Ausgabe 
14.11.1901 Zweites Blatt
 
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befürchten seine Angehörigen, daß ein Verbrechen be­gangen worden sei.

** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Bei der Sektion des Sandmanns Becker von Mönstadt wurde festgestellt, daß der unglückliche Stoß des jungen Seligmann, wovon wir s. Z. berichteten, die Todesursache ist. Doch soll Becker an Herzfehler gelitten haben. Hauptrngnn von Bothmer vom Großh. Hess. Jnf.-Regt. in Darm­stadt ist am Dienstag unerwartet schnell gestorben. Bei der Stadtverordnetenwahl in Biedenkopf haben nur freisinnige Wähler abgestimmt. Die Konservativen haben -nicht eine Stimme erhalten.

Vermischtes.

* Neber die Entstehun g des tragischen Vor­falles in Insterburg, der das Duell veranlaßte, in dem Leutnant Blaskowitz tödlich verwundet wurde, wird derTägl. R." von durchaus zuverlässiger Seite ge­meldet, daß sich die Angelegenheit doch etwas anders zugetragen hätte, als bisher geschildert wurde. Leutnant Blaskowitz hat das Lokal, in dem er mit seinen Kameraden die Abschiedsbowle trank, ohne besondere Zeichen der Trunkenheit verlassen, dann aber ein anderes Lokal besucht und dort Grog getrunken. Dies mag ihn erst trunken

gemacht haben. Die Hauptsache aber ist, daß Leutnant Blas- ll>witz die um ihn bemühenden drei Herren, nicht zwei, deutlich erkannt und mit Namen genannt, zwei von ihnen aber mit voller Kraft ins Gesicht geschlagen hat. Von innloser Trunkenheit kann also keine Rede sein. Er hat , ich am nächsten Morgen allerdings nur dunkel des Vor- ^falles erinnert, was aber nicht beweist, daß er in jenen verhängnisvollen Momenten sinnlos war. (So lautet die derTägl. Rundschau" zugegangene Information. Es ist bedauerlich, daß in diesem Falle eine authentische Darstellung ausbleibt. D. Red.) Es verdient noch bekannt gegeben zu werden, daß einer der Duellgegner des Leutnants Blaskowitz, Oberleutnant Hildebrand, um seine Versetzung in ein anderes Regiment eingekommen ist.

Mlioersltüts-Nachrichtell.

DemVorwärts" wird von durchaus zuverlässiger Seite aus Straßburg geschrieben, einige Tage vor dem Termin der ersten Straßburger Spahn- Vorlesung sei beim derzeitigen Rektor Der Universität, Prof. Spitta, ein Herr aus der nächsten Umgebung des Statthalters erschienen, besten Mission es offenbar gewesen sei, die Unioersitätsbehörde in unverbindlicher Form aus die Not- «wendigkeü von Vorbeugungsmaßregeln gegen etwaige feindliche Kundgebungen der Studentenschaft in der Spahn'schen Antritts­vorlesung hinzuweisen. Der Rektor habe dem Unberufenen jedoch in durchaus unzweideutiger Weise zu verstehen gegeben, daß er sich jede fremde Einmischung in seine Amtsführung auf das entschiedenste /verbitte und sich durch niemand und nichts zu Maßregeln bestimmen laste, die mit der Würde des von ihm vertretenen Instituts unver- 1 einbar seien. Daraufhin habe sich genannter Herr schleunigst empfohlen und sei nicht wiedergekommen.

In Potsdam ist der Vorsteher des meteorologisch­magnetischen Observatoriums, Prof. Eschenhagen, gestorben.

Eine neue Doktorin der Berliner Universität. Bei der ^philosophischen Fakultät in Berlin ist durch den Dekan Profestor Stumpf wieder die Promotion eines weiblichen Doktors feierlich 'vollzogen worden. Die junge Dame ist eine Amerikanerin Miß Mary Williams Montgomery. In ihrer Dissertation veröffentlicht Fräulein Montgomery in Umschrift und Uebersetzung allbabylonische - Schriftdenkmäler, die von Thontafeln des britischen Museums stammen; es sind Briese aus der Zeit des babylonischen Königs Hammurabi (etwa 2250 v. Ehr.). Die neue Berliner Doktorin, die auf ihrem Diplom das Prädikat cam laado (mit Anerkennung) er­hielt, ist 1874 zu Marasch in der Türkei von amerikanischen Eltern geboren. Schon als Kind kam sie nach Amerika und erhielt dort rhte Ausbildung.

Ubeitertrewegmlg.

Lüttich, 12. Nov. Der Streik im Lütticher Kohlenbecken ,hat seit gestern noch an Ausdehnung zugenommen. Etwa 200 Streikende hatten sich in der Nähe eines Schachtes aufgestellt, um 'die Arbeitswilligen an der Einfahrt zu verhindern. Eine Abteilung Gendarmerie, welche die Ai enge zerstreuen wollte, wurde mit Stein­würfen empfangen. Schließlich gelang es der Gendarmerie, zehn (Verhaftungen vorzunehmen.

GLrschlüsMl.

Könitz (Westpr.), 12. Nov. Der Synagogen-Brand- fft i f t u n g beschuldigt, stand gestern der Arbeiter Daehnert vor dem Schwurgericht; er wurde freiges p r o ch e n. Ein Zeuge, der Barbiergehilfe Giede, bekundete, Daehnert habe ihm vor dem Brande ein Benzinfläschchen entrissen und sei in der Richtung der Synagoge gegangen, indem er erklärte, den Tempel anzünden zu /wollen. Gieoe blieb unvereidigt, weil er der Teilnahme verdächtig ist. Er behauptete, Daehnert bestimmt wiederzuerkennen. Der Staatsanwalt hatte das Schuldig beantragt.

Handel und Merkest. Uölkswülschäft.

** Gewcrkerrverfammlung der Gewerkschaft Gießener Braunsteinwerke, vorm. Feruie. In der gestern hier imGroß- iherzog von Hessen" unter Vorsitz des Oberbergrats Tecklenburg- Darmstadt abgehaltenen Gewerkenversammlung der Gewerkschaft 'Fernie waren von den 598 in Zirkulation befindlichen Kuren 570 ver­treten. Außerdem war für die 402 noch aus Namen des Dr. Pfahl ^stehenden Kuxe Kommerzienrat Hertzfeld-Hamwver erschienen und beanspruchte Stimmrecht. Rechtsanwalt Grünewald-Gießen erhob gegen die Zulassung dieser 402 Kuxe, die der Gewerkschaft und «nicht Dr. Pfahl gehörten, auch wenn dieser noch formell als Eigen- itümer derselben eingetragen sei, Protest für die von ihm selbst ver­tretenen 50 Kure und weitere 350 Kuxe. Kommerzienrat Hertzfeld lief hierauf {einen Anspruch fallen, sodaß 570 Kuxen stimmberechtigt erschienen. Justizrat Dr. Gutfleisch beantragte hierauf namens des von ihm vertretenen Direktors Pascoe, daß nur ein provisorischer Grubenvorstand, bestehend aus Geh. Bergrat Riemann, der erschienen war, Direktor Pascoe und Rechtsanwalt Grünewald gewählt werden möge, der die Aufgabe habe, das Abkommen des Herrn Fernie imit der Gewerkschaft, über dessen Inhalt er im wesentlichen mit Rechtsanwalt Grünewald einig sei, formell zum Abschluß zu bringen. Erst eine demnächstige Gewerkenversammlung solle einen definitiven Grubenvorstand wählen. Grünewald wiedersprach diesem Borschlage und setzte eingeheno auseinander, daß es nötig sei, den Wahlagitationen cm Ende zu machen und daß die Reformen in Betrieb und Verwaltung dnrchgesührt werden, die nur ein Gruben- vorstand in die Wege leiten könne, der aus in der Sache einge- weihten, thatkrästigen Leuten bestehe; das Interesse an der Ord­nung der Verhältnisse der Gewerkschaft und an ihrer Entwickelung müsse allen andern Rücksichten vorgehen, persönliche Wünsche dürften nicht maßgebend sein. Ein Antrag des Landesrat Schmidt auf Vertagung wurde abgelehnt, und ebenso der 'Antrag Gutfleisch mit <rüen gegen 6 Stimmen. Hierauf wurde zur Wahl des Grubenvorstandes Gewählt wurden Rechtsanwalt Grünewald mit 555, Albert Zobel mit 551, Heinrich Ref-Frantfurt a. M. mit 390 und Landesrat chmld t-Düff eldorf mit 345 Stimmen. Als 5. Mit­

glied gehört dem Grubenvorstand als Delegierter des Hauses Oppenheim Direktor Pascoe an. Der Vorstand konstituierte sich zum Vorsitzenden Rechtsanwalt Grünewald, als Stellvertreter A. Zobel, beide in Gießen wohnhaft. Der Vor- Mende Rechtsanwall Grünewald sprach zum Schluß namens der Gewerkschaft dem Cbcrbcrgrat Tecklenburg für dessen umsichtige und m liebenswürdigen Sonnen betätigte Leitung der Versamm­lung Anerkennung und Dank aus.

Bereits in der gestrigen Gewerkenversammlung der Gewerk­schaft Gießener Braunsteinbergwerke fand starke Nachfrage nach den Kuxen der Gewerkschaft statt. Grund hierfür gab der Obsieg der in der Gewerkschaft bestehenden, auf Reformierung des Betriebes und der Verwaltung bestrebten Richtung. Die Nachfrage ist nach Auskunft des Bankhauses I. Grünewald in Gießen zu einem um 300 Mk. höheren Cours als seicher vorhanden, ohne daß Material zur Verfügung stände.

Frankfurt a. M., 12. Nov. Zwischen der Stadt Offenbach und dem Eijenbahnkonsortium Darmstädter Bank-Bachstein wurde lt.Frkf.Ztg." eine Verständigung erzielt, wonach die Stadt Offen­bach die projektierten städtischen Straßenbahnlinien innerhalb des Stadtgebietes und das Konsortium die Vorortbahn Offenbach IsenburgSprendlingenLangen herstellt. Die Konzession geht an die Süddeutsche Eisenbahn-Gesellschaft über.

Kassel, 12. Nov. Die Stadt Kaffel erhielt die Genehmigung zur Ausgabe von 15y8 Millionen neuer Stadtanleihe, verzinslich mit 3Vz oder 4 Prozent.

"Drüskästen öer Redaktion.

(Anonyme Anfrage» bleiben unberücksichtigt.)

B. Solange feine authentischen, jeden Zweifel ausschließende offizielle Nachrichten über diese unser ganzes Land event.^sehr ernst berührende Angelegenheit von amtlicher Darmstädter Seite aus vorliegen, halten wir es für nicht geboten, bloßen Gerüchten das, Wort zu geben. Private Dinge taktlos an die Oeffentlichkeit zu zerren, ist nicht unsere Art.__________________________________________

Neueste Meldungen.

Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers.

d. Darmstadt, 13. Nov. Der Großherzog und Prinz Heinrich von Preußen haben sich heute morgen zur Sau- jagd in den Park begeben. Heute Nachmittag 4 Uhr 23 Min. wird Prinz Heinrich über Frankfurt, wo er kurzen Aufenthalt nimmt, nach Potsdam zurücktehren.

Frankfurt a. M., 13. Nov. Die Strafkammer erkannte heute gegen den verantwortlichen Redakteur derVolksstimme" Dr. Quarck wegen Beleidigung des ostafiatischeu Expeditions­korps auf 3 Wochen Gefängnis. Bebel wurde von der An­klage der Zeugenverweigerung freigesprochen.

Berlin, 13. Nov. Wie dasTagbl." meldet, ist mit Sicherheit anzunchmen, daß dem Reichstag ein Gesetzentwurf zu- gehen wird, durch den die vielbeklagten Mißstände bezüglich des fliegenden Gerichtsstandes der Preffe beseitigt werden. Die be­züglichen Verhandlungen zwischen den verbündeten Regierungen gingen dem Abschluß entgegen.

Berlin, 13. Nov. Der Kaiser empfing heute Nach­mittag den preußischen Gesandten in Darmstadt v. Hohenlohe- Oehringen.

Staßfurt, 13. November. Es ist definitiv fcstgestellt, dah nur noch 13 Lente unter den Trümmern zu suchen sind. Drei, die vermißt wurden, haben sich inzwischen wieder ein­gefunden. In der letzten Nacht wurde niemand gefunden.

Hamburg, 13. Nov. Nach hier eingetroffeuen Privat­nachrichten aus Südafrika wird englischerfeits zur Entschuldigung der Verhängung des Kriegsrechts in der Kapkolouie die Thai- fache angeführt, daß 7z8 der Bevölkerung der Kapkolonie sich in vollem Aufruhr befinden.

Stuttgart, 13. Nov. Der Verwaltuugsgerichtshof hat die Beschwerde des früheren Reichstagsabg. Frhrn. v. Münch wegen seiner von der Regierung beschloffeneu Einweisung in eine Jrrenanweisung abgewicsen und ihn zur Tragung der Kosten und Zahlung einet Summe von 400 Mk. verurteilt. In der Begründung des Urteils wird ausgcfiihrt, daß v. Münch auch in der 14iägigen Verhandlung des Vcrwaltnngsgerichtshofs den Ein­druck eines geistig kranken Mannes gemacht habe.

Kopenhagen, 13. November. Der norwegische Storthing hat beschloßen, eine Hilfsexpedition nach Spitzbergen abzusenden, um die v ersch o llen en Ei sm e e rf ah rer auf- znsuchen. Hierzu soll der DampferFrithjof" benutzt werden, der 12 Mann Besatzung erhält. Die Kosten werden auf 40000 Kronen veranschlagt-

London, 13. Nov. Die Morgenblätter melden: Der nach Calais gehende PostdampferNord" übersegelte an der Ausfahrt aus Dover ein Feuerschiff und brachte es zum Sinken. Die 16 Maun zählende Besatzung des Feuerschiffes ist ertrunken.

London, 13. Nov. Der deutsche Kaiser übersandte dem König Eduard als Geburtstagsgeschenk ein Tafelservice.

Paris, 13. Nov. Der sozialistische Deputierte Basly, Bürgermeister vrn Lens, hat sich geweigert, eine Ankündigung des Kriegsmiuisters anschlagen zu laffen, wonach die nach den Bergwerken entsandten Truppen das Recht haben, Quartiere zu requirieren.

Paris, 13. Nov. Im hiesigen Frauengefängnis be­findet sich z. Z. die Gattin eines hundertfachen ameri­kanischen Millionärs. Sie ist der e genmächtigeu Entfernung gepfändeter Gegenstände angeklagt. Tie Verhaftung erfolgte auf Veranlasiung eines der bedeutendsten Pariser Damenschneider.

Algier, 13. Nov. Hier fand eine Versammlung von 200 Winzern und Weinbauern statt, die im Hinblick auf die herrschende Wembankrisis die Forderung aufstellten, daß für Wechsel­zahlungen Fristverlängerungen und Vorschüße an die Ansiedler unter Bürgschaft der Gemeinden und Departements gewährt werden mögen.

Berlin, 13. Nov. lieber den Verlauf der geftrigen Bundesratssitzung wurden folgende Einzelheiten mitgeteilt: Den Vorsitz führte Graf Posadowsky. Die Sitzung, zu der die Bevollmächtigten der sämtlichen deutschen Regierungen persönlich erschienen waren, dauerte drei Stunden. Die Debatte betraf hauptsächlich die Mindest­zölle und den § 12 des Zolltarifgesetzes, welcher die Wahl des Zeitpunktes für das Inkrafttreten des Zolltarifgesetzes und des Zolltarifs einer mit Zustimmung des Bundesrats zu erlassenden kaiserlichen Verordnung überläßt. Beide Punkte blieben entsprechend den Anträgen der Ausschüsse unverändert bestehen. Mehrere Staaten stimmten gegen die gesetzliche Festlegung der Mindcstzölle für die Hauptgetreidearten. Seitens dieser und anderer Staaten wurden Erklärungen abgegeben, nach denen die von chnen gestellten aber schon von den Ausschüssen abgelehnten Anträge auch im Plenum des Bundesrats keine Annahme gefunden hätten. Der Entwurf im ganzen gelangte mit einer an Einstimmigkeit grenzenden Ma­jorität zur Annahme. Man nimmt jetzt an, daß der Zolltarif dem Reichstage bei Wiederaufnahme seiner Sitzungen am 26. November vorgelegt werden wird, die Begründung der Vorlage dagegen dürste dem Reichstage erst später zugehen.

Hannover, 13. Nov. Im Tivoli-Saale fand eine Protest-Versammlung gegen die bekannten Chamber­lain' schen Aeußerungen statt, an welcher Rektor und Pro­fessoren der technischen Hochsck^le teilncchmen. E? ' ab­

langte eine Resolution zur Annahme, in welcher die Be­leidigungen des englischen Kolonialministers in scharfen Worten zurückaewiesen wurden.

Königsberg i. Pr., 13. ,Nov. Hier r,r leichtes Schneetreiben eingetreten.

Breslau, 13. Nov. Eine Versammlung der Srw dentenschaft nahm nach Ansprachen der Professoren Felix Dahn, Schulte, Kaufmann und Koch einstimmig eine Protest- Resolution gegen die Aeußerungen Cham b er la ins über die Kriegführung des deutschen Heeres im Jahre 1870/71 an. Zahlreiche Professoren und Dozenten wohnten der Ber« sammlung bei.

F r ei b u r g i. B., 12. Nov. Während des letzten Krieges mit Frankreich hat sich bekanntlich am Oberrhein das Fehlen eines festen Platzes recht fühlbar gemacht. Es sind von militärischer Seite in verschiedenen Orten des badischen Oberlandes Feststellungen darüber gemacht wor- den, welcher Platz sich hierzu am besten eigne. Nun soll Müllheim hierzu wohl mit Rücksicht auf seine günstige militärische Lage und Eisenbahnverbindung mit dem Reichs­lande als besonders geeignet befunden worden sein.

London, 13. Nov. DieTimes'" erhält von ihrem Korrespondenten in Peking folgende Meldung: Im Jangtse- thale ist alles ruhig. In China treten allmählich wieder normale Zustände ein. Die Regierung ist indessen systematisch bestrebt, die Bestimmungen des Friedens-Protokolls zu überschreiten, insbesondere das Kapitel der Bestrafungen. Das Verbot, Waffen in China anzufertigen, hat zur Folge gehabt, daß alle Arsenale im Pangtsethale ohne Unterlaß Waffen erzeugen. Die Entschädigungssummen, welche von den Mächten gefordert werden, lasten schwer auf der Provinz. Der Handel blüht jedoch auf. Die deutschen Dampfer versuchen den bestehenden Schiffahrts-Linien Kon­kurrenz zu machen, aber die Statistik weist nach, daß die Deutschen mit Verlust arbeiten und nur einen sehr geringen Teil ihrer Kosten herausschlagen. Der Ban der Eisenbahn Peking-Hankau geht rasch von statten, trotz der Verheerungen, welche die letzten Ueberschwemmungen angerichtet haben. Aus Kapstadt wird gemeldet: Vier Buren sind in Beausort-West und Colesberg verurteilt worden und zwar einer zu 10 Jahren Gefängnis und drei zum Tode. Indes wird nur einer hingerichtet wer­den, während die übrigen zu lebenslänglicher Zwangs­arbeit begnadigt worden sind. In Port Elisabeth sind zwei Pest fälle konstatiert worden.

London, 13. Nov. DerManchester Guardian" er­fährt: Der größte Teil der Buren beabsichtige, sich mit ihren Führern abteilungsweise zu ergeben (?). Wenigstens sei eine diesbezügliche Nachricht von Kitchener (!!) ein- getroffen, und man nimmt an, daß eine gewisse Anspielung Salisburys in seiner letzten Rede sich auf dieses Telegramm bezogen habe.

London, 13. Nov. König Eduard hat an seinem Geburtstage zahlreiche Glückwunsch-Telegramme erhallen. Hervorzuheben ist dasjenige des Königs von Italien, welcher dem Wunsche Ausdruck giebt, sobald als möglich mit dem König Eduard eine Begegnung zu haben.

London, 13. Nov. Die Ernennung des Grafen Wolfs Metternich zum Botschafter in London ist, wie zuverlässig verlautet, bereits erfolgt. Sie findet die Zu­stimmung derjenigen Kreise, die aufrichtig wünschen, daß die unter dem Grafen Hatzfeldt betriebene Politik der Ver­ständigung zwischen Deutschland und England erfolgreich fortgeführt werde.

London, 13. Nov. Die Verlu st list en führender schiedene kleine Gefechte auf, die anderweitig bisher noch nicht erwähnt waren. So fielen bei Tigersloos, in der dtähe von Harrismith, am 6. dLovember drei Engländer während ein englischer Offizier und zwei Mann verwundet wurden. 11 Mann werden vermißt. Man nimmt an, daß sie gefangen wurden. Desgleichen wurde am 6. November im Bezirk Willowmore O b e r st Do r a n schwer verwundet. Am 31. Oktober fielen bei Bovendam, zwischen Lambertsbay und Clanwilliam, drei britische Soldaten, während sechs verwundet wurden.

Paris, 13. dlov- Der Konstantinopeler Korrespondent desEcho de Paris" meldet: Ein höherer türkischer Be­amter habe ihm erklärt, die Türkei werde künftighin eine Politik der Annäherung an den Dreibund verfolgen. In diesem Sinne würden sofort Unterhand­lungen angeknüpft werden.

Wien, 13. Nov. Wie hier verlautet, wird sich Dr. Leyds von Berlin nach Wien begeben, um an hiesiges maßgebender Stelle wegen der Entsendung von Kriegs- Material und Pferden für die englische Armee in Süd- Ast ika zu protestieren.

Wien, 13. 9Lov. Professor Azamara am hiesigen Konservatorium ist im Alter von 72 Jahren geftorven.

Bozen, 13. Nov- Hier wurde eine Aktion eingeleitet, in welcyer dagegen protestiert werden soll, daß den englischen Offizieren der südafrikanischen Armee, welche als Rekonvaleszenten sich im hiesigen Nekonvaleszenten-Heim befinden, Sympathie-Kundgebungen bereitet werden sollen.

Pretoria, 13. Nov. Für die Flüchtlinge aus Trans­vaal werden jetzt wöchentlich 230 Erlaubnisscheine " zur Rückkehr ausgegeben.

Middleburg (Kapkolonie-, 13. Nov. Am 9. abends z e r st ö r t e der Burenführer F v u ch e eine kleine Strecke der Eisenbahnlinie zwischen Aliwal North und Burghersdorp durch Sprengung.

Meteorologische Beobachtungen

der Station Gießen.

12. Nov.

12. .,

9,2° C.

2,5° C.

am 11. bis 11-

Höchste Temperatur

Niedrigste

Dtooember

1

Barometer aus 0° reduziert

Temperatur der Lust

Absolute Feuchtigkeit

Relative Feuchtigkeit

Windrichtung

Windstärke

Wetter

12. 2* 1

739,0

+ 8,8

6,0

83

8.

4

bew. Himmel

12. 9i6

735,5

4- 2,9

3,0

66

[S.

2

Sonnenschein

13. 7as

733,3

+ 5,4

5,1

77

8.

2

bew. Himmel

Telephonischer Kursbericht-

l?'rankfcrt a. M., 13. November.

SVeO/n Reichsanleihe . . 100.65 1 Kreditaktien 194.80

3<Vo do. ... 89.45 3V,% Konsole .... 100.75 3% do......89.50

3l/a% Hessen .... 98.00 flo/a Italien. Rente . . . 99.30 4 /0 Griech. Monopo.l-Anl, 41.50 8°/j Portugiesen .... 25.80 8% Mexikaner .... 25.45

4*/s% Chinesen . i * 84^0

IW v

Diskonto-Kommandit . . 172.60 Darmstädter Bank . . . 118.70 Dresdener Bank .... 119.00 Berliner Handelsges. . . 131.70 Oesterr. Staatebahn . . . 132.80 Gotthardbahn 154.50 Laurahütte ..... 178,00 Bochum ..... . 160.75 fiarpener ..... 157.00 > ruhip