Ausgabe 
15.2.1901 Erstes Blatt
 
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Petersburg, 12. Febr. In Grodno brannte die Schereschewskische Tabakfabrik nieder, welche 1429 A> beiter beschäftigte unk» einen Jahresumsatz von mehr als zwei Millionen Rubel hatte. Aus Rostow am Don, Nowatscherkask und Kowno wird gemeldet: Nachdem längere Zeit wärmere Temperatur geherrscht hatte, traten wieder starke Fröste und Scheeverwehungen ein. Kowno 20 Grad SSlte

Die Beschaffenheit des Wassers in Thal­sperren. Sehr viele Städte gehen neuerdings dazu über, ihre Versorgung mit Wasser durch Thalsperren zu bewerkstelligen, also durch Stauweiher, in denen das Wasser eine längere ober kürzere Zeit vor dem Gebrauch stagniert. Man schenkte bisher diesem anaesarnrncl- ten Wasser bezüglich seiner Beschafsenheit großes Vertrauen, da man glaubte, daß alle Verunreinigungen in der Zeit der Ruhe zu Boden sänken und so unschädlich würden. Die kürzlich in der Stadt Remscheid, die durch Thalsperren­wasser versorgt wird, aufgetretene Typhusepidemie hat es aber sehr angezeigt erscheinen lassen, das Wasser der Thal­sperren einer eingehenden und andauernden chemischen und bakteriologischen Untersuchung zu unterwerfen. So zeigte sich z. B. gerade bei dem Wasser der Remscheider Thalsperre beim Beginn des Betriebes (1892) vom Juni bis Oktober eine starke Trübung des Wassers, die von organischen und unorganischen Stoffen herrührte und dem Wasser auch einen modrigen Geschmack erteilte. Wahrscheinlich war der Boden nicht hinreichend von Wurzeln und Graswuchs gereinigt worden. Nun wird die Gefährlichkeit der Erscheinung ja dadurch gemildert, daß erfahrungsgemäß die organischen Keime, die ja am gefährlichsten sind, von der Oberfläche nach der Sohle zu immer mehr abnehmen, sodaß es von großem Vorteil ist, das Wasser von der Sohle abfließen zu lassen, wie es ja in der That auch geschieht. Dabei hat man noch den Vorzug, daß das Wasser' im Sommer auf der Sohle bedeutend kühler ist, als auf der Oberfläche; der Temperatur Unterschied kann in der heißen Jahreszeit bis zu 10 Grad Celsius betragen. Professor Borchardt giebt die Grundsätze an, die für die Einrichtung solcher Thalsperren maßgebend sein sollten. Die Landschaft, in der sie an­gelegt werden, soll möglichst frei von menschlichen Nieder­lassungen sein, die brach liegenden Flächen aber aufgeforstet werden, damit das Niederschlagswasser mehr zurückgehalten und dadurch die Zuführung von Schlammmassen zum Weiher vermindert wird. Auch empfiehlt sich die Anlage eines Reservestauweihers zwischen Schlammfang und Haupt- stauweiher, um den letzteren zu Zeiten geringer Wasser^ entnähme einmal im Jahr gänzlich entleeren und reinigen zu können. Ferner ist mit der Möglichkeit zu rechnen, daß die Zuflüsse zeitweilig verunreinigt werden (z. B. durch Gewitterregen); es ist dem durch eine Umleitung zu be­gegnen, welche es gestattet, die verunreinigten Wässer von der Thalsperre fernzuhalten. Trotzdem nun die Thalsperre von Remsck)eid nach diesen Grundsätzen angelegt ist, scheint doch noch nicht die Möglichkeit der Bildung von anstecken­den .Keimen ausgeschlossen zu sein, und es wird wohl schließ­lich nichts übrig bleiben, als Sandfilter zu verwenden, die Eich ja bei anderen Wasserbecken vorzüglich bewährt haben.

UmoerMls Nachrichten.

Professor Dernburg in Berlin ist von seiner Erkrankung wieder genefen. Er nahm seine Vorlesungen wieder auf. Der Marschendichter Hermann AllmerS wurde aus Anlaß seine- 80. Ge- bu tstageS von der philosophischen Fakultät in Heidelberg zum

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Ehrendoktor ernannt. AuS dem SektlonSprotokoll des Ober- medtzinalratS Dr. Bullinger in München, der die Leiche Pellen-. koserS s<zt rte, wird folgmdeS mitaetrilt: Die Srklton e>aab außer iner offenbar sofort tödtttchen Schußoerletzung deS Schädels und Gehirns als wichtigsten Befund dockgradtge chronische Entzündung e harten Hirnhaut, bedeu'ende Verdickung und Verwachsung der selben, ferner eine sehr starke Verkalkung der mittleren und große»' Schlagadern des GehirnS, die erfahrungsgemäß mit derartigen Ver Änderungen der Hirnhaut und der Blutgefäße deS GehirnS verbunden ist, war offenbar durch eine einige Wochen vor dem Tod ausgetretene, wenn auch bereits abgeläufene septische Entzündung der Mund und R-chenschlrimhaut ungünstig beeinflußt worden. Als deprimierende? Moment mag auch noch eine bei der Sektion konstatierte chronische oetoSmiirenbe Entzündung des rechten Kniegelenks aufgefaßt werden, d e seit etwa 2 Jahren bestand und viel Beschwerden macht. An der Universttät Jena hat sich Dr. Otto Lemmermann auS Buxie- bude, Aiststent am agrikultur-chemisch.n Laboratorium ber landwirt lchaftlichen Versuchsstation, für daS Fach der Landwirtschaft habilitiert. Dr. B Seiet, Privatdozent an der Universität Greifswald und O nrarzt an der mrdizstrischen Klinik, wurde nach Witten a. d. Ruhr ats leitender Arzt der inneren Abteilung des Diakonissen Kranken- hauseS berufen. G-h. Rat Professor Schlömilch in Dresden ist gestorben. Mit Piofifsor Schlömilch ist ein hervorragender Mathe maliker dahingegangen. Der Verstorbene, 1823 in Weimar gebor.n, legte 1842 sein philosophisches Doktorexamen ab, habilitierte sich 1844 als Privatdozent der höheren Mathematik in Jena und bekam 1849 einen Rus als o. Pros.ffor an die Technische Hochschule zu Dresden, woselbst er bis 1874 in rühmlichster Weise sein Amt verwaltcke. Sein Rücktriit erfolgte aus Grund einer Berufung als Grh. Schulrat in bdö Kollegium des Kultus und öffentlichen Unterrichts. 1885 trat Pro». Schlömlich in den Ruhestand.

zur Förderung der Lehre vorn Stoffwechsel bei. Noch um­fassender war Pettenkosers Thätigkeit auf dem^ Gebiete der Seuchenerforschung, die er bereits 1855 mit Studien über die Cholera und ihre Beziehungen zum Grundwasser bc gann. In einer großen Reihe von Einzelforschungen, die er auch auf den Typhus ansdehnte, stellte er die Grund­züge seiner bekannten Bodentheorie auf, in der er den bedeutsamen Einfluß des Bodens und des Grundwafsers auf die Entstehung und Verbreitung von Seuchen, na ment* ich des Typhus unb der Cholera darlegte. Jahrelang stand er hierbei in einem großen Gegensatz zu der Lehre Robert Kochs, bis es auf mehreren Konferenzen im kaiser­lichen Gesundheitsamte gelang, eine Annäherung un8 gegenseitige Anerkennung beider Theorien herbeizusühren. Geheimrat v. Pettenkoser, dem im Jahre 1883 der erbliche Adel verliehen wurde, und der 1889 zum Präsidenten der bayrischen Akademie der Wissenschaften ernannt wurde, trat vor sieben Jahren in den wohlverdienten Ruhestand. Nach­dem er seit dieser Zeit ein verdientes otium cum bignitate in Ruhe und Frieden genießen durste, hat nun ein tragi­sches Schicksal diesem reichen Lebenswerk ein jähes Ende bereitet.

Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.

Wien, 12. Febr. (Privattelegramm.) Ueber die Chokoladen- fabrtk von August Pschinkels Söhne in Wien, Lowositz und Schoenfeld wurde hmt? der Konkurs eröffnet. Die Passiva belausm sich auf 2 Millionen Kronen.

Märkte.

r. Limburg a. d. Lahn, 13. Uruaer Fruchtmorkt. (rurchschntitspreiS pro Malter.) Roter Weizen Mk. 13 30 w -grr Wetzen Mk. 00.00, Korn Mk. 10.62, Gerste Mk. 8.60, Hüer M. 6 32.

Arbeiterbewegung.

mouc.au U8 min.e, 12 J-dr. D-S H.I r°-.

sozialistischen Vereinigungen Uoterfiützungen im Betrage von 70l M Fr. erhalten. Man glaubt deshalb, daß der Ausfimrd noch wochenlang dauern werde.

ES starben en:

TtphtherittS Herzleiden Zuckerkrankheit Magengeschwür Wochen bettfieber Pleuritis

Verunglückung__________________________________________ö-töx

Summa: 8 (5) 5 (2) 1 (1) 2 (2)

Anm. Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie otd her Todesfälle in der betreffenden Kranlheit aus von auswärts nach Güßen gebrachte Kranke kommen.

Max v. Pettenkoser f.

Es war nicht Lebensüberdruß, nicht die Furcht vor dem Tode, die dem hochbetagten Forscher den Revolver in die Hand drückten, sondern ein schon längere Zeit andauernder Zustand psychischer Depression, der Schwermut und der Furcht, in Geisteskrankheit zu verfallen, ließ ihn die nach menschlichem Ermessen ihm nur" noch kurz be­messene Spanne seines Lebens gewaltsam abkürzen. Ter sonst so geistesstarke Mann, der bei seinen oft gefährlichen Experimenten nicht zauderte, unter Nichtachtung feiner Gesundheit und seines Lebens der wissenschaftlichen Wahr­heit nachzugehen, der im Antagonismus gegen die Ba­zillentheorie Robert Kochs sich selbst zum Versuchsobjekt machte, um die vermeintliche Ungefährlichkeit der Kochschen Chvlerabazillen zu erweisen, und zu diesem Zweck das viel­besprocheneCholera-Frühstück" einnahm -- den dunklen Schrecken geistiger Umnachtung, denen er sich ver­fallen wähnte, hat er den selbstgewählten Tod vorgezogen. Ein großer Naturforscher, der Begründer der modernen Hygieine und Seuchenlehre, nächst Justus v. Liebig wohl der populärste Gelehrte Süddeutschlands, ist mit ihm bahinge- gangen. Am 3. Dezember 1818 in Lichtheim an der Donau geboren, widmete er sich dem Studium der Pharmazie und Medizin, war, wie wir bereits erwähnten, ein Schüler Liebigs in Gießen, wurde 1847 an der Münchener Universität außerordentlicher Professor der medizinischen Chemie, und 1853 ordentlicher Professor. Eine Reihe wert­voller chemisch-technischer Untersuchungen bezeichnet den An­fang feiner wissenschaftlichen Laufbahn. Mit seiner Arbeit über den Unterschied zwischen Ofen- und Luftheizung wandte er sich der eigentlichen Hygieine ni, unb stellte in ein­gehenden Untersuchungen bie Grundlagen der Ventilation fest, die heute zum Allgemeingut und zu einer der wichtigsten Anforderungen des modernen Häuserbaues geworden ist. Mit Hilfe eines von ihm konstruierten Respirations-Appa­rates begann Pettenkoser im Verein mit Prof. Voit um­fangreiche Untersuchungen über die Atmung und Ernährung des Tieres und des Menschen, und trug dadurch wesentlich

Zusammen: Erwachsene: im

1. Leb. icktzhr: 2.-15.ti

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Kirchliche Nachrichten.

Evangelische «emeiutze.

Donnerstag den 18. Februar, abends 8 Uhr, ^belsluttd« im Konfirmandensaal (Kirckstraße S). Psalm 24. Pfarrer SckloNer.

Wöchentliche Neberficht der Todesfälle in Gießen

6. Woche. Dom 3. bi« 9. Februar 1901. Einwohnerzahl: angenommen zu 25 560 (incl. 1660 Mann Militär) SterbltchkeitSztffer: 16,28, nach Abzug der Ortsfremden 6,10 /«-

R t n o e r

Holz-Versteigerung

in der Aürstlichen Köerförsterei Lich.

ES sollen versteigert werden:

Am Montag den 85. Februar, von vormittags 91/» Uhr an, im Distrikt Höler:

Buchen: 42 rm Scheiter, 93 rm Knüppel, 23 rm Stöcke, 7000 Wellen (ca- 5000 Forstwellen); Eichen: 22 rm Knüppel, 7 rm Stöcke, 800 Wellen; 170 Birken-Wellen; Nadelholz: 10 rm Knüppel, 1200 Wellen. Einiges Buchen- rc. Scheit-, Knüppel-, Stock- und Reishol; von Windfällen rc. an der Steinbacher Grenze und sonst, welches nicht vorgezeigt wird. Weniges Fichten-Stangenholz.

Die Zusammenkunft ist im vorderen Höler (Wingerteschlag), auf dem sogen. Wingerteweg, nahe der Hauptschneise.

Eine Woche spater wird noch eine Versteigerung im Höler statt- finden, bei welcher Brennholz aller Art von Buchen und Elchen zum Verkauf kommen wird.

Am Dienstag den 86. Februar, von vormittags 91/, Uhr an, im Distrikt Hard:

Buchen: 75 rm Scheiter, 68 rm Knüppel. 68 rm Stocke, 2400 Wellen; Eicken: 2 rm Sckeiter (gut), 48 rm Knüppel, 61 rm Stöcke (dabei 1,5 rm Scheilbrocken), 1600 Wellen; 3 rm Kirschbaum-Rund- bolz; 2100 Weickbolz-Wellen (dabei 1800 Backwellen; Nadelholz: 6 rm Knüppel, 1300 Wellen.

DaS Holz sitzt etwa zur Hälfte nahe bei Kolnhausen, am Arns- burger Fußpfad und nicht weit davon, die Nadelholz-Wellen sitzen zu­meist am Muschenheimer Weg, der Rest am Fußpfad Lich-Birklar.

Die Zusammenkunft ist auf der Chauffee von Kolnhausen in bie Hard, beim Waldrand. 1327

____________________Dr. Dieffenbach.

Holz-V erkauf.

Im Wege dkS schriftlichen Angebots sollen au« dem Ge- meindewald Groß-Altenstädteu verkauft werden: 94 fm Gichen-Stammhok; 1., 2. u. 3. Kl.

Distrikte Gehauerseld und Linn.

SVa Fichten - Stammholz.

Distrikt Sinn.

Die auf den Abzah'ungstabellen vorgedruckten Beding- ungen werden zu Grunde gelegt. Nähere Auskunft erteilt der Herr Förster Knoop zu Groß-Altenstädten.

Schriftliche Angebots nchme ich bis Montag den 25. d. Mts., nachmittag» 2»/, Uhr, entgegen.

Hohensolms, den 8. Februar 1901. 1322

Der Bürgermeister.

Couverts mit Firma billigst Sröhl'sche Universitäts-Druckerei.

Iagdverpachtung.

Dienstag den 19. Fe­bruar l. I, nachmittags 1 Uhr, soll die der Gmeinde Lehnheim zustehende Feld- und Waldjagd für weitere 6 Jahre auf unserem Bureau ver­pachtet werden.

Lehnheim, 13. F<br. 1901. Gr. Bürgermeisterei Lehnheim.

Seng. 1331

Hotzversteigerung im Ficher Mdtumld. Donnerstag den 21.Fe bruar, vormitt. 10 Uhr b ginnend, sollen im Licher Stadtwald, D strikt Plattewald, Rotherbusch und Ettingshäuser­kopf, versteigert werden:

200 rm Buchen'Werkscheiter, 17 Eichen-Werkscheiter, 120 Buchen-Knüppel, 67 Eichen-Knüppel,

7 Nadel-Knüppel, 7223 Stück Buchen-Wellen (Durchforstung), 4700 Eichen-Wellen,

980 Nadel-Wellen,

400 Weichholz-Wellen,

140 rm Buchen-Stöcke, 167 Eichen-Stöcke,

75 Nudel-Stöcke.

Der Anfang ist auf der

Kreisstraße Lich Hattenrod am Waldeingang.

Lich, den 13. Februar 1901. Großh. Bürgermeisterei Lich.

Heller. 1329

HartmarrnS

Gesondbeitsbinden

zu haben in der 1183 Adler-Drogerie, SelterSweg 39. Otto Schaaf.

Kur- und. Kindermilch.

in Flaschen mit Vetschlußmarke ä Liter SO Pfg.

Zur Gewinnung dieser ausgezeichneten Kur- und Kindermilch sind Kühe in einem besonderen Stalle untergebracht und erhalten nnr Trockensntter von prima Wieseuheu und Hafermehl. Diese Kühe sind auf Tuberkulose geimpft

und stehen stäudiA unter tierärztlicher Kontrolle.

Vollmilch in Flaschen mit Derschlutzmarke ä Liter 20 Pfg.

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prima sauerer Schlag- und Kaffeerahm ä 100

Kur- und Kindermilch, ebenso Vollmilch in Flaschen ist nur echt, wenn d:e Berschlußwarke unverletzt ist und bitten wir hierauf besonders zu achten.

Unsere Milch lassen wir monatlich mehrmals vom chemischen Untersuchungsamt in Gießen bezüglich ihrer Beschaffenheit untersuchen.

Televbon LiS Nr 4 Fürstl. Solms Lichische Gutsverwaliung zu Llch.

Büchsenschütz.

Wegen FterbeM soll vächfttN Samstag den 16. Februar, nachmittags 3 Uhr, auf dem Rathause zu Wieseck die Gastwirtschaft Zum Schwänen samt In- ventar, wobei 7 bis 8 Bettm, versteigert werden. Die Wirt­schaft liegt an der Hauptstraße und ist zum Sogteren einge­richtet. Zügle ch kommen noch mehrere Stücke Laub und etliche Wiesen, auf der Au liegend, zur Versteigerung.

Äpfrlslneil la. Messina-Mlflneil per Stück 4 Pfg-,

1313 do. 6 Pfg,

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