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16.7.1901 Erstes Blatt
 
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Nr. 164

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.

Die Gießener Zamilien- blätter werden dem An­zeiger im Wechsel mitHess. Landwirt" undBlätter für Hess. Volkskunde" vier­mal wöchentlich beigelegt.

Annahme von Anzeigen »u der nachmittags lür den foleenben Tag rrlcheinenden Nummer bis vorm 10 Uhr. Abbestellungen spätesten« abends vorher.

Redaktion, Expedition und

Druckerei: Zchulstrahe 7.

Erstes Blatt.

151. Jahrgang.

Dienstag 16. Juli 1901

General-Anzeiger

Bezugspreis Vierteljahr!. Mk. 2.20, monatl. 75 Pfa. mit Bringerlolm: durch du Abholesicllen viertel.ulivl Ml. 1.90, monatl. 65 Psg.

Bei Postbezug vierteljührl. Mk. 2.00 ohne Bestellgeld.

Alle Anzciqcn DermiltlnngS- stellen dco In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den Wicstenrr Anzeiger entgegen. ZcilcnprciS. lokal 12 Psg., außwärt8 20 Pfg.

Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gietzen ss

Politische Wochenschau.

Kaiser Wilhelm II. hat am 8. ds. seine gewohnte Nordlandsfahrt angetreten, die sich von den vorhergegan­genen insofern unterscheidet, als das Gefolge von SckMen vergrößert worden ist, hauptsächlich um eine noch schleu­nigere Herbeibringung der Postsachen zu sichern; auch ist die kaiserliche JaM mit Vorrichtungen versehen, die an Xianb sofortigen Anschluß an den Telegraphen ermögliche. So bleibt der Kaiser mehr als je in Verbindung mit den Vorgängen der bewegten Zeit. Ter preußische Verkehrs- Minister v. Thielen hat bei dem Festmahl der Rheinstrom­bauverwaltung eine Toastrede gehalten, worin er sagte, daß er Gelegenheit haben würde, seinen Standpunkt zur Wasserstraßensrage in der nächsten Landtagssession wie bisher zu vertreten. TieVerl. Reuest. Nachr." meinen, der Trinkspruch des Ministers werde nach verschiedenen Seiten hin die Bedeutung eines klärenden Ereignisses haben. Tie Stadtverordneten zu Berlin hatten den Stadt­rat Kauffmann zum zweiten Bürgermeister gewählt. Als ordnungsmäßig die Bestätigung durch den König Wil­helm II. nachgesucht wurde, erfolgte ein Rein. Darob große Aufregung zunächst in der politisch dem Nichtbestätigten am nächsten stehenden freisinnigen Presse. Warum die Ablehnung? wurde gefragt, und man entdeckte, daß vor zwanzig Jahren Herrn Kaufmann vom König Wilhelm I. als Sekondeleutnant der Landwehr der Abschied erteilt wor­den sei wegen seiner politischen Thätigkeit im fortschritt­lichen Sinne. Tiefe Verabschiedung, so heißt es, sei der Grund für die jetzige Nichtbestätigung. Wenn Herr Kaufs­mann ein tüchtiger Beamter ist und sich nichts Ehren­rühriges hat zu schulden kommen lassen, dann würde, nachdem ihn die Stadtverordnetenversammlung gewählt hat, die Nichtbestätigung aus dem angegebenen Grunde deutlich zeigen, wie sehr militärische Tinge in ganz un­militärischen Angelegenheiten sich( geltend machen. In Berlin waltet allerdings das besondere Verhältnis ob, daß der Landesherr weit eher als anderswo in die Lage kommen kann, den zweiten Bürgermeister als Vertreter des ersten, etwa wenn er verhindert, aus offiziellem An­laß sich persönlich gegenüber zu sehen. Da nun unter den Aufgaben des Landesherrn die militärischen in Preußen als die vornehmsten gelten, kommen bei dem Verhältnis einer Amtsperson zum König deren militärische Verhält- nisse in Vergangenheit oder Gegenwart mehr in Betracht, als das mancher vom Standpunkte freier bürgerlicher Auf­fassung wünschen mag.

In Berlin erschien dieser Tage die marokkanische Gesandtschaft, die nach London gezogen war, um dem Könige zu seiner Thronbesteigung Glück zu wünschen, und fand dort eine sehr freundliche Ausnahme. An Stelle des abwesenden Reichskanzlers nahm ,sich der Staats­sekretär des Auswärtigen Amtes, Frhr. v.' Richthosen, ihrer an und stellte sie dem Kaiser vor. Tie ausgetauschten Reden bewiesen, daß es zwischen dem Deutschen Reiche und Marokko aufs beste stehl; soweit das Deutsche Reich] in Betracht kommt, werden die Bemühungen von anderer Seite, das Sultanat Marokko zu beseitigen, keine För­derung erfahren.

Ein schlimmer Gast hat wieder in Europa Einzug ge­halten, die Pest. Sowohl in Konstantinopel als bei Mar­seille sind mehrere Pestfälle vorgekommen, worauf alle nötigen Gesundheitsmaßregeln getroffen wurden; die Fälle in Marseille betrafen Dienstpersonal eines von Port Said gekommenen Schiffes. Auch, in Kairo ist die Pest aufge­treten, was an sich wegen der Beziehungen Nordägyptens zu Europa schon bedenklich genug ish Endlich werden fort­während aus Kapstadt Pestfälle gemeldet. Tie heiße Jahreszeit ist erfahrungsgemäß der Ausbreitung der Pest ungünstig.

Tie Kammern in Frankreich haben ihre Ferien angetreten, und nun können die Freunde der Regierung daslange Ministerium" feiern, weil es wohl nicht denb bar ist, daß das Kabinett Waldeck-Rousseau während der Ferien abtreten muß und es im Oktober beim Wieder- zusammentritt des Parlaments länger gelebt haben wird als irgend ein anderes Ministerium der dritten Republik. Tas längste Leben hat das Ministerium Thiers, das vom 19. Februar 1871 bis zum 23. Mai 1873, also über zwei Jahre und drei Monate sich behauptete. Am 22. Sep­tember wird das Ministerium Waldeck-Rousseau zwei Jahre und drei Monate alt sein, beim Wiederzusammen­tritt des Parlaments also etwas älter denn das Kabinett Thiers im Augenblick seines Sturzes. Toch prophezeien ihm Radikale und Sozialisten, es werde in der außerordent­lichen Herbstsession böse Tage erleben. Tie Einkommen­steuer ist von der Kammer in letzter Stunde nach einer eingehenden Tebatte mit großer Stimmenmehrheit für einen gelegeneren Augenblick aufgespart, das heißt ge­senkt worden. Nach dem Beschlüsse, der gefaßt wuroe, soll sie in der Herbsttagung von neuem erörtert werden, wenn die Alters- und Jnvaliditätsversicherung und das Budget für 1892 erledigt sein werden. Aber auch diese Materie ist der Erledigung nicht sicher.

Seit dem Jahre 1886 hat die liberale Partei in England keine schwerere Krisis durchgemacht, als in dem letzten Jahre. Damals sprang ein großer Teil Libe­raler ab, wegen der politischen Behandlung Irlands, und that sich mit Konservativen zu der großen Unionspartei zusammen; diesmal war und ist es Chamberlains skrupel­lose, imperialistische Politik, die in den liberalen Reihen verschieden beurteilt wird. Der echte überzeugte Liberale hat die vollständige Unterdrückung der Burenstaaten, die Chamberlain verfolgt und längst geplant hat, von vorn­herein verworfen, andere möchten auch] für echt liberal gelten, glauben anderseits aber eine patriotische Pflicht zu erfüllen, wenn sie den Bur in höherem oder geringerem

Grade hassen. Auf dem am Dienstag zu London gehal- tinen liberalen Parteitage klang das, was das Parteihaupt Campbell Bannerman zu sagen hatte, recht resigniert und elegisch.Wir sind", sagte er,im stände, erfolgreich zu handeln, wenn wir einmütig handeln." Die drohenden rückschrittlichen Maßregeln der Regierung in Bezug auf Unterrichts- und Finanzpolitik böten der Opposition ein großes Feld für ihre Thätigkeit. Statt einander zu be­fehden, müsse der Gegner bekämpft werden. Er glaube nicht, daß über die südafrikanische Frage hoffnungslose Meinungsverschiedenheiten herrschten, vielmehr daß die folgenden Punkte die Ansicht von vier Fünftel der Partei, der Mittelpartei, wiedergäben: Der Krieg muß zu einem baldigen und erfolgreichen Ende gebracht werden, aber mit dem Schwert in der einen und dem Palmzweig in der anderen Hand; es würde unmöglich sein, Bedingungen zu gewähren, welche die Buren besser als vor dem Kriege stellen würden; in der militärischen Politik seien solche Akte zu vermeiden, welche die Empfindung unnatürlicher .Härte zurücklassen würden; allgemeine Amnestie für bri­tische Unterthanen; nach] einem kurzen Zwischenraum außer­gewöhnlicher Regierung ein freies Kolonialshstem, das zu einer Bundesverfassung führen würde. Der südafrikanische Krieg bildete somit auch auf dem Parteitage den Mittel­punkt der Erörterungen, wozu sich dann hauptsächlich Klagen über persönliche Reibereien, Unterdrückung von Mein­ungen und über Kabalen gesellten. Diese Klagen deckten das ganze Elend der Partei auf. Beklemmung hat bei einer Anzahl Engländer das Bewußtsein erregt, daß die englische Mittelmeerflotte den französischjen und russischen Schiffen aus dem Mittelmeer und Schwarzen Meer nicht gewachsen fei. Sehr angenehm war diesen Leuten daher die Erklärung des Parlamentssekretärs deck Admiralität, Forster, wonach neue Schilachtschiffe, neue Panzerkreuzer und neue Torpedoboote gebaut werden sollen, die sämtlich jedem Schiffe einer anderen Macht an Kriegstüchtigkeit und Schnelligkeit überlegen sein würden. Tie Franzosen fühlen, daß diese Wendung hauptsächlich] gegen sie ge­richtet ist, trösten sich: aber mit dem Gedanken, daß sie in ihren Unterseebooten eine durch neue überraschende Versuche bewährte Verteidigungs- und Angriffswaffe haben.

Im Burenkrieg beschäftigt England noch immer 250 000 Mann ; wie viele hiervon felddienstuntauglich sind, wird in der amtlichen Uebersichft aber nicht angegeben. Tie letzten Operationen der Engländer fanden im Oranje­freistaat statt, wo mehrere Abteilungen konzentrisch einen größeren Landstrich erschlossen, ein Kesseltreiben ver­anstalteten und gleichzeitig alles verwüsteten und nieder­brannten. Tas gehört zu denaußerordentlichen Maß­regeln" des Lord Roberts. Es ist eine nur zu natür­liche Folge davon, daß die Buren auf englischem Ge­biete zu den gleichenaußerordentlichen Maßregeln" greisen. Tas hat unter andern Kommandant Scheepers in Murrraysburg gethan, wo er die öffentlichen und einige private Gebäude niederbrannte. Tas dies geschehen konnte, zeigt die Lage der Engländer im Kaplande als nicht günstig. Lord Kitchener sagt, daß die in die Kapkolonie einmarschierten Buren Zulauf von Kapholländern erhielten; auch würden sie mit Lebensmitteln und Nachrichten über die Bewegungen der Engländer unterstützt.

Aus Stadt und Land.

(Der Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original-Nachrichten ist HUr unter genauer Quellenangabe:Gieß. Anz." gestattet.)

Parlamentarisches. Eine Vorstellung der hessischen Bahnmeister der Main Neckar-Bahn an die Zweite Kammer geht dahin, daß der in der Besoldungsordnung für die hessischen Bahnmeister festgesetzte Wohnungsanschlag, bez. die eventuelle bare Wohnuugsvergütung von 200 auf 300 Mk. erhöht wird. Eine Regierungsvorlage, betreffend die Schaffung einer Weinbaudomänenverwaltung zu Mainz. Da­nach soll 1. da« Amt des Vorstandes der Weinbaudomänen- Verwaltung unter die Aemter mit Höchstgehalt (Höchstgehalt 6000 Mk.) mit der Bemerkung ausgenommen werden, daß dem Inhaber der Stelle eine Mietentschädigung von jährlich 400 Mk. zu gewähren ist, wenn ihm nicht eine zu bezahlende Dienstwohnung zur Verfügung gestellt werden kann; 2. die infolge der Besetzung dieser Stelle seit dem 1. Juli 1901 aufgewendeten Kosten aus Einnahmeüberschüffen und AuS- gabeersparnisfeu des BerwaltungsbudgetS, bezw. insoweit solche nicht vorhanden, durch Entnahme aus dem unter Kap. 136 Titel 2 des genehmigten Hauptvoranschlags 1901/02 reservierten BermögenSbetrag iu der Art bestritten werden, daß die unter Kapitel 1 des erwähnten Hauptvoranschlags in Einnahme gestellte Summe um den Bedarfsbetrag aus jener Reserve erhöht wird. Die Abgg. Dr. David und HaaS (Mainz) beantragen, die Kammer wolle die Regierung ersuchen, mit aller Energie bei der Preußisch-hessischen Eisen­bahnverwaltung darauf hinzuwirken, daß bet Anlage der llmführuvgSbahn Mainz Mombach Wiesbaden Kastel 1. die Überschreitung des Floßhafens und der Ingelheimer Aue nicht, wie projektiert, durch einen Damm, sondern durch eine Viaduktführung bewerkstelligt wird; ?) die Neber- brückuug des Rheines auch für den Fußgängerverkehr einge­richtet wird.

** Ernennungen. Zum Vorstand der Hufbeschlagschule zu Gießen wurde anstatt des in den Ruhestand getretenen Kreisveterinärarztes Professors Dr. Winkler zu Gießen, der Großh. Kreisveterinärarzt Schmidt zu Gießen und zum Vorstand der Hufbeschlagschule zu Mainz anstatt des in den Ruhestand getretenen KreiSveterinärarzteS Dr. Wolpert,

der Großh. Kreisveterinärarzt May zu Mainz ernannt. Ernannt wurde ferner der Gefangenwärter am Provinzial- arresthauS in Darmstadt Peter Häuser zum Gefangen­aufseher an dieser Anstalt mit Wirkung vom 27. Juni d. I.

b- Oberhesfischer Geschichtsvereiu. Der Vorstand hat be­kanntlich, von Freunden und Gönnern unterstützt, vor einiger Zeit einen Preis von 500 Mk. für ein Werk über die Geschichte deS Schisfenbergs als Kloster und Deutsch- ordenSniederlaffung ausgesetzt. Die Bewerbungsfrist ist neuerdings bis zum 1. Januar 1902 verlängert worden. Näheres über das Preisausschreiben findet man am Schluß des neunten Bandes derMitteilungen des Oberhessischen Geschichtsvereins" von 1900.

k. Verschüttet. Zu der unter vorstehender Spitzmarke gestern von uns veröffentlichten Mitteilung erfahren wir noch folgende Einzelheiten: Der Verunglückte Johannes Heyer aus Leidenhofen arbeitete auf dem Fernieschen Braunstein- bergwerk und zwar in dem Betrieb des Unternehmers Neu­hof aus Wetzlar. Das Unglück trug sich am Donnerstag unmittelbar nach der Frühstückspause zu. Heyer und ein anderer Arbeiter waren im Begriff, Erde in einen Rollwagen zu schaufeln, als plötzlich oben am Stollen sich Erde loslöste und herunterfiel. Während der andere Arbeiter sich noch rechtzeitig retten konnte, wurde Heyer erfaßt, zu Boden ge­worfen und vollständig verschüttet. Seine Kameraden be­gannen sofort ihn herauszuschaufeln. Doch war er, als sie den Körper von der Erdmaffe befreit hatten, bereits eine Leiche. Er hatte mehrere Wunden am Kopfe. Der Brust­korb war eingedrückt, außerdem hatte der Verunglückte ein Bein gebrochen. Auch der Halswirbel dürfte gebrochen fein. Wie man hört, war heute ein Herr aus Darmstadt vom Bergbauamt hier, um die Unglücksstelle zu besichtigen. Die Höhe des Stollens, in dem sich der Unfall zutrug, soll zwischen 6 und 7 Meter betragen.

♦♦ Briefaufschriften. Der Briefverkehr in Berlin ist in den letzten Jahren derartig gestiegen, daß es zur Sicherung der schnellen und unverzögerten Bestellung der Sendungen nötig ist, in den Aufschriften der nach Berlin bestimmten Briefe neben dem Postbezirk (N., NO., W. u. s. w.) auch die Nummer deS Postamts anzugeben, von dem die Sendung bestellt oder abgeholt wird (z. B. Berlin W. 9, Berlin NW. 6). Selbstverständlich darf auch die Angabe der Straße, der Hausnummer, des Gebäudeteils und des Stockwerks nicht fehlen. Man muß also beispiels­weise schreiben:An Herrn Kaufmann Karl Müller in Berlin NW. 6, Albrechtftraße Nr. 7, Hinterhaus 3 Tr. links.- Das von der Postverwaltung herausgegebene Verzeichnis der Straßen und Plätze Berlins, das an allen Postschaltern eiu- gesehen werden kann, ergiebt des näheren, zu welchem Be­stellpostamt jede Straße und jeder Platz der Stadt Berlin gehört.

* Gegen die kleinen Stechmücken hilft oft Einreiben des Gesichts unv der Hände mit Nelkenöl oder eine Einreibung mit Salmiakgeist. Für das Zimmer bewährt sich das fleißige Bestreuen der Fensterränder mit unverfälschtem persischen Insektenpulver. Das beste ist freilich ein in die Fenster­öffnung eingepaßter Gazerahmen. Gegen Abend werden Thür und Fenster geschlossen, in der Dämmerung ziehen sich die Mücken an die Gazefenster und man tötet sie leicht mit einem Tuch und kann so ruhig schlafen. Auch empfiehlt es sich noch, ein Nachtlicht auf einem Teller mit Wasser in die Mitte der Stube auf den Boden zu stellen, das Licht lockt die Mücken an und sie fallen ins Waffer.

d- Mendorf a. d. Lda., 14. Juli. Bor einigen Wochen starb hier der Lehrer i. P. Sellin, ohne Leibeserben zu hinterlassen. Da seine Frau ihm acht Tage früher im Tode vorangeganden war, wurde ein Verwandter Erbe der nicht geringen Hinterlaffenschaft des Verstorbenen, die in Wert­papieren, einem Hause und Mobiliar bestand. DaS letztere wurde nun vor einigen Tagen zur öffentlichen Versteigerung cruSgeboten. Hierbei erstand eine Witwe aus dem benach­barten Climbach den Schreibtisch des Verstorbenen für etwa 4 Mk. Sie ließ ihn noch an demselben Tage nach ihrer Wohnung schaffen. Als sie ihn nun von den darin befindlichen wertlosen Papieren entleeren und auswa^eu wollte, fand fie unter den Papieren versteckt zwei Rollen Gold im Betrage von 820 Mk. Ob die Erben, wenn auch alle Möbelstücke, so auch der Schreibtisch, mit Inhalt verkauft worden find, die Frau unangefochten im Besitz der gefundenen Summe lasten werden, ist fraglich.

Offenback. 13. Juli. Die Stadtverordnetenversammlung hat für den Neubau eines Leihhauses 95 000 Mk. bewilligt. Ferner lag chr ein Expos«, betr. die Errichtung eines Anbaues an die Kunstgewerbe- und gewerbliche Fach­schule vor, dem sie im allgemeinen zustimmte. Wegen des Raummangels in den Landesirrenanstalten müssen Geistes­kranke in auswärtigen Privatirrenanstalten, wie z. B. in Göppingen, untergebracht werden. Die Stadtverordneten­versammlung beschloß aus diesem Anlaß, an das Ministerium des Innern das Ersuchen zu richten, auf beschleunigte Schaff­ung weiterer Räumlichkeiten zu diesem Zweck bedacht sein zu wollen. Ein bedauerlicher Unglücks fall hat sich gestern nachmittag hier ereignet. Am Mainhafen spielten die zwei Knaben des in der Nähe wohnenden Schlossers Besser, 5 bezw. 7 Jahre alt, und fielen dabei ins Waffer. Der un­gefähr 10 Jahre alte Sohn des gleichfalls in der Nähe