r g wurde festgestellt, daß dort im verflossenen Jahre für 210.50 Mark Straßenlaternen zerschlagen wurden. Verhaftet wurden in N i e d er l a h n st e i n die Thäter eines ruchlosen Anschlages, der in der Nacht zum 1. Juli-verübt tourbc. Es sind vier am Hochheimer Tunnelbau beschäftigte Italiener. Sie hatten eiserne Schwellen auf das Eisen­bahngeleise der Strecke Ehrenbreitstein-Niederlahnstein ge­legt. Ter Lokomotivführer eines Nachts 2 Uhr verkehren­den Güterzuges bemerkte noch so frühzeitig das Hinder­nis, daß er den Zug vor einer Beschädigung bewahren konnte. In R h e i n h e s s e n entwickeln sich die Wein­berge ganz prächtig, die Trauben sind schon nahezu aus- gewach)eu und Krankheitserscheinungen treten kaum auf. Mit der Kornernte wurde allerwärts begonnen, sie ver- lprrcht im ganzen einen guten Ausfall. Auf der Chaussee vor Steinau ist der Handelsmann Joseph Goldschmidt uus Schlüchtern infolge Hitzschlags verschieden. Am 11.

ist ui Kruspis ein zweijähriges Kind in eimc' ^auaiecjrube geraten und elendiglich ertrunken. In ai Oiingcu ist ber 10jährige Sohn Eduard des Brief- iragerv Volkmar, der trotz elterlicheii Verbots mit mehreren Kameraden zum Baden in die Werra gegangen v a1' A°n tl,etc ®tct{c geraten und ertrunken. In

V 1 b 0 ld wurde das zwei Jahre alte Mädchen

nhnr°n CTMüller am 12. Juli aus dem M 4 gelandet. Das Kind verließ kurz

nach 1 Uhr die elterliche Wohnung und ist in ben durch i>en Hausgarten des elterlichen Hauses führenden Bach ge L" .und -rtrunken^ Die Ertrunken/ -L r b e r 2W iljiti J Jahre alten Schwester überlassen. Schrecklich verbrannt hat sich am 13. Juli in Ludwigsh afen das Drenstmadmen Magd. Fischer, indem es sieh be^m Feuer­anmachen der Petroleumkanne bediente, bie alsbald er­st l o di er t e. ras brennende Petroleum sprinte auf hie beider des Mädchens, sodaß dasselbe sofort in Flammen stand^ In der Aufregung sprang das Mädchen auf die Straße, woraus ihm Arbeiter Säcke überwarfen und so

die Flammen erstickten. Tie Verletzungen derselben sind leider so schwer, daß an einem Aufkommen gezwerfelt werden muß.

Vermischtes.

* Aus Berlin wird uns vom 14. d.M. geschrieben: Eine Tagesneuigkeit lokaler Statur wird hier besprochen. Tie Stadt wollte dieLinden" an den zwei Hauptüber- gangsvunkten' überbrücken. Tarauf erfolgte die Antwort: Nicht drüber, sondern unten durch." Und darüber freut man sich eigentlich allgemein. Tie neue Hochbahn hat Die schönsten Straßenbilder Berlins verschimpfiert, zwei Hochbrücken über die Linden: Tas würde der Geschmack­losigkeit den Gipfel aufgesetzt haben; man brauchte bie eine nicht einmal über den Kopf des alten Fritz hinweg­zuführen. freilich, Hochbrücken sind billiger, wie Tunnels und die tonangebenden Herren in der städtischen Verwalt­ung hier mit ihren Vettern und Basen auch die maßgeben­den Persönlichkeiten im Direktorium dergroßen Ber­liner" u. s. f. Dennoch wird die Zeit nicht mehr ferne sein, wenn auch mir das nicht erleben, daß ber gesamte Schienenverkehr in ben Straßen der Hauptstadt unter die Erde verlegt iuirb. Die Verhältnisse in der Leipzigerstraße z. B. weisen heute schon gebieterisch darauf hin.

* Frem dwon im Volksmunde. Unter Bezugnahme auf eine kuriose kleine Mitteilung, die wir in unserer Nr. 160 unter dieser Spitzmarke veröffentlichten, wird uns heute aus der in jener Notiz erwähnten Stadt geschrieben: Die spaß Hafteste Bemerkung jenes vortrefflichen Stadtrates war wohl folgende:Wenn mein Sohu das Insurgenten- Examen gemacht hat, bann kann er alle Barrieren einschlagen!"

* Berlin, 13. Juli. Heute nachmittag 3 Uhr ging unter strömendem Regen ein heftiges Gewitter nieder. Der Blitz schlug in der Charlottenstraße in einen Pfosten der elektrischen Straßenbahn vorWolffs Telegraphischem Bureau". Ter Pfosten wurde in Brand gesetzt und ex­plodierte. Ter Blitz ging durch die Blitzableiter der be­nachbarten Häuser in bie Erde nieder. ImWolffschen Bureau" sind einzelne elektrische Leitungen durchgebrannt. Im ganzen Bureau wurde eine heftige Erschütterung ver- pürt.

* Berlin, 13. Juli. Die am Donnerstag mit einem 8400 Kubikmeter fassenden Ballon des Meteorologischen Instituts ausgeführte Fahrt bezweckte in erster Linie Unter- uchungen über den Einfluß der Höhe auf den menschlichen Organismus. Bei 7200 Meter Höhe konnten die geplanten Beobachtungen vollständig durchgeführt werden. Die Lan­dung erfolgte nach 9 einhalb Stunden in der Rhein- Pfalz zwischen Pirmasens und Zweibrücken.

* Ue6 er eine Duellaffaire, die bereits im Fe­bruar üdenjReichstag beschäftigt hat, schreibt jetzt dieStraß­burger Bürgerztg.": Bei dem sächsischen Artillerie-Regi­ment Nr. 12 stand bis zum vorigen Herbst der Oberleutnant H. Der Offizier hatte eine vollkommen tadellose Kondukte; er war für China in Aussicht genommen, und stand bei allen Ehren und Vergünstigungen, die das Regiment zu vergeben hat, ' obenan. In etwa zwei Jahren hatte er die Beförderung zum Hauptmann zu erwarten. Im vorigen Sommer war beim Regiment ein junger Leutnant ein­gestellt, der die fatale Eigenschaft hatte, in ber Betrunken­heit alle Selbstbeherrschung und gänzlich den Verstand zu verlieren. Bei einem Liebesmahl betrank sich der junge Mann wieder sinnlos unb wurde, wie das üblich ist, in einer Kiste in dieLeichenkammer" getragen, wie man ras für solche Fälle reservierte Zimmer scherzend benennt. Gerade als die Kiste niedergesetzt wurde, fuhr der Be­trunkene aus seinem Taumel ein wenig auf, und traf den Oberleutnant H. mit einem Schlage am Kopfe. Weil es bisher allgemein üblich gewesen ist, in Fällen sinnloser Trunkenheit derartige Geschichten mit einer Entschuldigung am andern Tage zu erledigen, legte niemand Gewicht auf den Vorgang. Es wurde ruhig weiter getafelt. Am andern Morgen schickte der Oberleutnant H. einen Kame­raden, der dem Ehrenrat des Regiments angehörte, zu dein Manne mit dem Auftrage, sich zunächst zu verge­wissern, ob jener sich des Vorganges noch erinnere, und weiter ihm zu sagen, daß die Sache dem Ehrenrat unter­breitet werden solle. Der junge Mensch wußte nichts von der ganzen Geschichte, stürzte aber sofort zum Oberleutnant H., und bat diesen um Entschuldigung. Der Ehrenrat des Regiments, der trotzdem um sein Votum angegangen wurde, entschied einstimmig, daß sich Oberleutnant " H. korrekt benommen habe, daß die Geschichte mit der Ent- chulbigung erledigt, und dem jungen Leutnant X. eine Rüge zu erteilen sei. Die Entscheidung wurde vom Regi­ments-Kommandeur dem kommandierenden General von Treitschke in Leipzig unterbreitet. Der General erwirkte eine Ordre des Königs von Sachsen, durch welchen der Spruch des Ehrenrats kassiert- und die Sache zur Entscheid­ung an ein in Leipzig unter den Augen des Korpskomman- beurs garnisonierendes Regiment gegeben wurde. Der Ehrenrat dieses Regiments entschied nun, daß sich der Oberleutnant H. nicht korrekt benommen habe, weil er in der Form des Auftrags an den Kartellträger zu er­kennen gegeben habe, daß ihm eine friedliche Erledigung willkommen sei. Der Oberleutnant sei deshalb mit schlich­tem Abschied zu entlassen. Der Oberst des Regiments Nr. 12 teilte diese Entscheidung den Offizieren des Regiments unter Zeichen tiefer Erregung mit und fügte hinzu, daß nach diesem Spruch es schwer sei, in Ehrensachen das Richtige zu treffen;ich kann Ihnen nur raten, meine Herren, fordern Sie in allen Fällen mindestens auf Säbel."

* Köln, 13. Juli. Wiederum ist ein nichtsnutziger Anschlag auf einen Eisenbahnzug, und zwar diesmal auf ben Berlin Kölner Nachtschnellzug, verübt worden, indem bei Dortmund eine Hauptweiche derart mit Steinen und andercn Gegenständen verrammelt wurde, daß sie sich nicht mehr um­legen ließ. Der Streckenwärter entdeckte in der verflossenen Nacht das Bubenstück und verhütete dadurch grenzenloses Unglück, da wenige Minuten später der stark besetzte Berliner Schnellzug die Weiche passierte.

* Barmen, 13. Juli. Zwei Rentner, die beiden 59 und 61 Jahre alten Brüder Wilhelm und Gustav H ö d i g haben sich in ihrer gemeinsamen Wohnung erhängt. Der eine der beiden-Brüder, die einander sehr zngethan waren, und im Volksmunddie Unzertrennlichen" hießen, war in der letzten Zeit erkrankt. Man vermutet, daß die beiden in einem Anfall von Melancholie den Tod gesucht haben.

Bremen, 13. Juli. Laut Bekanntmachung des Onarantäneamts in Bremerhaven wird infolge des Auf­tretens ber Pest in Konstantinopel fier bie aus den türki- schen Häfen im Bosporus, Marmarameer, Schwarzen und

Aegäischen Meer kommenden Schliffe eine. gesundheitspoli­zeiliche Kontrolle angeordnet.

* L e i p z i g, 13. Juli. Von derLeipziger Bierbrauerei zu Reudnitz, Rieb eck & Ko. Aktiengesellschaft" wird mit- geteilt Ter gestrige Brand ist auf Selbstentzündung von Mehlstaub in der Schrotmüllerei zurückzuführen. Tas Feuer ergriff die dort lagernden Malzvorrate und verbreitete sich nach den anderen in drei Gebäuden befindlichen Malz­böden. Tiese waren ganz aus Holz gebaut, chdaß^ sie bis auf die gewölbten Tennen ansbrannten. Tas Sub­hausgewölbe werde durch ben einstürzenben Giebel burch- schlageu. In einigen Tagen kann aber im Sudhaus der Betrieb wieder aufgenommen werden. Die verbrannten Malzvorräte werden durch Kaufmatz ersetzt. Alle übrigen Betriebs- und die Eismaschinen skud unbeschädigt und ar­beiten, ebenso sind die sonstigen Räume unb maschinellen Einrichtungen in vollem Betriebe. Die Schäden find durch Versicherung gedeckt. Voraussichtlich werben auch dieses Mal wieder 10 Prozent Dividende gezahlt, da der Absatz der Brauerei sich auch in diesem Jahre wieder gehoben hat.

* Lauda (Baden), 12. Juli. Bahnassistent Häfner von Unterbalbach fuhr gleich nach dem Mittagessen (!) nach Lauda, um in der Tauber zu baden. Mit ihm badete Bn- reaugehilfe Apfel von hier. Plötzlich sank Häfner, viel­leicht von einem Krampfe befallen, unter. Häfner schlang aber in seiner Rot die Arme um Apfel, unb zog biesen so mit sich in die Tiefe. Ein dritter Mitbadender, eben­falls ein Bahnbeamter, ben einer ber Ertrinkenben am Fuße gepackt hatte, konnte sich noch retten; seine weiteren Hilfeleistungen waren erfolglos.

* Der w u r 11 e m b e r g i f ch e Durst Man schreibt aus Stuttgart: Finanzrat Tr. Losch, Privatbozent ber Nationalökonomie und Statistin an ber hiesigen Technischen Hochschule, bespricht. in einer BroschüreWürttembergifche Gegenwartsfragen unb Zukunftssorgen". Losch hebt darin u. a. hervor, daß der Verbrauch an geistigen Getränken in Württemberg in den letzten 25 Jahren zusammen auf 4000 Millionen Mark zu veranschlagen ist Er knüpft an diese Feststellung folgende Betrachtungen:Setzen wir'ein­mal den Fall, es hätte von den 4000 Millionen Mark, die wir alsGetränkebudget" ber württembergischen Bevölker­ung in ben letzten 25 Jahren gefunben haben, 3000 Mill. Mark das normale, b. h. bav berechtigte unb naturgemäße Trintbildget" gebilbet, 1000 Millionen aber bas, was man alsSaufbudget" bezeichnen könnte, so wirb kein Verstänbiger in Abrede ziehen: 1. daß mau jene Milliarde auch anders hätte verwenden können, 2. daß sie unbedingt verloren ist 3. daß sie noch eine Reihe von ganz erheb­lichen Nachteilen im Gefolge gehabt hat, welche finanziell nicht genau zu beziffern sind, aber in Krankenhaus-, Zucht­haus-, Irrenhaus-, Unfall-, Arzt-, Gerichts- und anderen Kosten aller Art in die Erscheinung teils getreten sind, teils noch treten. Man hätte durch diesen Betrag die sämtlichen Schulden des Staates und ber Gemeinben Würt­tembergs bis auf ben letzten Pfennig tilgen können, und märe so der lästigen Zinsen ledig, die Jahr zu Jahr auf­gebracht werden müssen."

* Tettelbach (Mittelfranken), 13. Juli. Hier tötete ein irrsinniger Büttnergehilfe seine Mutter mit einem Beilhiebe unb verletzte seinen Vater schwer.

* S t r a ß b n r g, 12. Juli, lieber einen Anschlag auf einen Posten in Mutzig wird Folgendes gemeldet: Gegen halb 2 Uhr morgens sah ber vor dem Hause des Majors stehende Fahnenvosten in Mutzig liegt nur ein Bataillon vom Jnf.-Regt. Nr. 143 einen Mann auf die Kaserne zugehen. Der Posten ahnte nichts Schlimmes, bis er auf einmal jemand hinter sich laufen hörte. In demselben Augenblick wurde sein Gewehr von hinten gefaßt und heruntergedrückt, unb zugleich mit einem Revolver ein Schuß abgegeben, der ihn auf der rechten Seite traf. Der Verwundete schrie sofort um Hilfe, worauf der Angreifer in der Richtung zum Oberthor davoulief. Er wurde aber von Leuten, bie auf den Hilferuf des Solbaten wach wurden, gesehen und konnte bei dem hellen Mondschein gut be­obachtet werden, so daß eine ziemlich sichere Beschreibung von ihm festgestellt werden könnte. Den Revolver hatte er nach der That auf bie Straße geworfen, wo er später gefunden wurde. Major Roeder ließ sofort das Bataillon alarmieren, unb ben Ort unb die Umgebung absuchen. Die telegraphisch benachrichtigte Polizei verhaftete den Thäter in Schlettstadt, wo er gerade den Zug nach Basel benutzen wollte. Der Mann ist Italiener. Heber feine Beweggründe zu ber That ist noch nichts bekannt. In dem kleinen Städtchen ruft ber Vorfall große Aufregung hervor.

* Paris, 13. Juli. Der Luftballon des Herrn Santos-Dumont wurde auf ber Rückfahrt vom Eiffel­turm nach Sk. Cloud von einer starken Windströmung' erfaßt, so daß der Motor über dem Rothschild'schen Park bei Boulogne a. d. Seine den Dien ft versagte. Santos- Dumont mußte ben Ballon mit dem Messer aufschneiden, um die Landung zu ermöglichen, und der Llpparat ging in den Bäumen des Parkes nieder ohne weiteren Schöben ür den Insassen. Trotz des überraschenden anfänglichen Erfolges ber Fahrt ist es infolgedessen beim Versuch ge­hlieben, und bie Kommission des Aeroklubs hatte noch keinen Anlast ihr Urteil zu fällen.

Zürich, 13. Juli. Notar Kägi in Niederglatt hat ich mit Hinterlassung eines Defizits von über 100 000 Frs. geflüchtet.

* Newyork, 13. Juli. Im Süden unb Westen ist es noch äußerst heiß. Depeschen aus Missouri und Kansas, wo die Trockenheit seit 40 Jahren die schlimmste ist, be- agen, daß der Stand des Mais sehr schlecht ist. Berichte aus Nebraska enthalten auch nur wenig bessere Mitteil­ungen. ,Jn Illinois, Iowa und Süd-Dakota macht die Ernte im Turchschnitt gute Fortschritte.

* Ein kaukasisches Sittenbild enthüllte ber Prozeß des Fürsten Konstantin Zulukidse, der dieser Tage in der Kassationsabteilung des Senats zu Petersburg zur Verhavd- lnng kam. Der Fürst ist des Brautraubes bezichtigt. Vor mehreren Jahren warb er um die Hand der Tochter des Fürsten G. Zulukidse, der auf seiner Besitzung im Gou­vernement Kutais lebte. Die vielumworbene, in der ganzen Gegend als hervorragende Schönheit bekannte Marie Zulu« kidse erhielt jedoch nicht die Einwilligung ihrer Eltern zu der Heirat mit dem Fürsten Konstantin, und dieser brach den offenen Verkehr mit der Familie der Geliebten ab; es wurde aber ein geheimer Briefwechscl zwischen ihm und Marie Zu­lukidse fortgesetzt. Eines Tages veranstaltete Fürst Konstantin ein großes Fest, zu dem er auch die Eltern seiner Geliebten nebst der schönen Tochter einlud. Als das Fest zu Ende ging, trug Fürst Konstantin plötzlich vor den Augen der Gäste die Geliebte zum Hause hinaus, setzte sie in einen bereitstehenden Wagen und fuhr mit ihr davon. Man setzte