Ausgabe 
15.6.1901 Zweites Blatt
 
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ovelche die

"Wale in jchlufz an

Dar Postdampfer .Southwark" btt »Red Ster Etat* in Lat- toetptn ist laut Telegramm am 10. Juni wohlbehalten in Newyork angekommen.

diesem Abend noch einige der hiesigen Militärkapellen kon- zertieren.

HanS Pfitzner, der Komponist des schnell bekannt gewor- denen MustkdramasT)et arme Heinrichs, ein junger Frankfurter, wurde als Kapellmeister an das Theater des Westens in Berlin engagiert. Pfitzner genoß seine mufikalische Ausbildung in seiner Vater­stadt, der hessische Hof interessierte sich lebhaft für den jungen Künstler, dessen erstes Wnk zu großen ZukunftShofinungen berechtigte.

Ein oberschlrfischeS StLdtebundtheater ist nunmehr be° schloffen« Sache. Den Beitritt erklärten Königshütte, Kattowitz, Beuthen und Gleiwitz. Sitz deS Theaters soll Königshütte sei» Vorstellungen sollen auch in großen Jndustriedörfern stattstnden. Beginn der VorstelL ungen, die von großen industriellen Werken subventioniert werden sollen, ist auf Oktober festgesetzt. Sie bringen Volksstücke, Schauspiele sowie Einakter mit Variete.

® ® TAFELKARTEN ® ® ® BALL- UND TISCHKARTEN HOCHZEITSTAFELKARTEN REIZENDE NEUE MUSTER IN EINFACHER UND GLÄNZENDER o o o o o AUSFÜHRUNG o o o o o BRÜHLSCHE UNIV.-BUCH- UND STEIN­DRUCKEREI, GIESSEN, SCHULSTRASSE 7.

Arbeiterbewegung.

Mitt, 12. Juni. Gegenwärtig ist man in den einzelnen Di­strikten deS rheinisch-westfälischen Kohlenreviers mit der Bildung einer Bergarbeiter»Organisation beschäftigt, die alSbald nach der Rückkehr der deutschen Truppen auS CHLna zur Erschließung der Kohlenfelder in den deutschen Besitzungen Chinas nach dort abgehen soll. Die Expedition erfolgt auf staatliche Veremlaffung. Jeder Teil­nehmer wird auf 5 Zehre verpflichtet.

Hamburg, 12. Juni. Die gesamte, dem GewerkschaftSkartell angehörige Arbeiterschaft boykottierte die Erzeugnisse der Nordhäuser Tabakfabrtken; darum wird die ArbeUerfchaft aus. gesperrt werden.

Budapest, 12. Juni. Der AuSstanb bei der Oesterreichisch- Ungarischm StaatSeisenbabngesrllschaft in Reschtka gewinnt noch immer an Ausdehnung. Heute haben sich sämtliche Gelbgießer den Aus- ständigm angeschlosfen, Ruhestörungen find nicht vorgekommen.

Kunst und Wissenschaft.

Künstler-Kolonie Darmstadt. Man schreibt uns: Am Samstag, den 15. er., findet dem Vernehmen natfr im Spielhause der Kolonie ein großes Konzert statt, zu bem Prof. Hugo Becker, Carl Friedberg und der Komponist Lampe ihre Mitwirkung zugesagt haben. Jedenfalls wird dem Publikum ein ganz außergewöhnlicher Kunstgenuß ge boten werden, und es ist zu hoffen, daß die Beteiligung recht zahlreich werden wird. Mit diesem Konzert schließen b'.e Veranstaltungen der seitherigen Leitung. Eine Ver­anstaltung im größeren Umfange ist für den kommenden Mittwoch geplant und zwar eine große Illumination. Es smd über die Art der Wirkung Versuche am Theater bereits angestellt worden, die außerordentlich gut ausgefallen sind, und nun soll kommenden Mittwoch der gesamte Aus­stellungspark mit nahezu vierzehntausend Illumination^ körpern illuminiert werden. Tie umfangreichen Vorbereit­ungen werden von dem 5?oskunstseuerwerker August Becker ans Wiesbaden geleitet. Tie Wirkung durste bei der an und für sich schon so schönen Lage der Kolonie hervor- r-agend sein, da sämtliche Beete, die Teiche, Häuser, das Wasserreservoir u. s. w. in Licht erstrahlen werden. Ter g-efamte Platanenhain wird nach allen Richtungen hin p'»n Lampions durchzogen werden. Tausende von Lampen werben allein verwandt, um die großen Beete vor der spelle in ein Lichtmeer zu verwandeln. Tas gewohnte Mendentree von 50 Psg. ist an diesem Abend auf 1 Mk. erchöht, während Abonnenten ein Sonderentree von 50 Pfg. iii zahlen haben. Um dem bei guter Witterung zweifelsohne außerordentlichen Andrange zu begegnen, wird an diesem Tage hinter dem Wasserreservoir ein Sonderbufiet errichtet (mit Bierausscktank zu 12 Pfg.) und auch diese Wiese wird festlich! illuminiert. Außer den täglichen Konzerten des n.euen philharmonischen Orchesters aus Wien werden an

Halle, 13. <Zuni.

Heute fand die Eröffnung der 15. Ausstellung statt, ho Ki<' Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft, zum zweiten der Provinz Sachsen einkehrend, hier im An ihre IG. Wanderversammlung veranstaltet. Leb- ^aste Sympathien werden diesem Unternehmen und der Schöpferin desselben, der Teutschen Landwirtschafts-Gesell- >J i'h entgegengebracht. Unsere Stadt steht als Sih der >vchschule, an derVater Kühn" seit einem Menschen (ilter wirkt, in engen Beziehungen zu Tausenden von Land- bvirten. Unsere städtischen Behörden bewilligten ent- ßprechende Summen zur Beschaffung des 120 Morgen großen ^urssle'lnngsplaßes in vortrefflicher Lage und stifteten einen erheblichen Beitrag zu Ehrenpreisen, stellten endlich unseren prächtigen Ratskellerbau mit seinem Festsaal und schönen 2 >b en räumen für den Empfangsabend und die herrliche ^achtigalleninsel, diePeißnitz", für ein Gartenfest am Donnerstagabend zur Verfügung, wobei die romantischen helfen und die idyllisck>en Partanlageu im festlichen Schein

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E°e «Uber berge ernannt Atzung et dien Mtrm tti ünjeleUet durch eine oon Pim« )b. 5,16 ßtijollent SRorgmtnbtii

i BnhMmgm werben junii angenommen: 1. die von Sßrofr

lung btt lübweßbeutfjen Äonfetaj daß die schulackfsmr Jugend änflufsmig übnUfitn, sondern M tat von Fmilie, Schule, Rhfy und rbe. DurchdtWM oon ber Heben it und Gebet keine wehre tzMiwtz

Familie, SM Kirche unb Staat emühnngm unb erkennt zugleich die fickt Ordnungen, welche die herw- unb schützen. Sie beauftragt bie t bk trlannkn Schäden anfjübeto v, um bk Wung lafmi nach- fern Sinne zu beeinflussend uni tu FrMng iagmbe jen Konferenz für Innere MiW mW, daß, wie die Puste meM iverorbnung, welcher dm MW bietet, nicht mehr achandhabt werd» u8, daß bkfff SS», warn «y ltgemäö uwflW ,ctn£ntt und tnkbesonbite zum Schutze w

P'»»' «««S IftS" referierte Mrff Dl. Weit "»"'«Ä es Bebürfnißer und die Sri feine

Gerichtssaal-

Limburg, 12. Juni. Wegen Körperverletzung mit tötlrchem Aus' gang hat das Schwurgericht den 23jährigen Maurergesellen W. Schmidt von Reiskirchen zu 6 Jahren Zuchthaus Derart eilt Er hat am 27. Januar im Lokal des Wirtes Lehnhardt zu Reiskirchen wegen eines Mädchens Streit angefangen und dann den Wirt erstochen.

Das ObeetriegSgericht zu Hannover hob das Urteil des Kriegsgerichts der 20. Division gegen den Leutnant der Reserve Rechts­anwalt Dr. Lüdbe-Branvschweig wegen Zweikampfs auf und er­mäßigte die Strafe von 9 Monaten Festungshaft auf 6 Monate; gegen Referendar Reiche, dm anderm Duellbeteiligtm, wurde auf 3 Monate Festungshaft erkanvL

Die Ermordung des Rittmeisters v. «rofigik vom 11. Dragoner-Regiment in Gumbinnen wird, gutem Vernehmm nach, im nächsten Monat daß OberkrlegSgericht deS 1. Armeekorps in Königs­berg in der Berufungsinstanz beschäftigen. Wie verlautet, wird jedoch die nmerliche Verhandlung in diesem SensationSprozeffe wiederum in der Dragonerkaserne zu Gumbinvm stattstndm und zwar mit Rücksicht auf dm umfangreichm Zeugenappnat und die notwendigen Lokal- bestchtiguogm. Dm Vorsitz wird diesmal ein Oberst oder Oberst leutnavt sührm, dm Gerichtshof die OberkriegSgerichtsräte Meyer und Scheer auS Königsberg bilben. Die Aogrklagten, unter ihnm der ireigesprochme Sergeant Hickel, befindm sich noch immer im Gambirner Mllttärarrest al« UntersuchungSgesangme.

kirrer Märchen lüften Beleuchtung in beu Besuchern des festes zweifellos unvergeßliche Eindrücke Hervorrufen it erben.

Ter gestrige Empsangsabcnd war von gegen 800 Per- i ar en besucht. An der Ehrentafel irahmen der Präsident bv. Ausstellung, Fürst Christian Eritst zu Stolberg-Werni­gerode, die Vorstandsmitglieder der T. L.-G. sowie zahl reiche Mitglieder der städtischen Behörden und des Orts und Ehrenausschusses der Ausstellung Platz. Oberbürger meister Staude richtete herzliche Begrüßurrgsworte an die beschienenen, wünschte der Ausstellung Gelingen, den Ver twublungen gedeihlichen Verlauf und den Gästen nach den Anstrengungen der Besichtigungen und Sitzungen srohe Stunden der Erholung; er gab endlich dem Wunsche Aus­druck, daß diese Ausstellung und Versammlung dazu bei tragen möge, die Gegensätze in den Interessen zwischen Stadt und Lund zu mildern. Fürst Stolberg-Wernigerode kaufte für dieser! Willkommengruß mit einem Hoch auf Sie Stadt Halle und ihre Behörden. Bei Konzertmusik blieb man dann in fröhlichster Feststimmung bis nach Mitter­nacht beisammen.

Heute mittag erfolgte durch den Fürsten Stolberg die Eröffnung der Wanderausstellung. Ter Vertreter des Kaisers, Prinz Friedrich Heinrich, sagte in seiner Ansprache, Vas Wohlwollen des Kaisers gehöre besonders der Land- wirtschaft. Landwirtsck-aftsminister v. Podbielski wünschte eine verständnisvolle Vereinigung der Landwirtschaft, der Industrie und des Handels. Amvesend waren: Oberpräsi- iX'nt v. Bo et tich er, Regierungspräsident Recke und Vertreter U r städtischen Behörden Ter Reichskanzler sprach in einem Telegramme der Ausstellung feine besten Wünsche aus.

Kandel und Verkehr. Volkswirtschaft.

r. Limburg a. d. Lahn, 12. Juni. (Fruchtmarkt.) (Durchschnittspreis pro Malter.) Roter Weizen Mk. 14.43, weißer Weizen Mk. 00.00, Korn Mk. 11.09, Gerste Mk. 0.00, Hafer Mk. 7.37.

j7 Kilogramm, also einen m von K Kilogramm

Landwirtschaft.

-u- Hanau, 12. Juni. Das Königliche Proviantamt giebt bekannt, daß e« gute 8 und trockenes Pferde heu sowie gesunde« Roggen-, Flegel- wie Maschinenfiroh frei Scheune Hanau gegen Barzahlung am kauft. Bei Bahnsendungen ist die Adresse für den Frachtbrief: Hanau Bahnhof Nord. Die Bahnfracht und Abfuhrkostenwerden verauslagt; letztere betragen pro Zentner Heu oder Stroh 15 Pfennig. Weitere Aus­kunft wird vom obigen Proviantamt mündlich wie schriftlich erteilt.

Eingesandt.

. Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Hygienische Zustände bei der Eisenbahn.

Reisende von Frankfurt a. M-, die öfters den 8 40 Uhr Vormittagi- Schnellzug der Main-Weser-Bahn nach Gießen und weiter benutzen, klagen darüber, daß die Fußböden der Wagen 3. Klasse noch vor Nässe triefen, wenn die Passagiere in Frankfurt a. M. in den Zug steigen. Da die Böden aus Tannenholz bestehen, und weder lackiert, noch ange- strichen sind, so trocknet das in Menge aufgetragene Wasser nur sehr langsam, bleibt in allen Riffen und Ecken stehen und verbreitet nun wäh­rend der Fahrt einen ganz abscheulichen Geruch. Man spricht in unserer Zeit soviel von Hygiene, wer aber 1*,2 Stunde in dieser Atmo sphäre sitzen und alle möglichen Giftstoffe einatmen muß, der sagt sich, die preußffche Eisenbahn ist sehr wenig für die Gesundheit ihrer Reisenden 3. Klaffe bedacht. Man sollte auch in der 3. Klaffe den Fußboden ent­weder anftreichen oder noch besser, mit Linoleum belegen; das kostet nicht viel, ist schnell aufzuwaschen und trocknet auch rasch. Außerdem schützt ein Linoleum-Belag gegen Zug unb hält im Winter die Kälte von außen ab.

Die Katastrophe in Dresden.

DaS Vorkommnis mit der Dresdener Kredit-Anstalt unb den Kummer-Werken erregt das peinlichste Aufschm durch die Plötzlichkeit seines Ausbruchs und den Umfang deS Unheils, das durch eine leicht­sinnige GelchäftSgebabrung über eine größere Anzahl Unternehmungen heraufbeschworm worden ist. Wie bei zahlreichen industriellen Unter­nehmungen, hat auch im Falle der DreSdmer Kredit-Anstalt eine maßlos« Ueberschätzung der Konjunktur und der eignm Mittel zu der verhängnisvollen Zuspitzung der Verhältniffe geführt. Die Leitung der Bank war von einer wahren Gründungswut besessen und die Schaffung immer neuer Werte, die mangels auSreichendm Rentabili- lätßnachweiseS größtenteils nicht unterzubriugm waren und daher das Bankkapital in ganz unverbältnismäßigem Umfang festlegtm, sollte nach Absicht der Direktion der Anstalt dicjenigen Gewinne zuführe«, die aus der regulären Banklhätigkeit nicht herauSzuarbeiten warm. Unaufgeklärt bleibt bis zur Stunde der gleichsam über Nacht eta- jtkeiene Verfall der Elektrizitätswerke Kummer, die auf einem Kours« stände von 10 Prozent angelangt sind. 10 Mill. Aktienkapital unb 3f/j Mill. Mk. Obligationen, wovon 2/t Mill, erst im Januar d. I. aufgenommen wurden, erscheinen durch den drohenden Zusammenbruch mtwertet, auf den 20 Mill. Mk. Aktien der Dresdmer Kredit Anstalt liegt ein Koursverlust in annähernder Höhe deS Nominalbetrages, sind elfo tat Handumdrehen Werte von mehr als 30 Mill. Mk. förm« lich wegrafiert, ungerechnet die Referom beider Unternebmungm von über 4 Mill. Mk. ein kaum je dagewefener Fall in der Geschichte des deutschen AkttmwesmS. Mehr als ein Dutzend Aktiengrsellschastrn, in der Hauptsache der ElektrizttätSindustrte angehörend, wird durch diese dm Dresdner Platz natürlich am schwersten tresimde Krisis in Mitleidenschaft gezogm. Die Erbitterung über die bisherig« Verwal­tung läßt die Frage nach Erhebung von Regreßansprüchen nur zu berechtigt erscheinen, zumal angesichts der Fahnenflucht einer Reihe von Auffichtsrätm. Ihrer Verantwortlichkeit könnm sich letztere damit aber nicht entziehm.

Gründungen der Dresdner Kredit-Anstalt find u. a.: Aktien» Gesellschaft für elektrische Anlagen und Bahnen, die Allgemeine Jndustrie- Ntim-Gesellschaft in Dresden, , di« Aktiengesellschaft zur Verwertung der «lektrischm Krafe im Plauen'schen Grunde, die Nordische Elektrizi­täts-Gesellschaft in Danzig, die Baltische Elektrizitäts-Gesellschast, die Elektrizitätswerke vorm. Herm. Pöge in Chemnitz, die sämtlich mit oen Kummer-Elektrizitätswerken in Zusammenhang stehm; ferner die Wagenbauanstalt für elektrische Bahnen vorm. Busch in Hamburg, die Fahrrad- unb Maschinen-Fabrik vorm. Schladitz in Dresdm, die Maschinmsabrik Pauksch in Cöthen, die Speditions- und Lagerhaus- Gesellschaft in Riesa, die Aktiengesillschaft Dresdner Fuhrwesen usw.

DaS Garantiekonsorttum stellt dem Institut etwa 6 Mill. Mk zur Verfügung, es besteht auS der Deutschm Bank, der Berliner Handels­gesellschaft. der Darmstädter Bank, der Dresdener Bank, der Berliner Lank, der Leipziger Bank und der Allgemeinen Deutschm Kredtt- Änftalt in Leipzig. Die Retchsbank, die etwa 2 Mill. Mk. zu fordern hat, und die Sächsische Bank, die mit etwa 5 Mill. Mk. beteiligt ist, haben sich den Maßnahmm des Konsortiums angeschlosfen. Zunächst dürfte die Liquidation der Dresdener Kredit-Anstalt ta die Wege ge­leitet öerben.

Nachbem bekannt geworben ist, baß bie Krebitanstalt für Jnbustrie unb Hanb el ihren Verpflichtungen nach­kommt, haben beut« nur noch vereinzelte Rückforberongm statt- zesundm. Der Geschäftsverkehr vollzog sich am Donnerstag wieber in ber gewohnten Weise.

Wtcratur.

Brandl, A , Ludwig Fulda, Paul H-yse und Adolf Wilbranvi über die Schlegel»Tieck'sche Shakespeare-Uedersetzung. Srparatabdruck aus dem Jahrbuch der Deutschen Shakefpeare-Gesellfchaft. Gr. 8" (19 S ). Berlin S.W., Lmgenscheibt'sch« VerlagSbuchhblg.

Wie«, 12. Juni In Marburg a. d Donau wurde der Winzer Franz Bratuscha, der feine zwölfjährige Tochter ermordet, zerstückelt, gebraten unb gegessen hatte, zum Tode durch vm Strang und seine Gattin Marie roegen Vorschubleistung zu drei Jahren Kerker verurteilt.

Wie«, 13. Juni. Som Schwurgericht in Marburg in Steter» mark würbe ber Winzer Franz Bratuscha, ber gestünbig ist, seine Tochter ermorbet, zerstückelt, gebraten unb teilweise gegessen |u haben, zum Tod burch den Strang unb seine Frau wegen Bechilfe zu drei Jahren Kerker verurteilt, lieber bie Verhandlung entnehmen wir folgenbefc: Bor dem Schwurgerichte stehen bie Winzerleute Franz unb Maria Bratuscha unter ber Anklage, im Mai v. I. ihr zwölfjähriges Kinb Johanna ermorbet zu haben. Man nahm ursprünglich an, baß da» Mäbchcn in einen Dienst getreten fei; erst bie Ausfinbung ber Leiche eines ungefähr gleichaltrigen Mädchens, b e Bratuscha als bie feiner Tochter er­kennen wollte, was sich später alS falsch herausftellte, lenkte ben Verbucht einefi Verbrechens auf bie Angeklagten. AlS ein Gendarm in ihrem Hause erschien, erschrak Bratuscha so sehr, baß er biefem folgenbe» furchtbare Geständnis ablegte: Am Tage vor Pankratius, also am 11. Mai v. I, habe er im Walde Holz geklaubt unb plötzlich seine Tochter abgemagert unb halb verhungert auf der Erde kauernd erblickt. Er habe sie ange­rufen, da sei sie aber davongceilt, vor Schwäche aber gleich zusammen­gesunken. Da habe er sie an sich gezogen unb ihr beiläufig vier Minuten lang bie Kehle zugebrückt, bis sie nicht mehr atmete. Dies sei nachmittag» geschehen, am «benb habe er bie Leiche nach Hause gebracht, bie Gattin aufgefordert, im Backofen ein starkes Feuer anzurichten, unb nunmehr bie Leiche teils mit dem Brotmesser, teils mit ber Hacke zerstückelt und in ben heißen Backofen geworfen. Vor dem Untersuchungsrichler wiederholte er dieses Geständnis mit allen grauenhaften Details unb schilberte auch ganz umstänbllch, baß er bas oberste Stück bes gebratenen Oberschenkel» abschnitt unb verzehrte. Er legte es zuvor auf einen Teller. Zum Essen will er baburch veranlaßt worben fein, baß er sich erinnerte, in Jnbianer-Romanen gelesen zu haben, baß Menschenfleisch gut schmecke. Die Mutter, Maria Bratuscha, will von einer Beteiligung oder Derabrebung nichts wissen, boch giebt sie zu, bem Maune beim Zerstückeln behilflich gewesen zu sein unb die Leiche dabei gehalten zu haben. Auch habe sie zum Zwecke des Verbrennens den Backofen geheizt. Ihr zehn­jähriger Sohn Franz habe in derselben Stube geschlafen, doch sei es ihm zu heiß gewesen und er habe sich im Hof niebergelegt. Wie der Knabe selbst angab, schärfte ihm bie Mutter am folgenbtn Tage ein, e: möge über eventuelles Beftagen den Leuten sagen, sie habe Brot gebacken. Die Anklageschrift spricht bie Uebetjeugung aus, daß sich bie Frau mit bem Manne vor bem Morbe verabredet habe, daher auch sie direkt mitschuldig sei. In der Verhandlung bekennt sich Franz Bratuscha des Mordes schuldig unb schilbert bie That wie in der Anklageschrift. Er giebt an mit der Zerstückelung der Leiche von 7 Uhr abends bis 3 Uhr früh zu­gebracht zu haben. Die Leiche habe er in fünf Stücke geteilt, zuerst mit bem Brotmesser, bann aber, da die Knochen zu hart waren, mit der Hacke. Zuerst hieb er ben Kopf ab, bann bie Unterschenkel von ben Knien ange­fangen unb hierauf teilte er ben Rumpf in zwei Teile von oben nach unten. Die Gattin half ihm unb hielt bie Leiche währenb ber ganzen Prozebur. Die fünf Stücke warf er inS Feuer, legte noch Holz baju unb bann ein Stück vom Unterschenkel. Ob seine Frau bies gesehen habe, wisse er nicht. Einige Knochenrefie habe er bann in bie Düngergrube geworfen, worauf er unb bie Frau ihr Lager aufsuchten unb einschliefen. Befragt, wie ihm ber Gebanke kommen konnte, sein eigenes Kind zu morben, erzählt er, halb nach ihrem Veischwinben habe er von der Johanna geträumt, sie fei vor ihm geflanben, ganz herabgekommen unb schwarz im Gesichte; ba habe er beim Wachwerben sich vorgenommen, wenn er sie so treffen sollte, werde er sie ermorden Auf weiteres Befragen giebt ber Angeklagte an, er habe sich gebucht, bas Mäbel sei ohnehin zu nichts auf ber Welt ba, am Enbe werde er noch SpitalSkofien bezahlen müssen , ba habe er sich bei ber Begegnung im Walbe entschlossen, sie um8 Leben zu bringen. Beim Nachhausekommen habe er bie Thar seiner Frau mitgeteilt; biefe habe ihn nicht getabelt, benn auch sie sei froh ge­wesen, daß das Mädchen schon tot sei. Beim Morde sei sie nicht anwesend gewesen, auch habe sie ihn nicht dazu verleitet Die Gattin beteuert, bet Ermordung ganz ferne zu stehen; sie fei erst durch ben Gatten von bet vollbrachten That in Kenntnis gesetzt worben; baß sie jeboch beim Zer­stückeln, Feuermachen und Verbrennen mithalf, sei richtig. Das Gericht erkannte diesem Sachverhalt gemäß.

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Ärftitdtgung ist sehr vrrschftdm. 2. Drr Geschmack, dir »Übung und die Sittlichkeit werden vielfach durch Lesen oeidorben, ins­besondere durch Zeitungen (? D. R-d.), Zeitschriften und Kolporiage- iltteratur. 3. ES ist Pflicht aller, die ein Herz für unser Volk haben, dem LcsebedürfniS in der rechten Weise entgegen,ukommen unb dem Volke gesunde GeisteSnahrung zu geben. 4. Man bars den Leserr nicht einfach bieten, waS fi« lesen wollen, aber nach nicht daS auf­drängen, waS fie lesen sollen. Die durch das LesebebürfniS gestelltc Aufgabe ist eine volkSerzieherische. 5. ES ist um beS FriebenS bet ©tänbe unb der Einheit der Ration wollen wünschenswert, baß alle Stände möglichst auS ben gleichen geistigen BilbnngS- und Genüße quellen fchöpfm. 6 Die Mittel, um das LesebebürfniS zu befrie digm, find: Volksbibliotheken, Lesehallen, Lesezirkel, Einzel- unb Massenverbreitung guter Schriften, Vortrags« unb VolkSunter haltungSabenbe.

JnSbefonbere hebt der Referent die Schädlichkeit drr verderb­lichen Kolporlagelitteraiur hervor, die durch gute Littcratur zu ersetzet, als notwendigste Aufgabe angesehen wird. Aus der lebhaften Dis kaision wollen wir nur erwähnen die Warnung vor den Bestttbungen des Hamburger JugendschriftenauSschusse», der in der Auswahl seine, f agendschrtften nicht vorsichtig genug zu Werke geht, und bie religiöse Föroerung der Jugend gänzlich außer Acht lasse. Schließlich wurde folgende Resolution von Pfarrer Kayser«Frankfurt angenommen:

3n der Erkenntnis der Gefahren, welche die sittlich unb religiös verberbliche Sitteratur, besonbers auch bet periobischen, auf unser Volk auSübt, aber auch ber außerordentlichen Sebratung bet Wirkung bes gebrückten Wortes auf bie Volksseele, richtet bie Konferenz an ihre Freunde bie btingenbe Bitte, sowohl ber in chrem Kreise verbreiteten Üttcratur sorgfältigste Aufmerksamkeit zu wibmen, alS auch burch litteratische Mitarbeit unb Fötberung ber Verbreitung guter Littetatur fich zu beteiligen. Hierzu finb bie vom Referenten gemachten praktischen Vorschläge zu empfehlen."

Hiermit haben bie Verhanblungen ihr Enbe erreicht, bie auf alle Teilnehmer große EinbrÜcke hinterlassen werben. Das JahteSfest würbe durch Gebet unb Gesang um 12 Uhr geschlossen. Ein emfaches Mittag­essen im Hotel Trapp, in bem verschiebens Toaste ausgebracht würben, unb «m gemeinsamer Spaziergang nach Bab-Nauheiw hielt bie Freunbe ber Inneren Mission noch bis zum Abenb zusammen.

16. tßauber * Versammlung der Deutschen Land» WirtschaftS. Gesellschaft.

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