beantragen, die Angelegenheit der Großh. Regierung zur geneigten Erwägung zu unterbreiten.
Abg. Köhler-Tarmstadt begründet seinen Antrag und weist darauf hin, daß den Bedürfnissen des hessischen Dandelsstandes Rechnung getragen werden müsse. Tie Frage, wo diese Schule zu errichten sei, könne leicht entschieden werden, und die Technische Hochschule zu Tarm- stadt werde wohl in erster Linie hierfür in Betracht kommen müssen.
Abg. M o l t h a n -Mainz tritt für die Errichtung einer Handelshochschule überhaupt ein. Tie Entwickelung der kommerziellen Verhältnisse des Teutschen Reichs bedinge auch eine bessere Ausbildung der kaufmännischen Jugend. Mit den höheren kaufmännischen Schulen habe man die schönsten Erfolge erzielt, und er hoffe, daß auch in Hessen recht bald eine kaufmännische Alma mater erstehen möge. Tie Regierung möge die Errichtung dieser Anstalt in wohlwollende Erwägung ziehen.
Abg. Dr. David tritt für die Errichtung der Schule in Mainz ein, das durch Wegnahme der Universität geschädigt worden sei. Turch seine Lage am Rhein sei Mainz wie geschaffen, eine Handelshochschule in seinen Mauern aufzunehmen.
Staatsminister Rothe betont, die Großh. Regierung bringe dieser Frage volles Verständnis entgegen. Eine Entscheidung sei aus finanziellen Gründen noch nicht möglich, doch sei sie der Frage soweit wie möglich näher ge-^ treten. Tie Errichtung einer solchen Schule in Mainz werde mit bedeutenden Kosten verbunden sein. Doch sei noch kein Schritt in dieser Richtung geschehen. In dieser Sache halte sich die Regierung jede Entschließung vor.
Tie Abgg. Z i n ß e r und Schönberger warnen vor einer neuen Belastung des Landes durch Errichtung einer dritten Hochschule. Sie würden hierfür keine Verantwortung tragen.
Ter Ausschußantrag wird hierauf mit großer Majorität a n g e n o m m e n.
Hiernach wird die Sitzung um 7 Uhr geschlossen. —i Morgen früh 9 Uhr Fortsetzung der Beratung.
Deutscher Reichst^.
Berlin, den 18. Mat 1901.
Das Haus erledigte zunächst ohne Debatte in erster und zweiter Lesung die von mehreren Staaten in Paris geschlossene Uebereinkunft zum Schutz des gewerblichen Eigentums, und nahm sodann den Nachtragetat und den Gesetzentwurf betreffend das Flaggenrecht der Kauffahrteischiffe in dritter Lesung debattelos an. -
Es folgt die zweite Beratung der Novelle zum Branntweinsteuer-Gesetz.
Laut Art. 1 Abs. 1 der Vorlage wird der Bundesrat ermächtigt, für die Veranlagung von Genossenschaftsbrennereien besondere Bestimmungen zu erlaffen. Die Kommission lehnte diese Bestimmung ab, beantragt dagegen einen Zusatz, wonach für Brennereien, die bis zum 1. Oktober 1902 betriebsfähig hergerichtet sind, die in Rechnung zu stellende Alkoholmenge 50 000 Liter vicht überschreiten darf, und für Werke, die bis zum 1. Oktober 1901 betriebsfähig hergerichtet find, diese Menge bis auf 80 000 Liter bemessen werden darf, sofern die Verträge für den Bau des Brennereigebäudes, sowie den Bau der erforderlichen Maschinen vor dem 16. April 1901 abgeschloffen find. Hierzu liegt ein redaktioneller Antrag vor.
Abg. Gamp (Rp.) referiert über die Kommissionsverhandlungen.
Abg. v. Kardorff sRp.) bittet unter Heiterkeit des sehr gut besuchten Hauses um Ruhe, da man den Ausführungen des Redners nicht folgen könne.
Abg. Fischbeck (ftf. Bp.) hebt hervor, daß die Kommission dem Wunsch des Seniorenkofivents nicht nachgegeben habe, welcher wünschte, daß die Kommission ein Notstandsgesetz vorschlagen sollte, wodurch das bestehende Branntweinsteuergesetz um ein Jahr verlängert werde. Die Kommission habe vielmehr mit ihren Beschlüssen Sonderintereffen Vorschub geleistet. Die freisinnige Volkspartei stimme gegen die Kommisfions' anträge.
Abg. v. Wangenheim (B. d. L.) führt aus, die vorgeschlagene Maßregel sollte eine Benachteiligung der alten Brennereien verhindern. Allerdings wünsche man die Produktion einzuschränken, um eine spätere gesunde Erweiterung zu ermöglichen.
Abg. Pachnicke (frs. Ver.) bemerkt, eine Verlängerung des bestehenden Gesetzes hätte genügt, damit die Negierung Ungerechtigkeiten vorbeugen könnte. Die Kommission sei bestrebt gewesen, die Konkurrenz der kleineren Brennereien hintanzuhalten. Seine Partei stimme gegen die Kommissionsanträge.
Abg. v. Kardorff (Rp.) erhält das Wort, unter der Heiterkeit des Hauses wird aber konstatiert, daß er im Saal gar nicht anwesend ist. —' Landwirtschaftsminister Podbielski ist zugegen und wird vielfach begrüßt.
Abg. Wurm (Soz.) führt aus, die vorhandenen Brennereien wollen nicht dulden, daß neue entstehen. Sie wollen das Angebot künstlich verringern. Der Gesetzentwurf sei auf die ostelbtschen Spiritus- brennereten zugeschnitten, und dagegen müßten die süddeutschen Regierungen protestieren.
Abg. P a o s ch e (natl.) tritt namens eine« großen Teils der Nationalliberalen für die Kommissionsbeschlüffe ein. Den großen Brennereien werde keineswegs eine besondere Wohlthat erwiesen, sie müßten sogar ein Opfer bringen, während die kleineren Werke bis zu 360 Hektoliter gar nicht der Brennsteuer unterworfen seien.
Abg. Komierowski (Pole) befürwortet die Kommissionsbeschlüffe.
Abg. Richter (fr. Vp) führt aus: Das schwierige Gesetz hat Monate lang im BundeSrat geschwebt, auch die Kommission hat ihre Beratungen lange hinausgeschoben und ist dann plötzlich in 24 Stunden zu dem gegenwärtigen Entwurf gekommen. Wer will bestreiten, daß die Bestimmung des Artikels 1 dauernden Charakter trägt? Die Kontingentsperiode läuft bis 1903. Nach den Bestimmungen der Kommission ist danach eine Herabsetzung des Kontingents bis 1908 geplant. Es handelt sich einfach um die Erschwerung der Konkurrenz neuer Brennereien.
Abg. Holtz (Rp.) bemerkt: Die Zeit dränge; der Seniorenkonvent konnte nicht nochmals beraten. Wir hätten viel lieber die Regierungsvorlage angenommen, aber etwas mußte geschaffen werden, und da trat die Notlage ein. (Heiterkeit links). Der Zweck der Vereinigung der Brennereien, welche Richter einen Ring nennt, war durchaus wohlwollend. Wenn wir jetzt das Höchstkontigent herabsetzen wollen, so liegt das einfach «l dem Verhältnisse des Konsums, welcher relativ zurückgegangen ist. Die Spiritusvereinigung hat große Opfer gebracht, um den Konsum allenthalben so hoch zu halten wie die Produktion.
L ude (Bund der Landw.) legt dar: Die Einführung der Fabrikaisteuer führt nicht nur den Kampf aller gegen alle herbei, sondern bedeutet auch den Ruin des Ostens. Wenn wir nicht dafür sorgen, daß Konsum ungefähr gleich bleiben, können wir imsern ®ptrltu6 m bie Ostsee gießen. Süddeutschland wird vom Osten ‘ W™, Baden und Württemberg wird das
Kontingent kaum konsumiert.
Der redaktionelle Antrag Biesenbach und die Kommissionsbeschlüffe »erden gegen Stimmen der Freisinnigen, Sozialdemokraten und eines großen Teiles der Nationalliberalen angenommen.
In Absatz 2 des Artikels 1 wird nach der KommisstonSiessuna bestimmt, daß die bestehenden Branntr-emsteunsätze untlrErhübunq um 50 Proz. bis zum 30. September 1902 sorterhoben werden
Abg. Fischbeck (fr. Vp.) bekämpft di« Faffung der Kommsisivn Dieselbe bedeute eine weitere Licbrsgabe. Man wolle bem Spirtius-. ring die Möglichkeit geben, weitere Prcistreiberetcn du.chzuiühren Auch die chemisch« Industrie werde darunter leiden.
Abg. v. Wangenheim (B. b. L) entgegnet, der Reichstag möge nur dafür sorgen, daß der Getreidebau w;rd.r rentabel werde, dann
gebe der Getreidebau ohnehin zurück. Der SpirituSriug habe nur dafür gesorgt, daß der bmatuitexte Spiritus billiger wurde. Die chemische Industrie st-he so glänzend da, daß sie, wenn dies überhaupt etntnten sollte, einen so minimalen Verlust leicht tragen könnte.
Abg. Wurm (Soz.) schließt sich den Ausführungen deS Abg. Fischbeck an. Seine Partei würde sich um die Branntweinsteuer überhaupt nicht kümmern, wenn sie vom Brenner bezahlt würde, so aber werde sie vom Konsumenten getragen. ES liege im Interesse der Landwirtschaft, daß ungezählte kleinere Brennereien entstehen. Die Mehrheit wolle durch bte Erhöhung der Brennsteuer den Versuch machen, die Genosfenfchaftsbrennereien einzufchränken. Dagegen müffe Widerspruch erhoben werden.
Abg. v. Kardorff (Rp.) führt aus, die jetzigen GesetzeSzustönde seien zu Stande gekommen, weil der Staat 100 Millionen Mark Geld brauche und der Branntwein das beste Steuerobjekt bedeutete. Dafür ist den landwirtschaftlichen BrennerctrN kein Schutz zu Teil geworden. Die Spiritusoereinigung hat den denaturierten Spiritus verbilligt und dadurch ein Gegengebot geschaffen zur Verteuerung deS Petroleums und der Kohlm.
Abg. Pachnicke (fr. Vg.) spricht sich gegen die Kommtssiovs- fassung aus. Die Brennereisteuer erscheine schon prinzipiell anfechtbar.
Abg. F i s ch b e ck (fr. Vp ) beantragt, die Brennsteuer auf ein Jehr zu verlängern
Der Antrag wird ab gelehnt und die Kommis sionS- f a s s u n g des Artikels 1 angenommen.
Artikel 2 der Regierungsvorlage wird gemäß deS Kommissions- Vorschlages gestrichen und der Rest des Gesetzes in der KommissionS- faffung angenommen.
Es folgt die dritte Beratung der Gesetzentwürfe Albrecht und Trimborn, betreffend die Gewerbeg^ichte.
In der Generaldebatte erklärt Abg. Hegelmeier (Rp.) namens seiner Fraktion, dieselbe sei gegen den Entwurf, weil er die Gewerbegerichte in Städten mit mehr als 20000 Einwohnern obligatorisch machen wolle; 2. weil er ben Begriff Arbeitgeber zu weit fasse; 3. weil der Erscheinungszwang in dem Gesetz ausgesprochen fei.
Damit schließt die Generaldebatte.
Abg. Trimborn (Ztr.) beantragt bei der Bestimmung: Erscheinen zum Eintgungsamt, hi^zuzusügen, daß auch Vertretung zulässig sein solle.
Der Antrag wird angenommen, ebenso der Rest des Gesetzes und auch in der Gesamtabftimmung.
Es folgt eine längere Geschäftsordnungsdebatte.
Präsident Graf Ballestrem schlägt vor, morgen um 11 Uhr eine Sitzung abzuhalten mit der Tagesordnung: Petitionen, Rechnungssachen, 3. Beratung der Vorlage betr. das Ueberemkommen zum Schutz des gewerblichen Eigentums, 3. Beratung des Handelsprooisorkums mit England, 3. Beratung der Vorlage betr. den Zoll auf Blauholz rc. aus Haiti, 3 Beratung der Novelle zum Branntweinsteuergesetz, Bericht der Kommission über die Wahl deS Abg. Holtz.
Abg. Singer (Soz.) protestiert dsgegen, daß dir dritte L-sung der Branvtwev'ftcuernovelle bereits morgen rorgenommen werden soll.
Präsident Graf Ballestrem schlägt deshalb die nächst; Sitzung für Mittwochvormittag 9 Uhr vor. (H.iierkeit.)
Abg. Bassermann (ntl.) beantragt, die Wahlprüsunz von der Tagesordnung abzusetzen, da der Kommission zu wenig Zeit zur Prüfung bleibe.
Abg. Gröber (Ztr.) widerspricht dem, worauf der Antrag Bassermann angenommen wirb.
Nächste Sitzung Mittwoch 9 Uhr.
Schluß der Sitzung 5V< Uhr.
Aus Stadt und Land.
Gießen, 14. Mai.
** Persoualuachrichten. Der Großherzog hat dem Kammerdiener Heinrich Pfifferling zu Schlitz das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift „Für Verdienste"; den Forftschützen Johannes Link IV. in Pfordt und Justus Pfeiffer in Untecschwarz das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift: „Für Verdienste-, und dem Oekonomieknecht Valentin Dickert in Schlitz, sowie den Waldarbeitern Andreas Becker in Willofs, Kaspar Becker dort, Georg Fehr II. in Schlitz, Konrad Hildebrand Hl. in Willofs und Heinrich Weppler III. in Schlitz das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift: „Für treue Arbeit" verliehen. — Ernannt wurde der HUfskanzleiwärter Karl Heinrich Schmidt zu Darmstadt mit Wirkung vom 6. d. Mts. zum HauSwärter im neuen Kanzleigebäude zu Darmstadt; der Packmeister in der Hessisch-Preußischen Eisenbahngemeinschaft Johannes Noll I. in Gießen als unkündbar angestellt. — Der G roß- Herzog hat den Bureauvorsteher bei dem Kreisamt Worms Heinrich Merkel zum Bureauvorsteher bei dem KreiSamt Oppenheim den Burean-Vorsteher bei dem KreiSamt Oppenheim Philipp Hübner zum Bureauvorsteher bei dem KreiSamt Worms — mit Wirkung vom 1. Juni an, ernannt. — Ernannt wurden der Hilfsdiener bei dem Amtsgericht Mainz Albert Holland zum Amtsgerichtsdiener bei dem Amtsgericht Nidda mit Wirkung vom Tage des Dienstantritts feines Nachfolgers, der Militäranwärter Paul Guckeri in Griesheim zum Hilfsdiener bei dem Amtsgericht Mainz mit Wirkung vom Tage seines Dienstantritts.
a. Mendorf a. d. Lda., 13. Mai. Der in weiten Kreisen bekannte Lehrer i. P. Sellin ist hier nach zurückgelegtem 80. Lebensjahre gestorben, nachdem ihm seine Frau um eine Woche in den Tod vorauSgegangen war. Der Verblichene hat in jüngeren Jahren als Wanderlehrer im Dienste der inneren Mission gestanden, ist dann Hauslehrer bei der gräflich Solmsischen Familie in Laubach gewesen und war zuletzt bis zu seiner vor acht Jahren erfolgten Pensionierung an zwei Otten des Kreises Gießen als Volksschullehrer thätig.
§ Hungen, 13. Mai. Im benachbarten Orte B. schoß der dortige Jagdpächter in seinem Revier einen Hund tot. Der Besitzer des Hundes wurde gegen den Jagdpächter auf Schadenersatz klagbar, doch kam ein Vergleich zu stände, wonach der Hundebesitzer eine Entschädigung von 100 Mark erhält.
tz. Ranstadt, 12. Mai. Heute nachmittag fand in hiesiger Gemeinde die Einweihung deö neu errichteten Friedhofes statt. Ts beteiligten sich daran die ganze Gemeinde und noch Hunderte aus sämtlichen umliegenden Orten. Zunächst wurde Abschied von dem allen Friedhof genommen; der Pfarrer des Orts hielf eine ergreifende Abschiedsrede und sührte an, daß ans diesem Friedhof innerhalb 61 Jahren 882 Personen beerdigt wurden. DaS größte Sterbejahr war 1845 mit 33 Personen, baß geringste 1887 mit 5 Personen. Die Ge- meinoe hat während dieser Zeit durchschnittlich 700 Einwohner gehabt. Der Zug zog hierauf auf den neuen Friedhof. Der Posaunenchor von Ober-Mockstadt begleitete die gesungenen Choräle vnd der hiesige Gesangverein trug mehrere paffende Gesänge vor.
ho. tzerboru, 13. Mai. In der letzten Versammlung des Altertums-Vereins wurde beschlossen, eine Denk
münze zur Feier des 650jährigen StadtjubiläumL prägen zu lasten in der Größe der Fünfmarkstücke, in einem goldähnlichen Metall (Tombak) und in fein Silber (950). Die Silberdenkmünzen werden nur in beschränkter Anzahl und auf vorherige Bestellung geprägt. Probestücke fanden wegen der wunderschönen Ausführung allgemeinen Beifall und zahlreiche Besteller.
Frankfurt a. M., 13. Mai. Für die am 23. Mai fiatt- findende Sitzung des Bezirkseisenbahnrates Frankfurt a. M. ist folgende Tagesordnung festgesetzt: 1. Antrag des Kommerzienrates Fehr-Flach betreffend Ausdehnung des PakettarifeS der ehemaligen Hessischen Ludwigsbahn auf die Direktionsbezirke Mainz, Frankfurt a. M. und Kassel. 2. Antrag des Senators Henkel zu Göttingen betreffend die Einlegung eines Zuges ab Kassel 9 30 mit Gegenzug. 3. Anträge des Herrn Bertelsmann (Handelskammer Bielefeld) betreffend Durchführung des Zuges 458 der Strecke Kaffel- Paderborn bis Hamm und Anhalten des Zuges 35 der Strecke Aachen-Holzminden in Geseke. 4. Antrag des Fabrikbesitzers Ferd. Wüstefeld u. a. betreffend Ermäßigung der Lagerplatzmieten. 5. Antrag des Kommerzienrates F. C. B. Koch in Gießen betreffend Errichtung einer Personen- haltestelle der Main-Weserbahn im Norden der Stadt Gießen. 6. Fahrplanänderungen im Sommer 1901 und im Winter 1901/1902.
Universitäts-Nachrichten.
— Der Senior der Universität Bonn, Geh. Mebizinalrat Dr. Frarz v. Leydig, ordentlicher Professor der vergleichend»» Zoologie und Zootomtc, feiert am 21. dS. seinen 80. Geburtstag. — Aus Straßburg wird geschrieben: Von der hiesigen Universität ist für die Pleisaufgabe der Lamey-Stiftung (der P et8 beträgt 2400 Mk.): „Die anakreontische Poesie des 18. Jahrhunderte in Deutschland in ihrem Verhältnis zur französischen GesellschaslSpoesie", bte EtotteferungSfttst bte zum 1. Januar 1902 oerißngnt wordcn. Unter den neu gestellten Ausgaben befindet sich die folgende, die auch weitere ft-eife interessieren dürfte: „Die verfassungsmäßige D rant- worttichkeit des RrichSkanzlerS nach ihrem Umfange und ihren Wirkungen". — AuS Würzburg, vorn 11. ds., schreibt man: Die hiesig; Universität beging brüte die Frier ihres 319 StiftungS» festes. Rektor Profissor Dr. Abert hatte sich als Tbema zur Festrede „Das Wesen deS Christentums nach der Auffassung ketz heil. Thomas v. Aquino" gewählt. — Der ordentliche Professor der Psychiatrie und der Direktor der psychiatrischen Klinik Dr. R. Wollenberg hat sich am 9 bö. mit einer Antrittsvorlesung „lieber krankhafte Rkwußtseinsstörungen" an der Universi ät Tübingen «ingesühtt. — Demnächst wird an der Universität Berlin ein Institut für Lichtbehandlung unter der Leitung von Professor Dr. E. Lefser, dirigierendem Arzte an der Charta, eröffn« we.den. DaS neue Institut dient der Behandlung von Hautaffcktionen mit elektrtfchem Bogenlicht nach der Methode FinsenS. — Der Dozent der Baukunde (Eni- roe-.frn von Berg- und Hüttengebäuden) an der kvnigl. Bergakademie zu Freiberg, P. Roch, ist zum ordentlichen Pxofesior «nennt wordcn. — Der außerordentliche Professor Dr. F. Zoll wurde »um ordentlichen Professor detz österreichischen Zivilrechts an der Universität in Krakau ernannt.
Theater, Kunst und Mist'enschast.
— Bon der Künstler-Koloni« in Darmstadt. Für die Theatervorstellung am Abend des Eröffnungstages sind die Preise der Plätze ftstgesktzt: 1. Rang 5 Mk, Saal (vor den Hortensien) 5 Mk., eöe übrigen Plätze 3 Mk. Vormerkungen werden diS zum 15. Mai, 2 Uhr, an die Leitung der Darmstädter Spiele erbeten.
Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.
— Aadrikatiorr vonZigarren« Der Jahresbericht der Handelskammer Hanau schreibt: Für die Zigarrenfabrikation war nach übereinstimmenden Berichten mehrerer in Hanau domizilierter Firmen der Geschäftsgang im Jahre 1900 schwieriger alS in früheren Jahren, was in brr Hauptsache auf daS übermäßige Angebot infolge anhaltender Ueberproduktion zurückzuführen war. Die Preise waren insbesondere sür die Masfinkonsum-Fabrikat« auf daS äußerste gedrückt, während die Einkaufspreise des Rohmaterials fortdauernd höher stiegen und auch die Anklagen für alle Neöenarttkel sich hob-n. Bei klcinm Fabxikatprelsen nahmen somit die Spesen in einer solchen W.ise zu, daß der Verdienst stetig geringer wurde und nicht mehr in entsprechendem Verhä!tn-sse zu dem Aufwande an Arbeit und Mühe stand. Ungünstig auf daS Geschäft wirkte auch die stets langsamer werdende ZahlungSwetse der Kundschaft ein; es werden Strebt e KiS zu zwölf Monaten beansprucht und leider auS bewilligt, sodaß der Zigarren- F«bx'.kationsbetrieb einen immer größer werdenden Kapitalaufwand erfordert. Aehniich berichtet eine im Kreise Grlnhausen domizilierte Firma, welche ben bisherigen Gewinn nur durch größeren Umsatz zu erzielen in der Sage wac. Wie von den anderen Fabr-kationSfirmen, so wird auch von dieser der dringende Wunsch zum Ausdrvck gebracht, daß der Industrie Ruhe gegönnt, sie nicht «der durch sortgesetzte Agitationen erregt werben möge, wie in letzter Zeit beispielsweise durch diej nigm des Rtichstagsabgeoidnetm Freiherrn Heyl von HerrnSheim für die Erhöhung deS deutschen Zolles auf ausländischen Rohtabak. .Die Industrie, welche schwächlichen, zu sonstigen Arbeiten nicht oder doch weniger tauglichen Leuten besonders auf dem Lande auskömmlichen Verdienst gewährt ur d dadurch zu beflrrer, die minderbemittelteu Stände beftiedigender Lebenshaltung beiträgt, sollte eine wohlwollender« Beachtung seitens der Volksvertreter ft btn; Bestrebungen, wie die erwähnten, sollten eine einmütige, energische Zurückweisung erfahren." Eine Firma in Fulda berichtet, daß ihr Absatz brfri-dizend war, die Zahlungen indeh schlecht eingingen. ArbrilSkrSfie waren in Fulda sehr gesucht und wurden gut bezahlt. Von der Tabaktndustrie deS Handelskammerbezirks werden, unter Einrechnung der in Klein-Stein- heim betriebenen Filialen, rund 3609 Arbeitskräfte beschäftigt; davon entfielen im Berichtsjahre auf bk 12 Hanauer Betriebe, ohne Einrechnung der Filialen in Klein-Sleinhelm und in O tschaften deS Landkreises Henau und der Kieffc G'lnhausen unb Schlüchtern im Frühjahre 1900 226 Arbeiter und 633 Arbeiterinnen, im Herbst 1900 273 Arbeiter und 657 Arbeiterinnen.
Darmstadt, 13. Mat. Der FrühjahrSpserdemarkt nahm heute vormittag, von der Witterxmg sehr begünstigt, seinen Ansang enb ist sehr gut befahren. In den Vereinsstallungen sind 119 Pferde eingestellt, auf dem Pserdemarkiplatz sind etwa 170 Pferde »um Verkauf aufgestellt und zur Prämiierung sind 113 Pferde und Fohlen vorgeführt. Der Markt ist sonach im ganzen mit über 400 Tiere» befahren. Die VerkaufSaeschäft« sind febr lebbast.
Arbeiterbewegung.
Darmstadt, 13. Mai. DerBäckergesellen-AuSstand ist glücklich beendet. Nach Uberekkunft mit ben Meistern erhalten die Gef'llrn eine Lohnerhöhung von 10 bis 15 Prozent und können die Kost außerhalb nehmen, dagegen bkibl der btSh-.rige Zustand bezüglich der Wohnungen beibehaltm. Die Gesellen haben allenthalben die Arbeit wiedcr aufamommen.
Vamwanam zur Notiz, dass meine Kur von^Auerbach nach Nervösen Bem agen am Rhein verlegt ist.
Combin. Methode. Topinardbad, Meohano- therapie u. Wachsuggestion Indio, b. Angst, Willenssohw., Zwangeged.,, Herzerreg., Schwäche, Magen übel etc. HersteU. d. Darmkraft bei alter Darmträgheit. Prosp. üb. Art u. Wirkung frei. Br. Borcherdt»


