Nr. 138
Erstes Blatt
151. Jahrgang
Samstag 15. Juni 1901
GietzenerAnzeiger
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General-Anzeiger
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zutreffender abschätzen können, als nach den Liebenswürdigkeiten des Zaren. Sind doch auch die großen russischen Zeitungen seit langem auf einen nichts weniger als freundlichen Ton gegen Deutschland gestimmt. Bei den bekannten Zensurverhältniffen erkennt man an den Auslastungen der russischen Presse immer am besten, wie der Wind weht in den oberen Regionen des Zarenreichs.
5. das Geldausgleichungsverzeichnis über zuviel oder zuwenig erhaltenes Gelände infolge Grenzregulteruug
mit Rodheim;
das Geldausgleichungsverzeichuis über zuviel oder zuwenig empfangenes Gelände;
das Geldausgleichungsverzeichnis über zuviel oder
Prima Rosshaare.
Graf Walderfee in Tokio.
Der Aufenthalt des Feldmarschalls Grafen Walderfee am japanischen Kaiserhofe scheint einen recht glücklichen Verlauf zu nehmen. Der japanische Kaiser empfing erst am 11. d. M. den Grafen, damit der Feldmarschall, wie der Kaiser eS persönlich gewünscht hatte, nach der anstrengenden Seereise einen Erholungstag für sich zur Verfügung hätte. Graf Walderfee wurde nebst dem deutschen Gesandten, Grafen Arco, und seiner Begleitung in Hofgalawagen vom Shiba- palais zum Kaiserschloß abgeholt. Dort stellte der Gesandte deu Feldmarschall dem Kaiser vor, der die japanische Generals uniform mit dem Schwarzen Adlerorden angelegt hatte. Der Kaiser unterhielt sich gnädig zehn Minuten lang mit Wal- dersee, wobei der Zeremonienmeister als Dolmetscher fungierte. Der Feldmarschall stellte darauf seine Begleitung vor. Durch prachtvolle Säle wurde Graf Walderfee sodann zur Kaiserin geführt, die europäische Tracht trug und deu Grafen mit derselben Zeremonie empfing. Bei dem nachfolgenden Galafrühstück saß die Kaiserin lins vom Kaiser, der Feldmarschall dem Kaiserpaar gegenüber. Die mit Hilfe des Dolmetschers geführte Unterhaltung war sehr lebhaft. Der Kaiser berührte in seinem Gespräch mehrfach militärische Fragen, die Kaiserin die Pflege der Verwundeten im Kriege und die Thätigkeit des Roten Kreuzes. Geladen waren noch die kaiserlichen Prinzen nebst Gemahlinnen, die Minister, Generale und die deutsche Gesandtschaft. Der Kaiser trank speziell dem Feldmarschall zu. Nach dem Frühstück hielt der Kaiser Cercle ab. Der Feldmarschall legte in Tokio auf dem Grabe des bei den Takuforts gefallenen japanischen Schiffskapitäns Hatore einen Lorberkranz nieder, was von der Flotte und Armee enthusiastisch ausgenommen wurde. Am vormittag besichtigte der Feldmarschall das Kadettenkorps und die Kriegsschule und hielt nicht mit seinem unbeschränkten Lob des Gesehenen zurück. DaS Frühstück und Garrensest in der deutschen Gesandtschaft verlief animiert. Graf Arco toastete auf den Landesherrn und die Souveräne sämtlicher Großstaaten. Prinz sKomazu dankte und brachte einen Trinkspruch auf Kaiser Wilhelm und den Grafen Walderfee aus. Graf Ito verdeutschte den Toast, worauf Graf Walderfee seinerseits dankend die japanische Armee feierte, deren Trefflichkeit er bereits in China kennen gelernt habe. Zum Gartenfest war ein reicher Damenflor erschienen. Don den Versammelten wurde ein Grupvenbild aufgenomm n auf dem Graf Wal- dersee deu kleinen Prinzen Komazu neben sich hat. Nachher fand eine Vorführung japanischer Schwert- und Lanzenkämpfe statt. Dor dem Abschied wurde Bier herumgereicht, wobei der Feldmarschall ein Hoch auf den Gastgeber Grafen Arco ausbrachte.
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Gießen, den 14. Juni 1901.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
an die Grosth. Bürgermeistereien des Kreises.
Die vorstehende Bekanntmachung, betreffend die Der- legung unserer Amtszimmer, wollen Sie dreimal, und zwar in Zwischenräumen von je einer Woche, in Ihren Gemeinden ortsüblich veröffentlichen lassen.
v. Bechtold.
Die kürzlich erfolgten Stapellaufe in Danzig („Wettin") und Kiel („Zähringen"), denen sich in diesem Jahre noch weitere anschließen werden, lassen die fortschreitende Modernisierung der deutschen Lintengeschwader erkennen. Nach dieser Richtung hin die Kriegsflotte zu verjüngen, war der Hauptzweck der Flottengesetze von 1898 und 1900. Die entsprechende Vermehrung und Ergänzung der Auslands- schiffe bleibt einer späteren Zeit Vorbehalten. Die neuen Linienschiffe lassen sich in die der „Kaiserklasse" und die der „Wittelsbachklasse" scheiden. Als Typ für erstere gilt der im Oktober 1899 auf der Hamburger Werft von Blohm und Voß fertiggestellte „Kaiser Karl der Große". Was die Verteilung beider Kategorien auf die Marinestationen anbetrifft, so läßt die Zuweisung des „Zähringen" an die Nordseestation darauf schließen, daß die Schiffe der „Wittels- bachklaffe" als die stärkeren der strategisch wichtigeren Wilhelmshavener Station angegliedert werden sollen. Dort war ja auch das jetzt von China heimkehrende Panzergeschwader zuständig. Eine Verwendung der neuen Linienschiffe im Auslandsdienst scheint für absehbare Zeit nicht in Frage zu kommen.
Die Besitzer argentinischer StaatSpapiere werden demnächst in die Lage kommen, ihre Titres gegen neue Schuldverschreibungen dieses Landes umzutauschen. Der Ministerrat in Buenos Ayres hat soeben die Zusammenlegung der gesamten auswärtigen Anleihen in eine unifizierte Schuld beschlossen, die mit 4 Prozent verzinst und mit Vi Prozent amortisiert werden soll. Die bisher an deutschen Börsen gehandelten argentinischen Fonds trugen — die 4prozenlige 1897er Anleihe ausgenommen — 5 und 4!/a Prozent Zinsen. Doch es ist zweifellos, daß durch die Vereinheitlichung der Anleihen und die Herabsetzung des Zinsfußes der innere Wert der Schuldverschreibungen erhöht wird. Der EmisfionSkurS der unifizierten Anleihe wird natürlich derart bemessen sein, daß der Sapitalwert der alten Fonds voll erhalten bleibt, Vermögensschädigungen beim Umtausch also ausgeschlossen sind. Die Staatsgläubiger Argentiniens, darunter zahlreiche Deutsche, haben bekanntlich nicht immer Freude an ihrem Besitz erlebt. Sie mußten Kursverluste und Ziusausfälle hinnehmen. Seit einigen Jahren ist aber eine unverkennbare Besserung in den Finanz- wie deu Wirtschaftsverhältnissen Argentiniens überhaupt eingetreten. Präsident Noca besonders hat sich als ein umsichtiger und thatkräftiger Staatsmann erwiesen. Die deutschen Interessen in jenem Lande find von Jahr zu Jahr gewachsen. Mit Ausnahme Großbritanniens sind alle an der Ausfuhr nach Argentinien beteiligten Staaten von Deutschland überflügelt. Nach der Handelsstatistik lieferte Deutschland im vorigen Jahre für ungefähr 70 Millionen Mark Waren an Argentinien. Uud durch konsularische Umfragen wurde vor einiger Zeit fest, gestellt, daß allein in Buenos Ayres gegen 500 deutsche Firmen existieren, deren Betriebskapital man auf 150 Millionen Mark schätzt. Den Geschäftsverkehr mit der Heimat vermittelte die Deutsche Ueberseebank, die wohl auch — im Verein mit dem Mutterinstitut, der Deutschen Bank in Berlin — jetzt die Unifizierung der auswärtigen Schuld Argentiniens, soweit deutsche Juteressenten in Betracht kommen, durchführen wird.
Bekanntmachung.
Betr.: Feldbereinigung in der Gemarkung Ringelshausen.
In der Zeit vom 18. Juni l. Js. bis einschließlich 24. Juni l. IS. liegen auf dem Amtszimmer der Großh. Bürgermeisterei Rabertshausen folgende Akten zur Einsicht der Beteiligten offen:
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das Geldausgleichungsverzeichnis über zuviel oder zuwenig erhaltenes Gelände infolge Grenzregulierung mit Langd; 1.
das Geldausgleichungsverzeichnis über zuviel oder zuwenig erhaltenes Gelände infolge Grenzregulierung mit Rabertshausen;j
das Geldausgleichungsverzeichnis über zuviel oder zuwenig erhaltenen Obstbaumwert infolge Grenzregulierung mit Rabertshausen;
das hierzu gehörige Abschätzungsverzeichnis der Obstbäume;
Uslitische Tagesschau.
Ju einem eigenartigen Gegensatz zu oen com Zaren dm deutschen Kaiser gewidmeten persönlichen Aufmerksamkeiten — u. a. wird an der letzten Depesche Nikolaus II., bereu Inhalt der Kaiser im Offizierskafiuo des 2. Grenadierregiments inhaltlich wiedergab, die „besondere Herzlichkeit" gerühmt — stehen die Haudlnugeu der russischen Regierung Deutschland gegenüber. Mau hat davou ja wieder- holt in neuerer Zeit Proben erfahren, in frischer Erinnerung find noch die heftigen Angriffe aus dem russischen Finanzministerium auf den Grafen Bülow und die deutsche Handelspolitik, Angriffe, die vom Reichskanzler selbst in der vor- sichtigen Diplomatensprache als „ungewöhnlich" bezeichnet wurden. Jetzt wieder liegt die Meldung vor, daß alle Bemühungen der Regierung, um wenigstens eine Milderung der neuen scharfen russischen Paßvorschriften zu erreichen, erfolglos gewesen sind. Man wird nach diesen Akten der russischen Regierungspolitik die „Freundschaft mit Rußland"
Bekanntmachung.
Die Amtszimmer der unterfertigte« Behörde befinde» sich von heute ab
Wallthorstraste Nr. 71 im Hause deS Herrn Bauunternehmers Scheppel- «au«. Die Registratur dagegen bleibt nach wie vor Braudplatz Nr. 9. Das Baubureau ist nach Wallthorstraste 48, gegenüber dem KreiSamt, verlegt worden.
Gießen, den 14. Juni 1901.
Großherzogliches Kreis amt Gießen, v. Bechtold.
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Kaptarrsgch 18.
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Bezugspreis
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Bei Postbezug virrtkljttzoi. Mk. 2.00 »hnk Beftefle*
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Engländer und Buren.
Lord Kitchener meldet die Uebergabe von Pieters- b u r g (Endpunkt der von Pretoria nach Norden führenden Eisenbahn) mit dem Kommando van Rensburg. — Im Oranjestaat stehen im Osten in der Gegend von Harri-- smith die Kommandos von Prinslo, Rautenbach und andere. — Der Berichterstatter der Daily Mail in Johannesburg telegraphiert unter dem 9. Juni, daß die Zunahme der Uebergaben in allen Distrikten wahrscheinlich eine Folge der bittern Kälte sei. Sechzehn Grad R. Nachtkälte sei während der letzten Woche aus dem Hoch, selbe beobachtet worden, und am Tage erreicht die Hitze die Höhe von 25 Grad R. Die Dauer des Krieges werde in der Hauptsache davon abhängen, wie viele Buren noch der Strenge des Winters Widerstand leisten könnten. Es. werde berichtet, daß Delareys Buren sehr gut bekleidet seien, aber die Buren in dem O r a n j e st a a t litten Mangel an Kleidungsstücken.
An der Grenze von Swasiland wurden 26 Buren gesungen, unter denen sich der Bruder von Schalk Burger befindet.
Tie „Daily News" veröffentlicht ein paar Soldatenbriefe aus Südafrika, aus denen unzweifelhaft hervorgeht, daß noch bis Mitte Mai von den Engländern Farmen niedergebrannt worden sind. So schreibt ein Soldat in der Division des Generals Rundte auZ
den Führern des „Bunds der Landwirte" ist es jüngst in der Kölner Versammlung nicht gelungen, die anwesenden Zentrumsmänner aus der Reserve herauszubekommen. Also, so prompt, wie die „Kreuz-Ztg." meint, wird der Reichstag nicht „quittieren" über den 5 Mark-Getreidezoll durch Verwerfung erhöhter Industrie-Schutzzölle. Und was soll auch solche Vergeltungspolitik, was wird damit erreicht? Nichts ats eine hefgeljenbe, schwer wieder zu beseitigende Feindschaft zwischen Industrie und Landwirtschaft, die aufeinander angewiesen sind.
Es ist nicht das erste Mal, daß eine derartige Parole ausgegeben wird, aber doch wohl das erste Mal, daß sie von einem Preßorgan ausgeht, das sonst in gemäßigter Form den konservativen Standpunkt vertritt. Tie Industrie kann wahrlich nichts dafür, falls die Regierungen in ihrer Mehrheit, vielleicht einmütig, den Beschluß fassen sollten, es bei einem 5 Mark-Getreidezoll bewenden zu lassen. Tie Industrie gönnt der Landwirtschaft jeden Zollsatz gerne — sofern er nicht so exorbitant hoch ist, daß daß dadurch der Abschluß neuer Verträge überhaupt unmöglich gemacht würde. Tie Industrie strafen zu wollen für Entschließungen, die sie nicht zu verantworten hat: das werden sich hoffentlich die Vertreter der landwirtschaft- lichen Interessen — um mit der „Kreuz-Ztg." zu spachen — „noch gründlich überlegen."
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zureichen.
Friedberg, 10. Juni 1901.
Der Großh. BereinigungSkommissär: Spamer, KreiSamtmann.
Eine Kampfankündigung gegen die Industrie
Aus Berlin, 13. Juni, wird uns geschrieben:
Tie mit wachsender Bestimmtheit auftretende Meldung, daß die Bundesregierungen nicht über einen 5 Mark- A e t r e i d e z o l l bei den nächsten Handelsverträgen hinausgehen Zvollen, versetzt die agrarischen und konservativen Organe in lebhafte Beunruhigung. Welche Konsequenzen auf Seiten der Rechten aus dieser als unzulängliche betrachteten Erhöhung gezogen werden sollen, das eröffnet die konservative „Kreuz-Ztg.", indem sie ausführt, die Reichstagsmehrheit werde es sich gründlich überlegen müssen, ob dann irgend eine Erhöhung industrieller Schutzzölle zulässig sei. Es schlüge doch aller Billigkeit ins Gesicht, auch diesmal wieder nur der Industrie Vorteile zuzuwendeu, und zwar auf Kosten der Landwirtschaft, als ob es etwa dieser so gut ginge, daß ,ie der „notleidenden" Industrie Opfer bringen müsse.
Unverkennbar spricht sich in diesen Bemerkungen Erbitterung aus; nicht ohne Besorgnis wird man daran denken, welchen Grad diese erreichen kann, wenn die parlamentarischen (^itscheidungen über die Handelsverträge nahe md. Tie Kümpfe und die Obstruktions-Szenen bei Gelegenheit der Lex Heintze werden weit überboten werden. Tie „Kreuz-Ztg." droht mit einem eventuellen Sckstag der Aeichstagsmehrheit gegen die Industrie-Schutzzölle. Man soll nichts ankündigen, was man auszuführen nicht sicher i m stunde ist. Tie Reichstagsmajorität macht das Zentrum. Wenn das Zentrum den 5 Mark-Getreidezoll für un- «enügend hielte, dann allerdings könnte eine Revanche am den Industrie-Schutzzöllen vielleicht befürchtet werden.. Mer die Mitglieder der ausschlaggebenden Partei haben ;nCh bisher, getreu der alten Gepflogenheit und Taktik, gehütet, bezüglich ter anzustrebenden Höhe der Getreide- z^lle sich in der Oeffentlichkeit präzise zu äußern. Auch
zuwenig erhaltenen Obstbaumwert; das Abschätzungsverzeichnis der Obstbäume.
Einwendungen hiergegen find bei Meidung des Ausschlusses innerhalb der oben angegebenen Offenlegungsfrist bei Großh. Bürgermeisterei Rabertshausen schriftlich ein-
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
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