Nr.?L13^ Erstes Blatt.
Mittwoch 15. Mai 1901
im Orchester auch hier und da „Holländer"-Reminiscenzen I niemals gelegener kommen konnte als eben iefet. em [feilen. Ganz ohne Reminrseenzen geht es ab in bem | (£ r a n e, mit dessen Entwürfen, Skizzen, Bilderi
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151^ Jahrgang.
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dessen Entwürfen, Skizzen, Bildern, Modellen usw. die Säle, das Treppenhaus und das Vestibül angefüllL sind, wird jetzt bei uns in Darmstadt schon größeres Verständnis finden, als das noch vor zehn Jahren möglich gewesen wäre, wo man einfach alles, was auf ein Erschließen neuer Inhalte und Formen ausging, als verrüEk bezeichnete. Es läßt sich nicht leugnen, daß der modernen Kunst starke Impulse von England gekommen sind, und thatsächlich ist man froh, wenn man sich von der engliscl>ew Politik zur englischen Malerei wenden kann und durch einen Walter Crane ein übersichtliches Bild empfängt van den hundert Möglichkeiten, sie unmittelbar in den Dienst?
Neckreigen „Der Hagestolz", den Arnold Mendelssohn nach einem Gedicht aus Herders „Stimmen der Völker" in ein Tonleben gekleidet hat, das nicht mehr des Lokalpatriotismus zur Stütze bedarf. Alle guten Geister schelmischen, seligen Humors geben sich in diesem Neckreigen ein Stelldichein.
gäbe der Bestimmungen über die Beitragspflicht zu Gemeindeumlagen aufzubringen sind.
Die Vertretung der Gemarkung Schiffenberg als Ortsarmenverband geschieht durch die Großherzogliche Oberförsterei Schiffenberg. Die Kosten der Armenpflege werden von der Großherzoglick^n Bezirkskasse Gießen I vorgelegt und von den Verpflichteten eingezogen.
Die Beitreibung der Kosten erfolgt auf Grund der für die Umlagen geltenden Bestimmungen durch die Großherzogliche Bezirkskasse Gießen I.
Tas Statut tritt am 1. Juli 1901 in Kraft, mit welchem Tage das Statut vom 9. 9tt)vember 1895 aufgehoben ist.
Gießen, 10. Mai 1901.
Großh. Kreisamt Gießen.
v. Bechtold.
Abrisse für Dep<sih««r Anzeiger Giehea.
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Amtlicher Heil.
Bekanntmachung.
Betreffend: Scheibenschießen.
Der Kriegerverein zu Rödgen hält am 19. Mai 1901 ein Scheibenschießen auf dem Gelände vor dem Ziegenberg, etwa 400 Meter oberhalb des Ortes, ab.
Wir bringen dies hierdurch zur öffentlichen Kenntnis nno warnen vor dem Betreten des betreffenden Geländes.
Gießen, den 11. Mai 1901.
Großherzogliches Kreis amt Gießen.
v. B echtold.
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teresse habe, daß aber die Finanzlage des Landes cS nicht: gestatte, das Staatsbudget mit neuen Ausgaben zu belasten. Von der Regierung fei alles erwogen worden, um den Gesuchstellern zu Hellen, allein die Kompliziertheit der Frage sei so groß, daß darüber so kurzer Hand entschieden werden könne.
Finanzminister Gnauth stellt an Hand von Zahlen fest, daß es sich bei dieser Frage um eine Budgetbeiastung um rund 300000 Mk. handele. Er gebe aber amfy zu bedenken, daß das letzte Budget mit einem Defizit von zwei Millionen abgeschlossen habe. Werde die Kammer dem Antrag zustimmen, so sei dieser Beschluß nur mit einer Steuererhöhung auszugleichen.
Tie Mgg. Weidner und I ö ck e l sprechen sich nach' den Erklärungen des Finanzpräsidenten gegen die Erhöhung der Pensionen aus.
Abg. Mprneweg hält die Wünsche der vor 1897 pensionierten Beamten für vollkommen gerechtfertigt. Die finanzielle Seite dieser Sache dürfe nicht in den Vordergrund gestellt werden, und die Gerechtigkeit bedinge es, daß die Regierung die Mittel für diese Beamten noch! parat habe. Er bittet, im nächsten Etat diesen Gegenstand zur Erledigung zu bringen.
Abg. Dr. David tritt ebenfalls für den Minderheitsantrag ein, da er die Wünsche der Petenten für gerecht halte. Die Regierung male die Finanzlage stets schwarz, wenn sie nichts bewilligen vG>lle, er glaube aber, unter dem Truck des Willens der Kammer werde für die Leute, wenn keine 15 Prozent, vielleicht 10 Prozent Erhöhung ihrer Pensionen herauskommen.
Bei der Abstimmung wird der Antrag der Ausschußmehrheit, die Vorstellung für erledigt zu erklären, mit 18 gegen 17 Stimmen angenommen. Zur Annahme gelangen ferner noch, der Gesetz-Entwurf über das Verfahren auf Grund der Vorschriften in den Paragraphen 20 und 22 der Gewerbeordnung betr., und die Regierungsvorlage, den Gesetz-Entwurf die Abänderung des Art. 22 des Gesetzes vom 12. August 1896 über den Bau und die Unterhaltung der Kunststraßen im Großherzogtum betreffend. Ferner genehmigt die Kammer die Regierungs-Vorlage, die Einreihung des technischen Lehrers Dr. Ang. Scheuermann zu Worms und des Zeichenlehrers Heinrich Getrost unter B. b. 10 der Besoldungsordnung ohne Debatte.
Abg. Wolf hat die Abänderung oer Landgemeinde- Ordnung dahin gehend beantragt, daß den Bürgermeistern nidjt gestattet sein soll, bei ihrem Amte eine Wirtschaft zu treiben. Der Ausschuß beantragt, den Antrag bis auf weiteres für erledigt zu erklären und die Kammer beschließt nach einer im Sinne des Antrags Wolf zustimmenden Erklärung des Staatsministers Rothe demgemäß
Zu dem Antrag Molthan- Köhler -Tarmstadt, Errichtung einer Handelshochschule in Hessen betr., hat die A u s s ch u ß m e h r h e i t beantragt, den Gegenstand für erledigt zu erklären, während Aog. Molthan und Gen.
GietzeimAnzeiger
v General-Anzeiger v
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
Hessischer Landtag.
Zweite Kammer der Stände.
G. Darmstadt, 13. Mai.
Nach einer längeren Pause trat heute mittag um halb vier Uhr die Zweite Kammer der Stände zu einer neuen Tagung zusammen. Zur Ordnung steht zunächst die Rückäußerung der Ersten Kammer über oen Initiativantrag der Äbgg. Reinhardt und Genoffen, die Abänderung der land- ständischen Geschäftsordnung vom 17. Juni 1874, insbesondere die Wahl eines zweiten Vizepräsidenten betr. Abg. Schönfeld als Berichterstatter empfiehlt dem Antrag der Ersten Kammer beizutreten, was auch geschieht.
Zu dem Antrag des Abg. Kö hier-Langsdorf, die Erbfolge in der Regierung des Großherzogtums Hessen betreffend, wird auf Antrag des Abg. Reinhardt mit 21 gegen 18 Stimmen zur Tagesordnung übergegangen, nachdem auch Staatsminister Rothe sich in gleichem Sinne ausgesprochen hatte. Für den Antrag traten die Abgg. Köhler- Langsdorf, Dr. David und Weidner ohne Erfolg ein.
Eine Anzahl Anträge und Vorstellungen werden sodann zur Berichterstattung an den Ausschuß verwiesen. Die Vorstellung der vor 1897 pensionierten Beamten um Aufbesserung ihrer Pensionsverhältnisse betr. hat die Ausschußmehrheit für erledigt erklärt, während die Minderheit für Gewährung des Gesuches eintritt.
Abg. Schlenger tritt in warmer Weise für die Bewilligung der Pensionserhöhung xin, ebenso der Abg. Backes, der noch darauf hinweist, daß eine große Anzahl Lehrerpensionäre eine Besserung ihrer Pensionsverhältnisse ick)er erhoffen. Auck) der Abg. I -o n tz tritt für den Minderheitsantrag ein und wünscht, daß den Pensionären im Interesse der ausgleichenden Gerechtigkeit ihr Gesuchi genehmigt werde.
Staatsminister Rothe weist darauf hin, daß die Regierung für diese Pensionäre ein sehr wohlwollendes In-
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unserer Lebensbedürfnisse zu stellen. Man weiß nicht, worüber man billig zuerst )iaunen soll: über den Reichtum der Phantasie, der mit geradezu olympischer Sieges-- freubigteit in den verschiedensten Welten und Stoffkreisew sich ergeht, heute einen plastischen Kaminfries gliedert, morgen an einem tief symbolischen Werke wie „Brücke des Lebens" arbeitet, um etrva übermorgen Kostümfiguren für ein Maskenfest ober illustrativen Schmuck für Kinderbücher zu ersinnen — oder ob man sich gefangen nehmen läßt von der riesigen Arbeitskraft, die kein Erlahmen, feine Erschöpfung zu kennen scheint und die in dem, was sie leistet, zugleich einen interessanten Beleg für eine Thatsacho bringt, die zuweilen dem Gedächtnis der Menschen entschwindet: daß die universellen Künstler auch immer große .Handwerker gewesen sind, daß sie nicht nur die überkommene Technik beherrschen, daß sie sie auch vermehren und sich für ihre Ideen, zeichnerischen Entwürfe uni> Farbenträume auch neue Verfahren und neue Ausdrucksmittel schaffen. Walter Crane ist nie verlegen, wenn es- ich darum handelt, einem andern Einfall die adäguate Form zu sichern; er fühlt es mit unbeirrbarer Sicherheit, für welches Sujet er die Oel-, Aquarell- oder Gouachetechnik anroenben soll. Dieser englische Meister darf in der Thal auef) für die deutsche Kunstwelt, die in Litteratur und Musik die britische so weit überholt hat, eine vorbildliche Rolle ausüben, und wir, die wir einen Beethoven und Wagner zu den Unseren zählen, wollen den Ausspruch )es englischen Malers Leigh ton : „Die tiefen Elemente der deutschen Poesie, welche im Grunde der deutschen Natur liegen,, sind der Welt nicht durch Gestalt und Farbe, sondern auf den Wellen des Tons übermittelt worden", nicht gan& von der Hand weisen.
Von der Ausstellungseröffnung auf der Ma- thildenhöhe trennen uns nur noch wenige Stunden Es ist hier ein öffentliches Geheimnis, daß das Unternehmen in all den Kreisen, in denen der engherzige Philisterstandpunkt vorherrscht, zwar auf keine laute Opposition, wohl aber auf einen passiven Widerstand trifft, der vor nichts anderem dahin schwinden wird als vor den That-, fachen des Erfolges. Wenig hat es geholfen, daß auf Anregung des Vorstandes des hiesigen Volksbildungsvereins einer aus der Schar der Sieben, Bildhauer Rudolf Bosselt, in längerem Vortrage einem zahlreick-en Auditorium Aufgaben und Ziele der Mnstlerkolonie aus- einanderfetzte. Ter Erzphilister bleibt bei seinem Sprüchlein, und dieses lautete gewöhnlich so: „Tas ist doch nur eine Kunst für die Reichen! Und es liegen auch keine Bedürfnisse für dieselbe vor." Als wenn man nicht auch Bedürfnisse schaffen und einen harten Boden aufnahmefähig machen könnte! Und was der Vorwurf „Kunst für die Reichen" anlangt, sv genügt zu feiner Entkräftung der Hinweis auf die Unsummen, die jahraus, jahrein ein unerzogener, ungeläuterter Geschmack für kostspieligen, unechten Krimskrams vergeudet, der nicht zur Verschönerung, nur zum protzenhaften Aufputz der Wohnräume bient. Tiefes Kapital könnte edler und ersprießlicher verwendet werden, sobald das Publikum fähig geworden ist, die Fabrikationen zu beeinflussen. Einen Beitrag zur künstlerischen Erziehung der Massen will die „Künstlerkolonie" stellen, und dieser ihrer vornehmsten Aufgabe, zunächst mit der Anstellung näher treten, die jedenfalls dazu geeignet ist, auch >en Gleichgiltigen einen Eindruck zu verschaffen von der Fülle der Arbeit und des Könnens, die aufgeboten wurde, um einer Kunstrichtung zum Dasein zu verhelfen, die sich unmittelbar an das Leben wendet.
Daß die Kunst wieder wie einst in den hochgesegneten tagen der Renaissance darnach ftrebt, von der Beschränkung auf Gallerien und Museen loszukommen, lehrt gerade jetzt eine Ausstellung im Kunstverein am Rheinthör, die
Briefe aus der Westdeuz.
(Originalbericht des „Gieß. Anz.")
Nachdruck verboten.
Neuheiten tu Oper und Konzert. — Kunstlerkolouie und Philistertum. — Walter Grane in Darmstadt.
Dr. M. Zu den musikalischen Ereignissen gehört das Bühnenspiel „G u g e l i n e", das heute Sonntag seine zweite Aufführung erlebte, nicht, obwohl das Publikum ihm einen herzlichen Empfang bereitet, und die Kritik sich alle Mühe gegeben hat, dem Werk recht Viel Gutes nachzusagen. Komponist wie Textdichter sind ernst zu nehmende Leute, letzterer : Julius Bierbaum, in seinen „Erlebten Gedichten" der Erwecker der Neidhart-Poesie, hat in der schönen Litte- > ratur bereits seine bestimmte Note, und sein Märchen- fpiel „Ohigeline" trifft wenigstens stellenweise den naiven ► Ton naiver Menschen recht glücklich. Im Unterschiede zu den didaktischen Märchen Ludwig Fuldas ist es ein Phan- tafiemärchen, zu dem ein anmutiges und leichtes Spiel • in Tönen am besten passen würde. Die Vorbilder zu einer derartigen Märchenmusik, die auf Elfenfüßen dahergleitet, . liegen aber unseres Eracvtens weit eher in Webers „Oberon", in Mendelssohns „Lorelei" und „SommernachtS- traum"-Musik, in Lortzings „Undine", als im wuchtigen Wagnerorchester, von welchem sich Ludwig Thuille nicht trennen kann.
Unsere Ko n ze r t s aiso n hat kürzlich abgeschlossen mit einem von der „Humanita s" veranstalteten Abend, der r durch den Umstand, daß jede Nummer des Programms den Vermerk „zum ersten Male" trug und heimische Wort- und Tondichter in ihm zumeist zur Geltung gelangten, einen ganz aparten Charakter empfing. Den Anfang machte die von Karl Fli lisch komponierte chinesische Ballade „Bel- iazar", die für Männerchor und großes Orchester gesetzt, bas Talent des Verfassers, welches wir in kleinen Opern und Balletstücken schon öfters höflich geprüft haben, auf rotem neuen Felde zeigte.
Mit Spannung sah man der Vertonung des Gottfried L ch w a b'schen preisgekrönten „Flottenlieoes" „Michel, horch' der Seewind pfeift" entgegen. Bei bem Komponisten 6. Walter-Choinanus, Der es dein Männerchor und icvßen Orchester übergab, ist es an den rechten Mann ge- • Kimmen. Text und Musik wachsen zusammen. Im guten öEitne des Worts können beide populär werden, wenn sich
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Bekanntmachung.
«m Moutag, 20. Mai d. 38., vormittags 10 Uhr, wird sine ©eneralüerfammhitifl des laudw. Bezirksver- ems tm Leoz'scheu Saale (Felseukeller) dahier mit folgender Tagesordnung stattfinden:
1) Feststellung des Voranschlags für 1901/02;
2) Wahl von 3 Mitgliedern des Ausschusses des Bezirksvereins ;
3) Mitteilungen;
4) «ottrag des Herrn Schulrat i. P. Dosch von Worms über „Teichwirtschaft, tusbefoudere unter welchen Berhältniffen wird sich der Kleinbetrieb rentabel gestalten?"
Ich lade hierzu die Mitglieder des Vereins und jeder- Mauu, der sich für Gegenstände der Tagesordnung interessiert, freundlichst ein; insbesondere mache ich auf den Vortrag über Telchwirtschaft aufmerksam.
Die Herren Bürgermeister des Vereinsbezirks wollen in ihren Gemeinden gefälligst ortsübliche Bekanntmachung er» «affen unb sowohl selbst erscheinen, als auf einen zahlreichen Besuch hinwirken.
Gießen, den 11. Mai 1901.
Der Direktor des landwirtschaftlichen Bezirksvereins.
v. Bechtold.
Statut,
betr.: Tie Vertretung ber Gemarkung Schiffenberg als Ortsarmenverband und die Aufbringung der Kosten der öffentlichen Armenpflege.
In Gemäßheit des Art. 3 des Gesetzes vom 14. Juli 1871 die Ausführung des Reichsgesetzes über den Unter- shützungswohnsitz betr. und des Art. 48, V, 4 der Kreis- unb Provinzial-Ordnung wird hiermit nad)1 Anhörung ber Beteiligten und mit Genehmigung Großherzoglichen Ministeriums des Innern vom 7. Mai 1901 zu Nr. M. I. 13183 bestimmt, baß die in der Gemarkung Schiffenbera er wachsenden Kosten ber öffentlichen Armenpflege nach Maß-


