auna mildernder Umstände. Die Dertheidiger oer- Freisprcchung. Die Urteilsverkündigung erfolgt am
von Euch habe ich noch keine Nachricht —, daß noch 13 Federhalter fehlen. Ich sende dieselben heute ab, und nun wünsche ich Euch vergnügte Weihnachten und fröhliches, glückliches Neujahr. Herzlich grüßt Euer Schiel, Oberst. — Ein tragt- sches. F a m i l i e n Ereignis erregt hier allgemeine Teilnahme. Tao zweijährige Töchterchen einer hiesigen Familie erkrankte an Influenza und verschied am folgenden Tag. Die Mutter nahm sich den Tod ihres Lieblings derart zu Herzen, daß sie den Verstand verlor und ins Irrenhaus, gebracht werden mußte.
Krieskasten der Redaktion.
(Anonyme Anfragen bleiben unberücksichtigt.)
H. Der Aufsatz des Professors W. Foerster, den wir in unserer Nr. 290 erwähnten, entstammte dem „Lotsen".
B. Der Nobelpreis in der Medizin, der dem Professor v. Behring in Marburg zuerkannt worden ist, beträgt 150 000 Kronen gleich zirka 170 000 Mk.___
'* Jagdkalender. Am 14. Dezember schließt die Winter- schonzcit für Fische, und am 15. Dezember beginnt die Schonzeit für weibliches Rehwild.
b. Lang-Göns, 11. Dez. Gestern hätte ein großer Brand in der Wolff'schen Fabrik in Lang-Göns entstehen können. Die Kinder des zur Miete dort wohnenden Büthke hatten in der Abwesenheit ihrer Eltern das Bett angezündct. Rur durch die Wachsamkeit des Aufsichtsmannes der Fabrik, Welte, wurde ein Umsichgreifen des Feuers verhindert. Mit Hilfe von Nachbarsleuten wurde der Brand schnell gelöscht.
W. Friedberg, 11. Dez. Der in allen Kreisen Oberhessens bekannte und beliebte Obstbautechniker Ernst Metz feierte heute den 70. Jahrestag seines Geburtstages. Morgens 10 Uhr versammelte Direktor Dr. v. Peter die Beamten des oberhess. Obstbauvereins in der Großh. Obstbau- und landw. Winterschule, um den noch recht rüstigen Jubilar zu beglückwünschen und in einer, seine Verdienste um Oberhessens Obstbau rühmenden Ansprache zu ehren, worauf er dem Jubilar eine Ehrengabe vom Vereine und dessen Beamten überreichte. Abends 5 Uhr fand sodann eine öffentliche Feier in „den 3 Schwertern" statt, an der sich die Behörden, Vorgesetzten, Kollegen, Freunde und Schüler der landw. Winterschule beteiligten. Kreisamtmann Dr. Wagner eröffnete die Feier mit einem dreimaligen Hoch auf den Großherzog. Direktor Dr. v. Peter gratulierte dem Jubilar und gedachte seiner Verdienste um die Obstbaukultur und seiner rührigen Wandcrlehrthätigkeit, die er bis vor Äußern
Universtlüls Uachrichtr«.
— Profcfforculeidcrr in Rußland. Die Relegierung von 150. Studierenden des Veterinär-Instituts zu Eharkow hatte eine eigenartige Ursache. Tie Studiosi waren mit ihrem Professor nicht zufrieden, und übergaben ihm, als er am 28. v. Mts. fein Collegium über Chemie lesen wollte, folgende Erklärung, „Von den Studenten des 1. Kursus des Chackoiv'jchen Veterinär-Instituts an den Herrn Professor. Herr Professor! In Anbetracht Ihrer systemlosen, unzusanunettyängenden Darstellung nach dem Lehrbuch Kolbe, 'Ausgabe der 80er Jahre, haben wir die Ehre, öie auf- zusordern, das Katheder sofort zu verlassen uni) somit zu ermöglichen, daß dieses von einem Professor eingenommen wird, der aus der Höhe der derzeitigen Wissenschaft steht. Den 15. 9iooember 190L Tie Studenten' des 1. Kursus des Charkowschen Veterinär- Instituts." Nachdem der Professor diese Erklärung gelesen, wandte er sich an die Studenten nut einer Ansprache, in welcher er ihnen darlegte, daß, obgleich er über 30 Jahre das Professorenamt in der Universität bekleide und 22 Jahre Chemie im Veterinär-Institut vortrage, er zum ersten Male eine derartige Würdigung seiner Vorlesungen vernehme. Die Angelegenheit kam dann vor den Minister der Volksaufklärung, Generaladjutanten Wannowski, der sofort telegraphisch die schott mitgeteilte Massenrelegierung verfügte. Die 150 von dem Institut oerwtejenen jungen Leute bildeten den weitaus größten Teil des 1. Kursus; nur einige wenige Studenten entgingen der Strafe, weil sie — auch Pflichtwidrigkeiten tragen manchmal gute Früchte — am 28. November das Chemie-Collez nachweislich „geschwänzt" hatten.
— Tie Blätter melden aus Graz: Sämtliche Professoren der hiesigen Universität, mit Ausnahme der Klerikalen, richteten an Professor Mommsen eine Adresse, in welcher sie ihre wärmste Zu- ftimmung zu dessen Kundgebung über die Voraussetzungslosigkeit der wissenschaftlichen Forschungen aussprachen.
Gerichtssaal.
Leipzig, 12. Dez. In dem Wollkämmereiprozeß beantragte der Staatsanwalt gegen die Angeklagten das Schttldig unter Zubilligung mildernder Umstände. Die Derthetdtger verlangten die Freisprechung. Die Urteilsverkündigung erfolgt am Samstag um 12 Uhr.
— Der Uhrenhausiercr ans dem Rade. Vom Landgericht zu Schweinfurt wurde kürzlich der aus Heuchlingen stammende Maurer Grupp wegen unbefugten Hausierens und Betruges zu 50 Mk. Geldstrafe und 8 Monaten Gefängnis uerurteilt. Wie uns die „Leipz. Uhrm.-Ztg." mitteilt, hatte Grupp auf seinem Rad aanz Deutschland durchzogen, um sogen. Goldin-Uhren (schwach vergoldete Messinggehäuse mit allerbilligsten Werken) für echt goldene Uhren zu oerfaufen, was ihm oft genug geglückt zu sein scheint. Durch die Aufnierksamkeit zweier Schweinfurter Polizeibeamten wurde der Schwindler dingfest gemacht und ist jetzt, für einige Zett auger stände, seinen gemeingefährlichen Seruf auszuüben. Der ^all lehrt aber, daß das Publikum gegen die Angebote von reisenden Uhren- händlern nicht vorsichtig genug fein kann, denn in der Regel haben es dieselben nur auf Täuschung abgesehen. Da daS Hausieren mtt Taschenuhren nach § 56 der Gewerbeordnung verboten ist, so kann übrigens jedermann solche Händler sofort zur Anzeige bringen.___
noch auSübcn konnte. Der Präsident dcS oberhessischen Obst- Vereins, Graf Oriola, hatte aus Berlin telegraphisch Glück- wünsche gesandt. Professor Dr. Völsing rühmte die ^ähig- keiteii des Jubilars als Lehrer und Obstbautechniker. Wiesner wünschte namens der Kollegen, daß dem „Vater" Metz der angeborene, beneidenswerte, gute Humor neben seinem zufriedenen Sinne bis ans Lebensende erhalten bleiben möge. Ter Gefeierte dankte gerührt für die ihm von alleu 'Seiten zu Teil gewordenen Glückwünsche und Ehriingen und entwarf mit launigen Worten in gedrängter Kürze ein Bild eines bisherigen Lebens unb Wirkens. Mögen ihm in Gesundheit und Lebensfreudigkeit noch viele Jahre beschieden sein! —
§ Ober-Hörgcro, 12. Dez. Unser neuer Bürgermeister Holler ist gestern auf dem hiesigen Rathause durch das Kreisamt Gießen verpflichtet und in seinen Dienst eingewiesen worden.
x Michelbach b. Schotten, 12. Tez. Vor einigen Wochen wurde an Stelle des langjährigen Bürgermeisters Wagner, der im Jahre 1899 sein 50 jähriges Dienstjublläum feierte, der Beigeordnete Konrad Schäfer XL zum Ortsoberhaupt gewählt. Eine Ehrung wurde nun unserem Bürgermeisterveteran dadurch bereitet, daß er mit der Weiterführung des Ortsgerichtes und Standesamtes betraut rvurde.
'+ Vom oberen Vogelsberge, 12. Dez. Die Vorarbeiten an der Nebenbahnstrecke Grebenhain — Gedern haben begonnen. Drei Ingenieure nehmen gegenwärtig Vermessungen zwischen Grebenhain und Hartmannshain vor, während andere von Gedern aus Vermessungen vornehmen. Bis Mai n. Js. hofft man diese Arbeiten fertiggestellt zu haben, sodaß die Bauarbeiten im Juni ihren Anfang nehmen könnten.
Darmstadt, 12. Tez. Im O rt s g e w e rb v e r e i n nach! gestern Ingenieur Markwort über das Thema der Errichtung eines Volks- und Schwimmbades in Darmstadt vor sehr zahlreicher Zuhörerschaft. Ter Redner machte an der Hand von Plänen und Tabellen nach einer historischen Einleitung auf die hauptsächlichsten Einrichtungen aufmerksam, die ein solches Bad, wenn es chen modernen Anforderungen entsprechen und seine Aufgabe er- üllen solle, haben müsse. Für Darmstadt sei unter allen Umständen ein Schwimmbad von mindestens 160 Quadratmeter Größe notwendig, daneben Wannen-, Brause- und Luftbäder. Als Vorbild könne man das Gießener Volks bad nehmen, das alles auch hier Wünschenswerte enthalte. Grundsatz müsse sein: billige Bäder, aber nicht Freibäder. Als ungefähren Preisansatz schlug er vor: für ein Schwimmbad 40 Pfg., für Kinder 25 Pfg., für einWannen- bad 1. Klasse 80 Pfg., 2. Klasse 50 Pfg., ein Brausebad 10 bis 15 Pfg., für ein Luft- oder Dampfbad 1,50—2 Mk. Nach einer eingehenden Beschreibung der Gießener Badeanstalt entstand über den Gegenstand eine lebhafte Diskussion, worin sich alle Redner für die baldige Errichtung eines Schwimmbades in Darmstadt aussprachen.
Darmstadt, 12. Tez. Gestern wurde vom Schwur- g e r icht gegen den 50 jährigen, von Friedrich shütte, Kreis Schotten, gebürtigen, verheirateten, bisherigen Stationsvorsteher Friedrich Seitz wegen Verbrechens im Amt nach §§ 350, 351 St.-G.-B. verhandelt- Seitz hpt den Feldzug gegen Frankreich mitgemacht, steht seit 1872 im Eisen- bahndienst, war zwanzig Jahre lang Staionsvorsteher in Großen-Lüder und wurde 1897 als Stationsvorsteher des Lokalbahnhofs nach Offenbach versetzt. Er besitzt vier teilweise erwachsene Kinder und fein Vermögen, so daß er sich in keinen günstigen Verhältnissen befand, und hie Versetzung nach der teureren Stadt für ihn nicht vorteilhaft war. Neben freier Dienstwohnung bezog er ein Gehalt von 2800 Mark, kam aber damit nicht aus, und geriet in Schulden. Zur Deckung derselben lieh er im letzten Frühjahr von einem ihm unterstellten Weichenwärter erst 500 Mark, dann 1000 Mark. • Auffallend ist der Umstand, daß er das letzte Darlehen unmittelbar vor einer Revision aufnahm, damals in großer Erregung war, und das Geld am Abend (nach Beendigung der Revision) zurückzugeben versprach, was bis jetzt nicht geschehen ist. Wegen dieses dienstwidrigen Verhaltens, sowie wegen andrer kleinerer Verstöße ist er disziplinarisch, sonst nicht vorbestraft. Im August d. I. als er wiederum in Geldverlegenheit war, eignete er sich aus seiner Dienstkasse 30 Mark, sowie im Oktober 410 Mark an, und verdeckte beide Unterschlagungen,
indem er Abschlagslohnliften fälschte. Die Stationsarbeiter erhielten ihren Lohn monatlich, es können ihnen jedoch auf Ansuchen nach dem jeweiligen 15. des Monats Vorschüsse bis zur Hälfte ihres Lohnes bezahlt werden. Die erwähnten Listen sind hierüber vom Stationsvorsteher zu führen. Seitz benutzte dies, indem er zur Ausgleichung des De- ekts teils den Vorschußbetrag nach Quittung durch die Empfänger selbst höher einsetzte, oder die Zahl rundete, teils gar nicht bezahlte Vorschüsse einstellte und die Quittung fälschte. Einen weiteren Betrag von 100 Mk. unterschlug er gleichfalls im Oktobor ohne Fälschung. Durch seine mißlichen Verhältnisse sehr nervös und auch Alkoholiker, geriet er am 29. Oktober durch häusliche und dienstliche Unannehmlichkeiten so in Aufregung, daß er unter Mitnahme weiterer 100 Mark Dienstgelder vormittags seine Stelle verließ, und sich bis zum nächsten Tag in Frankfurt in Wirtschaften umhertrieb. Dieses Verschwinden veranlaßte eine Kassenrevision. Die beiden letzten Unterschlagungen wurden ermittelt und nachträglich ergaben sich auch die anderen. S., der anscheinend auftichtige Reue zeigt, hat die veruntreute Summe ersetzt. Er befand sich seit Ende v. Mts. in Untersuchungshaft. Im Plaidoyer sprach man beiderseitig für mildernde Umstände, die auch zugebilligt wurden. Das von S. anerkannte Urteil lautete, wie wir gestern mitteilten, auf 10 Monate Gefängnis.
Frankfurt a. M., 12. Dezember. An die Obertertia der Musterschule in Frankfurt a. M- hat der gefangene Oberst Schiel aus Helena folgenden Brief vom 2. November gerichtet: „Na, Jungens, Ihr habt mitein en schönen Streich gespielt, daß Ihr die Geschichte mit den Federhaltern in die Zeitung gebracht habt, denn ich habe, ich weiß nicht wie viel Hunderte Anfragen für Federhalter bekommen, sogar aus Oesterreich, Ungarn und Rußland und wie wird's erst werden, wenn die aus Amerika auch noch kommen. Der Zensor hat mir heute gesagt, er wird sie jetzt alle gleich in den Papierkorb werfen, denn es wären zu viele, ich müßte son»st einen Zensor für mich ganz allein haben. Es thut mir ja furchtbar leid, daß ich nichl allen Jungens und kleinen Mädchen im großen Deutschen Reich eine Freude mit Federhaltern von Napoleons Grab bereiten kann, aber so viele Gräber hat Napoleon ja gar nicht, auch würde das Holz auf der Insel kaum au3reid)cn. Ihr müßt mir nun aber auch aus der Patsche helfen und der Primus muß in der Zeitung mein Bedauern ausdrücken, daß ich die vielen Wünsche gar nicht erfüllen kann. £$ .sehe. au3 einem Zeitungsausschnitt
Jeder Witterungsnmschlag bei denjenigen fühlbar, bei welchen sich eine Erkältung in Form von Husten, Heiserkeit, Bronchialkatarrh äußert. Lindernde Mittel sollten sofort angewendet werden, als welche die aus den Satten der Stomg Witt heims Felsenquelle hergestellien Emser Pastillen mtt Plombe sich vorzüglich bewährt haben. Erhältlich sind die echten Emser Pastillen mit Plombe in den meisten Apotheken und Drogerien.
Kunst und Wissenschaft
Berlin, 6. Dez. Alle Leute, denen „der Gang zum Zahn- arzt" gleich nach dem Gange zum Schaffot kommt, werden un§ dankbar sein, daß wir der „Nordd. Allg. Ztg." die folgende Mitteilung nachdrucken: Ein zahnärztlicher Preis, den Dr. Herbst- Bremen schon vor 6 Jahren ausgesetzt hatte, ist jetzt zur Verteilung gelangt. Es handelte sich um Ausfindigmachung eines Mittels, hohle Zähne zwecks Plombierung schmerzlos auszu- bohren. Privatdozent Dr. Walkhoff-München erhielt 500 M. für theoretische Forschungen, Zahnarzt Bauchwitz-Stettin 300 Mk. für die Ersindung des Mittels und der Apparate, Zahnarzt Barbe- Halle 150 Mk., Zahnarzt Hwschbruch-Berlin 100 Mk. Herr Bauchwitz hat über feine Erfindung in der Berliner zahnärztlichen Gesellschaft einen Vortrag gehalten, der auch für weitere Kreise Interesse hat. Der Vortragende zeigte einen von ihm erfundenen Apparat zur Erwärmung von Kohlensäure in Verbindung mit Medikamenten, und erbrachte am PatieMen den Beweis, daß ein schmerzloses Ausbohren der Zähne nach der von ihm angegebenen Methode möglich sei. Der Vortragende gab dann theoretisch Auskunft darüber, rote man auf Gruird der Kenntnisse von dem Inhalt der Zahnkanälchen die Wirkung der erwärmten Kohlensäure und der ihr beigemischten Medikamente erklären könne.
— Hausschatz älterer Kunst. Dieses Werk, das die Gesellschaft für vervielfältigende Kunst in Wien üt Lieferungen herauszugeben beginnt, führt nicht mit Unrecht den Namen eines tzausschahes, denn es verspricht nicht nur durch den ungewöhnlich billigen Preis volkstümlich zu werden, sondern auch durch die Vornehmheit des Gebotenen. Während sonst alle solche Veröffentlichungen von Wiedergaben nach alten Kunstwecken ausschließlich das mechanische Verfahren anwenden, bringen uns die hier vorliegenden Blätter von Künstlerhand hergestellte Stiche und Radierungen nach Gemälden berühmter alter Meister. Ter „Hausschatz älterer Kunst" zeichnet sich auch vor anderen-ähnlichen Publikationen dadurch aus, daß bei der Auswahl hauptsächlich weniger bekannte, aber wertvolle Schöpfungen berücksichtigt werden sollen, die sich teils in öffentlichen, aber kaum beachteten Sammlungen, teils im Besitze einzelner Liebhaber befinben, wo sie für das große Publikum so gut wie verloren und vergessen sind. Die größten 9)la(er der Vergangenheit, wie Corregio, Van Dyck, Hals, Murillo, Raffael, Rembrandt, Rubens, Teniers, Tiepolo und Vermeer, sollen durch hervorragende Wecke vertreten sein. Für den künstlerischen Wert der Nachbildungen bürgen die 9lamen der Stecher und Ra- direr, von denen man mit vollem Rechte sagen kann, daß sie die höchste Blüte der reproduzierenden Künste in Deutschland und Oesterreich bezeichnen: es sind dies, um vorerst nur einige zu nennen, Hecht, Kühn, Unger und Wörnle. Die Gesellschaft für ver- Vielfältigende Kunst verspricht eine sorgfältige Auswahl der vorzüglichsten und interessantesten Blätter zu bieten. Der „Hausschatz allerer Kunst" wird in zwanzig monatlichen Lieferungen, in stattlichem Folioformat, — jede mit 5 Blatt Radierungen — zum Preise von nur 3 Mk. für die Lieferung erscheinen. Das soeben ausgegebene erste Heft enthält: Brouw er, „Singende Bauern", Hobbenia, „Am Weiher", Rembrandt, „Kops eines Greises , Rubens, „Ajax und C^ssandra", S. de Vl: eger, „Tas Schlößchen an der Maas". .
•* Das Potsdamer grosse Militär-WaisenhauS. lieber die Verleihung der Wohlthaten des Potsdamschcn großen Militär- WaisenhauseS sind gegenwärtig die nachstehenden Bestimmungen maßgebend:
I. Tie Stiftung gewährt ben Kindern verstorbener Soldaten*) vom Feldwebel abivärts 1. Aufnahme in die Erziehungsanstalten Potsdam (evangelische Knaben-, Pretsch (evangelische Mädchen), Haus Nazareth zu Höxter (katholische Knaben und Mädchen), 2. soweit eine solche Ausnahme nicht statlsinden kann, Pflegegeld von jährlich 90 Mark oder für Doppelwaisen von 108 Mark. 11. Anspruch auf diese Wohlthalen haben die Waisen im Fall der Bedürftigkeit, meim der Vater im Preußischen oder in einem unter Preußischer Verwaltung sieheiiden HeeresköntUigent zurzeit der Geburt des Kindes aktiv diente oder während dieses Militärdienstes oder an den Folgen einer Kriegsbeschädigimg gestorben ist. Dem Dienst im Preußischen Heere ist zurzeit deriemge in der Kaiserlichen Marine gleichgestellt. UI. Ausnahme in die Erziehungsanstalten kann auch solchen Waisen bewilligt werden, deren Vater einen Feldzug mitgemacht hat oder irach Erfüllung der gesetzlichen Dienstpflicht längere Zeit weiter gedieiit hat oder als invalide anerkannt ist. 1V. Die Wohlthaten werden bis 511111 15. Lebensjahre des Kindes gewährt, und zwar das Pflegegeld vom 'Monat der Äiuneldimg an. Die Au'nahme in die Anstalten findet zwischen dem 6. und 12. Lebensjahr des Kindes zu Ostern und Michaelis, in die Anstatt zu Pretsch nur zu Ostern statt. V. Die Aufnahme tu die Anstalten hat voni 1. des der Aufnahme folgenden Monats ab bis zum Ablauf des Entlasiungsmonats die Abführung des gesetzlichen Waisen- und des aus dem Reichs-Jiwalidensonds und dem Kaiserlichen Tis- positionssonds bewilligten Erziehungsgeldes zur Haupt-Militar- waisenhauskasse zur Folge. Vi. Gewährung von Pflegegeld wird durch Waisen- mtd Erziehungsgeld (V.) ausgeschlossen. Neben dem auf gründ des Reichsgesetzes vom 13. Ium 1865, betr.jDie Fürsorge für die Witwen und Waisen der Personen des Soldaten- ftandes des Reichsheeres und der Kaiserlichen Marine voin Feldwebel abwärts, zuständigen Waisengeldes kann jedoch em Teil des Pflegegeldes bis zur Erreichung der Beträge von 90 und 108 Mk. (12) bewilligt werden. VH. Die Bewerbung um die Wohlthaten ist an das Direktorium deS Potsdamschen großen Militär-Waisen- hauses in Berlin (Wilhelmstraße 82/85) zu richten. Dem Gesuche sind beizufügen: 1) die Militärzeugnisse des Vaters, 2) bic Sterbe- urkunde des Vaters und bei Doppelwaisen auch der s)Jluttcr, sowie die Geburtsurkunde des KindeS, 3) eine amtliche Bescheinigung der Bedürftigkeit, 4) ein amtlicher Ausweis über das zuständige Waijen- — oder Erziehungs- — Geld.
* ) Ausnahmsweise auch den Kindern ehemaliger Soldaten, welche völlig erwerbsunfähig sind.
*♦ Ernennungen. Der Gvoßherzog hat den Michael Müller aus Richen zum Wärter bei dem Arbeitshaus in Dieburg, den Regierungsbaumeister Barth aus Neu- stttdt i. O. mit Wirkung vom 1. Dezember an zum Eisen- bahn-Bau- und Betriebsinspektor in der Hessisch-Preußischen Eisenbahngemeinschaft, die Expeditionsgehilsen Fe ick und Werner, beide aus Darmstapt, zu Stationsassistenten bei der Main-Neckar-Eisenbahn mit Wirkung vom 1. Jan- 1902 an und die Hilfsheizer bei der Main-Neckar-Eifenbahn Gun der aus Darmstadt uwd Schneider aus Darmstadt zu Heizern bei dieser Bahn ernannt.
* * Versetzung. Der Hauptsteueramtsassistent in Bingen Griesheimer wurde in gleicher Diensteigen- schaft an das Hauptsteueramt ZNainz versetzt.
** Der landwirtschaftliche Provinzialverein der Provinz Oberhessen hält am Donnerstag, den 19. Dezember ds- Js., nachmittags 3 Uhr, im Hotel „Zum Prinzen Karl" in Gießen eine Ausschußsitzung ab. Gegenstände der Verhandlung werden sein: 1- Mitgliederaufnahme; 2. Errichtung von Jungviehweiden in den Kreisen Alsfeld und Lauterbach, hier Genehmigung der Voranschläge; 3. Errichtung eines Viehversicherungsfonds für die Stationsbullen und Weidetiere; Entwurf eines Planes liegt bei; 4. Geschäftliches-
** Tie Tegernseer kommen. L. Köhler's oberbayerisches Bauernkomödien-Ensernble, das einen Weltruf genießt, beginnt, wie wir bereits rnitteilten, am 19. d. M. im Stadt- theater ein vierabendliches Gastspiel. Bei den Darbietungen dieser Raturspieler tritt uns ein ganzes Stück obcrbayerischen Bauernlebens in feiner Urwüchsigkeit und Originalität entgegen, es ist Fleisch von ihrem Fleisch und Blut von ihrem Blut, was sich bei diesen Leuten und ihren Stücken präsentiert. Was die Tegernseer spielen, sind sie selbst —. sei es Bauer, Sennerin, Magd, Jäger, Wilderer oder irgend ein Darsteller aus der freien Gottesnatur, oder aus dem alltäglichen Leben — und so spielen, singen und schuhplatteln diese Ratur- .spieler, daß jedem das Herz vor Freuden schlägt, und Heller Beifall und Jubel der Zuschauer ertönt, wenn sie die „Tegernseer" gesehen und gehört haben. Wir zweifeln nicht, daß das Gastspiel ungewöhnliche Zugkraft ausüben wird. Freilich wünschten wir unseren gewöhnlichen, gastlosen Theaterabenden auch reicheren Besuch.
** Alldeutscher Verband, Ortsgruppe Gießen. Die hiesige Ortsgruppe des Alldeutschen Verbandes hat für heute, Freitag abend, im oberen Saale des Cafe Ebel eine Versammlung einberusen, in der Amtsrichter Phil. B0nh ar d aus Worms einen Vortrag über Wahlbeteiligung, Wahlpflicht und Wahlkartell halten wird. Der Redner isst der Verfasser der von uns s. Z. besprochenen Broschüre: „Was lehren uns die Ergebnisse der Reichstagswahlen?" In seinem Vortrage wird er sich über die wichtigsten Ergebnisse seiner interessanten wahl- statistischen Untersuchungen aussprechen.


